Castle Crashers - 4 haun aufm Putz

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
16.07.2019
08.10.2020
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24.09.2019 12.031
 
„Kissenschlacht!“ rief Pyro aufgedreht und knallte dem noch schlafenden Venom sein Kissen an den Kopf.
Der stöhnte und grummelte und richtete sich nur langsam auf. Thunder reichte diese Vorwarnung um aufzuspringen und sich für den Kampf bereit zu machen. Er wehrte den orangenen Ritter mit seinem eigenen Kissen geschickt ab und pfefferte es ihm dann um die Ohren. Obwohl Pyro getroffen wurde, lachte er. Es machte einfach so viel Spaß herumzutoben. Die anderen Ritter im Schlafsaal sahen das aber wohl anders. Sie stöhnten genervt. Manche steckten ihren Kopf unters Kissen im aussichtslosen Unterfangen noch ein paar Minuten weiterzuschlafen, andere sahen ein, dass das nichts brachte und standen jetzt ebenfalls auf, allerdings ohne Kissenschlacht.
„Es war so schön ruhig bevor die hier reinkamen“, murmelte einer.
Ein Ritter war besonders kühn, vielleicht hatte Pyro ihn aus einem schönen Traum gerissen, denn er wagte es gegen die Eliteritter aufzubegehren.
„Habt ihr gehört? Seitdem ihr hier seid gibt es nur Ärger!“
Pyro fühlte sich getriggert, denn er hielt in seinem Tun inne und fragte: „Was denn für ein Ärger? Worüber redest du?“
Einige der anderen Ritter verdrehten genervt die Augen.
„Na zum Beispiel die Fenster hier…“ fing ein anderer an.
„Was ist damit?“ fragte Pyro gelangweilt.
„Na, da sind Löcher drin“, sagte Grey, der die Truppe anführte. „Der Wind pfeift durch.“
„Ist doch gut, dann kriegen wir immer Frischluft und all die Pupse gehen raus“, hielt der orangene Ritter dagegen.
„Die Fenster kann man auch öffnen, weißt du?“
„Ja, na schön, und warum heult ihr mir deswegen jetzt die Ohren voll?“ fragte Pyro gelangweilt.
„Ich glaube nicht, dass das Kamikazetauben waren, sondern du!“
Viele andere Ritter murmelten zustimmend.
„Nein, ich war das nicht, ehrlich“, wehrte sich Nummer vier der Eliteritter.
Die anderen Ritter sahen nicht überzeugt aus.
„Er war es wirklich nicht“, schlug sich überraschend Thunder auf Pyros Seite.
Pyro und Thunder tauschten einen Blick, der ihren Streit von gestern beilegte und damit war die Sache erledigt. Thunder glaubten die anderen wohl eher, denn, obwohl sie immer noch aufgebracht waren, sagte der Rädelsführer: „Na schön, wenn du das sagst … trotzdem würden wir es schätzen, wenn hier mal wieder Ruhe einkehrt.“
„Wie langweilig“, kam es von Pyro.
Die anderen Ritter grummelten, erhoben aber nicht mehr ihre Stimme.
„Kann der nicht irgendwo anders ein Durcheinander anrichten?“, „Wenn ich dran denke, dass Cyrill jetzt auch manchmal Blödsinn macht …“, „Ja, unglaublich, oder? Dabei ist er doch der Ordentlichste.“, „Ich hab ihn immer als Vorbild gesehen, wisst ihr?“, „Ich fühle mich jetzt auch ein bisschen Führerlos“, „Ja, ehrlich gesagt beneide ich die Ritter von König Wilhelm. Die haben eine feste Struktur nach der sie sich richten können…“, „Richtig und was sollen wir tun? Nach wem sollen wir uns richten?“, „Cyrill ist vielleicht nicht mehr die beste Idee.“, „Vielleicht sollten wir uns eher an Thunder halten?“
Die drei Eliteritter im Raum hörten ihren Gesprächen nur mit halbem Ohr zu. Venom und Thunder waren nicht ehrgeizig genug, um nach der Spitze zu streben und Pyro war so etwas vollkommen egal. Er mochte es zwar sich in Wettbewerben mit seinen Freunden zu messen, aber nur dem Spaß wegen. Von Hierarchie hielt er gar nichts. Er verabscheute Autorität und hatte nicht vor selbst eine Autoritätsperson zu werden.
„Wo ich gerade was von Cyrill höre, gehen wir ihn doch besuchen“, schlug Pyro vor.
Sie legten ihre Rüstungen an und machten sich auf den Weg. Sie kamen ohne viel Gerede in den Gefängnistrakt und zu Cyrills Zelle. Er schlief noch und sie mussten ihn erst wecken.
„Oh, hallo Leute, na wie geht’s?“ fragte der blaue Ritter gähnend.
Er sah ganz und gar nicht unglücklich aus.
„Dir scheint es hier drin ja richtig zu gefallen“, stichelte Pyro ihn.
„Ach, eigentlich ist es hier drin ganz erholsam. Keiner der schnarcht oder furzt. Ich konnte richtig gut schlafen. Dank dir habe ich auch beinahe das ganze Gefängnis für mich allein. Naja, ist eben nur dieser eine Dieb vom Markt hier. Und … warte mal…“
Cyrill zückte ein kleines Büchlein und hakte etwas darin ab.
„Hatte ja noch die Aufgabe eine Nacht im Gefängnis zu verbringen, das kann ich damit auch abhaken.“
„Mach für mich gleich mit“, kam es rasch von Pyro.
„Dann stört dich deine Strafe gar nicht?“ fragte Thunder verwundert.
„Nein, eigentlich nicht“, musste Cyrill zugeben. „Wieso? Was ist los?“
„Naja, es ist nur so, dass sich die anderen Ritter ganz schön das Maul über dich zerreißen“, gestand der rote Ritter.
„Wirklich?“ fragte Cyrill überrascht und auch etwas beunruhigt. „Aber Pyro stellt doch auch ständig was an.“
„Bei Pyro erwartet das mittlerweile aber auch jeder, da ist es normal, aber bei dir … sagen wir, die Leute sind enttäuscht von dir.“
„Oh“, kam es bestürzt von Cyrill.
Ein komisches Gefühl war in seiner Körpermitte zu spüren. Was konnte es sein? Vielleicht Bedauern, oder das Gefühl die anderen enttäuscht zu haben?
„Du sollst zum König gehen“, erklärte Hans, der den schmalen Gang herunterkam und jetzt mit den Schlüsseln klapperte, als er Cyrills Zelle aufschloss.
„Oh“, machte Cyrill nur und sprang von seiner harten Liege herunter.


Der König sah immer noch sauer aus und Cyrill war es immer noch peinlich. Er hielt seine Idee zwar nach wie vor nicht für schlecht, aber dem König gefiel sie offensichtlich gar nicht und das was der König wollte zählte.
„Wie ich sehe, seid ihr auch gleich mitgekommen“, sagte der König und sah auf seine vier Ritter herab. „Das trifft sich gut. Dann kann ich das auch schnell abarbeiten. Pyro, die Verwüstungen in der Dusche, die du angerichtet hast, werden dir ebenfalls vom Lohn abgezogen, so wie alles das du kaputt machst. Ich will mir nicht wegen allem eine Strafe ausdenken. Sieh das aber nicht als Freifahrtschein an. Überspann den Bogen ja nicht! So, nun zu dir Cyrill. Ich bin immer noch sehr enttäuscht von dir. Ich hatte immer geglaubt, ich könnte dir meine Töchter anvertrauen, doch gestern hast du sie einfach als Versuchskaninchen missbraucht.“
„Ich wollte nur helfen Majestät. Sie machten sich Sorgen, dass sie wieder entführt werden könnten und dann nicht stark genug wären, sich zu schützen“, wagte Cyrill einzuwerfen.
Der König schnaubte.
„Natürlich machen sie sich Sorgen. Sie mussten ja bereits Entführungen durchleiden. Das hat seine Spuren hinterlassen. Doch deine Lösung ist nicht der richtige Weg. Sie sind Prinzessinnen, sie müssen immer schön, elegant und nobel sein. Ich fürchte jetzt schon das Gerede. Aus irgendwelchen Gründen hat sich die Geschichte rasend schnell in der ganzen Burg verbreitet.“
Venom zog den Kopf ein und schaute dann zu Boden.
„Nein, die Prinzessinnen sollen sich nicht selbst verteidigen müssen. Das ist eure Aufgabe. Tag und Nacht müsst ihr ein Auge auf sie haben und sie vor jedweder Gefahr beschützen. Doch dazu muss ich euch vertrauen können und ich muss sagen dieses Vertrauen ist erschüttert. Eins muss ich aber sagen, diese Sandwiches sind per se keine schlechte Sache. Richtig angewendet könnten sie uns einmal in der Not helfen. Zum Beispiel wenn unsere Burg angegriffen wird und wir uns gegen eine Übermacht behaupten müssen. Jeder Ritter könnte durch so ein Sandwich um ein vielfaches stärker werden. Es wäre nicht schlecht einen Vorrat zu haben. Das wird deine Aufgabe zur Wiedergutmachung sein Cyrill.“
„Das wird aber ganz schön teuer“, erklärte der blaue Ritter.
„Das ist dein Problem. Geh los und besorge einen Vorrat dieser Sandwiches! Lass dich nicht eher wieder hier blicken, bis du das erledigt hast!“
Cyrill nickte und verbeugte sich dann ergeben.
„Jawohl euer Majestät.“
„Geht jetzt!“ forderte der König sie auf und wandte sich dann seinem Berater zu, der mit einem Stapel Schriftrollen angerückt war.
„Ohje, da hast du ja was aufgebrummt bekommen“, sagte Thunder.
„Die Sandwiches gab es doch in der Nähe der Vulkanstadt, dort solltest du mit deiner Suche anfangen“, schlug Venom vor.
„Werde ich machen. Wünscht mir Glück, ich komme wieder so schnell ich kann.“
„Und ich komme mit dir“, sagte Pyro fröhlich.
„Was? Nein, das kannst du nicht machen. Du kriegst nur wieder Ärger. Geh mit den anderen zusammen in den Unterricht!“ wies Cyrill ihn an.
„Ich kann dich doch nicht alleine losziehen lassen“, protestierte Pyro.
„Doch du kannst“, sagte sein Freund und schob den orangenen Ritter weg. „Du gehst jetzt in den Unterricht und holst dir die Ergebnisse unseres Tests ab. Wenn ich wieder komme, sagst du mir dann wie ich abgeschnitten habe, ok?“
Pyro grummelte.
„Gut, dann bis bald“, „Viel Glück“, wünschten Thunder und Venom ihrem Freund, der ihnen noch mal zuwinkte und dann auf den Hof lief.
Er ging zum Schirrmeister, der ihm seinen Krokosaurus übergab und darauf hinwies, dass es aus irgendwelchen Grund immer mehr Shrieker wurden. Cyrill kratzte sich am Helm, konnte dem Mann darauf aber auch keine Antwort geben. Er hatte jetzt andere Probleme, sattelte sein Reittier und ritt aus der Burg. Er kam bis zum Wald, als er hinter sich ein animalisches Schnaufen hörte. Es kam vom Arschknaller, den Pyro ritt.
„Was machst du denn hier? Ich sagte doch, du sollst in den Unterricht“, sagte Cyrill aufgebracht, aber auch froh ihn zu sehen.
„Ernsthaft? Ich hab die Wahl zwischen langweiligem Unterricht und einem spannenden Abenteuer. Was glaubst du wie ich mich da entscheide?“
„Ach Pyro, du bist einfach unglaublich“, sagte Cyrill grinsend und gab ihm einen freundschaftlichen Knuff in die Seite.
„Schließlich lass ich meinen besten Freund doch nicht im Stich“, sagte Pyro fröhlich und zwinkerte Cyrill freundschaftlich zu.
„Das hast du aber schön gesagt“, hörten sie eine Stimme hinter sich.
Die beiden wandten sich überrascht um und sahen Andy, der auf einem Einhorn ritt.
„Du auch noch?“ wunderte sich Cyrill.
Der rosane Ritter sah etwas verlegen aus, vielleicht weil er sich selbst einfach mal zu diesem Abenteuer miteingeladen hatte und nicht wusste, ob er mit durfte.
„In der Burg hab ich derzeit sowieso nichts zu tun. Wir sind ja nur Gäste und haben keine regulären Aufgaben, außer unser Königshaus zu beschützen und das kriegen meine Kollegen auch alleine hin. Sie hatten nichts einzuwenden, dass ich gehe. Ihr habt doch nichts dagegen, wenn ich euch begleite?“
Pyro zuckte mit den Schultern und sah zu Cyrill, der zögernd sagte: „Nun, ich denke, umso mehr Hilfe ich bekomme, umso schneller werden wir die Aufgabe lösen können. Ich fühle mich geehrt, dass ihr mir auf meiner Mission zur Seite steht.“
Andy strahlte.
„Na dann … auf zu den Lavafeldern, dann erstmal, oder?“ fragte Pyro und gab seinem Arschknaller die Sporen, der jetzt seinen Analvorrat zündete, in den Himmel stieg, durch die Äste des Waldes brach und dafür sorgte, dass sich eine Eule einschiss und vor Schreck von ihrem Ast fiel. Cyrill hatte ja eigentlich vorgehabt um den Wald drumherum zu reiten, doch jetzt folgte er Pyro in den Wald hinein und auch Andy folgte ihm.
„Wie kommt es eigentlich, dass du auf einem Einhorn reitest?“ fragte Cyrill und warf einen neugierigen Blick auf das weiße Tier.
Das Einhorn sah ebenfalls misstrauisch aus und beäugte Cyrills Krokosaurus kritisch.
„Ach den Guten hab ich im Wald gefunden, als er noch ein kleines Fohlen war. Sebastian hatte sich verletzt und ich hab ihn gesund gepflegt, seitdem weicht er mir nicht mehr von der Seite“, sagte Candy Andy fröhlich und kraulte dem Einhorn durch die Mähne.
Es wieherte glücklich.
„Das tolle ist, dass wir uns so gut verstehen, dass ich gar kein Zaumzeug brauche. Ich kann mir auch vorstellen, dass es unangenehm ist so eine Stange im Maul zu haben.“
Jetzt wo er das ansprach, fiel es auch Cyrill auf. Es gab nur den Sattel. Nichts weiter. Wenn Andy in eine bestimmte Richtung wollte, streichelte er Sebastian entweder links oder rechts am Hals und er folgte seinen Wünschen.
„Beeindruckend“, sagte Cyrill ehrlich.
„Auf die Geschichten wie ihr zu euren Reittieren gekommen seid, bin ich aber auch gespannt“, gab der rosane Ritter zu.
„Ach, da gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen. Den Krokosaurus hab ich dahinten auf der Ebene einigen Barbaren abgenommen und Pyro hat seinen Arschknaller von der letzten Rettungsmission aus der Wüste.“
„Was? Wie heißt das Ding?“ fragte Andy verdattert.
„Arschknaller. He! Sieh mich nicht so an! Ich hab mir das nicht ausgedacht, das steht alles im Bestiarium.“
„Oh… achso, hab ich gar nicht gelesen“, gab der rosane Ritter zu. „Ist das der Weg, den ihr gelaufen seid, um die Prinzessinnen zu retten?“
„Nein, damals sind wir mehr nach Osten gegangen, weil die Barbaren von dort gekommen sind. Wir hatten noch keine feste Vorstellung davon wohin die Prinzessinnen verschleppt würden, so dass es kein geradliniger Weg war.“
„Verständlich.“
Andy nickte. Endlich holten sie Pyro und seinen Arschknaller ein. Es stellte sich als schwierig heraus ihn hier im Wald zu führen. Der Arschknaller richtete sich nach Hitzestößen, die Pyro für gewöhnlich mit seinen Feuerkugeln erzeugte. Hier im Wald war das nicht ungefährlich.
„Warum hast du nicht gewartet?“ rügte Cyrill seinen Freund. „Immer musst du vorlaufen.“
„Was heißt denn hier immer?“ kam es zurück. „Meist bleib ich doch bei der Gruppe.“
„Ja, aber nicht so oft wie du solltest.“
„Streitet euch nicht“, versuchte Candy Andy zu schlichten. „Hier, nehmt ein paar Snickers, ihr seid nicht ihr, wenn ihr hungrig seid.“
Verwundert nahmen die Ritter die Schokoriegel entgegen. Es klappte. Sie hatten ihren Streit fast sofort vergessen.
„Wo sind wir denn jetzt?“ fragte der rosa Ritter, der sich hier überhaupt nicht auskannte.
„Ich hab eine Karte dabei“, sagte Cyrill sofort und zeigte sie seinem neuen Kameraden. „Wir sind jetzt hier.“
Sein Finger lag im Wald zwischen Burg und der verlassenen Trollmühle. Sie hatten den direkten Weg genommen, so dass sie gar nicht beim alten Barbarenlager vorbeigekommen waren.
„Wenn wir östlich an der Mühle vorbeigehen, bevor der Fluss zu breit zum Überqueren wird, kommen wir ohne Probleme auf die rechte Flussseite. Das ist kürzer und vielleicht können wir zwischen Fluss und Meer an der Bluthöhle vorbei, dann würden wir uns viele Kämpfe ersparen.“
„Meinst du da lehnt sich noch jemand gegen uns auf, nachdem wir da letztes Mal vorbeikamen?“ fragte Pyro verschmitzt.
„Hm… weiß nicht, aber mir wäre es lieber, wenn wir Kämpfe vermeiden würden“, erklärte Cyrill und rollte die Karte zusammen.
„Ach warum denn?“ fragte Pyro enttäuscht.
Andy schaute verwundert und Cyrill ließ sich gar nicht erst auf große Diskussionen ein.
„Es ist meine Mission, also hab ich das Sagen und wenn dir das nicht passt kannst du ja gleich wieder zurückgehen.“
„Ich denk gar nicht dran“, kam es vom Feuerritter zurück.
„Gut, dann reiten wir jetzt weiter und es wäre mir lieb, wenn du dabei nicht den kompletten Wald anzündest. Du erinnerst dich doch daran, was der König zum letzten Waldbrand gesagt hat, oder?“
„Nein, erinnere ich mich nicht, kann also nicht so wichtig gewesen sein.“
„Pyro!“ ermahnte ihn Cyrill.
„Na gut, na gut, aber dann müsst ihr vorreiten. Mein Tier reagiert auf Wärme und wenn ihr vorausreitet hat es mehr Motivation.“
„Heißt es das was ich denke?“ fragte Andy beunruhigt.
„Mach dir keine Sorgen, wenn das Vieh ärger macht, kriegt es was vor den Latz geknallt“, erklärte Cyrill trocken und drückte seinem Krokosaurus die gepanzerten Fersen in die Seiten, damit er sich in Bewegung setzte.
Im dichten Wald kamen sie nicht so gut voran, wie geplant. Mit dem umständlicheren, aber besseren Weg außen herum wären sie viel schneller vorangekommen, aber Pyro hatte ja den Kurs mitten durch den Wald einschlagen müssen. Jetzt waren sie schon einige Zeit unterwegs und wussten nicht mehr genau wo sie eigentlich waren.
„Wo sind wir jetzt?“ fragte Andy nach.
„Im Wald“, kam die wenig hilfreiche Antwort von Pyro.
„Da vorne ist ein hoher Felsen, von da oben können wir uns bestimmt orientieren“, schlug Cyrill vor und zeigte auf eine Erhebung zwischen den Bäumen.
„Gute Idee, aber sieht so aus, als wäre es zu steil für die Tiere. Besser wir binden sie unten an“, meinte Andy.
„Ich könnte mit meinem hochfliegen und nachsehen“, bot Pyro an.
„Und zündest dabei den Wald an? Nein, das lassen wir lieber bleiben“, wehrte der blaue Ritter ab.
Sie ritten so weit wie es ihnen möglich war. Das Unterholz wurde hier noch dichter und sie mussten frühzeitig absteigen. Beim Anbinden der Tiere achteten sie darauf, dass sie möglichst weit voneinander entfernt standen, so dass sie nicht auf die Idee kamen sich gegenseitig zu beharken. Während Pyro seinem Arschknaller einmal ordentlich mit der Panzerfaust auf den Hals patschte, streichelte Cyrill seinem Krokosaurus einmal über den Kopf und Andy gab seinem Einhorn einen saftigen Apfel als Leckerli.
„Sollte nicht weit sein. Bestimmt sind wir in zehn Minuten an den Felsen. Die dann nur noch hochklettern und wir haben einen Überblick“, erklärte der Anführer der Truppe, der voran ging und sich einen Weg zwischen den Bäumen, auf einem überwucherten Wildpfad mit dem Schwert freihackte.
„Wenn wir den Fluss sehen, sollte es kein Problem mehr sein“, erklärte er. „Reicht auch schon, wenn wir den Bach finden, der führt dann ja zum Fluss.“
Er steckte sein Schwert weg, als das Unterholz wieder lichter wurde. Cyrill bekam ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend. Irgendwas stimmte hier nicht. Hier gab es jetzt einen richtigen Weg, der so breit wurde, dass sie alle drei nebeneinander laufen konnten. Er wollte den anderen beiden gerade ein Zeichen geben, dass sie wachsam sein sollten, da ertönte ein Ratschen und das Geräusch von sich windendem Seil und sie wurden mit einem Fangnetz, das vormals unter Moos und Nadelzweigen im Boden versteckt lag, nach oben gezogen.
„Da sind wir ja auf den ältesten Trick der Welt reingefallen“, sagte Cyrill missmutig.
Sie hingen einen Moment pendelnd in den Bäumen, doch nicht für lange, denn Pyro zog sein Schwert und schnitt kurzerhand das Seil durch.
„Nicht!“ protestierte Andy, doch zu spät.
Schon fielen sie die vier Meter nach unten. Pyro und Cyrill hatten Glück, denn sie landeten ohne sich groß zu verletzen. Doch ihren Companion traf es nicht so gut. Er landete äußerst unsanft auf dem Waldboden und wurde bewusstlos. Wildes Gebrüll ertönte und Banditen schlugen sich aus dem Unterholz. Der Kampf war kurz, aber äußerst brutal. Andy lag immer noch am Boden, da hatte Pyro schon eine ganze Gruppe von Räubern angezündet und Cyrill die rechte Flanke mit seinem Eisangriff unter Kontrolle gebracht. Doch die Banditen schossen mit Pfeil und Bogen auch aus den Bäumen heraus. Cyrill stieß sich mit einer Eisfaust vom Boden ab und schmetterte ihnen einen Eiszapfenangriff entgegen. Pyro kümmerte sich um ihre Kollegen, die vom Boden aus weiter angriffen. Dolche und Messer schabten an seiner Rüstung entlang, weil er ohne Rücksicht auf Verluste vorpreschte und sich durch die Gegnerschaar hindurchmetzelte. Er hieb einem großen, kräftigen Banditen sein Schwert mitten durch den Magen und wehrte einen von links angreifenden Räuber mit dem Schild ab, indem er es ihm mit der harten Kante an den Kopf schlug. Cyrill hatte währenddessen in den Bäume aufgeräumt. Einige Banditen waren an den Stämmen und Ästen der Fichten vereist, in denen sie sich versteckt hatten. Falls sie noch lebten, wenn sie auftauten, würde es ein böses Erwachen auf dem Weg zum tief unten liegenden Waldboden geben. Der Eisritter sah sich prüfend um. Andy rappelte sich gerade erst hoch, er war immer noch benommen.
„Pass auf!“ warnte der blaue Ritter ihn, weil ein Räuber ihn von hinten angreifen wollte.
Cyrill durchbohrte den Übeltäter mit einem Eiszapfen. Offensichtlich war es der letzte Gegner gewesen.
„Danke, du hast mich gerettet“, sagte Andy erleichtert. „Uff, das war ein harter Sturz.“
Der rosane Ritter nahm seinen Helm ab, um sich seinen schmerzenden Kopf zu reiben.
„Nächstes Mal lassen wir uns bitte etwas anderes einfallen.“
Er sah zu Cyrill und erschrak.
„Cyrill! Du bist verletzt!“
Der blaue Ritter versuchte den Kopf zu drehen. Es schmerzte. Tatsächlich hatte ein Pfeil die dünne Panzerung zwischen Helm und Hauptharnisch durchdrungen.
„Ich hab zwar keinen Heiltrank aber zum Glück ein erste Hilfe Set dabei“, sagte Andy. „Lass mich mal sehen.“
Er nahm Cyrill den Helm ab und untersuchte die Wunde. Der Aufprall wurde von der dünnen Rüstung dort zwar abgemildert, doch das Geschoss steckte trotzdem mit der Spitze in Cyrills Körper.
„Ohje, das wird schmerzhaft“, warnte der rosane Ritter ihn vor. „Wenn du die Rüstung ausziehst, komm ich besser ran.“
Die pochenden Schmerzen nahmen jetzt, wo die Aufregung des Kampfes vorbei war, immer weiter zu und so machte sich Cyrill daran seine Rüstung abzulegen.
„Setz dich hin, ich komm sonst nicht ran!“ forderte der rosane Ritter ihn auf. „Zum Glück hab ich Übung darin. Wenn in meinem Team jemand verletzt wird, kümmere ich mich auch darum.“
„Aha, du bist sozusagen die gute Seele eurer Truppe“, sagte Cyrill lächelnd.
Andy freute sich.
„Ja, sozusagen.“
Er griff eine rostfreie kleine Zange aus seinem erste Hilfe Kasten, packte damit den Pfeil nah an der Wunde und warnte Cyrill vor: „Das wird jetzt ganz schön weh tun, aber das packst du.“
Mit einem Ruck zog er den Pfeil raus. Cyrill biss eisern die Zähne zusammen.
„Geschafft“, sagte Andy, spülte die Wunde jetzt mit Wasser aus, nähte sie sorgfältig zu und legte einen Verband an. „Du hast dich wirklich tapfer gehalten.“
„Danke“, sagte Cyrill und fing an seine Rüstung wieder anzulegen.
Sie hörten wie jemand angespannt die Luft zwischen zusammengebissene Zähne einatmete. Es war Pyro, anscheinend hatte auch er sich verletzt. Offenbar hatte ihm ein Bandit mit voller Wucht seinen Dolch in den rechten Unterarm gerammt, so dass er selbst die Panzerung durchdrungen hatte. Pyro hatte sie bereits abgenommen. Helles Blut quoll unablässig aus der Wunde. Der orangene Ritter legte jetzt seine linke Hand darauf und seine Feuermagie flackerte auf.
„Was machst du da?“ fragte Andy erschrocken.
Pyro antwortete nicht, sondern knurrte nur wegen der Schmerzen. Als er seine linke Hand wegnahm, war die Wunde ausgebrannt und es roch nach verbranntem Fleisch, wozu aber vor allem die verkohlten Leichen im Umkreis beitrugen.
„Das macht er immer so, wenn wir keinen Heiltrank dabei haben“, versuchte Cyrill seinen neuen Kameraden zu beruhigen.
„Wirklich?“ fragte Andy ungläubig. „Das hätte ich doch bestimmt auch anders behandeln können.“
„Eine Wunde, die so stark blutet?“ fragte Pyro zweifelnd und schüttelte den Kopf. „So geht es schneller. Jetzt ist es eh erledigt.“
Er legte seine Armrüstung wieder an und sah sich um.
„Ich denke, hier sind wir fertig. Gehen wir weiter, damit wir rausfinden wo wir hier sind.“
Tatsächlich waren es nur noch wenige Meter, bis sie die Felsen erreichten. Cyrill sah die Felswand, die vor ihnen aufragte, einen kurzen Moment einfach nur an, sah einen Weg und begann den riskanten Aufstieg. Pyro folgte ihm, wobei er versuchte sich zu merken, welche Felskanten sein Freund gegriffen hatte. Er vertraute ihm, weil er wusste, dass er mehr Erfahrung im Klettern hatte als er.
„Einfach da rauf?“ fragte der rosane Ritter beklommen.
Es brauchte kein geschultes Auge, um mitzubekommen, dass er Bedenken hatte.
„Ich hab keine große Erfahrung im Klettern … und dann noch mit Rüstung.“
„Du kannst auch unten warten, wenn du möchtest“, sagte Cyrill, der jetzt schon sieben Meter weiter oben war.
Stille. Dann: „Nein, ich bin gleich da. Ich wollte ja mit euch mitkommen.“
Er hatte gerade erst, vier Meter geschafft, da war Cyrill schon oben angekommen und zog sich auf die Oberkante des Felsens.
„Wow, eine tolle Aussicht“, sagte er, beeindruckt von dem Panorama, das sich ihm bot.
Auch Pyro hatte es jetzt geschafft und schob sich auf den Felsen hoch.
„Hat mal wieder gut getan so herumzuklettern“, freute er sich.
Er stand auf und staunte.
„Du hast Recht. Ein toller Ausblick. Da hinten ist der Fluss. Wir waren doch in etwa richtig.“
„Naja, eigentlich nicht. Wir wären zu weit westlich gekommen.“
Sie hörten einen Aufschrei und wirbelten zur Felskante herum. Es war Andy, der abgerutscht war und sich gerade noch so an einer Felskante festklammern konnte. Seine Beine fanden keinen Halt und er rutschte immer wieder mit ihnen ab.
„Da, ein bisschen weiter links ist ein Absatz, wo du dich drauf stellen kannst“, versuchte Cyrill ihm zu helfen.
„Wo? Ich kann nichts sehen“, sagte Andy verzweifelt.
„Links, versuch es zu ertasten.“
„Ich weiß nicht wo.“
„Nicht in Panik verfallen“, riet Cyrill, doch zu spät.
Andy war solche Klettereinlagen nicht gewohnt und die Panzerhandschuhe waren auch nicht darauf ausgelegt damit Felsen hochzuklettern. Schon zitterten seine Hände unter der Anstrengung. Mit einem beherzten Sprung hechtete Cyrill von der Felskante herunter und ließ mit seiner Magie einen Eisabsatz entstehen, auf dem er landete. Er war jetzt etwa zwei Meter vom rosanen Ritter entfernt. Dann richtete er einen Eisangriff auf die Felswand, etwa einen halben Meter unter Andy.
„Lass dich einfach fallen. Da ist jetzt eine Eisstufe unter dir, die fängt dich auf.“
Cyrill war ein Profi was Eis anging. Er wusste ganz genau wie es beschaffen war, wie er darauf zu landen, zu gehen und zu springen hatte, ohne auszurutschen, doch Andy wusste von all dem nichts. Er ließ sich fallen, rutschte auf der Glätte aus und drohte abzustürzen. Cyrill sprang von seiner Position an die Felswand, griff nach einem scharfkantigen Absatz, vor dem ihn aber sein Panzerhandschuh bewahrte und schnappte sich mit der anderen Hand Andys linken Arm und stabilisierte ihn so wieder.
„He, das sah von hier oben wirklich erstaunlich aus“, sagte Pyro beeindruckt.
Die anderen beiden sagten gar nichts. Sie waren viel zu sehr damit beschäftigt die Balance zu halten.
„Ganz ruhig Andy, ich bin da, versuch dich zu beruhigen“, redete Cyrill ermutigend auf ihn ein.
Er verfluchte sich, dass er nicht mehr darauf geachtet hatte was sein Teamkamerad machte, dann hätte er bestimmt verhindern können, dass es überhaupt zu so einer Situation kam. Immerhin hätte er ihn fragen können, ob er Hilfe brauchte, überlegte er.
Andy beruhigte sich recht schnell wieder und nickte ihm dann zu.
„Ich glaube ich komm wieder klar.“
„Wieder runter?“ fragte Cyrill besorgt.
Andy schüttelte den Kopf.
„Nun hab ich es schon so weit geschafft, nun will ich auch oben ankommen“, erklärte Andy mutig.
„Na gut. Ich sag dir wo du am besten hochkommst, lass immer drei Extremitäten am Felsen und greife mit einer freien Hand nach einem Absatz. Geh voran und ich pass auf dich auf.“
Andy war jetzt vorsichtiger und ließ sich Zeit. Er befolgte Cyrills Rat und jetzt klappte es. Oben half Pyro Andy raufzuziehen und dann war auch Cyrill wieder oben. Andy holte tief Luft.
„Hui, das war ganz schön anstrengend. Ich hatte wirklich Angst, als ich den Halt verloren habe. Das war aufregend. Wenn du nicht gewesen wärst, wäre ich bestimmt abgestürzt. Danke Cyrill.“
Candy Andy umarmte den blauen Ritter dankbar.
„Ich fühl mich ganz schlecht. Ich hab gar nicht gefragt, ob du Hilfe brauchst“, sagte Cyrill betroffen.
„Ich muss sagen, ich hab es völlig unterschätzt und gedacht, wenn ihr das könnt, dann kann ich das bestimmt auch.“
„Naja, es braucht schon etwas Übung“, erklärte Cyrill.
„Stimmt“, kam es von Pyro. „Und Cyrill macht so schnell keiner was vor. Er ist so ne Art Bergziege.“
Sie lachten.
„Aber für diese Aussicht, war es diese Aufregung definitiv wert“, sagte Andy, nahm abermals den Helm ab, um tief durchzuatmen und sich durch die schweißnassen braunen Haare zu wischen.
Pyro und Cyrill setzten sich an die Felskante, die zur Sonne gewandt war und ließen die Beine baumeln. Andy kam langsam näher und setzte sich dann vorsichtig daneben. So ganz war es ihm nicht geheuer so dazusitzen, aber mit jeder Minute fühlte er sich besser.
„Was ist denn das dahinten? Dieses große, eckige Kastending?“
„Das? Das ist das Industrieschloss. Dort hat mal Prinz Phillipe gelebt. Doch er tat sich mit diesem bösen Zauberer zusammen, der den Kristall des Königs gestohlen hat und entführte Prinzessin Goldi“, erklärte Cyrill, ohne dabei erkennen zu lassen, ob er deswegen immer noch wütend war oder nicht.
„Ja, er hatte sogar ein Kopfgeld auf uns ausgesetzt, weißt du noch?“ kam es von Pyro, bei dem klar zu erkennen war, dass er das immer noch für einen großen Spaß hielt.
„Ach ja, stimmt, wie viel war es noch gleich?“ fragte Cyrill, der sich damals nicht besonders dafür interessiert hatte.
„Fünfzigtausend Gold“, kam es wie aus der Kanone geschossen von Pyro.
„Wieviel?“ fragte Andy, lehnte sich unbedacht vor und hätte beinahe das Gleichgewicht verloren.
„He, langsam“, sagte Cyrill alarmiert und hielt ihn zurück.
„Ist ja unglaublich … so viel Gold … dafür könnte man sich ja ein eigenes Schloss bauen“, kam es perplex vom rosafarbenen Ritter.
„Stimmt, jetzt könnten wir das Gold gut gebrauchen“, sagte Cyrill nachdenklich. „Naja, ist nichts zu machen. Jetzt kriegen wir so viel Geld bestimmt nicht mehr zusammen.“
„Vielleicht hätte ich mich ausliefern lassen sollen, dann hättet ihr die Belohnung eingestrichen und wir hätten uns einen Lenz gemacht“, lachte Pyro.
„Das hätte bestimmt nicht geklappt“, sagte Cyrill, musste aber auch schmunzeln.
„He, das ist nicht lustig“, meinte Andy. „Vielleicht hätten sie ihn getötet. Wenn so viel Gold auf euren Kopf ausgesetzt war, hätte dieser Prinz Phillipe bestimmt nicht lange gezögert, um euch zu töten.“
„Ja, du hast ja Recht. Es war ja auch nicht ernst gemeint“, sagte der orangene Ritter verdrießlich.
„Darüber macht man keine Scherze.“
„Ja, ist ja gut.“
Sie saßen eine Weile still da und genossen die Aussicht. Die Nachmittagssonne näherte sich bereits dem Horizont.
„Ärgerlich, dass wir heute nicht mehr schaffen“, sagte Cyrill leicht frustriert.
„Wo liegt denn die nächste Stadt, oder das nächste Dorf?“ fragte Andy.
Pyro und Cyrill wechselten einen verwunderten Blick, dann sagte der blaue Ritter: „Hier gibt es jetzt ewig kein Dorf mehr. Jedenfalls kenn ich keins. Das alte Industrieschloss des Prinzen wurde von König Castle annektiert. Dort ist jetzt ein wichtiger Außenposten, auch zum Handeln und als Verbindung für Warentransporte auf die andere Seite des Binnenmeeres. Das wäre vermutlich die nächste Station. Ich denke aber nicht, dass wir das heute noch schaffen. Es sei denn wir beeilen uns mit dem Abstieg und reiten dann den Abend und bis tief in die Nacht hinein, aber dann lohnt es sich vermutlich gar nicht überhaupt noch zu schlafen.“
„Hört sich nicht so toll an“, gab Andy zu.
„Ich schlage vor, wir lassen uns jetzt beim Abstieg Zeit. Dann reiten wir noch ein Stück und sehen uns nach einem geeigneten Schlafplatz um. Der König hat ja nicht gesagt wie schnell ich die Sandwiches holen soll. Ein Tag hin oder her, sollte kein Problem sein und wichtig ist doch, dass wir alle heil wieder zurückkommen“, erklärte Cyrill.
„Die Einstellung gefällt mir“, sagte Andy glücklich.
Er richtete sich vorsichtig auf und ging zum Aufstiegspunkt zurück. Cyrill kletterte als erstes hinab, dabei achtete er darauf immer mal wieder einen Blick nach oben zu werfen, um sicherzugehen, dass bei Andy alles in Ordnung war, der nach ihm kam. Den Abschluss bildete Pyro.
„Komisch, ich hatte erwartet, dass der Abstieg leicht sein würde, aber tatsächlich fand ich das fast noch schwerer als hochzuklettern, weil ich oft nicht wusste wo ich hintreten sollte“, sagte Andy.
Cyrill grinste.
„Du musst echt noch viel lernen was das klettern angeht.“
Er klopfte ihm auf die Schulter, zum Zeichen dafür, dass er es nicht böse meinte. Sie gingen den Weg zurück den sie gekommen waren, vorbei an den getöteten Banditen und kamen schließlich zu ihren Tieren. Andys Einhorn fraß Blätter von einem Busch und der Krokosaurus hatte sich zum Schlafen hingelegt, nur der Arschknaller versuchte sich von seiner Leine zu lösen.
„Ich glaube er ist nicht ganz glücklich mit seinem Los als dein Reittier“, sagte Andy nachdenklich.
„Ich könnte ihn ja frei lassen“, sagte Pyro verschmitzt.
„Bloß nicht“, wehrte Cyrill ab. „Entweder er bleibt bei dir, oder wir müssen ihm den Gar ausmachen. Das Vieh ist viel zu gefährlich, als dass wir es frei herumlaufen lassen könnten. Ich erinnere mich noch lebhaft daran wie schwer es war dessen Artgenossen in der Wüste zu töten.“
Sie stiegen in die Sättel und ritten los, nun, da sie den genauen Weg kannten, ging es schneller voran. Sie erreichten den Fluss und ritten an seinem Ufer entlang, bis sie die Ausläufer des Waldes erreichten.
„Weiter reiten, oder hier übernachten?“ fragte Pyro seinen Freund.
„Hm…“
Cyrill überlegte.
„Besser wir rasten hier. Morgen früh können wir immer noch über die Ebene reiten und hier haben wir genug Brennholz. Außerdem würde ich gerne noch etwas zu Essen suchen.“
„Ich könnte Angeln gehen“, schlug Pyro fröhlich vor.
„Gute Idee. Tu das. Wir suchen so lange Brennholz.“
„Wir wollen hier unser Lager aufschlagen?“ fragte Andy überrascht.
Die anderen beiden sahen ihn verwundert an.
„Ja, warum denn nicht? Stimmt etwas nicht mit diesem Ort?“ fragte Cyrill verdutzt.
„Nein, es ist schön hier, aber irgendwie auch nicht gerade bequem, oder?“
„Daran lässt sich jetzt auch nicht mehr viel ändern. Mit etwas warmen zu Essen im Bauch und einem schönen Feuer sieht das bestimmt gleich anders aus“, erklärte Cyrill.
Während der blaue und der rosa Ritter Holz sammelten lag eine leichte Anspannung in der Luft. Es war kein Ärger, sondern eher … ein Unbehagen. Cyrill wusste nicht, ob er es ansprechen sollte. Er konnte sich nicht vorstellen was es sein sollte. Andy kam dann von sich aus drauf zu sprechen, als sie wieder eine Armladung Äste auf ihrem Lagerplatz abluden.
„Übernachtet ihr öfter draußen?“
Cyrill sah ihn überrascht an.
„Ja, wieso?“
„Ach, nur so“, sagte Andy.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“ fragte Cyrill nach.
Vielleicht belastete Andy ja noch irgendwas von vorhin, als er beinahe abgestürzt wäre.
„Ja, alles in Ordnung. Ich finde es nur interessant mal bei einem eurer Abenteuer dabei zu sein. Ich hab zwar schon viel gehört, aber es ist doch nochmal anders selbst dabei zu sein.“
„Bereust du, dass du mitgekommen bist?“ fragte der blaue Ritter verunsichert.
„Nein, nein. Alles ist gut“, beteuerte der rosa Ritter und kniete sich nieder, um kleinere Zweiglein aufzusammeln und dann etwas trockenes Gras, das als Zunder dienen sollte aus dem Boden zu zupfen.
Als Pyro zurückkam hatte er fünf Fische dabei. Er hatte sie bereits ausgenommen und entschuppt. Sie brauchten sie nur noch über das Feuer hängen, das der orangene Ritter sozusagen mit einem Fingerschnippen entzündete.
„Praktisch“, sagte Andy fröhlich, während er seinen Fisch wendete.
„Ihr könnt ruhig zwei haben“, erklärte Pyro freiheraus.
„Na gut, wenn du nur einen willst“, sagte Andy mit einem abwartenden Unterton in der Stimme, weil er sichergehen wollte, dass es auch wirklich in Ordnung war.
„Hab ich doch gesagt“, antwortete der orangene Ritter.
Schweigend aßen sie ihre Fische. Sie waren knusprig geworden und schmeckten ganz gut. Anschließend fragte Pyro in die Runde: „He, wenn ihr wollt, könnten wir mein neues Kartenspiel austesten.“
„Ist es fertig?“ fragte Cyrill erstaunt.
„Naja, die Hauptkarten schon, ich hab das Gefühl, da müsste noch etwas dazu, aber das kann ich ja dann immer noch nach und nach verbessern“, erklärte Pyro.
„Was denn für ein Kartenspiel?“ wollte Candy Andy verwundert wissen.
„Mir war langweilig im Gefängnis, deswegen hab ich mir ein neues Kartenspiel ausgedacht.“
„Das war es, woran du gedacht hast, als du im Gefängnis warst?“ fragte der rosa Ritter verwundert. „Nicht, was aus deinen Freunden wird, oder ein Rückblick auf dein Leben? Wie es so gelaufen ist? Irgendwelche philosophische Fragen?“
Pyro zuckte demonstrativ mit den Schultern.
„Wozu? Ich wusste ja, dass ich die anderen am nächsten Tag wiedersehen würde. Außerdem bin ich zufrieden mit meinem Leben und wüsste nicht, warum ich mich mit Fragen zur Welt und dem Universum befassen sollte. Spielen wir jetzt, oder nicht?“
„Wie geht es denn?“ wollte Cyrill wissen.
„Also es gibt vier verschiedene Farben: rot, grün, blau und orange…“
„Was für ein Zufall“, sagte Cyrill grinsend.
„Jeder bekommt eine bestimmte Anzahl von Karten in die Hand. Ich weiß noch nicht genau wie viele. Können wir uns ja überlegen. Jeder muss versuchen so schnell wie möglich alle Karten loszuwerden. Dabei muss entweder die Zahl auf der Karte oder die Farbe, die gleiche wie auf dem Ablagestapel sein. Außerdem gibt es noch Spezialkarten, wo man dem nächsten Spieler aussetzen lässt, der nächste Spieler zwei Zusatzkarten ziehen muss und eine Karte wo man die Farbe auf Wunsch ändern kann.“
„Hört sich einfach an“, erklärte Andy. „Na dann mal los. Fangen wir doch mal mit neun Karten an.“
Pyro teilte aus. Auf dem Ablagestapel lag eine grüne zwei, auf die Andy jetzt eine rote zwei legte, Cyrill warf eine rote sieben ab und Pyro ließ Andy zwei ziehen.
„Was mach ich denn jetzt wenn ich auch so eine Ziehkarte habe?“ fragte Andy.
„Du kannst die drauflegen, dann muss Cyrill vier ziehen.“
„In Ordnung, dann mach ich das mal.“
„Na schönen Dank auch, aber sieh mal Pyro, ich hab auch so eine Karte, das heißt, du darfst sogar sechs Karten ziehen, haha!“
Pyro grummelte, zog aber sechs Karten. Das Spiel ging nur noch vier Runden, dann war es auch schon vorbei. Andy hatte gewonnen.
„Hm… irgendwie fehlt noch was…“ überlegte Pyro laut.
„Es wäre doch ganz witzig, wenn man ändern könnte wie rum man spielt“, überlegte Candy Andy.
„Gute Idee, ich mach Karten mit zwei Pfeilen drauf …“
„Und nur zwei Karten ziehen ist vielleicht ein bisschen mickrig. Wie wäre es denn mit vier Karten und dass man sich gleichzeitig was wünschen kann? Das bringt dann richtig Schwung rein.“
„Ok, super, da habt ihr mir doch schon ein paar gute Ideen geliefert“, sagte Pyro zufrieden, der sich vornahm das Spiel bei nächster Gelegenheit zu verbessern.
Sie spielten noch ein paar Runden, bis Cyrill entschied, dass es Zeit zum Schlafen war. Immerhin würden sie morgen früh aufbrechen. Sie sammelten noch einmal Brennholz und legten Holz nach.
„Schlaft ihr einfach so auf der Erde?“ fragte Andy verwundert. „In euren Rüstungen?“
Cyrill sah verwundert aus.
„Wie sonst? Kann doch sein mitten in der Nacht gibt es einen Angriff. Meistens wechseln wir uns ab mit Wache halten. Ich kann gerne anfangen.“
Pyro konnte recht schnell weggenickt, doch Andy tat sich ganz schön schwer. Endlich war auch er eingeschlafen und als er aufwachte, hielt Pyro Wache.
„Ich übernehme, ich kann nicht mehr schlafen und ich hab das Gefühl als wenn mir jeder Knochen im Körper weh tut“, bot der rosa Ritter an.
„In Ordnung, aber ich hab auch keine Lust mehr zu schlafen. Die Sonne geht bestimmt in einer Stunde auf. Ich werde mal sehen, ob ich was zum Frühstück finde. Mir ist das zwar egal, aber Cyrill mag es den Tag mit etwas zu essen zu beginnen.“
„Ich übrigens auch“, sagte Andy grinsend.
Als Cyrill schließlich von allein aufwachte und sich streckte brieten Vogeleier auf einem flachen Stein im Feuer.
„Meinst du das reicht für uns alle?“ fragte Andy skeptisch.
„Nehmt ihr, ich mag so früh nichts essen“, erklärte Pyro.
Andy sah zu Cyrill, aber der sagte nichts, also war das wohl normal. Nach dem Frühstück gingen sie zu ihren Reittieren, die am Fluss gelagert hatten. Der Krokosaurus hatte die Nacht im Fluss verbracht und kam bei Cyrills Pfiff angeschwommen. Sebastian hatte auf der Weide gefressen und Pyros Arschknaller hatte unter einem Baum gelegen und geschlafen. Offenbar hatte er versucht den Baum, um die Eisenkette herum abzunagen, doch es hatte nicht sehr gut funktioniert. Die ersten Strahlen der Sonne waren am Horizont zu sehen, als sie über die nebligen Wiesen am Flussufer entlang ritten. Es war friedlich und ruhig.
„Komisch, dass wir gar nicht kämpfen müssen“, wunderte sich Pyro.
„Wieso komisch? Ist das nicht normal?“ fragte Andy.
„Nein, als wir letztes Mal hier in er der Nähe waren, kamen wir kaum hundert Meter weit, ohne, dass uns irgendwer abstechen wollte.“
„Wie schrecklich“, kommentierte Andy.
„Wieso schrecklich?“ wunderte sich Pyro. „Ist doch immer so, oder?“
„Also im Reich von König Damian ist das nicht so“, erklärte Andy.
„Warte, König Damian ist der König, dem du dienst?“ fragte Cyrill.
„Ja, das habt ihr wohl noch gar nicht mitgekriegt?“
Candy Andy lachte.
„Kennst du dann vielleicht auch Venoms Vater? Der ist wohl ein wichtiger Berater von König Damian“, fragte Cyrill.
„Natürlich kenn ich ihn. Seine Familie ist in unserem Land wohlbekannt, denn sie dienen schon lange dem Königshaus. Einer seiner Söhne gehört zur königlichen Garde, der andere ist der Hofalchimist. Ehrlich gesagt bin ich ein bisschen verwundert, dass Venom nicht auch in den Dienst von König Damian getreten ist.“
„Bestimmt wollte er von zuhause weg“, überlegte Pyro.
„Wieso denn das?“ fragte Andy überrascht und drehte sich nach hinten, um Pyro anzusehen, der wieder die Nachhut bildete.
„Warum denn nicht? Raus, die Welt erkunden. Man muss doch noch nicht immer mit der Familie zusammenhocken.“
„Naja, müssen nicht, aber die Familie ist doch wichtig. Allein schon der Zusammenhalt und das Gefühl zuhause zu sein.“
„Ich bin da Zuhause wo meine Kumpel sind“, verkündete Pyro.
„Das hast du aber schön gesagt“, sagte Andy fröhlich.
Sie waren gerade an einem Wäldchen angekommen, an dem eine Handelsstraße entlanglief, als aus den Büschen Wegelagerer auftauchten.
„Halt! Wenn ihr passieren wollt, dann kostet euch das Hundert Gold! Pro Mann!“ sagte der Anführer und baute sich vor ihnen auf.
Seine Mitstreiter hatten Pfeile auf sie gerichtet und warteten nur auf sein Signal, um zu schießen.
„Wir sind die Ritter des Königs, also macht Platz, oder ihr werdet es bereuen!“ gab ihnen Cyrill eine Vorwarnung, während Pyro sich schon in freudiger Erwartung die Hände rieb und Feuermagie um ihn aufflackerte, was seinen Arschknaller unruhig werden ließ.
„Geld oder Leben!“ machte der Anführer keine Kompromisse.
Das hatten sich Cyrill und Pyro schon gedacht, denn sie wollten schon wieder mit ihrer Magie loslegen, da hob der rosa Ritter abwehrend die Hände und rief laut: „Halt! Diesmal machen wir es auf meine Art.“
Verwundert sahen die Ritter von König Castle dabei zu, wie ein Regenbogen nach dem anderen die völlig verblüfften Räuber traf, die nach und nach einen leeren Blick entwickelten, dümmlich grinsten und keine Anstalten mehr machten, ihnen auch nur ein Haar zu krümmen.
Andy ritt mit einem fröhlichen Grinsen zu ihrem Anführer heran und sagte: „Ich freue mich, dass ihr eure Meinung geändert habt. Es wäre auch schade gewesen, wenn meine Freunde euch verletzt hätten. Wir sind doch dafür da, damit ihr sicher hier in diesem Land leben könnt. Das ist natürlich ein ganz schöner Aufwand und sehr kostspielig. Es wäre zu freundlich, wenn ihr uns deswegen eine kleine Spende überlassen könntet.“
Wie eine Puppe an Fäden hielt der Räuberhauptmann Candy Andy einen prall gefüllten Geldsack hin, der ihn dankend annahm.
„Und jetzt ab mit euch nach Hause! Eure Familien machen sich bestimmt Sorgen um euch. Sucht euch eine anständige Arbeit, das ist weitaus ungefährlicher.“
Die Räuber drehten sich um und stiefelten die Straße entlang, in die Richtung wo sich vermutlich ein Dorf befand.
„Seht ihr, das ist doch viel besser als sich mit ihnen zu schlagen. Keiner wird verletzt, keiner muss sterben, sie kriegen noch eine zweite Chance und wir haben sogar Gold bekommen“, sagte Andy und hob glücklich den Goldsack hoch.
„Wow, ich bin beeindruckt. Sowas hab ich noch nie gesehen, unfassbar“, sagte Cyrill, der es immer noch nicht glauben konnte.
Andys Grinsen wurde bei diesem Lob noch etwas breiter. Pyro war aber offensichtlich gar nicht zufrieden.
„Ach schade, ich hatte mich schon so auf eine morgendliche Keilerei gefreut.“
„Nachdem was ich gestern von euch gesehen habe, wäre das keine Keilerei sondern ein Gemetzel geworden“, sagte Andy missbilligend.
„Naja und? Es sind doch Räuber …“ fing Pyro an zu diskutieren.
„Das heißt für dich, dass du die einfach so umbringen darfst?“ fragte Andy nach.
„Ja, klar. Der König hat Räuber als Vogelfrei erklärt, also dürfen wir das.“
Andy seufzte.
„Ja, aber was sagt dir denn dein Gewissen?“
„Das sagt: Töten! Töten! Und noch mehr töten und … FEUER!! VIEL FEUER!“
„Tun sie dir denn gar nicht Leid?“ fragte Andy nach.
„Nein.“
„Und ihre Familien? Was ist mit ihren Familien? Vielleicht haben sie Kinder und die warten dann ganz traurig auf ihren Papa, der nie mehr wieder kommt …“, sagte Candy Andy traurig.
Pyro zögerte einen Moment, aber sagte dann doch: „Vielleicht haben sie Kinder, vielleicht auch nicht, aber das gibt für mich keinen Ausschlag dafür, ob ich sie jetzt töten soll, oder nicht.“
„Sondern?“ wollte Andy wissen.
„Meist gibt es ja einen Grund. Jetzt wollten sie uns ausrauben und töten. Das ist doch ein guter Grund, oder? Und sonst kann ich immer noch mit Spaß argumentieren.“
Andy wurde sehr still.
„Macht dir das Kämpfen wirklich solchen Spaß?“
„Ja, weil es so aufregend ist, umso gefährlicher, umso besser.“
„Also ich wäge schon ab, ob es sein muss“, erklärte Cyrill von vorne. „Deswegen hab ich ihnen die Chance gegeben sich zurückzuziehen. Eigentlich müssten uns doch mittlerweile alle hier im Land kennen. Wundert mich ehrlich gesagt, dass sie nicht sofort kehrt gemacht haben.“
„Ja, mich wundert das auch“, sagte Andy, der sich sehr gut vorstellen konnte, dass sich die Brutalität der Ritter sehr schnell herumgesprochen haben musste.
Bis zum Mittag verlief der Tag an und für sich recht ereignislos. Sie ritten jetzt die Straße entlang und kamen deswegen viel schneller vorwärts. Das Industrieschloss hatten sie bereits hinter sich gelassen. Sie ritten auch am großen Schloss vorbei, in dem damals Smaragda gefangen genommen wurde. König Castle hatte noch nicht so richtig entschieden was jetzt daraus wurde. Es gehörte nun ihm und es gab Überlegungen es als Zweitschloss auszubauen. So richtig wollte er sich aber wohl noch nicht festlegen. Vielleicht lag es daran, dass er erst mal abwarten wollte, was aus seinem Königreich wurde. Es war auf jeden Fall ein wichtiger strategischer Standpunkt und viele graue Ritter patrouillierten jetzt auf den Zinnen. Cyrill, Pyro und Andy ritten durch den Wald, durchquerten die Höhle mit den Schleimbällen und erreichten endlich die Lavafelder.
„Puh ist das warm hier“, sagte Candy Andy. „Will noch wer was süßes? Es lohnt nicht es noch länger aufzuheben, sonst schmilzt es.“
Da sagten seine Mitstreiter nicht nein und so waren Andys Reserven schnell aufgezehrt.
„Da vorne ist das Zyklopenschloss wo ihr Prinzessin Smaragda gerettet habt, oder?“ fragte Andy. „Es ist sehr spannend all diese Orte zu sehen wo ihr durchgezogen seid.“
Doch auch das Zyklopenschloss ließen sie hinter sich. Die Lavafelder hatten sie mit ihren Reittieren viel schneller durchquert als letztes Mal und endlich am frühen Nachmittag erreichten sie ein Dorf. Cyrill und Pyro erinnerten sich noch an den Laden, in dem sie das letzte Mal Sandwiches gekauft hatten. Der Betreiber kannte sie offenbar auch noch, denn er bedachte sie mit einem genervten und misstrauischen Blick.
„Ihr schon wieder“, war die Begrüßung.
„He, du bist ein Verkäufer, solltest du da nicht netter sein?“ fragte Pyro übel grinsend.
„Ihr habt den Drachen getötet … und den Zyklopen … jetzt kauft hier keiner mehr was“, sagte der Typ und zeigte auf Reihenweise goldene Miniaturstatuen, die den Zyklopen zeigten und Aschekugeln, in denen sich ein kleiner Berg mit Modelldrachen befand.
„Was sollen die Leute auch mit diesem Zeug? Staubt doch nur ein“, sagte Pyro frei heraus.
„Sag das nicht, Venom und Thunder würden bestimmt ein Andenken kaufen“, erinnerte ihn Cyrill.
„Stimmt, gut, dass ich all den alten Krempel abgefackelt habe.“
„He! Sei nicht so fies!“ sagte Cyrill und wandte sich dann an den Verkäufer. „Ihr hattet doch früher solche Sandwiches. Die habt ihr doch bestimmt immer noch, oder?“
Der Verkäufer wollte wohl zuerst nichts sagen, dann seufzte er und wies auf ein Regal weiter hinten im Geschäft.
„Fünfzehn Goldstücke pro Portion.“
„Ok, ich nehm eins“, erklärte Cyrill und legte das geforderte Gold auf den Tisch.
„Eins?“ fragte Pyro verwundert. „Wir sollten gleich eine ganze Wagenladung mitnehmen.“
„Und dann? Wird es schlecht“, gab Cyrill gleich selbst Antwort. „Nein, ich will herausfinden was es ist, was diese Kräfte verleiht.“
„Das ist schlau“, sagte Andy und sah gespannt dabei zu, wie Cyrill das gekaufte Sandwich fachgerecht zerlegte, alle Bestandteile sortierte und nacheinander in den Mund steckte.
„Also, es liegt nicht am Toast, oder am Chili, vielleicht …“
Er steckte sich die Hähnchenbruststreifen in den Mund und brüllte laut auf, als seine Muskeln kolossal wuchsen.
„Wow“, sage Candy Andy beeindruckt und bekam seinen Mund gar nicht mehr zu. „Jetzt weiß ich, warum diese Sandwiches so wichtig sind.“
„He, müsst ihr das hier drin machen?“ fragte der Betreiber gelangweilt, für den diese Riesenkräfte offensichtlich nichts Besonderes waren. „Wenn ihr was kaputt schlagt, müsst ihr es bezahlen.“
Die Wirkung des Hähnchenfleischs hielt nur fünf Minuten, dann wurde Cyrill wieder er selbst. Er hielt sich den Kopf.
„Hm… immer wieder eine einschlagende Wirkung. Ok, es liegt also am Hähnchen.“
Er ging zum Betreiber und fragte ihn: „Was sind denn das für Hühner, die ihr für die Sandwiches benutzt?“
„Pah, wüsste nicht warum ich dir das sagen sollte“, kam es wenig kooperativ vom Verkäufer.
Pyro, dessen Geduldsfaden sehr kurz war, lehnte sich zum Verkäufer herüber und erklärte: „Hör zu Kumpel, entweder du rückst jetzt mit der Sprache raus, oder es gibt Ärger!“
Leichte Beunruhigung war dem Verkäufer jetzt anzumerken.
„Dieser Anzug ist Feuerfest, weißt du …“
„Glück gehabt, aber schützt er dich auch vor Kälte? Das ist nämlich das Spezialgebiet meines Kumpels und wenn du nicht sofort den Mund aufmachst und ihm sagst, was er wissen will, dann friert er dich in einen Eisblock ein. Das ist wirklich unangenehm, kann ich dir sagen. Hier ist es zwar recht warm, aber es dauert bestimmt trotzdem lange, bis du da wieder raus kommst.“
„Tut mir Leid, aber das ist ein Geschäftsgeheimnis“, blieb der Betreiber eisern und verschränkte die Arme vor der Brust.
Cyrills Magie flackerte um ihn herum auf.
„Du wirst ihn doch nicht wirklich vereisen wollen?“ redete Andy ihm ins Gewissen.
Die Eismagie verebbte ganz plötzlich.
„Das können wir doch bestimmt auch anders regeln“, sagte Candy Andy und reichte dem Verkäufer einen Sack, in dem sich bestimmt um die dreihundert Goldmünzen befanden.
Die Augen des Verkäufers glänzten, als er die Münzen aus dem Sack schüttete.
„Bei so einer großzügigen Spende, kann ich dich natürlich einweihen, aber nur dich. Deine beiden … Kollegen müssen draußen warten.“
„He, er wird uns doch später sowieso alles sagen“, protestierte Pyro.
„Mir egal, es geht ums Prinzip“, sagte der Verkäufer wütend.
Pyro und Cyrill verließen also den Laden und warteten draußen. Sie gingen zu ihren Reittieren. Pyro hielt es für eine gute Entscheidung den Arschknaller loszubinden. All die viele Wärme machte das Monster ganz wuschig und es nutzte die Gelegenheit, um das Dorf etwas aufzumischen.
„Hör auf mit dem Quatsch!“, sagte Cyrill, der nicht gut auf Pyro zu sprechen war.
„Ach jetzt lass ihm doch auch mal ein bisschen Auslauf“, entgegnete der orangene Ritter.
Als Andy schließlich auch ins Freie trat, sah das Dorf deutlich anders aus, als vorher.
„Was ist passiert?“ fragte er erschrocken.
„Pyros Arschknaller, das ist passiert“, sagte Cyrill säuerlich.
„Hat er sich losgerissen?“ fragte der rosafarbene Ritter.
„Nein“, war die knappe Antwort. „Jetzt fang ihn schon wieder ein Pyro!“
„Ja, ja.“
Der Feuerritter rannte zu seinem Tier und nutzte den Flammenschwung, um sich zurück in den Sattel zu katapultieren.
„Erledigt.“
Auch Andy und Cyrill stiegen jetzt auf den Rücken ihrer Reittiere.
„Was hast du herausgefunden?“ fragte Cyrill.
„Offenbar kommt das Fleisch von Behemoth Hühnern. Die werden aber gar nicht hier gezüchtet, sondern kommen von Geflügelzüchtern im Osten. Dort wo es auch ganz viele Maisfelder gibt.“
„Ah… ich weiß wo das ist“, erklärte Cyrill. „Jetzt müssen wir wohl dahin.“
„Was hast du vor?“ fragte Pyro.
„Wir kaufen einen eigenen Bestand an Hühnern auf. Am besten überreden wir noch einen der Züchter, mit zur Burg zu kommen. Der kennt sich immerhin damit aus.“
„Ich hoffe ihr wollt ihn nicht genau so überreden, wie den armen Kerl gerade eben“, sagte Andy bedrückt.
„Nicht?“ fragte Pyro unschuldig.
„Wisst ihr, ich wollte ja eigentlich nichts sagen, weil ich Gast bin, aber ich finde, Pyro hat einen schlechten Einfluss auf dich Cyrill. Ich schätze dich eigentlich nicht so ein, als wenn du so etwas machen würdest.“
Cyrill wurde still. Er wusste, dass es so war und er fragte sich, wo das wohl hinführte. Früher war er doch nicht so schnell mit so etwas bei der Hand, oder? Eigentlich wollte er doch, dass alle gut miteinander auskamen. Doch jetzt hatte er kaum darüber nachgedacht, ob er es wirklich tun sollte.
„Vermutlich hast du Recht“, gab Cyrill zu.
„Und wenn schon …“ sagte Pyro nur, der da kein Problem sah.
Der Nachmittagsritt verlief recht schweigsam. Ihr Ziel war der neue Handelsaußenposten beim Industrieschloss. Dort legten Handelsschiffe an. Jedenfalls hofften sie, dass es noch so war, da Pyros Monsterseepferd laut König Castle die Schiffe auch mal ganz gerne versenkte. Sie hofften es noch bis zum ehemaligen Schloss des schwarzen Ritters zu schaffen, aber als die Nacht hereinbrach waren sie gerade erst im Wald davor angekommen. Es war eine dunkle Nacht und Cyrill schlug vor hier zu rasten. Andy sah nicht gerade begeistert aus, wollte aber offensichtlich nicht gegen diese Entscheidung aufbegehren. Cyrill hatte ein Wildschwein erlegt. Er schnitt ein ordentliches Stück Fleisch heraus, das für sie drei reichte und zertrennte den Rest, wobei er die eine Hälfte dem Krokosaurus und die andere dem Arschknaller gab. Zuerst saßen sie recht stumm, um den alten Baum, den Pyro angezündet hatte herum und aßen ihr gebratenes Fleisch, doch dann fing Andy an etwas anzusprechen, das ihm offensichtlich sehr am Herzen lag: „Wisst ihr, ich freue mich, dass ich mit euch unterwegs sein kann, aber ich bin auch ein bisschen beunruhigt. Ich meine … hm… vielleicht hatte ich einfach nur ein zu ruhiges Leben. Bei König Damian gab es nie wirklich Anlass in den Krieg ziehen zu müssen. Sicher, hin und wieder ein Abenteuer, aber nichts, was dazu führen würde, dass ich verrohe.“
Cyrill sah ihn verwundert, aber auch betroffen an.
„Findest du, dass wir das sind? Verroht?“
„Naja …“
Andy warf einen scheelen Blick zu Pyro, der mit den Zähnen am Wildschweinfleisch herumriss. Es war ihm anzusehen, dass er es eigentlich nicht aussprechen wollte, doch irgendwie musste er das Thema wohl ansprechen.
„Zumindest Pyro irgendwie schon und ich hab das Gefühl, dass er einen schlechten Einfluss auf dich hat, aber das kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Deswegen ist es mir wichtig mit euch darüber zu sprechen.“
Pyro verdrehte die Augen.
„Boahr, muss das sein? Richtige Kerle sprechen doch nicht über ihre Gefühle. Wir hauen uns kameradschaftlich auf die Schulter und damit ist dann alles gesagt“, erklärte der Feuerritter und demonstrierte es bei Cyrill, der seine Portion schon aufgegessen hatte.
„Wenn du alles nur in dich reinfrisst, hilft das keinem“, sagte Andy ernst.
„Was? So viel esse ich ja nun wirklich nicht“, wehrte Pyro ab.
„Du weißt was ich meine … block doch nicht immer ab und selbst wenn du nicht darüber reden willst, mir liegt das schon sehr am Herzen und ich hab das Gefühl, dass es Cyrill auch so geht“, sagte der rosane Ritter und warf einen aufmerksamen Blick zum blauen Ritter, der nickte.
„Ich hab mir jetzt am Nachmittag tatsächlich auch viele Gedanken darüber gemacht. Du hast Recht Andy, früher hätte ich diesen Händler vermutlich nicht bedroht. Früher dachte ich immer, dass ein geordnetes Zusammenleben möglich wäre. Ich dachte, wenn man gegenseitig Rücksicht nimmt, ist das alles kein Problem. Jeder könnte ein besseres Leben haben, wenn man sich gegenseitig achtet, wenn jeder etwas Verständnis zeigt, aber dann zog ich von meinem kleinen Bergdorf in die Welt hinaus und bekam mit, dass meistens nur jeder an sich und seinen eigenen Vorteil denkt. Ich hab gelernt, dass ich nur ausgenutzt werde, wenn ich immer nett bin. Ich bin jetzt auch nicht so der Moralapostel. Erst vor kurzem hat sich ja gezeigt dass auch ich keine weise Weste trage. Und wie ich hörte hat das unser "Freund" Venom auch noch weiter ausgebreitet.“
Cyrill sah enttäuscht und wütend aus.
„Du bist deswegen ganz schön sauer auf ihn, oder?“ fragte Andy sanft.
Cyrill nickte.
„Mich stört auch, dass er meistens nur an sich denkt und wenn ich was Wichtiges zu sagen habe, ignoriert er mich sehr oft. Hmpf.“
„Vielleicht solltet ihr mal darüber reden“, schlug Candy Andy vor.
„Dann hört er nur wieder nicht zu“, meinte der blaue Ritter.
„Vielleicht können wir das ja gemeinsam besprechen. Ich bin sicher, Venom versteht das. Ich denke, er ist eigentlich ein ganz netter Kerl und meint es gar nicht böse.“
Cyrill atmete tief durch, um kühlen Kopf zu bewahren. Er fand, es brachte jetzt nichts, weiter darüber zu sprechen und kehrte zum eigentlichen Thema zurück: „Aber zur Frage warum ich moralisch denke: Vermutlich bin ich in unserem Team der mit der meisten Empathie. Ich denke mich in andere rein und spüre wie es sich anfühlt scheiße behandelt zu werden. Ich kenne das ja auch. Trotzdem bin ich freiheitsliebend und lass die Leute sein wie sie sind. Das ist meine allgemeine Regel, jeder kann machen was er will, solange er keine unfreiwilligen Dritte verletzt. Und ja, Pyro, psychische Verletzungen zählen da auch dazu.“
Cyrill warf Pyro einen eindringlichen Blick zu, doch der sah gar nicht aus, als würde er sich schuldig fühlen.
„Was heißt denn bitte "unfreiwillig"?“ fragte er.
„Naja, wenn man sich einigt und zum Beispiel zusammen kampelt, da gehören ja Verletzungen dazu. Sonst wärs ja langweilig“, erklärte Cyrill. „Und tatsächlich, habe ich die aberwitzige Vorstellung, dass es funktionieren könnte. Wenn jeder mit dieser Herangehensweise rangehen würde und man sich gegenseitig achten würde, könnte jeder zufrieden leben. Und niemand müsste befürchten, dass jemand einen nur ausnutzt. Aber im Moment ist es einfach so, dass man immer mit Gemeinheiten rechnen muss. Vielleicht gibt es auch deswegen bei mir die Seite, die einfach drauf scheißt. So moralisch bin ich auch nicht und wenn’s Personen sind die mich nicht kümmern, ist es mir auch oft egal was mit ihnen passiert. Ich habe ja auch schon unzählige Feinde getötet. Und ich denke, es gibt auch genug gute Gründe dafür. Wenn man miese Taten dreht und nicht einsichtig ist, dann kann man schon damit rechnen, dass jemand einem ans Leder will. Obwohl sich ja auch solche Leute ändern und dazu lernen können. Vielleicht hatten sie ja nur schlechte Erfahrungen gemacht und nie die Chance die andere Seite kennen zu lernen. Ich habe schon einige Leute gesehen, die zwar schlecht handelten, aber später dazu lernten und mir wichtig geworden sind.“
Cyrill warf einen kurzen Blick auf Pyro, der das aber gar nicht mitbekam, weil er versuchte ein Stück zähes Wildschwein abzureißen, doch Andy hatte es sehr wohl gesehen und musste grinsen.
„Deswegen tut es mir auch sehr oft leid, wenn ich ein Leben beende und der Person damit die Chance nehme, sich zu verbessern, aber in manchen Situationen ist es einfach nicht anders möglich. Ich versuche da nicht zu viel drüber nachzudenken.“
Ein kehliges Lachen kam von Pyro, der sich beinahe an seinem Fleisch verschluckte.
„Das nennst du nicht zu viel drüber nachdenken? Junge, wenn du mal viel drüber nachdenkst und das dann alles erzählt, ich glaub dann sitzen wir morgen noch hier.“ sagte er amüsiert.
„Pyro!“ sagte Andy ungehalten. „Das ist sehr unsensibel.“
Andy warf Cyrill einen entschuldigenden Blick zu.
„Lass dich nicht abhalten, rede ruhig weiter.“
„Manchmal geht es ja auch einfach nur darum etwas zu essen ranzuschaffen, dafür tötet man ja auch.“
„Kannibalismus?“ fragte Pyro überrascht.
„Nein verdammt! Ich rede von Tieren! Ein Tierleben ist genauso eine Menge wert. Manchmal stehe ich kurz davor aufzugeben. Gänzlich werde ich nie davon abkommen dieses richtige Miteinander zu suchen oder zu wahren. Ich kann auch nicht aufgeben, weil wenn ich auch noch ein Arschloch werde, dann wird sich nie etwas ändern. Viel zu viele machen das und deswegen geht die Spirale immer weiter bergab. Nach dem Motto: „Ich wurde schlecht behandelt, also darf ich auch alle anderen schlecht behandelt, Buhu.“ Ich weiß dass dann jeder einzelne zählt, der das Gegenteil beweist. Und ich blicke auch zu einigen Menschen auf, die das super hinkriegen. Aber es gibt auch so Momente, da bin ich frustriert und mir ist alles wurscht und ich handle dann selbst ohne Moral.“
Er warf einen Blick zu Candy Andy, der sehr geduldig und interessiert zugehört und hin und wieder zustimmend genickt hatte.
„Ich kann verstehen was du meinst. Du führst ein hartes Leben, da kannst du nicht immer nachgeben und nett sein. Du hast so viel Verantwortung zu tragen und manchmal ist das einfach zu viel und du brauchst eine Pause, wo du einfach auch mal Spaß haben möchtest. Es ist schon nicht einfach, aber meiner Meinung nach, bist du auf dem richtigen Weg. Heute Morgen bei den Räubern hab ich auch gesehen, dass du versucht hast die mögliche Auseinandersetzung zu vermeiden. Ich hab schon das Gefühl, dass du nicht gerne tötest. Pyro hat letztens erzählt, wie er dazu steht. Was ist deine Meinung dazu?“
Cyrill atmete tief durch.
„Dass ich nicht gerne töte stimmt schon, aber sieh das nicht ganz so streng, es gibt tatsächlich Momente wo ich eine Art Genugtuung empfinde, wenn ich meine Feinde getötet habe. Kommt aber ziemlich selten vor. Dennoch, bei Pyro ist es anders. Ich nehme nicht sinnlos Leben einfach nur weil es mir Spaß macht oder weil ich mich dadurch stärker fühle. Ich lasse ihn zwar machen, gehört ja zu meiner Philosophie, dass jeder machen kann was er will, aber ehrlich gesagt verstört mich diese wilde Freude daran schon oft. Denkt er überhaupt nach was er für Leiden bei all den Angehörigen hinterlässt? Und für was? Er hat nicht mal einen richtigen Grund. Nichts gegen das Töten, aber diese Freude daran, dass er immer mehr und mehr will. In diesem Zustand bin ich mir oft nicht sicher, ob er noch Freund und Feind unterscheiden kann. Das macht mir Angst. Ich fürchte, dass er irgendwann mich oder jemanden der mir sehr wichtig ist verletzt und es nicht mal merkt. Er könnte jederzeit zum Feind werden. Dass man Pyro nicht immer vertrauen kann hat er ja letzte Stunde sehr anschaulich mit Thunder gezeigt. Und auch das nur aus "Spaß".“
Cyrill warf Pyro einen wütenden Blick zu. Der leckte sich gerade das letzte Bratenfett von den Panzerhandschuhen und sah mit einem „Was ist das Problem?“ Blick zu seinem Freund.
„Nimms nicht so ernst, es war doch nur ein kleiner Spaß. Du weißt doch, dass wir uns gerne mal necken. Sonst wäre es doch langweilig. Außerdem war ich auch noch ein bisschen sauer, weil er mich geschockt hat. “
„Ich finde, das ist kein Grund“, sagte Cyrill und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Du machst dir zu viele Gedanken“, meinte Pyro. „Ich seh das so, morgen könnten wir alle tot sein, warum sich unnötig mit irgendwelchen negativen Gedanken belasten? Klar, ich könnte jedes Mal totunglücklich sein, wenn ich jemanden umbringe. Ich könnte mir die ganze Zeit den Kopf darüber zerbrechen, ob es sein musste, ob ich was anders hätte machen können. Aber wenn du mal dran denkst was wir schon alles durchgestanden haben und wie viele Feinde wir schon getötet haben… ich würde verrückt werden. Ich kann entweder dran zerbrechen, oder ich akzeptiere wie ich bin und hab Spaß am Leben und mein Leben besteht nun mal aus Kämpfen.“
Cyrill sah nicht wirklich überzeugt aus und Andy sah jetzt sehr besorgt zu Pyro.
„Außerdem“, ereiferte sich der orangene Ritter. „Du tust wie der Gute, aber dich habe ich auch schon aus Spaß töten sehen! Jahaaa.“
Pyro nicke seinem Freund, der ihn verständnislos ansah, bedeutungsschwer zu.
„Damals, als wir die Prinzessinnen gerettet haben. Immer wenn es zu einem finalen Kampf kam und wir kurz davor waren eine Prinzessin zu retten, hast du immer alles gegeben und von uns allen vermutlich am härtesten gekämpft.“
„Ich war wütend. Sie haben immerhin die Prinzessinnen geraubt und ich wollte sie beschützen“, wehrte sich Cyrill. „Wenn jemand in Gefahr ist, der mir viel bedeutet, dann versuch ich alles, um meine Feinde möglichst schnell auszuschalten.“
Der blaue Ritter sah unsicher zu seinem rosa Mitstreiter und fragte sich, was der wohl davon hielt.
„Ehrlich gesagt bin ich froh, dass du so denkst Cyrill“, sagte Andy strahlend. „Es ist ganz natürlich, dass du die beschützen möchtest, an denen dir etwas liegt und wenn du in solchen Situationen manchmal etwas neben der Spur bist, ist das, denke ich, ganz normal. Danke, dass du mit uns darüber geredet hast. Jetzt fühle ich mich besser.“
„Ich auch“, musste Cyrill zugeben.
Sie warfen einen Blick zu Pyro.
„Was ist? Warum guckt ihr mich jetzt so an?“
„Gott, der verändert sich nie!“, sagte Cyrill frustriert und vergrub den Kopf in den Händen.
Candy Andy klopfte ihm mitfühlend auf die Schulter.
„Sieh es nicht so schwer, ich glaube Pyro braucht einfach viel Zeit“, sagte Andy einfühlsam.
„Ich übernehme die erste Wache“, sagte der orangene Ritter und richtete sich auf, um sich ein bisschen zu strecken und noch etwas Brennholz zu sammeln.


Pyro stand auf einer Kreuzung in einer großen Stadt, auf der Hochbetrieb herrschte. Händlerwagen kamen und gingen. Mütter mit Kindern an der Hand eilten schnell über die Straße, wenn sich eine Lücke ergab, um auf die andere Seite zum Markt zu kommen. Wachen, die anders aussahen, als die Zuhause, patrouillierten, um für Ruhe und Ordnung zu Sorgen. Er war offensichtlich nicht mehr in König Castles Hoheitsgebiet. Eine fremde Stadt, wuselig wie ein Ameisenhaufen, aber nur auf den ersten Blick war es so ein durcheinander, auf dem zweiten sah er, dass es ein durcheinander mit System war. Die Wagen verliefen in zwei Reihen. Eine Reihe kam den weiten Weg von den Stadtmauern hierher, ein stahlgrauer Wächter sorgte für die richtige Einreihung, die andere Wagenreihe verließ die Stadt. Es waren Händler, die hier Geschäfte machen wollten und Händler, die ihre Geschäfte erledigt hatten, Bauern, die ihre Waren verkauften und abgeliefert hatten, Familien, die in die Stadt kamen, und andere die zurück aufs Land fuhren. Ein ständiges Kommen und Gehen. Er konnte sehen wie das Leben hier pulsierte, aufgereiht in Reih und Glied, einer strickten Ordnung unterworfen. Alles funktionierte reibungslos. Es war kaum auszuhalten. Pyros Muskeln waren angespannt. Er sah sich noch einmal in alle Richtungen um. Ja, hier dieser Standort an der Kreuzungsecke war perfekt. Einige Wächter sahen misstrauisch zu ihm herüber, sollten sie doch, dachte Pyro und fing an gefährlich zu grinsen. Mit einem Mal loderte seine Flammenmagie auf, ganz plötzlich wie eine Explosion. Die Flammen schossen von seinen Panzerhandschuhen mitten in die Menge hinein, direkt zu einem Händlerwagen, der Pulver für Kanonen geladen hatte. Mit einem ohrenbetäubenden Krachen explodierte der Wagen. Holzsplitter flogen nach allen Seiten, die Flammen strebten erst ganz kurz nach rechts und links, dann nach oben, gefolgt von einer großen, schwarzen Rauchsäule. Dann hörte er die Schreie. Instinktiv waren viele Menschen auf den Boden oder nach irgendwo, wo sie sich in Sicherheit wähnten, weg gesprungen, versuchten Schutz zu finden. Mit einem Mal war die selbstverständliche Ordnung zusammengebrochen, die Ochsenkarrenfahrer verfielen genau wie ihre Tiere in Panik und auch die Leute mit Pferden preschten ohne Rücksicht auf andere wild los, mähten in wilder Fahrt mehrere Bürger um und rissen andere Wagen mit sich, die ihren eigenen im Weg waren. Jede Regel des Anstands war vergessen. Der Feuerritter sah nicht ein, warum sie entkommen sollten. Mit einem erneuten Feuerangriff visierte er einen großen Wagen an, der Bauholz geladen hatte. Er hatte sich quer gestellt, weil die Pferde durchgegangen waren, jetzt aber inmitten dieses Wustes nicht weiterkamen. Das Holz brannte herrlich, die Flammen schlugen meterhoch und versperrten großflächig die Straße. Wer daran vorbeischlupfen wollte, müsste durch das Feuer springen. Ähnlich verfuhr er mit den anderen Seiten, so dass sich die Kreuzung jetzt wirklich zum Kreuz verändert, zu einem Todeskreuz, deren Mitte einem riesigen Scheiterhaufen glich, bei dem sich das Inferno immer weiter ausbreitete. Einige Wachen kamen mit gezogenen Schwertern auf ihn zu. Zorn funkelte in ihren Augen. Pyro sah an sich hinunter, er trug keine Waffen, aber die benötigte er auch nicht. Er hatte sein Feuer und das war alles was er brauchte. Er ließ es so heiß brennen wie beim Kampf gegen Sir Nesselsuppe, das Feuer glühte hell und heiß und ließ die Wachen in ihren Rüstungen verbrennen. Eigentlich war es zu leicht, weswegen er bei den letzten beiden auf seine Magie verzichtete und sie nur mit seinen gepanzerten Fäusten tötete. Er fing sich dabei einen schmerzhaften Stich in den Magen ein, doch er spürte den Schmerz kaum, er wurde betäubt durch Adrenalin und diese wilde Euphorie, die sich in ihm Bahn brach. Pyro fühlte sich wie in einem Rausch.  Er hörte die panischen Schreie der aufgepeitschten Menge, die wie wahnsinnig versuchte irgendwo Schutz zu finden. Die Ordnung war dem totalen Chaos gewichen.
„Pyro! Pyro, wach auf!“
Jemand rüttelte ihn. Der orangene Ritter brummte. Verschlafen sah er sich um, um sich zu orientieren. Er war aufgewacht, das war jetzt nicht mehr zu ändern. Es war wirklich nur ein Traum gewesen. Jetzt wo er das realisierte, war er doch erleichtert. Nicht, weil er ihm nicht gefallen hätte, sondern, weil ihm mit einem Schlag bewusst wurde, dass es nicht gut war, so etwas geträumt zu haben. Erst jetzt bemerkte er den rosanen Ritter richtig, der sich über ihn gebeugt hatte und ihn besorgt ansah.
„Was ist denn los?“ fragte Pyro noch nicht richtig wach und richtete sich nun in eine sitzende Position auf.
„Du hattest einen Albtraum“, sagte Andy leise.
Pyro wurde rot, was der andere Ritter hoffentlich nicht sah, da er immer noch einen Helm trug.
„Woher willst du das wissen?“ fragte er misstrauisch.
„Du hast im Schlaf gesprochen“, sagte der rosa Ritter beunruhigt.
„Oh“, sagte Pyro in einem Tonfall, der dummerweise verriet, dass er sich daran erinnern konnte, was er geträumt hatte. „Äh… was hab ich denn gesagt?“
„Es … ging wohl um … Chaos … und … verbrennende Menschen … Bürger in einer Stadt“, sagte Andy bestürzt. „Zumindest hörte sich das zusammenfassend so an.“
„Es … war nur ein komischer Traum“, beeilte sich Pyro zu sagen.
Ein sich ziemlich realistisch anfühlender Traum, musste er zugeben.
„Träume können uns viel über unser Unterbewusstsein sagen“, erklärte Andy.
Schweigen breitete sich aus, wie eine unangenehme schiefe Musik.
„Willst du darüber reden?“ fragte der rosa Ritter und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Nein“, blockte Pyro sofort ab.
„Du kannst so etwas doch nicht immer in dich hineinfressen“, sagte Andy traurig. „Es ist besser, wenn du dich jemandem anvertraust.“
Anspannung schlich sich in Pyros Stimme, als er fragte: „Wirst du ihm davon erzählen?“
Pyro ruckte mit dem Kopf zum schlafenden Cyrill, der einige Meter von dem heruntergebrannten Lagerfeuer entfernt, auf dem harten Boden schlief. Dort war die Wärme der Glut vermutlich gar nicht mehr zu spüren. Es war erstaunlich wie der blaue Ritter dort so gut schlafen konnte, auf dem harten Boden, in der Kälte, in seiner harten, kalten Rüstung. Vermutlich könnte jetzt ein Wintersturm hereinbrechen und er würde es nicht mal bemerken.
„Nein.“
„Gut“, sagte Pyro beruhigt.
„Aber du solltest es tun“, riet ihm Andy.
„Er macht sich immer so schnell Sorgen und denkt viel zu viel über alles nach“, wehrte der orangene Ritter ab.
„Ich mach mir auch Sorgen“, erklärte Andy.
Das war Pyro unangenehm. Immerhin kannten sie sich noch nicht so lange, da sollte er sich doch um ihn keine Sorgen machen.
„Warum?“ fragte er, nur um irgendwas zu sagen.
„Wegen deinem Traum. Du solltest so etwas nicht träumen“, sagte Candy Andy leise und sehr sehr traurig.
Pyro sagte nichts. Er wusste selbst, dass ihm so etwas besser nicht in den Kopf kam, aber jetzt war es passiert und er musste zusehen, dass es nur ein Traum blieb, was vermutlich gar nicht so einfach werden würde, wie man glauben sollte, da er jetzt die Emotionen kannte, die so eine Situation bei ihm auslöste. Pyro fragte sich warum er das geträumt hatte. Er wollte nicht auf wehrlose Bürger losgehen, doch war da noch diese Freude am Chaos, die er empfand, wenn der Alltag in Schutt und Asche gelegt wurde. Dann entstand ein Gefühl, dass alles passieren könnte, die Zukunft nicht vorherzusehen war. Das gefiel ihm. Starre Strukturen und ein fester Tagesablauf engten ihn ein. Vielleicht war dieser Traum Ausdruck einer Gegenwehr gegen den für ihn sehr langweiligen Alltag. Seit ihrem letzten Abenteuer waren sie fast nur in der Burg gewesen und hatten seiner Meinung nach nichts Aufregendes erlebt. Er hatte gelernt, dass Gewalt und Kämpfe einfach zu seinem Leben dazugehörten. Er war doch ein Krieger, da gehörte sich das so, oder?
„Vielleicht hast du zu viel gekämpft“, mutmaßte Andy unglücklich.
„Nein!“ sagte Pyro fast schon beleidigt. „Ich will aber nicht, dass es aufhört. Von mir aus kann es immer so weiter gehen.“
„Du meinst das wirklich ernst, oder?“ fragte Andy und er atmete plötzlich und unerwartet tief durch.
„Ich kann mir mein Leben gar nicht anders vorstellen“, sagte Pyro eisern.
Wieder ein tiefer, abgehakter Atemzug von Andy.
„Du tust mir so leid. Komm mal her, lass dich mal umarmen.“
Und bevor der orangene Ritter sich wundern konnte, hatte Andy das auch schon getan. Pyro mochte an und für sich schon keine Umarmungen und Umarmungen in voller Rüstung waren nicht unbedingt angenehmer. Metall knirschte auf Metall und es war ziemlich eng, doch den rosanen Ritter schien das nicht zu stören. Er verharrte einen Moment und Pyro war sich nicht sicher, ob Andy ihn trösten wollte, oder ob er gerade selbst Halt brauchte. Etwas tropfte dem rosanen Ritter vom Kinn auf Pyros Schulter. Pyro fragte sich, ob er ihn darauf hinweisen sollte, dass er ein Leck hatte.
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