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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
41
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
08.03.2021 2.254
 
Dritter Akt - Zwölfte Szene: Alte und neue Gefühle


Hoseoks Blick lag beunruhigt auf Jimin, während sie am Eingang der Mensa warteten, die Tür fest im Blick. Er hatte den Jüngeren schon etliche Male gefragt was los war und keine Antwort erhalten. Als er ihn auf die versäumte erste Vorlesung und die Flecken am Hals ansprach, war Jimin wenigstens noch so freundlich gewesen rot zu werden und ihm so Infos zu liefern. Aber kaum wollte der andere wissen, warum er so gebannt auf Yoongi wartete, kehrte eine Kälte in Jimin ein, die für Hoseok nicht zu lesen war. Zumindest beunruhigte sie ihn und ließ ihn permanent die gleichen Fragen wiederholen.

„Da ist er“, meinte er mit ausgestrecktem Finger in Richtung Yoongi, winkte leicht und dieser kam auf sie zu.

„Okay, was ist bei euch abgegangen? Ihr schaut ja beide so als sei euch eine gewaltige Laus über die Leber gelaufen“, fragte er dann extra laut als Yoongi in Hörweite war und dessen Blick wanderte von ihm zu Jimin. Dieser ließ sich davon aber wenig stören, zog Yoongi schnell an sich, drückte ihn fest und genoss die Ruhe, die sich endlich über seine Gedanken legte als er wieder Yoongis Nähe spürte. Mit dem quengelnden Hoseok machten sie sich auf zur Essensausga be, hatten unerwartet viel Spaß dabei ihn nicht zu beachten, während sie sicherstellten, dass er im Gewühl nicht verlorenging und sicher bei ihnen am Tisch ankam, um dort weiter neugierige Fragen zu stellen.

Ein Gutes hatte es, Hoseok hatte mittlerweile aufgegeben Jimin ausfragen zu wollen und wand sich lieber erstmal Yoongi zu, in der Hoffnung bessere Chancen zu haben und hier konnte Jimin ihm nur zustimmen, er wollte auch wissen, warum Yoongi so genervt schaute. Yoongis Blick wanderte nach einigen der Fragen zu Jimin und dieser zog fragend die Augenbraue hoch, schob sich einige Nudeln in den Mund und mitten im Kauen ging ihm auf, dass es sich bei ihnen wohl um die gleiche Laus handelte.

„Jungkook hat mich vorhin abgepasst.“ Da war auch schon die Bestätigung und Jimin schluckte krampfhaft den Bissen hinunter während Hoseok Yoongi nur überrumpelt anstarrte.

„Dich auch?“, kommentierte Jimin sarkastisch und nun hatte er die Aufmerksamkeit. Hoseok klopfte er auf den Rücken als dieser vergaß wie man richtig schluckte und Yoongi schenkte er ein aufmunterndes Lächeln.

„Wann war er bei dir?“, machte Yoongi ungestört weiter, verzog nur minimal das Gesicht als Hoseok besonders leidend röchelte, um an Sauerstoff zu gelangen.

„Kurz nachdem du weg warst“, berichtete Jimin folgsam und forderte Yoongi mit Blicken auf, die gleiche Frage zu beantworten.

„Ich tippe einfach mal, dass das Gespräch nicht in seinem Sinne verlaufen ist und er deshalb so zickig war.“

Bemüht ruhig trank Hoseok einige Schlucke Wasser, ließ seinen Blick dabei aber im Eiltempo zwischen den anderen beiden hin und her springen, in der steten Angst etwas zu verpassen.

„Mal langsam und nacheinander. Was wollte er von dir, Jimin?“, versuchte er, kaum die Flasche von den Lippen genommen, das Gespräch so zu lenken, dass er auch alles mitbekam.

„Mir erzählen, dass Yoongi nur auf Sex aus ist und sich mit anderen triff, sobald ich nicht hinsehe.“

Yoongi entwich ein abfälliges Schnauben, Jimin war es keine weitere Reaktion wert, er aß erstmal weiter, das ganze wütend vor sich hin Brodeln, den Morgen über, hatte ihn hungrig gemacht.

„Hat er sich versehentlich mit Yoongi verwechselt?“ War das Einzige, was Hoseok einfiel und die anderen beiden konnten nur nicken.

„Er meinte, du würdest mit anderen schmusen“, konkretisierte er die Anschuldigung und sah nun doch auffordernd zu Yoongi. Er hatte eine Vermutung was das anging und Yoongis leises Lachen bestätigte sie, bevor er ein Wort sagte.

„Er ist ein grandioser Freund, wenn er Tae nicht mal erkennt“, schnaubte er kopfschüttelnd und hatte damit sofort Hoseoks Aufmerksamkeit und seinen Zorn gab es gratis obendrauf.

„Warum kuschelst du mit Taehyung?“, fauchte er quer über den Tisch und Jimin legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm. Taehyung war ein fast so rotes Tuch wie Jungkook für seinen Hyung und er hatte es aufgegeben ihm zu versichern, dass er das anders sah. Dass Yoongi und Taehyung weiterhin befreundet waren hatte er daher gar nicht erst erwähnt, auf die Diskussion hatte er nun wirklich keine Lust gehabt und so durfte Yoongi es ausbaden.

„Weil du mich auch umarmst, wenn es mir dreckig geht“, ließ er ruhig fallen und nun glänzte Fassungslosigkeit in Hoseoks aufgerissenen Augen.

„Das ist nicht dein Ernst!“ Die Empörung ließ seine Stimme sich fast überschlagen und ihn die Luft zittrig durch die Nase einziehen.

„Es ist Yoongis Entscheidung mit wem er befreundet sein möchte und meine es zu akzeptieren oder nicht. Hättest du mich fallen lassen, wenn ich sowas abgezogen hätte?“ Die letzte Frage ließ Hoseok mit offenem Mund innehalten und Jimin leicht verzweifelt ansehen.

Yoongi beobachtete die beiden seelenruhig, tippte mit seinem Fuß unter dem Tisch hin und wieder gegen Jimins Bein und brachte diesen zum Schmunzeln. Hoseok hatte den Mund mittlerweile wieder geschlossen, wanderte nun mit einem reichlich unzufriedenem Blick zwischen Jimin und Yoongi hin und her und grummelte leise vor sich hin.

„Du hättest eine ganz schöne Standpauke bekommen“, räumte er schließlich ein und entschied sich das Thema fallen zu lassen, auch wenn er unzufrieden wirkte.

„Was wollte der Kerl von dir?“, setzte er schließlich sein angefangenes Verhör an Yoongi gerichtet fort, auch wenn er nicht mehr ganz so euphorisch klang.

„Mir weismachen, dass Jimin versucht hat ihn zurückzugewinnen und ich ihn nur eifersüchtig machen sollte.“

Jetzt hatte es Jungkook doch noch geschafft Jimin den Appetit zu verderben. Da durfte er sich anhören, dass Jungkook ihm für ihn selbst fremdgegangen war und der behauptete hinterher er wolle ihn zurückgewinnen? Leichte Übelkeit stieg in ihm auf, als er daran dachte, dass er es all die Zeit nicht gemerkt hatte. Jungkook war nicht so gewesen als ihre Beziehung begann, doch er hatte sich geändert und Jimin hatte es nicht gesehen oder es nicht sehen wollen. Er konnte nicht sagen was es war, aber es lief ihm kalt den Rücken runter, wenn er es sich klarmachte.

Die besorgten Blicke seiner Freunde lagen auf ihm und er lächelte sie entschuldigend an. Er hatte ihnen schon so viele Sorgen bereitet wegen Jungkook, dass musste aufhören, aber wohl leider nicht heute.

„Yoongi? Hast du Lust zu schwänzen?“

Ohne zu zögern nickte der Gefragte und Jimin fiel ein Stein vom Herzen, jetzt in der Vorlesung sitzen zu müssen oder allein über seine wütenden Gedanken zu brüten hätte er nicht ausgehalten. Er wollte sich viel lieber mit Yoongi in einen der Musikräume flüchten, ihm beim Klavierspielen zuhören und all die Wut in seinem Bauch verrauchen lassen. Hatte er sie doch schon jetzt satt, er wollte nicht wütend über etwas sein was er nicht ändern konnte, er wollte sich über das freuen können, was er hatte.

Doch so richtig klappen wollte es auch mit dem Schwänzen nicht. Zwar verbrachten sie einige ruhige Stunden, in denen Yoongi weit weniger Klavier spielte als gedacht, doch dann drängte ihn sein Pflichtgefühl doch wieder zur Vorlesung. Jimin konnte es ihm nicht verübeln, es ging ihm schon wesentlich besser und so beschwerte er sich nicht als Yoongi die Frage beiläufig fallen ließ. Immerhin begann Jimins Herz etwas schneller zu schlagen, als Yoongi ihn nochmal zurückzog, an seinem Schlüsselbund fummelte und ihm seinen Wohnungsschlüssel in die Hand drückte. Yoongi hatte noch bis abends zu tun und da er morgen als erster raus musste würden sie die Nacht bei dem Älteren verbringen, mit dem Schlüssel konnte Jimin direkt zu ihm in die Wohnung gehen und brauchte nicht nochmal extra los oder irgendwo die Zeit totschlagen bis Yoongi fertig war.

„Dann muss ich dich also reinlassen?“, scherzte Jimin im Gehen, die Finger fest um das kleine Stück Metall gelegt.

„Sieht so aus. Kai ist heute nicht da, also liegt es an dir zu verhindern, dass ich auf einer Parkbank schlafen muss.“

„Die sollen sehr gut für den Rücken sein“, meinte er noch zwinkernd, drückte Yoongi einen schnellen Kuss auf die Wange und eilte zum Ausgang, das verhaltene Lachen des Älteren schallte ihm noch nach.

Vor dem Gebäude überlegte er, was er nun machen sollte, eigentlich lief gerade noch seine letzte Vorlesung, aber wie bei der ersten an diesem Tag war sie schon so weit vorangeschritten, sodass hingehen sinnlos war, also schlug er den Weg zur Bücherei ein, um wenigstens sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Als er jedoch etwas zu schwungvoll um die nächste Ecke bog, schaffte er es nur noch im letzten Moment nicht mit einer entgegenkommenden Person zusammen zustoße.

„Jimin?“, erklang Seokjins verdatterte Stimme und als Jimin den erschrockenen Blick vom Boden hob, blickte er in das schreckensblasse Gesicht des Schauspielstudenten.

„Huch… Sorry, ich hab' geträumt“, stammelte er ehrlicher als geplant und brachte sein Gegenüber zum Lachen.

„Hoffentlich von was Schönem, wenn ich dich schon so ruppig wecke.“

Jimin nickte grinsend und glitt mit den Augen einmal über die Statur des Älteren, verwirrt zog er die Stirn in Falten und Seokjin rieb sich den Nacken.

„Ich bin gerade auf dem Weg zur Generalprobe, nachher ist die Erstaufführung eines neuen Stücks, in dem ich mitspiele“, erklärte er schnell sein Aussehen und Jimin nickte noch immer verwundert. Er kannte Seokjin nur in Hemd und Jeans, die lockere Sporthose und das ausgeleierte T-Shirt in Pastellfarben passten einfach nicht zu ihm.

„Was spielt ihr denn?“

„Eine Eigenproduktion. Ich würde ja sagen sie es dir an, aber die Karten sind schon ausverkauft.“ Ehrliches Bedauern schwang in seiner Stimme mit und eine leise Erinnerung klingelte in Jimins Gedanken. Er hatte da was über die Aufführung eines höheren Semesters gehört, die binnen Tagen ausverkauft gewesen war, sehr schade, als er von dem Stück hörte, war er durchaus interessiert.

„Schade, aber dann lass dich nicht aufhalten und Hals- und Beinbruch für die Probe“, erwiderte er milde lächelnd und Seokjin verzog übertrieben das Gesicht, griff sich dabei an den Hals, als wollte er sagen, bloß nicht den brechen.

Er war schon halb im Wegdrehen als Seokjin doch nochmal das Wort an ihn richtete. „Geht’s denn halbwegs?“

Drei Worte, die ihm tief ins Herz stachen. Er brauchte nicht zu überlegen was der andere wissen wollte, die Worte ließen ihn direkt schmerzhaft zusammenfahren. Sein Blick wanderte langsam wieder zu Seokjins Gesicht und was er in dessen Augen lesen konnte, ließ die Worte in seinem Hals stecken bleiben. Da glitzerte der gleiche Schmerz, den auch er schon die ganze Zeit über gespürt hatte.

„Du wusstest es nicht.“ Die Worte waren heraus ehe Jimin sie wirklich gedacht hatte und Seokjins Augen trübten sich etwas ein, Jimins Haltung verkrampfte sich.

„Ich wusste, dass Tae sich an seinem Ex rächen will, aber nicht das du da mit drin hängst“, gestand er. Ein ersticktes Keuchen entkam Jimin als ihm die Tragweite dieser Aussage klar wurde und ohne länger nachzudenken ging er auf Seokjin zu, zog ihn kurz in seine Arme und drückte ihn einmal fest an sich.

„Ich glaube, mir geht es etwas besser als dir. Yoongi passt auf mich auf.“


********



Eine ungewohnte Stille hatte sich über das Zimmer gelegt. Jimin drückte das Gesicht fester ins Kissen, sog Yoongis Duft ein und versuchte krampfhaft nicht einzuschlafen. Sein Körper und sein Geist waren müde, nur sein Herz tobte in ihm, konnte sich aber zum Glück nicht durchsetzen. Dieses kurze Treffen war unerwartet aufwühlend gewesen und hatte Jimin klargemacht, dass hier weit mehr zu Bruch gegangen war als sein eigener Glaube in zwei Menschen.

Es verstörte ihn zutiefst, dass Taehyung seine Pläne geteilt hatte und ein Mensch wie Seokjin es duldete, ließ ihn die Erklärung des anderen für seine Motive nochmal neu bewerten. War er ein guter Lügner oder war es wirklich die Wahrheit gewesen? Jimin konnte es nicht sagen, hatte diese Gedanken bisher vor sich hergeschoben und füllte sich erst jetzt bereit sie zuzulassen. Dabei in Yoongis Bett zu liegen und zu wissen das dieser bald kommen würde, half ihm, gab ihm die Sicherheit sich nicht in den Gedanken verlieren zu können.

Er hatte Taehyung in den letzten Tagen immer mal wieder gesehen, war ihm aber aus dem Weg gegangen und hatte es vermieden in sein Gesichtsfeld zu geraten, es war einfach noch zu früh für eine erneute Konfrontation. Die Veränderungen waren ihm dennoch aufgefallen, die fahle Haut, die Augenringe, der Ohrring, den er nun trug. Kleinigkeiten, aber sie erzählten eine Geschichte, eine die kein gutes Ende zu nehmen schien und alles in ihm schrie danach Taehyung eine Hand zu reichen. Yoongi hatte seine Gründe ihm nicht die Freundschaft zu kündigen und schon das bewog Jimin dazu Taehyungs Gründe zu hinterfragen. Sich zu fragen, wie er reagiert hätte. Zu versuchen die einzelnen Schritte die Taehyung gemacht hatte zu verstehen.

Sicher war, er hätte Jungkook direkt angesprochen und ihre Beziehung beendet. Ob er es dem anderen gesagt hätte wusste er nicht, aber möglich wäre es. Dennoch konnte er Taehyung verstehen, er hätte es anders gemacht, aber sie waren verschieden, gingen die Dinge unterschiedlich an und langsam begann er Taehyung zu glauben, dass er es nicht gemacht hatte, um ihm vorsätzlich zu schaden, ihm sogar hatte helfen wollen. Nur ob das Ziel die Mittel rechtfertigte wusste er nicht, hatte es noch nicht entschieden und würde das heute nicht mehr tun, es hatte geklingelt und sein hüpfendes Herz zog ihn aus dem Bett zur Tür und weiter in Yoongis Arme. Dieser lachte überrascht auf, seufzte zufrieden als ihre Lippen sich fanden und Jimin ihn anschließend ungeduldig in sein Zimmer zog. Die Müdigkeit lag schwer wie Blei auf seinen Gedanken und er wollte nur noch schlafen, aber nicht ohne sich dabei an Yoongi kuscheln zu können.
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