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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
01.03.2021
86
217.194
29
Alle Kapitel
141 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
09.09.2019 1.709
 
Erster Akt - Neunte Szene: Sag mir die Wahrheit


Die ersten feinen Sonnenstrahlen kitzelten ihn sanft wach, ließen ihn verschlafen blinzeln und die Augen geblendet wieder schließen. Müde tastete er neben sich und war mit einem Mal wach, setzte sich auf und blickte sich verwundert im Raum um.

Jungkook war nicht mehr da.

Kurz musste er überlegen, ob die Nacht nicht einer seiner zahllosen Träume gewesen war, die ihn besuchten, wenn die Sehnsucht nach seinem Freund zu groß wurde. Aber nein, es war kein Traum gewesen. Jungkooks Duft lag noch in der Luft und Jimin meinte noch seine Lippen auf der Haut zu spüren. Jungkook war wirklich da gewesen, nur wo war er nun? Aus dem Bad erklang kein Laut und das Zimmer war zu klein, um sich zu verstecken. Jimin wollte gerade nach seinem Handy greifen, als die Tür geöffnet wurde und der Gesuchte mit Kaffee und Gebäck hereinkam.

Ein belustigtes Grinsen glitt über Jungkooks Lippen, als er den, vom Schlaf zerzausten, Jimin erblickte. Welcher ihn erleichtert anlächelte und die Hand nach ihm ausstreckte.

„Guten Morgen, Süßer“, raunte Jungkook ihm zu, als er sich neben Jimin auf dem Bett niederließ und sich einen federleichten Kuss stahl.
„Morgen Kookie. Ich dachte schon du musstest wieder weg“, seufzte Jimin zufrieden, während er sich gegen den Größeren lehnte und dessen sanfte Finger auf seiner Haut genoss.
„Doch nicht ohne mich zu verabschieden“, lachte Jungkook leise und drückte Jimin einen Kuss aufs Haar. Recht hatte er, so oft er auch unverhofft verschwinden musste, ohne auf Wiedersehen zu sagen, ging er nie.
Schnell hatte Jungkook es sich gemütlich gemacht und Jimin auf seinen Schoß gezogen, sodass er diesen im Arm halten konnte, während sie frühstückten. Gemeinsam genossen sie den ruhigen Morgen und die Zweisamkeit. Schienen beide zu spüren, wie wichtig sie ihnen war.

„Wie lange kannst du noch bleiben?“, fragte Jimin irgendwann, als der letzte Krümel verputzt und der Kaffee alle war. Jungkook kicherte leise bei der Frage. Anstatt direkt zu Antworten fuhr er mit den Lippen lieber von Jimins Wange zu dessen Hals, ließ den Kleineren genüsslich Seufzen. Dann wanderte er langsam weiter zu dessen Ohr und knabberte sanft daran.

„Gegen Mittag bin ich verabredet, bis dahin gehöre ich ganz dir“, raunte er leise und strich mit den Händen über Jimins flachen Bauch. Dieser drehte sich um, kniete sich dabei vor den Jüngeren und sah ihm tief in die Augen. Er brauchte sich nur etwas Vorlehnen, um Jungkook zu küssen und dieser zog ihn an sich, kaum dass sich ihre Lippen berührten.
„Lerngruppe?“, fragte Jimin desinteressiert. Die weichen Lippen seines Freundes waren gerade spannender. Warum hatte der nur den Kuss schon wieder gelöst?
„Nein, ein neuer Kurs“, hauchte Jungkook mit einem frechen Grinsen und knabberte leicht an Jimins Unterlippe, ließ ihn leise aufseufzen.
„Was denn für einer?“, fragte der Ältere unkonzentriert weiter. Wusste selbst nicht warum er das Fragen nicht lassen und einfach nur den Moment genießen konnte, es interessierte ihn einfach zu sehr, was in Jungkooks Leben vor sich ging.
„Bildhauerei. Wir arbeiten mit Marmor“, erklärte Jungkook kurz angebunden und brachte den Blonden geschickt zum Schweigen. Zog ihn dabei dichter an sich und ließ seine Hände über dessen Rücken gleiten.

„Kookie, nicht…“, lachte Jimin leise, als dessen Hände auf seinem Hintern auf Wanderschaft gingen. Jungkook knurrte gespielt gegen seine Lippen und sah ihn frech an.
„Warum nicht? Ich mag deinen Hintern.“ Damit packte er fester zu, ließ Jimin erschrocken quietschen und sich haltsuchend an seine Schultern klammern.
„Ich weiß, aber ich würde lieber ein wenig spazieren gehen“, wisperte Jimin verführerisch in Jungkooks Ohr. Wusste dabei ganz genau, dass der Jüngere es ihm so nicht abschlagen konnte und behielt recht. Jungkook löste sich etwas von ihm und sah ihn leicht gequält in die Augen, nickte dann aber. Ein leiser Freudenschrei kam über Jimins Lippen als er aus dem Bett sprang und sich eilig fertig machte. Es galt die Gelegenheit zu nutzen, bevor es sich sein Freund anders überlegte.

Keine fünf Minuten später war Jimin angezogen und dirigierte den lachenden Jungkook zur Tür. „Gott bist du niedlich, wenn du dich so freust“, meinte dieser und zog Jimin für einen kurzen Kuss zu sich, bevor er ihm die Tür öffnete.

Auf dem Gang schaute Jimin sich gewohnheitsmäßig um, ob andere unterwegs waren und stellte zufrieden fest, dass sei allein waren. Kaum war Jungkook neben ihm, schloss er schnell noch die Tür ab und griff nach Jungkooks Hand, verschränkte ihre Finger miteinander und schlug den Weg zum Treppenhaus ein. Keiner von ihnen hatte es besonders eilig dort anzukommen, auch die Stufen selbst bewältigten sie ohne jede Hast und erreichten recht langsam die Tür ins Freie. Kaum hatten sie diese durchschritten, löste Jungkook seine Finger aus Jimins und setzte sich ein Cappy auf. Nebeneinander, wie zwei einfache Bekannte, schlenderten sie über den Campus.

In Jimin tobten die Gefühle. Er hasste es nicht länger Händchenhalten zu können. Hasste, dass es nur möglich war, wenn sie niemand sehen konnte. Hasste, dass er nichts daran ändern konnte. Jungkook hatte große Sorge, dass ein Bekannter sie sehen könnte und seine Eltern etwas davon erfuhren. Eine Sache mehr die sie einschränkte. War die Studentenzeit für viele eine Zeit der Freiheit, in der man sich Ausleben konnte, so galt das nicht für Jungkook und ihn. Mit Gewalt brachte er diese düsteren Gedanken zum Verstummen. Er konnte es nicht ändern und sollte lieber genießen, dass sie Zeit für einander hatten und er es wirklich mal wieder geschafft hatte Jungkook aus dem Zimmer zu bekommen. Er schmuste liebend gern mit ihm, aber er wollte so gerne mehr. Einfach eine normale Beziehung, mit Dates, gemeinsamen Unternehmungen. Er klammerte sich an diese seltenen Momente, in denen er mit Jungkook Unterwegs sein konnte.

Sie schlenderten entspannt eine der Einkaufsstraßen entlang und schauten sich die Schaufenster an, kauften sich irgendwann etwas zu essen und machten es sich auf einer ruhig gelegenen Bank gemütlich. Beobachteten die Leute, die vorbeikamen und redeten über alles und nichts. Erst als Jungkook einen Blick auf die Uhr warf, tauchte Jimin wieder in die Realität ein. Es war Mittag und Jungkook musste los. Würde gehen, ohne ihm einen Abschiedskuss zu geben und so kam es dann auch viel zu schnell. Mit einem liebevollen Lächeln verabschiedete er sich von Jimin und winkte ihm im Weggehen noch einmal zu, dann war Jimin allein.

Er schaute seinem Freund noch etwas hinterher, bis er sich zwischen den Menschen verlor und legte dann den Kopf in den Nacken. Richtete den Blick zum blauen Himmel und betrachtete die Wolken, die vereinzelt über ihm schwebten. Ein sanftes Lächeln schlich sich auf seine Lippen und schließlich verließ auch er die Bank und machte sich auf den Weg. Er hatte Taehyung versprochen die Choreografie zu überarbeiten und da er eh gerade Bewegung brauchte, war das doch die Idee.

Leider blieb es bei der Idee, keiner der Übungsräume war frei. Er hatte so gehofft spontan Glück zu haben, aber nein. Dann würde er wohl wieder Hoseok bitten müssen ihm zu helfen. Wenigstens würde dieser so nicht mehr so viel meckern, wenn er beim Putzen half. Auf dem Weg nach draußen schrieb er Hoseok seine Bitte und schaute sich unschlüssig um. Was sollte er mit dem angebrochenen Tag bloß anfangen? Nachher hatte er noch eine Vorlesung aber erst in einigen Stunden. Warum sein Lehrplan manchmal nur Vorlesungen in den letzten Stunden vorsah, verstand zwar niemand aus seinem Studiengang, aber so war es nun mal. Er hatte bereits alles vorbereitet für den Unterricht und sich jetzt nochmal für ein anderes Fach an den Schreibtisch zu setzen wollte er nicht, das Wetter war zu schön. Grübelnd glitt sein Blick zu den Wiesen, die die Gebäude des Sportbereichs umgaben und kurzentschlossen suchte er sich dort ein ruhiges Plätzchen.

Mit einem zufriedenen Seufzen ließ er sich auf den Rücken sinken, steckte sich seine Kopfhörer in die Ohren und verschränkte die Hände unter dem Kopf, als provisorisches Kissen. Entspannt lauschte er den sanften Tönen von Yoongis Klavierspiel, während er den Wolken beim Wandern zuschaute. Vor seinem inneren Auge ließ er die Bewegungen der Choreografie ablaufen, verglich sie mit Taehyungs Bewegungen und den Kommentaren von Yoongi. Langsam, ganz zart und sachte bildete sich ein Bild in seinem Kopf, vermehrte sich und wurde zu einem Film. Wie der Regisseur stoppte er die Szene immer wieder, ließ sie neu, aber anders beginnen. Tauschte Bewegungen wieder und wieder, bis es ihm gefiel und der Film langsam stimmig wurde, Form und Gestalt annahm.

Ein Piepen mitten in der Melodie holte ihn aus seinen Gedanken. Verwirrt schaute er auf sein Handy und brauchte etwas, um zu begreifen, dass er eine Nachricht bekommen hatte. In der Erwartung sie sei von Hoseok öffnete er sie und war leicht verwirrt über den Inhalt, bis er nachsah, wer der Absender war. Nicht Hoseok, sondern Taehyung hatte ihm geschrieben, Zeit und Ort für das nächste Training. Hatte er den anderen doch richtig eingeschätzt. Sein Ehrgeiz war offensichtlich entflammt und auch der Muskelkater ließ ihn nicht einknicken. Gut so, Jimin wäre maßlos enttäuscht gewesen, wenn Taehyung seine Pläne über den Haufen geworfen hätte.

Gut gelaunt antwortete er ihm und stimmte dem Vorschlag zu. In den verbleibenden zwei Tagen hatte er noch etwas Zeit, um seine Überlegungen auszutesten und den beiden Musikern zu präsentieren, vielleicht waren sie dann ja schon näher an dem, was Taehyung sich vorgestellt hatte. Ein Blick auf die Uhr beendete seine Freude, er musste sich beeilen. Die Vorlesung würde bald anfangen und er hatte seine Tasche nicht dabei. Schnell sprang er auf und machte sich eilig auf den Weg zurück zu seinem Zimmer, schnappte sich dort seine Tasche und bekam noch eine weitere Nachricht. Diesmal wirklich von Hoseok, mit der Zusage ihm einen Raum zu organisieren, die ganzen Smylies, welche auf Hintergedanken schließen ließen, ignorierte er geflissentlich. Sollte Hoseok sich doch einen Spaß daraus machen ihm zu unterstellen etwas von Taehyung zu wollen. Immerhin wusste der ja nicht, dass Jimin gerade die Nacht mit seinem Freund verbracht hatte, da konnte man es Hoseok nicht verübeln. Jimin war nur erleichtert, dass sich alles so gut fügte. Morgen konnte er die Choreo üben und in zwei Tagen vorstellen. So gefiel ihm das. Keine langen Verzögerungen in der Arbeit die nur Nerven raubten, da man unnötig lange mit der Ungewissheit leben musste, ob man sich nicht gerade verrannte mit seinen Ideen.
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