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Die geheimen Träumer

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
16.07.2019
16.10.2019
34
180.483
4
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17.07.2019 656
 
Einen Tag später, nachdem ich mir alles gründlich überlegt hatte, schrieb ich Denise einen Abschiedsbrief und teilte ihr mit, was ich gesehen hatte. Danach verkroch ich mich in meiner Tierarztpraxis und stürzte mich in die Arbeit, was mir trotz einiger Ausraster relativ gut gelang.
Und am Abend, kurz bevor ich den Nachhauseweg antreten wollte, erschien Denise in der Tür – tränenüberströmt und am Boden zerstört. Ich kommandierte sie sofort wieder hinaus und teilte ihr mit, dass es nichts mehr zu sagen gab. Außerdem gab ich ihr auch meinen Verlobungsring wieder und löste unser Bündnis damit offiziell auf.
Wir waren Geschichte. Endgültig. Das hieß, sofern es jemals überhaupt ein Wir gegeben hatte. Sie flehte mich zwar an, ihr zuzuhören und sie erklären zu lassen – doch davon wollte ich nichts wissen. Stattdessen schmiss ich meine Unterlagenmappe nach ihr und schrie sie an, dass sie sich zum Teufel scheren konnte und mit ihrem Joshua glücklich werden sollte.
Als sie noch immer nicht gehen wollte, packte ich sie unsanft an der Schulter und schmiss sie hinaus, bevor ich die Tür mit einer solchen Wucht zuknallte, dass sie beinahe aus den Angeln fiel.
Ich schrie so laut ich konnte und sah nur noch rot, verursachte durch diesen Wutanfall ein ziemliches Chaos in meiner eigentlich relativ ordentlichen Praxis.
Nachdem ich mich entsprechend abreagiert hatte, sank ich auf den Boden – und zum allerersten Mal seit dem vorangegangenen Abend konnte ich meine verdrängten Emotionen zulassen. Eiskalt strömten Tränen meine Wangen hinunter, während ich Denise innerlich mehrfach verfluchte – und Joshua gleich mit dazu.
Sollte sie doch zu ihm gehen. Sollte sie mit ihm glücklich werden. Mich hatte sie sowieso von vorneherein nur benutzt. Geliebt hatte sie mich nie – es war einfach nur ein eiskaltes Spiel für sie gewesen. Eine Notlösung, weil sie ihn nicht hatte haben können. Und jetzt, da er frei für sie war, brauchte sie mich nicht mehr. Ich hatte ihr nie irgendetwas bedeutet. Nicht einmal das Geringste. Alles war nur eine Lüge gewesen. Eine dreiste, egoistische Lüge.
Den Kopf in den Armen vergraben, saß ich da und fühlte mich wie ausgebrannt. Wieso war ich so blind gewesen? Warum hatte ich das alles nicht früher kapiert? Warum war ich Trottel auf sie hereingefallen?
Ich wollte diese Frau niemals wiedersehen. Sie konnte bleiben, wo der Pfeffer wuchs. Und ihr feiner Joshua gleich mit.

Es verging einige Zeit, in der Denise noch mehrere Versuche startete, mir alles zu erklären und mich zu kontaktieren – doch ich blockte jeden einzelnen davon rigoros ab. Ich wollte mit ihr nichts mehr zu tun haben. Sie sollte mich einfach nur in Ruhe lassen.
Was sie getan hatte, das ließ sich nicht erklären. Das ließ sich nicht rechtfertigen. Und schon zweimal nicht verzeihen. Dieser Verrat, diese endlos tiefe Enttäuschung, diese Leere – das war selbst für jemanden wie mich zu viel.
Sie sollte sich einfach nur von mir fernhalten und zu ihrem tollen Joshua gehen. Ihn hatte sie schließlich von Anfang an gewollt. Dann sollte sie halt mit ihm rumturteln und ihm die Zunge in den Hals stecken, bis sie daran erstickte. Es war mir egal. Diese Frau war für mich gestorben. Unwiderruflich und für immer.
Mit der Zeit machte es in Bichlheim natürlich die Runde, dass unsere Verlobung gelöst war – auch wenn ich die tatsächlichen Gründe nur zwei Menschen anvertraute. Doch dennoch sorgte es eine Weile für Gesprächsstoff, ganz besonders, weil Denise und ich laut der Meinung einiger Leute ja „so ein tolles Paar“ gewesen waren.
Ganz ehrlich: Ich hätte mich am liebsten übergeben. Dieses Gefasel vom Traumpärchen und der heilen Welt, die wir angeblich immer gehabt hatten, war nichts weiter als leeres, billiges Geblubber. Denise und mich hatte es nie gegeben. Das war eine Illusion gewesen. Nichts weiter als eine Illusion. Sie hatte immer nur IHN geliebt. Immer. Ganz egal, was sie mir auch erzählt hatte. Und deshalb beschloss ich auch, an diese Frau nicht einmal mehr einen Gedanken zu verschwenden. Für mich gab es sie nicht mehr. Niemals wieder.
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