Bridge Over Troubled Water

von scip
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Link Zelda
15.07.2019
15.07.2019
1
18520
12
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Hallo Freunde, hier bin ich wieder. Vorweg schicken möchte ich ein riesengroßes Dankeschön an all die Leser und Reviewer von "Stille Wasser sind tief". Ich hänge wahnsinnig mit der Beantwortung eurer wahnsinnig lieben Worte hinterher und hoffe, dass ich dazu mal in der Lage sein werde. Ich war arbeitstechnisch und auch fortbildungstechnisch und emotional ziemlich eingespannt und werde es auch wohl weiterhin sein. Wie ich also Zeit finden werde, diese Fortsetzung voran zu bringen, kann ich nicht sagen. Aber nachdem ein großer Meilenstein im Privatleben gerade sein Ende gefunden hat, wollte ich den auf Bearbeitung wartenden, aber eigentlich fast beendeten Prolog der Fortsetzung online stellen. Die folgenden Kapitel sollen dann wieder mehr im Stil von "Stille Wasser sind tief" fortgeführt werden, mit wechselner personeller Erzählperspektive. Also mal Zeldas, mal Links. Es existiert auch schon das ein oder andere, aber es fällt mir schwer, die einzelnen Plotteile zu verknüpfen. Mich interessiert: was würdet ihr eigentlich gern lesen? Habt ihr im Kopf, wie Breath of the Wild weitergeht? Versteht mich nicht falsch, ich werde hier keine Geschichte nach den Vorstellungen der Leser schreiben. Aber es interessiert mich sehr :) So, viel Spaß nun beim Lesen.




Prolog


Zeit existierte.
Und Zelda, Zelda war immer noch da.
Aber sie hatte sich verändert. Genauso wie Zeit und Raum und Gefühl sich geändert hatten.
Sie schwebte. Seit Jahren.
Doch was war schon ein Jahr?
Die Dunkelheit umhüllte sie. Boshaftigkeit und Hass leckten mit kalten Flammen nach ihr.
Aber Zelda war die fleischgewordene Göttlichkeit und es berührte sie nicht.
Ihre Sinne waren verändert. Nichts war mehr wie vorher.
Und Hylias Licht und Hylias Stärke hielten Zelda umschlungen. Ihren Geist. Ihren Körper? Wo war ihr Körper? War sie gestorben, als Ganon sie verschluckt hatte?
Nein, flüsterte die Gewissheit.
Zelda war noch da.
Ihr Wesen, ihr Selbst. Ihre Erinnerungen. Der Kern dessen, was es bedeutete Zelda zu sein.
Und sie kämpfte.
Gegen den Schrecken, der das Land zu überfallen drohte. Immer und immer wieder. Sie kettete das Grauen Ganons an das göttliche Licht. Hinderte ihn daran, ihr Volk heimzusuchen, seine Verheerung über Hyrule zu ziehen.
War sie die Gewinnerin dieser Kämpfe, weil es ihr gelang, seine unheilvolle Macht nicht aus dem engen Konkon entkommen zu lassen, ihn Mal für Mal in Schach hielt, in diesem Gefängnis im Herzen des ehemaligen Thronsaals?
Jahre brauchte es, bis seine Angriffe nachließen.
War sie die Gewinnerin?
Sie war nicht die Verliererin.
Aber die Kräfte waren gleich verteilt. Sie konnte ihn nicht besiegen. Nur bekämpfen.
Bis der eine kommen würde, der die Waage kippen würde. Das Kräfteverhältnis ins Ungleichgewicht bringen würde. Es hatte immer die Prinzessin und den Helden gebraucht, um die hasserfüllte Boshaftigkeit Ganons für weitere Jahrhunderte aus der Welt zu tilgen.
Bis dahin war es ihre Aufgabe zu warten. Zu kämpfen und standzuhalten. In der Hoffnung, dass weit entfernt, über die Ebene hinaus, ihr Held genesen und erwachen würde.

Manchmal regte sich der Teil ihres alten Selbst kräftiger. Dann streckte sich ihr Geist in die Ferne, wanderte über Gras und flog an steinigen Mauern empor. Durchstieß Berg und Geröll und weilte bei ihm.
Öffne die Augen.
Aber er schlief.

Sie sah das Volk, ihr Volk, verzweifelt, aber in Sicherheit. Sah die verlassenen, zerstörten Planwagen. Sah die Toten. Das Chaos.
Sie sah die unversehrten Dörfer. Die Überlebenden.
Gras begann wieder zu wachsen.
Wunden heilten.
Und Ganons Wut war beißend und ätzend. Er forderte viel von ihr, in diesen ersten Jahren. Bis er sich zurück zog, die schlimmste Explosion seines Zorns verraucht. Seine Stille erschien Zelda gefährlicher als sein Toben.
Sie durfte nicht nachlassen in ihrer Konzentration. Nicht falsches Vertrauen ihre Aufmerksamkeit trüben lassen.
Die verbliebenen Wächter hörten auf zu laufen. An einigen nagten Zeit und Wetter. Aber die meisten schliefen einfach, nur ein wenig von Ganons verheerender Kraft verblieb in ihnen, während er sich tiefer in das Gefängnis zurückzog, das Zelda um ihn gespannt hatte.
Die Titanen konnten ohne seine Boshaftigkeit ebenfalls nicht länger Schrecken verteilen.
Vah Ruto war ein Mahnmal an die nicht verebbende Trauer der Zora. Eine ewige Erinnerung an den Verlust ihrer Prinzessin. Zelda sah ihre Bitterkeit und es hätte ihr wehgetan, wenn nicht so viel ihrer Menschlichkeit ebenso schlafen würde, wie die Titanen.
Vah Medoh ruhte auf dem Gipfel, an das sich das Dorf der Orni schmiegte und starrte mit leeren Augen auf die vielen Generationen des schnell dahinscheidenden Volkes.
Vah Rudania klebte am Todesberg wie ein großer Klotz aus Stein, sodass die zwei Goronenanführer die Daruk folgten, beinahe vergaßen, dass er nicht Teil des Vulkans war.
Und Vah Naboris stand reglos in der Wüste. Ertrug tonlos Sandsturm, Hitze und Kälte, während in ihm gefangen der Geist einer Königin ihr ruheloses Dasein fristete.
Ganons grausame Macht hinderte Zelda daran, die Seelen ihrer besiegten Freunde zu erreichen. Sie konnte sie spüren. Rastlos und unruhig. Hilflos.
Doch ebenso hilflos war sie selbst.
Link … öffne die Augen.
Aber er schlief weiter. Ruhig und still in der heilenden Sphäre die sich um den Schrein des Lebens gebildet hatte. Und es war gut so.
Es gab Zelda die Gewissheit und Kraft die sie brauchte. Er schlief nur. Er war am Leben.
In Stasis, genau wie sie.
Die Göttin ein spürbarer Teil von ihr.

Zelda sah das Volk weiterleben. Sie sah Vergessen und neuen Mut. Und es war so erwärmend wie es unvorsichtig war. Doch sie konnte nichts tun als warten.
Sie wagte nicht zu häufig, die Fühler ihres Geistes in Links Richtung fliehen zu lassen um dort zu weilen, wo ihr Herz ruhte.
Ganon war listig. Und sie durfte keine Fehler machen.

Dann jährte sich der Tag von Zeldas siebzehntem Geburtstag und sie spürte etwas.
Der Teil ihrer Menschlichkeit, eingeschlossen in der überdauernden, zeitlosen Energie der Göttin, regte sich. Erinnerte sich.
Die Barren des goldenen Gefängnisses das um ihr Herz gebaut worden war, lösten sich.
Ganon spürte es ebenfalls.
Etwas geschah!
Es war als würde das Land aus einem Schlaf erwachen.
Fern im Süden bebte die Erde. Der Tag von Ganons Heimsuchung war herangebrochen.
Und die Erde auf dem fernen Plateau erzitterte wie in Erinnerung.
Es lenkte Zeldas Aufmerksamkeit auf diesen Ort.
Dorthin wo Link seinen 100 Jahre andauernden Schlaf schlief.

Link … Link ….
Und da spürte sie es. Er regte sich. Sein wundervoller, mutiger Geist regte sich.

Öffne die Augen.

Die jahrtausendealte Konstruktion die seinen reglosen Körper bedeckte, öffnete sich. Legte seine Gestalt frei, umflossen von schimmerndem Wasser und ließ kühle, trockene Luft seine Haut umstreichen.

Öffne die Augen.
Ihre Stimme, das war ihre Stimme. Zeldas Stimme. Und die Zärtlichkeit mit der sie sprach, kam ihr bekannt vor.

Öffne die Augen.

Und er öffnete sie.
Blaue, kristallene Augen, die vom langen Schlaf verschleiert waren.

Wach auf, Link!

Die rettende Maschine aus alter Zeit reagierte auf das Erwachen seines Benutzers. Bläuliches Wasser wurde aus dem Tank gezogen.
Zelda spürte ihren Körper nicht. Hatte ihn nicht mehr gespürt, seit sie vor 100 Jahren mit der Göttin verschmolzen war, um Ganon an sich zu ketten und das Volk zu retten, während Link im Schrein des Lebens die Möglichkeit zu heilen bekam.
Aber sie erinnerte sich daran, wie es war, wenn das eigene Herz vor Euphorie drohte aus der Brust zu springen. Sie wusste, wie es sich anfühlte, wenn es sich vor Sorge zusammenzog.
Und irgendwo tat ihr Herz genau das. Es schlug und schlug und schickte süßen, ziehenden Schmerz durch den Leib.
Nur dass sie es nicht spürte.
Aber sie wusste es.
Link.
Mit aller Anstrengung versuchte Zelda zu sehen.
Das bekannte, geliebte Gesicht. So gleich, so vertraut.
Angespannt und hoffnungsvoll zugleich verfolgte sie die langsamen, vorsichtigen Bewegungen.
Lauschte nach einem Zeichen. Irgendeinem. Wofür war egal.
Er setzte sich auf, sah sich um.
Zelda hörte die dröhnende Stille der Kammer. Die Luft musste stickig sein. Das blaue Licht der Shiekah Runen schimmerte von den kalten Wänden wider. Hüllte Link in einen bläulichen Nebel.
Sie konnte sehen, wie sein schneller Verstand startete. Hochfuhr. Die Situation aufnahm und einschätzte.
Es war so vertraut, dass wilde Freude sie durchzuckte.
Link. Ihr Link!
Er wirkte nicht verwirrt. Sondern aufmerksam. Interessiert.
Oh, nie war der Mut ihres Helden deutlicher gewesen.
Er brauchte nicht lange, um eine Entscheidung zu treffen.
Zielstrebig drehte er seinen wunderbaren, geheilten Körper und kletterte aus dem Bassin.
Setzte beide Füße gleichzeitig auf den Boden.

Das Echo hallte tief in Zeldas Herz wider.

Seine Schritte. Seine Schritte die wieder auf Hyrules Erde wandeln würden.
Er lebte.

Link sah sich in der Kammer um. Tropfte auf den Boden, während sein Blick den Podest in der Ecke fand.
Als würde der Stein auf seine Aufmerksamkeit reagieren, leuchtete er auf. Die feine Mechanik surrte und schob den darin versenkten Shiekah-Stein in die Höhe.
Die Schritte – Links Schritte – setzten sich in Bewegung. Näher an den Shiekah-Stein heran.


Dies ist der Shiekah-Stein … schickte Zelda in seinen Geist.
Er wird dir nach deinem langen Schlummer den richtigen Weg weisen.

Er wirkte nicht einmal irritiert, dass eine ferne Stimme zu ihm sprach. Er nahm ihre Worte einfach hin, akzeptierte sie mit der Leichtigkeit, mit der er dem Schicksal schon immer gegenüber gestanden hatte.
Stattdessen beäugte er den Shiekah-Stein. Auf seinem Gesicht war deutlich zu lesen, dass er ihn nicht erkannte.
Ein wenig von der glühenden Hoffnung verschwand.
Also doch.
Ihre Ahnungen hatten sich als richtig herausgestellt.
Link erkannte den Shiekah-Stein nicht.
Aber das hatten sie erwartet.
Und Impah, Purah und Robelo waren noch am Leben. Sie würden die Botschaften an Link weiterreichen können.
Es gab so viel Hoffnung.
Ohne viel weiteres Federlesen streckte Link die Hand nach dem Stein aus und nahm ihn aus der Halterung. Er betrachtete ihn nachdenklich, bis er leicht zusammen zuckte, als der Stein mit dem typischen Geräusch zum Leben erwachte.

Nein!
In der Euphorie des Moments, hatte Zelda die boshafte Dunkelheit beinahe vergessen, die seit 100 Jahren ihr Schicksal und ihr Leid war.
Heiße Angst durchfuhr sie.
Das durfte nicht geschehen.
Ein kleiner Augenblick der Unaufmerksamkeit und alles wäre verloren.
Nein! Ich habe ihn fallen sehen. Ich habe ihn vernichtet!
Brodelnd erwachte die geifernde Pestilenz Ganons und warf sich mit einer Heftigkeit gegen die goldenen Ketten aus Göttlicher Kraft, die ihn seit Jahren in Schach hielten.
Zelda wankte nicht. Aber sie spürte, das es geschehen könnte. So lange hatten ihre Kämpfe geruht. Er hatte Kraft gesammelt und gelernt Zelda zu lesen. So wie sie gelernt hatte, seine Schwachstellen zu erkennen.
Oh … da ist aber jemand grantig heute. Was ist los, Ganon? Mit dem falschen Bein aufgestanden?
Bevor die ganze pulsierende Wut seiner elenden Existenz sich auf sie richtete, zeigte sie ihm all den herablassenden Spott zu dem sie in der Lage war.
Ich vergaß, zirpte ihre Stimme, du bist ja gefangen in dieser formlosen Gestalt. Du hast gar keine Beine mehr.
Jeder andere hätte diese Art finesselose Stichelei belächelt. Aber es brauchte nicht viel, um Ganon wütend zu machen.
Sein Grollen wäre komisch gewesen, wenn die Gefahr dahinter Zelda nicht solche Angst machen würde.
Sie hatte ihre Aufmerksamkeit kurz erweichen lassen. Und Ganon hatte Links Erwachen fühlen können.
Auch wenn er sich nicht mehr mit aller Gewalt gegen die Fesseln warf, mit denen Zelda ihn hielt, so konnte sie dennoch spüren, dass er sich sammelte. Nachdachte. Und fieberhaft nach einem Weg suchte, ihre Verteidigung zu durchbrechen.
Sie musste stark sein.
Aber sie musste auch bei Link sein.
Link, der mit Hilfe des Shiekah-Steins das Tor geöffnet hatte, das den Schrein des Lebens von dem höhlenartigen Vorgang trennte, in dem in Vorratskästen Proviant und Kleidung für ihn bereit stand.
Nach all den Jahrzehnten war die Kleidung mottenzerfressen und der Proviant zu Staub zerfallen, doch Zelda dankte im Stillen dennoch für Purahs Weitsicht. Sie hätte ihm all die Rüstung Hyrules gewünscht, aber Zelda hatte darauf bestanden, dass das Reckengewand nach Kakariko gebracht wurde. Impah würde wissen, was damit geschehen sollte.
Wenigstens hatte Link nun mehr am Leib als seine Unterwäsche. Außerdem besaß er dadurch ein Paar Schuhe.
Sein Anblick, das Geräusch seines Atems, die vertrauten Bewegungen. Das Hallen seiner Schritte auf dem Boden Hyrules.
Es war, als würde der Teil der Zelda war mit jedem dieser Schritte mehr das Gesicht zur Sonne drehen. Es fühlte sich an, als würde sie nach Hause kommen und es war das erste Mal seit 100 Jahren, das Hylia sich zurückzog und die Prinzessin sich wieder wie die Prinzessin fühlte.
Es war der Moment größter Gefahr.
Zelda versuchte vor Ganon zu verbergen, dass ihr Herz auf dem verlassenen Plateau weilte. Versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass ihre Aufmerksamkeit geteilt war.
Aber sie musste Link den Weg weisen.
Er wartete darauf. Sie sah es an der Art wie er den Kopf neigte. Als würde er der fremden Stimme ein Signal geben. Ihr ein Signal geben.
Er konnte nicht wissen, wer sie war. Und dennoch vertraute er darauf, dass sie ihm helfen würde.
Ihr schlafendes Herz machte einen weiteren Sprung.
Halte den Shiekah-Stein an das Podest, dann wird der Weg sich dir öffnen.
Zelda wusste nicht genau, woher sie die Gewissheit nahm. Aber die Worte formten sich, bevor sie deren Bedeutung verstand.
Doch Link tat es. Folgte der Stimme in seinem Kopf ein weiteres Mal.
Link war nicht vertrauensselig. Das konnte sich nicht geändert haben, selbst wenn er sich nicht an sein altes Leben erinnerte.
Spürte er also, dass er ihr vertrauen konnte? Oder erinnerte er sich vielleicht doch?
Wenn Zelda gekonnt hätte, dann hätte sie über diesen närrischen Gedanken gelächelt.
Noch ist es nicht an der Zeit, dass du mich verlässt, Hylia.
Zelda sah wie der Schrein dem Befehl des Shiekah-Steins Folge leistete. Blau leuchteten die Linien im Stein, während das komplexe Muster von Riegeln sich zurückschob.
Sie sah wie Licht in den Schatten der Höhle fiel. Wie die Sonne die ungeübten Augen ihres Helden blendete und er zum Schutz den Arm hob.
Link.
Am Leben.
Im Lichte Hyrules stehend. Erneut. Die Luft des Landes berührte ihn wieder. Seine Füße verwurzelt mit der Erde.
Die Worte entglitten ihr, bevor sie sie zurückhalten konnte. So wie es immer mit ihm gewesen war.

Du bist das Licht, das Hyrule wieder erstrahlen lassen wird. Es ist Zeit deine Reise zu beginnen.

Das Licht, das Zelda für die Sonne gehalten hatte erlosch, als sie sich wieder zurück zog. Erst da begriff sie, dass sie selbst es gewesen war, die ihn in goldenes Licht gebadet, in der Welt willkommen geheißen hatte.
NEIN!
Angst wühlte in ihr, als Ganon sich erneut aufbäumte. Er hatte nicht gewusst, wo genau Link sich befand, bis ihre eigene, törichte Liebe ihn in goldenes Licht gehüllt und seine Position auf dem Plateau preisgegeben hatte.
Ihre Furcht um Link ließ sie erst verzögernd begreifen, wieso Ganon vor Zorn schäumte.
In seiner Raserei hatte er am Tag seiner Wiederkehr das Plateau beinahe vollständig zerstört. Die Zitadelle der Zeit war nicht mehr als eine hohle Ruine und der Zugang durch die Mauern war komplett verschüttet. Hasserfüllt wie er war, hatte Ganon diesen Ort von Hyrule abschneiden wollen und dabei nicht mit einkalkuliert, dass auch seine Monster das Plateau nicht erreichen konnten. In seiner Überheblichkeit, hatte er nach der heillosen Zerstörung dieses Ortes nicht geglaubt, dass er es noch Wert wäre ihn weiter zu belagern.
Link war in Sicherheit. So sehr wie er es in seinem Zustand sein konnte.
Und sein Zustand war kritisch.
Seine Bewegungen zeugten von dem unnatürlich langen Schlaf, der nötig gewesen war, um seine lebensgefährlichen Verletzungen zu heilen. Sein Schritte, so lieblich sie auch in Zeldas Sinnen widerhallten, waren nicht so stetig wie zuvor.
Die Erhöhung die er erklimmen musste, um den winkenden Ausgang zu erreichen, brachte ihm die Schweißperlen auf die Stirn.
Und dennoch erfüllte es Zelda mit Stolz und Rührung ihn zu sehen. Ihr Held. Hyrules Held.
Er war ein Kämpfer. Er würde immer kämpfen.
Schwach und verlassen und verwirrt wie er sich fühlen musste, kauerte er sich nicht in einer Ecke zusammen, wie so viele andere es getan hätten.
Er folgte der ersten Stimme, die zu ihm sprach. Er folgte dem Licht. Er bewies so unendlich viel Mut.
Hätte Zelda Schluchzen können, so hätte sie es getan. Doch sie konnte nichts tun, um diesen erfreulichen, aber ungewohnten Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
Also leitete sie die aufschäumende Kraft in die Bande, die sie mit eisernen Willen an Ganon knüpften.
Er spürte die verstärkten Fesseln und grollte, daran gehindert mit seiner Boshaftigkeit alle Monster in der Umgebung zu warnen und in einem wilden Barbarenhaufen auf Link zu lenken.
Link, der hinaus ins Licht lief und am Ende der Klippe, die über das Plateau hinaussah, über die Ebene blickte.
Für einen Moment war es, als würde er sie suchen.
Natürlich war es albern. Er sah in Richtung des Schlosses. Von seiner Position aus, konnte er aus der Ferne die Silhouette sehen. Den feurigen Vulkan daneben und das opulente Grün des Frühlings, der sich über Hyrule gelegt hatte.
Er betrachtet das Land, das sich vor ihm ausbreitete. Verschaffte sich einen Überblick. Dann wandte er den Blick ab. Blickte über das Plateau, musste die zerstörten Überreste der Zitadelle der Zeit sehen und den Weg, der hinab führte. Er sah …
Nein. Was hast du getan?!
Beim Anblick des Geistes ihres Vaters war es nun das erste Mal an Zelda, dass Wut anstelle von Herablassung gegen die Grenze zwischen ihr und Ganon prallte.
Ihr Vater, in Gestalt eines alten Mannes, saß neben einem munter flackernden Feuer und wartete in Seelenruhe auf Link, der ihn ebenfalls ins Auge gefasst zu haben schien.
Ganon frohlockte.
Doch nicht lange.
Denn obwohl Trauer und Sehnsucht in ihr schäumten, sah Zelda doch was Ganon nicht gesehen hatte, als er in seinem kurzsichtigen Verlangen nach grausamer Genugtuung, den Geist ihres Vaters an diesem Ort eingesperrt hatte.
Begreifst du was du getan hast, du dämlicher Schweine-Dämon?
Ganons befriedigte Schadenfreude geriet ins Stocken, als er ihre fassungslose Belustigung bemerkte.
Du hast Link jemanden an die Seite gestellt, der ihm helfen kann. Mein Vater weiß alles. Und er wird genau wissen, wie er Link leiten muss. Was er ihm sagen muss.
Zelda konnte nicht lachen. Sie hatte keinen Bauch zum Beben und keine Kehle zum Tönen. Aber es gelang ihr trotzdem, auf Ganon herab zulachen. Genauso wie es ihm 100 Jahre lang gelungen war zu brüllen und zu toben.
Das ist der Grund aus dem du immer wieder besiegt wirst, Ganon. Du bist zu arrogant, um weise zu sein. Kein Wunder dass du nach Weisheit lechzt. Du besitzt nicht ein Fünkchen davon.
Sei still!, röhrte Ganon. Du wirst nicht mehr lachen, wenn ich dir seinen nutzlosen, zerschlagenen Leichnam zu Füßen werfe. Du wirst an deinen Worten ersticken, wenn dein kostbarer Held blutüberströmt und zerfetzt am Boden liegt.
Du glaubst du hast ihm einen Gefallen getan? Sein Tod wäre schnell gewesen. Du hast dafür gesorgt, dass es das nächste Mal lange dauern wird!
Es war lange her, dass Ganon ihr gedroht hatte. Und es versetzte sie wie immer in kalten Schrecken.
Und doch war es leichter seinem Gift zu widerstehen, wenn sie Link sehen konnte. Lebendig und wohlauf, wie er auf dem Weg zu ihrem Vater Pilze und Nüsse aufsammelte und aus einem Stock den er fand, eine provisorische Waffe machte.
Ja, er wirkte anders. Ein wenig unsicher in den Bewegungen. Aber was er tat, war so sehr Link dass Hoffnung und Glück ihr kaltes Gefängnis erwärmte und Ganon sich vorerst zurückzog.
Aber sie durfte sich nicht täuschen lassen. Ganon war vielleicht nicht weise. Aber er war tückisch. Er hatte es bewiesen, als er am Tag seiner Wiederkehr all ihre kostbaren Vorbereitungen zunichte gemacht hatte. Sie beobachtet hatte, Jahr um Jahr, um dann zu korrumpieren, woran sie so lange verzweifelt gearbeitet hatten.
Sie würde ihn nicht noch einmal unterschätzen.
Stattdessen würde sie alles daran setzen, Link zu seiner alten Stärke zu verhelfen. Ob er sich nun erinnerte oder nicht. Er war ihre einzige Hoffnung. Er war Hyrules einzige Hoffnung. Und Zelda würde tun müssen, was das Schicksal von ihr verlangte.
Sie würde alles daran setzen, dieses Land, dieses Volk, ihr Volk, vor der Verheerung zu beschützen.
Auch wenn sie Link dafür viel abverlangen musste. Sie musste ihn zur Eile treiben und ihm gleichzeitig Zeit verschaffen.
Link …
Link …
Es brauchte einen Moment, bis er inne hielt und Zelda Zugang zu ihm fand, so sehr schien es ihn nach vorne zu drängen. In die Welt hinaus.
Hätte Zelda lächeln können, hätte sie es getan.
Begib dich an den Ort, den der Shiekah-Stein dir weißt.
Wieder wusste Zelda nicht, woher sie die Gewissheit nahm. Aber die Worte strömten aus ihr hervor, genau wie das Begreifen, das tiefe Verstehen, dass Link nicht zufällig an dem Tag aus seinem Heilschlaf erwachte, als die Erde gebebt hatte.
Es war, als hätte das Land selbst Link zu sich gerufen. Als würde es ihn weiterhin rufen. Mit seiner verwilderten Schönheit und dem unhörbaren Zirpen das in der Luft lag.
Eine Macht die Zelda spüren konnte, verbunden mit dem Land wie sie es in diesem Zustand war.
Und ihr Gefühl täuschte sie nicht. Als Link ihren Worten Folge leistete, öffnete sich auf dem Shiekah-Stein eine Funktion, die Zelda darauf nie hatte ansteuern können. Eine Karte?
Ein leuchtender Punkt inmitten von Dunkelheit.
Da musst du hin, wollte sie ihm sagen, aber der Held Hyrules verlor keine Zeit.
Es fühlte sich an wie ein Wimpernschlag der verging und schon stand er dem ersten Monster gegenüber. Ohne Rüstung, ohne Schild, nur mit einem Stock bewaffnet und Bewegungen, die Zelda fremd und langsam vorkamen.
Es schmerzte. Diese Ungewissheit. Die Gefahr.
Aber es gab keinen anderen Weg.
Sie lauschte seinen Schritten. Links. Rechts. Vor. Zurück. Ein Sprung.
Monster um Monster fiel.
Und anstatt schwächer zu werden, wurde sein Griff um die neu gefunden Waffen, die seine Gegner fallen ließen, stärker. Selbstsicherer.
Er hatte nicht vergessen, wie man kämpfte. Vielleicht erinnerte er sich nicht daran, es gelernt zu haben, aber ein Teil von ihm, der aus Muskeln und Bewegungen bestand, wusste noch, wie es ging.
Und so schwang er Stock und Fackel, Axt und rostiges Schwert. Lanze und Bogen.
Und traf und kämpfte. Vorwärts. Weiter. Wurde getroffen und stand wieder auf. Humpelte und verzog das Gesicht. Aber er lief weiter. Folgte der Stimme in seinem Kopf. Zeldas Stimme.
Ganon zischte.
Und Zelda atmete auf. Ohne Brust die sich hob und ohne süße Luft, die ihre Lungen füllten. Aber neue Leichtigkeit durchströmte sie.
Verzeih mir, Link. Ich habe noch immer nicht gelernt, nicht an dir zu zweifeln.

Der Shiekah-Stein wies ihm wirklich den Weg. Als hätte die Vergangenheit und das Land selbst sich zur Aufgabe gemacht, ihn zu leiten.
Die Karte wies ihn zu einer Stelle östlich der Zitadelle der Zeit, der Link nur einen neugierigen Blick schenkte.
War der Riss in der Erde dort die Ursache für das Beben gewesen, das Zelda aufgeschreckt hatte?
Ein Leitstein ragte aus antikem Stein hervor. Wies Link an den Shiekah-Stein einzusetzen, so wie er es im Schrein des Lebens gesehen hatte.
Zelda spürte es, bevor Link die Auswirkungen bemerkte.
Ein Vibrieren ging durch das Land. Eine enorme Energiewelle, die alles durchfuhr. Tief in der Erde wühlte und zum Mitschwingen aufrief.
Erneut zitterte das Land. Link stürzte und bevor Zelda in ihrer unmenschlichen, göttlichen Form erschrecken konnte, hob sich in hoher Geschwindigkeit etwas Längliches, Schmales aus dem Boden. Trug Link dem Himmel entgegen und sandte weitere Energiewellen nach außen.
Und Hyrule antwortete.
Überall im Land schossen ebenfalls Türme – es waren Türme – aus dem Boden. Schwindelerregend hohe Gebilde, gelb und blau leuchtend, die Spitzen dem Himmel entgegen gestreckt und so eindeutig von der Hand der antiken Shiekah, dass Zeldas eingefrorenes Herz wild zu pochen begann.
Es pumpte kein Blut durch einen Körper, sondern Hoffnung und Gefühl. Erstaunen. Freude.
Die Schreine, unzählige der alten Konstrukte begannen in einem kräftigen Gelbton zu leuchten. Laut und aus der Ferne zu sehen.
Die Titanen … sie rührten sich.
NEIN!
Ganon tobte. Doch Zelda hatte ihn vorerst gut im Griff.
Endlich.
Sie hatten endlich die Energiequelle gefunden, die unter Hyrule versteckt lag. Endlich konnten sie wirklich auf den Pfaden der antiken Shiekah wandeln. Dem uralten Plan folgen.
Oh Ganon, du schweinegesichter Dämon. Du bist sowas von erledigt.
Nur der kleine Teil der zu dem Mädchen gehörte, dass sie einst gewesen war, fühlte die alte Bitterkeit aufsteigen. Wieso erst jetzt?
Wieso zeigte sich der Schlüssel zu dieser Energiequelle erst jetzt?
Doch in ihr überwiegte die allumfassende Weisheit Hylias und so verging die Bitterkeit, löste sich auf in dem Wissen um den tieferen Sinn hinter allem Sein.
Es ist gut so, hauchte das Bewusstsein der Göttin. Und das kleine Mädchen, das vor hundert Jahren gelebt hatte, senkte das Haupt und akzeptierte.

Der Leitstein der den Turm befeuerte, auf dem Link wieder auf die Füße fand, sammelte seine Energie. Speiste damit den Stein und versorgte ihn mit einer detailliertenbKarte des Plateaus.
Zelda hätte gequietscht, wenn sie eine Stimme gehabt hätte.
Es war perfekt. Eine Karte für den Helden, der das Land vergessen hatte, das er einst bereist und wie seine eigene Tasche gekannt hatte.
Das alles musste Link so verrückt vorkommen.
Aber er ertrug es mit derselben Ruhe, die Zelda von ihm kannte.
Er war Link.
Ihr Link!
Selbst wenn er sich nicht erinnerte.

Erinnere dich. Zelda konnte die Worte nicht zurückhalten. Nicht um ihretwillen, versuchte sie sich einzureden. Für Hyrule. Für dich, Link!

Link wandte sich ihrer Stimme zu.
Erinnere dich!
Seine Schritte – oh seine Schritte – trugen ihn an den Rand des Turms.
100 Jahre lang hast du geschlafen.
Sein Blick fand sie. Meilen über das weite Feld und sein Bewusstsein traf mit derselben aufmerksamen Konzentration auf ihres, wie es immer gewesen war.
Er suchte sie. Hörte auf die Stimme.
Zelda antwortete. Tauchte ihn in beruhigendes, goldenes Licht.
Und enttarnte seine Position erneut für Ganons wütendes Gebrüll.
Es war ein Risiko. Ein großes Risiko. Aber der Teil Zeldas, der von der Göttin gespeist wurde und weniger menschlich war als das Mädchen das sie einst gewesen war, traf diese Entscheidung, um Link zu zeigen, wie die Gefahr aussah, die ihn vor hundert Jahren beinahe getötet hatte.
Sie lockerte die Ketten, mit denen sie Ganons verheerende Kraft eisern umklammert hielt.

Nur ein bisschen. Nicht genug, um ihn freizulassen. Niemals!
Aber genug, um Ganon Luft zu geben. Die er – berechenbar wie er war – sofort nutzte um röhrend und brüllend seine Gestalt zu offenbaren.
Er umschwärmte den Thronsaal in dem das Meiste seiner Energie immer noch fest eingekerkert war, spie seine Bosheit um sich und verdunkelte den Himmel.
Es war gefährlich, auch nur ein bisschen dieser Energie los zu lassen. Aber Link musste es sehen. Er musste begreifen!
Wenn dieses Ungeheuer seine vollständige Kraft wiedererlangt, ist die Welt dem Untergang geweiht.
Jetzt geh.
Es bleibt nicht mehr viel Zeit.
Beeile dich.
Beeile dich…
Zelda wusste, was Druck anrichten konnte. Sie hatte es selbst erlebt.
Aber sie war nicht nur Zelda. Hylia sprach durch ihre Stimme, ermöglichte diese Kommunikation. Und so fielen ihre Entscheidungen größer aus. Es ging nicht um ein einzelnes Schicksal, sondern um das der ganzen Welt.
Also lud sie diese große Last auf Links Schultern in der Hoffnung, dass er sie würde tragen können.
Ich sehe ihn, zischte Ganon. Deinen kleinen Wicht. Ein Held soll er sein? Ich habe ihn einmal besiegt. Ich werde es wieder tun. Lass ihn nur kommen. Dieses Mal werde ich ihn nicht so leicht davon kommen lassen. Ich werde ihn leiden lassen. Er wird sich wünschen nie geboren worden zu sein.
Er wird sich wünschen, du hättest ihn sterben lassen.
Zelda hoffte mit allem was ihr möglich war, dass es nicht dazu kommen würde.
Er kommt nicht deinetwegen, antwortete sie mit so viel Sicherheit, wie sie erzeugen konnte, obwohl die Sorge um Link sie umschwirrte wie glühende Schleichwürmchen. Er wird meinetwegen kommen. Selbst seinen Erinnerungen beraubt, sucht er bereits nach mir. Er spürt etwas. So wie er es immer gespürt hat.
Selbst nach 100 Jahren Schlaf können deine Monster ihm nichts anhaben. Er ist stark. Und mutig.
Und er wird dich ein für alle mal in die Leere zurückbefördern, aus der du gekommen bist.
Mach dich darauf gefasst!
Ganon kochte und schwieg. Es war nie gut, wenn Ganon schwieg. Aber fürs Erste konnte Zelda nichts weiter tun, als ihre Barrikaden noch enger zu ziehen.

Am Rande bekam sie mit, wie Link, geleitet durch den Geist des Königs, begann sich in dieser Welt, die für ihn vertraut und unbekannt zugleich sein musste, zurechtzufinden. Er sammelte Nahrungsmittel und Ingredienzen. Intuitiv schien er zu spüren, was nützlich sein würde und was nicht. Er spürte die Krogs auf, ohne zu wissen, wofür es gut war, ihre Samen zu sammeln. Doch ein Teil von ihm musste sich erinnern. Auch wenn es vielleicht nicht bewusst stattfand.
Er tat so vieles, das Zelda ihn vor langer Zeit hatte tun sehen.
Er war schmerzlich und wunderbar zugleich, es zu beobachten.

Ihr Vater half ihm, sich gegen das Wetter zu schützen.
Ihr Vater, der zu einem Experten für Shiekah-Steine geworden zu sein schien. Und zu einem Komiker.
Wann war das geschehen?
Sie hatte so viel verpasst. So viel war passiert, während Zelda im Limbus aus Zeit und Vergessen geschwebt und Ganon in Schach gehalten hatte.
Sie sah wie Link weitere Funktionen des Shiekah-Steins freischaltete. Wie er in den Schreinen verschwand, die sich nun für ihn öffneten, obwohl sie es vor hundert Jahren nicht getan hatten.
Sie konnte ihn spüren, wenn er unter der Erde verschwand. Aber sie konnte ihm nicht dahin folgen. Es war, als wäre dies eine Verknüpfung, die die Göttin nur mit dem auserwählten Helden teilte.
Doch wann immer Link aus den alten Gebilden auftauchte, schien er gestärkt und gereift zu sein.
Und so sehr es Zeldas Forscherherz auch erfreut hätte, war es ihr Hoffen das überlag. Mochte es Link auf seiner Mission helfen.
Dies war der richtige Weg.
Der Held war auf dem richtigen Weg.
Endlich.

Zelda sah, wie der König ihm erzählte, was vor 100 Jahren geschehen war.
Sah Links Verwirrung und Verstehen.
Und schließlich die Entschlossenheit.
Sie hatte nie an ihm gezweifelt.
Er nahm die Aufgabe an, die ihm auferlegt worden war, kaum dass er richtig stehen konnte.

Wenig später flog er durch die Luft.
Kurz erschrak Zelda, als sie seine Schritte nicht länger auf dem Boden des Landes widerhallen hören konnte.
Er segelte durch die Lüfte. Ihr Vater hatte eine Lösung für Link gefunden, wie er unbeschadet das Plateau verlassen konnte.
Link fand Impah.
Fand, in das leuchtende Blau seines alten Reckengewandes gehüllt, Purah.
Verstärkte den Shiekah-Stein. Bekämpfte die Ungeheuer, die das Land verpesteten.
Wurde stärker.
Zelda sah nicht, was er in all den anderen Schreinen tat, die im Land aufgetaucht waren. Es waren so viele. So viele mehr als vor hundert Jahren.
Aber es stärkte ihn. Sie konnte es an der Sicherheit seiner Bewegungen sehen. Seinen Reflexen. Seiner Ausdauer.
Endlich konnte er den Pfad des Helden beschreiten, wie er es von Anfang an hätte tun sollen. Wenn er gekonnt hätte.
Warum war die Kraft nicht früher erwacht?
Link hätte sich auf Ganon vorbereiten können. Der Schrein des Lebens wäre mit genug Energie versorgt worden. Link wäre schneller geheilt worden. Er hätte nicht 100 Jahre heilen müssen.
Seine Erinnerungen wären nicht verloren gegangen.
Darauf schien es immer wieder zurück zu kommen. Selbst in der zeitlosen, göttlichen Form Hylias, war es das, was Zeldas menschliches Herz gefangen hielt.
Seine Erinnerung an sie.
Gräme dich nicht, Zelda. Dein menschliches Herz ist deine Stärke. Es ist das, was dich von mir unterscheidet.
Es ist dein größter Schatz und deine größte Schwäche.
Hylia sprach nicht oft zu ihr. Aber Zelda hatte längst ihren Frieden mit der Göttin geschlossen.
Also akzeptierte sie.
Die Vergangenheit war vergangen.
Die Zukunft lag vor ihnen.

Seine Schritte in ihrem Herzen, sah Zelda wie er das Land bereiste.
Und dann:
NEIN!
WAS TUST DU DA?!?!
Ganon tobte. Sein Fluch der vor so vielen Jahren Vah Ruta korrumpiert hatte und Miphas Verhängnis geworden war, war gefallen. Zerstört von Link. Der ein wenig benommen am Fuße des Stausees stand und dem Titanen hinterher sah, der sich auf einem Gipfel aufrichtete. Gesteuert von …
Zelda … hörst du mich?
Es war Mipha. Miphas Stimme in ihrem Bewusstsein, geleitet durch die heilige göttliche Kraft, die Zelda durchfloss.
So süß und rein und so, so traurig.
Mipha. Oh Mipha. Es tut mir so leid!
Mipha antwortete nicht. Sondern lenkte Rutas ganze Kraft in einem grellen Strahl reiner, unverdorbene Energie auf den Thronsaal.
Dorthin wo Ganon gefangen war. Wo Zelda ihn gefangen hielt. An die heilige Kraft der Göttin gebunden, unmöglich sich davon zu befreien.
Er hatte sein Schicksal besiegelt, als er in seiner Gier Zelda verschlungen hatte und damit eins mit ihr geworden war.
Sie spürte die Kraft des Energiestrahls, spürte ein wenig von der Boshaftigkeit weichen, mit der Ganon sie seit hundert Jahren überrollen wollte.
Mipha?
Mipha antwortete nicht. Zelda spürte, dass die sanfte Seele der Zora Prinzessin ihr nicht grollte. Sondern sich zurück gezogen hatte, um zu trauern. Um ihr verlorenes Leben. Ihre verlorene Liebe. Und ihre Familie.
Respektvoll akzeptiere Zelda Miphas Wunsch. Nach all den Jahren, die Miphas Seele gefangen gewesen war, sollte sie selbst entscheiden dürfen, wohin ihr Geist sie trug.

Ganon schnaubte und schickte seine Monster. Und dann, zu Zeldas Schrecken, entglitt er ihr. Nicht lange. Nicht wirklich. Er konnte sich nicht von ihr befreien. Aber er fand einen Weg seine Bosheit und Machtgier in den Himmel zu leiten.
Er machte es heimlich. Sodass Zelda es nicht bemerkte.
Nicht seine gesamte Kraft. Immer nur ein bisschen.
Stück für Stück.
Bis seine Verdorbenheit den glatten, sanften Spiegel des Mondes verfinsterte, in Rote, wabernde, unheilvolle Farbe tauchte und seine Kraft auf das Land niederwarf.
Er hatte einen Weg gefunden, Zeldas Barriere zu umgehen.
Ihr blieb nichts weiter, als eine Warnung auszurufen.

Link. Sei auf der Hut!

Neue Monster, all die Gegner die Link besiegt hatte, erstanden von neuem. Schrecklicher und verdorbener als vorher. An der Farbe ihrer Felle konnte Zelda erkennen, dass sie stärker geworden waren. Mächtiger.
So lange schien es her, dass Link ihr die Unterschiede der Monster gezeigt und ihr erklärt hatte, dass die Farbe der Monster ihr Alter und damit ihre Kraft anzeigte.
Sie erinnerte sich daran.
Aber Link tat es nicht. Er wusste nicht mehr, dass ein schwarzes Fell von einem unfassbar starken Bokblin getragen wurde.
Aber er fand es heraus.
Und trug auch diese Entdeckung mit Fassung.
Es war grausam.
Je länger Link in Hyrule weilte, desto mehr Gegner würden ihn überrennen.

Wer ist jetzt der Dumme, Prinzesschen, höhnte Ganon in ihrem Geist. Schlug an, an die Grenzen zwischen ihnen und ließ sie erbeben.
Dein kleines Bengelchen wird sich sein eigenes Grab schaufeln und ich muss nichts weiter tun, als zu zu sehen!

Es war das erste Mal das seine Worte ihr Ziel fanden. Wie Pfeile bohrten sie sich in Zeldas Herz. Aber sie verlor nicht die Hoffnung.
Sie schwieg. Und leitetet die Kraft der Göttin die sie durchfloss in das Land.
Ließ Pflanzen schneller wachsen, Tiere sich vermehren. Bereitete ein Land voller milder Gaben, die dem Helden auf seinem Weg in den Schoß fallen würden.
Ganon, blind für Wachstum und Leben wie er war, bemerkte es gar nicht.

Sie hörte erst wieder etwas von ihm, als Link Vah Medoh befreite.

Ich werde ihn zermalmen. Wie kann er es vagen. NEIN!!
Zelda ignorierte sein Toben. Bald kam, worauf sie gewartet hatte, seit Miphas Seele in ihr aufgeblinkt war.

Er fliegt jetzt. Wusstest du das?
Das bekannte Schnarren durchflutete Zelda mit dem Gefühl eines Lächelns.
Technisch gesehen ist es eher Gleiten, glaube ich. Und auch nur von Erhöhungen aus. Also …

Das war, bevor ich ihm meine Fähigkeit vermacht habe, einen Aufwind zu erzeugen.
Revali klang … erlöst. Weniger zornig. Beinahe … belustigt.
Oh, Revali … Das ist großzügig von dir.
Naja. Ich brauche es nicht mehr. Und wenn er damit diesen schweinegesichtigen Aasgeier um die Ecke bringen kann, dann habe ich sie gern gegeben.

Wie anders er klang. Dieser stolze, schnöselige Orni. Beinahe edel. Ruhiger. Zufriedener.
100 Jahre Einsamkeit hatten ihm wohl die Vorzüge sozialer Kontakte vorgehalten.
Gut für ihn.

Jaaaaaaaaaa!
Ein glückliches Dröhnen hallte an Zeldas Ohr und vermischte sich mit dem grollenden Brüllen Ganons, als ein weiterer seiner Flüche durch Link fiel.
Der Kleine hat es geschafft. Er hat mich befreit und Ganons Feuerfluch den Gar aus gemacht.

Du könntest versuchen, nicht ganz so laut zu sein, Daruk. Das kam von Revali.
Nur weil wir nicht mehr über unsere Ohren hören, heißt das nicht, dass es nicht weh tut, wenn du so herumbrüllst.

Die Erinnerung des mächtigen Goronenlachens durchhallte die Ewigkeit.
Friede erfüllte Zelda, während sie weiterhin den Weg des Helden verfolgte.
Wie er den Erinnerungen nachjagte. An den Orten stand, die die Bilder ihm wiesen. Bilder die sie gemacht hatte, vor hundert Jahren, als die gemeinsamen Reisen mit ihm ihr die Welt bedeutet hatten. Sie zu sich selbst hatte finden lassen. Bis sie beinahe die Siegelkräfte in sich gefunden hatte.
Es wurde schwieriger, Ganon weiterhin genauso viel Aufmerksamkeit entgegen zu bringen, wenn so viel um sie herum geschah.

Ihr könntet beide ein bisschen leiser sein. Ich muss mich hier ein bisschen konzentrieren.

Revali und Daruk verschwanden an den Rand von Zeldas Bewusstsein, während sie Links Schritten lauschte. Sie waren schneller. Noch schneller als vorher.
Schnelle Schritte, die ihn irgendwann zum Schloss trugen.
Zelda bemerkte es erst, als seine Präsenz Ganon zum Brüllen brachte.
Für einen Moment konnte sie ihn nicht halten.
Erneut umwaberte er das Schloss. Grollte und schnaubte und schoss seinen boshaften Schleim auf die Umgebung ab.
Es war kurz, aber Zelda erschrak bis ins Mark.
Nein. Es durfte nicht sein. Link durfte noch nicht her kommen. Er war weit gekommen und er war stärker geworden. Aber er war noch nicht so weit.
Nicht mal das Bannschwert hatte er bei sich.
Doch noch während der Atem, den sie nicht mehr atmen musste, ihr stockte, begriff sie, als sie ihn auf der Wehrmauer an ihrem zerstörten Turm stehen sah.
Er hob den Shiekah-Stein und blinzelte in die Sonne. Umgeben vom verpesteten Gestank Ganons und seine sklavischen Untergebenen. Den korrumpierten Wächtern und der Last alter Erinnerungen.
Die Erinnerungn.
Link kam wegen der Erinnerung.
Er durchkämmte das Schloss.
Und dann war er wieder verschwunden.
Es war schmerzhaft ihn gehen zu sehen. Und es war wunderbar ihn in Sicherheit zu wissen. Vorerst.

Er trug das blaue Gewand, das Zelda vor so vielen Jahrzehnten für ihn hatte herstellen lassen. Mit Bedauern erinnerte sie sich an den Widerwillen mit dem sie den Held in die königlichen Farben gekleidet hatte. An ihre Verzweiflung in jener Zeit. Erst durch Links Vertrauen in sie, die Gewissheit die er fühlte und lebte und ausstrahlte, hatte sie langsam zu sich selbst und damit zu dem Kern in sich gefunden, zu dem der Zugang ihr so lange verwehrt geblieben war.
Den du dir selbst verwehrt hast, hallte das Echo Hylias in Zeldas Bewusstsein.
Sie teilten einen kurzen Moment nachsichtiger Belustigung, die Göttin und die Prinzessin, während die Prinzessin ein klein wenig sehnsuchtvoller an die Vergangenheit dachte.
Wirklich verstanden hatte sie erst an der Quelle der Weisheit, als Nayrus Geist ihr offenbarte, was Link seit Monaten auf seine Weise versuchte, ihr klar zu machen.
Es hätte der Anfang sein sollen. Stattdessen hatte Ganons Auftauchen es zum Anfang vom Ende gemacht.
Dies ist nicht das Ende, flüsterte die Göttin, während Ganon voller Hohn an den Barrikaden rüttelte, die ihn festgeschnürt hielten.
Du glaubst du hast eine Chance? Sieh sie dir nur an, deine geliebte Quelle! Sieh dir an, was ich mit deiner Weisheit gemacht habe!
Er hatte sie schon so häufig dazu bringen wollen, ihren weitsichtigen Blick nach Ranelle, zur Spitze des höchsten Berges zu richten, dort wohin die Wurzeln die sie in diesem schwebenden Zustand zwischen Körper und Geist wahrnehmen konnte, tiefer mit ihr verbunden waren.
Nie hatte sie seinen tückischen Versuchen sie zu quälen nachgegeben. Auch jetzt hätte sie ihn ignoriert, wie sie es so viele Male zuvor getan hatte.
Wenn die Präsenz des Helden nicht in eben jener Gegend weilen würde. Wenn die Schritte des Helden nicht durch Schnee und Eis gedämpft an Zeldas Herz dringen würden.
Siehst du es? Siehst du meine Macht?! Sieh hin, erbärmliche Närrin! Sieh hin und begreife! Du kannst nicht gewinnen. Du hast bereits verloren. Gib auf! Gib auf und ich werde dich und deinen Winzling von Helden verschonen.
Es war nicht leicht gleichzeitig zu verarbeiten, was sie sah, Links Schritte zu verfolgen und nicht preiszugeben, wie sehr sie schockierte, was Ganon ihr seit langer Zeit zeigen wollte.
Bei Nayru … bleib standhaft, Zelda.
Bei Nayru in der Tat.
Die sanfteste der Göttinnen, die auf ewig mit Zelda verbunden sein würde, hatte am härtesten unter Ganons Ansturm gelitten. Wie hatte sie es nicht sehen können? Nicht spüren können?
Der Drache, die schöne und kraftvolle mystische Kreatur, die Nayrus Geist in die irdischen Gefilden brachte, war verpestet und krank. Ganons Seuche hatte ihn befallen und korrumpiert. Doch das uralte, weise Wesen litt. Denn ganz und gar hatte es die verheerende, böse dämonische Kraft nicht geschafft, die Reinheit der Göttin umzukehren. Anders als bei den Titanen und den Wächtern, wehrte sich das Leben gegen die Pest, die auf ihr lastete.
Und Link – Link stand ihr direkt gegenüber.
Selbst in dem erhöhten, mächtigen Zustand in dem Zelda sich seit der Fusion mit der göttlichen Kraft die ihr innewohnte befand, konnte sie nicht schnell genug verarbeiten, was sich ihr offenbarte.
Und so stockte ihr der schlafende Atem in ihrer stillen Brust, während Ganon gleichzeitig seine Wut in die Welt hinausbrüllte.
Nein, dieser Winzling. Dieser eselsköpfige Hundsfott. Ich werde ihn zermalmen. Ich werde ihn in Stücke reißen. Ich werde ihn…
Ganons Ausführungen gingen in dem erleichterten Aufatmen unter, das Nayrus Wächter ausstieß, als der letzte von Links Pfeilen die Geschwüre Ganons auf seinem Körper durchbohrte.
Hätte Zelda nicht selbst gehört, dass die kristallklare, eisige Stimme, die am Tag nach ihrem siebzehnten Geburtstag auch zu ihr gesprochen hatte, ihn genau darum gebeten hatte, wäre der Schock ihr bis ins Mark gefahren, als Link den Bogen hob und auf Naydra zielte.
Der Anblick war auch so schon kein angenehmer gewesen.
Obwohl es etwas Besonderes war, mit anzusehen, wie ihr Held sich von den Aufwinden in die Höhe tragen und dann, mitten im Flug, den Paragleiter zusammenschnappen ließ, um auf den Drachen zu schießen. Es war wirklich, als könne er die Zeit anhalten, so wie er es im Spaß immer gesagt hätte.
Die Geschwindigkeit und Präzision seiner Bewegungen ließ Zelda schwindeln. Und es war nicht leicht sie in diesem Zustand des Geistes derart zu beeindrucken. Wie sehr er an Stärke gewonnen hatte, in der Zeit seit seinem Erwachen.
Er befreite Naydra und schoß ihr eine Schuppe vom Leib. Der heiligen Quelle dargeboten, öffnete dieser Schlüssel ihm den Weg zu einem weiteren Schrein und einem weiteren Segen der Göttin.
Er fand Eldra in der eisigen Kälte des Hebragebirges und die von blitzenden Kugeln aus Elektrizität umbrodelte Farodra.
Er fand das Bild, das Zelda vor so langer Zeit von der Quelle der Kraft gemacht hatte. Und er erinnerte sich.
Erinnerte er sich auch an ihre Besuche bei der Quelle des Mutes? Wie wichtig waren die Erkenntnisse dort für Zelda gewesen. Wie aufwühlend die Erlebnisse.
Stück für Stück fand er zu seiner alten Stärke. Zu neuer Stärke. Wuchs darüber hinaus. Mit der Hilfe der Heldenprüfungen, die vor so endlos langer Zeit für den unsterblichen Teil seiner Seele erschaffen worden waren.
Mit Hilfe der Völker Hyrules, die ihm dabei halfen die Titanen aus Ganons Klauen zu entreißen. Mit Hilfe der eingesperrten Seelen der Recken, die ihn leiteten.
Die Bewohner der Dörfer und Stelle halfen, indem sie in ihrer Unwissenheit das Auftauchen eines kräftigen, hilfsbereiten jungen Hylianers nutzten, um ihn auf ihre alltäglichen und weniger alltäglichen Probleme anzusetzen.
Es forderte Link. Machte ihn widerstandsfähiger. Schneller. Kreativer. Und sie beschenkten ihn mit Hinweisen. Zelda frohlockte. Er wusste jetzt, wo das Bannschwert ruhte. Hatte die Gerüchte gehört.
Selbst der Himmel schickte seine Gaben um den Helden zu bereichern. Warf leuchtende Sterne auf die Erde, die Link fand und sammelte.
Hatte er vor seinem Fall schon diese Art Elixiere brauen können? Etwas sagte Zelda, dass dem nicht so war.
Er wurde stärker. Mit jedem Schritt den er tat.
Und je stärker er wurde, je mehr er zu dem Helden wurde, der er immer sein würde, desto mehr wurde aus Zelda die Prinzessin, die sie gewesen war.
Sie ertappte sich bei menschlichen Gedanken, die ihr lange fremd gewesen waren.
Sie fühlte.
Und sie wusste, die Zeit, in der die Göttin fest mit ihr verwoben war, neigte sich dem Ende.
Es war ein Wettlaufen. Link musste bereit sein. Aber viel Zeit blieb ihr nicht mehr. Zelda wurde menschlicher. Und ihre Kraft neigte sich dem Ende zu.
Link!
Wie immer, wenn sie zu ihm sprach, neigte er den Kopf. Wirkte kurz ein wenig verwirrt, gestört in seinem Fokus.
Ich danke dir ... du hast alle Titanen zurückerobert und die Seelen der Recken erlöst. Sie werden bereit sein, wenn du in Schloss Hyrule gegen Ganon kämpfst.
Es war ein weiteres Zeichen dafür, dass die göttliche Verbindung zu Hylia sich wie ein Schleier zurückschob, dass sie die nachfolgenden Worte nicht unterdrücken konnte:
Und ich ... ich warte auch auf dich.

Kannst du eine Nachricht für mich übermitteln, kleiner Vogel?, drang Urbosas Stimme an Zeldas Bewusstsein, nachdem sie für unbestimmte Zeit in Trance verbracht hatte, um ihre Kräfte zu sparen.
Sie hatte darauf gewartet. Trotzdem war sie nicht genügend auf die überschwängliche Mischung an Emotionen vorbereitet, die der Klang von Urbosas vertrauter klangvoller Stimme in Zelda auslöste.
Sag diesem Widerling von einem Möchtegern Gerudo, dass er sich bereit machen soll. Wir sind fast so weit. Und dieses Mal kann er sich auf was gefasst machen!

Der Möchtegern Gerudo bäumte sich auf als er den Untergang des Fluchs spürte, der Vah Naboris für hundert Jahre heimgesucht hatte und beanspruchte damit so sehr Zeldas Aufmerksamkeit, dass sie erst verspätet antwortete.

Ich gebe mein Bestes, momentan schmollt er, also glaube ich nicht, dass er mir zuhören wird.

Schmollen war derartig komisch untertrieben, dass Urbosas schallendes Gelächter die Antwort war, während Ganon Zeldas keckes Gerede mit einer erneuten Salve aus tückischen Angriffen heimzahlte.
In diesem schwebenden Zustand aus göttlichem Schutz kannte Zelda keine Erschöpfung. Dennoch fühlte sie mit einem Mal jedes der hundert Jahre in den feinen Gabelungen ihres Bewusstseins.

Es tut so gut, deine Stimme zu hören, Urbosa. Du hast mir gefehlt. Es tut mir so leid.
Spar dir den Atem!, war die wegwischende Antwort. Sieh dir lieber an, was für eine prächtige Vai unser kleiner Held abgibt. Ich finde ja, dass türkis nicht so ganz zu seinem Teint passt, aber selbst ich muss zugeben, dass es seine Augen ganz besonders hübsch betont.
Und es war tatsächlich ein Anblick den Zelda in ihrem Leben nicht vergessen würde.
Das lag nicht nur Links unzulänglicher Bekleidung, die, zumindest für hylianische Maßstäbe, an Schamlosigkeit grenzt. Es war vor allem seine Anpassungsfähigkeit.
Er bewegte sich anders, gestikulierte anders. Sprach anders.
Beinahe wirkte es so, als wäre es nicht das erste Mal, dass er es tat.
Urbosa, hakte Zelda zögerlich nach, während sie sah, wie Link an einem der Stände in Gerudostadt einige Vorräte erwarb, kann es sein, dass…
Urbosas Lachen ließ die Frage ungehört im Raum verhallen.
Glaubst du etwa wirklich, er hätte dich aus den Augen gelassen, nach dem Erlebnis mit den Yiga? Nein, kleiner Vogel. Nicht mal eine Stadt voller Kriegerinnen hält deinen Ritter davon ab, dich zu beschützen. Selbst wenn es verboten ist, diese Stadt überhaupt zu betreten.
Natürlich.
Natürlich!
Jetzt schien es ihr so offensichtlich, dass sie sich mit der Hand vor die Stirn geschlagen hätte, wenn sie es gekonnt hätte.
Damals hatte sie ihn noch nicht so gut gekannt. Hatte ihn gar nicht gekannt. Und dann, vor der größer werdenden Bedrohung durch Ganon, war es nicht weiter wichtig gewesen.
Aber, es ist so offensichtlich …, entgegnete Zelda nach einer Weile des Beobachtens.
Link verstand es, sich anzupassen. Auf den ersten Blick war seine Maskerade gut. Aber dass er eine Stadt voller grimmiger Krieger täuschen konnte … aber, konnte er das? Ging es darum, zu täuschen?
Die Kleine gefällt mir wirklich.
Das war wieder Urbosa.
Eine gute Nachfolgerin. Eine gute Königin. Du wirst Freude an ihr haben, wenn du den Schweine-Dämon losgeworden bist und wieder Boden unter den Füßen hast.
Zeldas Aufmerksamkeit richtete sich auf die junge Königin der Gerudo, auf dem Thron sitzend, vor dem einst Zelda gestanden und Urbosa gebeten hatte, Recke im Kampf gegen Ganon zu werden.
Es genügte ein Blick, um zu wissen was vor sich ging.
So offensichtlich wie sie mit Link schäkerte, konnte die Königin nur wissen, was unter dem Schleier steckte.
Und so grimmig, wie die Leibwächterin dreinschaute, wusste auch sie Bescheid.
Wissen sie es alle?!
Urbosa schien sofort zu verstehen.
Weißt du, kleiner Vogel, das Wüstenvolk hat es schon immer verstanden gleichzeitig traditionsbewusst und fortschrittlich zu sein.
Und während Link den Bewohnern der Wüstenstadt bei ihren Problemen helfend zur Seite stand und das Wohlwollen der jungen Königin noch stärker wurde, verstand Zelda.
Wer nicht bereit war, sich auf die Spielregeln einzulassen, hatte es verdient an den Stadtmauern rüde abgewiesen zu werden. Aber wer Offenheit und ein gewisses Maß an Humor bewies, dem öffneten sich Tore, die sonst verschlossen blieben.
Und das Wüstenvolk versteht es, wichtige Lektionen des Lebens auf die seltsamste Weise zu lehren.
Urbosas Antwort war ein Glucksen.
Dann wurde sie ernster.
Er ist anders. Siehst du es auch, kleiner Vogel?
Natürlich war klar, wen sie meinte. Gerade war er dabei, im Sandrobbenrennen gegen eine mit spezieller Schutzbrille ausgerüstete Gerudo zu verlieren.
Wenn man ihm so zu sah, konnte man leicht aus den Augen verlieren, dass er sich auf einer wichtigen Rettungsmission befand.
Er erinnert sich. Nicht an alles. Aber an manches.
Und er will mehr. Er sucht nach dir. An jedem Ort.
Es steckte zu viel von Hylia in dieser Zelda, als dass Urbosas Worte ihr zu Kopf steigen könnten, so wie es vor so langer Zeit geschehen wäre.
Er sucht nach sich selbst. Und ich bin ein wichtiger Schlüssel dazu.
Urbosa ignorierte ihren Einwand.
Ich denke, die fehlende Erinnerung an die Last seines Schicksals hat ihn auch die Maske vergessen lassen, die er der Welt sonst gezeigt hat. Müdigkeit, Schwäche. Man sieht es ihm jetzt an. Ich schwöre, ich habe ihn noch nie vorher zittern sehen.
Zelda schon. An diesem schrecklichen Tag vor hundert Jahren. An dem sie davon überzeugt gewesen war, dass sie sterben würden.
Das gefällt dir doch, oder? hakte Urbosa nach, nachdem Zelda nicht geantwortet hatte.
Er ist am Leben. Seine Füße wandeln auf Hyrules Boden. Die Welt hat ihn wieder. Das ist alles was zählt. Es ist nicht fair, ihn mit dem Link zu vergleichen, der er vergessen hat zu sein.
Urbosa brachte es fertig, in die Stille hinein so laut mit den Augen zu rollen, dass Zelda es bildhaft vor sich sehen konnte.
Dann verabschiedete sie sich mit amüsiertem Tonfall.
Ich warte auf meinen Einsatz, Prinzessin. Sag Ganon, dass Naboris und ich ihn fertig machen werden!
Daruk und Revali stimmten in diesen Schlachtruf mit ein und selbst Miphas schweigend zarte Präsenz verstärkte sich für einen Augenblick.
Gemeinsam mit den auf das Schloss gerichteten Energiestrahlen war das ein solch bemerkenswerter Eindruck, dass Zelda sich dem Impuls nicht erwehren konnte, ihn an Ganon weiter zu leiten.
Feiert ihr nur euren kleinen Sieg, ihr Schwächlinge, grollte seine böse Präsenz. Ich habe euch bereits besiegt. Ich kenne eure Schwächen. Es wird mir ein Vergnügen sein, euch ein zweites Mal zu unterwerfen.
Genieß deine letzten Tage, Prinzessin Machtlos! Ich kann spüren, wie du schwächer wirst.
Ganons Schimpfnamen für sie waren keine Neuheit für Zelda und sie ertrug den Namen, der sie vor so langer Zeit hatte verzweifeln lassen ,mit über Jahre gewonnener Gleichgültigkeit.
Aber er hatte nie zuvor mit solch befriedigter Schadenfreude von ihren schwindenden Kräften gesprochen. Konnte er es tatsächlich spüren?
Ihr selbst war es kaum aufgefallen, bemerkte es nur an ihrer veränderten Art wahrzunehmen und zu denken. Sie spürte die Rückkehr von Zelda. Der hylianischen Prinzessin, die atmete und schlief, die tief fühlte und nicht mit neutraler Göttlichkeit gesegnet war.
Fühlte Ganon wirklich die Ketten um seine verheerende Macht schwächer werden?
Oder war es ein Trick? Ein erneuter Versuch sie zu zermürben?
Es mochte ihm Weisheit fehlen, aber Zelda hatte lange gelernt ihn nicht zu unterschätzen. Er war tückisch und scharfsinnig, wenn ihm auch manchmal die Weitsicht fehlte, weil sein explosiven Wesen ihn hitzköpfig sein ließ.
Ich kann deine Angst spüren, elendige Wichtin. Du fühlst dich stark. Aber du bist schwach. Du brauchst eine Göttin, um dich gegen mich zu behaupten, während ich nur mich selbst brauche.
Du brauchst einen kleinen Kobold mit einem alten Schwert, um dich zu beschützen. Du musst gerettet werden, wie jeder andere Schwächling in der Geschichte der Welt.
Aber deine Zeit läuft ab. Ich muss nur warten und dann werde ich dich fallen sehen.
Genauso wie deinen geliebten Helden. Wo ist er jetzt? Siehst du ihn? Wie heroisch er aussieht, wie er da im Matsch kniet und flennt!
Zelda war so sehr damit beschäftigt Ganons bosartigen Spott von ihr abprallen zu lassen, dass sie seine letzten Worte beinahe nicht gehört hätte.
Sofort streckte sie die Fühler ihres Geistes nach Links Präsenz aus. Sie fand ihn kniend, wie Ganon es gesagt hatte.
Auf dem Feld in Sichtweite der notdürftig geflickten Hateno Festung.
Er hatte die Orte besucht, die der Shiekah-Stein ihm gezeigt hatte. Er hatte sich erinnert. Und schließlich hatte Impah ihn hierher geschickt. An den Ort, an dem er vor 100 Jahren beinahe sein Leben verloren hatte.
Welches war das letzte Bild gewesen, das er erkannt hatte, bevor er nach Kakariko zurückkehrte? Zelda hatte es nicht mitbekommen. Sie war zu sehr damit beschäftigt gewesen, Ganon an sich gekettet zu halten und den freigewordenen Seelen der einstmaligen Recken Schutz zu gewähren.
Sie hatte versucht Ruhe zu bewahren und zu hoffen, dass Link dem Weg folgen würde, den sie und die verbliebenen Erinnerungen an die vergangene Zeit, ihm aufzeigten.
Und er hatte es getan.
Er kniete im nassen Gras und starrte auf den Boden, den Shiekah-Stein neben sich. Er war ihm aus der Hand gefallen, die sich an seiner Hüfte zur Faust ballte.
Erinnerst du dich, wie ich ihn durchbohrt habe?, höhnte Ganon und beschwor die schrecklichen Bilder in Zeldas Bewusstsein herauf.
Die wilden Blitze der Wächter. Die rot glühenden Augen. Die Schreie der Kämpfenden.
Das mechanische Summen. Das Chaos. Das Feuer und der Schmerz.
Die Angst.
Ich werde es wieder tun, wenn er hierher kommt. Ich freue mich schon darauf.
Ein wildes, markerschütterndes Lachen ließ ihn Toben. Du hättest ihn sterben lassen sollen. Du hättest ihm so viel Schmerz erspart. Sieh ihn dir an! Das soll ein Held sein? Er hat nicht mal sein lächerliches Schwert.
Ganon hatte Recht. Die Speere seiner Worte hatten so viel Schärfe, weil sie so häufig in der Wahrheit fußten, wenngleich er es auch verstand diese so zu verdrehen und zu beugen, dass sie all ihre Kraft und Aufrichtigkeit verlor, verschleimt und verpestet zu etwas Bösartigem wurde, das nur noch verletzen und zerstören konnte.
Das Schwert, das auf Links Rücken befestigt war, trug nicht die uralte Macht in sich, von der Zelda sich beim Deku-Baum verabschiedet hatte.
Keine Sorge, kleiner Vogel. Er weiß wo es sich befindet. Wenn er es noch nicht geholt hat, hat er einen Grund dafür.
Urbosa hat Recht, meldete sich das erste Mal seit ihrer Befreiung Mipha zu Wort.
Er weiß, wo es ist. Bevor er Ganon entgegen tritt, wird er es holen.
Ich danke euch. Aber ihr braucht euch nicht um mich zu sorgen. Es ist seine Entscheidung. Und sein Weg.
Es war sein Weg. Und er ging ihn ganz allein, wenngleich das Land ihm seit seinem Erwachen beistand. Und auch wenn der Zweifel leise in ihr vor sich hin glimmte, so hatte sie sich versprochen auf Link zu vertrauen.
Also würde sie genau das tun.
Link…
Link!
Er hob den Kopf. Inmitten des Regens, der das goldene Haar an seine Stirn klebte und vor der Welt verbarg, ob sich auf seinen Wangen wirklich Tränen befanden. Erhob sich langsam und griff mit mechanischen Bewegungen nach dem Shiekah-Stein.
Sein Blick war leer, meilenweit entfernt, in der Vergangenheit.
Vielleicht würde Zelda nie ganz verstehen können, wie er sich in diesem Moment fühlen musste. Wie er sich die ganze Zeit gefühlt haben musste. Nicht zu wissen, wer er war. Die Last seines Schicksals dann zu erfahren, Brocken um Brocken. Im Wettlauf mit der Zeit, mit einer erdrückenden Aufgabe vor sich, ohne wirklich vor die Wahl gestellt zu werden.
Seit er die Augen geöffnet hatte, war er angetrieben worden. Von denjenigen, die sich an die Zeit vor 100 Jahren erinnerten. Von den Bruchstücken seines alten Lebens, die er sich mühsam zusammengesucht hatte.
Und von Zelda selbst, die ihm keine Ruhe gelassen hatte und es auch jetzt nicht tun konnte. Wie verloren musste er sich fühlen. Hier zu knien und endlich zu erfahren, dass er gefallen war, um sie zu beschützen. Dass ihre Kräfte zu spät erwacht waren, um ihn zu retten.
Mit der Gewissheit im Rücken, dass das Schlimmste noch vor ihm lag.
Und es war Zeit, sich ihm zu stellen. Wenn er jetzt nicht bereit war, würde er es nie sein.
Zelda fühlte sich älter als 117 Jahre, als sie die Kräfte in sich mobilisierte, um ihn ein weiteres Mal anzutreiben. Um ein Lächeln in ihre Stimme zu legen, wo dieser Moment sich doch so schwer und ungewiss anfühlte.
Link!
Die Zeit die wir vor 100 Jahren miteinander verbrachten ... du hast nun alle Erinnerungen an jene Tage zurückerlangt.
Aber hatte er das? Er hatte die Orte bereist, die der Shiekah-Stein ihm gezeigt hatte. Er hatte einige Erinnerungen wiedererlangt, das bestätigten die Recken.
Aber erinnerte er sich darüber hinaus an die Zeit vor 100 Jahren?
Es durfte keine Rolle spielen.
Er wusste was nötig war, um zu verstehen, was geschehen war. Er wusste genug, um sich ein Bild zu machen, um eine Entscheidung zu treffen.
Und er musste sie jetzt fällen.
Ich warte auf dich. Hier in Schloss Hyrule warte ich auf den Tag, an dem du die Verheerung Ganon aus unserer Welt verbannen wirst.
Sein Blick veränderte sich. Die Leere verschwand daraus und fokussierte sich. Gelenkt in die Richtung aus der ihrer Stimme zu ihm gesprochen hatte. Durchschnitt Baum und Stein, Berg und Mauer und Ganons verpesteten Schleim, der auf Land und dem Schloss lastete.
Traf Zelda mit seiner gesamten Aufmerksamkeit. Es war wie damals, als es ihr stets beinahe den Atem geraubt hatte, wann immer er sie auf diese Weise angesehen hatte. Wie damals war sie es nicht gewohnt. Damals hatte stets so vieles seine Aufmerksamkeit benötigt, seine Konzentration war auf so viele Details verstreut gewesen, dass sie die ganze klare Kraft seines Blicks kaum verarbeiten konnte.
So war es auch jetzt. Selbst verschmolzen mit der Göttin traf sie das tiefe Blau seiner Augen inmitten ihrer Seele.
Oh Link …
Sein Hände ballten sich zu Fäusten. Entschlossenheit trat auf seine Miene. Dann schüttelte er kurz den Kopf. Nein.
Er begann zu rennen.
Ganon tobte. Es war schwerer als sonst passiv und neutral zu sein, in die Trance zurückzukehren die Zeit nichtig machte. Oft hatte es sich nicht wie ein Kampf angefühlt, Ganon in Schach zu halten. Doch nun spürte Zelda in der Faser ihres Seins, wie viel Kraft es sie kostete.
Es war gleichzeitig schwerer zu wissen, dass das Ende zum Greifen nah war und eine Erleichterung.
Sie versuchte sich auf Links Schritte zu konzentrieren. Das Echo in ihrer Seele widerhallen zu lassen und Kraft aus dem Beweis zu schöpfen, dass er auf dem Weg war.
Nach kurzem Schock hatte sie Links Botschaft verstanden: Noch ein bisschen.
Er bereitete sich vor. Verbrachte Zeit in Hateno und bei Impah. Er schlief – etwas, das Zelda ihn seit seinem Erwachen nicht hatte tun sehen. Eine alte Angewohnheit, die er unbewusst weitergelebt hatte oder eine Konsequenz aus dem Zeitdruck, der sich auf seinen Schultern summiert hatte?
Er füllte seine Vorräte und leerte sein Gepäck. Genauso wie er es auch vor 100 Jahren getan hatte, an dem schrecklichen Tag als Ganon sie überrannt hatte.
Es war fürchterlich ihm dabei zu zu sehen. Das erste Mal seit langer Zeit, hatte Zelda wirklich Angst.
Aber Link hielt nicht inne.
Er wandte sich gen Norden. Zum großen Hyrulewald. Und verirrte sich prompt in dessen Tiefen.
Zelda erinnerte sich, dass er sie davor gewarnt hatte, wie leicht es war, sich in dem Nebel zu verlieren. Dass der Wald nicht umsonst seinen Namen trug.
Wie lange hatte er gesagt, hatte er gebraucht um den Trick herauszufinden, der den Weg wies?
Länger als dieses Mal.
Denn er verirrte sich kein zweites Mal.

Mein Meister ist zurückgekehrt!
Die zeitlose Stimme des Schwertes hallte über das Land, befreit aus dem Schlummer in den Zelda es vor Jahren gelegt hatte, frohlockte es über Links Rückkehr.
Eine Energiewelle folgte, als Link den Knauf des Schwertes berührte. Zelda hörte ihre eigene Stimme die Worte in ihrem Bewusstsein widerhallen, Worte, die sie vor so langer Zeit zu dem Schwert gesprochen hatte, als sie es durch den Nebel der verlorenen Wälder an seinen Ruheplatz zurücktrug.
Der Rest liegt an dir … bitte!
Sie hörte die Verzweiflung im Echo ihrer Stimme, die zart keimende Hoffnung. Die Liebe die ihr Herz erfüllt hatte, auch wenn Trauer und Schmerz es in einen Käfig gesperrt hatten.
Was auch immer Link spürte, was auch immer er hörte, als er das Schwer berührte, es ließ ihn zurücktaumeln wie von einer unsichtbaren Macht getroffen.
Er betrachtet seine Hände, verwirrt und überrascht. Schockiert?
Wie froh war sie darüber, dass die Aura des Deku-Baums ihn einhüllte, dort, an diesem vergessenen Ort. Wie froh war sie, dass seine Weisheit Link leiten konnte. Ein weiterer Verbündeter auf seinem Weg zurück zu sich selbst.
Es war bezeichnend für Links Standfestigkeit, dass er sich nicht allzu sehr darüber zu wundern schien, dass ein überdimensional großer Baum zu ihm sprach.
Oder … erinnerte er sich?
Hatte er den Weg so schnell durch die verlorenen Wälder gefunden, weil er sich erinnert hatte?
Nein – selbst der Deku-Baum schien zu bemerken, dass der Link der vor ihm stand, nicht mehr wusste, dass er nicht das erste Mal dort stand, das Bannschwert vor sich in einem Sockel aus Stein.
Das Schwert würde Link wenn er versuchen würde, es zu ziehen, einer Prüfung unterziehen. So wie es schon einmal geschehen war. Aber … Zelda hörte zum ersten Mal, dass er es mit seinem Leben bezahlen würde, wenn Link sie nicht bestehen würde.
Noch während sie diese Information verarbeitete, griff Link entschlossen nach dem Griff des Schwertes.
Er würde … sterben?
WAS?!
Wieso hörte sie erst jetzt davon?!
Das Schwert, der Deku-Baum, irgendjemand hätte ihr sagen müssen, dass das geschehen würde.
Ein Ruck ging durch die über die Zeit vernarbte Verbindung, die Ganons Geist an den ihren kettete.
Er entglitt ihr.
Hektisch versuchte sie ihn einzufangen, erneut an sich zu binden. Doch Link umfasste mit beiden Händen den Knauf des Schwertes und zog, ging in die Knie und zog mit ganzer Kraft.
Nein! Link!!!
Angst brandete in Zelda auf. Sie konnte nicht … ihre Kraft reichte nicht aus. Sie musste Ganon halten. Sie konnte nicht erneut dabei zu sehen, wie Link fiel.
Ihre ganze Hoffnung. Und jetzt würde sich alles entscheiden.
Das Schwert löste sich aus der Verankerung. Schweiß trat auf Links Stirn. Unerträgliche Spannung legte sich über den Waldboden, über ganz Hyrule.
Zelda zitterte. Nicht körperlich, aber ihr Geist zitterte. Mit letzter Kraft bäumte sie sich auf, brandete gegen Ganons euphorisches Schäumen. Erstickte die Flammen seiner frei gewordenen Kraft und band ihn erneut an sich. Für diesen Moment. Sie konnte keinen weiteren Kampf gewinnen.
Jaaa!!!
Das ist es, Bruder!
Wurde ja Zeit!!
Ganons hasserfülltes Grollen mischte sich mit den Jubelrufen der Recken.
Zelda war zu erschöpft, um die Freude zu teilen. In all den 100 Jahren war kein Kräftemessen mit Ganon derartig knapp ausgefallen. Sie war am Ende ihrer Kräfte.
Und Link hatte das Schwert wieder. Für einen unbezahlbar hohen Preis. Sie hatte nicht gewusst, wie hoch er sein würde.
In was für Gefahren hatte sie ihn geschickt.
Sie sah wie er das Schwert gen Himmel richtete, den Blick auf die scharfe Klinge gerichtet. Wie schartig sie gewesen war, an jenem Tag des Unheils vor 100 Jahren.
Jetzt blinkte sie im Sonnenlicht, schnitt mit tödlicher Präzision durch die Luft, als Link das Schwert in den vertrauten Bewegungen schwang.
Das Schwert frohlockte, aber Zelda zog sich zurück. Griff alles Licht und alle übriggebliebene Kraft der Göttin und umhüllte sich. Versank in Trance, aus der sie erst austreten würde, wenn der letzte Kampf zu ihr gekommen war.

Es war Ganons Zittern, das Zelda zurück holte.
Wut und Aufregung, Zorn und Angst waberten ihr entgegen. Und Zelda… ihre Kraft war aufgebraucht.
Link war hier. Er war hier.
Jetzt war es an ihm.

Link ich kann ihn nicht länger aufhalten, vergib mir!

Die jahrelang aufgehaltene Kraft explodierte hervor, schoss tödliche Strahlen aus blauen, verdorbenem Feuer auf den gealterten Thronsaal, zerstörte noch mehr von den Überbleibseln der alten Glorie.
Ganon zerschnitt den unförmigen Sack aus verdorbener Materie, der seine körperlichen Überreste umhüllt hatte, eine makabere Imitation eines schützendes Konkons. Heraus fiel der Schrecken, den Ganon über die Jahre ausgebrütet hatte. Eine Verheerung. Skorpion und Maschine. Hässlich und nur belebt vom Hass und schändlichen Zorn Ganons. Aber beseelt mit dessen Bosheit und absoluter Tödlichkeit.
Riss Link mit sich in die Tiefen. Doch er hatte einen Trumpf auf seiner Seite. Das Parasegel entfaltete sich und verhinderte dass der Sturz zu seinem Verhängnis wurde.
Das schwere Ungetüm hatte diesen Vorteil nicht. Die Erde ächzte gepeinigt von der Erschütterung die sein massiver Körper verursachte, als er auf dem Boden aufschlug.
Wo? Wohin waren sie gefallen? Was war das für ein Ort?
Hatten die Shiekah ihn erbaut?
Zelda hatte keine Zeit darüber nachzudenken.
Das Gesicht – es hatte ein Gesicht – wandte sich Link zu. Nichts menschliches war darin zu erkennen, aber Augen und der Beweis für Lebendigkeit und Intelligenz. Bösartige, schneidende Intelligenz. Die korrumpierte antike Waffentechnologie derer sich Ganon bediente, richtete sich auf Link. Schwert. Lanze. Klauen. So viele Waffen …
Oh, pass auf Link. Hylia, beschütze ihn, schickte Zelda ein Gebet an die Göttin, unklar, ob diese sie hören konnte. Es war alles anders. Sie fühlte sich so anders.

Damit das klar ist, ich tu das nicht für dich!, schnarrte Revalis Stimme in Zeldas Bewusstsein. Ich habe lediglich noch eine alte Rechnung mit Ganon offen!
Das ist das letzte Bisschen meiner Kraft…, hauchte Mipha. Du musst es schaffen!
Dann los, Bruder. HA!, donnerte Daruk vom Todesberg aus. Mal sehen, wie dir das schmeckt, Ganon!
Dann wollen wir‘s mal krachen lassen. Urbosas elegante Stimme schallte kurz danach. Halte durch, Zelda! Gleich ist es durchgestanden.
Kurz daraufhin traf die vereinte Kraft der Titanen das Ungeheuer, das Link gegenüberstand.

Oh, seien sie gesegnet.

Wind und Wasser und Feuer und Elektrizität trommelten auf die Heimsuchung des Schlosses ein. Prasselten auf es darnieder, so wie es vor 100 Jahren hätte geschehen sollen.

Nein, Zelda, raunte die Göttin, es sollte nicht damals geschehen. Es soll jetzt geschehen.
Du bist noch da?
Zelda. Ich bin Teil von dir. Ich werde immer da sein.
Güte und heilsame Ruhe umhüllte Zelda. Wickelte sie in goldenes Licht und ließ sie heilen.
Du hast getan, was du konntest. Was du solltest. Jetzt lehne dich zurück und sammle deine Kraft. Deine letzte Aufgabe steht dir noch bevor.
Und Zelda sammelte sich. Es war schwer.
Schwer sich zurückzulehnen und dabei zuzusehen, wie Link den Kampf kämpfte, den er vor 100 Jahren nicht hatte kämpfen können.
Nicht zu verzagen, wenn er getroffen wurde und er sich seiner unzähligen Heilmittel und Tränke bedienen musste.
Nicht zu erschrecken, wenn die massigen, todbringenden Waffen ihn nur um Haaresbreite verfehlten.
Aber Link kämpfte glorreich. Das Schicksal war auf seiner Seite.
Er war tapfer, geschickt und mutig. Und Schlag um Schlag, Manöver um Manöver, zwang er Ganon in die Knie. Übertölpelte ihn. Traf ihn. Zwang ihn zum Rückzug.
Traf ihn erneut.
Er hat es beinahe geschafft, halte dich bereit.
Hylia behielt Recht. Natürlich!
Von dem letzten Schlag, den Link ihm verpasste, erholte sich Ganon nicht. Er begann sich aufzurichten, so wie er es so viele Male zuvor getan hatte. Doch dann kollabierte ein Bein. Und dann ein zweites. Das Schwert, ein riesenhafter, böse leuchtender Haken von einem Schwert, entglitt ihm.
Die Haut brach auf und entließ verdorbene Flüssigkeit. Schmieriges Blut und etwas anderes, das nicht von dieser Welt war. Schäumend verätzte es den Boden, mit dem es in Berührung kam und ein heulendes, scharrendes Kreischen ließ die dunkle Arena erzittern, in die das Schicksal diese beiden ungleichen Kämpfer hatte fallen lassen.
Quietschend und grollend versuchte das Untier auf Link zu zu kriechen, der sich klugerweise so weit abseits hielt wie möglich, das Bannschwert gezückt, das in Anwesenheit seines alten Feindes hell leuchtete.
Doch bevor Link begann in Gefahr zu schweben, begann der Rumpf des Monsters in dem selben unheilvollen, krankhaften Purpur zu leuchten, das am Tag von Ganons Rückkehr den Himmel verdunkelt hatte. Wie eine Sphäre breitete sich das Licht aus, das Kreischen erhob sich zu einem betäubend lauten Crescendo, bevor die Verkörperung Ganons, die er gegen Link in den Kampf geschickt hatte, zerbarst.
Es zersplitterte in Fleisch und Blut und Dunkelheit. Dampf und Gestank. Die Energiewelle, die von der Sphäre ausgegangen war, ließ Link zum Schutz die Arme heben. Er stemmte sich gegen den aufkeimenden Wind.
Jetzt, Zelda.
Ganon war noch nicht besiegt.
Sein Körper war zerstört. Aber seine verheerende Energie weilte weiterhin hier. In Hyrule. Im Schloss.
Sie waberte in der Luft. An der Stelle, an der vorher das Monster in seinem unförmigen Desaster aus Gliedmaßen gelegen und gestöhnt hatte.
Langsame, zähe Wirbel, gestaltlos, aber nicht besiegt.
Sie schien innezuhalten, diese bösartige, uralte Energie. Und dann eine Entscheidung zu treffen.
Sie sammelte sich und stieg empor. Hinauf in den Thronsaal und hinaus auf die Ebene. Hinein in das Land.
Jetzt!
Und Zelda verstand was zu tun war.
Mit der Kraft die die Göttin durch sie leitete, griff sie nach den Grenzen von Links Körper. Hob ihn empor und brachte ihn hinaus, fort von dem Ort alter Bitterkeit und Zerstörung.
Hinaus auf das Feld vor der Stadt.
Zum letzten Schlachtfeld.
Dorthin wo Ganons Energie geflohen war. Wo er sich sammelte und erneut zu etwas Gestaltlichem verband. Fleisch und Blut formte, einen Körper, durch den er seinen über Jahrtausende verdorbenen Geist schicken konnte. Eine Manifestation seines Hasses.
Ganon…
Ganon … es fiel Zelda nun schwer auf diese Weise mit ihm zu kommunizieren. Link auf diese Weise Worte in seinen Kopf zu projizieren.
Das Pferd das Link auf seinem Weg zum Schloss begleitet haben musste, tauchte neben ihm auf. Trotz des tosenden, grollenden Wirbels, aus dem Ganons Gestalt neu erstand, stand es neben seinem Herren, um ihm beizustehen.
Pferde hatten Link immer vertraut. Dieses hier schien keine Ausnahme zu bilden.
Es spielte mit den Ohren und warf seinen herrlichen Kopf in die Luft, während es mit geblähten Nüstern neben Link stand.
Ganon … vor Äonen geboren. Unzählige Male zerstört. Unzählige Male wiedergeboren.
Aus dem Wirbelsturm aus Dunkelheit und rot glühenden Schatten erstand ein gespaltener Huf, der mit einem Donnern auf der Erde aufsetzte.
Die Fleischwerdung von Zorn und Hass.
Hörner durchbrachen das brodelnde Wirbeln und ein massiver Kopf erhob sich. Sein Verlangen wieder zurück zu kehren, macht ihnrasend.
Tückisches, krankhaftes Feuer umkröste den mächtigen Schädel. Eine entstellte Version eines Wildschweins mit mächtigen Hauern und bösartigen Augen.
Wenn es ihm gelingt, wird die Tragödie vor 100 Jahren harmlos wirken.
Das Pferd wieherte und warf erneut den Kopf umher, hin und her gerissen zwischen dem natürlichen Reflex zur Flucht und der Treue zu seinem Herrn. Der angesichts des erneuten Schreckens, das das Schicksal ihm gegenüber stellte, standhaft blieb.
Es war noch nicht vorüber.
Oh, mein tapferer Held.
Ein weiteres Mal borgte Zelda sich die Energie der Göttin. Griff aus dem endlosen Strom goldener Kraft und spannte den Bogen aus Zeit, zurück zum Anfang. Zurück zu dem Ursprung des Siegels.
Formte daraus die einzige Waffe, mit dem der Held Ganon in diesem Zustand habhaft werden konnte.
Dies ist der Bogen des Lichts, der das Böse vertreiben kann.
Zelda leitete ihn hinab, gab ihn vertrauensvoll in Links Hände.
Ich vertraue ihn dir an.
Ich weiß nicht, wie viel deiner Kraft und deiner Erinnerungen du wiedererlangt hast.
Aber ich glaube an dich. An dich und deinen Heldenmut.
Mit ihren letzten Worten hatte Link das Pferd bestiegen und war dem Bogen entgegen geritten, dem sie ihn geschickt hatte.
Ohne zu zögern folgte er ihren Worten und als seine Hände den Bogen berührten, konnte Zelda es spüren, als würde er sie berühren.
Sie konnte nichts weiter tun.
Wieder musste sie zu sehen, wie Link kämpfte. Antäuschte und den Dämon ablenkte, so dass dessen mächtige Gestalt nie in Richtung besiedelter Gebiete abdriftete.
Es war brutal. Link war geschwächt von dem Kampf zuvor. Und er hatte ein feuriges Pferd unter sich, das sich nur sehr schwer dazu bringen ließ, auf die Gefahr zu zu halten.
Doch dann geschah es.
Ganon zeigte seinen verwundbaren Kern. Und Link reagierte.
Blitzschnell und mit der Präzision jahrelanger Übung schnellte er aus dem Sattel. Ließ sich mit dem Paragleiter in die Luft katapultieren und zückte den Bogen des Lichtes.
Es brauchte nur einen Pfeil.
Es war als würde Luft durch Zelda strömen. Das erste Mal seit Ganon sie verschluckt hatte, spürte sie ihren Körper.
Sie war frei.
Hylia schickte sie zurück.
Sie spürte den Boden unter ihren Füßen.
Sie fühlte Ganons Erschrecken. Sein Verstehen.
NEIN! Sie hatte ihn lange nicht gehört.
Nicht seitdem er ihr beinahe entglitten war, als Link das Bannschwert gezogen hatte.
Zelda öffnete die Augen.
Licht. Sie sah Licht. Ihre Augen sahen.
Sie sahen Ganon. Die gebannte Macht und Kraft Ganons, gebannt durch den heiligen Ritter des Bannschwertes und bereit sich dem Schicksal zu fügen, das er seit Äonen von Jahren erlitt.
Er versuchte zu fliehen. Wirbelte empor, nun wieder mehr Rauch als Fleisch, versuchte zu tun, was er zuvor getan hatte. Zelda in ihrer leuchtenden, göttlichen Gestalt zu verschlucken.
Doch es war vorbei.
Er war gebannt.
Und sie war hier, um zu tun, was ihr bestimmt war.
Sie hob die Hand.
NEIN!!!!!!
Eine Kugel aus reiner, schimmernder Energie leuchtete auf. Entstand aus dem Nichts zwischen Luft und Zeit. Wuchs, gefüttert durch den heiligen Kanal der Zelda war. Holte die göttliche, pure Macht der Göttin in diese Welt und sandte sie aus.
Die Sphäre wuchs. Und genauso wie sie es am Tag von Ganons Rückkehr getan hatte, umhüllte sie alles Unreine, mit dem sie in Berührung kam.
Das Siegel leuchtete auf. Die Dreiheit aus Weisheit, Mut und Kraft stellte sich in den Dienst der Göttin und griff nach der Verunreinigung, die das Land befallen hatte.
Stellte das Gleichgewicht wieder her, das Ganon in Frage stellte.
Und dann, plötzlich, schrumpfte sie, Dunkelheit inmitten von Licht. Licht lässt Schatten entstehen. Kein Schatten kann existieren, solange nur ein Licht leuchtet.
Dann verschwand es. Löste sich auf und wurde eins mit dem Land. Mit der Luft. Mit der Zeit. Der Himmel klarte auf. Das unheilvolle Rot vom Horizont verschwunden.
Klar und hell leuchtete das Weiß der Wolken.
Ganon war besiegt.
Und Zelda war wieder Zelda.

Sie fühlte. Sie empfand. Sie spürte alles.
Das Kleid an ihren Waden. Die Schuhe an ihren Füßen. Die Erde unter ihren Füßen.
Den vergessenen Schmutz auf ihren Wangen.
Den Wind.
Beseelt von den Eindrücken, von ihren Sinnen, die so lange geschlafen hatten, begann sie zu sprechen.
„Ich habe alles miterlebt. Von Anfang an.“
Zelda konnte hören. Ihre eigene Stimme.
Den Wind.
Links Schritte. Oh diese Schritte.
„Dein Schicksal, dein Leiden. Deinen Kampf.“
Er blieb stehen. Drei Manneslängen hinter ihr.
„Und deshalb … hatte ich Vertrauen. Ich war mir ganz sicher. Du würdest die Verheerung Ganon zurückschlagen.“
Sie drehte sich um. Hob die Hände. Überkommen von Emotionen. Glücklich. Glücklich sie fühlen zu können. Nach so langer Zeit.
Es war beinahe zu viel.
Also tat sie es nicht. Sie sah nicht auf, sah nicht in Links Gesicht. Vielleicht würde sie dann die Gefühle nicht mehr in sich halten können. Und platzen, wie Ganon es gerade getan hatte.
„Link, Held von Hyrule …“
Langsam, ganz langsam, hob sie den Kopf. Vorsichtig, darauf vorbereitet, jeden Moment wieder nach unten zu blicken.
Das Lächeln das sich auf ihre Lippen schlich, hätte sie niemals unterdrücken können. Seine Gestalt, das leuchtende Blau der Reckentunika.
Es war tatsächlich zu viel. Aber anstatt zu platzen, floss ihr Herz über vor Dankbarkeit und Liebe. Übergoss den Boden auf dem sie stand mit Gefühl.
„Vielen Dank für alles.“
Und dann erreichte ihr Blick sein Gesicht. Das sie nicht sehen konnte, überschattet wie es durch die Kapuze war, die er über den Kopf gezogen hatte.
Die Unsicherheit die Zelda kurz durchzuckte, ließ sie ihre nächsten Worte sprechen:
„Erinnerst du dich? Weißt du noch, wer ich bin?“






Review schreiben