Castle Crashers - 4 haun aufm Putz

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
16.07.2019
08.10.2020
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28.09.2019 6.186
 
Tatsächlich verlor Andy am nächsten Morgen kein Wort über Pyros Traum. Er hoffte aber, dass der orangene Ritter seinen blauen Kameraden beiseite nehmen und mit ihm darüber reden würde. Tat er aber nicht. Andy sah enttäuscht aus.
Cyrill befahl einen schnellen Aufbruch und sie ritten bis zum Industrieschloss. Je weiter sie kamen, desto stürmischer wurde es. Als sie schließlich am Rand des Binnenmeeres standen, fegten orkanartige Böen über das Wasser hinweg und rüttelten an den Bäumen, die im Sturm ächzten.
„Ohje, sieht nicht gut aus. Ich glaube nicht, dass ein Schiff bei diesem Wetter in See sticht“, sagte Andy.
„Wir fragen einfach wann das nächste Schiff rüberfährt“, sagte Pyro optimistisch.
Dazu mussten sie in das Industrieschloss hinein. Da es jetzt unter König Castles Kontrolle stand und auch von seinen Soldaten bewacht wurde, gab es damit keine Probleme. Doch beim Beamten des Schiffverkehrs sah das anders aus.
„Die Schiffe sind dazu ausgelegt Waren zu transportieren und nicht Personen und ihre Reittiere“, sagte er geduldig, ganz so, als hätte er das schon tausendmal erklären müssen.
„Aber es stört doch nicht, wenn wir drei dann auch mitkommen, außerdem können wir das Schiff dann gleich vor Piratenüberfällen beschützen“, versuchte Pyro ihn zu überreden.
„Es gab schon lange keine Piratenüberfälle mehr“, erklärte der Beamte. „Nein, nicht seitdem das Drachenseepferd in den Gewässern sein Unwesen treibt. Es ist bei allen Kapitänen und Matrosen gefürchtet.“
Pyro guckte kurz zur Decke und sagte dann: „Wir können euch auch davor schützen.“
„Wirklich?“ fragte der Beamte überrascht. „Na dann … willkommen an Bord. Das nächste Schiff sollte planmäßig 16:48 Uhr ablegen und hinüber zur Ostküste fahren.“
„Wow, das ist aber eine sehr konkrete Uhrzeit“, staunte Cyrill.
„Ja, wir legen hier sehr viel Wert auf Pünktlichkeit“, erklärte der Beamte und wies hinter sich auf eine Reihe von Stunden- und Minutengläsern und eine Sonnenuhr am Fenster, die jetzt aber nichts anzeigte, da es bewölkt war.
„Wie geht denn das?“ wollte Cyrill wissen.
Der Beamte freute sich sichtlich, dass jemand die feinen Mechanismen zu schätzen wusste und erklärte: „Es gibt zwölf Stundengläser. Wie ihr seht, hängen sie alle übereinander. Wenn der Sand von einem Behälter in den anderen hineinrieselt gibt es unten eine Klappe, die verhindert, dass der Sand gleich ins nächste Stundenglas hineinfällt, erst wenn das obere komplett geleert ist, öffnet sich die Klappe und der Sand rieselt langsam in das darunter liegende Glas und so weiter. Bei den Minutengläsern ist es genauso, nur dass es sechzig Stück sind. Ist der Sand im untersten Glas angelangt, drückt das Gewicht einen Bindfaden hinunter, dass sich straff zieht und oben einen Mechanismus in Gang setzt, so dass automatisch das erste Stundenglas erneut befüllt wird.“
„Beeindruckend“, staunten Cyrill und Andy.
„Ja, nicht wahr? Wir müssen nur einmal am Tag den Ersatzsand nachfüllen, damit alles reibungslos funktioniert.“
Pyro war das offenbar egal. Er sah recht gelangweilt aus.
„Ich finde, es ist schwer zu sehen welche Stunde gerade ist. Wenn der Sand bunt wäre, dann könnte man das schneller feststellen“, sagte er nur und wandte sich dann wieder anderen Dingen zu.
Der Beamte sah nachdenklich aus. Vielleicht zog er den Vorschlag wirklich in Erwägung.
„Wenn der Sturm aber auch heute Nachmittag noch wütet, wird das Schiff wohl nicht abfahren. Hoffen wir auf besseres Wetter“, sagte der Beamte und verabschiedete sie damit.
„Da heißt es wohl abwarten“, sagte Andy, als sie das Industrieschloss verließen und zu ihren Tieren gingen, die in einer Stallung standen.
„Was machen wir denn jetzt bis es so weit ist?“ fragte Cyrill.
„Gehen wir doch am Stand entlang“, schlug Pyro vor, ein breites Grinsen im Gesicht.
Cyrill wusste sofort was er vorhatte. Er kannte seinen Freund eben wirklich gut.
„Ein Strandspaziergang? Hört sich gut an, auch wenn es bei diesem Wetter vermutlich nicht gerade angenehm wird“, stimmte Andy zu und sie wechselten die Richtung.
Neben dem Industrieschloss ragten die Steilklippen in die Höhe, doch sie liefen unten an ihnen entlang. Der Strand bestand aus kleinen Kieseln und Steinen und hin und wieder einigen Felsen, die zwischen angespültem Tang, Treibholz und Schlick aufragten. Cyrill und Pyro machten sich einen Spaß daraus sie hinaufzuklettern und sich gegenseitig zu jagen. Andy wusste nicht, ob er etwas dazu sagen sollte. Sie sahen glücklich aus. Wenn sie so großen Spaß hatten, vielleicht sollte er einfach mitmachen? Andy war unsicher. Immerhin war er erwachsen und noch dazu ein Ritter, gehörte es sich da so verspielt zu sein?
„Na komm schon Andy! Willst du nicht mitmachen?“ rief Pyro ihm zu.
Der rosane Ritter gab sich einen Ruck und nahm an dem Spiel teil. Tatsächlich machte es wirklich Spaß zwischen den Felsen herumzutollen und ständig zu versuchen sich gegenseitig zu erwischen. Es ging gar nicht so sehr darum, wer nun eigentlich wen jagte, sondern ums herumalbern. Anschließend setzten sie sich auf einen großen wettergegerbten Felsen und sahen den Wellen dabei zu, wie sie an die Küste krachten. Sie waren wirklich eine Urgewalt. Heute waren sie bestimmt fast vier Meter hoch und das laute Brausen des Windes und das Brechen der Wellen vermischte sich zu einer wilden, urtümlichen und natürlichen Melodie, der sie gebannt lauschten. Pyro konnte wohl nicht länger wiederstehen, denn er legte seine Rüstung ab und rannte dann mitten in Wellen hinein.
„Was macht er denn? Ist er komplett wahnsinnig?!“ fragte Andy alarmiert.
„Vielleicht ein bisschen.“
Cyrill zwinkerte ihm grinsend zu.
„Das macht Spaß, du kommst doch auch mit rein, oder? Du kannst doch schwimmen?“ fragte Cyrill, der sich ebenfalls entrüstete.
„Eigentlich sogar recht gut, aber bei den Wellen …“ kam es unsicher vom rosanen Ritter
„Deswegen: weg mit den Rüstungen! Die sind im Wasser einfach nur eine Behinderung. Das können wir bei diesen Wellen nicht gebrauchen.“
Andy sah verunsichert zu seinen neuen Freunden. An und für sich hatte er immer geglaubt für jeden Spaß zu haben zu sein, aber seitdem er mit Cyrill und Pyro umherzog, war er sich da nicht mehr so sicher. Seiner Meinung nach war es vollkommen verrückt in die völlig aufgewühlte See hineinzuspringen und sich von diesen ungestümen Wassermassen herumschubsen zu lassen. Doch andererseits wollte er auch mitmachen. Also zog auch er seine Rüstung aus, bis er nur noch seine rosane Unterbekleidung trug und ging zum Wasser. Langsamer als die anderen beiden, die jetzt immer wieder voller Elan in die Wellen eintauchten. Das Wasser war eiskalt, doch seine beiden Freunde schien das nicht zu stören. Eine große Welle brach gerade über sie herein und begrub sie unter sich. Prustend kamen die beiden Ritter wieder an die Oberfläche, als die Welle vorbeigerollt war. Sie lachten. Pyro winkte aufgeregt.
„Na komm rein! Es ist super!“
Andy kämpfte sich zu ihnen durch. Sie standen jetzt alle drei bis zum Hals im Wasser und warteten auf die nächste Welle.
„Stoß dich vom Boden ab, dann macht es noch viel mehr Spaß“, riet Cyrill dem rosanen Ritter.
Die nächste Welle kam und trug sie mit sich, bis sie brach und ihr schäumendes Wasser über sie ergoss. Sie johlten.
„Kommt weiter rein!“ winkte Cyrill seine Freunde weiter.
Sie gingen, bis sie nicht mehr stehen konnten. Hier draußen war das Wasser noch wilder, da es überall Felsen gab, welche die Wellen brachen und so schäumte und toste das Meer um sie herum, als zürnte es, dass sie sich so weit in es hineinwagten.
Die nächste Welle kam und drückte sie unbarmherzig unter Wasser. Pyro konnte die anderen beiden nicht mehr sehen. Er wurde unter Wasser herumgewirbelt und hatte keine Kontrolle mehr. Es war ungewiss wo unten und oben war. Das Wasser war aufgewirbelt.  Sand, Algen und kleinste Partikel zogen an seinem Sichtfeld vorbei. Als er sich orientiert hatte, versuchte er wieder an die Oberfläche zu kommen, aber es kam schon die nächste Welle, die ihn hinunterdrückte und nicht zuließ, dass er zu Atem kam. Hart wurde er gegen den felsigen Boden geschleudert. Seine Schulter schmerzte. Pyro drehte sich mühsam herum und versuchte halt zu finden, obwohl ihn die Wogen mitzerrten, dann stieß er sich mit den Beinen vom Boden ab und durchbrach endlich die Wasseroberfläche. Eine neue Welle trug ihn mit sich, aber sie brach nicht, so dass er Zeit zum Atmen hatte. Er wurde wieder in den flacheren Bereich gespült, so dass er wieder stehen konnte. Triumphierend hielt er beide Arme hoch erhoben und rief: „Das war voll krass. JUHUU!“
Seine Freunde kamen zu ihm herüber.
„Wir haben uns Sorgen gemacht“, erklärte Andy.
„Ja, dachten schon, du wärst ersoffen“, sagte Cyrill grinsend, der auch sichtlich erleichtert war ihn wohlbehalten zu sehen.
„Ach Quatsch“, wehrte Pyro fröhlich ab. „Das war klasse, nochmal!“
Als hätte das Meer ihn gehört, schickte es  erneut eine große Welle, die sie überspülte und zu Boden drückte. Sie schrammten über die Steine und Felsen am Grund und hatten Mühe sich wieder aufzurichten. Als ihnen das gelang, mussten sie husten und spucken, um das Wasser, das ungeplant in ihre Lungen gekommen war, wieder loszuwerden.
„Vielleicht sollten wir lieber rausgehen?“ fragte Andy beunruhigt.
„NEIN!“ protestierte Pyro. „Noch nicht. Wir haben doch gerade erst angefangen.“
Er sprang wieder weiter ins Meer hinein, wo er sich unglaublich über jede Welle freute, die kam.
„Nochmal! Los! Mehr! War das etwa schon alles? Größere Wellen!“
Plötzlich war Cyrill neben ihm und er hatte ein Eisbrett gezaubert, auf das er sich jetzt hochzog. Als die nächste Welle kam, stand er leicht wacklig darauf. Er wurde ein paar Meter mitgetragen, dann fiel er herunter. Doch der Eisritter ließ sich nicht beirren und wiederholte seinen Versuch. Und tatsächlich, beim zweiten Mal gelang es ihm die nächste Welle zu reiten. Er zischte mit seinem Eisbrett über die Welle entlang, an Pyro vorbei und auf Andy zu, der ihm staunend entgegensah.
„Wow, das war echt cool“, sagte er.
„Willst du es auch mal versuchen?“ fragte Cyrill, als er vom Brett hopste und es Andy zuschob.
Andy wurde rot.
„Nein, ich glaube nicht, dass ich das kann.“
„Ach komm, versuch es doch einfach, dann weißt du, ob du es kannst.“
Andy fand aber, dass er heute schon genug gewagt hatte. Ihm reichte es, sich immer wieder gegen neue Wellen zu stemmen und war vollauf damit beschäftigt nicht fortgetrieben zu werden. Cyrill zuckte die Schultern und kämpfte sich erneut zu Pyro durch, der sein Angebot sehr gerne annahm und sich jetzt ebenfalls auf dem Surfbrett versuchte. Cyrill konnte sich ja kurzerhand ein neues erschaffen. Die ersten Male konnte sich Pyro nicht oben halten, aber dann endlich schaffte er es auch eine Welle zu reiten. Es sah allerdings nicht annähernd so cool und kontrolliert wie bei Cyrill aus, der, das musste man einfach sagen, die Wellen rockte. Als der Eisritter gerade eine Welle überstanden hatte, kam urplötzlich schon die nächste. Sie war riesig, beinahe fünf Meter hoch und würde ihn unter sich begraben. Geistesgegenwärtig nutzte Cyrill seine Magie und fror die Welle mitten in der Bewegung ein. Sie erstarrte. Cyrill machte sich eilig davon, denn bald würde die eingefrorene Welle dem Schwerpunkt nach in die Fluten stürzen und dann wollte er nicht mehr in der Nähe sein.
„Wo ist denn Andy?“ fragte er Pyro, als er ihn wiedertraf.
Der sah ihn überrascht an.
„Ich dachte, er wäre bei dir?“
Sie sahen sich beklommen an.
„Scheiße…“ murmelte Cyrill. „Andy? Andy! ANDY!“
Sie riefen laut nach ihrem Freund, aber es kam keine Antwort.
„Verdammter Mist, wie sollen wir ihn denn in diesem Tosen nur finden?“ fragte Pyro, der tatsächlich auch beunruhigt war und das sollte schon etwas heißen.
„Da vorne, ich seh ihn“, sagte Cyrill aufgeregt, als er etwas rosanes im Wasser treiben sah.
„Wow, die Klamotten bringen es wirklich. Wer hätte das gedacht?“, sagte Pyro verwundert.
Es war schwer zum rosanen Ritter durchzukommen. Sie kämpften mit den Wellen und gelangten endlich zu ihrem Freund, der beunruhigenderweise mit dem Kopf nach unten im Wasser trieb. „Verdammt! Wer weiß wie lange er schon im Wasser gelegen hat. Hoffentlich lebt er noch“, sagte Cyrill bang, drehte seinen Kameraden um und begann ihn Richtung Ufer zu ziehen.
Es war wirklich schwer, denn die Wellen brachen immer wieder über sie herein, schubsten sie und versuchten sie dann wieder zurück ins Meer zu ziehen. So viel Spaß es vormals auch gemacht hatte, jetzt, in dieser Situation war es wirklich beängstigend. Endlich hatten sie es geschafft und Andy an den Strand geschleppt. Sie legten ihn auf den harten Kiesstrand und wusste nicht so recht was sie jetzt tun sollten. Der rosane Ritter sah ganz bleich aus, seine Lippen waren blau angelaufen und Blut lief ihm links über den Schädel.
„Sieht so aus, als hätte er sich den Kopf angeschlagen“, sagte Pyro und zeigte auf eine Platzwunde links an Andys Kopf.
„Bestimmt hat ihn eine Welle gegen die Felsen geschlagen…“ sagte Cyrill beunruhigt. „Was sollen wir denn jetzt machen?“
„Hast du keinen erste Hilfe Kurs belegt?“ fragte der Feuerritter skeptisch. „Lass mich mal.“
Er beugte sich über Candy Andy und feuerte ihm dann links und rechts zwei Schläge um die Ohren. Durch die Schockreaktion wachte Andy auf und spuckte ihm Meerwasser ins Gesicht.
„Super, du bist wach“, sagte Pyro und wischte sich die Schmiere weg.
Andy hustete und würgte, erbrach noch mehr Wasser, das er aber neben sich spuckte, als er sich umdrehte.
„Wow, ich kann nicht glauben, dass das tatsächlich funktioniert hat“, kam es entgeistert von Cyrill.
Andy würgte noch immer, dann atmete er angespannt und erschöpft und wischte sich notdürftig den Mund ab.
„Danke“, sagte er ausgelaugt. „Ihr habt mir schon wieder das Leben gerettet.“
Pyro und Cyrill sahen sich betreten an.
„Naja, genau genommen haben wir dich ja erst in Gefahr gebracht“, sagte Cyrill zerknirscht.
„Trotzdem, danke“, sagte Andy, umarmte die beiden matt und hielt sich einen Moment an ihnen fest.
Als er sie losließ sagte er: „Ich hab aber erstmal genug vom Wellenbaden.“
„Das glaub ich dir“, sagte Cyrill lächelnd. „He Pyro, wie wär’s, wenn du ein Feuer entzündest, damit sich Andy aufwärmen kann?“
Gesagt getan. Das Treibholz war zwar nass, aber das Holz, das Pyro nicht entflammen konnte, musste erst noch wachsen. Sie saßen um das Feuer herum, trockneten und schwiegen sich an. Es war nicht, weil sie keinen Gesprächsstoff hätten. Sie waren ganz einfach erschöpft. Auch Pyro und Cyrill brauchten jetzt eine Pause. Bei all dem Adrenalin vom herumtoben, hatten sie ganz vergessen wie anstrengend ihr Spaß war.
„Es war echt kalt da drin. Wundert mich wie ihr das so lange ausgehalten habt. Ich wollte gerade rausgehen, da hat mich eine Welle gegen die Felsen geschubst“, sagte Andy matt.
„Eigentlich wird mir nie kalt“, erklärte Cyrill.
„Und bei mir ist es so, dass wenn ich plötzlich in kaltes Wasser tauche so eine Art Feuer in mir brennt. Ich kann richtig spüren, wie es sich von der Körpermitte ausbreitet und mich wärmt, aber es hält auch nicht ewig. Längerfristig wird mir dann auch richtig kalt. War schon in Ordnung jetzt raus zu gehen“, sagte Pyro, der viel zu nah am Feuer saß und sich die Hände wärmte.
Als sie und ihre Klamotten trocken waren, warteten sie noch, bis das Feuer heruntergebrannt war, dann gingen sie zurück zum Industrieschloss und warteten darauf, dass sie aufs Schiff konnten. Tatsächlich besserte sich das Wetter. Der Sturm ließ nach und wurde zu kräftigen Briesen, die unangenehm, aber nicht länger gefährlich waren. Sie durften aufs Schiff. Es brauchte tatsächlich einiges an Überredungskunst, damit auch ihre Reittiere drauf durften. Das Einhorn war kein Problem, aber der Krokosaurus und der Arschknaller wurden mit kritischen Blicken beäugt. Immerhin wusste die Besatzung nicht, dass der Arschknaller Feuer entzünden konnte, sonst hätten sie das Biest wohl nie im Leben auf ihren Kahn gelassen. Die Überfahrt verlief recht ereignislos. Keine Piraten in Sicht. Auch Pyros Seepferd ließ sich nicht blicken, was alle außer ihm auch ganz wunderbar fanden. Die See war aufgewühlt, aber nicht so stürmisch, dass es gefährlich wäre. Das Schiff schaukelte wild, und wenn die Ritter von A nach B über Deck gehen wollten, stolperten und torkelten sie ungeschickt herum. Die Matrosen fanden das witzig. Sie wussten genau wie sie zu stehen und zu gehen hatten und ließen sich von solchem Wetter nicht ins Bockshorn jagen. Die Ritter beschlossen, dass es am besten war sich einfach unter Deck zu setzen und abzuwarten. Oben konnten sie sowieso nichts tun. Um die Langweile zu vertreiben, spielten sie wieder Pyros Kartenspiel. Pyro gewann fünf Mal in Folge, was die anderen beiden dazu verleitete ihm Schummelei anzukreiden, was dieser vehement bestritt. Am späten Abend legten sie dann endlich an der Ostküste an. Es war ein winziger Hafen, der eigentlich nur aus ein paar Stegen bestand, die erst vor kurzer Zeit aufgebaut sein konnten. Das Ufer sah nicht gerade einladend aus. Die Äste der Bäume hangen tief und die Blätter hatten eine ungesunde Farbe. Das Gras sah lasch und irgendwie modrig aus. Links ragten alte Ruinen im Zwielicht auf.
Zeit von Bord zu gehen. Die Ritter bezahlten die Überfahrt mit dreihundert Goldstücken und ritten dann vom Schiff und den Steg entlang.
„Jetzt müssen wir einfach nur geradeaus, bis wir zu den Maisbauern kommen. Dort finden wir hoffentlich diese Behemoth Hühner“, sagte Cyrill, während sie zwischen den von Moos bewachsenen Bäumen hindurchritten.
Sie kamen nicht weit. Es wurde langsam dunkel.
„Zeit ein Lager aufzuschlagen“, sagte Cyrill bestimmt.
„Und mit Lager meinst du wieder in der Rüstung auf Steinen zu schlafen?“ fragte Candy Andy wenig begeistert.
„Wie denn sonst?“ wollte der blaue Ritter wissen.
„Wenn ich mit meinen Kollegen unterwegs bin, dann übernachten wir entweder in Unterkünften oder nehmen Zelte mit.“
„Und … warum hast du dann keins mit?“ fragte Cyrill verwundert.
„Naja, ich hab gesehen wie Pyro sich einfach nur auf sein Feuerbiest geschwungen hat, ohne irgendwelches Gepäck, da ging ich davon aus, dass es nicht so lange dauern kann bis wir diese Sandwiches geholt haben.“
„Haha, das zeigt nur wie wenig du uns kennst“, sagte Cyrill und lächelte.
„Im Gasthaus zu übernachten wird aber teuer“, warf Pyro ein.
„Na und? Wir haben doch Geld“, erklärte Andy und schüttelte seinen Geldbeutel, so dass die Münzen darin lustig klimperten, fast so als wollten sie ausgegeben werden.
Die anderen beiden Ritter wirkten immer noch nicht ganz überzeugt.
„Ich sag euch was, wenn wir heute in richtigen Betten schlafen können, dann ist es mir auch recht, wenn es morgen wieder ungemütlich wird. Ich bin das einfach nicht gewöhnt. Ich brauch ein bisschen guten Schlaf.“
„Na gut, ist in Ordnung“, sagte Cyrill, der als Leiter der Mission entschied wie es gemacht wurde.
Da sie das jetzt entschieden hatten, hielten sie die Augen nach einem Gasthaus auf. Doch es war gar nicht so einfach eins zu finden. Es war schon sehr spät, da entdeckten sie schließlich eins, doch drinnen erklärte ihnen der Besitzer: „Tut mir Leid, ihr seid schon sehr spät dran. Ich hab nur noch ein einziges Zimmer.“
„Mir macht es nichts aus auf dem Boden zu schlafen“, erklärte Cyrill freimütig.
Andy sah verwundert aus, sagte aber nichts zu ihm, sondern wandte sich zum Besitzer und erklärte: „In Ordnung, dann muss das eben reichen.“
Er bezahlte, erhielt dafür den Zimmerschlüssel und die Ritter gingen eine knarzende enge Treppe hinauf. Das Zimmer war nicht gerade groß, es passten gerade so ein Schrank, ein Tisch, ein Stuhl und zwei Betten hinein, doch es war überraschend sauber und ordentlich. Das kleine Fenster zeigte zum Wald, der in der dunklen Nacht etwas unheimlich wirkte.
„Endlich raus aus der Pelle“, sagte Andy erleichtert und fing an sich zu entrüsten.
Im Gegensatz zu den anderen beiden Rittern, die schwarze, oder durchs viele Waschen eher graue Unterkleidung trugen, hatte er sogar rosane Sachen unter seiner Rüstung.
„Ich sollte mir vielleicht auch mal was blaues holen“, überlegte Cyrill. „In den Klamotten hier sind schon ein paar Löcher drin.“
„Und? Stört das?“ fragte Pyro leichthin, der schon seit Jahren keine neuen Klamotten mehr gekauft hatte und seine Sachen so lange trug bis sie auseinanderfielen.
„Nein, das stört nicht, aber ich mag blau“, entgegnete Cyrill, der jetzt nach einem Platz auf dem Boden suchte, an dem er sich ausstrecken konnte.
„Du willst dich doch jetzt nicht wirklich auf den Boden legen, wo wir doch zwei Betten haben?“ fragte Andy und hob eine Augenbraue.
„Wir sind aber zu dritt“, entgegnete Cyrill.
„Ja, na und? So dick sind wir doch nicht, dass wir da keinen Platz hätten. Ich werde euch schon nicht beißen“, erklärte Andy belustigt.
„Na du vielleicht nicht, aber Pyro macht das schon. Ich hab immer noch eine Narbe am Arm von einer Rangelei von vor sechs Jahren.“
Er zeigt auf eine Stelle am Arm, die der rosane Ritter jetzt entgeistert musterte.
„Pyro, nicht beißen! Wenn keiner ein Drama draus macht, ist es überhaupt kein Problem. Entweder zwei teilen sich ein Bett, oder wir schieben die Betten zusammen, dann hätten wir mehr als genug Platz“, schlug Andy vor.
„Na dann lieber zusammenschieben“, meinte Cyrill und er und Andy drückten die Betten aneinander.
„Und wer in der Bettritze liegt, fliegt mitten in der Nacht durch“, überlegte Pyro laut.
„Ach Quatsch“, entgegnete Andy. „Es ist nur vielleicht etwas unbequem.“
„Na gut, kämpfen wir. Der Verlierer muss in die Mitte“, erklärte Pyro und bevor die anderen beiden protestieren konnten, schubste er schon Cyrill, der im Moment nicht mit einem Angriff gerechnet hatte.
Es rumste laut, als die beiden gegen den Schrank krachten.
„Hört auf! Ihr weckt noch die anderen Gäste“, versuchte Andy sie von diesem Unsinn abzuhalten. „Das können wir doch bestimmt auch anders regeln.“
Zuerst kam keine Reaktion. Pyro hatte Cyrills Arme gepackt und hielt sie fest, damit er nicht zum Gegenangriff kam, doch obwohl der blaue Ritter stärker war, hatte er es schwer sich gegen seinen Freund zur Wehr zu setzen.
„Sag … das mal … Pyro“, kam es deswegen angestrengt von Cyrill.
Er wechselte jetzt seine Strategie und ließ überraschend in seinen Anstrengungen nach, so dass der Feuerritter nach vorn fiel, was Cyrill nun ausnutzte, um sich seinem Griff zu entwinden, indem er beide Arme kräftig nach außen streckte und seinen Freund nun in den Schwitzkasten nahm. Allerdings wusste er aus Erfahrung, dass Pyro in solchen Situationen versuchte zu beißen, um wieder frei zu kommen, weswegen er ihn mit dem anderen Arm unterm Kinn packte, damit es nicht dazu kam. Pyro bäumte sich gegen ihn auf, doch es half nichts. Cyrill war zu massiv, um sich davon abbringen zu lassen. Sie rangen noch einige Minuten, in denen sich an der Gesamtsituation aber nicht viel veränderte.
„Na, gibst du endlich auf?“ fragte Cyrill amüsiert, weil sich Pyro einfach nicht geschlagen geben wollte.
„Nein!“
„Na gut“, sagte Cyrill und intensivierte seinen Druck jetzt, so dass er ihn nicht nur festhielt, sondern ihm auch die Luft abquetschte.
Er wusste, dass er Pyro so dazu brachte endlich klein bei zu geben.
„Hör auf, er läuft ja schon blau an“, kam es alarmiert von Andy, der auf dem rechten Bett saß und ihnen beunruhigt bei ihrer Balgerei zugesehen hatte.
Cyrill ließ ein wenig nach und fragte: „Gibst du jetzt auf?“
Pyro knurrte verdrossen. Es war ihm anzusehen, dass es nicht leicht für ihn war das zuzugeben: „Na gut, hast gewonnen.“
„Super, dann hab ich mir ja ein Bett erobert“, sagte Cyrill, sprang auf das linke Bett und streckte sich jetzt demonstrativ aus. „Ah, so viel Platz.“
Pyro atmete tief durch. Es sah beinahe so aus, wie bei einem Stier, der das nächste Ziel anvisierte und tatsächlich fasste er jetzt Andy ins Auge.
„Na gut, dann entscheidet sich der Kampf jetzt zwischen uns beiden.“
„Wa…? Ich will aber gar nicht kämpfen“, sagte Andy erschrocken, doch zu spät, Pyro sprang schon auf ihn los, um ihn in einem Überraschungsangriff schnell zu überwältigen.
Andy wusste zuerst nicht wie er diesem wilden Angriff begegnen sollte, so dass es Pyro leicht fiel jetzt ihn in den Schwitzkasten zu nehmen. Doch Candy Andy hatte noch ein Ass im Ärmel. Ganz plötzlich und unerwartet fing Pyro an zu lachen, er kriegte sich gar nicht wieder ein.
„Nein! … Aufhören! … Das ist unfair! … Kitzeln gilt nicht!“ rief er zwischen seinen Lachanfällen halb erstickt aus und konnte seinen Kontrahenten unter diesen Umständen nicht länger festhalten.
Doch der rosane Ritter dachte gar nicht daran. Nein, er intensivierte seinen Angriff und stellte schnell fest, dass Pyros Schwachstellen besonders im Nacken und am Hals lagen. Der orangene Ritter musste jetzt so lachen, dass er gar nicht mehr zum Atmen kam und Lachtränen in seine Augen schossen.
„Ist ja wirklich unglaublich wie kitzlig du bist“, rief Andy amüsiert und machte sich einen Spaß daraus Pyro in den nächsten Minuten ordentlich durchzukitzeln.
„Hör auf … ich gebe auf …“ lachte Pyro schließlich völlig außer Atem.
Andy sah zuerst nicht so aus, als würde er schon aufhören wollen, doch dann tat er es doch. Pyro lag jetzt völlig fertig einfach nur da und holte erschöpft Atem.
„Das sollten wir öfters machen“, sagte Cyrill grinsend. „So hat er schon seit Jahren nicht mehr gelacht und dann will er sich vielleicht nicht mehr so oft prügeln.“
„Ja, dafür bin ich auch“, stimmte der rosane Ritter fröhlich zu.
„Wehe!“ drohte Pyro und sah ihn finster an.
„Ach und was sonst?“ fragte Andy und grinste.
Pyro verzog verärgert den Mund. Er wusste, dass er gar nichts in der Hand hatte, was gegen so eine übermächtige Kitzelattacke helfen würde.
„Na gut, dann ist es beschlossene Sache. Pyro muss in der Bettritze schlafen“, sagte Cyrill schelmisch.
Sein Freund grummelte.
„Ach komm, jetzt mach kein Drama draus“, meinte Andy und suchte sein Kissen, dass bei Pyros Angriff vom Bett gefallen war.
Cyrill sah zu seinem eigenen und reichte es dem orangenen Ritter: „Hier, kriegst auch mein Kissen. Ich brauch nicht unbedingt eins.“
„Oh, toll“, kam es platt von seinem Freund, der es sich so legte, dass er mit dem Kopf nicht mehr auf dem harten Bettgestell lag.
Cyrill löschte das Licht. Er und Andy hatten sich je eine Decke geschnappt und Pyro lag ganz ohne da.
„He, das ist unfair, ihr habt es schön warm und weich und ich liege aufm harten Gestell und es ist kalt.“
„Mimimimimi“, machte Cyrill, ein bisschen um ihn zu ärgern und zum anderen, damit er mit der Nörgelei aufhörte.
„Wenn du ganz nett fragst, geben wir dir vielleicht eine Decke“, sagte Andy verschmitzt.
„Ich will ne Decke!“ sagte Pyro forsch.
„Das war aber keine Frage. Wie sagt man?“, kam es belehrend vom rosanen Ritter.
„Aber flott!“ ließ sich der orangene Ritter nicht umerziehen.
Tatsächlich seufzte der rosa Ritter genervt und sagte dann leise: „Ich bin einfach zu gutmütig.“ Und dann etwas lauter: „Hier kriegst du was ab.“
Er reichte Pyro ein Fitzelchen seiner eigenen Decke und sagte dann etwas lauter zum Eisritter: „Gibst du auch was ab, Cyrill?“
Zuerst sah es nicht so aus, dann brummte er und ließ seinerseits ein bisschen Decke rüberwachsen. Da Pyro schmal war, reichten die beiden Minihälften aus, so dass er nicht frieren musste.
„Siehst du Pyro, wenn man zusammenhält und nett zu einander ist, kann man doch alles ganz ohne Kampf regeln“, versuchte der rosene Ritter ihm die Einsicht zu vermitteln.
„Ja, aber im Kampf hätte ich mir vielleicht eine eigene Decke erobern können.“
„Nicht wenn ich dich auskitzle“, antwortete Andy verschmitzt.
Pyro knurrte warnend.
Eine Zeit lang war es still, dann sagte Cyrill: „Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal ein Bett teilen musste.“
„Ich glaube, ich war sieben Jahre alt. Es war Sonntagmorgen, ich wollte, dass mein Vater mir was vorliest und er hatte keinen Bock aufzustehen“, berichtete Pyro nach kurzem Schweigen.
„Was hat er denn vorgelesen?“ fragte Andy leise.
„Ich weiß nicht mehr wie es hieß. Zwei Brüder haben mit zwei Angeln vom Dach durch den Schornstein Hähnchen aus der Küche einer armen alten Witwe geklaut.“
Es war kurz still, dann: „Ich glaube dein Vater hätte dir was anderes vorlesen sollen. Hm… ich bin es eigentlich gewohnt mit mehreren in einem Bett zu schlafen. Als ich klein war, hatten meine Eltern nicht so viel Geld. Ich habe fünf Geschwister, einen Bruder und vier Schwestern und ich bin der Älteste.“
„Bei so vielen Geschwistern gab es bestimmt oft Remmidemmi“, vermutete der Feuerritter.
„Nein, eigentlich nicht. Wie kommst du darauf?“ fragte Andy verwundert.
„Weil Pyro immer von sich ausgeht“, sagte Cyrill leise, der schon beinahe eingeschlafen war.
„Nein, wir haben uns gut verstanden und wenn es dann doch mal ein Problem gab, konnte ich als großer Bruder es meist schnell lösen. Ich hatte schon damals ein Talent dafür Streit zu schlichten“, sagte Andy glücklich. „Mir war es egal, dass wir nicht viel Geld hatten. Wir hatten uns und diese Liebe und Geborgenheit, die es in unserer Familie gab, kann man mit keinem Geld der Welt kaufen. Ich finde, das ist viel wichtiger, als Reichtum.“
„Hm… bei meiner Familie war das auch sehr wichtig. Meine Eltern haben auch ein großes Herz und ich denke deswegen bin ich mit viel positiver Energie aufgewachsen“, erzählte Cyrill und drehte sich jetzt wieder zu den anderen beiden um, damit sie ihn besser verstehen konnten. „Weil ich die Unterstützung bekommen habe, die ich brauchte, hat sich bei mir schon früh das Verständnis für Treue gebildet. Weil unsere Familie so fest zusammengehalten hat, hab ich das dann auch bei anderen Leuten gesucht, die mir etwas bedeuten.“
„Das hast du aber schön gesagt“, sagte Andy fröhlich und sie konnten das Lächeln auf seinem Gesicht fast schon hören.
„Was denn für Leute?“ fragte Pyro verwundert.
Cyrill verdrehte die Augen, was die anderen natürlich nicht sehen konnten und verpasste Pyro dann eine sanfte Ohrfeige.
„Zum Beispiel du, du Trottel.“
„He! Was soll das? Willst du Streit, ja? Na dann komm mal her!“
Pyro wollte schon wieder losstänkern, doch Andy hatte davon wohl genug, denn er hielt ihn zurück.
„Jetzt hör doch mal mit der Balgerei auf!“
Es war das erste Mal, dass er ein bisschen ernst klang. Das verwunderte Pyro so sehr, dass er tatsächlich aufhörte Cyrill ärgern zu wollen.
„Was hast du für ein Problem?“ fragte der orangene Ritter verwundert.
„Was ich für ein Problem habe? Die Frage ist doch, was hast DU für ein Problem, dass du dich ständig prügeln willst?“ fragte Andy.
Seine Stimme schwankte zwischen aufkeimendem Ärger, Genervtheit, Trauer und Enttäuschung.
„Es ist doch nur Spaß“, sagte Pyro, der gar nicht verstand warum der rosane Ritter so plötzlich verärgert war.
„Ja, und das ist doch das Problem, oder? Warum macht dir das Kämpfen solchen Spaß?“
Pyro überlegte. Die plötzliche Stille war drückend.
„Jetzt sag nicht, dass du dir darüber noch nie Gedanken gemacht hast und jetzt erstmal nachdenken musst“, kam es verärgert vom rosanen Ritter.
„Nein hab ich nicht. Wer kommt auch auf solche Fragen? Genauso gut könnte ich Cyrill oder Venom fragen warum sie Spaß am Essen haben, das ist mir genauso unverständlich. Ist doch nur essen. Meistens ist das langweilig. Es passiert ja nichts weiter. Bestenfalls springt das Essen vorher weg oder greift einen an, bevor man es erschlagen hat, aber spätestens dann wird es langweilig.“
„Jetzt lenk nicht ab!“
„Was willst du denn hören? Ist halt so, ist wie Spielen. Ich weiß ja nicht wie das bei euch war, aber ich hab schon als Kind immer gerne mit meinem Bruder und meinem Vater gekampelt und das war immer toll.“
„Du hast einen Bruder? Ist er älter oder jünger als du?“ fragte Andy nach, der sich langsam wieder beruhigte.
„Älter, ist das wichtig?“ fragte Pyro leicht genervt.
Andy ging nicht auf seine Frage ein, sondern bohrte weiter nach: „Also musstest du dich immer gegen ihn behaupten? Vielleicht bist du deswegen so eine Kämpfernatur?“
„Was weiß ich, was fragst du mir jetzt hier solche Löcher in den Bauch?“ wollte Pyro genervt wissen.
„Reg dich ab!“ kam es jetzt von Cyrill. „Er fragt doch nur, kein Grund, dass du gleich wieder überreagierst.“
„Mach ich gar nicht!“
„Machst du wohl!“
„Nein!“
„Doch!“
„Immer zwei Mal mehr als du-uu“, sagte Pyro jetzt verschmitzt.
„Das stimmt allerdings“, kam es genervt von Cyrill.
Andy seufzte und sagte leise: „Gott, wie kleine Kinder.“
Er überlegte, ob er noch etwas sagen sollte. Vermutlich war es sinnlos, doch er wollte noch einen Versuch starten.
„Um zum Thema zurückzukommen, hast du denn verstanden was Cyrill gesagt hat Pyro?“
„Cyrill erzählt so viel, wenn der Tag lang ist“, behauptete der orangene Ritter. „Was von allem was wir eben gequatscht haben meinst du?“
„Er hat gesagt, dass er den Zusammenhalt auch bei seinen Freunden sucht, also bei Venom, Thunder und dir und euch wie eine Art zweite Familie ansieht.“
„Oh…k?“ kam es nach einer kurzen Stille von Pyro, der nicht wusste was sie jetzt von ihm hören wollten.
„Bedeutet dir das denn überhaupt nichts?“ fragte Andy traurig.
Auch Cyrill war ganz schön niedergeschlagen und verletzt. Er gab sich mit seinen Freunden viel Mühe und erwartete, dass er dann auch etwas zurückbekam. Oft war das gar nicht so einfach.
„Ich … weiß nicht genau wie er das meint“, gab Pyro nach kurzem Zögern zu.
Stille. Er hatte endlich gemerkt, dass er sich in einen ganz schönen Schlamassel geritten und seinen Freund verärgert hatte und überlegte jetzt fieberhaft wie er da wieder rauskam.
„Cyrill ist mein bester Freund und ich bin wirklich froh, dass wir zusammen herumziehen und Abenteuer erleben können. Ohne ihn wäre mein Leben bestimmt anders verlaufen. Venom und Thunder mag ich natürlich auch. Ich freue mich, dass wir so eine tolle Truppe sind.“
Er wusste nicht, ob das reichte. Offensichtlich nicht, denn Andy sagte: „Ich hab das Gefühl, dass ihr Cyrill nicht immer den Rückhalt bietet den er braucht.“
Pyro sagte nichts weiter, weswegen Cyrill vermutete, dass er nicht ganz verstand wovon der rosane Ritter sprach.
„Ich weiß manchmal nicht, ob ich euch ganz und gar vertrauen kann. Venom hört oft nicht zu, Thunder sagt meistens auch nichts, wenn ich mal etwas anspreche und du tust häufig so, als wenn alles kein Problem ist. Manchmal ist es da schon schwer nicht enttäuscht zu sein“, schilderte Cyrill seine Gefühle.
Pyro verdrehte die Augen. Zu seinem Glück konnte sein Freund das nicht sehen, sonst hätte das die Situation noch verschlimmert. Der orangene Ritter verkniff es sich eine forsche und ziemlich verletzende Antwort zu geben, atmete stattdessen noch einmal tief durch und sagte dann: „Wahrscheinlich, weil mir in den Momenten nicht bewusst ist, dass da irgendwas für dich ein Problem ist. Ich mach mir über sowas meist keinen Kopf.“
„Das ist es ja“, sagte Cyrill enttäuscht und auch leicht zornig. „Dir ist es egal. Ich wünschte, du würdest dir manchmal mehr Gedanken machen.“
Pyro dachte nach. Irgendwie hatte er es verbockt. Wieder einmal.
„Ja, gut, na schön. Ich versuche mich zu bessern, in Ordnung?“
„Das sagst du doch jetzt nur so“, hatte Cyrill ihn komplett durchschaut.
Pyro seufzte genervt. Er konnte mit solchem sensiblem Kram nicht umgehen. Konnten sie nicht einfach Freunde sein? Wozu immer diese Diskussionen?
„Was willst du denn von mir hören?“
„Zum Beispiel, dass du dir wirklich Gedanken machst und das nicht nur so dahinsagst, damit ich Ruhe gebe. Dass du wirklich versuchst dich zu ändern“, kam es immer noch verletzt vom blauen Ritter.
„Du musst wirklich mal sensibler werden“, redete auch Andy dem orangenen Ritter ins Gewissen.
„Ja gut, ich schnippe jetzt mit den Fingern und dann …“
„Hör bloß auf“, sagte Cyrill und drehte sich weg.
Andy gefiel diese Anspannung nicht und er wollte nicht, dass sie den Tag so beendeten. Er versuchte die Situation zu entkrampfen.
„Wenn es bei meinen Geschwistern ein Problem gab, war es immer wichtig, dass ich ein offenes Ohr für sie hatte, mir ihre Probleme genau angehört habe und dann mit ihnen darüber gesprochen habe. Das hilft meist schon. Stell dir doch mal vor, du hast ein Problem und du gehst damit zu jemandem und der wischt das dann einfach nur mit ein paar Worten weg. Da würdest du dich doch bestimmt auch schlecht fühlen“, versuchte Andy es Pyro verständlich zu machen.
„Deswegen versuch ich auch mit meinen Problemen alleine klar zu kommen“, erklärte Pyro.
Andy seufzte.
„Das musst du aber nicht. Dafür sind Freunde doch da und eigentlich denke ich auch, dass ihr das könnt. Ich kenn euch zwar noch nicht so lange, aber was ich gesehen habe, lässt schon darauf schließen, dass ihr eigentlich gut miteinander auskommt. Manchmal mangelt es noch an der Kommunikation. Wenn wir zurück in der Burg sind, werde ich nochmal mit euch vieren darüber sprechen. Ich würde gerne auch noch die Meinungen von Thunder und Venom hören. Ist das in Ordnung?“
„Klar“, sagte Pyro, dem das vom Prinzip her Wurst war.
„Ja, ist in Ordnung“, kam es leise von Cyrill.
„Entschuldige dich bei ihm“, flüsterte Andy Pyro ins Ohr, damit er endlich die Kurve bekam. „Na los!“
Er stupste ihn an und endlich richtete sich Pyro in eine sitzende Position auf, um sich zu Cyrill zu beugen und zu sagen: „He, … es tut mir Leid. Du weißt doch, dass wir uns vertrauen können. Wir haben schon so viel zusammen durchgemacht und wir haben uns doch immer gegenseitig geholfen. Bestimmt sollte ich das mehr ansprechen. Ich gehe irgendwie immer davon aus, dass das sowieso klar ist und nicht noch extra angesprochen werden muss, aber vermutlich liege ich da falsch. Ich werde versuchen mich da zu bessern, in Ordnung?“
Zuerst kam nichts und Pyro wusste nicht, ob er jetzt schon wieder was Falsches gesagt hatte.
„In Ordnung“, kam es nur zurück.
Pyro wusste nicht, ob es jetzt wirklich in Ordnung war, aber er wollte auch nichts sagen, nicht dass wieder ein Streit hochkochte. Schweigen legte sich über das Zimmer und irgendwann war nur noch Cyrills Schnarchen zu hören.
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