Only you

von Yesaja
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
15.07.2019
06.11.2019
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16.07.2019 3.891
 
Kapitel 2

Die Wochen verliefen zum Glück mit vielen Kunden und einigen Stunden mit der Nadel auf der Haut.
Die ersten Tage, hatte Nancy noch an ihren Hawaiianischen Krieger gedacht, von dem sie nicht mehr wusste, als den Vornamen. Aber weil sie kein Typ für Beziehungen war, vergaß sie das ganze, je mehr Arbeit sie hatte.
„Nanc, du hast heute nur noch einen und für Morgen.... niemand? Hast du die alle gestrichen?“
Nancy drehte sich zu Jess und zog ihre Handschuhe aus. Mit einem 'Kling', fiel der Mülleimer Deckel zu.
„Ich gehe mit Stevie auf ein Konzert und wollte mir den Vormittag frei halten. Die kann ich alle dazwischenschieben, sind keine großen Flächen.“ Sie hielt ihrem Kunden den Spiegel, damit er sein Tattoo genauer betrachten konnte und schickte ihn dann freundlich zu Jess, für ein Foto. „Du bekommst dann ein Vorher nachher Foto, wenn du möchtest, sag ihr einfach Bescheid!“ Der Pro Wrestler bedankte sich und steuert Zielstrebig den Tresen an.
„Jess, machst du meinen Platz dann fertig für den nächsten? Ich gehe kurz hoch, bin in 10 Minuten wieder da!“
„Geht klar!“, nickte diese und sah ihrer Freundin nach.

Die Shop Tür öffnete sich und kündigte mit einem bimmeln, den nächsten Kunden an. Jess gab ihrem Gegenüber das First Day Paket und erklärte ihm, wie er es benutzen solle, ehe sie sich um den gerade an den Tresen tretenden Greg kümmern konnte. „Hey", begrüßte er die kleine Brillenträgerin mit einem smarten Lächeln. „H, Hy!“ Jess grüßte ihn, leicht stolpernd und zog seine Karte aus dem Stapel von Nancys Kunden. „Wie geht es dir? Mit dem Tattoo alles ok?“ Sie versuchte ein Gespräch zu beginnen, obwohl sie nicht wusste, worüber sie mit ihm hätte reden können. „Ja alles gut. Nancy schon fertig oder soll ich noch warten?“ Innerlich verdrehte Jess die Augen. Warum waren die Kerle, die sie gut fand, eigentlich immer nur an Nancy interessiert?
„Gib mir fünf Minuten, dann ist der Platz fertig.“ Er nickte und drehte sich in die andere Richtung, um in den Wartebereich zu gehen.

„Jess, ich bin wieder da! Bist du fertig?“ Greg spitzte die Ohren und verrenkte sich fast den Hals, um einen Blick auf sie werfen zu können. „Dein nächstes Opfer ist schon da.“ Es klang leicht zynisch, aber das registrierte niemand sonst.
„Du Nanc, ich habe die nächsten drei Tage frei, denkst du bitte daran?“ Mindy rollte mit dem Hocker von ihrem Kunden weg, Richtung Mülleimer um dort ihre Handschuhe zu entsorgen. „Wir haben fünfjähriges und wollen ein paar Tage weg!“ Der bunte Kopf ihrer Chefin lugte durch die Tür und lächelte sie an. „Logo! Alles dick und Fett notiert. Außerdem ist Jess für deine Termine verantwortlich. Ich nur für die Freien Tage.“ „Bin ich dann ganz ohne Frau hier?“ Beau sah über seine Brille hinweg und wusste nicht, wen von den dreien er sich ansehen sollte. „Jopp!“, drehte sich Mindy zu ihrem Kunden und half ihm in sein Shirt. „Ja für Morgen bist du alleine Pop Pop.“ Nancy kam nun doch aus ihrem Büro und gab Beau einen Kuss auf den Kopf. "Aber Jess wird dir alles Vorbereiten und Gesellschaft leisten, wenn du willst.“

„Greg, du kannst kommen!“ Jess strahlte ihn trotz der Abfuhr wieder an. Leicht beflügelt kam er auf sie zu, dankte ihr und setzte sich, Oberkörper frei auf den Stuhl. Nancy zog ein Paar Handschuhe aus der Box und streifte sie sich über, ehe sie sich zu ihm drehte. „Guten Tag schöne Frau.“ Greg lag entspannt auf der Kunstleder Liege und schmunzelte. „Ach guck an, ich bekomme einen Kaffee!“, rollte sie mit Schwung in seine Richtung und schenkte ihm ein geheimnisvolles Lächeln. Direkt kam sie ihm näher um auf der Schulter nach Flecken oder Löschern in den Linien zu suchen.
„Nicht nur den Kaffee!“, raunte er ihr ans Ohr, welches gerade auf seiner Höhe lag. Sie lächelte und suchte weiter die Stellen ab, die sie nach gestochen hatte. „Schauen wir Mal, wie groß dein Mundwerk ist, wenn wir fertig sind!“
Sie baute ihre Farben auf und setzte ihre Maschine zusammen. Immer wieder sah sie zu ihm, da sie merkte, wie er sie anstarrte.

Drei Stunden stach sie über das Tattoo, welches an seinem Rippenbogen entlang ging. Ihr Rücken schmerzte von der gebückten Haltung und ihre Hand brauchte eine Pause. „Wollen wir kurz Unterbrechen und dann weitermachen oder kommst du noch mal wieder?“ Greg setzte sich auf und ließ den Arm runter. „Ich komme wieder, dann sehe ich dich nämlich auch wieder!“, zwinkerte er. „Außerdem brauche ich den Arm noch und wenn ich den noch länger hochhalten muss, wird das morgen nichts.“

„Dann mach ich das eben sauber und Jess gibt dir einen neuen Termin!“ „Hee, langsam, langsam“, hielt Greg Nancy am Bein fest und zog sie mit ihrem Hocker zurück zu sich. „Wann soll ich dich abholen?“ Nancy spürte seinen warmen Atem im Gesicht und lächelte ihn an. „Kommt darauf an. Für einen Kaffee kannst du direkt warten und ...“ Sie legte ihre Lippen an sein Ohr, streifte es leicht und hauchte ihm ihre Worte hinein.
Jess beobachtete das ganze und gab die Hoffnung auf, das sie bei ihm landen konnte, er hatte sein Ziel scheinbar erreicht.
Als er endlich zu ihr an den Tresen kam, aber immer noch seine Augen auf Nancy geparkt hatte, suchte sie genervt einen Termin raus. „In zwei Wochen?“ Man hörte ihr nun auch an, das sie keine Motivation mehr hatte, sich mit ihm auseinanderzusetzen. „Hey! In zwei Wochen?“, schnipste sie mit den Fingern vor seinem Gesicht. „Ja Jess, in zwei Wochen!“, antwortete dann Nancy, amüsiert. Schnell und mit druck, schrieb sie ihm den Termin auf, knallte den Zettel mit einer neuen Salbe auf den Tresen und verabschiedete ihn. „Bis später!“, zwinkerte er Nancy zu und verließ, mit nachdruck von Jess, den Shop. Sie drehte sofort den Schlüssel im Schloss um und atmete hart aus.

„Sag Mal, wie machst du das? Ich versuche es seit Monaten bei ihm, während du ihn immer abblitzen lässt und nichts passiert. Er hat nie aufgegeben und nun willst du doch.. Das Nervt mich.“ Die Rothaarige lief an ihrer Chefin vorbei und holte ihre Reinigungs-Utensilien, um Nancys Platz sauberzumachen. „Im Gegensatz zu dir, bin ich nicht auf eine Beziehung aus, sondern auf Spaß! Das merken die auch. Wenn mal einer bleibt, ist es eher Zufall, du kennst mich!“
„Ja tue ich, deshalb frage ich mich, warum wirklich jeder, an deinem Arsch klebt.“ Lachend fasste sich die Größere an ihren Hintern. „Weil der Geil ist?“ „Nanc, kannst du auch mal Ernst bleiben?“, rollte Jess die Augen und wischte über die Liege. „Ganz im Ernst? Was willst du von mir? Soll ich ihn fragen, ob er es dir macht, bevor er wieder abfliegt?“ Nancy legte ihre Maschine in den mit Samt ausgeschlagenen Kasten und knallte den Deckel zu. „Es steht nun mal nicht jeder Kerl auf Beziehung oder auf deine Brillen oder auf Arsch lange Haare. Ebenso steht auch nicht jeder auf meine bunten oder auch mal kurzen Haare oder meine Tattoos, Piercings, weiß der Geier. Wenn sie herkommen, verbringen sie mehr Zeit mit mir, als mit dir! Isso.“

Zum Glück hatten die anderen sich vor einer Stunde bereits zum Essen verabschiedet und bekamen den kleinen Streit zwischen den Freundinnen nicht mit. Sie waren, mit Nancys Affären nicht immer so einverstanden, aber es war ihr Leben und es waren zu 60% ihre Kunden, die sie abschleppte, also hielten sie sich da raus. Sie wollten nur keinen Zoff deswegen im Laden und genau das, passierte aber gerade. „Ich will keine Almosen, ich verstehe es nur nicht.“
„Soll ich ihn fragen?“ „Untersteh dich, damit ich ihm überhaupt nicht mehr in die Augen sehen kann oder was? Nein danke!“ Nancy setzte sich an den Tresen und holte sich neues Zeichenpapier aus der Schublade. „Außerdem dachte ich, die sollen so frisch gestochen nicht durch die Laken rutschen?“ Jess tauchte neben ihr auf und stellte die Flasche Desinfektionsmittel zurück.
„Er hat jetzt circa vier Stunden sich zu erholen und ich kann dir versprechen, er muss nicht durch die Laken rutschen!“
Mit einem frechen Grinsen, bei dem sie sich leicht auf die Zunge biss, sah sie zu ihrer Freundin hoch.
„Keine Details!“, wehrte diese ab und schnappte sich ihre Tasche. „Wir haben schon vier, kommst du mit? Du musst was essen, bevor du dir die Nacht um die Ohren schlägst!“ Beide verließen das Geschäft und gingen die Straße hinunter zu einem Veganen Diner.

Nach Feierabend saß Nancy noch immer an ihren Zeichnungen für die kommende Woche, als es an die Scheibe klopfte. Greg stand breit grinsend davor und winkte. Sie löschte das Licht, schnappte sich Tasche, Smartphone und Schlüssel und verließ den Shop. Nachdem sie das Rolltor geschlossen hatte, packte Greg sie am Oberarm, drehte sie herum und drückte sie leicht dagegen. „Wollten wir nicht was trinken gehen?“ Nancy sah ihn allerdings nicht so an, als hätte sie das auch nur eine Sekunde Ernst gemeint. Sie legte ihre freie Hand in seinen Nacken und drückte ihn zu sich nach unten. „Deine Versprechungen haben sich besser angehört, als die Idee mit dem trinken gehen!“, raunte er ihr entgegen und presste seine Lippen auf ihre. Seine Zungenspitze fuhr auf ihrer Unterlippe entlang. Überrascht von seinen sanften Lippen und der Art wie er sie Küsste, stöhnte sie Zufrieden auf. Eher er sie hochheben konnte, stoppte sie ihn. „Wir stehen vor meinem Shop, vergiss es! Lass uns hochgehen!“

Die Sonne strahlte in den kleinen Raum, in dem Nancys Bett stand. Genervt drückte sie sich ihr Kissen auf die Augen.
Sie hatte schon wieder vergessen den Vorhang zu schließen. Greg und sie hatten sich einige Stunden vergnügt und zwischendurch sogar noch eine Pizza bestellt, weil er Hunger bekam und sie, typisch Single, nichts im Kühlschrank aufweisen konnte. Ihr Veganes Lieblings Diner, hatte aber rund um die Uhr geöffnet und das nutzte sie aus.
Frisch gestärkt ging die Nacht noch bis um vier. Sie unterhielten sich über das Tattoo, das er noch ausarbeiten lassen wollte und um die vielen Bilder, die in ihrer Wohnung hingen. Bei dem Gedanken daran wie die Nacht geendet hatte, kribbelte es erneut in ihrem Bauch. Sie erschrak, als sie die Dusche hörte. Blitzschnell fuhr sie hoch. „Ich dachte, du bist schon längst weg!“, rief sie ins Bad und rieb sich durchs Gesicht.
Greg erschien in der Tür und lächelte. „Nein, ich bin gerade aufgestanden, werde jetzt duschen gehen, du kannst dich übrigens beteiligen, dann werde ich mich anziehen und uns einen Kaffee und Frühstück besorgen!“ Er drehte sich um und Nancy streifte mit ihren Blicken seinen Knackarsch, biss sich auf die Unterlippe und schmunzelte. „Hört sich nach nem Plan an!“, stürzte sie aus dem Bett und folgte ihm.

Kichernd und wild miteinander redend, stürzten die beiden in den Shop, in dem Jess und Beau ihrer Arbeit nachgingen. „Was machst du denn hier?“ Jess sah nicht gerade begeistert aus, als die beiden vor ihr zum Stehen kamen.
„Wir kommen gerade vom Frühstück und werden auch gleich wieder verschwinden. Ich muss nur meine Tickets holen.“
Nancy verschwand in ihrem Büro und ließ Greg vorne stehen. Dieser zückte sein Smartphone und scrollte darin herum. Jess saß mit ineinander geschlagenen Armen auf ihrem Platz und beobachtete ihn argwöhnisch. Irgendwann platzte es dann doch aus ihr heraus. „Ich dachte, du fliegst heute wieder?“ Greg sah sie an und schüttelte seine langen Haare.
"Nein, ich gehe mit Nanc auf ein Konzert und dann mal schauen, was das Wochenende so bringt.“ Mit beinahe offen stehenden Mund sah sie ihn an. Das konnte doch nicht war sein, sie wollte doch mit Stevie dorthin.
„NAAAANC!“ Jess sprang aus ihrem Stuhl hoch und raste mit schnellem Schritt zu ihrer Freundin ins Büro.
„Sag Mal, ich denke, du wolltest mit Stevie zu diesem Konzert?“ Nancy lachte und nickte. „Ja, tue ich auch. Stevie tritt mit seiner Band auf und ich werde es mir mit Greg ansehen und hören!“ „Ich dachte das ist nur so eine billige, eine Nacht Geschichte?“ Schnaufend sah Nancy ihre Freundin an. „Habe ich nie gesagt! Außerdem sind meine.. Ach vergiss es! Er ist heiß, also lass mir den Spaß.“ „Das du aber Tagelang diesem Kerl nachgetrauert hast, von der Just White Party, hast du scheinbar vergessen! Deine Moral möchte ich haben!“ „Ich habe überhaupt nichts!“, dreht sich die größere sauer weg und verließ das Büro zielstrebig. „Streich meine Termine für nächste Woche, ich melde mich bei ihnen!“, rief sie ihr noch zu, ehe sie den Laden verließ. „Die spinnt doch!“ Beau schaute in Jess Richtung, die leise vor sich her Fluchte und zuckte mit den Schultern.

Nancy flog spontan mit Greg nach New York, da er dort Filmaufnahmen hatte. Als Stunt-double hatte er nicht viel zu tun, aber Nancy war trotz allem fasziniert. Sie hatte sich in der Woche, in der sie mit ihm unterwegs war, nicht bei Jess gemeldet, es stank ihr, das sie ihr wieder die Moralkeule um die Ohren schmetterte, wo sie von Anfang an wusste, wie sie war. Nancy liebte Männer, sie liebte Sex und sie hatte gerne ihre Freiheit, also tat sie, was sie wollte, mit wem sie es wollte und sooft, sie es eben wollte. Sie hatte in jungen Jahren Beziehungen gehabt, die irgendwie mit der Zeit öde wurden.
Sie fühlte sich eingesperrt und wie es oft bei jungen Kerlen war, sie konnten zwar immer und überall, aber sie lernten das alles erst. Jetzt war sie in einem alter, da gab es für sie keine Typen mehr, die nicht genau wussten, was sie da Taten und sie war nicht die Lehrerin gewesen, sondern durfte von den reifen Früchten kosten.
Die letzte Beziehung, die sie ausprobiert hatte, ging tierisch in die Hose. Er war eifersüchtig auf all die Sportler und Schauspieler, die sich von ihr Stechen ließen. Er selbst war Sportler und wusste, wie es war, wenn man Wochenlang unterwegs war und er kannte die Vorzüge seiner Nancy genau. Umgekehrt war sie nie eifersüchtig, obwohl er als Pro Wrestler, zu den heißen Exemplaren gehörte und viele Frauen scharf darauf waren, ihn abzuschleppen.
Sie wusste, er kommt zu ihr nachhause. Nach dem Ende der Beziehung, die nun auch schon zwei Jahre zurücklag, schwor sie sich, nur noch ihren Spaß zu haben.

Völlig in ihren Gedanken verfallen, bekam sie nicht mit, wie Greg auf sie zu kam und mit einem Kuss aus ihren Träumereien riss. „Woran denkst du?“ „Ach, ich habe nur gerade darüber nachgedacht, wann ich das letzte Mal einen Kerl so lange an meiner Seite hatte. Mehr wie ein Wochenende hat schon ewig niemand mehr geschafft!“ Leicht auf knurrend nahm er sie in seine Arme und grinste. „Das finde ich nicht Mal so verkehrt. Das hört sich sogar sehr gut an und ich hätte nichts dagegen, das zu verlängern. Noch Mal.“
„Langsam Cowboy, ich werde mich nicht so schnell festlegen! Ich habe gesagt, eine Woche, mehr nicht!“
„Irgendwann wirst du das ganz sicher...!“, flüsterte er ihr ins Ohr, ehe er sie fest an sich drückte.
Sie verbrachten die ganze Woche und das Wochenende miteinander, bevor sie zurückflog. Länger konnte sie die Kunden nicht schieben, sonst würde sie nicht mehr hinterherkommen.

Zurück im Shop, atmete sie tief durch, sie hatte es vermisst. Ihren Laden, den Geruch nach Farbe, Jess Wundermittel zum Reinigen, der Duft nach Menschen, nach Leben und Freiheit. Zufrieden ging sie ins Büro und sah die Post durch, die auf dem Tisch lag. Dazwischen fand sie einen Brief ohne Absender.
An Nancy, die Göttin in Weiß! Stand auf dem Umschlag.
Langsam öffnete sie ihn und zog den Brief raus, der darin zu finden war.

Hallo Schönheit,

ich war die tage in deinem Shop, habe nach dir gesucht, aber du warst leider nicht da.
Seit Wochen muss ich an dich und unseren 'Tanz' denken. An deine warme, weiche Haut.
Deinen Geruch und dein lachen, das noch immer in meinem Ohr liegt und an deine vollen Lippen, wie sie auf meinen liegen.
Vielleicht sehen wir uns ja bald wieder, würde mich freuen!

Jason


Nancys Herz kloppte unaufhörlich. Er war zurück in ihrem Bewusstsein. Dieser Wahnsinns Kerl.
Total in ihren, wenn auch heißen, Erinnerungen, hörte sie nicht, wie vorne das Rolltor hochging und Jess die Tür aufschloss. Erst als ihre Freundin neben ihr stand und sich bald ein gepinkelt hätte vor Schreck, kam sie wieder ins hier und jetzt zurück.
„Verdammt Nanc, warum hockst du hier rum?“
„Sorry! Ich habe nur die Post nachgesehen, wollte danach alles aufmachen.“
„Und was hat dich da so aus den Latschen gerissen?“ Jess hängte ihre Tasche an den Haken und setzte einen Kaffee auf. „Jason!“ „Was?“, fuhr Jess zu ihr rum. „Jason hat mir eine Nachricht hinterlassen. Wann war er denn hier?“
„Das wollte ich dich auch gerade fragen Nancy, ich habe keine Ahnung! Du hast mir ja nie beschrieben, wie er aussieht.“

Das Gesicht der Tätowiererin erstrahlte. „Groß, ähnlich wie Greg und Muskulöse breite Schultern, Sixpack. Lange, lockige braune Haare, ein Wahnsinns Körper und dieses Lächeln, das ganze Eisblöcke zum Schmelzen bringt. Und die Augen, ich hätte darin baden können.. hell und ausdrucksstark. Er hat so einen kleinen Cut in der linken Braue und einen Bart.
Er strahlte mich förmlich an und .. Nein, vergiss es, keine Details!“
Jess saß mit offenem Mund vor ihr. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du hast mir gerade den begehrtesten Schauspieler unter der Sonne beschrieben!“
„Ich weiß nichts von ihm, keine Ahnung. Jedenfalls war er letzte Woche hier und hat mich gesucht.“
Sie zeigte Jess den Brief. „Ach wie süß, Nancy bekommt nen Liebesbrief!“, machte sie sich etwas lustig, obwohl sie es irgendwie toll fand. „Quatsch, es ging nur um Sex, mehr nicht! Vielleicht will er sich nur nen Nachschlag holen!“

Für Gefühle hatte Nancy einfach keine Zeit und auch keine Nerven.
Aber Jess, wäre nicht Jess, wenn sie nicht ab und zu Mal nach stochern würde. „Wenn man sich das genauer ansieht, muss man aber ehrlich sagen, das liest sich schon nach Sehnsucht und nicht nach der Suche für den nächsten Fick!“
„Wir werden es sehen und so lange bitte ich dich, halt die klappe!“

Nancy organisierte ihre Kunden neu, musste aber zugeben, dass ihr das ganze auch nicht wirklich aus dem Kopf ging. Selbst die Nächte mit Greg, die nicht vergleichbar mit ihren anderen Affären waren, kamen gegen diese eine Nacht nicht an. Leidenschaftlich, hingebungsvoll und doch zärtlich. Sie spürte das Kribbeln auf der Haut, als sie daran dachte, wie er sie angesehen hatte, wie er roch und sie einfach nur festhielt und küsste.

Tagelang ging ihr das nun wieder nicht aus dem Kopf. Sie säuberte gerade ihre Maschine, als die Tür aufging und schwere Schritte zu hören waren. „Ich bin gleich da!“, rief sie nach vorne, Jess und die anderen waren in der Mittagspause, daher musste sie sich nun selbst um die Kunden Kümmern. Die Schritte hörten aber nicht auf und sie konnte hören, wie sie zum Büro kamen. „Ich habe gesagt...“ Augenblicklich verstummte sie. „Hallo Schönheit.“ „Jason... Was... Was tust du denn hier?“ „Die Begrüßung ist dir gelungen!“, schürzte er die Lippen und grinste sie dann an.
„Ich hatte dir eine Nachricht hinterlassen.“
Nancy nickte. „Die habe ich bekommen.“ „Dann müsstest du wissen, das ich nicht hier bin um mir einen Termin zu holen, wobei, vielleicht tue ich das sogar, aber hauptsächlich bin ich hier, weil ich immer wieder daran denken musste...“
Seine Stimme wurde leiser und sanfter, er näherte sich Nancys Gesicht, schob seine Hand an ihre Wange und berührte ihre Nase mit seiner, ehe er ihr seine Lippen auf den Mund legte und in einen innigen Kuss an sich zog.
„Lass uns nach oben gehen.“ Nancy sah ihn fordernd an. Sie schloss den Shop ab und ging mit ihm durch das Büro in den Hausgang zur Wohnung. Oben angekommen, ließ er ihr keine Zeit um fragen zu stellen oder ähnliches. Er versiegelte ihre Lippen, hob sie auf seine Hüfte und diesmal brachte er sie direkt ins Schlafzimmer.

„Wie lange bist du hier?“, fragte Nancy, die sich auf seine Brust gelegt hatte. Ich fliege morgen weiter, keine Ahnung wie lange ich diesmal unterwegs bin.“
„Stehst du dann irgendwann wieder überraschend vor meiner Tür oder was ist das hier mit uns?“
Er setzte sich auf und band seine Haare in einen Bun. „Hör zu, ich bin wirklich hin und weg von dir, aber....“
„Du hast ne Freundin!“, unterbrach sie seine Pause. „Jein.. Ehefrau.“
Schockiert setzte sich Nancy vor ihn. „Ehefrau?“ „Wir sind getrennt, aber haben das ganze noch nicht öffentlich gemacht.“ „Also weiß sie das du mit anderen Frauen ins Bett gehst?“ „Ich denke sie weiß es. Wir beide waren schließlich auf einer Party zusammen und die Fotos von uns auf der Tanzfläche waren... eindeutig!“
„Fotos?“ "Diese Veranstaltung hat Fotos öffentlich gemacht, ja. Aber das wusste vorher jeder, das ein Fotograf Fotos machen und veröffentlichen würde, schließlich waren Promis anwesend. Ich habe nur nicht mehr wirklich daran gedacht.“ Nancy zog sich die Decke über den Kopf. „Na Bravo. Sah ich wenigstens gut aus?“ Sie musste unweigerlich lachen.
„Heiß, wie immer!“, antwortete er und zog sie an sich. „Halt, bevor du wieder aus meinem Leben verschwindest, zeig mir das Tattoo!“

Sie verbrachten den restlichen Tag in ihrer Wohnung. Sie hatte sich eine Ewigkeit über das Tattoo und die Art, wie es gestochen wurde, informiert und genossen dann die Zeit miteinander, ehe sie ausgepowert in einen tiefen Schlaf fielen.
Als Nancy am nächsten Morgen erwachte, war er weg. Kein Zettel, nichts.
„Ok, diese, Ich Vögel sie in den Tiefschlaf und verpiss mich dann, Nummer, hat er drauf, das muss man ihm lassen.“

In ihren After Sex Joggers, wie Jess diese Hose nannte, stiefelte Nancy in den Laden und bereitete ihre Maschine vor. „Guten morgen Karnickel! Dass du noch laufen kannst wundert mich!“ „Jess kam auf sie zu und stellte ihr Kaffee und einen Bagel auf den Tisch. „Laufen ja, sitzen wird problematischer, liegen ist am besten!“, lachte Nancy laut los.
„Wusste nicht das Greg in der Stadt ist, der soll doch erst nächste Woche hier auftauchen?“
Nancy nahm einen Schluck Kaffee und schaute sie an. „War nicht Greg, war Jason!“
Jess prustete ihren Kaffee durch den Shop und hustete. „Jason?“
„Ja Jason! Und nein, ich weiß nicht mehr über ihn, ich will keine weiteren Infos von den Männern, mit denen ich nur ins Bett gehe, das weißt du!“
„Ich habe ihn schon wieder verpasst? Das ist doch.. kacke! Seht ihr euch wieder?“
„Keine Ahnung.“ Jess rollte mit den Augen. „Und was ist mit Greg?“
„Was soll mit ihm sein? Wir hatten unseren Spaß. Keine Ahnung, ob daraus was werden könnte.“
„Willst du diesen Jason an dich Binden?“ „Nein, er ist verheiratet.“
Entsetzt ließ sich Jess in einen Stuhl fallen. „Ich denke du weißt nichts über ihn. Warum vögelst du ihn, wenn du weißt, das er eine Frau hat?“ "Ich wusste es erst danach und ja, eigentlich auch vor den letzten malen.  Angeblich sind sie getrennt, keine Ahnung. Er ist weg, bevor ich wach war. Für ihn ist das ein reines, Sex Ding, wie für mich auch, aus Ende!“

Jess sah ihre Freundin argwöhnisch an. „Wers glaubt!“ „Jess, ich meine es ernst. Er ist das zweite Mal abgehauen, also ist da auch keine Absicht es zu ändern. Und ich hatte ne gute Zeit mit Greg. Aus einer Nacht hat er direkt eine Woche gemacht.“ Mit erhobener Augenbraue sah Jess ihre Freundin an. Glauben konnte sie das nicht, aber was sollte sie machen?