Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Castle Crashers - 4 haun aufm Putz

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
16.07.2019
21.11.2020
50
300.311
1
Alle Kapitel
19 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
13.12.2019 7.055
 
Am nächsten Morgen gab es einige Neuigkeiten. Noch vor dem Frühstück hörten sie, dass ab sofort alle Einwohner des Königreichs zehn Prozent ihres Einkommens in Form von Geld oder Gütern an den König abgeben mussten. Die grauen Ritter mussten dafür sorgen, dass es auch beim König ankam. Ihre Kollegen waren nicht gerade glücklich über diese neue Aufgabe. Gleich nach dem Frühstück mussten auch die vier Eliteritter bei König Castle anrücken, der gerade eine ziemlich zerknirschte Alexandra entließ. Offenbar hatte er ihr eine harte Rüge erteilt und sie musste nun sehen wie sie ihn wieder zufrieden stellen konnte. Aber auch die Ritter mussten sich einiges anhören.
„Eure Musik hörte sich ja schrecklich an“, beschwerte sich König Castle. „Man könnte fast glauben, sie käme direkt aus der Hölle.“
Als die darüber zu erwartende Bestürzung bei seinen Rittern ausblieb, wurde der König etwas blass.
„Ihr seid doch keine Satanisten oder?“
„NEIN!“ sagte Cyrill sofort.
Auch die anderen schauten verwundert aus ihren Rüstungen.
Der König atmete tief durch.
„Puh… für einen Moment dachte ich schon …, aber in der Kirche habt ihr euch auch nicht gerade von eurer besten Seite gezeigt. Ich weiß, ihr seid nicht oft in der Kirche, aber vielleicht solltet ihr die Gotteshäuser öfter aufsuchen, um für eure unsterblichen Seelen zu beten.“
„Wozu?“ fragte Thunder verwundert.
„Na, damit ihr später in den Himmel kommt“, sagte der König ungeduldig, weil er das Gefühl hatte wirklich alles erklären zu müssen.
Thunder, Venom, Cyrill und Pyro sahen aus, als würden sie ihm am liebsten sagen wollen, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gab, aber sie wussten, dass das vielleicht nicht so vorteilhaft wäre.
„Dazu muss man doch regelmäßig in die Kirche gehen und beten und so ein Kram, oder?“ wollte Venom mit Fachwissen glänzen.
„Ja und vor allem seine Sünden beichten.“
„Was ist daaaas?“ fragte Pyro mit der Betonung eines kleinen nervigen Kindes.
„Das ist, wenn man all seine Vergehen offenbart, einsieht und Besserung gelobt.“
Pyros Stirn zerfurchte sich, was unter dem Helm natürlich eh keiner sehen konnte.
„Das hört sich für mich … nicht besonders intelligent an. Außerdem wie lange soll der arme Mann sich da meine Geschichten anhören?“
„Willst du etwa in die Hölle kommen?“ fragte König Castle streng.
„Da gibt es doch Feuer, oder?“ fragte Pyro aufgeregt.
„Ja, und massig Dämonen, die einem die Haut abziehen und einen Foltern wollen“, sagte der König grimmig.
„Hört sich nach spannenden Kämpfen an.“
Der König verdrehte genervt die Augen.
„Wisst ihr eigentlich was das Kreuz auf euren Rüstungen bedeutet?“
Die Ritter sahen an sich herab, ganz so, als würden sie es erst jetzt bemerken.
„Das ist …“ fing Venom an, fand aber keine Erklärung.
„Na, das rote Kreuz, das Blutkreuz“, kam ihm Thunder schnell zur Hilfe.
„Und ich dachte immer, das wäre ein Plus, weil wir die Eliteritter sind“, erklärte Cyrill.
König Castle vergrub seinen Kopf in den Händen. Er wollte das einfach nicht glauben.
„Das Kreuz zeichnet euch als Krieger Gottes aus“, sagte der König barsch. „Ihr habt euch also nach der christlichen Lehre zu richten.“
„Oh…“ kam es von Venom.
Die anderen sagten gar nichts, sondern schauten nur verwundert aus ihren Rüstungen.
„Jedenfalls gab es nicht gerade viel Zuspruch von den anderen Königen. Ihren Rittern hat es wohl größtenteils gefallen, aber die anderen Könige sagen, dass ihr unglaublich antiautoritär seid und sich solche Musik für Ritter nicht gehört.“
„Aber es ging doch auch um ruhmreiche Kämpfe und dem Dienst am Königreich“, wandte Cyrill ein, in der Hoffnung noch etwas zu retten.
„Ja, das stimmt. Das hat sie auch etwas milde gestimmt. Dir will ich eigentlich keinen Vorwurf machen Cyrill. Meiner Meinung nach waren deine Texte wirklich ritterlich. Sie haben die Zuhörer inspiriert. Und es wäre noch schöner gewesen, wenn ihr anderen nicht so einen Krach gemacht hättet.“
„Aber dieser „Krach“ gehört doch dazu“, erklärte Thunder, für seine Verhältnisse, überraschend störrisch.
Wenn es um seine Hobbys ging, dann ließ er sich da nicht einfach so die Butter vom Brot nehmen.
Der König atmete noch einmal tief ein und aus.
„Na schön, jetzt haben wir es ja eh hinter uns und ich hoffe, dass es das auch erstmal war mit eurer Katzenmusik.“
Seine Ritter schauten ihn empört an. Sie hatten sich wirklich richtig ins Zeug gelegt und dann so abgespeist zu werden, fanden sie nicht fair.
„Versprecht mir, dass ihr Zukünftig mehr darauf achtet vor den anderen Königen eine gute Figur zu machen, nach den letzten Katastrophen haben wir das wirklich bitter nötig. Wenn das so weiter geht, sieht es wirklich schlecht für unser Königreich aus.“
Die Ritter mussten es ihm versprechen und durften dann wegtreten.


Als Sir Nesselsuppe ins Unterrichtszimmer trat sah er, wie sich seine Schützlinge wieder einmal prügelten. Pyro versuchte tatsächlich Venom, der Cyrill im Schwitzkasten hatte, umzuwerfen, was ihm natürlich nicht gelang, weil Venom fast zwei Mal so schwer war wie er selbst. Thunder schubste Cyrill, als der sich gerade befreien konnte, so dass er auf Pyro fiel, der wiederum auf Venom fiel, der leicht zur Seite taumelte und sie dann zurückdrückte.
"Was ist hier los?!" fragte ihr Lehrer mit harscher Stimme.
Die vier Ritter ließen von ihrer Beschäftigung ab und stellten sich auf. Ein leichtes Zucken umspielte die Mundwinkel von Sir Nesselsuppe. Immerhin ein kleiner Fortschritt.
"Sieht nicht so aus, als hättet ihr euch wie befohlen mit dem Thema tanzen auseinandergesetzt."
Die Ritter sahen sich verlegen an.
"Das ... äh.... das war ..." fing Venom an.
"Das war der Schubsetanz", sprang Thunder ihm bei.
Die linke Augenbraue von Sir Nesselsuppe hob sich skeptisch.
"Sah ja nicht gerade elegant aus", erklärte ihr Lehrer.
"Aber wir sind Ritter und keine Tänzer", hielt der blaue Ritter dagegen.
"Ja, echte Kerle tanzen doch nicht", erklärte Venom selbstsicher.
"Ach nein?" fragte ihr Lehrer amüsiert. "Also ich hab schon einige der größten Helden unserer Zeit tanzen sehen. Es zeugt von Achtung gegenüber dem Gastgeber und ihr werdet sehen, dass ihr so rasch die Bewunderung von anderen erhalten werdet."
"Und wer sagt, dass wir das wollen?" begehrte Pyro auf.
"Ich sag das", machte der alte Ritter mit der aufkeimenden Diskussion kurzen Prozess. "Ich werde euch gleich einen der einfacheren Tänze zeigen. In der nächsten Woche findet ein letzter Ball statt, bevor alle Könige abreisen."
"Aber ich dachte der König und die Prinzessinnen würden mit König Wilhelm gehen, um sein Sommerschloss zu besuchen?" fragte Venom verwundert.
"Ja, so ist es. Und ihr werdet sie begleiten, vergesst das nicht. Nun, dieser Abschlusstanz ist eine Sache der Höflichkeit. Es gehört sich so, um die Bande der Freundschaft zu festigen. Bei König Wilhelm wird es dann einen Willkommenstanz geben."
Pyro verdrehte die Augen.
"So ein Käse."
"Dieser ... Käse ... ist dazu da das Vertrauen ineinander zu festigen, sich besser kennen zu lernen und eine schöne Zeit miteinander zu verbringen."
"Da hat mir unser Konzert gestern aber besser gefallen", kam es zerknirscht von Thunder.
"Das glaub ich euch, aber ob eure Gäste das auch so sahen?"
Die Ritter sahen ihren Lehrer verwundert an.
"Also ich denke wir haben uns richtig ins Zeug gelegt", erklärte Venom und wüsste nicht, was er hätte besser machen können.
"Nun, ich muss zugeben, dass es ein sehr überraschender und aufschlussreicher Abend war", erklärte Sir Nesselsuppe diplomatisch. "Zuerst hielt ich es einfach nur für Krach, besonders bei dem ersten Stück was Cyrill gesungen hat. Es fing so schön an und dann explodierte der Lärm förmlich."
"Ja, oder? Das haben wir doch gut hingekrigt", freute sich Pyro und er und Thunder klatschten sich ab, denn sie waren für den Hauptanteil des Krachs verantwortlich.
"Ja, aufregend war eure Musik schon", gab der Lehrer zu. "Aber auch recht unkonventionell. Doch zwischen all dem Krach verbarg sich auch Kreativität. Besonders Cyrills Texte über eure glorreichen Schlachten und Abenteuer haben mir sehr gefallen."
Der blaue Ritter strahlte wegen diesem Lob.
"Es war intensiv zu spüren, wie alle Gäste richtig gefangen von deinem Text waren, als würden sie ebenfalls mit euch im Land des Drachen stehen und in der eisigen Einöde vor dem Schloss des Frostkönigs kämpfen."
Seine Freunde klopften Cyrill kumpelhaft auf die Schulter.
"Naja ... und dann kam Pyros Lied", sagte Sir Nesselsuppe und sein dünnes Lächeln verschwand schlagartig. "Was hast du dir überhaupt dabei gedacht so ein provozierendes Lied zu singen? Die Majestäten waren nach eurer Darbietung immer noch aufgebracht."
"Haha, so sollte das ja auch sein", sagte Pyro, für den das auch so etwas wie ein Lob war. "Ein alter Freund, der im Dienst des Königs starb, war ein verhinderter Barde. Bevor er auf dem Schlachtfeld fiel, überließ er mir seinen Text. Eigentlich hatte er ihn selbst einmal aufsagen wollen, doch es ging dann ja nicht mehr. Ich hatte ihm versprochen es eines Tages dem König vorzutragen und diese Schuld habe ich damit beglichen."
Der alte Ritter atmete tief durch und schloss dabei die Augen. Als er sie wieder aufschlug sagte er langsam: "Nun, das mag zeigen, dass du zu deinen Versprechen stehst, aber hast du dir denn keine Gedanken gemacht was das für ein Licht auch auf dich wirft? In dem Lied ging es doch auch darum, dass die Soldaten des Königs ihr Leben für das Reich geben und dass das Schlachtfeld in der harten Realität ganz und gar nicht episch und heroisch ist."
"Ein bisschen Realität kann den feinen Herren nicht schaden", meinte Pyro grimmig. "Sie dürfen ruhig wissen wie es aussieht, wenn sie ihre Befehle zum Kampf geben."
"Aber die beiden Lieder hinterher sind doch von dir gewesen, oder?" fragte Sir Nesselsuppe nach.
Pyro nickte.
"Dacht ich mir. Warum um alles in der Welt musstest du denn da so schreien? Da kriegt man ja Angst."
"Nehmen sie es ihm nicht übel", sagte Venom und legte Pyro eine Hand auf die Schulter. "Er braucht das als Ventil für seine Aggressionen."
Sir Nesselsuppe schüttelte seinen Kopf.
"Und du Venom, tiefer konntest du wohl nicht singen, oder?" fragte der Lehrer sarkastisch.
"Nein, tiefer ging wirklich nicht mehr", erklärte Venom und musste sich ein Lachen verkneifen.
"Dieses Lied, wie ihr den Berg des Vulkans erklommen und dann gegen ihn gekämpft habt im Land des Feuers, gab auch einen guten Einblick in eure Abenteuer. Aber was sollte denn das Lied danach?"
"Haben wir doch gesagt", sagte Venom ungeduldig. "Wir hatten das mal in einer Taverne gespielt. Der König hatte befohlen, dass wir neue Ritter anwerben sollten, das war noch damals vor der Sache mit der goldenen ..."
Cyrill gab ihm einen unmissverständlichen Stoß in die Rippen.
"Also vor nem Jahr oder so", verbesserte sich der grüne Ritter. "Wir brauchten also ein Lied, das die Leute in der Taverne so richtig anheizt und ihnen sagt wie es so ist dem König zu dienen."
"Lasst mich raten, ihr habt nachher nicht einen Ritter für eure Sache gewinnen können?" fragte der Lehrer in einem Tonfall, der klar sagte, dass die Frage eigentlich überflüssig war.
"Woher weißt du das?" wunderte sich Venom.
"Versucht eure Bewerber nächstes mal nicht so zu verängstigen und mit Kriegswerkzeugen gleichzusetzen, dann funktioniert es vielleicht und es wäre bestimmt besser, das Sterben für den König nicht so in den Vordergrund zu rücken."
"Naja, aber darauf läuft es doch letztendlich hinaus", sagte Pyro.
Der Lehrer hatte es schwer nicht die Fassung zu verlieren.
"Aber es bringt doch nichts, das so in den Vordergrund zu rücken", der Lehrer atmete tief aus. "So, was mir nicht so gefallen hat ist, dass du überhaupt kein Lied beigesteuert hast, Thunder."
"Ich?" fragte Thunder verwundert. "Aber ich hab doch bei der Erschaffung der anderen Lieder mitgemacht, vor allem wie die Töne kommen müssen. Du musst doch zugeben, dass meine Gitarrenriffs der Hammer waren."
"Ja, nun, viel lieber hätte ich aber mal ein ganzes Lied von dir gehört, um zu hören was von dir kommt, ein eigenes Lied."
"Ich mag es aber nicht zu singen", grummelte Thunder.
"Aber ich hab gehört wie du zwischendrin auch mal als zweite Stimme mitgesungen hast und bei dem dritten Lied von Pyro hast du ganz schön laut mitgegrölt."
"Das ist aber was anderes. Wenn noch jemand anders singt, dann ist es nicht so schlimm."
"Du stellst dich nicht so gerne in den Vordergrund, oder?" fragte der Lehrer ihn.
"Hm... kann sein", kam es wenig aussagekräftig vom roten Ritter.
"Hm..."
Der Lehrer dachte nach und sagte dann: "Dann habe ich eine Hausaufgabe für dich. Bis nächste Woche sollst du ein eigenes Lied schreiben, dass du dann vor dem Abschlusstanz vorträgst. Ich weiß, dass ihr mit der Minne noch keine großen Berührungen hattet, aber bei diesem Lied solltest du dich zumindest annähern. Deswegen sollten folgende Aspekte in dem Lied vorkommen: Das Rittertum, das Tanzen und die Liebe."
"Nein! Bloß nicht!" wehrte der rote Ritter ab. "Das kannst du mir doch nicht antun. Ich will doch da nicht wie ein verliebter Kater auf der Bühne stehen."
Doch sein Lehrer ließ sich von seiner Qual nicht erweichen.
"Und ihr werdet ihm dabei helfen", sagte er und zeigte auf seine Freunde. "Und diesmal sollte es etwas normalere Klänge geben. Nicht so eine Katzenmusik. Versucht doch mal was angenehmeres, schöneres, Fröhlicheres. Etwas wo man mitklatschen und tanzen und fröhlich sein kann."
"Muss das sein?" fragte Venom.
"Ja, das muss sein."
"Aber so kommt das doch viel zu öde, es muss doch aufregend sein", versuchte Pyro seinem Freund da irgendwie rauszuhelfen.
"Weißt du Pyro, es gibt tatsächlich Leute, die es schätzen, wenn sie am Ende ihres harten Arbeitstages einfach in Ruhe bei fröhlicher Musik ausspannen können", sagte Sir Nesselsuppe mit einer Stimme, als würde er einem kleinen Kind beibringen wollen, dass eins und eins zwei ergibt.
"Aber das ist doch total langweilig", entgegnete Pyro und fügte leidenschaftlich hinzu: "Die Musik muss die Zuhörer aus ihren Sitzen hauen! Sie muss ihre Körper in bebenden Wellen durchdringen! Die Herzen müssen hämmern! Und dann brennen MIT EWIGEM FEUER!"
Sir Nesselsuppe verdrehte die Augen was Pyros Freunde veranlasste leise zu lachen. Es war einfach zu komisch zu sehen wie der sonst so förmliche alte Ritter mit seiner Fassung zu kämpfen hatte.
"Ich wollte das eigentlich nicht sagen", fing ihr Lehrer an. "Aber ich glaube bei dir stimmt irgendwas da oben nicht."
Er tippte sich an den Kopf.
"Naja, es ist ihr Kopf, da hab ich ja auch nichts zu suchen", sagte Pyro verschmitzt.
"Lassen wir das. Nächste Woche findet der Abschlussball statt. Bisher habt ihr euch immer erfolgreich vorm Tanzen gedrückt.“
„Wir hatten ja auch besseres zu tun“, kam es von Pyro.
„Ja, die Prinzessinnen beschützen zum Beispiel“, fiel Thunder mit ein.
Sir Nesselsuppe winkte ihre Einwände kurz durch und fuhr dann fort: „Aber diesmal werdet ihr von euren Pflichten freigestellt, damit ihr standesgemäß an der Festivität teilnehmen könnt.“
„Da würde ich lieber arbeiten“, erklärte Thunder grummelnd.
„Sagt bloß ihr könnt nicht tanzen“, stichelte Sir Nesselsuppe.
„Naja“, kam es von seinen Schützlingen zurück, von denen ihm einige trotzig, andere beschämt entgegenblickten, woraufhin dem Lehrer sein Lächeln aus dem Gesicht fiel.
„Ihr könnt wirklich nicht tanzen?“ fragte er ungläubig.
„Nicht so richtig“, gab Cyrill zu.
„Wir haben es ja nie gebraucht“, verteidigte sich Venom.
„Hätte ich wissen müssen bei all den Bildungslücken, die ihr sonst habt“, sagte der Lehrer. „Nun gut. Was anderes. Was werdet ihr tragen?“
Die jüngeren Ritter sahen sich verwundert an.
„Unsere Rüstungen, oder etwa nicht?“ fragte Cyrill.
„Nein, natürlich nicht“, kam es unwirsch von Sir Nesselsuppe. „Ritter, die in Rüstungen tanzen hat man sowas schon gesehen? Tragt doch eure Festtagsgewänder.“
„Unsere Fest… was?“ fragte der blaue Ritter verwundert nach.
„Jetzt sagt nicht, ihr habt keine?“ fragte der alte Ritter fast schon verzweifelt.
„Abgebrannt“, erklärte Thunder trocken.
Venom nickte.
„Hatte nie sowas“, erklärte Pyro.
„Ich weiß nicht mal wovon ihr überhaupt redet“, gab Cyrill zu.
„Das ist hochwertige Kleidung, die nur zu besonderen Anlässen getragen wird. Also wie zu dem Ball, zu dem ihr gehen sollt“, klärte sie der Lehrer auf. „Naja, es ist ja noch eine Woche Zeit, bis dahin könnt ihr euch passende Kleidung kaufen, oder schneidern lassen.“
„Hört sich an, als wenn das viel Gold kostet“, überlegte Pyro.
„Na und? Ihr seid Ritter. Für euch sollte es ein leichtes sein so etwas zu bezahlen“, kam es leichthin vom alten Ritter, doch er bereute es sofort wieder, als er sah wie Pyro anfing in einer Tasche zu kramen.
„Also ich hab hier …“ sagte der Feuerritter und legte offen was er bei sich trug. „… drei Kupfermünzen und ein Hosenknopf.“
„Wozu der Hosenknopf?“ fragte Thunder verwundert.
„Naja, man weiß ja nie wann man mal einen braucht“, gab Pyro achselzuckend Antwort.
„Du wirst ja wohl noch anderen Besitz haben“, schnarrte Sir Nesselsuppe.
„Was für Besitz?“ fragte Pyro verwundert.
„Du willst mir doch nicht erzählen, dass du nur das hast was du am Leibe trägst?“ hakte der Lehrer nach.
„Ich hab noch ein Schwert …“ kam es fast schon fragend vom armen orangenen Ritter.
Sir Nesselsuppe stöhnte.
„Du bist wirklich der armseligste Ritter, der mir je unter gekommen ist, weißt du das?“ fragte Sir Nesselsuppe ärgerlich. „Dann frag deine Kollegen, ob sie dir dieses eine Mal aus deiner Notlage heraushelfen und dir etwas Gold borgen.“
„Natürlich machen wir das“, erklärte Cyrill sofort. „Aber was heißt dieses eine Mal?“
Der blaue Ritter grinste und stupste Pyro herausfordernd an. Der Lehrer wollte dieses Thema abschließen.
„Dann muss es heute erstmal noch in euren Unterkleidern gehen. Kommen wir zur Musik für den Ball“, sagte Sir Nesselsuppe und drehte sich zur Tafel.
„Was sind denn das für komische Zeichen?“ fragte Pyro verwundert, als der Lehrer die Noten an die Tafel schrieb.
Sir Nesselsuppe drehte sich mit gerunzelter Stirn um.
„Das sind Musiknoten. Die müsstest du doch aber kennen, immerhin spielst du doch in einer Band.“
„Und da glaubst du ernsthaft ICH würde mir von irgendwelchen Strichen vorschreiben lassen wie ich auf die Trommeln einzuschlagen habe?“ fragte Pyro ungläubig.
„Ja, wie dumm von mir“, sagte der Lehrer sarkastisch und unversehens rutschte ihm heraus: „Wäre ja auch mal ganz was Neues, wenn du dir von irgendwas oder irgendwem was sagen lassen würdest.“
„Schön, dass du es auch so siehst“, sagte Pyro grinsend. „Ich mach beim Spielen einfach wie ich denke. Mein inneres Feuer leitet mich zur Musik.“
„Du meinst zum Krach“, stellte der Lehrer richtig. „Aber ihr anderen kennt Noten doch lesen, oder?“
„Natürlich“, kam es gleich von Thunder.
Cyrill und Venom nickten.
„Und warum habt ihr ihm das dann nicht erklärt?“ wollte der Lehrer wissen.
„Haben wir“, wehrte sich Thunder.
„Mehrmals“, kam es von Venom.
„Aber es ist, als würde man mit einer Wand reden“, erklärte Cyrill.
Der Lehrer glaubte das sofort.
„He“, empörte sich Pyro. „Wenn mir keiner glaubhaft erklären kann warum man es sich extra kompliziert machen sollte, warum sollte ich mich dann überhaupt darum scheren?“
Der Lehrer stöhnte.
„Was meinst du?“ fragte er genervt.
„Na, das sollen doch Buchstaben symbolisieren. C, d und was weiß ich. Warum schreibt man das dann nicht gleich hin anstatt da jetzt irgendwelche Linien und Tropfen mit Strichen hinzumalen? Warum verschlüsselt man es noch mal extra? Ergibt doch überhaupt keinen Sinn.“
„Du weißt wohl immer alles besser, oder?“ kam es ungehalten vom Lehrer. „Nur, weil du es nicht verstehst, heißt das nicht, dass es keinen Sinn ergibt. Aber nur mal so aus Neugier: Wie würdest du es denn machen?“
„Na ganz einfach. So wie man spielen soll so wird es aufgeschrieben und dann macht man die gleichen Zeichen auf die Instrumente. Warum sind es überhaupt Buchstaben? Es könnten ja auch Zahlen oder Farben sein. C könnte zum Beispiel blau sein. Bei einem Saiteninstrument könnte man die Saiten so schön bunt färben. Da sähe toll aus und wenn man vergessen hat welche Saite welchen Ton macht, sieht man es ganz einfach an den Farben.“
Der Lehrer kam aus seinem Unglauben gar nicht mehr heraus.
„Du hast zu viel Kreativität Pyro. Nimm es doch einfach mal so an, wie es ist.“
„Aber so wie es ist, ist es scheiße!“ explodierte Pyro plötzlich.
„Jetzt ist aber genug!“ sprach Sir Nesselsuppe ein Machtwort. „Über diese Sachen haben sich viel weisere und klügere Leute die Köpfe zerbrochen. Die Noten zeigen nicht nur an welcher Ton gespielt werden soll, sondern auch wie schnell. Ein Notenkopf, der nicht ausgefüllt ist steht für ganze und halbe Noten. Ein ausgefüllter Notenkopf für Viertel und Achtelnoten und so weiter. Die Striche, wie du sie nennst, zeigen an, dass eine Note kleiner als eine Ganze ist. Bei Notenköpfen im oberen Bereich, in der Regel ab der dritten Notenlinie, setzt der Hals links am Kopf an und wird nach unten geführt. Bei tiefer stehenden Notenköpfen setzt der Hals rechts am Kopf an und wird nach oben geführt. Ausnahmen ergeben sich, wenn mehrere Stimmen im selben Notensystem notiert werden: Dann zeigen die Hälse der höheren Stimme nach oben und die der tieferen nach unten.“
„Das ist doch viel zu kompliziert“, beschwerte sich Pyro. „Warum macht man es den Leuten so schwer?“
„Musik ist nun mal nichts für Dummköpfe“, sagte Sir Nesselsuppe schneidend.
Der Feuerritter sah ihn hitzig an und sah aus, als würde er gleich wieder hochgehen.
Sir Nesselsuppe ignorierte das und ließ Pyro einfach links liegen, um zu seiner ursprünglichen Erklärung zurückzukommen.
„Also, dieses Lied wird nächste Woche beim Ball gespielt. Ich spiele es jetzt mal auf der Laute vor und dann werde ich euch die Schrittfolgen für den Tanz zeigen. Rüstung ablegen und dann fangen wir an mit dem Training.“
„Hm… in dieser Kombination hab ich den Satz auch noch nie gehört“, kam es von Thunder.
Wenig später standen sie in Unterkleidung, in Pyros Fall in Lumpen, vor ihrem Lehrer.
„In deinen Klamotten sind mindestens ein halbes Dutzend Löcher“, beschwerte sich Sir Nesselsuppe.
„Atmungsaktive Kleidung nennt sich das“, sagte Pyro schlagfertig.
„Versprecht mir, dass ihr sehr bald mit ihm zum Schneider geht“, bat der Lehrer die anderen.
„Machen wir. Ich kann das ja auch kaum noch mit ansehen“, meinte Venom.
Der grüne und der rote Ritter hatten immerhin relativ hochwertige Klamotten in rot und grün. Cyrills war zwar alt und grau, aber hatte immerhin noch keine Löcher.
„Fangen wir lieber mit dem Tanzen an, ich zeig euch jetzt die einfachste Schrittfolge."
Der alte Ritter zeigte ihnen wie er sich den Tanz vorstellte und seine Schäfchen versuchten es ihm gleichzutun. Es wäre untertrieben zu sagen, dass sie rettungslos versagten.
"Den Fuß dahin! Nein, dahin! Und dann .... so wird das doch nichts", kam es vom Lehrer, der nach einer halben Stunde kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand.
Auch seine Schüler hatten schlechte Laune. Venom fand das alles viel zu kompliziert und vermachte sich andauernd mit den Schrittfolgen. Cyrill wusste zwar wie er tanzen sollte, doch es sah viel zu hölzern aus. Ihm fehlte da der Schwung und die Leidenschaft. Thunder hatte überhaupt keine Ahnung wie er was machen sollte und Pyro tat sich überhaupt schwer damit die Anweisungen auszuführen. Er fühlte sich wie eine Marionette an Fäden. Er fand es schlimm genug überhaupt die Anweisungen von Sir Nesselsuppe zu befolgen, dann auch noch jeden Schritt vorgeschrieben zu bekommen war für ihn beinahe unerträglich. Er hatte wirklich hart damit zu kämpfen sich zu fügen.
"So wird das nichts", sagte Sir Nesselsuppe nach einer weiteren halben Stunde. "Habt ihr denn nie zugesehen wie andere getanzt haben?"
"Doch, ein paar Mal, aber war uns egal", sagte Thunder genervt.
"Ja, das sehe ich. Ich hoffe ihr verbessert euch bis morgen. Wir üben das jetzt jeden Tag, bis es sitzt."


Nach dem Mittagessen trainierten sie mit den grauen Rittern im Hof.  Das hieß Cyrill, Venom und Thunder trainierten. Pyro stand gelangweilt daneben.
„Na los, mach mit!“ rief Cyrill ihm zu, der gerade seinen dreißigsten Liegestütz absolviert hatte.
„Das ist öde“, entgegnete Pyro gelangweilt.
„Das ist dazu da, damit du stärker wirst“, klärte Gray ihn überflüssigerweise auf.
Er schritt gerade durch die Reihen seiner Krieger und kontrollierte deren Haltung, um sie wenn nötig zu verbessern.
„Es ist trotzdem öde.“
„Selbst ich mach mit“, sagte Venom keuchend, der auf dem Boden lag und immer wieder aufs Neue seinen Oberkörper nach oben wuchtete.
„Wenn dir das Spaß macht, dann ist das deine Sache“, sagte Pyro wenig beeindruckt.
„Macht es nicht, aber ich weiß, dass wir unsere Stärke brauchen, wenn es hart auf hart kommt. Thunder macht doch auch mit.“
Der rote Ritter lief immer wieder seine Runden im Hof.
„Das sieht auch furchtbar langweilig aus.“
Cyrill verdrehte die Augen.
„Es kann ja nicht immer alles Spaß machen Pyro. Manche Sachen muss man halt einfach tun.“
„Wer sagt das?“ fragte der Feuerritter rebellisch.
„Ich, hast du doch gerade gehört.“
Der Eisritter grinste.
„Komm schon, das wird dich schon nicht umbringen.“
„Aber langweilen.“
„Jetzt hör auf mit dem Gemaule und mach endlich mit!“ sagte Gray genervt.
„Du hast mir gar nichts zu befehlen!“ raunzte Pyro hitzig zurück.
„Dann geh halt“, sagte Venom genervt.
„Mach ich auch!“
Damit stiefelte der orangene Ritter, der sich nichts sagen lassen wollte, davon.
„Puh … anstrengend der Typ“, kam es von Gray, der jetzt selbst immer wieder in die Hocke ging und dann aufsprang, um seine Bänder zu trainieren.
Die Eliteritter wollten lieber nichts dazu sagen. Sie kannten ihren Freund und wussten wann sie ihn in Ruhe lassen sollten. Diskutieren brachte da gar nichts. Genauso gut könnte man versuchen eine Wand dazu zu überreden beiseite zu gehen. Cyrill störte Pyros Verhalten. Ein harmonischer Umgang war ihm wichtig. Während des Trainings krochen seine Gedanken immer ungewollt zu seinem Freund. Meist überkam ihn dann Frust und Ärger, weil der wieder mal so ein Aufhebens wegen nichts machte. Es störte einfach nur. Deswegen war er nicht so sehr bei der Sache wie er gerne wollte und das ärgerte ihn. Das Training war lang und anstrengend. Viele der grauen Ritter sahen aus, als würden sie bald aus den Latschen kippen. Sie waren es gewohnt, die meiste Zeit in der Burg zu verbringen und hin und wieder mal in den umliegenden Dörfern zu patrouillieren. Grey und die Eliteritter wollten aber sichergehen, dass sie auch die Ausdauer für einen langen Kampf hatten. Nach dem ausgiebigen Muskeltraining trainierten sie den Schwertkampf. Viele stellten sich gar nicht mal so dumm an. Sie konnten sich nicht so sehr auf ihre Magie verlassen und deswegen war es auch wichtig, dass sie gut mit dem Schwert umgehen konnten. Gabriel war immer noch ein schwerer Fall. Grey raunzte ihn immer mal wieder an, wenn er seine Deckung vernachlässigte oder zu defensiv kämpfte. Tatsächlich konnte er keinen einzigen Treffer landen. Durch Greys Kritik wurde der Junge noch unsicherer. Sichtlich erleichtert stellte er sich beiseite, als der Kampf vorbei war und er verloren hatte.
„Das muss noch viel besser werden, Gabriel“, sagte Grey. „Ich weiß du findest das hart, aber wir wollen dir ja nur helfen. Besser du bist vorbereitet, als das du nachher in der Schlacht fällst.“
„Ich weiß“, sagte Gabriel leise und hörte sich dabei sehr niedergeschlagen an.
„Du packst das schon“, sagte Ruben aufmunternd und klopfte ihm auf die Schulter.
„Ich denke das soll es für heute erstmal gewesen sein“, sagte Grey und ließ seine Kämpfer wegtreten, die sich auf eine kalte Dusche freuten.
„Wir gehen mal gucken wo sich Pyro herumtreibt“, sagte Cyrill.
Er hatte zwar Venom und Thunder nicht gefragt, wie sie dazu standen, doch ging er davon aus, dass sie mitkommen würden.
„Ich schließ mich an. Ich muss zugeben, ich fühl mich ein bisschen schlecht, weil ich ihn so angeschnauzt habe. Er hat mich mit seinem Verhalten genervt.“
So machten sich die vier auf den Weg. Es dauerte auch gar nicht lange bis sie ihn gefunden hatten. Sie brauchten nur eine mit einem Weidenkorb beladende Magd fragen, die ihnen rasch Auskunft geben konnte. Pyro saß auf der Tribüne der Arena und spielte mit den Riesenkatzen. Er nutzte dafür ein glänzendes Metallstück, das er so gegen die Sonne hielt, dass ein heller Fleck auf dem Sand der Arena erschien. Den ließ er hin und her huschen. Die Katzen jagten ihm nach und rannten sich dabei gelegentlich gegenseitig über den Haufen. Doch offenbar war es ihnen egal. Sie waren so euphorisch, dass sie immer wieder maunzten. Sie genossen sichtlich diese Aktivität. Normalerweise gab es nicht so viel Beschäftigung für sie. Sie waren zu gefährlich, als dass sie frei im Königreich herumlaufen durften. Lange Ketten verbanden sie mit massiven Säulen der Arena. Es war schon lange her, da hatte Pyro die Idee, diese Ketten zu durchtrennen, damit „die armen Miezen“ auch mal frei sein konnten. Schnell stellte sich heraus, dass das eine katastrophale Idee gewesen war. Die Katzen spielten so ziemlich mit allem was ihnen in den Weg kam, ob Ochsenwagen, Menschen oder leuchtenden Laternen und hinterließen ein Trümmerfeld. Immerhin konnte Pyro sie durch diesen Spiegeltrick wieder in die Arena lotsen, wo sie erneut angekettet wurden. Dem Feuerritter taten die Katzen immer noch leid. Seiner Meinung nach war das hier keine artgerechte Haltung. Er versuchte öfter mal Zeit zu finden, um mit ihnen zu spielen.
„Streichelst du sie auch?“ fragte Gray belustigt.
„Nicht wenn sie spielen“, erklärte Pyro. „Sie streicheln zu wollen, während sie im Spiel sind ist eine ganz blöde Idee.“
„Pyro kann sogar mit ihnen reden“, erklärte Thunder grinsend.
Gray sah erst den roten dann den orangenen Ritter verwundert an, nicht sicher, ob er ihn gerade veräppeln wollte.
„Es gab immer Katzen auf dem Hof meiner Eltern“, erklärte Pyro völlig ernst. „Es ist gar nicht so schwer. Eigentlich haben sie eine erstaunlich effektive Art der Kommunikation. Jedenfalls im Vergleich zu unseren Herrschern. Die reden ewig ohne irgendwas auszusagen. Eine Katze macht einen Ton und alles ist gesagt.“
Er gab ein kurzes Maunzen von sich und Kitty und Morle zuckten mit den Ohren, dann sahen sie zu ihm hoch und gaben eine Mischung aus Schnurr- und Maunzlauten von sich.
„Ach, und was sagen sie?“ wollte Grey irritiert wissen.
Er wusste nicht, ob er lachen sollte.
„Das heißt etwa: Wir wissen, dass du da bist. Das ist schön“, erklärte Pyro. „Es geht nicht um Worte, sondern um Aussagen bei Tieren.“
Er gab noch ein längeres Maunzen von sich.
Morle sah ihn nur an und gab ein leises Gemaunze von sich doch Kitty kam heran, räkelte sich an der Arenamauer und schärfte dann ihre Krallen an der Wand. Sie hinterließ dabei tiefe Furchen.
„Sie will, dass ich weiter mit ihr spiele.“
Pyro nahm wieder das glänzende Metallstück zur Hand und ließ das Leuchten über den Sand fliegen. Sofort brach wieder eine wilde Jagd aus.
„Venom kann auch Kätzisch und ich versuche es Cyrill beizubringen“, erklärte Pyro immer noch völlig ernst.
„Wenn du Kätzisch kannst, bist du dann ein Kätzer?“ fragte Thunder grinsend.
„Möglich“, sagte Pyro amüsiert, der jetzt ebenfalls grinste.
Grey fühlte sich immer noch veräppelt.
„Er hat einen Kahn an den Kopf gekriegt“, flüsterte Cyrill, dem das ganze peinlich war.
„Aha, das erklärt eine Menge“, kam es von Grey.


Später waren die vier bei den Prinzessinnen in Goldis Zimmer, um sie zu bewachen. Als die Ritter hereinkamen, warfen sich Saphira und Rubinia einen Ball zu, Smaragda feilte an einem neuen Gedicht und Goldi malte ein Bild. Darauf war schon ein nächtlicher See zu sehen, an dessen Ufer eine Trauerweide stand.
„Warum hast du denn so tief und aggressiv gesungen?“ fragte Prinzessin Smaragda, die sofort zu ihrem Ritter sah und ihrer Stimme war deutlich ihr Missfallen anzuhören.
„Tja, also …“
Venom wirkte ganz schön verlegen. Pyro grinste spitzbübisch.
„Das ist, weil du Venom nur von seiner guten Seite kennst. Im Kampf kann er zum Tier werden und beim Singen lässt er auch richtig die Sau raus.“
Der grüne Ritter warf ihm einen giftigen Blick zu.
„Es war doch nur aus Spaß“, erklärte er der Prinzessin.
„Und ich hab gedacht du wärst ein gutmütiger und ehrbarer Ritter.“
„Wirklich?“ fragte Thunder verwundert.
„Ja!“ sagte die grün gekleidete Prinzessin scharf. „Immerhin sind es wenn dann Pyro und Cyrill, die dummes Zeug machen.“
„He!“ empörte sich Cyrill. „So viel dummes Zeug hab ich doch gar nicht gemacht.“
„Reicht ja wohl, dass du Goldi zu einer Monstrosität hast werden lassen“, kam als Antwort zurück.
Goldi kicherte, sie fand die Erinnerung daran wohl eher lustig. Cyrill fühlte sich aber ein wenig unwohl in seiner Rüstung.
„He komm, jetzt hör auf sie so anzumotzen“, hielt Rubinia ihre Schwester zurück. „Lasst uns lieber was zusammen machen.“
„Und was?“ wollte Cyrill wissen, dem etwas unwohl war.
„Hast du Lust was mit mir zu malen Pyro?“ fragte Goldi.
„Klar.“
„Und wir reden mal miteinander“, beschloss Smaragda und zog Venom am Arm durch das Zimmer in eine stille Ecke.
„Siehst du dir mal meine Noten an?“ fragte Rubinia Thunder. „Mir fiel ein neues Lied ein. Ich würde gerne wissen was du davon hältst.“
„Gerne“, sagte Thunder gut gelaunt.
Saphira und Cyrill sahen sich einen Moment unschlüssig an, dann fragte die Prinzessin: „Hast du Lust auf eine Runde Schach.“
„Hört sich gut an.“
So beschäftigten sich die acht für die nächste Stunde, bis Rubinia alle zusammenrief und verkündete: „Thunder und ich hatten die Idee, dass wir mal ein Lied zusammen spielen könnten. Was haltet ihr davon?“
„Ob das so gut harmoniert?“ fragte Venom zweifelnd.
„Können es ja versuchen“, sagte Pyro optimistisch.
Eilig riefen die Prinzessinnen die Diener herbei, die jetzt die Instrumente herbeischaffen mussten. Dann verschwanden sie eilig wieder und suchten ihr Heil in der Flucht in der Hoffnung, auf der anderen Seite der Burg würde man die Musik nicht mehr so sehr hören. Tatsächlich war ihr erster Versuch nicht sehr vielversprechend. Die Musik der Damen ging in den Harten Klängen von Pyro und Thunder fast völlig unter.
„Versucht mal etwas sanfter zu spielen“, schlug Rubinia vor.
„Wie geht das?“ wollte der Elektroritter wissen.
„Was ist das?“ wollte der Feuerritter wissen.
„So leichtere Töne. So wie am Anfang von Cyrills Liedern, beim zweiten ging es ja auch obwohl ihr beide mitgespielt habt“, erklärte Smaragda.
„Obwohl?“ fragte Thunder leicht verärgert.
Doch sie versuchten es. Tatsächlich es klappte. Pyro und Thunder waren zwar nicht begeistert, aber immerhin waren die anderen jetzt zu hören. Es war eine seltsame Mischung aus weichen und harten Tönen. Zum einen war es atemberaubend anzuhören, aber dann wieder eine Qual für die Ohren. Sie hatten etwa eine halbe Stunde gespielt, da platzte plötzlich der König ins Zimmer.
„Was soll das? Hört sofort auf mit dem Krach!“
„Aber Vater, wir proben hier!“ empörte sich Rubinia.
„Das höre ich. Dabei hab ich den Rittern doch verboten wieder zu spielen.“
„Hast du?“ fragte Pyro verwundert.
„Ja, und das war erst heute Morgen“, sagte der König säuerlich.
„Kann ich mich gar nicht erinnern“, traute sich Pyro auszusprechen.
„Ich hab gesagt, dass ich hoffe, dass es das erstmal war mit eurer Katzenmusik!“ brüllte der König, der wieder diese ungesunden Flecken im Gesicht bekam.
„Ach … und das sollte ein Befehl sein?“ fragte Pyro verwundert.
Offenbar hatte er dann so einige Befehle überhört, weil er sie gar nicht als Befehl erkannt hatte.
„Ja, sollte es! Also nochmal. HÖRT BLOSS AUF MIT DEM KRACH! LASST DAS SEIN! ES SEI DENN ICH FORDERE EUCH DIREKT DAZU AUF!“
Die Ritter zogen lange Gesichter. Besonders Thunder war wirklich enttäuscht. Die Prinzessinnen waren auch nicht gerade glücklich. Ihr Vater knallte wütend die Tür zu.
„So wütend hab ich ihn noch nicht gesehen“, erklärte Rubinia.
„Nicht? Also wir schon“, kam es von Pyro.
„Woran das wohl liegt?“ fragte Smaragda keck.
„Und was machen wir jetzt?“ wollte Thunder geknickt wissen.
„Wir werden uns wohl wieder weit entfernte Orte zum Spielen suchen müssen“, erklärte Pyro.
„Nein, ich meine JETZT, jetzt im Moment, was machen wir?“ fragte der rote Ritter.
„Nächste Woche ist doch der Ball. Wir könnten tanzen üben“, erklärte Rubinia. „Ich hab ja gehört, ihr könnt Nachhilfe dringend brauchen.“
Sie grinste.
„Hast du?“ fragte Cyrill bedrückt.
„Woher?“ fragte Thunder.
„Ach … man hört so einiges im Schloss“, sagte Rubinia grinsend.
„Na los, legt eure Rüstungen ab, damit wir anfangen können!“ befahl Smaragda und nach kurzem Zögern kamen die Ritter dem Befehl nach.
Es dauerte keine zehn Minuten, da sagte Smaragda: „Ist ja furchtbar, ihr könnt wirklich überhaupt nicht tanzen. Wir müssen ganz bei null anfangen.“
Die Ritter grummelten.
„Stellt euch mal auf!“ befahl jetzt Saphira.
Die Ritter taten es und Stück für Stück erklärten die Prinzessinnen wie sie sich zu bewegen hatten. Nach einer halben Stunde waren die Männer immerhin nicht mehr völlig hilflos und die Prinzessinnen tanzten mit ihnen zusammen, wobei sie ihre Ritter mit einigen Knuffen in die richtige Position drängten.
„Was wollt ihr zum Ball tragen?“ fragte Saphira.
„Mit diesem Lumpen solltet ihr besser nicht aufkreuzen“, sagte Smaragda und rümpfte bei Pyros Auftreten die Nase.
„Wir sollen einkaufen gehen, so Festumhänge, keine Ahnung wie die auszusehen haben“, erklärte Cyrill bedrückt.
Von Mode hatte er überhaupt keinen Plan.
„Toll. Lasst uns doch morgen gemeinsam einkaufen gehen, ich hab da schon eine Idee“, sagte Saphira strahlend.
„Wer bezahlt eigentlich deinen Festumhang?“ wollte Goldi von ihrem Ritter wissen, denn sie konnte sich schon denken, dass er nicht genug Gold hatte.
„Ähm… die Jungs legen was für mich aus.“
„Mal wieder“, grummelte Venom.
„Ach lasst mal. Ich bezahl das für Pyro, immerhin ist er mein Ritter, da bin ich doch auch für ihn verantwortlich.“
Pyro hob verwundert eine Braue, sagte aber nichts. Hauptsache irgendwer bezahlte die Klamotten.
„Ich freu mich schon auf morgen“, sagte Spahira.
„Ja, das wird ein Spaß“, sagte Rubinia und kicherte.
Die Ritter waren sich da nicht so sicher.


Nach dem Wachdienst teilten sie sich auf. Pyro musste wieder in den Unterrichtsraum, um dort das Ritterbuch weiter abzuschreiben. Cyrill entschied Laufen zu gehen, um seine Fitness weiter zu trainieren. Nach dem Tag brauchte er auch etwas Zeit für sich, ohne die anderen. Venom und Thunder setzten sich zusammen an den Tisch am Fenster des Ritterschlafsaals, um einen ersten Entwurf für das Lied zu machen, welches der rote Ritter spielen sollte. Zuerst kamen sie nicht so recht voran. Ihnen fehlte eine Eingebung.
„Puh… gar nicht so leicht einen Anfang zu finden“, gab Thunder zu.
„Irgendwas mit Ritter, Tanzen und Liebe“, überlegte Venom.
„Und daraus soll ein Lied werden? Das hört sich doch bestimmt voll bescheuert an. Ich bin doch kein Casanova, dass ich sowas singe.“
„Du singst für gewöhnlich überhaupt nicht“, zog ihn Venom grinsend auf.
„Genau“, stimmte Thunder zu. „Hm… wart mal, mir kommt da so eine Melodie in den Kopf. Dididi dididi dididididii…“
Venom verzog das Gesicht.
„Meinst du das wird was?“
„Natürlich wird das was, es muss ein guter Rhythmus her. Hm… mit dem Text weiß ich noch nicht so.“
Cyrill kam gerade vom Laufen zurück und wollte sich einen kleinen Spaß machen. Er rannte auf sie zu und schubste sie.
„He, was soll das?“ raunzte Thunder.
„Schubsetanz“, sagte Cyrill grinsend.
Thunders Miene hellte sich auf.
„DAS ist es!“
„Was meinst du?“ fragte Cyrill, der nicht wusste was für einen Stein er da ins Rollen gebracht hatte.
„Der Schubsetanz ist genau das Richtige für das Lied. Wirklich tanzen können wir nicht, aber wir können den Schubsetanz, das passt auch besser zu Rittern. Ich verpass den Vorgaben einfach unsere persönliche Note, dann kommt auch was Interessantes bei heraus.“
Venom und Cyrill sahen sich verwundert an, aber Thunder war schon eifrig dabei seine Gedankengänge krakelnd und kleksend zu Papier zu bringen. Es ging gut voran und nach einer Stunde präsentierte er seinen Freunden und den anderen Rittern seinen Prototyp. Venom und Cyrill waren begeistert, einige der grauen Ritter fanden es auch gut, wobei ein paar andere meinten, das wäre immer noch zu speziell.
„Wieso? Wir spielen auch nicht so aggressiv. Mehr Folklore, so wie Sir Nesselsuppe das wollte“, entgegnete Thunder.
„Worum geht’s?“ wollte Pyro wissen, der gerade zur Tür hereinkam.
„Das Lied, ich denke ich hab gute Ideen“, erklärte Thunder, der jetzt zufrieden mit seiner Arbeit in sein Bett kletterte.
„Oh .. ok“, kam es vom Feuerritter.
Er ging auf sein Bett zu und kratzte sich am Kopf.
„Was wollte ich euch noch gleich sagen?“ fragte Pyro zerstreut, blieb stehen und sah sich verwirrt um. „ Ich hab komplett vergessen was ich jetzt hier wollte, ich glaub ich wurde gerade geblitzdingst.“
„He, was siehst du mich so an?“ fragte Thunder grinsend. „Ich wars nicht.“
Venom gähnte, lugte aus seinem Bett hervor und erklärte schläfrig: „Das ist irgendwie so deswegen, weil wenn wir in einen anderen Raum gehen, dann ändert sich ja die Umgebung und damit auch irgendwie dieses Empfindungsdingensda von der Realität was wir jetzt gerade haben. Wir nehmen die neue Umgebung wahr und werden dann gleichzeitig mit einer anderen Form von Information überflutet, was dafür sorgt, dass das was wir gerade noch im Kopf hatten mehr oder weniger verdrängt wird.“
Pyro grinste.
„Aha, Professor Venom erklärt die Welt.“
„Hast du irgendwelche dubiosen Substanzen eingeworfen?“ fragte Cyrill skeptisch. „Du klingst so komisch“, kam es von Cyrill, der seinen grünen Kumpel skeptisch ansah.
„Ich bin ein bisschen müde“, kam als Antwort.
„Was du nicht sagst“, lachte der Eisritter.
„Ahja, jetzt weiß ichs wieder“, kam es von Pyro, der tatsächlich das Zimmer verlassen und erneut betreten hatte. „Sir Nesselsuppe hat mir gesagt, dass ich so gut vorankomme, dass ich bei einem neuen Projekt mitmachen darf.“
Die anderen Ritter im Raum sahen ihn verwundert an.
„Du?“
„Ja, ich. He was guckt ihr so überrascht?“ fragte der Feuerritter verärgert. „Das abgefackelte Kunstzimmer ist fast fertig. Die Wände sollen bemalt werden und Sir Nesselsuppe hat König Castle vorgeschlagen, dass ich das ja machen könnte.“
„Bestimmt, damit er keine Zeit hat anderen Blödsinn zu machen“, flüsterte Thunder Venom zu.
„He, das hab ich gehört“, raunte Pyro.
„Ich will aber auch mitmachen. Warum hat mich keiner gefragt?“ fragte Cyrill verletzt.
„Weil keiner weiß, dass du auch ein bisschen Zeichnen kannst, immerhin hast du das nie im Unterricht gemacht“, grinste Pyro.
„He, jetzt soll es noch eine Belohnung sein, wenn man sich im Unterricht mit anderen Dingen beschäftigt?“ fragte Cyrill, dem das ungerecht vorkam.
„Tja, da siehst du mal. Die bösen Kinder bleiben den Lehrern eben viel besser im Gedächtnis.“
Pyro grinste breit, der Schalk hüpfte ihm fast aus den Augen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast