Der richtige Zeitpunkt

von Jackymi
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
15.07.2019
02.10.2019
20
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„ Marinette?“, höre ich Adrien hinter mir rufen und drehe mich zu ihm um. Er steht ein Stück abseits von mir und lehnt lässig gegen einen der vielen Bäume hier im Park. Hält sich seine Hand fest gegen die Stirn gedrückt. „ Die Prügel die du mir verpasst hast, waren wirklich nicht von schlechten Eltern.“, grinst er mir verschmitzt entgegen. Was? „ Adrien ich habe keine Ahnung was du meinst.“, schüttle ich meinen Kopf und ziehe verwirrt meine Brauen zusammen als ich auch schon eine Schnur zwischen meinen Fingern spüre. Ich schaue an mir runter. Mein Jo-Jo baumelt an meiner Hand und ich bin in meinen roten Anzug gehüllt. Ruckartig ziehe ich die Luft ein als mein Herz kurz aussetzt. Wie hat er mich gerade genannt? Schnell hebe ich den Kopf und schaue zu Adrien hoch, doch Chat sitzt mir gegenüber, auf meiner Holzliege. Was zum Teufel!? Mein Blick wandert hastig auf meiner Terrasse umher als mir ein kalter Schauer die Gänsehaut über meinen Körper jagt. „ Sie wirkt oft so unglaublich traurig, erschöpft und zerbrechlich. Als ob sie vor etwas weglaufen würde. Ich würde gerne mit ihr darüber reden. Hast du eine Idee für mich?“ Ich spüre seine warme, lederbedeckte Hand an meiner Wange und ruckartig richte ich meinen Blick wieder auf ihn als ich mich unter seiner Berührung versteife. Ich lehne mich ein Stück von ihm weg als er meinem Gesicht immer näher kommt, greife nach seiner Hand und nehme sie langsam von meiner Wange hinunter. Was zum!? Meine Hand ist nicht mehr in rotes Leder gehüllt. Ich schaue an mir runter und habe meine normalen Klamotten an. „Was ist hier los!?“, keuche ich atemlos während ich von der Liege aufspringe und sich in der gleichen Sekunde mein Herzschlag vervielfacht. Mir wird ganz schummrig und kurz schließe ich meine Augen. Doch als ich wieder zu Chat sehe steht er vor mir, im Mondschein, auf dem Dach eines Hochhauses. „ Du weißt gar nicht wie wunderschön du bist. Wie schön dein Innerstes strahlt. Und das tut es auch ohne Maske.“ Großer Gott, bin ich wahnsinnig geworden?! In aufsteigender Panik raufe ich mir meine Haare. Mein Blick schweift vom Dach hinunter während mir mein hektischer Atem stoßweise entfährt. Ich schaue noch einmal zu Chat. Aber Adrien steht vor mir. Vor meinem Wohnhaus. Drückt sich fest gegen mich als ich die kalte Tür im Rücken spüre und er seine weichen Lippen auf meine legt. Mit weit aufgerissenen Augen starre ich auf meine, in rotes Leder gehüllten Hände, an seinen Schultern. Mein Herz rast in purer Verzweiflung. Zwischen seinen Küssen haucht er mir zu: „ Ich habe solange auf dich gewartet Ladybug.“ Die brennenden Qualen seiner Worte treiben mir die Tränen in die Augen und schnell schließe ich sie als mir auch schon die ersten, warmen Tropfen meine Wangen hinunter rollen. „ Du brauchst keine Angst zu haben das zwischen uns kaputt zu machen nur weil du mir nicht gleich alles von dir erzählen willst.“  Schluchzend öffne ich meine feuchten Augen und sehe ihn verschwommen über mir. „ Ich liebe dich.“, haucht er mir entgegen und lässt sich auf mich sinken. Nein!! Schnell presse ich meine Augen zusammen und drehe meinen zitternden Kopf zur Seite, spüre den Wind durch meine Haare wehen. „ Bitte Marinette, hasse mich jetzt nicht. Aber ich brauche dich jetzt …als….als…Ladybug.“  

Atemlos reiße ich meine Augen auf als mir mein Herz wegen dieses schrecklichen Alptraumes bis zum Hals schlägt. Und schon bei meinem nächsten Wimpernschlag breitet sich eine Gänsehaut in meinem Nacken aus als ich eine Hand spüre, die mir zärtlich übers Haar streichelt während mein Kopf auf dem weichen, warmen Stoff liegt der mir auch die Sicht versperrt. Mit einem Ruck fahre ich hoch als mir sein Duft in die Nase steigt und ich kann mich gerade noch mit meinen Händen auf dem kalten Steinboden abstützen, bevor ich nach hinten überkippe. Verschwommen sehe ich in Adriens Gesicht, der vor mir sitzt, während mir mein schneller Atem stoßweise entfährt. Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hinunter als mir bewusst wird das ich nicht in meinem Bett, sondern auf Adriens Schoß, hier am Ufer der Seine geschlafen habe. Langsam richte ich mich auf und fahre mir mit den Händen über mein Gesicht während mein Herz wegen seiner Nähe, noch immer wie wild rast. Tief seufze ich in meine Handflächen als ich mein Gesicht darin vergrabe und ich einen Moment brauche, um nach diesem schrecklich verwirrenden und trotzdem leider nur zu realen Traum, wieder klar denken zu können. „ Wann bin ich eingeschlafen?“, frage ich leise mit zitternder Stimme und schaue zu Boden während ich meine Arme vor der Brust verschränke und mich auf meine Beine setzte. „ Gleich nachdem sich deine Verwandlung gelöst hat.“, sagt er mit ebenso leiser Stimme wie ich. „ Du bist  einfach umgefallen und ich konnte dich gerade noch auffangen bevor du auf den Boden geknallt wärst.“ Oh nein! Schnell vergrabe ich mein Gesicht wieder in meinen Händen und ziehe tief die Luft ein als das nur zu bekannte, Übelkeit auslösende Gefühl der Scham meinen Magen nach oben kriecht und sich mit meinem rasenden Pulsschlag vermischt. Ich schüttle über mich selbst den Kopf. Der Krönende Abschluss für einen beschissenen Tag. „ Es war unglaublich krank was da vorhin geschehen ist. Und Tikki hat mir auch von eurem anderen Kampf in der Innenstadt erzählt.“, sagt er mit verständnisvoller Stimme als er meine Reaktion bemerkt. Ich höre ihn näher zu mir rutschen. „ Willst du mir erzählen was mit Lily passiert ist?“, fragt er mit leiser Stimme dicht an meinem Kopf, sodass ich den Luftzug seiner Worte an meinem Haar spüre. Die Erinnerungen daran jagen mir einen Eiskalten Schauer den Rücken hinunter. Und als sein Spiegelbild in meinem Kopf auftaucht dränge ich es schnell in den hintersten Teil meiner Gedanken bevor ich richtig darüber nachdenken kann. Denn immerhin war es ja nicht wirklich er, der mich mit seinen Worten so tief verletzt hat. Und trotzdem fühlt es sich im Moment genauso an. „ Nicht jetzt“, flüstere ich mit fest zusammengekniffenen Augen und schüttle den Kopf um die aufsteigenden Tränen zu vertreiben. Ich atme tief durch und nehme meine Hände vom Gesicht, stütze mich auf meine Oberschenkel und schaue auf meine Finger. Mit einem weiteren Tiefen Atemzug der meinen Herzschlag zumindest ein wenig beruhigt hebe ich meinen Blick und schaue ihm in sein Gesicht. Das nur noch ein kleines Stück von meinem entfernt ist. Sein zögerliches Lächeln das er mir schenkt, ist nicht mehr als sein Versuch sich selbst und auch mich zu beruhigen. Zu gut kenne ich jeden seiner Züge als das er mich damit täuschen könnte. Denn dieses Lächeln erreicht nicht einmal seine Augen in denen ich ganz deutlich seine traurige Unsicherheit ablesen kann. Und ich erkenne die Anspannung in seinem gesamten Ausdruck. Sein Anblick tut mir im Herzen weh und ich weiß genau wie er sich gerade fühlt. Denn ich fühle genau dasselbe. „ Bitte sag mir was du denkst. Über uns.“, bringt er mit fester Stimme hervor. Aber ich höre wie schwer es ihm fällt die Worte über die Lippen zu bringen, bei denen er mich aus seinen großen Augen mit glänzendem Blick ansieht. Ein zitternder Seufzer entfährt mir und ich lasse meinen Blick über die vom Vollmond erleuchtete Seine wandern. Auf der sich das Licht wie ein silberner, funkelnder Teppich bricht. Ich schließe einen Moment meine Augen, weiß selbst nicht was ich über uns denke. Ich dachte immer unser größtes Problem wäre, dass ich Bescheid weiß dass er Chat ist. Er es mir vielleicht nicht verzeihen könnte dass ich so lange geschwiegen habe und er enttäuscht sein wird wenn ich ihm erzähle, dass nur ich es war die die ganzen Jahre über seine Partnerin war. Aber jetzt. Nach seinem kurzen und mehr als unerwarteten Geständnis, das mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat, glaube ich nicht dass das wirklich noch unser größtes Problem ist. Ich hoffe inständig dass er es erst die letzten paar Tage herausgefunden hat aber ich befürchte dass er es schon an dem Abend auf der Terrasse wusste. Denn damit würden alle seine Worte der letzten zwei Wochen auf einen Schlag einen Sinn ergeben. Einen schmerzlichen Sinn. Und es würde erklären wieso er sich plötzlich so um mich bemüht hat. Ich kralle meine Finger bei dem Gedanken fest in den Stoff meiner Jeans und sammle alle Kraft die ich heute noch in mir finden kann. Und trotz der Erschöpfenden Müdigkeit die wie Blei an mir zerrt, wird mein Herz nicht müde mir wild pochend gegen die Brust zu schlagen. Ich schaue verbissen auf meine Hände auf denen sich durch meinen verkrampften Griff schon die Knöchel weiß färben und atme noch ein letztes Mal tief durch. „ Du wusstest es schon an dem Abend vor zwei Wochen auf meiner Terrasse. Hab ich Recht?“, versuche ich so ruhig hervor zu bringen wie ich nur kann aber selbst durch das laute Rauschen in meinen Ohren höre ich das Zittern in meiner Stimme. Doch das ist auch schon alles was ich höre. Nicht ein Wort verlässt seine Lippen, nur sein lautes Seufzen ist zu hören. Doch sein Schweigen ist mir Antwort genug. Oh Gott, ich wusste es. Ich schließe kurz die Augen. „ Und deshalb wolltest du mit mir zusammen sein. Weil du es wusstest.“, flüstere ich mehr zu mir selbst als zu ihm als mir mein Herz einen schmerzhaften Stich versetzt der sich anfühlt als würde es jeden Moment zerbrechen. Hektisch greift er nach meiner Hand: „ Nein das stimmt nicht. Bitte! So darfst du nicht denken!“, redet er atemlos auf mich ein aber ich kann ihn dabei nicht ansehen und schließe meine Augen. Ich ziehe meine Hand aus seiner und verschränke meine Arme fest vor meiner Brust. „ Wie lange weißt du es schon!“, flüstere ich fast lautlos als sein schmerzerfüllter Seufzer an meine Ohren dringt. „ Marinette bitte, du musst mir glauben… ich....ich..“, bricht er sein Gestammel wieder ab als er gleich darauf noch einmal ansetzt: „…. schon eine… ganze…lange… Weile.“, bekommt er dann doch noch heiser über seine Lippen gestottert. Ich öffne meine Augen und hebe langsam meinen Blick bei seinen seltsamen Worten. Und trotz des Schmerzes der noch immer brennend meine Brust durchzieht beginne ich ihn stutzig zu mustern. Eine ganze Weile! Eine ganze, lange Weile ist doch bestimmt auch länger als ein paar Wochen. Ich schaue ihn an. Schaue ihm ernst in seine großen Augen aus denen er mich mit unschuldigen, glänzenden Blick ansieht. Ich höre ihn laut schlucken als er sich durch die Haare fährt. Meine zitternden Hände beginnen zu schwitzend als ich mich näher zu seinem Gesicht lehne. Und trotz meines wilden Pulsschlages der mir fast das Trommelfell zerreißt frage ich ihn langsam mit fester, ruhiger Stimme: „ Adrien? Wie lange genau ist bei dir eine ganze, lange Weile.“ Ein wirklich unbehagliches Gefühl kriecht mir den Rücken entlang und ich ahne dass jetzt irgendetwas auf mich zukommt als er entschuldigend seine Hände hebt und mich flehend ansieht. Er holt noch einmal tief Luft und sagt dann, so schnell, dass ich genau zuhören muss um ihn überhaupt zu verstehen: „ Kurz bevor du mit Luka zusammen gekommen bist.“ Kurz entweicht meine Anspannung aus meinen Gliedern und ich schüttle leicht den Kopf als ich seine Worte nicht richtig deuten kann. Was hat das jetzt mit Luka zu tun? Doch schon in der nächsten Sekunde reiße ich meine Augen auf und mein Pulsschlag erhöht sich schmerzhaft schnell in meiner Brust als mir die Tragweite seiner Worte bewusst wird. „ WAS?!“, schrei ich ihm entgegen und spüre wie mir das Blut im Körper versackt. „ DAS SIND ….. DAS SIND… „ stammle ich hysterisch laut meine Gedanken heraus die sich gerade so schrecklich irreal an fühlen: „ FAST 4 JAHRE!“ völlig entsetzt darüber starre ich ihn an während er mich noch immer mit entschuldigenden großen Augen ansieht und nur leicht nickt. Scheiße, nein! Ich hatte ja mit vielem gerechnet aber das?! Ich schnappe nach Luft als mir erst jetzt auffällt das ich meinen Atem angehalten habe und kann gerade nicht damit aufhören wie verrückt zu blinzeln. Ich kann nicht glauben was er mir da gerade gesagt hat. 4 Jahre! 4….! Keine Sekunde länger kann ich hier herum sitzen. Mit meinen wackeligen Beinen kämpfe ich mich hoch als mich mein rasender Herzschlag fast umbringt. Meine Hände zittern fürchterlich während ich mir meine feuchten Haare raufe und ein paar Schritte zurück mache. Doch kann nicht aufhören ihn ungläubig anzustarren. „ 4 Jahre!“, presse ich atemlos hervor. Und langsam steht er auf. Ich schaue zur Seite. Hinaus auf die Seine. Aber kann keinen klaren Gedanken fassen. „ Aber wieso…..Wann hast du…“ stammle ich mit schwerem Atem. „ WAS?!“, sage ich noch einmal laut mit zusammengekniffenen Augen und schüttle ungläubig den Kopf als ich ihn wieder ansehe. Aber er hat seinen Blick starr auf die Seine gerichtet und scheint angestrengt nachzudenken während er sich auf die Unterlippe beißt. Die Anspannung durchzieht seinen ganzen Körper während er seine Hände tief in seinen Hosentaschen vergräbt. Ich schüttle noch einmal meinen Kopf und schließe kurz meine Augen. Lege meine Hand auf mein noch immer polterndes Herz und versuche meinen Atem zu beruhigen.
Doch
schaffe es nicht. 4 Jahre! Ich fahre mir mit den Händen über mein Gesicht als ich ihn nochmal ansehe und langsam auch die Wut in mir hochkriecht dass er solange geschwiegen hat. „ 4 Jahre! Ich bin fast verrückt geworden weil ich seit 9 Monaten weiß das du Chat bist!“, fauche ich ihn hinüber und kann einfach nicht verstehen das es ihm scheinbar nichts ausgemacht hat mich 4 Jahre lang zu belügen während ich die letztem Monate fast Wahnsinnig geworden bin mit meinen Wissen. Aber er schaut noch immer auf die Seine hinaus. „ Ja ich weiß.“, antwortet er mir leise im Gedanken verloren. Was? Ich ziehe meine Brauen zusammen und schaue ihn prüfend an, bin mir nicht sicher was er damit gemeint hat und frage: „ Was genau weißt du!“ Mit einem Ruck schreckt er aus seiner Starre auf. Schaut mich mit weit aufgerissenen Augen an als ihm der Mund offen steht und er seine Hände aus den Taschen zieht. Was zum? Mein Herz bleibt fast stehen als die Erkenntnis Stück für Stück in mein Bewusstsein sickert. Mir klappt der Mund nach unten während meine Augen immer größer werden. Nein! „ Ich wollte dir das jetzt nicht so….. ich wollte.. es dir eigentlich schonend…“, doch ich höre ihm gar nicht mehr zu. In meinem Kopf breitet sich ein Druck aus der mir fast den Schädel sprengt. „ DU WUSSTEST DASS ICH ES WEIß! UND HAST TROTZDEM NICHTS GESAGT!“, schrei ich ihm entgegen als ich meine Hände zu Fäusten balle und mein Blut zu kochen beginnt. Die ganze Zeit über hat er alles, ALLES gewusst. Und kein Wort gesagt. Zitternd vor Wut schaue ich ihn an als er hektisch zu reden beginnt: „ Ich wollte damals gleich mit dir reden als ich bemerkt habe dass du es bist. Aber dann hab ich…. Irgendwie…. Angst bekommen. Dann war da plötzlich Luka. Und dann der Abend im Park vor 9 Monaten. Du warst so geschockt das ich sofort wusste dass du es jetzt auch von mir weißt. Und der Blick mit dem du mich dabei angesehen hast. AH!! Der hat mich Wochenlang verfolgt!“, ein schmerzlicher Ausdruck legt sich auf sein Gesicht als er die Augen schließt und mit seiner Hand darüber streift als ob er die Erinnerung daran abwischen wollte. Ich kann ihn nur anstarren bei seinen Worten die wie ein eiskalter Regenschauer auf mich ein prasseln während mir langsam die Tränen über meine Wange laufen. Er richtet seinen Blick wieder auf mich in dem sich so viel Traurigkeit und Schuld spiegelt: „Aber ich wusste dass das zwischen uns funktionieren kann. Ich wollte es dir als Chat sagen, schon so lange aber… als du gesagt hast das ich dich ohne Maske nicht genug lieben würde dacht ich…ich dachte wenn ich dir beweise das ich dich liebe mit und ohne Maske, als Adrien und als Chat dann…..könntest du…dann könntest du mir irgendwann vertrauen.“, sagt er schnell atmend und mit flehender Stimme . Ich schließe die Augen als mir zitternd die Tränen über die Wange laufen und ich mir auf meine bebende Unterlippe beiße um mein Schluchzen zurückzuhalten. Ein brennender Schmerz durchzieht meine Brust und ich schlinge fest meine Arme um mich um mein Herz daran zu hindern auseinander zu fallen. Wie ein Film laufen die letzten Wochen vor meinen Augen ab und jedes Wort von ihm, jede Berührung lässt mich jetzt nur noch schmerzlich erschauern. „ Du hast genau gewusst was ich dir sagen wollte. Die ganze Zeit über.“, spreche ich zitternd meine schmerzenden Gedanken aus und fixiere dabei den Boden zwischen meinen Füßen. „ Du hast gesehen wie es mich innerlich zerrissen hat und welche Angst ich dabei hatte.“, flüstere ich heiser und höre wie er laut schluckt. „Und du hast trotzdem nichts gesagt.“, kurz bleiben mir die Worte im Hals stecken. „ Bin ich dir wirklich so egal?“, flüstere ich als ich ihn ansehe und mir schluchzend die Tränen hinunter rollen. Mit aufgerissenen glasigen Augen blickt er mich geschockt an als könnte er nicht glauben wie seine Worte auf mich wirken. „ Was! Nein! Ich wollte dir nur…nur Zeit geben. Bis du es selbst erzählen willst.“, sagt er mit gehetzter, schulderfüllter Stimme als ich wieder zu Boden schaue, meine Arme noch fester an mich drücke und meinen Tränen nachschaue, wie sie den Boden zwischen meinen Füßen dunkler färben. Doch als ich seine näher kommenden Schritte höre hebe ich erschrocken meinen Blick. Dicht vor mir bleibt er stehen und mit großen brennenden Augen schaue ich ihn an. „ Bitte Marinette. Ich liebe dich.“, spricht er langsam die Worte die sich durch mein Herz bohren, so Gefühlvoll und mit so viel Liebe in seinem Blick das mich meine Gefühle zu erdrücken drohen und mir das Atmen immer schwerer fällt. Schnell gehe ich ein paar Schritte nach hinten als mein Schluchzen immer lauter wird und ich nicht mehr weiß was ich denken soll. „ Bleib stehen!“, ruft er schnell und packt nach meinem Arm. Doch ich zucke vor seiner Berührung zurück. Aber schon spüre ich keinen Boden mehr unter meinem Fuß. „AAHH!“, rufe ich erschrocken als ich noch wild rudernd versuche das Gleichgewicht auf der Promenadenmauer zu halten und Adrien schnell nach meiner Hand greift. Doch schon in der nächsten Sekunde kippe ich nach hinten und reiße ihn mit, in das kalte Wasser der Seine.

„ Großer Gott!“, keuche ich halb tot und lasse mich einfach auf den kalten Beton der Bootsrampe fallen, auf der ich auf allen vieren aus dem Wasser gekrochen bin. Ich drehe meinen Kopf auf dem harten Boden zur Seite als Adrien sich erschöpft neben mich hinfallen lässt. Ich schaue ihn einfach nur stumm an während er auf dem Rücken liegt, schnell atmet und sich seinen Arm übers Gesicht legt. Seine Worte von vorhin hallen noch in meinem Kopf aber nach der Abkühlung im Eiskalten Wasser kann ich wenigstens wieder etwas klarer denken. Doch der Schmerz in meinem Herzen ist geblieben. Ich schließe meine Augen bei dem Gedanken daran wie wundervoll dieser Tag begonnen hat und wie schmerzlich er jetzt gerade endet. Langsam setzte ich mich auf und beginne zu zittern als der kalte Nachtwind auffrischt und über meinen nassen, kalten Körper weht. Ich schlinge meine Arme wärmend um mich aber es bringt keine Erleichterung. Schaue hinaus auf die glitzernde Seine und versuche die Gedanken einzufangen, die diese unsichtbare Mauer zwischen uns ziehen und sie in Worte zu fassen. „ Du hast mich erst gewollt nachdem du erfahren hast dass ich es bin.“, gebe ich leise und im Gedanken versunken von mir, als ich mir seine Worte noch einmal durch den Kopf gehen lasse. „ Du weißt seit einer Ewigkeit was ich für dich empfinde. Und erst jetzt bist du auf mich zugegangen. Wie würdest du dich jetzt an meiner Stelle fühlen?“ frage ich ihn ganz ruhig als ich meinen Blick wieder zu ihm wende und erst jetzt bemerke dass er sich aufgesetzt hat und mich stumm beobachtet. Er legt seine Arme auf seine angewinkelten Knie und kurz schließt er seine Augen, atmet tief durch als müsste er sich überwinden mir seine Antwort darauf zu geben. Sein Blick wandert an mir vorbei Richtung Wasser. „ Marinette ich kann dir gar nicht mehr sagen wie lange ich dich schon liebe. Aber es fühlt sich an wie mein halbes Leben.“, sagt er leise während sich ein trauriges lächeln auf seinen Lippen ausbreitet und das Mondlicht in seinen glänzenden Augen schimmert. „ Ich habe dir damals nicht gesagt was ich für dich empfinde weil ich gleichzeitig auch in Ladybug verliebt war. Und dieses Gefühl, für zwei Menschen so zu empfinden, hat mich fast verrückt gemacht.“, er atmet tief durch und scheint nach den richtigen Worten zu suchen. „ Ich hätte dich anlügen und dir sagen können dass du die einzige für mich bist. Aber so etwas hast du nicht verdient. Und das hätte ich selbst auch nicht ertragen. Du verdienst jemanden der dich liebt Marinette. Nur dich.“ Mit seinem traurigen Lächeln blickt er mir in meine feuchten Augen und ich spüre ganz deutlich wie mich sein Blick tief in meinem Herzen berührt. Er atmet noch einmal tief durch und richtet dann seinen glänzenden Blick in den dunklen Nachthimmel auf dem der helle Mond noch immer über uns wacht. „ Und ja ich weiß dass du mich immer mehr als einen Freund gemocht hast. Aber mich als Adrien. Und nicht mich als Chat.“, sagt er mit ruhiger Stimme als ihm ein tiefes seufzen entfährt. Und ganz langsam beginne ich zu begreifen was wirklich in ihm vorgeht. Langsam ringt er sich die Worte ab die ihm und auch mir fast die Sprache verschlagen als er seinen Blick wieder auf mich richtet und sein Lächeln langsam verschwindet. „ Zuerst konnte ich mein Glück kaum fassen als ich herausgefunden habe dass die zwei Frauen die ich liebe ein und dieselbe Person sind. Ich wollte dir noch im selben Moment alles gestehen. Dir nur noch sagen wie sehr ich dich liebe und endlich mit dir glücklich sein. Aber dann kam mir der Gedanke, dass du mich als Adrien magst. Und mich als Chat oft nicht erträgst. Und darum habe ich geschwiegen. Aus Angst das du mich dann nicht mehr willst wenn du es weißt.“, offenbart er mir seinen ganzen Schmerz, für den ich verantwortlich bin. Seine ganze Traurigkeit spiegelt sich im Klang seiner Stimme und in seinen Augen, in deren Blick ein so gequälter Ausdruck liegt als hätten sie wegen mir Höllenqualen durchlitten. Ich wende meinen Blick von ihm ab und schließe meine tränenden Augen als mich mein Herz in der Brust tonnenschwer nach unten zieht. Seine Worte, seine Blicke, der Klang seiner Stimme brennen sich tief in meine Seele als sich die Schuld, ihn so verletzt und es nicht einmal bemerkt zu haben, wie ein unsichtbarer Schleier über mich legt. Die ganze Zeit über habe ich nur meine eigene Angst gesehen aber nicht seine. Zitternd vergrabe ich mein Gesicht in meinen Händen. „ Es..tut..mir..so..leid..“ schluchzte ich durch meine Finger hindurch als meine Tränen an meinen Händen hinablaufen. Doch noch im selben Moment legt er seine Arme um mich und zieht mich fest an sich. Ich vergrabe mein Gesicht in seinem nassen, kalten Shirt das ihm an der Brust klebt und klammere mich fest an ihn als mein Schluchzen meinen ganzen Körper durchzieht. Sein zitternder Atem streift mein Haar als er seinen Kopf auf meinen legt. „ Ich wollte es dir in den letzten Wochen so oft sagen. Ich habe es nicht mehr ertragen zusehen zu müssen wie du dich quälst. Aber es war nie der richtige Zeitpunkt dafür.“, flüstert er gegen meinen Scheitel und haucht sanfte Küsse auf mein Haar als er mich noch fester an sich zieht und sein Gesicht in meinen Haaren vergräbt. „ Ich liebe dich schon so lange. Und beide Seiten von dir. Daran darfst du nie zweifeln.“ Flüstert er mir leise zu. „ Ich hoffe dass du mir meine Feigheit vergeben kannst. Denn ich wollte dich damit nie verletzten.“ Seine wunderschönen Worte und seine liebevollen Gesten hinterlassen in meinem Herzen ein bittersüßes Gefühl aus Sehnsucht und Schmerz. Und ich weiß genau dass ich ihn in meinem ganzen Leben nie von mir wegstoßen könnte. Ganz egal was zwischen uns passiert. Aber jetzt. In diesem Moment, kann ich ihm nicht das sagen was er von mir hören will. Zuviel ist in den letzten Stunden passiert als das ich einfach da weiter machen könnte wo wir heute Morgen aufgehört haben. Ich brauche einfach ein bisschen Zeit, um wieder klar denken zu können. Langsam löse ich mich von ihm als meine Tränen allmählich versiegen und schaue ihm in seine glänzenden Augen. In denen sich eine Mischung aus Sehnsucht, Schuld und unglaublich tiefer Zuneigung wiederspiegeln. Aufmerksam betrachtet er mein Gesicht als ob er darin lesen möchte wie ich über seine Worte denke. Ein zitternder Schauer läuft mir den Rücken entlang als der Wind auffrischt und durch meine nasse Kleidung zu meiner kalten Haut durchdringt. „ Ich werde jetzt gehen.“, flüstere ich mit bebender Unterlippe und brennenden Augen als ich schon am ganzen Körper zittere und langsam aufstehe. Doch er hält mich am Arm zurück. „ Wir sind zu weit weg als das du zu Fuß gehen könntest und Tikki ist Nachhause gegangen als du geschlafen hast.“, sagt er mit leiser Stimme während er aufsteht und sich so dicht vor mich stellt das ich die Wärme seines Körpers an meinem fühlen kann. Als er seinen Arm um meine Taille legt und mir sein Duft in die Nase steigt schließe ich meine Augen und spüre wie er seine warmen Lippen an meine Stirn legt. „ Ich bringe dich Nachhause.“, flüstert er gegen meine kalte Haut. Und im nächsten Moment höre ich auch schon Plaggs kratzige Stimme neben mir.

„ Danke fürs Heim bringen.“, sage ich mit leiser, brüchiger Stimme während ich auf meinen Terrassentürschlüssel schaue, den ich in meinen Händen hin und her drehe. Und obwohl ich nicht aufschaue spüre ich ganz deutlich seinen Blick auf mir. Nur mit Mühe kann ich meine müden Augen noch offen halten und so sehr ich mich auch anstrenge, wollen mir einfach keine passenden Worte einfallen die ich ihm zum Abschied sagen könnte. Und so mache ich einfach das, was mir in meiner geistigen Erschöpfung als das sinnvollste erscheint. Ich überbrücke die paar Schritte die uns trennen und lege ihm meine Hand an seine Wange während ich ihm auf die andere einen zarten Kuss hauche und ein „Danke“ an seine Haut flüstere. Kurz schließe ich meine Augen, atme noch einmal seinen Duft ein und streiche mit meinen Fingern über die warme Haut seiner Wange. Doch als ich mich von ihm lösen will, schaffe ich es einfach nicht. Ich kann ihn nicht loslassen und verharre still in dieser Bewegung. So dicht an ihm. Ich spüre seinen schnellen Atem an meiner Halsbeuge als er seinen Kopf in meine Richtung dreht und sich unsere Blicke verstohlen begegnen. Er legt mir seine Lederbedeckte Hand an die Taille und streift sanft meine Seite entlang während er mir dabei in meine Augen sieht um jede meiner Regungen zu erkennen. Mein Atem entfährt mir zitternd bei seiner Berührung als er mir auch seine andere Hand an den Rücken legt und sie langsam in meinen Nacken wandern lässt. Ich beiße mir auf die Unterlippe als er mir mit sehnsüchtigem Blick tief in meine Augen schaut und mich fest an sich zieht. Ich fühle seinen schnellen Herzschlag durch das dünne Leder seines Anzuges hindurch während sein Atem meine erhitzten Wangen berührt. Wie von selbst wandern meine Hände in seinen Nacken und krallen sich am Kragen seines Anzuges fest. Mein Atem entfährt mir stoßweise als seine Augen zu meinen Lippen wandern und er mich dann mit sehnlichem Blick um Erlaubnis zu bitten scheint. Ich schließe meine Augen und ziehe ihn so nahe zu mir das sein Atem meine Lippen streift und das scheint ihm Erlaubnis genug. Er lässt seine weichen Lippen auf meine sinken und küsst mich so leidenschaftlich und voller Hingabe, dass es mir den Atem raubt. Alles von ihm scheint er in diesen Kuss zu legen, mit so viel Gefühl und so unglaublich viel Liebe. Und trotz der wunderschönen Wärme die sich durch ihn in meiner Brust ausbreitet, beginnt in der gleichen Sekunde mein Herz brennend zu schmerzen. Als mit den Gefühlen die er in diesen Kuss legt und die er in mir auslöst, das ganze Chaos in mir wieder an die Oberfläche bricht und mich zu überwältigen droht. Die Liebe die er mir entgegenbringt, der tiefe Schmerz in meinem Herzen, meine Gefühle für ihn, das alles treibt mir die Tränen in die Augen und ich packe ihn noch fester um nicht davon zu treiben. Mit einem Ruck ziehe ich ihn noch näher an mich und wir stolpern taumelnd nach hinten bis ich mit dem Rücken gegen die Tür stoße. Doch keiner von uns unterbricht den Kuss. Im Gegenteil. Ich ziehe ihn so fest an mich dass meine Finger schon zu zittern beginnen aber um nichts in der Welt würde ich ihn jetzt loslassen. Seine Lederbedeckte Hand wandert meinen Haaransatz hinauf und hält mich fest umklammert während er sich so fest an mich drückt als wollte er mich daran hindern einfach wegzulaufen. Seine sehnsüchtigen, leidenschaftlichen Küsse hinterlassen ein Bittersüßes Gefühl auf meinen Lippen. Genauso wie seine Berührungen, durch die ich die Anspannung in seinem Körper ganz deutlich spüren kann. Nur zögernd lockere ich meinen Griff  als er sich kurz von mir löst und mir mit seinen, in schwarzes Leder gehüllten Fingern, meine Tränen von der Wange streicht von denen ich einige auch auf seinem Gesicht verteilt habe. Liebevoll blickt er mich an aber ich erkenne in seinen Augen das gleiche Chaos das auch in mir herrscht und streiche ihm zart über seine Wange. Als er mir wieder näher kommt lege ich meinen Finger an seine weichen Lippen. „ Ich glaube es ist besser du gehst jetzt. Wir..brauchen Zeit.“, bringe ich nur unter Anstrengung hervor. Aber wir sollten uns beide in Ruhe über das alles hier klar werden. Und nichts tun das den anderen vielleicht wieder verletzten würde. Er küsst meinen Finger an seiner Lippe bevor er ihn runter nimmt und sein warmer Atem mein Gesicht streift als er seine Stirn an meine legt und leise mit brüchiger Stimme flüstert: „ Bitte gib uns nicht auf. Da ist so viel mehr das noch auf uns wartet. Wenn du es zulässt.“ Lautlos beginne ich zu schluchzen bei seinen Worten die mich so tief berühren und so fest an mir zerren. Ich schließe meine Augen und langsam flüstert er gegen meine Lippen: „ Ich liebe dich. Vergiss das bitte nie.“ Und haucht mir einen zarten Kuss auf die Lippen. Als mich die Kälte zitternd wieder einfängt und in jeden Zentimeter meines Körpers kriecht öffne ich meine tränenden Augen. Und bin alleine auf meiner dunklen Terrasse. Alleine, mit dem Echo seiner Worte in meinem Herzen, das in mir hallt, wie eine Bittersüße Symphonie.
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