Castle Crashers - 4 haun aufm Putz

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
16.07.2019
08.10.2020
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01.12.2019 5.928
 
„Thunder wird zu dick!“, meinte Venom, als sie unter der Dusche waren.
„Wie bitte?!“ fragte der Elektroritter beleidigt. „Pass bloß auf was du sagst, wir stehen hier unter der Dusche. Glaub mir, du möchtest nicht, dass ich ein paar Blitze schieße.“
„Aber ist doch so“, beharrte der Giftritter und piekte seinen Freund in den etwas angeschwollenen Bauch. „In welchem Monat bist du denn?“
„Und das kommt ausgerechnet von dir?“ fragte Thunder ungläubig und sah auf Venoms Wampe.
„Bei mir muss das so!“ meinte Venom. „Ich bin stark entwickelt, aber du bist erst kürzlich so dick geworden.“
„Aha und das ist natürlich vieeeel schlimmer, als wenn man schon ewig mit Extrapolster herumläuft, hm… jaaa bestimmt“, kam es sarkastisch von Thunder.
„Ich hab auch ein bisschen zugenommen“, gab Cyrill zu. „Liegt am guten Essen. Seitdem wir Besuch haben, gibt sich König Castle viel Mühe ordentlich was auf den Tisch zu bringen und wir machen nicht mehr so viel. Hocken ständig im Unterricht oder stehen herum, um die Prinzessinnen zu bewachen, anstatt zu kämpfen und auf Abenteuerfahrt zu gehen.“
„Du und Pyro, ihr wart immerhin mal unterwegs. Seit unserer Rettungsmission wegen Prinzessin Rubinia waren Thunder und ich nicht mehr weg und haben uns kaum richtig bewegt“, maulte Venom.
„Und an wem liegt das?“ wollte Cyrill wissen. „Mehr Training! So sieht es aus. Dann geht auch die Fettschicht weg, obwohl ein bisschen Fett ja nicht schlimm ist, das wärmt, aber zu viel schadet der Fitness.“
„Was denn für Fett?“ fragte Pyro und sah an sich herunter.
„Na, das was man zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen kann“, erklärte Cyrill.
„Oder in die ganze Hand“, grinste Thunder und zwickte Venom.
Der kabbelte sich mit seinem besten Freund.
Pyro versuchte es bei sich.
„Das geht nicht, die Haut haut immer wieder ab.“
„Du bist ja auch so mickrig“, grinste Venom. „Halb verhungert.“
„Gar nicht wahr“, kam es zurück. „Du hättest mal sehen sollen, wie ich halb verhungert aussah.“
„Echt, war es mal schlimmer als heute?“ fragte sein großer Freund belustigt.
„Als ich nach der Militärschule auf eigener Faust in der Welt unterwegs war, wurde ich etwas klapprig“, gab der Feuerritter zu. „Und in der Zeit danach wurde es auch nicht unbedingt besser."
„Ich erinnere mich“, sagte Cyrill. „Zum Glück gibt es bei König Castle immer ordentlich zu essen und du hast schnell zugelegt.“
„Wo wir wieder bei unserem Problem wären“, sagte Venom und piekte jetzt Thunder in den Speck.
Der hob drohend seine Magiehand und sagte grinsend: „Ich warne dich, du willst kein Gewitter entfesseln.“
„Wo sie die Duschräume doch gerade erst wieder aufgebaut haben…“ kommentierte Cyrill.
Tatsächlich sah es wieder halbwegs ordentlich aus. Der eingestürzte Tunnel war ausgeschachtet und mit Balken abgestützt wurden. Die Wände waren ausgebessert und nur einige verbrannte Stellen zeugten noch von Pyros Kampf gegen den Gladiator Genie aus der Seife. Der Grund für ihren Duschgang war das heutige Programm. Die Prinzessinnen wollten wie so viele andere wichtige Leute zur Sonntagsmesse in die Kapelle gehen. Für die vier Eliteritter war das eine völlig neue Erfahrung, denn weil sie die Prinzessinnen beschützen sollten, mussten sie natürlich auch in der kleinen Kapelle der Burg sein. Irgendwie sahen die Ritter ein, dass es vielleicht ein wenig unpassend wäre, sich voll verschwitzt zwischen die anderen hochwohlgeborenen Herren und Damen zu setzen. Sie saßen schließlich vier Reihen hinter den Töchtern von König Castle und versuchten unauffällig zu sein. Vergeblich. Die anderen Leute waren offenbar öfter in der Kapelle und wunderten sich über die vier Neuankömmlinge. Vielleicht hatten sie sich nicht gründlich genug geduscht? Oder es war nicht angebracht in Rüstung zu erscheinen? Oder es war wegen den Inhalten ihrer Gespräche? So genau wussten das die Ritter nicht.
Der Pastor hielt auf der Kanzel nach der Begrüßung eine Lesung aus einem Apostelbrief. Danach kam der Antwortpsalm und anschließend ging es immer so weiter. Für Venom, Thunder, Cyrill und Pyro war es unglaublich langweilig, da sie mit all dem gar nichts anzufangen wussten.
„Die Architektur ist interessant“, bemerkte Cyrill, um sich von seiner Langeweile abzulenken.
Er betrachtete eingehend die Wände und die Decke mit den Gewölben. Sie waren kunstvoll mit Ornamenten verziert und es gab verschiedene Skulpturen, die Figuren aus der Bibelgeschichte zeigten.
„Statisch war das bestimmt nicht einfach zu berechnen. Die Decke sieht aus, als würde sie ein Stück weit herunterhängen. Da ist einfach unglaublich viel Luft, ohne dass etwas die Decke stützen würde. Ich frag mich wie sie das wohl gebaut haben.“
„Vermutlich immer einen Stein auf den anderen“, kam es salopp von Pyro.
„Bei dir will ich gar nicht wissen wie etwas aussehen würde, das du baust. Bestimmt alles krumm und schief“, sagte der Eisritter belustigt.
„Die Buden, die ich damals als Kind mit meinem Bruder gebaut habe, haben oft Tagelang gehalten“, hielt der Feuerritter dagegen.
„Na, wenn das so ist …“, sagte Cyrill belustigt.
„Meint ihr, es gibt noch was zu essen?“ fragte Venom.
„Ich denke schon, ich hab mal gehört, dass es bei solchen Veranstaltungen auch was zu essen gibt“, erklärte Thunder.
Kurz schwiegen sie und hörten den Worten des Pastors mit halbem Ohr zu.
„Frisch hier drin, dabei haben wir Spätsommer. Im Winter ist es hier bestimmt schweinekalt“, mutmaßte Venom.
„Ich könnte ein Feuer machen“, schlug Pyro hilfsbereit vor.
„Der Gerechte hält sich weislich gegen des Gottlosen Haus; aber die Gottlosen denken nur Schaden zu tun“, sagte der Pastor mit erhobenem Zeigefinger, schaute wichtig in die Runde und warf einen strengen Blick auf die Eliteritter, die es wagten miteinander zu erzählen.
Seine Schäfchen sahen währenddessen demütig zu Boden, oder starr nach vorne, manche nickten schwach. Pyro, Venom, Thunder und Cyrill fühlte sich nicht angesprochen. Immerhin waren sie nur zu Besuch hier, um die Prinzessinnen im Auge zu behalten.
„Wer der Gerechtigkeit und Güte nachjagt, der findet Leben, Gerechtigkeit und Ehre. Dem Gerechten ist es eine Freude zu tun, was recht ist, aber eine Furcht den Übeltätern.“
Aus irgendwelchen Gründen sah der Mann Gottes streng zu Pyro, der sorglos zurückschaute, ganz so, als ginge ihn das alles gar nichts an.
Der Priester begann jetzt etwas aus dem heiligen Buch vorzulesen.
„Eine tolle Geschichte, aber ich glaube, ich hätte das spannender erzählen können“, kommentierte Venom, als er geendet hatte.
Der Haus- und Hofmeister, der neben ihm saß, verzog die Brauen und sagte empört: „Was heißt hier Geschichte? Das ist wirklich so passiert.“
„Echt?“ fragte Venom ungläubig. „Na, wenn du meinst. Der hatte bestimmt auch magische Kräfte.“
Es folgte die Gabenbereitung und der Priester stieg von der Kanzel herab und ging zum Altar, auf dem Wein und mit christlichen Symbolen versehenes Brot lag.
„Da ist ein Zeichen drauf“, bemerkte Cyrill.
„Bestimmt gestempelt“, überlegte Pyro.
„Was für ein Stempel?“ fragte Thunder und lehnte sich vor, um den Feuerritter besser verstehen zu können, weil Cyrill zwischen ihnen saß.
„Mit dem KÖNIGSSTEMPEL!“ krähte Pyro laut.
Viele andere aus der Kapelle drehten sich kurz genervt zu ihm.
„Ist das das Essen?“ fragte der Giftritter den Haus- und Hofmeister, der ihm aufgrund der fehlenden Ehrfurcht einen missbilligenden Blick zuwarf.
„Das ist der Leib Christi und das Blut Jesu“ klärte der Haus- und Hofmeister ihn auf, der sich erhob und sich zu den anderen Gläubigen stellte, die bereits alle brav in einer Reihe anstanden.
Die Prinzessinnen waren recht weit vorne und empfingen schon nach kurzer Zeit einen Teil des Brotes und des Weines.
„Sie essen den Leib ihres Messias und trinken sein Blut?“ fragte Pyro überrascht. „Krasser Verein.“
„Also doch Kannibalismus!“ rief Venom beinahe triumphierend aus, weil er glaubte doch Recht zu haben. „Ist ja schlimmer als in der Taverne zum fröhlichen Leichnam hier!“
„Halt! Wir haben nie bewiesen, ob dort wirklich Menschenfleisch auf die Teller kommt“, gab Cyrill zu bedenken.
„Aber auch nicht, dass es nicht so ist und hier ist das ja anscheinend wirklich so“, hielt Venom dagegen. „Ich wusste gar nicht, dass Religion so abgefahren ist.“
„Was war denn mit Kannibalismus in der Taverne zum fröhlichen Leichnam?“ fragte Pyro verwundert und wurde dann ungehalten. „Warum erzählt ihr mir nie von den WICHTIGEN Sachen?“
„Kriegen wir davon jetzt was oder nicht?“ fragte Venom, der Pyro einfach ignorierte.
„Du willst wirklich Menschenblut trinken und Menschenfleisch essen?“ fragte Cyrill zurück.
„Aber das ist doch Brot“, beharrte Venom.
„Das muss nichts heißen. Ich hab von einer Attentäterin gehört, die hat alle Kinder eines Brückenlords umgebracht, in eine Pastete eingebacken und sie ihm dann zu Essen angeboten“, erklärte Pyro schauerlich.
„Ach komm hör auf!“ wehrte Venom ab.
„Ruhe da hinten auf den billigen Plätzen! Ihr stört die heilige Messe“, scholl es ungewohnt laut vom Pastor, der sich in seiner Zeremonie empfindlich gestört fühlte.
Alle Anwesenden warfen genervte, missbilligende, oder verstörte Blicke zu den Eliterittern.
„Ich glaube, das mit dem Essen und Trinken ist nur symbolisch gemeint“, raunte Thunder seinen Freunden zu und gab ihnen zu verstehen sich nicht mehr so laut zu unterhalten.
