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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
41
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24.05.2021 3.014
 
Vierter Akt - Zehnte Szene: Wer einmal lügt…


Eine Woche lang trug er nun schon einen Verband am Hals, versuchte ihn unter Hemdkragen und dünnen Tüchern zu verbergen und war doch daran gescheitert Yoongi eine glaubhafte Erklärung zu liefern als dieser ihn fast sofort entdeckt hatte. Ein innerer Drang wollte ihn dazu zwingen sich von seinem Hyung und seinen besorgten Blicken fernzuhalten, doch folgen tat er diesem Drang nicht, auch wenn es jeden Tag schwerer wurde. Der selige Blick den Yoongi bekam, wenn er die Gedanken schweifen ließ, erzeugte bitteren Neid in Taehyungs Herzen und die pochenden Schmerzen unter dem Verband stachen noch zusätzlich auf ihn ein.

Ganze drei Tage lang hatte Funkstille zwischen ihm und Namjoon geherrscht, bis dieser dreist grinsend im Café aufgetaucht war und sich hatte bedienen lassen als sei nie etwas passiert. Hier war der Zeitpunkt erreicht an dem Taehyung wirklich in den Kaffee spuckte, rein aus Ermangelung an anderen Möglichkeiten. Er war bereits zu spät zu seiner Schicht gekommen, wenn er dann auch noch Gäste rausschmiss, die artig am Tisch saßen und brav zahlten war er seinen Job los. So musste er die bittere Pille schlucken, hielt den Smalltalk kurz und ignorierte Namjoon ansonsten so gut er konnte. Wirklich wundern, dass dieser ihn am Hintereingang abfing, tat er sich nicht, mit ihm reden musste er deswegen aber auch nicht.

Wissend grinsend hatte der Ältere schließlich Leine gezogen, ihm noch zugeraunt, er solle sich melden, wenn er sich wieder eingekriegt hätte. Das wütende Funkeln in Taehyungs Augen hatte hoffentlich in seinem Nacken gebrannt, denn mehr hatte er, ob dieser Dreistigkeit, nicht zustande bekommen. Leider kannte er sich selbst gut genug und ahnte schon, dass er sich wirklich wieder bei dem anderen melden würde. Bisswunde hin oder her, er war noch lange nicht soweit auf die Ablenkung, die Namjoon ihm bot, verzichten zu können.

Als er sich an diesem Tag für die Uni fertig machte, konnte er den auffälligen Verband endlich gegen ein hautfarbenes Pflaster eintauschen, welches weit dezenter unter dem Hemdkragen hervorblitzte. Die Haut sah noch immer nicht schön aus, hatte sich zwischendurch entzündet und nur unter Schmerzen und viel Hoffen konnte er sie reinigen und sich den Gang zum Arzt spare. Namjoon hatte wirklich ganze Arbeit geleistet, die Wunde war tief und groß, heilte dafür nun aber recht schnell und Taehyung drückte sich selbst die Daumen, dass keine Naben blieben. Vorsichtshalber wollte er später noch in der Apotheke vorbeischauen und sich eine Salbe holen, die es verhindern würde. Erinnerungen an diesen Abend brauchte er nun wirklich nicht. Fertig mit dem Hals prüfte er noch schnell den Ohrring, welchen er trotz reichlich Überlegungen noch immer nicht entfernt hatte und auch heute seufzte er nur schwer und schüttelte über sich selbst den Kopf als er das Bad verließ. Es störte ihn massiv, dass er von Namjoon war, aber er stand ihm so gut, also ließ er ihn wo er war. Sich wie eine betrogene Ehefrau aufführen, die alles verbrannte, nur weil es dem Mann gehörte, wollte er nun wirklich nicht.

„Morgen“, murmelte er leise als er sich neben Yoongi auf den Stuhl fallen ließ, stupste ihn dabei leicht an, als ihm die Kopfhörer auffielen und der Ältere drehte ihm das Gesicht zu, lächelte ihm kurz zu, während er auf dem Handy herumtippte.

„Heute ohne Halskrause, schön zu sehen“, kam es direkt und ließ den Jüngeren etwas in sich zusammen sacken. Durfte er das bitte fünf Minuten vergessen? Es zwickte immerhin noch unangenehm an seinem Hals, wie jeden Morgen, nachdem er die Stelle gesäubert hatte.

Während er seine Sachen aus der Tasche kramte, konnte er den Blick seines Hyungs auf sich spüren, erwiderte ihn aber nicht. Warum auch? Er wollte nicht darüber sprechen und brauchte Yoongi nicht das Gefühl zu geben es sei anders.

„Bist du nachher wieder mit Jimin verabredet?“, startete er die Flucht nach vorne und der prüfende Ausdruck in Yoongis Augen wich echter Überraschung.

„Ich wollte mich mit ihm zum Mittag treffen.“ Die Antwort war zu erwarten und auch das Letzte was sie in dieser Stunde zu besprechen schafften, die Dozentin betrat den Raum. Erst jetzt fiel Taehyung auf, dass Yoongis Tisch noch leer war und er irgendwie verstrubbelter aussah als sonst.

„Auch gerade erst eingetrudelt?“, flüsterte er ihm zu und erhielt ein kleines Grinsen mit einem Nicken. Yoongi wischte sich schnell einige Strähnen aus der Stirn, während er noch auspackte und sogar kurz zu Taehyungs Unterlagen schaute, was er den brauchte. Ein kleines nettes Gefühl der Überlegenheit machte sich in Taehyung breit, als ihm auffiel, dass er heute nicht der Verpeilte unter ihnen war.

Sie beschlossen die kleine Pause nach der Vorlesung zu nutzen, um etwas frische Luft zu schnappen. Yoongi wirkte noch immer etwas neben der Spur und Taehyung beschloss, dass da eindeutig ein Kaffee fehlte. Während er sich in die Schlange vor den Kaffeewagen stellte, parkte er den Älteren etwas abseits mit der gut gelaunt geflöteten Aufforderung ja nicht wegzulaufen. Yoongi hatte nur sarkastisch aufgelacht und ihm ein Luftküsschen zu gehaucht als er losstiefelte.

Mit zwei Pappbechern beladen machte sich Taehyung auf den Rückweg und verfluchte alles, was ihm einfiel, als er Jungkook neben Yoongi stehen sah. Die Miene des Älteren war zu klarem Eis erstarrt, zeigte keine Emotion, nicht einmal Missfallen, während Jungkook schon wieder so widerlich süffisant grinste.

„Ich fand nur, dass du es wissen solltest“, kam es mit einer falschen Freundlichkeit, bei der Jungkook doch hoffentlich selbst nicht glaubte, dass ihm das einer abkaufte.

Yoongi schnaubte, musste sich offensichtlich Worte abringen und wäre sicher längs weg gewesen würde er nicht auf Taehyung warten. „Ich weiß was ich wissen muss.“

Die Antworte passte Jungkook gar nicht, seine Augen blitzten auf, seine Körperhaltung wurde drohender, brachte Yoongi dazu sich entspannter hinzustellen.

„Du bist ein absoluter Trottel!“, fauchte der Jüngere und schaffte es Yoongis Gesicht aufbrechen zu lassen. Ein spöttischer Zug legte sich um seinen Mund als er den Blick über die offensichtliche Hilflosigkeit wandern ließ, die Jungkook ausstrahlte.

„In diesem Ton rede ich mit niemandem.“

Taehyung hatte die beiden mittlerweile erreicht, reichte Yoongi seinen Kaffee und genoss den verwirrten Blick Jungkooks. Mit einem flüchtigen Nicken bedankte sich Yoongi bei ihm und deutete auf das Gebäude, drehte sich, ohne einen weiteren Blick zu Jungkook, ab und schritt gemütlich auf den Eingang zu.

„Du kennst den Kerl?“, entkam es dem Jüngeren offensichtlich geschockt und Taehyung musste das Lachen unterdrücken, um eine möglichst ernste Miene auf sein Gesicht zu zaubern.

„Klar. Das ist Yoongi, der Kommilitone, den du nie treffen wolltest. Ich war so frei ihn mit Jimin zu verkuppeln, damit der dir nicht länger auf die Nerven geht.“ Der Satz ging runter wie Öl. Ihm zumindest. Jungkook wirkte wie vor den Kopf geschlagen und der Ausdruck absoluter Fassungslosigkeit gefiel Taehyung mit jeder Sekunde mehr. Nur leider musste er zur nächsten Vorlesung, also legte er bei seinem freundlichen Lächeln noch eine Schippe drauf und meinte mit einfühlsamer Stimme: „Du bist echt armselig.“

Auf den Absätzen kehrtmachend drehte er sich zur gleichen Tür durch die Yoongi verschwunden war, freute sich als der Ältere dort auf ihn wartete und neben ihm den Gang entlang schritt.

