Castle Crashers - 4 haun aufm Putz

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
16.07.2019
08.10.2020
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01.11.2019 3.144
 
Cyrill hatte seine Freunde rasch eingeholt, die auf dem Weg zum Mittagessen waren.
„Was wollte der Nesselsuppe eigentlich von dir?“ fragte Venom neugierig.
„Ach, er hat mir ein  gutes Angebot gemacht. Er denkt, ich könnte ein guter Ritter sein, wenn ich mich von euch trenne“, sagte Cyrill mit einem spitzen Grinsen. „Ich überlege seit dem hin und her ob ich es tun sollte.“
Seine Freunde blieben ruckartig stehen und sahen ihn entgeistert an.
„Was?“ fragte Thunder.
„Gehst du doch auf König Wilhelms Angebot ein?“ wollte Pyro wissen.
„Aber wir sind doch Freunde, du kannst uns doch nicht im Stich lassen!“ sagte Venom traurig, aber auch aufgebracht.
„Sind wir das? Vielleicht müsstet ihr mir noch mal zeigen dass wir Freunde sind“, sagte Cyrill mit Belustigung, aber auch einer ganz kleinen Spur von Heimtücke. „Ach, ist das schwer zu laufen.“
Seine Hand fuhr zu seinem Helm hoch, als er so tat, als würde er ohnmächtig werden.
„Tragt mich doch in meine Gemächer.“
„Ach komm, hör auf“, kam es eine Spur genervt von Thunder.
Pyro und Venom sahen sich aber an und grinsten. Pyro schubste Cyrill zum grünen Ritter, der ihn hochhob und dann über seine schwere Schulter schwang, da der Eisritter aber selbst recht groß war, hing er mit halbem Oberkörper nach unten.
„He! Wah! Lass das!“ kam es von ihm und er versuchte wieder auf eigenen Füßen zu stehen.
Venom ließ ihn und grinste.
„Außerdem geht es jetzt erstmal zum Mittagessen, oder hast du das vergessen? Und anschließend ist Training mit den anderen Rittern. Dann zu den Prinzessinnen. Wird noch eine Weile dauern bis du dein Bett siehst.“
„Ja, ich weiß, war doch nur Spaß“, sagte Cyrill, der ganz froh war, dass Venom ihn nicht bis in den Ritterspeisesaal hineingetragen hatte, denn das wäre sicher peinlich gewesen.
Sie setzten sich zu den Rittern von König Damian und Wilhelm, die bereits angefangen hatten.
„Was ist denn der Idiotenbunker?“ fragte Andy kaum, dass sie sich neben ihn gesetzt hatten.
Venom und Thunder warfen sich einen mürrischen Blick zu. Bevor sie etwas sagen konnten, meldete sich Gustav zu Wort: „So wird umgangssprachlich die Kurzausbildung zum Ritter genannt. Kleinere Königreiche haben manchmal Probleme genug Ritter anwerben zu können und geben sich durchaus auch mit weniger geschultem Personal zu frieden.“
„He“, protestierte Venom.
„Ist doch so“, beharrte Gustav. „Normalerweise wird mehrere Jahre als Page und dann noch mal mehrere Jahre als Knappe gelernt. Insgesamt oft vierzehn Jahre. Da ist ein Jahr doch wirklich eine Kurzausbildung.“
Venom grummelte.
„Und warum Idiotenbunker?“ wollte Andy weiter wissen.
„Eigentlich heißt es Initiativer Berufswechsel, aber weil die Ausbildung so stark verkürzt und vereinfacht ist und sie meist in gedrungenen Baracken durchgeführt wird, nennen es alle Idiotenbunker. Auch weil da meist die hingehen, die es nicht zu einer herkömmlichen Ritterausbildung bringen.“
„Wir wussten eben erst etwas später was wir aus unserem Leben machen sollten“, wehrte sich Venom.
„Ja, mit sieben Jahren hatten wir eben noch andere Dinge im Kopf, als irgendwem seine Waffen hinterherzutragen“, stimmte Thunder zu.
Gustav ließ es bleiben und redete nicht weiter über dieses Thema, um nicht länger über die beiden herzuziehen. Auch einige der grauen Ritter hatten bei dem Gespräch zugehört. Ein noch relativ junger Ritter, der gegenüber von Pyro saß, wirkte ganz aufgeregt. Erst kurzem war er Ritter und noch sehr unerfahren. In den wenigen Monaten im Dienst von König Castle hatte er bisher noch nichts Außergewöhnliches geleistet. Nun, im Grunde konnte das über viele der grauen Ritter gesagt werden. Wache stehen und die Burg schützen, das waren die zentralen Aufgaben hier und nicht zu irgendwelchen halsbrecherischen Abenteuern losziehen. Das war Sache der Eliteritter, aber genau deswegen bewunderten die grauen Ritter sie. Auch der junge Ritter bewunderte diese Vier und als Pyro ihn fragte, ob er ihm noch ein Bier reichen könnte, war er so erschrocken, dass er das alkoholische Getränk versehentlich umstieß, so dass es sich über den Tisch ergoss.
„Pass doch auf!“ herrschte ihn Grey an, der neben ihm saß und dessen Rüstung jetzt von dem heruntertropfenden Bier vollgekleckert wurde.
Der junge Ritter zuckte zusammen und wurde ganz klein und noch unsicherer. Als sie das Mittagessen beendet hatten, standen die Ritter von König Castle gemeinsam auf und gingen hinaus.
Für das Training war der Hof am besten geeignet. Dort spielten im Moment noch vier Kinder. Das Mädchen hatte sich als Prinzessin in Schale geworfen und erwartete von zweien der Jungs gerettet zu werden, die gegen einen dritten kämpften, der sich als Wolf verkleidet hatte.
„Na, warte du Monsterwolf. Jetzt bist du fällig!“ rief ein molliger Junge, hob seinen Stock und piekte den Jungen ins Wolfsfell, dass er sich übergeworfen hatte.
Der Wolfsjunge war eher hager und streckte seine Hände, wie Klauen geformt, dem dicken Jungen entgegen. Er brüllte und knurrte und versuchte möglichst wild zu erscheinen. Der andere Junge, ein dünner, kleiner Hüpfer kam von hinten heran und hieb dem verkleideten Jungen mit seinem Holzstock auf den Popo.
„Au“, kam es jetzt vom Monsterwolf. „Das tut doch weh!“
„He, halt den Schnabel! Wölfe können doch gar nicht reden“, sagte der dünne Junge grinsend.
„Sie haben auch keinen Schnabel“, empörte sich der Wolfsjunge.
„Er schummelt! Auf ihn!“, sagte jetzt der dicke Junge und warf sich auf seinen Kontrahenten.
Eine sehr ungleiche Keilerei setzte ein, Fellbüschel segelten durch den Hof und einige Diener schauten genervt herüber.
„Ich gebe auf! Ich gebe auf!“ heulte der Wolfsjunge und war froh, als die anderen beiden ihn endlich losließen.
„Sehr gut, ich habe gewonnen!“ rief der dicke Junge und hielt seinen Stecken triumphierend empor.
„He, ich bin auch noch da“, empörte sich der kleine Stoppelhopser.
„Aber ich habe den entscheidenden Schlag gelandet und deswegen kriege ich den Kuss der Prinzessin.“
Der dünne Junge verzog angewidert das Gesicht und sagte: „Von mir aus.“
Das Mädchen kicherte, als der kräftig gebaute Junge sich vor ihr hinkniete und mit feierlicher Stimme sagte: „Liebreizende Prinzessin, ich habe dich vor dem gefährlichen Monsterwolf gerettet. Ohne mich wärst du bestimmt gefressen worden.“
„Oh, na da bin ich aber froh, dass du mich gerettet hast“, kicherte das Mädchen und gab dem Jungen einen Schmatzer auf die Backe, der von einem Ohr zum anderen grinste.
„Früh übt sich“, sagte Grey leise und dann etwas lauter zu den Kindern: „So, ihr habt schön gespielt und jetzt macht das ihr fortkommt, wir brauchen den Platz zum Training.“
„Aber die Geschichte ist doch noch gar nicht zu Ende“, wagte der dünne Junge zu sagen. „Jetzt kommt doch noch der Greif und den werde ich dann mit meinen Feuerkräften verjagen und dann brennt die gaaaanze Burg ab.“
„Feuerkräfte, ja?“ fragte Grey skeptisch.
„Ja genau, ich spiele nämlich Pyro“, erklärte der Junge ernst und sein Blick flackerte zu seinem großen Vorbild hinüber, der ihm belustigt zuzwinkerte.
„Nein, nein, damit wollen wir erst gar nicht anfangen, nicht mal im Spiel“, grummelte Grey.
„Hey, du unterdrückst ihre Kreativität“, entgegnete Pyro, kam heran und beugte sich zu seinem kleinen Fan, um ihm was ins Ohr zu flüstern.
„Au ja!“ rief der Kleine, der plötzlich übers ganze Gesicht strahlte und schnell seine Freunde zusammentrommelte, um zu einer ganz besonderen Mission aufzubrechen.
„Was hast du ihm gesagt?“ fragte Grey skeptisch.
„Ach, nur einen guten Ort zum Spielen verraten“, sagte Pyro leichthin.
Grey rümpfte die Nase und sah dann in die Runde.
„Nun denn, Zeit für das Training.“
Die Eliteritter wollten erst einmal prüfen wie gut ihre Kollegen waren. Dazu teilten sie sich in vier Gruppen auf, um mit den grauen Rittern zu üben. Venom war für den Schwertkampf zuständig. Pyro für die Basiskenntnisse im Bogenschießen und Thunder für die weiterführenden Fähigkeiten. Cyrill trainierte die Magie.  Der Eisritter war nach dem Mittagessen kurz zur Arche verschwunden, um das Giraffenmaskottchen zu holen.
„Diese Giraffe sorgt dafür, dass man schneller lernt. Ich hab keine Ahnung wie es funktioniert, aber es klappt.“
Nacheinander bekam jeder Ritter während des Trainings mal die Giraffe. Es stellte sich heraus, dass sie für ein Maskottchen ein überraschend großes Mundwerk hatte. Natürlich könnte man die Frage stellen warum sie überhaupt redete, aber es war eben eine winzige, schwebende, magische Giraffe und wenn man keine ewig lange Litanei von ihr hören wollte, fragte man sie besser nicht danach. Es war nicht ganz einfach mit ihr auszukommen, denn jedem dem sie zugewiesen wurde, erteilte sie oberlehrerhafte Ratschläge.
„Du hältst den Bogen falsch!“ wies sie Jochen, einem Ritter etwa Ende zwanzig, darauf hin. „Halt Arm und Pfeil in einer Linie und guck dahin wo du den Pfeil hin schießen willst.“
Pyro fand es eigentlich ganz angenehm. So konnte er eine kleine Pause einlegen, doch dann wechselte die Giraffe zu Grey, der gerade bei Thunder das Profibogenschießen übte. Der Elektroritter brachte es fertig einen Pfeil in enge Mauerritzen zu schießen, wo sie sich dann verkeilten. Wurde dann noch ein Seil am Pfeil befestigt, konnte man sich später daran hinaufziehen und so unpassierbares Gelände überwinden. Das war aber eine hohe Kunst. Die Ritzen waren oft klein und mussten genau getroffen werden, außerdem musste sich der Pfeil verhaken und die dafür vorgesehen Pfeile waren aus hartem Metall, damit sie später unter dem Gewicht nicht abbrachen. Das veränderte den Umgang mit den Geschossen. Es erforderte weit mehr Kraft und Geschick und das befestigte Seil veränderte die Flugbahn. Auch Grey, der sich für einen guten Bogenschützen hielt, war von Thunders Künsten beeindruckt.
„He, wie wäre es denn mit explosiven Pfeilen?“ fragte der Anführer der grauen Ritter unvermittelt aus was ihm durch den Kopf ging. „Könnte mir vorstellen, dass das sehr nützlich wäre.“
Thunder sah ihn erschrocken an und zischte: „Bist du komplett wahnsinnig? Du kannst in der Gegenwart von Pyro doch nicht so eine Idee raushauen.“
„Aber er ist doch dahinten“, wehrte Grey ab. „Ich find die Idee gut, wir könnten es so machen, dass…“
„Hab ich da was von Explosionspfeilen gehört?“ rief der Feuerritter von der anderen Seite des Hofes herüber.
„Oh nein!!“ stöhnte Thunder.
„Ich bin sofort dabei das auszuprobieren“, sagte Pyro euphorisch.
„Später, später, kümmer dich lieber um deine Gruppe“, wiegelte Thunder eilig ab.
Doch bei ihm war gar nicht so viel los. Es stellte sich heraus, dass die meisten grauen Ritter ganz passable, einige sogar sehr gute Schützen waren. Seinen Grundkurs absolvierten sie einer nach dem anderen ohne Schwierigkeiten und gesellten sich dann zu Grey und Thunder. Schließlich war nur noch ein Ritter übrig. Es war der junge Kerl, der das Bier verschüttet hatte. Ganz schüchtern stand er da und es war ihm anzusehen, dass er am liebsten gar nicht hier wäre. Pyro winkte ihn heran, drückte ihm Pfeil und Bogen in die Hand und wies ihn an auf das Ziel, eine an einem Pfahl angebundene Strohpuppe zu schießen. Der Pfeil in den Händen des Ritters zitterte immer heftiger und als er dann schoss, verriss er gründlich.
„Ich kann das eigentlich“, behauptete der junge Mann leise.
„Kann ja mal passieren, noch mal“, sagte der orangene Ritter und reichte ihm noch einen Pfeil.
Der graue Ritter behielt Pyro aus den Augenwinkeln im Blick und blieb nervös. Auch dieser Schuss ging ins aus. Genauer gesagt hätte er beinahe ein aufgeschrecktes Behemothhuhn getroffen, das aus Alexandras Hühnerstall ausgebüxt war. Sie kam eilig angerannt und rettete es, um es dann zu seinen Hühnerfreunden zurückzubringen.
„Oh, es tut mir so leid“, kam es sofort vom grauen Ritter und er sah sich peinlich berührt um.
Zum Glück hatten die anderen Ritter seinen Fauxpas nicht gesehen. Pyro hob eine Augenbraue, was sein Schüler natürlich nicht sehen konnte. Da er der letzte in seiner Gruppe war, konnte er sich für ihn ja Zeit lassen. Er kam zu ihm und schob seine Haltung zurecht.  Der graue Ritter zuckte zusammen und alles war wieder zunichte gemacht.
„He, ich verbrenn dich schon nicht, keine Sorge“, kam es von Pyro, weil er vermutete, dass der junge Mann Angst vor ihm hatte.
Sein Schüler nickte schwach. Der Feuerritter hatte das Gefühl erst das Eis brechen zu müssen, damit sie weiterkamen. Darin war er zum Glück sehr gut. Er schmolz es regelrecht weg.
„Wie ist dein Name?“
„Ich?“ fragte der graue Ritter, als wären noch andere anwesend, die Pyro hätte fragen können. „Ich heiße Gabriel.“
Pyro musste sich anstrengen, um ihn zu verstehen, so leise sprach Gabriel.
„Du musst nicht alles glauben was so über mich erzählt wird. Ja, da sind in der Arena ein paar Leute gestorben.“
„Hab ich gesehen“, sagte Gabriel leise.
„Und ja, die Burg hat wegen mir gebrannt, aber nur ein bisschen. Und überhaupt … wenn man das alles nicht so eng sieht ist das alles auch gar nicht so schlimm. Du wirst schon sehen, wer mein Freund ist, mit dem komm ich super klar und wir haben viel Spaß. Also, willst du mein Freund sein und wir packen das Bogenschießen gemeinsam an?“
„Dein Freund?“ fragte Gabriel und ein Hoffnungsschimmer schlich sich in seine Stimme. „Hört sich gut an. In Ordnung. Wie muss ich das machen?“
„So wie die Giraffe vorhin gesagt hat“, kam es vom Feuerritter. „Halt dein Arm in einer geraden Linie mit dem Bogen. Guck nicht zu mir, sondern auf dein Ziel. Das willst du ja schließlich treffen.“
Er wollte Gabriel erneut ausrichten, doch der junge Ritter war total verkrampft und auch diesmal wurde es nichts. Er traf lediglich ein Fass, welches sich einige Meter von der Strohpuppe entfernt befand. Ein Rinnsal aus Wasser drang jetzt daraus hervor.
„Ups“, sagte Gabriel betreten.
„Mach dich mal locker“, sagte Pyro, doch dem jungen Mann wollte das so gar nicht gelingen. „Komm, wir machen das zusammen.“
Der Feuerritter stellte sich daraufhin hinter Gabriel und dirigierte ihn mit seinen eigenen Bewegungen.
„Du hältst es falsch. Nimm die Sehne so, dass der Pfeil zwischen Zeige- und Mittelfinger liegt.“
Er nahm Gabriels Finger und legte sie richtig und zog dann seinen Arm zurück.
„Dann ausholen und loslassen.“
Der Pfeil flog und traf immerhin in den imaginären Magen der Strohpuppe.
„Siehst du, hat doch geklappt. Und jetzt mal du allein.“
Pyro trat zurück und sah Gabriel zu. Er sah immer noch furchtbar nervös aus, aber diesmal bemühte er sich mehr und versuchte das eben gelernte zu kopieren. Er traf die Strohpuppe am rechten Arm.
„Immerhin. Mach nur weiter. Ist ja sonst keiner da. Du kannst dir Zeit lassen.“
Mittlerweile hatte es Grey geschafft an der Mauer der Burg hinaufzuklettern. Er hatte seinen Metallpfeil in eine günstige Ritze geschossen und war dann an dem Seil hinaufgeklettert. Das war harte Arbeit, denn er musste ja nicht nur sich, sondern auch seine Rüstung und Waffen mit hochwuchten. Schwitzend und völlig fertig war er oben auf den Zinnen angekommen und winkte zu ihnen herunter.
„Sehr gut, und jetzt komm wieder zurück“, kommandierte Thunder.
„Ist nicht dein Ernst, oder?“ fragte Grey japsend. „Lass mir doch eine Pause.“
„Wenn du eine fremde Burg erstürmst kriegst du doch auch keine Pause“, erinnerte ihn Thunder.
„He, ähm… naja, hast schon Recht, aber ich denke, das werden wir noch weiter üben müssen“, sagte der sonst so selbstsichere Grey unsicher.
„Na gut, dann lass dir etwas Zeit und die anderen sind erst mal dran. Jochen, hier, du bist dran.“
Thunder reichte dem grauen Ritter Pfeil und Bogen und sah ihm zu. Zum Glück hatten sie mehrere dutzend Metallpfeile und sie waren sehr robust, denn der graue Ritter schaffte es einfach nicht eine geeignete Spalte zu treffen. Die Pfeile prallten am harten Mauerwerk einfach ab und flogen in alle Richtungen. Venom und der graue Ritter mit dem er gerade trainierte mussten sogar ausweichen, sonst wären sie von einem abgeprallten Pfeil getroffen wurden.
Cyrills Magietraining fiel derweil ernüchternd aus. Die meisten grauen Ritter schafften es nicht einmal eine magische Aura zu erzeugen. Überraschend war das eigentlich nicht. Es war nicht ganz klar warum manche Menschen überhaupt in der Lage waren Magie zu wirken, aber es war nicht allen vergönnt. Cyrill fragte sich, ob es sich um eine erlernbare Fähigkeit handelte, oder ob es nötig war eine gewisse Veranlagung mitzubringen.
„Konzentriere dich auf die Magie in dir. Für den Anfang hilft es, sich eine dramatische gefährliche Situation vorzustellen, in der du deine Magie brauchst. Dann kanalisiere sie und greif an.“
Der graue Ritter Ruben versuchte es nach bestem Wissen und Gewissen, aber seine Aura glühte nur kurz auf. Paul, ein junger Kollege stupste den Ritter neben sich kurz zwei Mal mit den Ellenbogen an und grinste, dann schlich er sich leise von hinten an Ruben an und erschreckte ihn, indem er vorsprang ihn ergriff und laut brüllte: „Hinterhalt!“
Ruben erschreckte sich so, dass seine Aura aufglühte und ein einzelner Pfeil sich in der Luft materialisierte und die Zielstrohpuppe durchbohrte.
„Ja, gut, danke Paul. Vielleichte eine ungewöhnliche Methode, aber offenbar geht es.“
Die Giraffe wurde jetzt wieder ausgewechselt und befand sich mit seinem Schützling bei Venoms Trainingseinheit. Sie nervte den grauen Ritter Conrad so dermaßen, dass er irgendwann anfing völlig außer Kontrolle mit seinem Schwert nach dem armen Tier zu schlagen. Die Giraffe nahm das gelassen, wich schwungvoll aus und fragte spitz: "Hast du schon mal daran gedacht, gezielte Schläge zu führen?"
Conrad knurrte und hieb weiter nach ihr aus.
"So oft wie du es versuchst, müsstest du meine Ausweichtaktik aber kennen. Du solltest mehr auf dein Umfeld achten."
Conrad war in seiner Raserei gegen den Trainingsdummi von Cyrill geknallt und hielt so den gesamten Übungsbetrieb aus.
„Weg da!“ befahl Cyrill. „Wir wollen hier Magie üben. Du willst doch nicht von einem Pfeilhagel durchbohrt werden, oder?“
Conrad schnaufte und ging wieder zu Venom zurück, gegen den er eigentlich kämpfen sollte.
„Ich sagte doch, du sollst auf deine Umgebung achten. Hörst du überhaupt zu?“ fragte die Giraffe mit ihrer nervigen hohen Stimme.
„Hör endlich auf mich zu nerven!“ brüllte Conrad.
„Mach ich, wenn du dich nicht mehr anstellst wie der letzte Vollidiot“, kam es von der Giraffe zurück.
Conrad brüllte und traf die Giraffe mit der platten Seite des Schwertes am übergroßen Kopf.
"Sehr gut! Wenn du jetzt noch mit ein bisschen Kraft zuschlagen würdest, würde dein Gegner vielleicht auch was merken“, kam es vorlaut von dem Maskottchen.
"Okay, das reicht jetzt, du hattest die Giraffe lange genug", schritt Cyrill ein, der sich das nicht mehr länger mit ansehen konnte.
Der Eisritter ging zur Giraffe und nahm sie in die Arme. Conrad bedachte er mit einem strengen Blick und sagte Maßregelnd:
"Du solltest an deinen Aggressionen arbeiten. So gereizt bist du nicht mehr in der Lage bedachte Aktionen zu vollziehen."
Von Pyro auf der anderen Seite des Hofes wehte herüber:  "Bedachte Aktionen werden völlig überschätzt."
Cyrill achtete nicht auf ihn, doch die Giraffe sehr wohl, denn sie sagte:
"Pyro hat Recht. Durch deine langen Überlegungen entscheidest du zu langsam. Er hat einen Feind schon ausgeschaltet, während du noch abschätzt, ob es wirklich ein Feind ist."
Der blaue Ritter seufzte genervt: "Ich weiß wieder warum ich dich in der Arche gelassen hatte."
Er trug die Giraffe davon. Für heute hatte sie erstmal genug Weisheiten von sich gegeben und die Eliteritter mussten auch gleich wieder zu den Prinzessinnen.
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