Die vier Ritter versuchten still zu sein, was ihnen und ganz besonders Venom gar nicht leicht fiel. Die Zeit streckte sich wie ein Schleimball aus der Bluthöhle und schien gar nicht zu vergehen. Es kamen noch zahlreiche Gebete, bei denen die vier nicht mitmachten, weil sie keine Ahnung hatten wie oder warum sie das tun sollten und anschließend noch ein Friedensgruß und ein Schlussgebet, nach dem sie dachten, dass es endlich vorbei wäre, aber neeeein, entgegen des Namens ging es noch weiter. Es kamen noch der Segen des Priesters und ein sogenannter Entlassungsruf, dann war es Gott sei Dank vorbei.
„Endlich“, sagte Cyrill, als er draußen war.
„Hoffentlich gehen die Prinzessinnen nicht so oft zu sowas“, kam es von Thunder.
Die Prinzessinnen kamen erst recht spät heraus und vermutlich waren die Ritter viel zu früh aus der Kapelle gestürmt und hatten ihre Pflichten vernachlässigt, doch die jungen Frauen waren offenbar guter Laune, also konnte es ja nicht so schlimm sein.
„Was ist jetzt dran?“ fragte der Elektroritter.
„Laut dem Tagesplan kommt jetzt das Abendessen“, sagte Cyrill.
„Jetzt schon?“ fragte Thunder ungläubig.
„Es ist gleich um sechs“, hielt Venom dagegen.
„Waren wir wirklich so lang da drin?“ fragte Thunder.
„Mir kam es noch länger vor“, murrte der Feuerritter.
„Sieht aber auch nicht so aus, als wenn es jetzt spannender wird“, sagte Cyrill mürrisch.
„Und wir kriegen nichts von dem Essen ab“, grummelte der grüne Ritter.
„Naja, immerhin haben wir Dienst“, erklärte Thunder.
Das Essen fand wie immer im Thronsaal statt. Die Tafel war bereits gedeckt, doch das Essen wurde wie gewohnt auf die letzte Minute hereingebracht, damit es warm blieb, wenn die Herrschaften mit dem Mahl beginnen wollten. Es herrschte eine fröhliche Stimmung. Vier Prinzen saßen den Töchtern von König Castle gegenüber. Es waren die Prinzen Richard, Ulrich, Friedrich und Frank. Die Könige Damian, Alfred und Wilhelm saßen neben König Castle und alle anderen Adligen setzten sich auf die für sie vorgesehenen Plätze. Die Ritter der Könige und Prinzen standen wie leblose Harnische an den Wänden und bewachten ihre Herren aufmerksam. Venom, Pyro, Cyrill und Thunder standen hinter den Prinzessinnen. Alles war so langweilig wie immer. König Castles Diener traten ein und brachten die Speisen, die sich unter Hauben befanden, damit sie auf dem Weg von der Küche nicht auskühlten. Wie es die Tradition verlangte wurde das Essen der Könige zuerst gelüftet.
„Die Vorspeise eure Majestäten“, erklärte der Diener. „Der Koch hat sich viele Stunden damit abgemüht und er hat gesagt, er hat heute eine Meisterleistung vollbracht.“
Er hob den Deckel, doch anstatt der erhofften Vorspeise lagen dort nur vier Steine.
„Was zum …“ kam es vom Diener.
Die Könige sahen gar nicht glücklich aus und unglückliche Könige waren schlecht für die Gesundheit, wie der Diener wusste.
„Es … ist … offenbar eine Verwechslung. Ich kann mir wirklich nicht erklären, wie das passieren konnte.“
Auch die anderen Diener hoben jetzt die Servierhauben ab und überall kamen weiße Behemothhühner hervor, die laut gackernd und empört kreischend umherstoben. Sie flatterten aufgescheucht auf den gedeckten Tisch, schissen auf die Teller und pickten Löcher in die königliche Tischdecke. Die Prinzessinnen und Prinzen kreischten auf und sprangen eilig vom Tisch weg, als wären die Tiere giftig.
„Also ich muss schon sagen …“ kam es erbost von König Wilhelm.
König Castle wurde puterrot, ob vor Scham oder Wut, oder beidem, war nicht genau zu sagen.
„Was um alles in der Welt ist hier los?!“ fuhr er die Diener an, die in sich zusammenschrumpften, eilig das Weite suchten und dabei beteuerten, sich um die Probleme zu kümmern.
Cyrill sah seinen besten Freund schief an.
„Weißt du rein zufällig was hier los ist?“
„Ich? Wie kommst du denn darauf?“ fragte Pyro betont unschuldig. „Ich war doch die ganze Zeit bei euch.“
„Was hast du den Kindern vorhin auf dem Hof gesagt?“ fragte jetzt auch Thunder.
„Nur, dass die Küche ein super Platz zum Spielen ist. Sieht so aus, als hätten sie die Törtchen entdeckt. Immerhin haben sie was zum Tauschen gefunden.“
„Und die Hühner?“ fragte Cyrill.
„Irgendwie mussten sie ja in die Küche kommen. Vermutlich ein Ablenkungsmanöver.“
„Und wie sind die dann auf die Teller gekommen?“ wollte Venom wissen.
„Was fragt ihr mir hier Löcher in den Bauch? Ich war doch nicht dabei“, sagte Pyro verwundert. „Fragt die Kids. Sehr kreativ die Kleinen, ein super Streich.“
Die anderen Ritter bemühten sich derweil die Hühner wieder einzufangen. Es war eine echte Plackerei, denn die Hühner wollten sich partout nicht schnappen lassen, hüpften unter Stühle und den Tisch oder flatterten unbeholfen im Thronsaal herum. Als die Ordnung endlich wieder hergestellt wurde, glich der Thronsaal einem Schlachtfeld. Der König rief den Haus- und Hofmeister herbei.