„Hattest du Spaß?“

„So viel wie lange nicht mehr! Hättest du das Gesicht gesehen hättest du jetzt bessere Laune“, berichtete Taehyung vergnügt und stellte zufrieden fest, dass es ihr erstes Gespräch über Jungkook war, bei dem ihn keine Schuldgefühle plagten.

„Na wenn’s dir das Wert war.“

So ein kurzer Satz, so eine große Wirkung. Lachen und Erleichterung waren weg, die Schuld wieder da und die Worte erstickt in Taehyungs Kehle. Yoongi starrte auf seinen Becher, nippte immer mal wieder daran, während sie stumm nebeneinander hergingen und Taehyung sich weit weg wünschte. Das eben war der Triumphmoment gewesen, doch er war es nicht wert gewesen, nicht im Geringsten.

Eine Hand schob sich an seinen Hinterkopf, wuschelte ihm freundschaftlich durchs Haar und als er den Blick vorsichtig zur Seite neigte, traf er auf Yoongis freundlichen Blick. Verlegen nickte er dem Älteren zu, verstand was er sagen, aber nicht in Worte fassen, wollte. Er durfte sich darüber freuen, Jungkook die Wahrheit unter die Nase zu reiben war in Ordnung, nur der Weg dahin war mies gewählt gewesen. Es war ein Balanceakt, für sie beide und Taehyung fühlte sich nahe dem Fallen.

Die zweite Vorlesung des Tages hatte er kaum mitbekommen, war zu sehr mit seinen schwankenden Gedanken beschäftigt gewesen. Irgendwann hatte er Namjoon angeschrieben, gefragt, ob er Zeit hatte und erwartete eigentlich keine zeitnahe Antwort. Als sie dann doch binnen weniger Minuten kam, blickte er leicht verwirrt von seinen Unterlagen auf, atmete erleichtert aus und verschwand, kaum dass der Dozent die Vorlesung für beendet erklärt hatte.


********



Laut schlugen seine Knöchel gegen die Tür vor seiner Nase, hallten dröhnend in der kleinen Wohnung wider, dennoch musste er lange auf Schritte warten. Der Weg von der hinteren Wand bis zur Tür war nicht weit, nur zehn Schritte, doch Namjoon brauchte etliche Minuten bis er die Tür aufzog und ihn hinein winkte, den Blick auf sein Handy gerichtet. Ohne ein Wort drehte er sich bereits wieder um, ging zurück zu der Matratze und ließ sich schnaubend auf sie fallen. Er sah aus als sei er gerade erst aufgestanden, so verzottelt wie seine Haare vom Kopf abstanden. Dazu trug er ein zerknittertes Tanktop und Boxershorts, nicht sehr ansehnlich befand Taehyung, während er sich die Schuhe auszog und zu dem Älteren ging.

„Miese Ratte“, zischte der Lilahaarige vor sich hin, beachtete Taehyung nicht als dieser sich neben ihn fallen ließ und sich gegen die Wand lehnte. Neugierig betrachtete er ihn, versuchte einen Blick auf das Display zu erhaschen, doch die Sonne reflektierte zu stark. Weiter leise vor sich hin fluchend tippte der Ältere noch etwas herum, bis er das Handy entnervt neben sich auf die Matratze schmiss.

„Ärger im Paradies?“, wollte Taehyung gelangweilt wissen, hatte zwischenzeitlich begonnen die Anzahl der Risse in der Decke zu zählen und war gescheitert, als er sich nicht sicher war, ob das da nun einer oder zwei, sehr eng nebeneinander, waren.

„Mein kleiner Bruder nervt. Will die ganze Zeit, dass ich was mit ihm unternehme“, kam es abfällig. Taehyung nickte einfach nur vor sich hin, war noch zu gefangen von diesen Rissen da oben, dass er etwas brauchte bis er verstand.

„Du hast einen Bruder?“ Viel geschockter als beabsichtigt kam es über seine Lippen und Namjoon lachte spöttisch auf.

„Ja. Meine Eltern haben weiter gebumst, nachdem sie mich fabriziert hatten.“

„Danke, so genau wollte ich das nicht wissen!“

Ein heiseres Auflachen hallte durch den Raum und Namjoons Gesicht schob sich vor Taehyungs Augen.
„Dass Babys beim Bumsen entstehen oder dass meine Eltern es getan haben?“

Mehr als ein Verziehen der Lippen war diese Frage Taehyung nicht wert, er hatte einfach keine Lust sich provozieren zu lassen.

„Und der will jetzt, dass du deine wertvolle Zeit für ihn opferst“, kam er stumpf auf das Thema zurück von dem Namjoon so gerne abweichen wollte.

„Scheint so. Wäre er nicht so ein arroganter Nervenzwerg wäre es drin, aber der heult mir in letzter Zeit zu viel die Ohren voll.“ Bei arrogant musste Taehyung schmunzeln und sich ein 'Das liegt wohl in der Familie' verkneifen, Namjoon sah jedoch das Zucken seiner Mundwinkel und sein Blick verfinsterte sich.

Kurz verkrampften sich seine Muskeln während sein Blick über den Jüngeren glitt, an seinem Hals hängen blieb und er sich zufrieden grinsend erhob.
„Ich geh' duschen“, murmelte er noch im Aufstehen. Zog sich ohne jede Scham die Boxershorts von den Hüften, stand dabei ziemlich nah vor Taehyung und ermöglichte ihm den besten Ausblick auf seinem Intimbereiche, als er sich das Tanktop über den Kopf zog. Es war klar, dass er provozieren wollte und Taehyung setzte alles an eine möglichst neutrale Miene. Beeindruckt war er nicht, Namjoon war weder schlecht noch übermäßig gut bestückt, aber er wollte seine Ruhe haben und nicht wieder einen Streit vom Zaun brechen. Kurz ruhte der Blick des Älteren noch auf ihm, während er nackt vor Taehyung stand, dann wand er sich ab und verschwand im Badezimmer. Erleichtert blies der Zurückgelassene die Luft aus, rappelte sich auf und kippte das Fenster. Frische, saubere Luft strömte herein, mischte sich mit der verbrauchten des Zimmers und bildete einen seltsamen Unterton in dem hier herrschenden Geruch. Es war nicht direkt unangenehm, roch nach abgestandener Luft und Namjoon, aber es war etwas zu intensiv, mit einer Süße die unnatürlich wirkte. So blieb er noch etwas am Fenster stehen, blickte durch das verschmutzte Glas auf die Straße und schaute den wenigen Menschen dabei zu wie sie ihrer Wege gingen.

Die Tür zum Badezimmer wurde wieder geöffnet, ein Schwall warmer, feuchter Luft ergoss sich über das Zimmer und nur kurz später schlangen sich zwei nackte, noch leicht nasse Arme um Taehyungs Mitte. Namjoons Lippen legten sich auf sein Ohr, knabberten daran, glitten weiter nach unten, den Hals hinunter. Sein Magen verkrampfte sich leicht, als die Erinnerung an den Abend im Park wieder aufflammte und jede Sekunde rechnete er damit, dass sich wieder scharfe Zähne in seine Haut bohrten, doch nichts geschah. Die Lippen blieben sanft, saugten nicht einmal, strichen nur immer wieder hinauf und hinab.

Doch der Eindruck trog, Namjoon hatte nicht mit einem Mal beschlossen, dass er mit Vorsicht weiter kam, versuchte mit seinen zarten Lippen nur von seinen forschen Fingern abzulenken, die Taehyungs Gürtel öffneten und unter seinen Hosenbund fuhren, ehe dieser es recht wahrnahm. Die fordernden Finger auf seiner Haut ließen ihn sich verkrampfen, in die Knie gehen, in dem Versuch auszuweichen, da er nach hinten und vorne nicht konnte.

„Lass das!“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähne hervor, während Namjoon fordernd über sein Glied strich.

„Hör auf zu zappeln, das tut dir auch mal wieder gut. Du hast doch den totalen Stau“, zischte ihm sein Hintermann lachend ins Ohr und intensivierte seine Bemühungen, von Taehyungs abwehrenden Händen nur noch mehr angespornt. Er schaffte es nicht Namjoon von sich zu lösen und irgendwo hatte der andere auch recht, er hatte wirklich schon lange nicht mehr. Ihm war schlicht nicht danach gewesen, dass ihm der Partner fehle war das kleinere Problem. Dennoch fühlte er sich absolut unwohl und das energische Klopfen an der Tür war wie ein Segen für ihn.

Besonders als es trotz Namjoons abweisenden Rufen nicht verklang, nur lauter und dringlicher wurde. Gefrustet stöhnend ließ er von dem Jüngeren ab, Schritte erklangen, die zur Tür steuerten und diese wurde aufgerissen. Taehyung nahm die Stimmen nicht richtig wahr, hockte noch immer vor dem Fenster, starrte gegen die Wand und wusste nicht was er mit sich anfangen sollte. Sollte er gehen? Oder doch noch etwas bleiben?

Die Tür schlug scheppernd zu und ließ Taehyung träge den Kopf drehen. Namjoon kam bereits wieder auf ihn zu, ein vergrautes Handtuch um die Hüften geschlungen, eine Hand in den noch nassen Haaren vergraben. Vor Wut brodelnd schnappte er sich irgendwelche Sachen vom Boden zog sie über und scheuchte Taehyung hoch, schob ihn aus der Wohnung und eilte einfach davon. Ihm nachblickend stand er da, lehnte sich verdutzt gegen die Tür und stellte bei einem Blick an sich hinab fest, dass sein Gürtel noch immer offen in seiner Hose baumelte. Diesen wieder schließend trabte er los, ohne klares Ziel vor Augen, aber erstmal raus aus diesem tristen Hausflur.

Den restlichen Tag verbrachte er in der Bücherei, versteckte sich vor allem und jedem und ganz besonders sich selbst. Vergrub sich in seinen Büchern und ließ sie für ihn das Denken übernehmen.

Erst am nächsten Tag meldete sich Namjoon wieder bei ihm, lud ihn zu sich ein, ohne ein Wort der Entschuldigung oder einer Erklärung. Nichts anderes hatte Taehyung erwartet. Er kannte den Älteren mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass dieser nichts Falsches in seinem Verhalten sah. Warum also entschuldigen?

Yoongis Fragen nach seinen Plänen wich er aus, seine Einladung zum Essen schlug er genauso aus wie die ins Kino und machte sich so schnell er konnte aus dem Staub. Er wollte keine Aufmerksamkeit aus Mitleid, wenn der andere sich nicht ihm selbst wegen mit ihm abgab, konnte ihm Yoongi auch gestohlen bleiben. Das sagte er nicht, ließ es sich nicht anmerken, wollte weder darüber sprechen noch ausgefragt werden und verschwand so schnell wie er konnte.


********



„Schick. Passend zu deinen Haaren“, begrüßte er den Älteren mit einem zufriedenen Grinsen. Er wusste nicht, wer ihm das Auge blau geschlagen hatte, aber sollte er es herausbekommen, würde er demjenigen einen Ausgeben.

Namjoon grummelte nur, zog ihn kurz an sich, um sich den ungeliebten Begrüßungskuss zu holen und trabte dann zurück zu seinem Platz auf der Matratze. Auf dem Fernseher flimmerte der Pausenbildschirm irgendeines Spiels und eine schlecht abgemischte Musik dudelte dazu durch den Raum.

„Kannst dich ja mal nützlich machen“, meinte dieser als Taehyung sich neben ihm niederließ und streckte ihm die bandagierte Hand entgegen. Etwas überfordert musterte er den weißen Stoff und begann ihn schließlich vorsichtig abzuwickeln. Die tieferen Lagen wiesen rotbraune Spuren auf und Taehyungs Hände begannen leicht zu zittern, während er weiter wickelte.

Die Haut an den Knöcheln der rechten Hand war aufgeplatzt, blutete an manchen Stellen ganz leicht, an denen der Verband geklebt hatte, andere Stellen schimmerten feucht und wirkten geschwollen. Kurz betrachtete Taehyung sich das Desaster und blickte Namjoon dann abschätzig in die Augen.

„Ich habe keine Ahnung von Medizin“, gab er trocken zurück, wühlte dennoch folgsam in der gereichten Tasche und förderte Wundsalbe, Desinfektionsmittel und Pflaster zutage.

Namjoon sah ihm erst etwas zu, hielt ihm weiterhin abwartend die Hand hin und nickte zufrieden als Taehyung einfach mal ausprobierte, ob das, was in seinem Kopf logisch klang, auch funktionieren würde.

„Solange du das kurze Röckchen trägst, passt das schon“, warf Namjoon ein, grinste ihm vielsagend zu und Taehyung überkam der Wunsch ihm beide Hände zusammenzubinden. Doch er beließ es dabei mit extra viel Druck Salbe auf der gereinigten Haut zu verstreichen und das Zusammenzucken, des ach so harten Namjoon zu genießen.

„Auf so was stehst du?“, murmelte er zurück, grübelte nebenbei, ob er den Verband wirklich brauchte und entschied sich dann dagegen.

„Da musst du dir wen anders suchen“, entschied er schließlich. Das Funkeln in Namjoons Blick sprach Bände, aber einen Rock würde er für niemanden anziehen. Für sein Gegenüber schon gar nicht!
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