Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
40
Alle Kapitel
165 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
31.05.2021 2.408
 
Vierter Akt - Elfte Szene: Alte und neue Gefühle


Das Papier in seiner Hand wellte sich bereits, so oft hatte er versucht die umgeknickte Ecke wieder gerade zu bekommen. Doch wirklich gelingen wollte es ihm nicht, hatten die Fasern des Papiers doch bereits einen irreparablen Schaden genommen und ließen sich auf von seinen Bemühungen nicht beeindrucken.

Mit dem Rücken gegen die Wand, des Wartungshäuschens des Fahrstuhls, gelehnt saß er auf dem Dach, blickte mal auf die Eintrittskarte in seinen Fingern, mal in den strahlend blauen Himmel. Heute wäre die letzte Aufführung des Stückes, die letzte Möglichkeit Seokjin in der selbstgeschriebenen Rolle zu sehen. Der Ältere hatte ihm die Karte mit der Bitte zu kommen geschenkt. Ihn freudig angefunkelt und aufgeregt gezappelt als Taehyung zusagte, ihm ein Versprechen gab, welches er nun wohl nicht mehr halten sollte. Es war gewesen bevor er Seokjin das Herz brach und sich gleich mit.

Auf der kleinen, altmodisch gestalteten Karte stand keine Platznummer, kein konkretes Datum, nur der Name des Stücks und dass er berechtigt war, es zu genießen.

Das leise Leuten zum Ende der Mittagspause drang an sein Ohr, ließ ihn die Karte wieder wegstecken, die er nur zufällig unten in seiner Tasche gefunden hatte. Er würde sie bei der nächsten Gelegenheit wegwerfen, es war das Beste für sie beide.


********



„Tae, du solltest übers Wochenende mal nachhause fahren.“ Yoongis Blick war wie seine Stimme von Sorge durchtränkt und dennoch gewohnt ruhig. Etwas was Taehyung immer an ihm bewundert hatte, da er seine Gefühle stets über den Unterton vermittelte, still und leise, selbst die lauten. Er hätte es ignorieren können, hätte so tun können als wäre das alles nicht da, aber der Vorschlag allein machte es ihm unmöglich. Sein Hyung wusste, wie sehr er seine Familie vermisste, es hasste, sie nicht öfters sehen zu können und sprach dieses Thema nie an, um ihm nicht wehzutun. Ihn nun davon sprechen zu hören mache ihm vieles klar, was er zu verdrängen versuchte.

„Geht nicht, zu pleite“, wiegelte er lahm ab. Es stimmte, ihm fehlte das Geld und seine Eltern zu bitten zu zahlen, hätte sie in Sorge versetzt. Etwas, was er nicht wollte.

„Ich kann dir was leihen“, bot Yoongi schulterzuckend an, würde sein Wort halten, wenn Taehyung nickte, aber er schüttelte den Kopf. Er war kurz davor gefeuert zu werden und er wollte nicht auf Schulden sitzen bleiben. Außerdem hatte er seinem Chef versprochen dieses Wochenende eine Extraschicht zu machen, um die Verspätungen der letzten Zeit auszugleichen. Er war auf Bewährung und es sah düster für ihn aus.

„Du kannst mit mir reden oder such dir wen anders, aber mach nicht so weiter wie bisher. Du gehst kaputt.“ Die Stimme war so eindringlich, dass Taehyung den Blick nicht mehr hob, Yoongis Blick nicht sehen wollte, da sonst die Worte aus ihm herausbrechen würden. Es ging Yoongi nichts an was er tat, warum er es tat, es war sein Weg und er würde ihn gehen.

„Ich mach mich nicht kaputt. Konzentrier du dich lieber auf Jimin, da hast du mehr als genug zu tun.“ Ganz schaffte er es nicht, das schnippisch Beleidigte aus seiner Stimme herauszuhalten, auch wenn er sich wirklich bemühte, Yoongi ignorierte es geflissentlich.

„Er setzt sich damit auseinander, um ihn muss ich mir langsam keine Sorgen mehr machen.“

Die Worte halten nach, den ganzen restlichen Tag. Kamen ihm immer wieder in den Sinn und ließen ihn zwischen gegensätzlichen Gefühlen springen. Er freute sich für Jimin, dass es ihm besser ging und gleichzeitig wünschte er ihm all den Schmerz, den er selbst empfand, an den Hals. Wie ungerecht er sich verhielt, war ihm bewusst und machte ihn nur noch wütender, auf sich, die Welt, auf alles.

Gefrustet kam er zuhause an, ignorierte Namjoons Nachricht, seinen Befehl heute mit ihm auszugehen. Er hatte keine Lust auf ihn, wollte lieber seine Ruhe haben, aber in seinem Zimmer war es trotz Musik zu still. Sein Blick landete auf seiner Tasche, er fühlte sich wie angezogen und kramte schließlich darin herum, bis er fand was er suchte. Unsicher hockte er auf dem Boden, rappelte sich irgendwann auf und zog sich um. Ein schwarzes Hemd eine schlichte Hose und mit schnellen Schritten und flatterndem Herzen eilte er aus der Tür.

Vor dem Unitheater zügelte er seine Schritte, wurde immer langsamer und betrachtete im Näherkommen die Menschen, die auf den Eingang zustrebten. Die Nervosität stieg in ihm, ließ ihn schwer schlucken und über sich selbst lachen. Bei so viele Menschen, wie sich da gerade versammelten, würde der Saal sicher voll werden. Was regte er sich also so auf? Außerdem war es sein gutes Recht hier zu sein, jeder durfte sich die Aufführung anschauen, sofern er eine Karte hatte. Dennoch fühlte er sich fehl am Platz als er sich in den hinteren Rängen niederließ und den Blick zur Bühne richtete.

Die Lichter erloschen und setzten seinen Überlegungen zu gehen ein jähes Ende. Stille kehrte ein und ein einzelner Scheinwerfer flammte auf, warf einen kreisrunden Lichtkegel auf den noch geschlossenen Vorhang, welcher sich langsam zur Seite zog und die Bühne freigab. Das Herz schlug Taehyung bis zum Hals, als der erste Darsteller auf der Bühne hinter dem dicken Samtstoff auftauchte, doch es war nicht Seokjin, der das Stück eröffnete und sein Puls ging wieder etwas herunter. Verdoppelte sich erst Minuten später als der Ältere mit anderen Schauspielern zusammen auf die Bühne stürmte und das Drama so richtig begann.

Ganz folgen konnte er der Story nicht, was an dieser selbst lag und auch gewollt war. Seokjin hatte ihm erzählt, dass der Zuschauer verwirrt werden sollte, allein mit seinen Überlegungen bleiben sollte, um sich selbst zu hinterfragen und es gelang ihnen. Immer wieder wurden verschiedene Gegebenheiten angesprochen, in den Verlauf einer wirren Handlung eingewoben, in der es keinen Sinn zu ergeben schien und doch seltsam organisch wirkte. Gebannt hing Taehyungs Blick an der Bühne, verfolgte Seokjin bei jedem Schritt und erwartete ihn ungeduldig, wenn er von der Bühne verschwand.

Ein sehnliches Ziehen machte sich in seiner Brust breit, wollte ihn näher an die Bühne holen, die hinteren Reihen verlassen und sich mehr in sein Blickfeld begeben. Tippelnd setzte er die Fußsohlen leicht auf den Boden, hob sie direkt wieder an und unterdrückte den Drang die Beine zu überschlagen, das Gewicht zu verlagern und sich anzulehnen, um die Menschen um sich mit seinem Gezappel nicht zu stören.

Mitten im Satz stoppte der Sprecher, drehte sich mit einem breiten Grinsen zum Publikum und seine Kollegen strömten zu ihm, stellten sich in eine Reihe, verbeugten sich und Stille legte sich über den Saal. Die Schauspieler hoben die Köpfe wieder, winkten geschlossen von der Bühne und erst langsam begriffen die Menschen, dass das Ende genauso unkonventionell war wie das Stück an sich. Als sich die Reihe auf der Bühne ein zweites Mal verbeugte brandete Applaus auf, die Menschen standen auf und versperrten Taehyung die Sicht. Wie erstarrt saß er da, konnte nicht fassen, dass es bereits vorbei war und er Seokjin nicht noch etwas länger zuschauen durfte. Verkrampft erhob auch er sich, klatschte lautlos in die Hände und suchte in dem Gewühl auf der Bühne nach dem bekannten Gesicht.

Ein Teil des Publikums strömte nach vorne, sogar auf die Bühne und die Lichter gingen wieder an. Der Applaus erstab, dafür wurden Stimmen laut, eine rege Diskussion entstand zwischen Schauspielern und Publikum. Hinter der Bühne kamen noch einige Studenten hervorgetreten, gesellten sich zu den Menschen und wurden sogleich belagert. Taehyung hatte sich an den Rand verzogen, ein ruhiges Plätzchen gefunden, von dem aus er das Geschehen beobachten konnte und begriff langsam, dass sich noch angeregt über das Stück ausgetauscht wurde.