„Morgen früh soll sich die Hühnerzüchterin bei mir melden!“
Der Haus- und Hofmeister nickte und erklärte, dass die anderen rasch herbeigerufenen Diener eilig die Tische im Rittersaal hergerichtet hatten. Das bedeutete, dass das Abendessen der anderen Ritter einfach mal ausfallen würde. Die Ritter wagten nicht laut zu murren, doch untereinander warfen sie sich bedeutungsvolle Blicke zu. Doch wie man so schön sagt, bei einem guten Kompromiss ist keiner zufrieden. Auch die Monarchen waren nicht gerade glücklich in den Rittersaal einziehen zu müssen. Immerhin bot er mit seinen martialischen Behängen eine interessante Kulisse. Weil in der Küche Chaos herrschte, wurde nichts aus dem ausgefallenen Essen, das sich der Küchenchef überlegt hatte. Das was er noch hatte retten können, reichte gerade so für den ersten Gang. Anschließend gab es Wildschwein. Das war eigentlich für die Ritter vorgesehen gewesen, doch da es kurzerhand akquiriert wurde, würden die wohl leer ausgehen, oder sich mit Brot zufrieden geben müssen, wenn sie irgendwann zu später Stunde doch noch zum Essen kamen. König Castle versuchte immer mal wieder Gespräche ins Rollen zu bringen, doch es sah nicht gut aus. Den Königen Damian, Wilhelm und Alfred war nach der heutigen Vorstellung wohl nicht wirklich zum Reden zu mute. Auch die Gespräche zwischen den Prinzessinnen und den Prinzen wirkten verhalten.
„Warum spielt ihr uns nicht etwas vor?“ fragte der König seine Töchter.
„Können sie denn gut spielen?“ wollte Prinz Frank frech wissen.
„Ja, können wir“, sagte Smaragda fuchsig.
„Man bringe die Instrumente der Prinzessinnen!“ befahl der König den Dienern, die sofort losstürzten, um dem Wunsch Folge zu leisten, damit immerhin etwas funktionierte.
Wenig später waren sie zurück und reichten den Prinzessinnen ihre Instrumente. Die Damen hatten sich bereits auf einer Bühne bestehend aus zusammengeschobenen Tischen platziert und nickten sich zu. Dann fingen sie an eine alte Weise zu spielen. Wunderschöne Töne konnte Smaragda ihrer Laute entlocken und Goldi schlug zu genau den richtigen Momenten ihre Zimbeln. Saphira zupfte elegant auf ihrer Harfe und sang lieblich mit heller, klarer Stimme von der Natur und dem Wechsel der Jahreszeiten. Rubinia begleitete ihre Schwestern mit ihrem Flötenspiel. Die Musik und der Gesang waren so schön, dass ihre Zuhörer darüber hinaus beinahe die letzte Katastrophe vergaßen. Als sie endeten applaudierten ihre Zuhörer. Die Ritter hätten das wohl auch getan, wenn sich das gehört hätte, aber sie mussten wie zu Salzsäulen erstarrt herumstehen, so wie immer. Nur Sir Nesselsuppe war es gestattet, da er so angesehen war. Als die Prinzessinnen wieder ihre Plätze einnahmen, erhob er seine Stimme und fragte König Castle: „Könnten wir denn auch etwas von euren Eliterittern hören? Ich hab gehört sie können ebenfalls spielen.“
König Castle sah aus, als hätte er in einen alten stinkenden Fisch gebissen.
„Naja … also. Das letzte Mal als ich sie üben gehört habe, hat es ganz entsetzlich geklungen.“
„Ist das schon lange her?“ fragte Sir Nesselsuppe nach.
„Nicht lang genug. Ich denke zwei Jahre könnten es sein. Dann hab ich ihnen verboten in der Burg zu spielen, weil die Milch sauer wurde… und alle Leute, die sich zu der Zeit in der Burg und drumherum befanden.“
„Bestimmt sind sie mittlerweile besser geworden“, sagte der alte Ritter gönnerhaft und warf seinen vier Schülern einen, wie er glaubte, aufmunternden Blick zu.
„Hm…“ machte König Castle nicht sehr zufrieden.
„Oh ja, ich würde sie wirklich gern spielen hören. Kämpfen können sie ja wohl, da bin ich gespannt auf ihre Musik“, erklärte König Wilhelm.
„Warum nicht, oder ist heute noch etwas anderes geplant?“ fragte König Damian.
König Castle sah sich überstimmt.
„Na gut“, sagte der niedergeschlagen. „He ihr“, wandte er sich an seine Ritter. „Holt eure Musikinstrumente!“
Die vier Ritter sahen sich beklommen an.
„Naja, es ist nur so, dass …“ begann Thunder.
„Was? Abgebrannt?“ fragte der König, dem übles schwante.
„Nein, das nicht, aber sie befinden sich noch in einer Höhle. Zu Fuß etwa eine halbe Stunde von hier entfernt. Da haben wir zuletzt geübt.“
„Die, die eingestürzt ist?“ fragte der König beklommen.
„Aber nur der hintere Teil“, gab Pyro fröhlich auskunft.
„Wir können ja so lange warten“, erklärte König Wilhelm ungewöhnliche entgegenkommend.
König Castle sah ihn einen Moment schweigend an und schickte seine Ritter dann los. Wenn sie reiten würden, dann würde es immerhin nicht so lange dauern. Die Ritter saßen eilig auf ihren Reittieren auf und stürmten aus der Burg. Es war toll, endlich mal wieder loszureiten, auch wenn es nur für so einen kleinen Ausritt war. Schnell hatten sie die besagte Höhle gefunden und ihre Instrumente geholt. Niemand hatte es gewagt sich zu nähern, weil nach den letzten Geräuschen zu schließen wohl ein ungewöhnliches Rudel Ungeheuer hier lebte. Schneller als gedacht standen die vier Ritter wieder vor den hochwohlgeborenen Herrschaften und präsentierten stolz ihre Instrumente. Cyrill hätte eigentlich gar nicht mitgemusst, denn seine Eisgitarre erschuf er sich jedes Mal neu. Die alte schmolz dann innerhalb weniger Tage komplett weg. Venom war sehr flexibel was Instrumente anging, denn er hatte eine breite Ausbildung bei seinen Eltern genossen. Heute würde er auf einem Klavier spielen, das sich zum Glück schon in der Burg befand und in der Zwischenzeit von einigen leidgeplagten Dienern die Treppe in den Rittersaal heruntergebuckelt wurden war. Später würde er auch noch auf einer Flöte und einer Bassgitarre spielen, die sich in der Höhle befunden hatten. Die Trommeln, die jetzt auf der improvisierten Bühne standen, gehörten Pyro, der es gar nicht erwarten konnte endlich loszulegen. Es war schon etwas her, seitdem sie zusammen musiziert hatten. Thunder würde wie immer auf seiner Gitarre spielen. Während Cyrills Gitarre eher rund und aus Eis war, so bestand Thunders Gitarre aus Holz und Metallstücken und er hatte die Angewohnheit sie während des Spiels elektrisch zu betreiben was ihr völlig neue Töne entlockte. Die vier standen jetzt auf der Bühne, richteten ihre Instrumente aus und wussten nicht so recht wie sie anfangen sollten. Vor so viel Publikum hatten sie noch nie gespielt. Der hohe Adel sah erwartungsvoll zu ihnen auf und selbst die anderen Ritter, die sich eigentlich nicht bewegen sollten, hatten ihnen die Köpfe zugedreht. Sie konnten Gustav, Bruno, Viorel, Andy und all den anderen ansehen, dass sie sehr gespannt waren. Venom, Thunder, Cyrill und Pyro hatten etwas Lampenfieber. Cyrill nahm all seinen Mut zusammen, räusperte sich und rief in die Runde: „Wir werden heute mehrere Stücke spielen, die hauptsächlich von unseren Abenteuern und den Kämpfen berichten. Weil es aber schon länger her ist, seitdem wir zusammen gespielt haben, werden wir mit einem instrumentalen Stück anfangen, um uns einzuspielen.“
Sie nahmen ihre Instrumente zur Hand. Zunächst spielte nur der blaue Ritter. Er fing ganz leise an. Cyrill zupfte leicht an seiner eisigen Rundgitarre und entlockte ihr zarte runde Töne. Doch dann stimmte Thunder mit seiner Elektrogitarre ein. Nach einigen Sekunden machte Pyro auch mit und schlug ein paar mal auf die Trommeln, um Thunder zu begleiten. Die Töne hörten sich fremd und fetzig an und mit jedem weiteren Ton schraubte sich die Musik immer weiter nach oben und nahm Tempo auf. Die E-Gitarre fing an in fast unerträglichen Höhen zu jaulen. Pyro hämmerte jetzt auf die Trommeln als hätten sie ihm persönlich ein Leid getan. Der Rhythmus wurde immer schneller und wilder bis es in einem fulminanten chaotischen Ende gipfelte. Für die Zuschauer war das einfach nur extremer Krach gewesen, viele hatten sich die Ohren zugehalten. Ihre Hoffnung war, dass es sich hierbei wirklich nur um die Einstimmung gehandelt hatte. Vermutlich mussten erstmal alle Tonlagen durchprobiert werden. Und tatsächlich, das nächste Lied begann ganz leicht. Venom saß am Klavier und spielte mit einer Sanftheit, die man ihm als großen, breitschultrigen Kerl gar nicht zugetraut hätte. Cyrill räusperte sich und erklärte, dass er jetzt eine Ballade über ihre Abenteuer auf den Lavafeldern singen würde, wo sie unter anderem gegen einen riesigen Drachen gekämpft hatten. Er stimmte mit seiner Eisgitarre ein und es wurde ein wunderschöner Start für das Lied. Cyrills Stimme klang entschlossen und kraftvoll, aber gleichzeitig sehr melodisch. Dafür hatte er wirklich lange geübt und er war stolz, dass er es jetzt so gut hinbekam. Es ging um Heldentum, Abenteuer und Zusammenhalt, wie sie durch die Lavafelder gingen, um die Prinzessinnen zu retten und damit dem Königreich zu dienen, aber sie nun im Land der Drachen waren. Die Zuhörer lauschten gebannt.  Sie waren wirklich überrascht wie schön die Musik war, doch ganz abrupt änderte sich auf einen Schlag alles. Thunder und Pyro, die nur auf ihren Einsatz gewartete hatten legten los und es war, als würde ein Gewittersturm über die Zuhörer hereinbrechen, die jetzt fast aus ihren Sitzen fielen und sich die Ohren zuhielten, so ohrenbetäubend war der Lärm. In mehreren Salven fegten die Töne wie Donnerschläge über den Rittersaal hinweg. Thunder entlockte seiner E-Gitarre Töne von denen noch nie einer im ganzen Kontinent gehört hatte. Sie schraubten sich derart in die Höhe, dass allerorten die Hunde anfingen zu jaulen. Trotz allem schaffte es Cyrill gegen all den Krach anzusingen und die Geschichte weiterzuerzählen, die mit der Musik eine völlig neue Dynamik entwickelte. Jetzt ging es um blutige Kämpfe, die um die Mittagszeit anfingen und sich über den ganzen Tag zogen, bis die Sonne unterging. Trotz schwerer Gegenwehr hielten die Ritter durch und kämpften sich ihren Weg durch die Feindeshorden. Cyrill sang das alles so bildhaft und dynamisch, dass die Zuhörer richtig mitgerissen wurden. Gerade den Rittern der Könige gefiel das Lied. Manchen war der glühende Eifer, den Cyrill mit seinem Lied in ihnen weckte geradezu anzusehen. Andere sahen fast schon ehrfürchtig zu ihnen hinauf. Auch die Prinzessinnen wirkten sehr beeindruckt und mit strahlenden Gesichtern sahen sie zu ihren Rittern hoch. Der sonst so stille Thunder kam in einem nervenzerfetzenden Solo völlig aus sich heraus und rockte richtig ab. Er sang sogar etwas leiser den Refrain mit. Um noch mehr Aktion reinzubringen setzten die vier Ritter hin und wieder ihre Magie ein. Thunder benutzte sie ja sowieso schon für seine Gitarre. Venom ließ nur seine grüne magische Aura aufglimmen, um niemanden zu verletzten, aber ein schönes Leuchten zu erzeugen. Pyro feuerte hin und wieder kleine Flämmchen ab und Cyrill ließ feine Eiskristalle aufsteigen, die herrlich in der Luft glitzerten. Es lässt sich sagen, dass es ein Lied war, wie es in den Mauern der Burg noch nie zu hören gewesen war und tatsächlich gab es Applaus von den hohen Herrschaften, als es mit Venom so sanft endete wie es begonnen hatte. Das nächste Lied handelte von ihren Abenteuern im Eisland, als sie auf dem Weg waren Prinzessin Smaragda zu retten. Cyrill begann mit einem eiligen Gitarrenstart den Thunder nur hin und wieder begleitete, dann krachte auch Pyro los. Der blaue Ritter schaffte es sehr gut die Atmosphäre einer bevorstehenden Schlacht zu vermitteln. Trotz der auch hier einsetzenden Katzenmusik lauschten seine Zuhörer ihm gebannt. Auch bei diesem Lied ging es um epische Kämpfe und Abenteuergeist, aber es war auch leicht melancholisch und ging um die Schrecken der Schlacht. Es war zu erkennen, dass es zwar Ruhm und Ehre brachte solche Abenteuer zu bestreiten, aber auch viel Mühsal und Leid. Cyrills Text war zugleich sehr lyrisch und episch. Er hatte wirklich lange daran gesessen, bis er damit zufrieden war und mit perfektionistischer Geduld daran gearbeitet. Die anderen Ritter waren so mitgerissen und euphorisch, dass sie ihm jetzt und sofort ohne Zögern in die nächste Schlacht gefolgt wären. Sie hatten ihre Plätze hinter ihren Königen verlassen und standen jetzt weit vorn bei der Bühne um auch ja nichts zu verpassen. Interessiert sahen sie ihren Kollegen beim Spiel zu. Mittendrin kam auch hier wieder ein instrumentaler Teil, indem diesmal auch Venom mit seinem Klavier mitmischte und nur die hellsten Tasten verwendete indem er sie hoch und runter wischte. Dieses Stück war ebenso rasant wie das vorherige und ließ gar keine Zeit zum Luftholen. Wie ein musikalischer Tsunami fegte das Lied über die Zuschauer hinweg. Am Ende schien es, als wäre das Publikum erschöpfter als die musizierenden Ritter. Als Cyrill verstummte, kehrte für einen Moment Ruhe ein. Die Könige, Königinnen, Prinzen, Prinzessinnen und all die anderen Adligen fragten sich für einen Moment, ob es das gewesen war, doch dann erhob Pyro die Stimme.
„Ich werde jetzt ein Lied vortragen, das ich nicht selbst geschrieben habe. Es ist von einem alten Freund, Martin, der früher, als ich noch kein Ritter war, mit mir in den Kampf zog. Er wollte gerne Barde werden, doch dann wurde er eingezogen. Er fiel ihm letzten Krieg und ich hatte ihm versprochen sein Lied dem Königshaus vorzutragen. Nun, Versprechen muss man halten, oder?“
Pyro grinste, doch das konnten die anderen nicht sehen. Seine Freunde warfen ihm verunsicherte Blicke zu.
„Muss es wirklich ausgerechnet dieses Lied sein?“ flüsterte ihm Cyrill zu.
Pyro nickte.
„Das wird ihnen gar nicht gefallen“, knurrte Venom, doch nahm die Flöte zur Hand, die für dieses Stück gebraucht wurde.
Das Lied begann mit einem Flötenstück, dass Sehnsucht, aber auch eine gewisse Melancholie vermittelte, dann ganz plötzlich knallten Pyro und Thunder los und gaben dem Lied den nötigen Schwung. Es war lange nicht so dynamisch und rasant wie die beiden vorherigen, doch so legte sich der Fokus mehr auf den Text und der hatte es wirklich in sich. Pyro sang vom Einzug in die Armee, von Kampf, Eifer, Hass, Leid, Sterben und all dem Elend der Schlacht. Es war nicht der ruhmreiche Text eines Ritters, sondern eines einfachen Fußsoldaten, der Martin eben gewesen war und aus seiner Sicht war jeder Kampf erschreckend brutal und unbarmherzig. Ritter wurden manchmal von der Gegenseite gefangen genommen und gegen ein hohes Lösegeld wieder freigegeben. Die einfachen Kämpfer konnten nicht auf solche Barmherzigkeit hoffen. Für sie hieß es unweigerlich Siegen oder Sterben. Den hohen Herrschaften war förmlich anzusehen wie sich ihre Mienen verfinsterten. So etwas wollten sie nicht hören. Ihrer Meinung nach gehörte es eben zur Pflicht eines jeden freien Mannes für sein Königreich zu kämpfen und notfalls zu sterben. Dafür den schwarzen Peter zugeschoben zu bekommen gefiel ihnen überhaupt nicht. Besonders König Castle wirkte überaus verärgert. Es war deutlich zu sehen wie eine Ader an seiner Stirn anschwoll und beunruhigend zu pochen begann. Doch Pyro sang unbarmherzig weiter und knallte seine Trommeln, um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen. Hin und wieder verlieh er dem Stück noch mehr Intensivität, indem er ein paar Flammen emporschoss. Gott sei Dank waren sie nicht hoch oder stark genug, um Schaden anzurichten. Seine Freunde versuchten ebenfalls sich von den Reaktionen der Zuhörer nicht von ihrem Spiel abbringen zu lassen. Doch einige der Zuhörer wurden auch nachdenklich, besonders auf die jungen Prinzen und Prinzessinnen hatte das Stück eine große Wirkung. Viele der anderen Ritter wussten mit den Inhalten etwas anzufangen. Sie wussten, dass der Text nah an der Wahrheit war, doch es war eine Wahrheit, die am Hofe gerne verschwiegen wurde, wo nur zählte, dass eine Schlacht gewonnen war und Ruhm und Ehre für das Königreich errungen wurden war. Über all die Gräuel wurde lieber geschwiegen. Doch Pyro schwieg nicht. Unnachgiebig beendete er sein Stück mit einem fulminanten Ende. Die Könige wirkten derart verärgert, dass sie wohl die Weiterführung des Konzertes abgeblasen hätten, würde Pyro ihnen Gelegenheit dazu bieten, doch er hob schon wieder an und erklärte: „Das nächste Stück ist von mir selbst. Viel Spaß.“
Und schon ging es los. Cyrill und Thunder fingen an zu spielen. Später setzte auch Pyro mit seinen Trommeln ein. Venom unterstützte mit einer Bassgitarre. Es war wieder dynamischer und hatte einen simplen und eingängigen Text. Es ging um Krieger, die Aufregung des Kampfes und natürlich um Feuer. Zu diesen Gelegenheiten ließ der orangene Ritter wieder sehr gerne Flammenzungen in die Höhe steigen. Es ging aber auch um Einigkeit, Zusammenhalt und das Aufopfern für ein höheres Wohl, was die Könige, darunter auch König Castle, wieder ein kleines bisschen besänftigte. Pyro ging richtig in dem Lied auf und schrie manchmal mehr, als dass er sang, weil er so euphorisiert war. Es war, abgesehen von der Einstimmung, das kürzeste Lied heute, doch Pyro gab den Zuhörern gar nicht die Gelegenheit Luft zu holen, sondern ging sofort zum nächsten Stück über. Die Schlägel prasselten auf die Trommeln und Thunders Finger flogen nur so über die Seiten. Pyro begann das Lied mit einem wilden Brüllen, um den Grundtenor für das Lied zu setzen. Auch hier ging es ums Kämpfen und Zusammenhalt, doch es war wesentlich brutaler und aggressiver, denn er beschrieb explizite Gewaltanwendung, in denen Horden von Feinden zerschnetzelt und zu Asche verbrannt wurden. Der besungene Kampfrausch wurde damit überzeugend vermittelt. Den Refrain sang auch Thunder wieder eifrig mit, angesteckt von Pyros wahnsinniger Begeisterung. Bei all dem Krach hatte keiner Zweifel, dass es sich um die kleine Armee des Lärms handelte. Viele der Zuhörer hielten sich die Ohren zu. Vor allem die wütenden Schreipassagen vom aufgeheizten Feuerritter gingen einigen wirklich auf die Nerven. Thunder gab bei einer Passage, in der er nur zusammen mit Pyro spielte, alles und drehte richtig auf. Der Schweiß lief ihm in Strömen aus den Poren, doch das war ihm im Moment völlig egal. Er war in seinem Element und wollte im Moment nirgendwo anders lieber sein, als hier auf der Bühne, zusammen mit seinen Freunden. Das Lied endete, wie es begonnen hatte, mit einem brüllenden Schrei und viel Feuer. Diesmal gab es tatsächlich eine kleine Pause, in der Venom vortrat und erklärte: „Das nächste Lied handelt ebenfalls von unseren Abenteuern in den Lavafeldern. Genauer gesagt, wie wir einen Berg erklommen und gegen einen lebenden Vulkan kämpften.“
Diese Mitteilung brachte Überraschung in die Mienen der Zuhörer und sie fragten sich was jetzt wohl kam. Das Stück begann mit kraftvollen Trommelschlägen von Pyro und schnellen Rhythmen von Thunder. Cyrills Gitarre klang nur im Hintergrund durch, rundete damit aber den instrumentalen Teil ab. Dann fing Venom an zu singen, wenn man das noch so nennen konnte. Er sang derart tief, dass es eher ein Grollen war. Der Text war in Gedichtform gehalten, etwas simpel und nicht ganz rund, aber in gewisser Weise auch ironisch, was besonders Pyro immer sehr an Venoms Texten gefiel. Jedes Wort wurde von Venom überdeutlich betont, so dass jedes davon dem Einschlagen einer Kanonenkugel glich und damit sehr viel Intensivität aufbaute. Im Lied ging es, wie der Giftritter schon bekannt gegeben hatte, um das Erklimmen des Bergs, auf dem sich der lebende Vulkan befand. Er besang ihren Kampf gegen Dämonen, die Anstrengungen des Aufstiegs und all das Feuer in diesem Land. Nach den ersten anderthalb Minuten wurde das Spiel von Thunder und Pyro wieder wilder und dynamischer, um den Kampf gegen die Gegner darzustellen. Cyrills unterstützende Klänge führten zu einem hintergründigen Antrieb. Venom besang auch die versteinerten Menschen, die wohl für alle Ewigkeit stumm Schreiend im zerstörten Dorf verbleiben würden. Im letzten Drittel stimmten seine drei Freunde ein Hintergrundgejohle an, um ihn stimmlich zu begleiten. Alles in allem hörte es sich nach einem düsteren Lied aus den tiefsten Tiefen der Hölle an. Die Zuhörer waren geradezu schockiert. Das Lied endete und Venom ließ ihnen gerade einmal genug Zeit, um einmal tief durchzuatmen, als er verkündete: „Das nächste Lied haben wir komponiert, um neue Ritter für König Castle zu gewinnen.“
Es begann derart rasant, dass es Wahnsinn war. Pyro knallte seine Schlägel so schnell auf die Trommeln, dass sie kaum noch zu sehen waren. Thunder begann mit einigen tieferen Tönen und sprang dann musikalisch gesehen nach oben, wo er einige verrückte Riffs abzog. Cyrill ließ ein paar Eiskristalle aufsteigen und untermalte die Musik mit seiner Eisgitarre. Venom setzte mit seinem Grollen ein und es wurde schnell klar, dass dieses Lied auf Soldaten und Ritter zugeschnitten war. Es war zackig und geradlinig und es ging um Kampf, Ehre, Zusammenhalt, gefährliche Abenteuerreisen, Leid, Schmerz, Angst, Wut und explizite Gewalt. Zunächst machten die anderen Ritter eifrig mit, die mittlerweile jede Scheu verloren hatten und fröhlich auf und ab hüpften, bis sie den ironischen Teil des Lieds hörten, indem sie als Werkzeuge im Dienst ihrer Könige gebrandmarkt wurden. Das verunsicherte sie dann doch sehr. Nach einigem Zögern stießen sie das aber beiseite und ließen sich davon nicht den Spaß verderben. Venom, Pyro, Thunder und Cyrill freuten sich, dass das Lied bei ihnen so gut ankam und legten noch einmal eine Schippe drauf. Pyro spielte jetzt so schnell und hart, dass er anfing wütend zu schreien und die Trommeln derart malträtierte, als hätten sie seinen Freunden was angetan. Es war beängstigend. Venom ließ die Kritik deutlich anklingen und die Gesichter der Könige wurden noch düsterer. Im Grunde war ja aber auch etwas Wahres dran. Die Ritter gaben ja wirklich ihre Leben für ihre Könige und zerhackten ihre Feinde im Auftrag ihrer Herren. Vielleicht machte das aber alles nur noch schlimmer. Die Wahrheit konnte manchmal fürchterlich wehtun. Thunder legte ein letztes Mal so richtig los und summte laut mit. Venom sang jetzt so tief, grollend und aggressiv, dass es kaum zu glauben war, dass ein Mensch solche Töne von sich geben konnte. Seine Freunde stimmten jetzt mit ein und es wurde zu einem unheiligen, nervenzerfetzenden monströsen Geheul. Selbst die anderen Ritter sahen erschrocken aus. Erleichtert atmeten alle im Saal auf, als es endlich vorbei war.
„Es reicht!“ rief König Castle. „Genug! Ich denke wir haben einen guten Eindruck von euren Liedern bekommen. Hört jetzt auf damit!“
Das Konzert war damit offenbar vorbei. Es herrschte eine plötzliche und irgendwie unheimliche Stille. Viele der hohen Herrschaften sahen geradewegs traumatisiert aus. Die vier Eliteritter waren ein bisschen enttäuscht, aber an und für sich hatten sie noch nie so viele Lieder hintereinander vor Publikum gespielt, da sonst immer alle getürmt waren. Nichtsdestotrotz sahen ihnen viele verärgerte Könige entgegen.
„Ich glaub es war gut, dass du nicht noch „Volles Pfund aufs Maul“ gesungen hast“, flüsterte Pyro Venom zu.


Anbei noch die Links für die Lieder. Ich hoffe, ich habe es einigermaßen rübergebracht. Es war wirklich eine Herausforderung.

https://www.youtube.com/watch?v=i9MOI0xhTf0&list=PLTAJ-E1dpS5_jys79QccroCo5DDvPi7vB&index=50

https://www.youtube.com/watch?v=jgp_uFzkJ6A&list=PLTAJ-E1dpS5_jys79QccroCo5DDvPi7vB&index=51

https://www.youtube.com/watch?v=Wbrrma9Cutk&list=PLTAJ-E1dpS5_jys79QccroCo5DDvPi7vB&index=52

https://www.youtube.com/watch?v=D_lIJXRWkBc&list=PLTAJ-E1dpS5_jys79QccroCo5DDvPi7vB&index=53

https://www.youtube.com/watch?v=yx0xVWxwojM&list=PLTAJ-E1dpS5_jys79QccroCo5DDvPi7vB&index=54

https://www.youtube.com/watch?v=i-Nmc__Qmvk&list=PLTAJ-E1dpS5_jys79QccroCo5DDvPi7vB&index=55

https://www.youtube.com/watch?v=pFwOu4ES7s4&list=PLTAJ-E1dpS5_jys79QccroCo5DDvPi7vB&index=63

https://www.youtube.com/watch?v=8ZPa0n9HGJo&list=PLTAJ-E1dpS5_jys79QccroCo5DDvPi7vB&index=57
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