Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
41
Alle Kapitel
165 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
22.03.2021 2.391
 
Vierter Akt - Erste Szene: Verwirrung


Vorwort:

Willkommen im letzten Akt dieser Geschichte. Wie auch schon im zweiten Akt laufen die Kapitel zeitlich parallel zu denen des dritten Akts, die den gleichen Namen tragen, schaut da zwischendurch ruhig mal rein.
Eine kleine Warnung noch. Taehyungs Weg mit all dem umzugehen ist, wie sein Verhalten bisher auch, sehr eigen, wer sehr empfindlich mit selbstzerstörerischem Verhalten ist kann den Akt auch überspringen und beim letzten Kapitel des Akts wieder einsteigen. Alle Beschreibungen halten sich aber im Rahmen, genau wie der Story Verlauf selbst. Ich wollte lediglich darauf hingewiesen haben, da der vierte Akt sich doch deutlich von den anderen drei unterscheidet.

Nun aber viel Spaß beim Lesen und lasst mir gerne eure Meinung da.





>> Guten Morgen Tae. Ich hoffe, du hast gut geschlafen <<

Nicht nur, dass das Display unangenehm hell leuchten musste, der Klingelton zerriss Taehyung auch noch beinahe das Trommelfell und das alles, obwohl er den Text nicht einmal gelesen hatte. Als er es dann tat seufzte er schwer. Er hatte die kleine Wette offenbar verloren, daran erinnern konnte er sich jedoch nicht. Ein Blick in seine Geldbörse zeigte ihm immerhin, dass er erst gegen Ende versagt hatte, seine kümmerlichen Finanzen sahen noch genauso aus wie gestern Mittag. Dennoch wurmte es ihn, nicht nur dröhnte ihm der Kopf, Namjoon hatte gewonnen und das tat fast mehr weh als der Kater.

Mit einem schnellen Blick auf die Uhr stöhnte er nochmals. Jetzt hatte sich die Zeit auch noch gegen ihn verschworen. Da steckte doch irgendwer dahinter der ihn ganz grundlos hasste!

>> Keine Ahnung, aber das Aufwachen war scheiße. << Schrieb er schlaftrunken zurück und torkelte ins Bad. Er konnte den Restalkohol in jedem Teil seines Körpers spüren und war sich sehr sicher, dass er es nie im Leben heile bis in die Vorlesungen schaffen würde.

>> Hättest du mein Angebot angenommen ginge es dir jetzt besser als je zuvor. <<

Taehyung runzelte verwirrt die Stirn, als er mit nassen Haaren und einem Handtuch um die Hüften geschlungen wieder in seinem Zimmer stand und die Nachricht las. Er konnte sich beim besten Willen nicht mehr an das Angebot erinnern, auf welches Namjoon anspielte, aber dennoch rollte ihm ein unangenehmer Schauer über den Rücken als er die Worte las. Eins war ihm klar, das war eine Erinnerung, die er nicht wieder haben wollte. Wie so einige andere die ihm gerade durch den Kopf geisterten. Yoongis letzter Blick auf ihn gehörte dazu und ließ ihn nur noch träger werden als er sich für die Uni fertig machte.

Als feige konnte man ihn wirklich nicht bezeichnen, er hatte nie angst sich Menschen oder Situationen zu stellen. Bis jetzt jedenfalls. Es war das erste Mal in seinem Leben, dass er überlegte zu schwänzen, weil er Angst vor Yoongis Meinung hatte. Die Meinung anderer interessierte ihn nur bedingt, die Fremder gar nicht und die von Vertrauten nur insoweit, wie er sie nachvollziehen konnte. Was seine Gedanken aber ausspuckten, wenn sie sich um seinen Hyung drehten, ließ seine Beine weich werden. Nur mit viel Mühe und einer gehörigen Portion Selbstgeißelung schaffte er es schließlich aus der Haustür, trottete der Vorlesung entgegen und wischte sich seine schweißnassen Hände immer wieder an der Hose ab.

Vor dem Eingang angekommen, schlug ihm das Herz bis zum Hals, sein Magen war ein einziger verkrampfter Klumpen und er hatte mit jedem Schritt ein stärkeres Gefühl von Schwindel, welcher ihn von den Beinen reißen wollten. Der Weg kam ihm unendlich lang vor und so schwer zu beschreiten als seien seine Beine tonnenschwer und doch erreichte er den Vorlesungssaal, blickte sich ängstlich um und ließ sich unbemerkt auf einen Platz in der hintersten Reihe fallen.

Yoongi war nicht da.

Das hatte Taehyung ausgiebig geprüft und er wusste einfach nicht, ob er sich freuen oder heulen sollte. Sich der Konfrontation noch etwas entziehen zu können tat gut, sorgte aber auch dafür, dass er jedes Mal zusammenzuckte, wenn jemand den Raum betrat. Doch auch als die Vorlesung begann war Yoongi noch nicht aufgetaucht und Taehyung mühte sich ab dem Thema zu folgen.

So quälte er sich durch den Vormittag, war gefangen zwischen Anspannung, Angst, Erleichterung und wachsender Sorge. Immer wieder piepte sein Handy, doch nie war es Yoongi, dafür Jungkook und Namjoon, die ihn im Wechsel nerven mussten und dafür ignoriert wurden.

Als endlich die Mittagspause begann, waren Taehyungs Nerven zum Zerreißen gespannt und er unfähig sich in die unübersichtliche Mensa zu setzen, um etwas zu Essen. Sein Magen hatte mittlerweile beschlossen, dass das Bedürfnis nach Nahrung stärker als Taehyungs Panik war, knurrte und krampfte seit fast einer Stunde so penetrant, dass er sich geschlagen gab, am Kiosk ein Sandwich kaufte und sich eine ruhige Ecke suchte. Immer wieder spähte er über die Schulter, hatte das Gefühl überall dunkelrote Haare zu sehen und Yoongis Stimme zu hören. War jedes Mal erleichtert und beunruhigt gleichermaßen und sich langsam sicher, dass Yoongi das mit Absicht machte.

In seinem Versteck - anders konnte man den hintersten Winkel auf dem Dach, zwischen der Klimaanlage und dem Wartungshaus des Aufzugs, nicht nennen - hockte er sich erschöpft auf den Boden, biss in sein Brot und überlegte was er tun konnte. Sein Smartphone lag tonnenschwer in seinen Fingern, als er darüber nachdachte Yoongi einfach anzuschreiben. Vielleicht konnten sie ja aushandeln, wer welche Vorlesung besuchen durfte und wann wer in die Mensa gehen würde? Es war albern und Taehyung einfach zu feige. Die Erinnerung an die fassungslose Enttäuschung in Yoongis Augen brannte in seinem Herzen, versenkte es Stück für Stück.

Es war fast lächerlich, dass es bei all den Menschen, die er verletzt hatte, Yoongi war, der ihm am nächsten ging. Wohl weil er wusste, dass dieser eine seiner wichtigsten Stützen gewesen war. In seinem ungestümen Wesen hatte Yoongi es immer verstanden die richtigen Worte, Gesten und Blicke zu finden, um ihn zu fassen zu bekommen, ihn zu bremsen und ihm zu helfen sich nicht in seinem Überschwang zu verheddern. Einem Teil war klar gewesen wie wertvoll diese Freundschaft für ihn war, dem anderen war es egal genug gewesen, um sie für seine lächerliche Rache zu riskieren.

>> Ignorier mich nicht Taehyung, das ist unhöflich! <<

Wieder dieses nervige Piepen und wieder eine dreiste Forderung. Taehyung verdrehte nur die Augen, während er sich Soße vom Finger leckte und das leere Papier zusammenknüllte.

>> Ich hatte Vorlesung. << Log er plump. Es war ihm egal, ob es offensichtlich war oder nicht, er hatte andere Probleme als Namjoons Aufmerksamkeitsbedürfnis.

>> Gestern hast du noch gesagt, du machst heute blau. <<

Hatte er? Was er nicht so alles erzählte, wenn er betrunken war. Eigentlich keine schlechte Idee, wenn Namjoon ihm die nur früher mitgeteilt hätte.

>> Das muss mir entfallen sein. <<

>> Dir entfällt, dass du schwänzen willst? Du bist seltsamer als ich dachte. <<

Taehyungs Mundwinkel kräuselten sich, während er las. Er schaffte es, selbst den ach so abgeklärten Namjoon noch zu überraschen, na das war doch auch was. Ein Blick auf die Uhr ließ seine Freude dann aber schon wieder verblasen. Die nächste Vorlesung stand an und damit wieder der Tanz auf dem Drahtseil für seine Nerven.

Ein äußerst unnötiger Tanz wie sich herausstellte. Yoongi tauchte einfach nicht auf. Der Ältere war pflichtbewusste und verpasste den ganzen Tag? Taehyung verstand es nicht, das passte nicht zu ihm und langsam machte er sich Sorgen. Lag es an ihm oder war etwas passiert? Vielleicht etwas mit Jimin? Mit zitternden Fingern griff er nach seinem Handy als er auf dem Weg zum Café war, traute sich dann aber doch nicht einen der beiden anzuschreiben. Kurz überlegte er ob Hoseok eine sichere Quelle wäre, verwarf aber auch diesen Gedanken. Als Jimins Freund wusste der sicher schon Bescheid und hatte Taehyung auf die Abschussliste verfrachtet. So erreichte er unverrichteter Dinge seinen Arbeitsplatz und hatte zwischen Bestellungen, Kassieren und Abräumen reichlich Zeit sich die schlimmsten Dinge auszumahlen.

„Entschuldigung? In der Herrentoilette ist das Waschbecken verstopft.“ Wurde er aus seinen Gedanken gerissen und Namjoon grinste ihn unschuldig von der Seite an, deutete dabei an ihm vorbei zu der Tür besagter Toilette und Taehyung starrte ihn erstmal nur überfordert an. Bitte was wollte der? Konnte er nicht einfach abhauen und Taehyung weiter in Ruhe überfordert sein lassen?

In Namjoons Gesicht deutete nichts auf die offensichtliche Lüge hin. Sie wussten beide, dass keines der Waschbecken in der Toilette ein Problem hatte und dennoch nickte Taehyung schließlich mit einem verbindlichen Lächeln und drehte sich zu der entsprechenden Tür. Alles nur, weil neben einigen Kunden auch sein Chef in Hörweite war und er es sich nicht leisten konnte Namjoon hier und jetzt für seine Dreistigkeit zur Rede zu Stellen.

Nach einem kleinen Schwenker hinter den Tresen, um sich Eimer und Handschuhe zu holen, öffnete er schließlich die Tür, trat in den leeren Vorraum der Toiletten, in dem die beiden Waschbecken unter einem breiten Spiegel hingen. Keines von ihnen lief über, oder wirkte auf eine andere Weise verstopft und dennoch öffnete Taehyung beide Hähne nacheinander und prüfte gewissenhaft, ob das Wasser auch ablief. Als er den ersten gerade wieder zudrehte und einen Schritt zur Seite tat, um den zweiten zu prüfen, öffnete sich hinter ihm die Tür. Er konnte im Spiegel sehen, dass jemand hereinkam, die Tür von Innen wieder schloss und er wusste ohne einen weiteren Blick, dass es Namjoon war. Etwas anderes hätte ihn auch gewundert. Wofür sollte sonst diese Lüge gut sein, wenn nicht um mit ihm allein zu sein?

„Was soll das?“, fauchte er den Älteren auch schon gereizt an, kaum dass er seine Inspektion abgeschlossen hatte. Genervt kickte er gegen den leeren Eimer, den er unter den Waschbecken abgestellt hatte und dieser schepperte leise, als er nach einigen Runden auf der Kannte wieder zum Stehen kam, ohne umzufallen.

Namjoon grinste ihn nur wissend an, kam mit gemütlichen Schritten auf ihn zu, während sich Taehyungs Arme wie von allein vor seinem Körper verschränkten und er trotzig die Unterlippe vorschob. Er würde sich sicher nicht einschüchtern lassen, weder von Namjoon noch von sonst wem.

Dieser blieb viel zu nah vor ihm stehen, durchbohrte ihn regelrecht mit seinem stechenden Blick, doch Taehyung schaute nicht weg, hielt den Blickkontakt, ohne mit der Wimper zu zucken. Langsam wurde ihm das Ganze zu blöd, er hatte zu tun und zwar besseres als hier irgendein Machtspielchen zu spielen. Die machten mit dem Lilahaarigen einfach keinen richtigen Spaß. Fand er zumindest, Namjoon sah das offenbar anders, so zufrieden wie dessen Augen gerade glitzerten.

Unbewusst hielt Taehyung den Atem an als Namjoon eine seiner Hände aus der Hosentasche löste, sich nachdenklich das Ohrläppchen rieb und sich anschließend vorbeugte, sein Gesicht damit ganz dicht an Taehyungs brachte. Dieser hatte Mühe nicht dem Reflex zu folgen und den Kopf zurückzuziehen. Gesonderte Lust schon wieder von dem anderen geküsst zu werden hatte er keine, doch ihn diesen Kampf gewinnen lassen wollte er noch weniger. So hielt er still, erwiderte den Blick und sog flach und etwas abgehakt die Luft durch die leicht geöffneten Lippen ein, als Namjoons Hand in Richtung seines Gesichtes wanderte. Die Finger legten sich aber nicht an seine Wange oder glitten in seinen Nacken, wie er es erwartete, sondern umfassten sein Ohr, wanderten daran hinab und ein scharfer Schmerz durchzuckte sein Ohrläppchen. Dies brachte ihn dann doch dazu den Blickkontakt zu brechen und die verschränkten Arme zu lösen, mit den Fingern an das schmerzende Ohr zu fahren und es behutsam zu betasten. Da der Ältere, mit einem leisen Lachen, einige Schritte zurück gemachte hatte, hatte er nun auch wieder genug Bewegungsfreiheit um sich umdrehen und in den Spiegel schauen zu können.

Als er die zitternden Finger langsam herunternahm, damit sie ihm nicht länger den Blick versperrten, schmerzte die Stelle nicht mehr, pochte nur dumpf und fühlte sich erhitzt an. Im Spiegel erblickte Taehyung einen kunstvoll gefassten, tiefblauen Stein mit silbernen Ornamenten auf seinem Ohrläppchen kleben. Verwirrt blinzelte er, bis ihm aufging, dass es sich um einen Ohrring handelte. Er hatte sich vor Jahren Ohrlöcher stechen lassen, aber so unregelmäßig Ohrringe getragen, dass sie wieder zugewachsen waren. Namjoon hatte diesen Zustand nun geändert und schien damit äußert zufrieden. Denn er ließ Taehyung gerade die Zeit, um die Erkenntnis zu haben, aber weder um sie zu verstehen noch aus ihr Schlüsse oder Handlungen abzuleiten. Mit einem festen Griff an seiner Schulter wurde Taehyung herumgewirbelt, gegen die Waschbecken gedrängt und Namjoon beugte sich zu ihm. Diesmal konnte der Jüngere es nicht vermeiden sich nach hinten zu lehnen, um auszuweichen und Genugtuung sprach aus Namjoons Blick.

„Ich hatte es dir versprochen, Kim Taehyung“, raunte ihm die tiefe Stimme seines Gegenübers verführerisch entgegen, dann lagen dessen Lippen auch schon auf seinen. Ein erschrockenes Keuchen entfuhr ihm, doch wehren konnte er sich nicht. Nicht nur die Überraschung machte ihn Handlungsunfähig, auch Namjoons zielstrebiges und bestimmtes Vorgehen ließen Taehyung hilflos zurück und er konnte sich nur fügen als die Zunge des Älteren sich in seinen Mund stahl und ihn ausgiebig plünderte. Ein Arm legte sich an Taehyungs Rücken, zog ihn dichter an den anderen und mit einem leisen Wimmern krallte er sich verzweifelt in dessen Hemd. Zufrieden grinsend löste Namjoon den Kuss, glitt mit seinen Lippen über Taehyungs Wange, weiter zu dessen Ohr und leckte sacht über die gerötete Haut.

Schwer atmend ließ Taehyung es geschehen, wusste einfach nicht mehr wie er Hände und Füße zum Gehorchen bringen konnte und fühlte sich hilflos wie eine Puppe. Beobachtete was geschah und konnte nicht eingreifen, bis Namjoon ihn endlich losließ und mit einem frechen Zwinkern die Toilette verließ. Vollkommen verdattert blinzelte Taehyung einige Male, doch die Tür bewegte sich nicht mehr. Zittrig drehte er sich wieder zum Spiegel, sah sich selbst in die geweiteten Augen, auf die roten Wangen und die bebenden Lippen, nur zu seinem Ohr brauchte er den Blick nicht gleiten lassen, es pochte noch immer leicht und zeigte so mehr als deutlich wie es ihm ging.

Die Augen schließend atmete er einige Male tief ein und aus, krallte die Finger um den Rand des Waschbeckens und schaffte es schließlich wieder sich selbst fest in die Augen zu schauen. Eine Hand wanderte an sein Ohr, zuckte jedoch zurück, als sein Versuch den Ohrring zu entfernen, nur für neue Schmerzen sorgte. Dann würde er den eben später herausnehmen und sobald seine Schicht um war Namjoons Nummer sperren. Das zumindest war sein Plan.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast