Bunt statt Blau

OneshotHumor, Parodie / P12
Chuya Nakahara Dazai Osamu
16.07.2019
16.07.2019
1
2007
3
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Diesen Oneshot widme ich meiner Partnerin aus dem Kunstunterricht. Du hättest mich aufhalten sollen.

Charaktere gehören selbstverständlich nicht mir.  Hoffentlich amüsiert es irgendwen^^



Mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern trottete Dazai, stolzes Mitglied der örtlichen Port Mafia, durch die belebten Straßen Yokohamas und kickte lustlos eine leere Coladose vor sich her.

Sein Tag war bisher, gelinde ausgedrückt, scheiße verlaufen. Den ganzen Morgen und Vormittag hatte er nur stinklangweilige Botengänge ausgeführt, als Strafe für das Präparieren des Läufers der Treppe im Hauptquartier. Völlig zu Unrecht, wie er fand. Was konnte denn schließlich er dafür, dass nicht die geplante Person zur üblichen Uhrzeit, sondern Ogai Mori höchstpersönlich einen Fuß auf die oberste Treppenstufe gesetzt hatte. Glücklicherweise noch bevor der Braunhaarige dazu gekommen war, die Nägel am unteren Ende auszulegen. Ansonsten wäre es wahrscheinlich nicht bei Botengängen geblieben. Vielleicht hätte er sogar die Toiletten putzen müssen.

Der einzige Trost war gewesen, dass er die Botengänge alleine erledigt hatte. So hatte er sich wenigstens nicht mit dieser Witzfigur von Miniaturhutständer herumschlagen müssen.

Nachdem Dazai seine (unverdiente) Strafe abgearbeitet hatte, war er wie auch sonst an einem freien Nachmittag einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nachgegangen: Er hatte sich ein Café gesucht und nach einer geeigneten Kandidatin für einen romantischen Doppel-Selbstmord Ausschau gehalten. Kaum das er sie jedoch gefunden, angesprochen und gefragt hatte, hatte sie ihn nicht nur prompt abgewiesen, sondern zudem noch ein lebenslängliches Hausverbot ausgesprochen. Ebenfalls völlig zu Unrecht.

Und zu alledem war auch noch sein täglicher drei Uhr Selbstmord gescheitert, da so ein X-beliebiger Passant es für nötig gehalten hatte, ihn dabei aufzuhalten, von der Brücke in den Fluss zu springen.

Er war doch nur ein normaler, unschuldiger junger Mann, der sich nichts sehnlicher wünschte, als diese Welt gemeinsam mit einer hübschen Frau zu verlassen. Warum nur wollte ihm dies jeder verwehren?!

Doch kein von den bisher genannten Dingen war das, was Dazai momentan am meisten herunterzog.

Sein zurzeit größtes Problem bestand daraus, dass ihm einfach rein gar nichts einfiel, womit er den ihm als Partner zugeteilten Gartenzwerg, auch bekannt als Chuya Nakahara, als nächstes auf die Palme treiben konnte.

Aber auch so überhaupt nichts!

Dazai stieß beim Verfehlen der Dose ein langgezogenes Seufzen aus, da wurde er von jemanden angesprochen:

„Sie da! Ja, genau Sie!“

Der Brünette hob erstaunt den Kopf und zeigte mit dem Finger auf sich selbst. „Ich?“, fragte er nochmals perplex und starrte ungläubig die Person vor sich an.

Es war ein Mann Mitte vierzig, offensichtlich Europäischer Herkunft, wie seine langen blonden Haare und starker Akzent verrieten. Er trug ein buntes Batik-Shirt, eine Batik-Hose, sowie ein Batik-Bandana und besaß sogar ein Batik-Schild mit der Aufschrift „Bunt statt Blau“

„Ich weiß, Ihre Lage muss schwer sein“, plapperte er mitfühlend drauf los. Dazais Gesichtsausdruck hellte sich auf.

Konnte dieser Kerl etwa Gedanken lesen? War er vielleicht die Lösung für sein Chuya-Problem?

„Aber bleiben Sie stark! Sagen Sie „Nein“ zu Alkohol und kehren sie diesem widerlichen Gift den Rücken zu! Seinen Sie Bunt statt Blau!“, bei seinen letzten Worten stemmte er unterstützend sein Schild in die Höhe.

Der Mafioso glotzte den Regenbogen in Menschengestalt irritiert an, bis es bei ihm „Klick“ machte. Dazai war zwar ein stolzer Selbstmordfanatiker, aber für einen Alkoholiker gehalten zu werden, tat echt weh! Es war fast schon ein wenig beleidigend.

Die einzige Person die er kannte und aufgrund ihres Weinkonsums einige Gemeinsamkeiten aufwies und einen Entzug vertragen konnte, war Chu-

Noch bevor er seinen Gedanken zu Ende führen konnte, musste Dazai breit und unheilvoll grinsen. Der „Bunt statt Blau“-Mann wich einen Schritt zurück.

Mit einen „Vielen Dank!“ drehte sich Dazai auf dem Absatz um und stürmte los. Das aufgebrachte Hupen als er geradewegs über die Hauptverkehrsstraße rannte, ignorierte er gekonnt.

Dieser komische Europäer hatte ihn auf eine geniale Idee gebracht. Vielleicht würde wenigstens sein Abend angenehm werden.







Mit einem zufriedenen Seufzen öffnete Chuya die Tür zu seinem Apartment.

Sein Tag war bisher, gelinde gesagt, exzellent verlaufen. Er hatte einige einfache, aber dennoch interessante Missionen erledigt, welche so gut wie gar keinen Papierkram erforderten und sich nicht mit diesem Verbandsverschwender Dazai abgeben müssen.

Im Gegenteil. Er hatte selber mit ansehen dürfen, wie sein Partner vom Boss höchstpersönlich zusammengestaucht worden war. Der Rothaarige hätte sich keinen besseren Start in den Tag vorstellen können.

Jetzt noch ein Glas Wein und die Nachricht, dass Dazai seine Aufträge völlig verkackt hatte und der Abend wäre wahrhaft perfekt.

Chuya hängte seinen Mantel an die Garderobe und zog sich die Schuhe aus, bevor er sich mit seinem Laptop auf das Sofa setzte. Wie üblich würde er noch eben seine E-Mails lesen.

Nichts Böses ahnend öffnete er sein Postfach und bekam beinahe einen Herzinfarkt.

253 neue E-Mails.

Normal waren fünf oder sechs.

Dennoch entschloss sich Chuya, trotz unheilvoller Vorahnung, die erste Mail zu öffnen. Vielleicht handelte es sich ja bloß um einen Systemfehler.

Leider nicht.

Kaum öffnete sich besagte erste Mail, wurde er von einem Bild begrüßt, welches wegen seiner Größe wahrscheinlich verboten viel Speicherplatz verbrauchte. „Bunt statt Blau“ stand dort in den verschiedensten Sprachen. Misstrauisch scrollte Chuya weiter runter.

Was. Zur. Hölle.

„Sie sind nicht allein!

Jährlich ertränken über 100.000 Menschen ihre Sorgen, aber vor allem auch sich selbst in Alkohol. Was anfangs als harmloser Spaß beginnt, endet schnell in bitteren Ernst.

Zögern Sie nicht und suchen sie sich professionelle Hilfe unter www.buntstattblau.jp um den Alkohol den Rücken zuzukehren!

Seien Sie Bunt statt Blau!“

„Was zur Hölle?!“, entfuhr es dem Rothaarigen dieses Mal laut, dann öffnete er die nächste Mail.

„Alkohol ist keine Lösung!

Reden sie jetzt über ihre Probleme und Sorgen unter 928659/1416, der Bunt statt Blau Hotline“

„Wollen die mich verarschen?!“, seine Augenbraue begann vor Wut zu zucken als er feststellte, dass es sich auch bei den restlichen 251 Mails um „Bunt statt Blau“-Nachrichten handelte.

Wie kamen die überhaupt an seine Mail-Adresse?! Die Einzigen, die sie besaßen, waren die Mitglieder der Port Mafia. Und von denen würde doch keiner…

„Dazai!“, knurrte Chuya und klappte seinen Laptop zu, bevor er sich eilig die Schuhe wieder anzog, den Mantel griff und mit einem kraftvollen Tritt die Apartmenttür aus den Angeln ans andere Flurende beförderte. Die Rechnung würde er selbstverständlich Dazai senden.

Vorausgesetzt, dieser Verbandsverschwender lebte dann noch.



Zu sagen, dass Chuya kurz vor dem Explodieren stand, wäre schlicht und einfach eine Untertreibung gewesen.

Nachdem er in Badass-mäßiger Manier seine Apartmenttür aus den Angeln getreten hatte, war er schnurstracks zu Dazais Wohnung geeilt, um diesem seien sehnlichsten Wunsch zu erfüllen: zu sterben. Zwar nicht durch Selbstmord, aber tot war ja schließlich tot.

Doch dieser wandernde Verbandskasten hatte anscheinend einige Vorkehrungen getroffen. Er war aus seinem Apartment verschwunden und hatte zudem alles, was nicht zerstört werden durfte, weggeräumt.

Als Chuya sich Eintritt verschaffte hatte und ins Wohnzimmer gekommen war, stand dort nur noch ein kleiner Holztisch mit einem Zettel und einem Saftkarton oben drauf. Beides hatte er näher inspiziert und anschließend wortwörtlich in Grund und Boden gestampft.

Es war kein normaler O-Saft oder so, sondern ein „Regenbogen-Einhorn-Multivitamin-Zaubertrank (Extrabunt)“ mit einer so grellen Verpackung gewesen, dass er beinahe Augenkrebs bekommen hätte. Dazais Nachricht hatte lediglich dafür gesorgt, dass er den Tisch in der Mitte gespalten hatte.

„Wenn du genug davon trinkst, bist du vielleicht irgendwann groß genug, um ihn selber aus dem Regal zu holen.“ Der Kerl war eindeutig mehr als lebensmüde.

Extremst angepisst stapfte Chuya also zurück zu seiner eigenen Bleibe und musste sich darauf konzentrieren, seine Fähigkeit zu kontrollieren, um nicht bei jedem Schritt einen Krater zu hinterlassen.

Auf halben Weg bemerkte er in einigen Metern Entfernung eine Menschentraube. Was zur Hölle war da denn jetzt los? Hatte Akutagawa mal wieder einen Alleingang gestartet und jemanden abgemurkst?! Das würde Unmengen an Papierkram geben! Und darauf hatte der Rothaarige so gar keinen Bock.

Geflissentlich wollte der Mafioso das Alles einfach ignorieren und weitergehen, da passierte plötzlich das Unmögliche: Die Menschenmenge teilte sich und gab den Blick auf etwas, nein, jemanden frei. Besagte Person besaß braune Haare, war von Oben bis Unten in Bandagen eingewickelt und zeigte mit ausgestrecktem Finger geradewegs auf Chuya.

„Dazai!!!“, knurrte der Rothaarige und ging bedrohlich auf seinen Partner zu. Der Asphalt der Straße war ihm momentan egal.

Ohne Vorwarnung drehten sich auf einmal die um Dazai stehenden Personen um und musterten den anderen Mafioso besorgt. Erst jetzt viel diesem auf, dass sie alle bunte Batik-T-Shirts trugen.

„Das ist er“, sprach Dazai seelig lächelnd. „Ich habe versucht, ihn zu einer Therapie zu bewegen, aber er weigert sich strikt. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich bemühen würden. Aber seien Sie bitte vorsichtig, er kann sehr aggressiv werden.“

„Ich bin nicht aggressiv!!!“, brüllte Chuya überhaupt nicht aggressiv zurück und hob ebenfalls nicht drohend eine Faust. „Und jetzt komm gefälligst her, damit ich dir-“, er hielt inne, da ihm jemand eine Hand auf die Schulter legte. Überrascht wandte er den Kopf und musste aufsehen, um dem anderen Mann ins Gesicht blicken zu können.

Der Mann war wahrhaftig ein Riese (und ausnahmsweise lag es mal nicht an Chuyas eigener Größe). Wie alle trug er ein Batik-Shirt, zusätzlich mit einer Aufschrift in westlichen Buchstaben. „Bunt statt Blau“, wenn Chuya es richtig erkannte.

„Alkohol nicht gut“, sprach er mit einem starken russischen Akzent, obwohl er mehr wie ein Afrikaner aussah. „Alkohol haben keine Vitamine, deswegen du so klein. Du kommen mit Sushi essen. Sushi viele Vitamine, Sushi guuut!“, grinste er.

Chuya musterte den afrikanischen Russen verstört und machte einen Schritt zurück. Von diesem Kerl wollte er lieber kein Sushi annehmen. Am Ende würde er noch mit einer Lebensmittelvergiftung im Bett liegen.

Stattdessen beschloss er, obwohl es ihm gewaltig gegen den Strich ging, Dazai einfach Dazai und die Bunt statt Blau Truppe einfach Bunt statt Blau Truppe sein zu lassen und lieber schnellstmöglich seinen E-Mail Account zu ändern.

Doch bereits an der nächsten Kreuzung blieb der Mafioso wieder stehen. Dort klebte an einer Hauswand ein Plakat. Aber nicht irgendein Plakat. Es war das Plakat einer Selbsthilfegruppe für Suizidgefährdete. Eilig zückte Chuya sein Handy und fotografierte breit grinsend das Papier.

Er würde Dazai mit seinen eigenen Waffen schlagen!






Bunt statt Blau ist eine Kampange gegen Alkohol und existiert wirklich (Bitte fühlt euch nicht beleidigt). Wir mussten in Kust ein Plakat dazu erstellen und es einsenden. Aber ich kann nicht malen und habe stattdessen das hier fabriziert. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal  an meine Partnarin, die wesentlich produktiver als ich war und dank der wir nicht verkackt haben. Auch wenn wir beide unser Plakat immer noch für Müll halten...

Für mich persönlich hört sich "Bunt statt Blau" an, als solle man statt Alkohol zu Drogen greifen.

Fragt mich bitte nicht, wie ich auf die Idee kam, Simon aus Durarara!! zu integrieren.
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