Es wäre ein Leichtes gewesen sich einer der kleinen Gruppen vor der Bühne anzuschießen, sich etwas an Seokjin heranzuarbeiten, ihn vielleicht in ein unverfängliches Gespräch zu verwickeln. Aber weder Taehyungs Nerven noch die Wirklichkeit ließen es zu. Der Ältere stand dort mitten unter den Menschen, unterhielt sich freudestrahlend, etwas was sich ändern würde, sobald er Taehyung auch nur sehen würde. Zu gehen wäre besser gewesen, nicht zu warten bis sich die Menschen langsam verabschiedeten und die Schauspieler sich hinter die Bühne zurückzogen. Doch Tatsache war, dass Taehyung erst ging als Seokjin sich nach langem Reden verbeugte und mit einem Kollegen zusammen aus seinem Sichtfeld verschwand.

Fast ein wenig benommen trottete er als einer der Letzten aus dem Theater, schlug irgendeinen Weg ein und achtete mehr auf seine Füße als auf die Straße selbst. Der Verkehr rauschte monoton an ihm vorbei, während er auf seiner Unterlippen herumbiss, bis sich ein metallischer Geschmack in seinem Mund breit machte. Seufzend blickte er auf, betrachtete sich das Haus vor dem erstand und stieß mit einem bitteren Lachen die Eingangstür auf. Wenn er die Uhr richtig im Kopf hatte, war er fast pünktlich, um eine Stunde genau.

„Ach, kommst du doch noch“, schnurrte Namjoon als er ihm die Tür öffnete. Packte ihn im nächsten Moment am Kragen und zog ihn in die Wohnung, schmiss die Tür laut hinter ihm zu und drückte ihn dagegen.

„Das nächste Mal meldest du dich gleich!“, zischte er nahe an Taehyungs Ohr und dieser musste ein Lachen unterdrücken.

„Spar dir das Drama und lass uns was trinken gehen.“ Das würde wohl nicht nur ihm guttun, sondern auch Namjoon wieder ruhiger stimmen, hoffte er zumindest. Ein verächtliches Schnauben entwich dem Älteren, der Griff lockerte sich nicht und Wut glänzte in dem Blick der Taehyung traf.

Es hätte ihm nicht egaler sein können. Auch das verräterische Zucken in Namjoons Fingern kümmerte ihn nicht, sollte der ihm doch eine verpassen. Schmerzen ließen sich wunderbar mit Alkohol betäuben, körperliche wie seelische.

„Hast du was genommen?“ Die Frage ließ Taehyung trocken auflachen. Klar, er war hier derjenige der was nahm.

„Hatte einen scheiß Tag. Also was ist? Willst du dich weiter aufregen oder können wir los?“

Unerwarteterweise lockerte sich der Griff tatsächlich, Namjoon rückte von ihm ab und sie verließen in betretener Stille die Wohnung. Es war Taehyung egal, ob Namjoon sich wirklich beruhigt hatte oder ob es noch ein Nachspiel geben würde, Hauptsache er würde bald seine Sorgen ertränken können, alles andere zählte für ihn nicht.

Sie brauchten nicht lange bis sie eine kleine Bar erreichten, sich in einer der hinteren Ecken niederließen und die ersten Getränke bestellten. Langsam dämmerte Taehyung auch, dass es weder seine Schuld war, dass Namjoon so angefressen wirkte, noch, dass er noch zuhause war. Immer wieder klingelte dessen Handy und sein Blick verfinsterte sich mehr und mehr. Lesend und schreiben kam er kaum dazu sein Getränk anzurühren, was den Jüngeren nicht weiter störte, trank er eben für ihn mit. Spielte nebenbei mit seinem eigenen Handy herum, ohne wirklich zu wissen warum, wohl einfach nur aus Gewohnheit.

Nach etlichen Nachrichten und mit Todesblick zog Namjoon ihn schließlich hoch, zerrte ihn aus der Bar und hinter sich her. Schwankend folgte Taehyung ihm, verstand zwar nicht was die Hektik sollte, aber selbst nachdenken war ihm zu anstrengend.

„Warte hier“, wies Namjoon ihn vor einem nichtssagenden Gebäude an. Verständnislos die Fassade musternd blickte er an dem Gebäude hinauf, wunderte sich wie trist Grau wirken konnte und war mitten in seinen Gedanken über buntgepunktete Häuser versunken als Namjoon zurückkam. Der Blick noch immer schneidend, aber nicht mehr ganz so aggressiv wie zuvor.

„Alle wieder zurecht gestutzt?“, fragte Taehyung lahm, den Blick noch immer auf dem grauen Putz gerichtet. Sollte er ein Foto davon machen und ausprobieren, wie es mit Punkten aussah? Er hob bereits sein Handy als er sich umentschied und sich zu dem Älteren drehte.

Namjoons Blick war herrlich, eine Mischung aus nackter Wut, Verwunderung und Argwohn. Eine Hand legte sich unter Taehyungs Kinn, hob es an, um es dem Älteren zu erleichtern seinen unfokussierten Blick einzufangen.

„Du bist wohl fertig für heute“, stellte er nachdenklich fest, ließ ihn wieder los und ging los. Taehyung blickte ihm etwas nach, trottete ihm dann hinterher, holte irgendwann auf und spürte kurz später eine Hand an seiner Hüfte, die ihn näher an den Älteren zog.

Benommen und müde wankte er schließlich in Namjoons kleine Wohnung, bahnte sich einen Weg zu dessen Matratze, wurde aber mitten im Raum aufgehalten. Wieder schlangen sich Arme um ihn, hinderten ihn daran zu früh zu Boden zu gehen und zogen ihn an den warmen Körper des Älteren.

„Immer vorsichtig, nicht dass du dir noch wehtust“, kam es spöttisch und entlockte Taehyung ein trockenes Lachen.

„Seit wann ist dir das wichtig“, grummelte er vor sich hin, wohl laut genug, dass es der andere gehört hatte, sein Grinsen wurde verschlagener.

„Keine Bange, ich werde gut auf dich aufpassen.“

Ohne große Umschweife wurde er auf die Matratze gedrückt, Lippen legten sich auf seine und seufzend stieg er ein, schob seine Hände in Namjoons Nacken und zog ihn näher. Stupste gegen seine Lippen und ließ sich zurückdrängen, gab seinen Widerstand sofort auf, als Namjoon seinen Mund plünderte.

Stoßweise strömte sein Atem über seine Lippen als sich die fordernden Lippen weiter arbeiteten, Hände ihn unablässig streichelten und ihm das Hemd von den Schultern strichen. Scharfe Zähen zogen an seiner Brustwarze ließen ihn schmerzvoll Keuchen. Egal was Namjoon tat, Erregung wollte sich einfach nicht bei ihm einstellen. Es kribbelte nicht, seine Haut fühlte sich noch immer kühl an, fast unangenehm, wenn Namjoon darüber strich.

Mit zittrigen Lidern blickte er an die Decke, wusste nicht was er hier tat. Wollte, dass die Hände von ihm verschwanden, brachte aber nicht die Kraft auf sie von sich zu schieben. Diese wanderten immer weiter, erreichten seine Hose, öffneten sie schnell und zogen sie mit einem Ruck etwas herunter. Namjoon kam wieder nach oben, ob er ihn Küssen oder einfach nur ansehen wollte, konnte Taehyung nicht sagen, hatte er den Kopf doch bereits mit geschlossenen Augen zur Seite kippen lassen und regte sich nicht mehr. Er wollte das hier nicht. Nichts davon. Weder die Berührungen noch die Nähe, aber noch weniger den Streit. Er war alldem so müde geworden, hatte keine Kraft mehr für dieses Heiß-Kalt Spiel, wollte einfach nur, dass es aufhörte.

„Hey! Nicht pennen“, zischte Namjoon ihm gefrustet ins Ohr, rüttelte an ihm herum. Taehyung reagierte nicht, lauschte der leisen Hoffnung einen Ausweg gefunden zu haben und stellte sich schlafend. Zuckte bei der Ohrfeige nur leicht zusammen, bliebt aber weiter ruhig, zuckte nicht mit der Wimper und das Rütteln hörte auf.

Nochmal wanderten Hände über ihn, doch dann verschwand die Berührung endgültig. Neben ihm wackelte die Matratze und ein wütendes Schnauben entkam dem Verschmähten. Langsam breitete sich eine Gänsehaut auf Taehyungs nackter Haut aus, ließ ihn sich zusammenrollen und schließlich wirklich in einen unruhigen Schlaf gleiten.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast