Castle Crashers - 4 haun aufm Putz

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
Blauer Ritter Grüner Ritter Königliche Wache Oranger Ritter Roter Ritter
16.07.2019
08.10.2020
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12.09.2019 5.627
 
Pyro kam erst am nächsten Morgen zu ihnen an den Frühstückstisch. Die Ärztin hatte ihn hierhergeschickt, weil er von dem was sie gestern mitbrachte, nichts hatte essen wollen. Sie beteuerte aber, dass er anfangen müsse wieder etwas zu sich zu nehmen. Der orangene Ritter sah das gar nicht ein. Alles in ihm sträubte sich momentan dagegen etwas zu essen.
"Da bist du ja wieder" freuten sich seine Freunde.
"Und wie geht es dir?" fragte Cyrill nach.
"Ok", kam es wenig überzeugend von Pyro. "Hatte keine Lust mehr herumzuliegen."
Seine Freunde grinsten. Sie hatten nichts anderes von ihm erwartet.
"Sieh mal, wir haben dir auch was zu essen gesichert", erklärte Thunder und zeigte auf einen Teller, auf dem Brot, Speck, Spiegelei und obendrauf noch zwei Waffeln lagen.
"Hm..." kam es von Venom. "Aber das haben wir doch nur nicht mehr geschafft."
"Musst du denn das verraten?" kam es genervt von Thunder. "So sah es doch aus, als hätten wir an ihn gedacht."
Der orangene Ritter grinste. Er kannte seine Freunde doch.
"Das ist aber nett von euch. Das kann ich gleich zu Hans bringen. Ich muss mich eh noch bei ihm revangieren."
"Aber willst du denn gar nichts essen?" fragte Venom verwundert.
"Ne", sagte sein orangener Kumpel nur, stand auf und verließ mit dem vollgepackten Teller den Speisesaal.


Seine Freunde waren schon im Unterricht, als er dazu stieß.
"Du kommst zu spät", tadelte ihn der Lehrer.
Pyro reagierte gar nicht darauf, sondern setzte sich einfach nur.
"Schön zu sehen, dass es dir wieder besser geht. Hast du wieder angefangen zu essen?"
"Wüsste nicht was es dich angeht", kam es schroff zurück.
Dem Lehrer gefiel es überhaupt nicht den Tag so zu beginnen.
"Und schon hast du dich im Ton vergriffen. Warum gleich so aggressiv?"
"Weil es dich nichts angeht", wiederholte Pyro.
"Hunger macht böse", flüsterte Venom Thunder neben sich zu.
Ihr Lehrer sah den grünen Ritter kurz strafend an, dann wandte er sich wieder Pyro zu.
"Das gehört zu meiner Fürsorgepflicht. Ich hab schon gehört, dass du nichts essen willst. Was nützt ein Ritter, wenn er zu entkräftet zum Kämpfen ist? Du wirst zum Mittag was essen, hast du gehört?"
Pyro sagte nichts, sondern funkelte seinen Lehrer nur finster an.
"Ich will eine Antwort hören!"
"Jahaa, jetzt geh mir nicht auf den Keks" kam es nachdrücklich und genervt von Pyro.
Herr Nesselsuppe atmete einmal tief ein und aus. Ohne Pyro war es um so vieles ruhiger im Unterricht gewesen.
"Und genau deswegen bist du hier", sagte er laut. "Weil du dich nicht benehmen kannst und nicht gehorchen willst. Es ist mir wirklich ein Rätsel wie du soweit kommen konntest."
"Es geht halt darum die Befehle von dem zu befolgen, der wirklich was zu sagen hat", sagte Pyro keck. "Alles andere ist im Prinzip egal."
Sir Nesselsuppes Augen verengten sich. Er wollte versuchen Pyros Argument zu unterwandern, um ihn so zum Umdenken zu bewegen.
"Das heißt, wenn ich der König wäre, würdest du meine Befehle befolgen?"
"Genau."
"Hm... also zählen für dich nur die Befehle des Königs?"
"Naja gut, die Befehle von den Prinzessinnen vielleicht auch noch, die gehören ja auch zum Königshaus dazu."
Sir Nesselsuppe zog wieder das leidige Dekret hervor und sagte: "Aber mit diesem Schreiben ermächtigt mich dein König dir Befehle zu erteilen. Das ist genau so, als würde der König dir selbst einen Befehl erteilen."
"Aber du bist nicht der König und ich seh gar nicht ein, warum ich mich mehr herumkommandieren lassen sollte, als es sein muss."
"Das muss sein, weil der Gehorsam zu den Grundpfeilern des Rittertums gehört. Du bist hier, um das zu lernen und du wirst nicht eher gehen, bis du es gelernt hast. Darauf kannst du dich verlassen!"
Pyro knirschte wütend mit den Zähnen. Er sah aus, als wenn er gleich das Zimmer neu dekorieren wollte.
"Ruhig Pyro, denk an deinen Blutdruck", versuchte Venom ihn auf die witzige Tour runter zu bringen.
Doch es sah nicht danach aus, als wenn es half. Als Pyro keine Widerworte mehr gab, sagte der Lehrer: "Gut, dann können wir ja jetzt endlich anfangen. Gutes Benehmen am Hofe ist essenziell, jede Kopfdrehung, jede Geste kann eine tiefere Bedeutungen haben. Es ist wichtig zu lernen wie ihr euch in Gegenwart der Majestäten richtig zu verhalten habt. Lest dazu Kapitel drei dieses Buches und schreibt die Quintessenz heraus."
Sir Nesselsuppe teilte vier gleiche Bücher aus, was erstaunlich war, denn es gab selten mehrere Exemplare eines Titels. Offenbar hatte er sie von Zuhause mitgebracht, wo er es gewohnt war auszubilden. Das Buch hieß: "Das Studium des Rittertums, Lernen fürs ganze Leben."
Venom fand, dass schon der Titel abschreckend war. Motivationslos schlug er das genannte Kapitel auf und fing an zu lesen. Doch der Text war so dröge und inhaltslos, dass er drei Anläufe brauchte, um ihn zu erfassen. Er fragte sich wozu er all den Kram brauchte. Bisher war es doch auch so immer gut gegangen. Offensichtlich war er nicht der einzige, der dem Text nichts abgewinnen konnte.
"Pyro! Was malst du da schon wieder?"
"Es ist ein Kartenspiel."
"Und warum, wenn ich fragen darf?" fragte der Lehrer ungehalten.
"Mir war mehr danach, als nach einer richtigen Zeichnung."
Sie konnten förmlich sehen wie Sir Nesselsuppe mit sich rang.
"Ich meine, warum malst du?"
"Weil mir langweilig ist."
"Wenn du dich stattdessen auf den Unterricht konzentrieren würdest, wäre dir nicht langweilig", sagte der Lehrer streng.
"Ich glaub, du verwechselst da was. Der Unterricht ist die Ursache der Langeweile."
"Du bringst mich noch zur Weißglut."
"Krass, wenn du jetzt auch Feuerkräfte entwickelst", sagte Pyro schelmisch.
"Du weißt ganz genau wie ich das meine! Leg diese Karten weg, lies das Kapitel im Buch aufmerksam durch und lern die wichtigen Sachen auswendig!"
"Und woher soll ich wissen was wichtig ist und was nicht?" fragte Pyro gelangweilt.
"Es ist deine Aufgabe das aus dem Kontext herauszulesen."
Pyro schnaufte genervt und durch seine Feuermagie flackerte kurz eine kleine Flamme auf, bevor sie wieder erstarb.
"Ich finde, dass alles was da drin steht unwichtig ist. Wir könnten doch stattdessen was Interessanteres machen."
"Ach und was wäre das, was du wichtiger fändest, als die Regeln des höfischen Lebens?" fragte Sir Nesselsuppe lauernd.
"Irgendwem den Kopf abschlagen oder abfackeln, umbringen halt, eigentlich egal wie."
"Es geht als Ritter nicht nur darum Leute zu töten, das macht tatsächlich nur einen kleinen Teil der Aufgaben eines Ritters aus. Außerdem kannst du nicht einfach irgendwem den Kopf abschlagen oder ihn abfackeln."
"Klar kann ich, soll ich dir zeigen wie das geht?" fragte Pyro und grinste.
"Untersteh dich! Ich will nichts mehr hören. Lies jetzt gefälligst das Kapitel!"
Er ging zu seinem eigenen Stuhl zurück, ließ sich darauf nieder und wartete, bis sie fertig waren. Dann kontrollierte er was sie herausgeschrieben hatten.
"Venom, du solltest das Kapitel noch einmal lesen. Du hast hier einige Punkte übersehen", erklärte Sir Nesselsuppe.
"Du könntest auch etwas gründlicher arbeiten, Thunder. Cyrill war besser als ihr anderen. Ihr solltet euch an ihm ein Vorbild nehmen. Pyro ..."
Er sah den orangenen Ritter genervt an.
"Du hast einfach alles als Stichpunkte abgeschrieben."
"Ja und? So fehlt immerhin nichts und du wolltest ja nicht sagen was nun wichtig ist, oder nicht."
Der Lehrer seufzte.
"Na schön, gehen wir es nochmal alle zusammen durch. Also die Kleiderordnung gibt sehr schnell Aufschluss darüber, wen man vor sich hat, wie hoch im Stand und welche Position diese Person hat. Auf der linken Seite im Buch seht ihr nochmal eine Auswahl von Farben und Schnitte, die dem Hochadel vorbehalten sind. Wenn die Person einen Siegelring trägt könnt ihr davon ausgehen, dass es sich um eine wichtige Person handelt, vor der ihr euch auf jeden Fall zu benehmen habt. Das heißt kein Treppenspringen, raufen, oder was ihr sonst für Spaß haltet. Vielmehr solltet ihr euch in Zurückhaltung üben, respektvoll zuhören, nur reden wenn ihr gefragt werdet und möglichst würdevoll auftreten. Nun, jetzt wo ihr das wisst. Beurteilt mal meine Kleidung."
Er sah die Ritter auffordernd an, doch keiner schien Lust zu haben etwas zu sagen, weswegen ihr Lehrer einen aufrief: "Cyrill!"
Der blaue Ritter war gar nicht glücklich jetzt etwas sagen zu müssen. Von Mode hatte er überhaupt keine Ahnung und er fürchtete in ein Fettnäpfchen zu treten. Er musterte Sir Nesselsuppe in seinem feinen lilanen Zwirn von oben bis unten und sagte dann zögerlich: "Ihr seht aus, als ... hättet ihr viel Geld zum Fenster ... ähm... ich meine, als hättet ihr viel Geld für eure Kleidung ausgegeben. Das bedeutet dann bestimmt ... wenn ihr so viel Geld für Kleidung übrig habt, müsst ihr wichtig sein."
"Und weiter?"
Cyrill zuckte mit den Schultern.
"Immerhin, ein Anfang. Wichtig wäre noch die besonders hohe Stellung aufgrund meiner lilafarbenen Kleidung. Lila ist eine königliche Farbe und darf eigentlich nur von den Majestäten getragen werden. Ausnahmen gibt es nur für handverlesene Ritter, auf die ein König besonders stolz ist.“
Er ließ das einen Augenblick wirken und sagte dann: „Nun, auf der rechten Seite seht ihr jetzt noch einige Beispiele für die Kleiderordnung für Prinzen und auf der nächsten Doppelseite, die der Prinzessinnen", erklärte ihr Lehrer.
Die Ritter blätterten um. Die nächste Doppelseite sah besonders abgenutzt aus, offenbar hatten die vielen Jahrgänge der vorherigen Schüler diese Seiten besonders interessant gefunden.
"Wie ihr bestimmt bemerkt habt, sind die Kleider der oberen Stände nicht mehr im mindesten schlicht, sondern verleihen der Trägerin den erforderlichen Raum und verschaffen ihr, manchmal mithilfe von ausladenden Dimensionen den beanspruchten Platz und damit Präsenz."
"Ist damit dieses Gestell gemeint, dass sie unter ihrem Kleid tragen, damit es so aussieht, als hätten sie dicke Hintern?" fragte Venom unverblümt.
Sir Nesselsuppe schnaubte verärgert.
"Auf deine ungehobelte Art hast du nicht Unrecht, aber du solltest dir angewöhnen deine Worte mit mehr Bedacht zu wählen. Fast alle Adligen mögen es nicht, wenn man so unflätig mit ihnen spricht. Aber ja, im Prinzip ist es so, dieses Gestell soll mehr Raum für sie einfordern und damit ihren Machtanspruch darstellen. Manche sagen auch, es sieht elegant aus. Korsetts, vorgeformte Ärmel, unelastische Stoffe und das bloße Gewicht der Kleidung sorgen für eine aufrechte und damit würdevolle Haltung. Sie zwingen geradezu zu angemessenen Gesten."
Cyrill gähnte und so, als wollten seine Freunde ihre Sympathie zu ihm zeigen, fielen sie wenig später mit ein.
"Aufpassen!" mahnte ihr Lehrer, doch er konnte sehen, dass seine Schüler keine Motivation dafür mitbrachten. "Kommen wir zur Gestik. Ihr habt das Kapitel ja gelesen. Was bedeutet es, wenn sich jemand einen Finger an die Nase legt?"
"Er popelt", kam es prompt von Venom.
"Nein", schnarrte der alte Ritter.
"Vielleicht ein strenger Geruch?" fragte Pyro.
"Nein!"
"Oder ein Guter?" riet Thunder.
"Nein!!"
"Er hat Fieber?" fragte Cyrill.
"Er denkt nach", löste der Lehrer auf.
"Na, wer soll denn darauf kommen?" fragte Venom.
"Deswegen solltet ihr das Kapitel lesen. Na schön, das nächste: Was bedeuten zusammengefaltete Hände?"
"Er betet", rief Venom aus, sicher jetzt einen Volltreffer gelandet zu haben.
"Das kann so sein, aber hauptsächlich in der Kirche. Diese Geste hat noch eine andere Bedeutung", erklärte der Lehrer.
"Aber ganz falsch ist es damit nicht", stellte Venom richtig.
"Er betet, weil das Essen so schlecht war und er jetzt Angst hat drauf zu gehen", riet Pyro weiter.
"NEIN!"
"Es zeigt seine Überlegenheit", erklärte Cyrill, der rasch im Buch nachgelesen hat.
"Richtig Cyrill und wenn du es nächstes Mal schaffst, auch ohne nachzulesen, wäre das noch besser", sagte Sir Nesselsuppe genervt. "Was bedeutet es, wenn jemand die Hand vor den Mund hält?"
"Er muss Gähnen, will das aber nicht zeigen", sagte Thunder sofort, weil er eben dies getan hatte.
"Nein!"
"Er hat Spinat zwischen den Zähnen und will es nicht zeigen", riet Venom.
Der Lehrer seufzte nur.
"Er will das Gesagte zurücknehmen", las Cyrill weiter vor.
"Ja, weiter", sagte Sir Nesselsuppe, der nun offensichtlich froh war, wenn sie jetzt einfach nur noch durchkamen. "Was bedeutet es, wenn jemand seine Hände zu einem Spitzdach formt."
Er zeigte es vor.
"So"
Ratlosigkeit an allen Fronten.
"Er hat eine Pyramide mit einem Schatz gefunden", mutmaßte Pyro.
Sein Lehrer warf ihm nur einen vernichtenden Blick zu.
"Pyro, lass den Blödsinn!"
"Wieso?"
Weil ihnen keine kreativen Einfälle mehr kamen, lasen sie im Buch nach.
"Es signalisiert Überheblichkeit, aber gleichzeitig auch die Abwehr gegen Einwände, so nach dem Motto: Ich habe Recht!" las Thunder vor.
"Richtig. Meine Güte, das war ja eine schwere Geburt. Damit beenden wir es für heute. Lest es heute Abend noch mal durch, damit ihr das Gelernte vertieft."
Seine Schüler sprangen auf und stürzten fast schon zum Ausgang. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie heute Abend noch mal in die Bücher schauten war gering, denn sie ließen sie einfach im Unterrichtsraum zurück.


Zum Mittag hauten alle ordentlich rein, alle außer Pyro. Der ließ seinen Teller leer, sah den anderen beim Essen zu und trank nur ein Bier.
"Was ist los? Immer noch keine Lust zu essen?" fragte Cyrill beunruhigt. „Musst doch langsam Hunger haben. Ist doch jetzt schon zwei Tage her.“
"Ich bin auf Flüssignahrung umgestiegen", erklärte Pyro und hob sein Bier.
"Alkohol ist keine Nahrung", belehrte Venom ihn altklug.
"Für meinen Vater schon. Seine Ernährung bestand aus den drei Grundnahrungsmitteln:
Pyro zählte an den Fingern ab.
"Bier, Tabak und ..."
Er dachte angestrengt nach.
"Mist, mir fällt das Dritte nicht mehr ein. Im Zweifel noch mal Bier."
"Hört sich an, als hättest du keine einfache Kindheit gehabt", mutmaßte der rosane Ritter, der dem orangenen gegenüber saß.
"Quatsch, wer erzählt denn so was?" fragte Pyro verwundert. "Ich hatte eine tolle Kindheit. Ich hatte sehr viel Spaß und es war immer viel los."
"Aber du hast doch erzählt, dass deine Eltern nicht mehr mit dir klar kamen und dich daher auf die Militärschule geschickt haben", wandte Venom ein und biss jetzt in eine saftige Kaninchenkeule.
"Naja", versuchte der orangene Ritter zu relativieren. "Bis dahin war es aber eine schöne Zeit. Klar gab es hin und wieder mal Ärger ..."
Er ging es im Kopf durch und grinste leicht dabei.
"Auf die Militärschule?" fragte Candy Andy betroffen.
Es war allgemein bekannt, dass die Absolventen der Militärschule das unterste Fußvolk der Armee bildeten. Dort kamen junge Männer hin, die von ihren Familien verstoßen wurden, Landstreicher, Taugenichtse und Tunichtgute, oder Leute, die alles verloren hatten und jetzt ihr Leben gegen etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf eintauschten. Kurz, das spätere Kanonenfutter.
"Da hast du es aber weit gebracht", sagte Viorel, der türkisene Ritter, der neben Andy saß.
"Vermutlich wäre es einfacher für ihn gewesen, wenn er nicht ständig irgendwelchen Ärger machen würde", kam es von Conrad, einem der grauen Ritter von König Castle.
"Oh genau", kam es jetzt von Andy, dem wieder etwas einfiel. "Wie war denn das genau mit dieser goldenen Gans? Venom hat das zwar gut erzählt, aber ich verstehe immer noch nicht wie du überhaupt darauf kamst dir die goldene Gans zu schnappen."
Pyro hatte nach "Venom" gar nicht mehr richtig zugehört, sondern sah jetzt mit wütend lodernden Augen zum grünen Ritter.
"Wie konntest du das nur überall herumposaunen?!"
Auch Thunder und Cyrill sahen jetzt zu den beiden hin und sahen wachsam dabei zu wie sich dieser Streit entwickeln würde. Venom legte die abgenagte Kaninchenkeule auf seinen Teller und wandte sich jetzt seinem Freund zu.
"Ich hab es gar nicht überall herumposaunt, sondern nur hier im kleinen Kreis", wehrte er sich.
"Das sollte doch aber unter uns bleiben!" rief Pyro hitzig.
Ihm war nicht nur anzusehen wie sauer er war, es war auch zu fühlen. Hitze schien von ihm abzustrahlen und tatsächlich seine Feuermagie flackerte um ihn herum. Der graue Ritter schob seinen Stuhl eilig einige Meter vom Tisch zurück, um aus der umliegenden Gefahrenzone weg zu kommen.
"Pyro, reg dich ab! Es ist doch alles gut", versuchte Venom ihn zu beruhigen und hob beschwichtigend die Hände.
Doch der orangene Ritter war aufgestanden und es sah aus, als würde es gleich mächtig Ärger geben.
"Nichts ist gut. Nichts können wir dir anvertrauen, du plauderst jedes Geheimnis aus! Und weißt du was? Es geht mir langsam richtig auf den Keks!"
Es war unschwer zu erkennen, dass der orangene Ritter in seiner Wut drauf und dran war seinen Freund anzugreifen. Venom sah unsicher aus. Er wollte ganz sicher nicht gegen seinen Freund kämpfen, aber wenn er musste, würde er sich verteidigen. Thunder und Cyrill wussten nicht, ob sie eingreifen sollten. Natürlich wäre es gar nicht gut, wenn sich die beiden jetzt hier beharkten, aber insgeheim fanden sie, dass Venom für seine Ausplauderei tatsächlich mal eins auf den Deckel bekommen könnte.
"Macht doch was!" sagte Viorel zu den Beiden.
Es wäre wohl schief gegangen, wenn Candy Andy nicht zuerst seine Magie benutzt hätte. Sein Regenbogenangriff traf Pyro unvermittelt und er sah sich vollkommen übertölpelt um.
"Was hast du gemacht?" fragte Cyrill verwundert.
"Regt euch nicht auf. Es ist nichts Schlimmes. Meine Magie sorgt dafür, dass jegliche Aggression vom Getroffenen abfällt. Das ist wunderbar um Streit zu schlichten. In schwächeren Dosen werde nur ich nicht mehr angegriffen, aber bei etwas legt sich der Ärger völlig. Toll, oder?"
Alle Blicke waren jetzt starr auf Pyro gerichtet. Die Hitze um ihn her war verflogen. Es war, als hätte jemand das Feuer gelöscht. Der Blick des orangenen Ritters sah trüb aus und er schien nicht alles um sich her mitzukriegen.
"Es ist alles gut Pyro, setz dich doch wieder", sagte der rosane Ritter strahlend.
Überraschenderweise tat der Feuerritter genau das. Cyrill, Thunder und Venom wechselten einen ungläubigen Blick.
"Erstaunlich", "Beeindruckend", "Fast schon unheimlich", raunten sie.
"Venom ist doch dein Freund Pyro, er hat es bestimmt nicht böse gemeint", sagte der rosane Ritter und tätschelte besänftigend Pyro, der starr geradeaus stierte, die rechte Hand. "Hier, nimm was Süßes!"
Candy Andy reichte ihm einen Lutscher, den sich Pyro nach kurzem Zögern in den Mund steckte.
"Wow, du hast ihn dazu gebracht was zu essen", staunten die anderen jetzt noch mehr. "Du bist ein Zauberer."
Der rosane Ritter kicherte verlegen.
„Hier, wo du gerade dabei bist… Wie wärs mit einem leckeren Steak?“ kam es von Cyrill und er hielt es seinem Kumpel vor die Nase.
Der wandte aber ungehalten den Kopf ab.
„Schade, aber wie es aussieht reicht es noch nicht ganz.“


Anschließend gingen die vier Ritter über den Markt, der heute im Schatten der Burg stattfand, um zu sehen, was es so alles gab. Der Verkäufer mit den Männerpflegeprodukten schrie sich, ganz wie Venom gesagt hatte, die Lunge aus dem Hals, um Käufer zu finden. Aus irgendwelchen Gründen versuchten die Kunden aber einen großen Bogen, um seinen Stand zu machen.
„Seht mal da! Süßes!“ kam es von Thunder, rempelte seine Kumpel an und zeigte auf einen großen Karren, den ein Verkäufer gerade abstellte und jetzt seine Ware anpries.
„So wie es aussieht haben die sogar Kieferknacker da“, kam es von Cyrill und er schwelgte in Erinnerungen. „Als Kind hab ich so einen mal bekommen und es hat Wochen gedauert bis ich die ersten Schichten runter hatte.“
„Was ist denn das?“ wollte der ratlose Pyro wissen.
„Das kennst du nicht?“ fragte Cyrill ungläubig.
„Nö.“
„Das ist was Süßes und man kann ewig dran lutschen“, klärte sein blauer Kumpel ihn auf.
„Ich wette, dass ich so ein Teil bis heute Abend aufgegessen habe“, sagte Venom großspurig.
„Ha, ich bin bestimmt schneller“, wetteiferte Thunder.
„Hm…“ kam es von Cyrill.
Seine Augen verengten sich und er sah abwechselnd von Venom zu Pyro, der jetzt langsam wieder der alte war und den grünen Ritter wieder so böse anfunkelte. Cyrill hatte eine Idee wie er Pyro dazu bringen konnte wenigstens ein bisschen was in den Magen zu bekommen und wie gleichzeitig Venom so den Mund voll hätte, dass sie nicht wieder seine Geschichten von Korgoth anzuhören brauchten. Er ging zum Verkäufer, gab ihm ein Goldstück und reichte seinen Freunden dann je einen Kieferknacker in ihrer Farbe.
„Hier, mal sehen wer zuerst durch ist und nicht drauf herum beißen!“ mahnte er Pyro, der schon so aussah, als wollte er genau das tun.
Die vier Freunde schlenderte noch etwas herum, gingen dann zurück in den Ritterschlafsaal, wo sie derzeit allein waren und fingen an die Süßigkeiten zu bearbeiten.
„Ha, ich bin durch die erste Schicht“, erklärte Venom und zeigte stolz seinen Kieferknacker vor.
„Ich auch“, kam es fast zeitgleich von Thunder und Pyro.
„Was?“ fragte Cyrill überrascht und sah sie verwundert an.
Er war wohl noch nicht so weit und beeilte sich jetzt aufzuholen. Tatsächlich ging es doch recht flott und nach einer halben Stunde hatten sie schon mehrere Lagen heruntergeschleckt.
„Seht mal, ich krieg meinen komplett in den Mund“, kam es von Venom und tatsächlich irgendwie schaffte er es seinen Kieferknacker komplett ins seinen Unterkiefer zu versenken.
„Bist du ne Schlange oder was?“ fragte Pyro belustigt.
„Wenigstens quatscht er uns so nicht zu“, flüsterte Cyrill ihm ins Ohr und sagte dann laut: „Ähm… ja, super machst du das Venom.“
„Aber ich bin am weitesten“, kam es triumphierend von Thunder.
Tatsächlich, seine Süßigkeit sah von vorne jetzt beinahe aus wie ein Medusenauge. Denn nach jeder Schicht trat eine andere Farbe zu Tage.
„Wie machst du das?“ wunderte sich Cyrill verwundert.
„Ist bestimmt seine Pferdespucke“, zog Venom seinen Freund auf.
Pyro lachte über Cyrills verwunderten Gesichtsausdruck und zeigte auf ihn.
„He, du hast da was am Schnäuzchen“, ärgerte er ihn.
Cyrill wischte sich eilig seinen blauen Mund an seinem Panzerhandschuh ab und sah grimmig zu seinem Freund.
„Hm… geht es nur mir so, oder wird eure Zunge auch langsam taub? Ich glaube meine ist schon abgeschürft und blutig“, sagte Pyro, der keine Lust mehr auf Süßes hatte.
„Ja, irgendwie verliert es seinen Reiz“, kam es niedergeschlagen von Cyrill.
„Finde ich nicht“, kam es von Thunder aus seinem oberen Stockbett.
Auch Venom hatte es sich bequem gemacht und sah nicht so aus, als würde er sich heute noch irgendwohin bewegen. Nur Pyro und Cyrill standen jetzt herum und überlegten was sie mit den angefangenen Kieferknackern machen sollten.
„Hm… die sind erstaunlich hart“, stellte Cyrill fest, warf seinen hoch und fing ihn wieder auf. „Und glitschig.“
Pyro lachte und fing an seinen hochzuwerfen und auf seinem Schwert zu balancieren.
„Ha, ich hab eine Idee!“ rief Cyrill aus, ging zum Waffenständer und holte zwei Trainingsschwerter aus Holz.
„Wir spielen ein Spiel. Die Knacker sind unsere Bälle und die Holzschwerter nehmen wir zum herumschlagen.“
„Und dann?“ fragte Pyro, der sich noch nicht ganz sicher war, wohin das führen sollte. „Wer die meisten Sachen mit den Bällen kaputt kriegt hat gewonnen?“
„Nein!“ sagte Cyrill bestimmt. „Wir bauen zwei Tore und wer zuerst drei Punkte in Führung geht, hat gewonnen. Jeder muss versuchen sein Tor zu beschützen und den Kieferknacker abzuwehren. Ich nenne es Holzschwert-Kieferknacker-Torschießen.“
„Hm… ist ja ein etwas sperriger Name“, fand Pyro. „Wie wäre es mit einer Abkürzung? … ähm … HolKieTor.“
Cyrill lachte, Thunder prustete los und Venom hätte sich bald an seinem Kieferknacker verschluckt was sicher richtig übel ausgegangen wäre.
„Wollt ihr auch mitspielen?“ fragte Cyrill Thunder und Venom, doch die schüttelten nur die Köpfe.
„Zu faul“, erklärte Thunder.
„Zu kompliziert“, sagte Venom, nachdem er seinen grünen Kieferknacker aus seinem Mund herausgezogen hatte.
„Aber woraus bauen wir die Tore?“ fragte der orangene Ritter.
„Aus den Betten“, stellte Cyrill klar und begann schon ein Doppelstockbett herumzuschieben.
Da der Raum rechteckig war, befanden sich die kurzen Seiten an der Tür und an den Fenstern. Dort kam je ein Tor hin. Pyro stellte sich mit dem Rücken zu den Butzenglasfenstern und Cyrill mit dem Rücken zur Tür.
„Ok, wer zwischen oberes und unteres Bett trifft kriegt einen Punkt“, erklärte Cyrill die Spielregeln. „Alles andere gibt keinen Punkt.“
Cyrill fing an, warf den blauen, halb abgeleckten Kieferknacker hoch und schlug mit dem Übungsschwert zu. Der improvisierte Ball sauste mit einem gewaltigen Spin auf Pyro zu, der nicht rechtzeitig herbeisprang. Doch der Knacker traf nur eine Ecke des Bettes.
„Pfosten! Daneben“, sagte Pyro grinsend und hob die Süßigkeit auf, von der ein kleines Stück abgeplatzt war.
Auch er warf den Ball hoch, verfehlte ihn aber. Nochmal, wieder verfehlt.
„Siehst du, Alkohol ist keine Nahrung“, sagte Venom vom Bett her und hob mahnend einen Finger.
„Dass das ausgerechnet von dir kommt!“
Pyro funkelte ihn finster an, warf den Kieferknacker erneut, schlug zu und traf überraschend ins Tor.
„TOR!!“ rief Pyro und hopste aufgeregt auf und ab.
„Na, warte, noch ist das Spiel nicht vorbei“, sagte Cyrill angestachelt.
Sie spielten weiter, wobei jeder mal ein Tor traf, doch die beiden schenkten sich nichts und so ging keiner klar in Führung. Dabei trafen sie so ziemlich alles im Raum: Die Betten, die Stühle, Venom und Thunder, als sie sich nicht rechtzeitig in ihre Betten duckten, eine Vase mit verwelkten Blumen auf dem Schrank, ein Landschaftsbild, das auf der Stelle umgestaltet wurde und schließlich eins der Fenster. Es klirrte laut, doch der Kieferknacker sauste einfach weiter, in die weite Welt hinaus. Dort musste eine Bürgerin gerade feststellen, dass ein Dieb ihren Lederbeutel geklaut hatte.
„Zu Hilfe! Ein Dieb! Haltet den Dieb! Haltet den Dieb!“ rief sie aufgebracht und zeigte auf den Flüchtenden.
Der machte sich schnell davon und bahnte sich seinen Weg durch den lauten Trubel der Menge auf dem Markt. Das wilde, laute Treiben übertönte das pfeifende Sirren mit dem der blaue Kieferknacker herangesaust kam. Der Dieb wandte noch den Kopf, um zu sehen was das für ein eigenartiges Geräusch war und dann … krachte der Kieferknacker auf den Kopf des bestohlenen Opfers das sofort zusammenbrach.
„AUS!“ rief Pyro im Ritterschlafsaal, oder besser, im provisorischen HolKieTor Stadion.
„Oh je“, sagte Cyrill betroffen, als er auf das Loch in einer der Butzenscheiben sah, dass er geschossen hatte. „Was sollen wir nur sagen, wenn jemand fragt wie das passiert ist?“
„Da fällt uns bestimmt was ein. Im Zweifelsfall war es eine Kamikazetaube“, sagte Pyro unbekümmert.
„Uh… wir sollten besser aufhören“, kam es besorgt vom blauen Ritter.
"Das schlägst du doch nur vor, weil du in Führung liegst", mutmaße Pyro.
"So ein Quatsch! Ich sorge mich nur um ... das Geld. Je mehr Schaden wir machen umso mehr werden wir zahlen müssen..." sagte Cyrill, aber innerlich fühlte er sich ertappt.
"Ich glaub dir kein Wort, den Sieg hole ich mir!", sprach Pyro und lies gar nicht lange auf sich warten und feuerte direkt seinen orangenen Kieferknacker los.
Draußen hatte sich eine große Traube, um die ohnmächtige Bürgerin versammelt. Allerdings gafften sie alle nur, ohne ihr zu helfen. Der Dieb befand sich mittlerweile in einer ernsten Lage. Zwei Wachen hatten ihn erwischt und hielten ihn an den Armen gepackt.
„Du hast wohl gedacht, du könntest hier einfach so auf Klautour gehen, was?“ fragte der linke der Beiden und grinste unheilvoll.
„Haha, hast du ein Glück, das Gefängnis ist gerade erst leer geworden. Das heißt, du hast es ganz für dich allein“, sagte sein Kollege schadenfroh.
Der Dieb schaute unglücklich zu Boden.
„He, hörst du das auch?“ fragte der linke Wachmann und spitzte die Ohren.
„Was denn?“ wollte sein Kollege wissen und horchte jetzt ebenfalls.
Ein durchdringendes Pfeifen war zu hören, dann traf ihn plötzlich ein angeleckter orangener Kieferknacker hart am Helm, woraufhin er zusammenbrach. Die Süßigkeit prallte ab und traf seinen Kollegen, der sich ihm überrascht zugewandt hatte, genau auf die Nase, die brach, weswegen er zurücktaumelte, an einem losen Kopfstein hängen blieb, woraufhin die Wache in eine Bude für Sammeltassen stolperte, die zusammenkrachte, mit der Folge, dass das kostbare Geschirr in beinahe tausend Stücke zersprang, von denen einige einen vorbeitrottenden Ochsen trafen, der jetzt durchging und mehrere Markstände umriss.
„AUS!! Wieder AUS!!!“ rief Pyro währenddessen laut, nachdem Cyrill erneut eins der Buntglasfenster zerschossen hatte.
„Vielleicht sollten wir wirklich aufhören“, kam es peinlich berührt von Cyrill, der sich Sorgen um die Konsequenzen ihres Handelns machte.
Pyro grinste.
„Wenn du meinst, aber diesmal würde ich gewinnen, weil ich in Führung liege, da du den Ball ins Aus geschmettert hast. Hehe, jetzt wünscht du dir bestimmt, wir hätten meine Spielvariante gewählt.“
Cyrill schnaubte.
„Das hättest du wohl gerne. Na warte, dich mach ich kalt.“
Er lief zu Thunder und wollte ihm seinen schon arg geschrumpften Kieferknacker abnehmen.
„He, lass das! Das ist meiner!“ kam es aufgebracht von Thunder.
Es kam zu einer kleinen Rangelei, die erst endete, als ein grauer Ritter in den Raum gestürmt kam.
„Draußen ist die Hölle los!“ berichtete er, kurz nachdem er die Tür aufgerissen hatte.
Verdutzt blieb er stehen und fragte: „Was … was ist denn hier drin los? Wozu habt ihr die Betten verschoben?“
Cyrill und Thunder sahen noch überrascht zu ihm hin und wussten nichts zu sagen.
„Wir haben angefangen Barrieren aufzubauen, damit die Kamikazetauben hier nicht einfallen“, erklärte Pyro ohne rot zu werden.
„Ähhh…“ kam es unschlüssig vom grauen Ritter, der nicht wusste, ob er sich darüber jetzt wirklich den Kopf zerbrechen sollte. „Kommt einfach mal mit!“
Als sie wenig später draußen vor der Burg standen, sahen sie das gesamte Ausmaß der Zerstörung.
„Was ist denn hier los? Hat ein Drache gewütet?“ fragte Cyrill verwundert.
Ein Wachmann mit einer großen Beule am Kopf kam zu ihnen getrottet und hielt einen zersplitterten orangenen Kieferknacker hoch.
„Irgendwer schießt hier mit komischen bunten Steinen um sich. Vielleicht handelt es sich um ein Attentat auf die Bürger von König Castle“, mutmaßte er.
Pyro musste all seine Selbstbeherrschung aufwenden, um nicht laut loszulachen, vermutlich hatte er sich dabei schon zwei Rippen angeknackst. Cyrill sah aber wirklich beschämt aus, weswegen sich sein Freund langsam Sorgen machte, ob es aufliegen könnte.
„Wir finden den Schuldigen“, erklärte Pyro deswegen sofort und zog seine Freunde mit sich.
„Was soll das denn heißen?“ fragte Cyrill flüsternd. „Wie willst du das machen? Wir sind doch …“
„Psst … Wir suchen uns einen Sündenbock. Einer, der sowieso wegen irgendwas Schuld hat und wir sind aus dem Schneider“, erklärte Pyro. „Aha.“
Mit seinem geschulten Auge hatte er sofort jemanden gefunden. Es war der Dieb, der sich gerade aus einem zusammengefallenen Marktstand für Rüben und Kohl befreit hatte und nun davon laufen wollte.
„Hier, der Typ ist für all das verantwortlich. Erst hat er geklaut und dann den Markt verwüstet, um für Ablenkung zu sorgen, damit er fliehen kann“, erklärte Pyro ungerührt und schob den Dieb dem Wachmann vor.
„He, genau. Mein Kollege und ich waren gerade dabei ihn zu verhaften.“
Er winkte ihn zu sich. Seine Nase war blutig und ordentlich angeschwollen und er sah ganz und gar nicht glücklich aus.
„Na warte du, dafür wanderst du für lange Zeit hinter Gittern.“
„Nein, ich … ich wars nicht. Ehrlich. Keine Ahnung wo diese bunten Kugeln auf einmal herkamen. Es war alles nur ein Zufall. Bitte, ihr müsst mir glauben“, rief der Dieb unglücklich
„Das ist nicht wahr! Ich habe genau gesehen wie dieser Kerl diese arme Frau beraubte, sich in die Meute floh und als wenn das nicht schon genug gewesen wäre, kam direkt darauf einer dieser Steine auf die Frau zugerast. Dieser Mann ist der Übeltäter!" rief ein Standbetreiber aus der wütenden Menge, die sich angesammelt hatte und drohte wütend mit der Faust.
„Wir haben mehr als genug Zeugen“ grinste eine der Wachen und schleifte den Dieb davon.
Die umstehenden Bürger klatschten zufrieden.
„Er hat es nicht anders verdient“, „Ja, Gerechtigkeit!“, „Richtig so“, „Unsere Ritter haben für Ordnung gesorgt“, „Ja, sie haben den Unruhestifter gefangen.“
Thunder und Venom bedachten Pyro und Cyrill mit einem Blick, der wohl aussagen sollte: „Dass ihr euch nicht schämt….“
Im Gegensatz zu Pyro, der einfach nur zufrieden drein schaute und so aussah, als könne er kein Wässerchen trüben, fühlte sich Cyrill wirklich schlecht dabei, jetzt auch noch die Lorbeeren für all den Ärger, den er verursacht hatte, einzuheimsen. Hoffentlich hatte wirklich niemand gesehen, wie es tatsächlich geschehen war.


In der Nacht wachte Pyro plötzlich auf, weil er einen lauten Knall gehört hatte. Er schreckte kampfbereit hoch und bemerkte dann, dass er nicht der Einzige war. Auch einige der anderen Ritter von König Castel waren aufgewacht. Cyrill, Venom und Thunder schliefen aber einfach weiter. Venom sägte laut vor sich hin, während Thunder wie ein Pferd schlief. Thunder hatte wohl einen besonders lauten Furz losdonnern lassen. Typisch.
Jetzt wo er einmal wach war, fiel es Pyro schwer wieder einzuschlafen. Er entschied aufzustehen und seinen Plan vorzubereiten. Die anderen konnte er dabei nicht gebrauchen. Vermutlich würden sie nur sagen, dass es zu gefährlich und gegen jede Moral wäre und versuchen ihn von seinem Plan abzubringen. Leise stand Pyro auf, kramte in seinen Taschen, bis er fand wonach er suchte, legte seine Rüstung an und verließ dann möglichst leise den Schlafsaal.
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