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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
41
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
15.03.2021 1.837
 
Dritter Akt - Dreizehnte Szene: Triff deine Wahl


Das Wochenende kam und Jimin beeilte sich die Treppen zu Yoongis WG hochzusteigen. Dieser hatte ihn heute bereits zweimal geschrieben und sogar angerufen, nur um sicherzugehen, dass er auch wirklich kam. Deutlicher konnte er nicht zeigen, dass er etwas vorhatte und Jimin war unheimlich neugierig darauf herauszufinden was es war.

Trotz der ganzen Eile musste er nach dem Klingeln erstaunlich lange warten bis sich dir Tür öffnete und ein verschlafener Yoongi blinzelte ihm entgegen, gähnte herzhaft und ließ ihn eintreten. Jimin betrachtete ihn verwundert, während er sich die Schuhe auszog. Sich durch die Haare fahrend streckt sich Yoongi ausgiebig, entblößte dabei seinen flachen Bauch und gähnte ein weiteres Mal, ehe er die Arme um den Jüngeren sinken ließ und ihn liebevoll anlächelte.

„Hi“, hauchte er gegen Jimins Lippen, küsste ihn zärtlich und drückte ihn kurz an sich. Seine Wärme sprang auf den Jüngeren über, verriet, dass Yoongi wirklich gerade aus dem Bett kam und der verwunderte Gesichtsausdruck verfestigte sich bei Jimin.

„Hab' meinen Mittagsschlaf überzogen“, erklärte Yoongi mit einem schiefen Grinsen und wuschelte sich durch die zerzausten Haare, als er voran in die Küche ging und sich einen Kaffee machte. Zwar hatte Yoongi am Morgen schon gesagt, dass er sich später wohl noch hinlegen werden müsse, da er wirklich schlecht geschlafen habe, aber wirklich glauben hatte Jimin ihm das nicht wollen, war der Ältere morgens doch meist etwas grummelig. Ein oder zwei Küsse und eine kleine Umarmung halfen hier wunder, aber heute schien es wirklich Müdigkeit gewesen zu sein, die seine Mundwinkel nach unten gezogen hatten.

„Um die Zeit noch Kaffee? Willst du die ganze Nacht wach bleiben?“ Jimin runzelte die Stirn. Er kannte Yoongis Vorliebe für Kaffee, aber das war doch ungewöhnlich.

„Nur zum wach werden, eine Tasse hält mich noch lange nicht vom Schlafen ab“, gab der Gefragte schulterzuckend zurück und drehte sich dann wieder zu Jimin, ein glitzern in den Augen welches diesen sofort aufmerksam werden ließ.

„Was führst du im Schilde?“ Seine Neugierde hatte gesiegt, die Worte über seine Lippen getrieben, ehe er es verhindern konnte und Yoongis Grinsen wurde breiter, kroch unter Jimins Haut und verursachte ein angenehmes Kribbeln.

„Ich will dich um einen Gefallen bitten.“

Interessiert nickte Jimin, wollte hören worum es ging. Der Ältere hatte in letzter Zeit so viel für ihn getan da half er gern wo er konnte.

„Du weißt, ich bin nicht der einfachste Zeitgenosse“, begann Yoongi, kam mit gemütlichen Schritten auf ihn zu, während Jimin ein weiteres Mal nickte. „Mein Mitbewohner hat sein Studium abgebrochen und zieht Ende des Monats aus, wenn ich bis dahin nicht selbst jemanden vorschlage, stecken die mir irgendwen in das Zimmer. Die Vorgänger von Kai waren die reine Hölle.“

Irritiert blickte er in Yoongis Augen, konnte das Lachen darin sehen, welches seine Verwunderung hervorrief und ganz langsam sickerte die Erkenntnis zu ihm durch.

„Du willst, dass ich bei dir einziehe?“ Seine Stimme schwankte vor Überforderung, dass Yoongis Arme um seine Taille geschlungen waren, gab ihm Halt, aber auch das Gefühl eingeengt zu sein und ein leichtes Beben durchfuhr seinen Körper.

„Ich würde dich nicht fragen, wenn es nicht dringend wäre. Es ist sehr früh dafür, zu früh wahrscheinlich, aber ich dreh sonst wirklich durch.“ Yoongis Augen waren so ernst wie seine Stimme, zeigten deutlich, dass das nicht als Spaß gemeint war und brachten Jimin dazu schwer zu schlucken.

„Denk in Ruhe darüber nach, zwei Wochen habe ich noch, dann wird zugeteilt“, räumte Yoongi ihm ein, doch Jimin kaute noch immer auf der Unterlippe herum, konnte ihm fast nicht in die Augen schauen.

„Ich bin dir nicht böse, wenn du nein sagst, wirklich nicht. Aber wenn du eine gute Alternative hast erwarte ich, dass du mir die nennst.“ Endlich strömte der Atem wieder freier durch Jimins Lungen, sein Brustkorb entspannte sich und das Lächeln kehrte zurück auf seine Lippen.

„Ich denke drüber nach“, versprach er, grübelte aber schon wen er kannte den er mit Yoongi in eine WG stecken könnte.

Mit Yoongis Kaffee verzogen sie sich in dessen Zimmer, machten es sich auf dem Sofa gemütlich und Jimin fragte den Älteren noch über die Rahmenbedingungen aus. Je mehr dieser berichtete, umso interessanter fand Jimin das Angebot. Immerhin musste er sich schon eingestehen, dass sie eh ihre gesamte Freizeit miteinander verbrachten und umziehen auf dem Campus kein großes Problem war. Sollte es schiefgehen, müsste er sich zwar mit einem zugeteilten Zimmer begnügen, sein altes bekam er dann sicher nicht zurück, aber er merkte wie ihm der Gedanke immer mehr gefiel.

„Ich mag den Ausdruck“, schmunzelte Yoongi in seine Tasse und Jimin rieb sich verlegen über die Wange, er konnte fühlen wie sie ertappt heiß wurde und schenkte Yoongi ein schüchternes Lächeln.

„Ich verspreche hier nichts, aber ich finde die Idee gar nicht so schlecht.“

„Die mit dem Mitbewohner, oder die mit dir als Mitbewohner?“

„Zweiteres“, kam es leise, begleitet vom Klang einer abgestellten Tasse. Schon legten sich Arme um ihn, zogen ihn an Yoongis Brust und ein zarter Kuss wurde auf seine Stirn gedrückt.

„Fühl dich nicht gedrängt, auch wenn ich dich echt gern hier hätte“, versicherte Yoongi mit bemühter Ruhe in der Stimme, brachte Jimins Herz damit nur noch mehr zum Rasen und seine Stimme zum Zittern.

„Tu ich nicht.“

Yoongi entfuhr ein entspanntes Lachen, mit weichen Augen sah er den Jüngeren an und dieser verlor sich in dem Anblick, strich vorsichtig mit den Fingern über Yoongis Kinn, hoch zu den Wangenknochen und wieder zurück.

„Mein Herz wusste schon, warum es sich beim ersten Blick in dich verliebt hat“, raunte er Jimin zu, sah ihm dabei noch immer fest in die Augen und ließ seinen Atem stocken.

„In den zwei Sekunden?“ Mehr waren es sicher nicht gewesen, hatte Taehyung ihn doch attackiert, kaum dass er den Blick zu Jimin gehoben hatte. Er konnte sich selbst noch gut an diesen Moment erinnern, war sofort fasziniert gewesen, aber reichte das für stärkere Gefühle?

„Es waren zwei sehr schöne Sekunden“, beschloss Yoongi und sein Blick beantwortete Jimins ungestellte Frage mit einem klaren: Ja, es hat gereicht!

Die harmonische Stille zwischen ihnen beendete Jimins Handy und dieser schaute nicht schlecht als er die Nachricht las. Dreimal, wohlgemerkt. Und selbst dann glaubte er sie erst als auch Yoongi sie gelesen hatte.

>> Wer braucht schon einen umgefärbten Gartenzwerg! <<

Stand da und dazu noch ein Foto. Taehyung und der Kerl mit den Tattoos aus dem Park. Mit der besseren Beleuchtung erkannte Jimin ihn auch langsam, musste zweimal hinschauen, war sich dann aber sicher.

„Wie kann der jetzt schon so voll sein?“, grübelte Yoongi halblaut und wohl nicht an Jimin gerichtet, als dieser mit den Schultern zuckte wurde er nicht weiter beachtet.

„Du sagtest doch, dass er es momentan auf die Spitze treibt. Ist das dann außergewöhnlich?“

„Soweit ich weiß schon. Besonders da er dich anschreibt.“ Auf Yoongis Stirn gruben sich immer tiefere Sorgenfalten ein. Sie hatten sehr wenig über Taehyung gesprochen, fast gar nicht, nur hin und wieder hatte Yoongi durchscheinen lassen, dass er sich sorgte. Hatte sich immer wieder Zeit genommen, um etwas mit dem Jüngeren zu unternehmen, für ihn da zu sein. Jimin hatte es nie verhindern wolle, doch hören wollte er genauso wenig davon, Taehyung war noch immer ein schwieriges Thema. Aber dieses Bild ließ alle Alarmglocken in ihm schrillen, alles darauf wirkte falsch. Begonnen bei der reinen Tatsache, dass Taehyung es ihm schickte und ihn auch noch so seltsam beleidigte, über seinen offensichtlichen Pegel, bis hin zu seiner Begleitung.

„Habt ihr euch über mich gestritten?“, schoss es Jimin durch den Kopf und direkt über die Lippen, Yoongi blickte ihn verblüfft an und schüttelte aus Reflex den Kopf.

„Nicht gestritten, aber ich gehe halt pünktlich, damit ich noch Zeit für dich habe und hänge nicht mehr so viel mit Taehyung rum. Er hat sich nie beschwert, aber gefallen hat es ihm offensichtlich nicht“, erklärte er mit einer Kopfbewegung zu Jimins Handy.

Nachdenklich kaute er auf der Lippe herum, tauschte immer wieder Blicke mit Yoongi und das Zwicken im Magen wurde immer stärker.

„Ich habe ihn letztens darauf angesprochen, dass er sich zusammen reißen soll, er saß leicht angetrunken in der Vorlesung. Hat was davon erzählt, dass es eben sehr spät war und er zu pflichtbewusst sei, um zu schwänzen, danach war er weg und im Café war er auch nicht. Er rutscht ab und der Typ da, ist wohl mit schuld an dem ganzen Scheiß“, führte Yoongi vorsichtig aus, blickte dabei Jimin immer wieder ins Gesicht, doch dieser hörte nur aufmerksam zu. Nochmal betrachtete er das Bild, sah sich Taehyungs Begleiter genauer an und ein kalter Schauer rollte über seinen Rücken.

„Das ist Namjoon, Jungkooks großer Bruder“, grübelte er laut und Yoongi fuhr hoch, durchbohrte ihn mit Blicken, die wissen wollten, was das zu bedeuten hatte.

„Das passt doch alles nicht. Jungkook hatte erzählt, er wäre ins Ausland gegangen, um dort ein ruhiges Leben mit seinem Freund zu führen. Er meinte sie hätten keinen Kontakt mehr, seit seine Eltern ihn aus der Familie geschmissen hatten, weil er schwul ist“, faste Jimin zusammen was Jungkook ihm all die Jahre über Namjoon erzählt hatte. Irgendwo hatte er noch die Information gespeichert, dass sein Bruder ein ruhiges Leben führte, Buchhalter sei, aber ganz sicher kein tätowierter Draufgänger, der sich in seltsamen Clubs rumtrieb.

„Was hat Jungkooks Bruder mit Taehyung zu schaffen? Das kann doch kein Zufall sein.“ Der Blick des Älteren war noch etwas stechender geworden, doch von Jimin würde er nicht die Antworten erhalten, die er haben wollte.

„Mir fällt ehrlich gesagt nur eine Möglichkeit ein das herauszufinden.“ Der Klos in seinem Hals ließ ihn heiser werden und Yoongis Augen wurden schmaler, ihm gefiel nicht was Jimin andeutete, doch dieser wurde immer sicherer.

Sie besprachen sich nicht lange, hatten es beide eilig, die Sorge drängte und so trennten sich ihre Wege. Yoongi klapperte die Clubs ab, in der Hoffnung Taehyung zu finden, welcher nicht auf Nachrichten und Anrufe reagierte. Was aber ohne genaue Angaben, eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen war und Jimin würde herausfinden gehen, woher Namjoon Taehyung kannte und was wirklich damals zwischen ihm und seiner Familie passiert war.

Es war ein schwerer Weg den Jimin beschritt, wollten seine Beine doch lieber umkehren und ihn forttragen, so tun als habe er diese Nachricht nie erhalten und sich einen schönen Abend mit Yoongi machen. Doch Taehyungs Augen hatten so abwesend und benebelt gewirkt, dass die Sorge überwog, etwas sagte ihm, dass sie handeln mussten. So schluckte er nochmal, streckte die zitternde Hand aus und drückte den Klingelknopf. Schritte näherten sich und Jimins Herz bebte vor Anspannung, er konnte nur beten Antworten zu erhalten, die ihn weiterbringen würden.


+ Ende dritter Akt +







Hallöchen ihr Lieben,

das war dann auch schon der dritte Akt, wesentlich kürzer als die ersten beiden, aber ich hoffe dennoch interessant und unterhaltsam. Last mir gerne eure Meinung da oder was ihr vermutet was bei Taehyung los ist. Nächsten Montag geht es dann mit dem vierten und letzten Akt los.

Passt auf euch auf und bis zum nächsten Mal.
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