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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
41
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Dieses Kapitel
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18.01.2021 2.116
 
Dritter Akt - Fünfte Szene: Wie es weitergeht


Es war angenehm, aber auch merkwürdig Yoongi um sich zu haben. Jimin genoss seine Gegenwart, selbst wenn sie sich nicht berührten oder sprachen, einfach dass er da war tat ihm gut, trotz der sachten Unruhe, die sich in ihm breit gemacht hatte nach Yoongis letzten Worten.

Sie hatten sich noch etwas umarmt, während Jimin nicht wusste was er sagen sollte und Yoongi wohl keine Antwort erwartete. Anschließend schob Jimin die Nacharbeit einiger Vorlesungen vor, bot Yoongi den Schreibtisch an, als dieser ebenfalls noch arbeiten wollte und versicherte sich einige Male, dass dieser auch vor seinem Bett sitzend produktiv genug sein konnte. So saßen sie schließlich da, Jimin auf dem Bürostuhl und Yoongi auf dem Teppich, den Rücken gegen das Bettgestell gelehnt und die Unterlagen neben sich auf dem Boden verteilt. Mehr als eine halbe Stunde brauchte Jimin, bis er seine Konzentration soweit gesammelt hatte, dass sie zum Arbeiten reichte und ganz allmählich beruhigte er sich wieder. Das leise Rascheln, Knistern und gelegentliche Brummen hinter ihm lenkten ihn erst ab, wirkte mit der Zeit jedoch konzentrationsfördernd auf ihn. Zu wissen, dass Yoongi ebenfalls gerade lernte, spornte ihn an sich anzustrengen und so schaffte er erstaunlich viel, stellte fest, dass er gar nicht so viel verpasst hatte und fühlte sich unerwartet erleichtert als er den Stift zur Seite legte und sich die Stapel besah, die er gebildet hatte. Einer mit Dingen, die er wusste, einer den er nochmal wiederholen wollte und ein letzter, der kleinste, den er noch intensiv durchgehen musste.

„Yoongi?“

„Hm?“, kam es leise, der Blick des Älteren lag noch immer auf seinem Laptop und seine Finger flogen mit gleichbleibender Geschwindigkeit über die Tasten. Geduldig wartete Jimin bis Yoongi soweit war, um den Blick zu heben und ihn fragend anzuschauen.

„Ich bin für heute fertig, wenn du noch arbeiten willst, kannst du gerne den Schreibtisch haben“, bot er erneut an, auch in der Hoffnung selbst aufs Bett wechseln zu können und es sich etwas gemütlicher zu machen.

„Ich bin auch gleich durch, das lohnt sich nicht mehr“, lehnte Yoongi schnell ab und seine Finger begannen wieder über die Tasten zu wandern. Seufzend zuckte Jimin mit den Schultern und verzog sich ins Bad, wenn der andere nicht wollte, konnte er ihn nicht zwingen. So konzentriert wie Yoongi gerade wirkte bezweifelte er eh, dass dieser ihm richtig zugehört hatte.

Im Bad ließ er sich Zeit, kümmerte sich hingebungsvoll um Haut und Haar und tat alles was ihm einfiel, um die Spuren der letzten Wochen verschwinden zu lassen. Der Schlaf der letzten Tage hatte zwar schon das Gröbste erledigt, aber einige Reste hatte der Stress dennoch hinterlassen. Erfrischt und in ein weites T-Shirt und Jogginghosen gehüllt kam er zurück in sein Zimmer, konnte gerade noch sehen wie Yoongi die letzten Blätter in seine Tasche zurückbeförderte und diese dann neben seine an den Schreibtisch lehnte.

Mit einem Zwinkern kam er auf ihn zu, wuschelte ihm durch die Haare bevor er selbst im Bad verschwand. Wieder nervös stand Jimin da, betrachtete die geschlossene Tür und hatte vergessen was er gerade tun wollte. Sein Blick fiel auf sein Bett und er brauchte etliche Sekunden, bis ihm aufging wofür dieses Möbelstück nochmal gut war und er sich darauf fallen ließ. Mit dem Handy in der Hand drehte er sich auf die Seite und las die Nachrichten, die Hoseok ihm geschickt hatte. Der Ältere machte sich eindeutig Sorgen und versuchte alles um es sich nicht anmerken zu lassen, aber schon die bloße Anzahl seiner Nachrichten verriet seine Gedanken und Jimin versuchte ihn nach Kräften zu beruhigen. Erst als er ihm schrieb, dass Yoongi bei hm war, ebbte die Flut langsam ab und auch wenn Hoseok nicht ganz zufrieden wirkte, schien er es gutzuheißen, dass Jimin gerade nicht allein war.

Die sich öffnende Badezimmer Tür zog Jimins Aufmerksamkeit schließlich wieder voll und ganz auf den jungen Mann, der heraustrat, sich genüsslich streckte, bevor er zu ihm blickte und ihn anlächelte. Mit wenigen Schritten war er bei Jimin, setzte sich neben ihn aufs Bett und legte sich schließlich zu ihm, streckte dabei einen Arm zur Seite, damit Jimin sich an ihn kuscheln konnte so wie die letzten Tage und dieser ließ sich die Einladung nicht entgehen.

Yoongis Blick war nachdenklich, fast etwas abwesend auf Jimins Gesicht gerichtet, doch sagen tat er nichts. Unruhig kaute Jimin auf seiner Lippe herum, versuchte es Yoongi nicht merken zu lassen, doch das dessen Blick zu seinen Lippen wanderte zeigte deutlich, dass seine Mühen vergebens waren.

„Woran denkst du?“, durchbrach Jimin die Stille, von der er nicht sagen konnte, ob sie angenehm oder störend war.

Yoongi drehte sich vom Rücken auf die Seite, wodurch Jimin von ihm rutschte, sie sich aber besser ansehen konnte. Sanft und vorsichtig Strich ihm Yoongi einige verrutschte Haarsträhnen wieder hinters Ohr, während er zu überlegen schien.

„An Taehyung“, gestand er schließlich, ruhig und sachlich. Dennoch zog sich Jimins Magen zusammen, seine Augen weiteten sich, während er hektisch die Luft einsog. Bisher hatte er es erfolgreich vermieden an Taehyung zu denken und er wusste warum. Er war noch nicht bereit dafür, doch Yoongi schien ihm keine weitere Zeit geben zu wollen.

„Er ist nicht nur mein Kommilitone, er ist auch mein Prüfungspartner und ein sehr guter Freund. Ich weiß, dass er Mist gebaut hat, gewaltigen, aber deshalb kann ich ihn nicht einfach fallen lassen.“ Noch immer ruhig, mit jedem Wort sanfter werdend sprach Yoongi weiter, doch es kam nicht so bei Jimin an. In diesem schrillten alle Alarmglocken, sein Selbstschutz zog die Mauern hoch, bereit alles zu bekämpfen was ihm schaden könnte und allein was Wort 'Taehyung' schien schon als gefährlich genug eingestuft zu werden. Seine Hände fühlten sich feucht, sein Mund trocken an, während sein Herz viel zu schnell schlug und ihm immer wieder die Luft wegblieb.

„Ich will ihn nicht sehen“, brachte er japsend hervor, erste Tränen sammelten sich in seinen Augen und ließen ihn Yoongis Gesicht nur noch verschwommen sehen.

Wie aus weiter Ferne nahm er die sanfte Berührung an der Wange wahr, wie sie ihm unter den Augen entlang glitt und sich seine Sicht wieder klärte. Yoongi lächelte ihn noch immer an, doch seine Augen waren ernst, während er darauf wartete, dass Jimin seine nächsten Worte nicht nur hören, sondern auch verstehen würde.

„Das verlange ich auch nicht von dir“, stellte er klar, wartete auf Jimins Zeichen verstanden zu haben. Zögernd nickte dieser, aber die Enge in der Brust blieb.
„Ich will nur, dass du weißt, dass ich weiterhin mit ihm befreundet bin. Dir geht es nach dem Ganzen verständlicherweise beschissen, ihm aber auch.“

Ganz langsam klärte sich Jimins Denken wieder. Er würde sich nicht mit Taehyung auseinandersetzen müssen, wenn er es nicht wollte. Yoongi hielt sein Wort, da war er sich sicher. Genau dieses Wissen gab ihm die Ruhe, die anderen Worte zu verstehen und schließlich nickte er. Nicht weil er Yoongis Entscheidung akzeptierte, sondern weil er sie für die einzig richtige hielt.

„Du hast recht. Entschuldige, ich habe überreagiert“, murmelte er leise, als ihm sein Verhalten auffiel und sich Scham in ihm breit machte. Verlegen senkte er den Blick und hob diesen nur widerwillig als sich Yoongis Finger unter sein Kinn schoben und es anhoben.

„Du brauchst dich nicht entschuldigen, sag mir lieber, ob du damit umgehen kannst oder nicht.“ Ein leises, freches Lachen in Yoongis Stimme konnte seine ernsten Augen nicht überspielen, auch das feine Zittern seiner Finger nahm Jimin wahr und er wusste woher es rührte.

„Solange ich ihn nicht sehen muss, schon. Freunde sollten schließlich auf in schweren Zeiten füreinander da sein.“ Nun war es Jimin der ruhig und gefasst war. Das war seine ehrliche Meinung, nichts was er Yoongi sagte, um ihn nicht zu verlieren. Ginge es hier um Hoseok, hätte er ihm auch nicht einfach den Rücken kehren können und je länger er darüber nachdachte, umso klarer wurde ihm, dass er eigentlich nichts anderes von Yoongi erwartet hatte. Es passte zu dem Yoongi, den er kennengelernt hatte. Dem mit der ruhigen Freundlichkeit, dem mit der zynischen Ehrlichkeit, den auf den man sich verlassen konnte.

„I-ihm geht es schlecht?“ Siegte schließlich Jimins Sorge über seinen Selbsterhaltungstrieb. Auch wenn er sich von Taehyung verraten und hintergangen fühle, konnte er nicht die freundschaftlichen Gefühle von heute auf morgen abstellen.

„Er denkt teilweise sehr verdreht, in seiner eigenen wirren Logik. Das mag von außen kalt, herablassend oder auch einfach nur verrückt wirken, aber er hat immer einen Grund und das Herz am rechten Fleck. Leider schafft er es damit auch Menschen, die ihm wichtig sind, vor den Kopf zu stoßen.“

Ein bitteres Lächeln zog sich über Jimins Lippen. Es war ihm unendlich schwergefallen Taehyungs Worte zu verstehen, doch langsam wurden sie klarer, wurden von Yoongi in Perspektive gesetzt und Jimin glaubte darin wirklich eine Logik finden zu können.

„Mit seiner letzten Aktion hat er es geschafft dich und Seokjin zu vertreiben und das setzt ihm verdammt zu.“ Yoongis Stimme wurde nachdenklich und besorgt. Sofort fokussierte sich Jimins Blick wieder auf die Augen seines Gegenübers, doch dieser blickte gedankenverloren hinter ihn an die Wand.

Sich etwas auf dem Unterarm aufstützend schob sich Jimin wieder in Yoongis Blickfeld, ließ diesen blinzeln, bevor er seinen Blick einfangen konnte.
„Sei ihm ein guter Freund, da stehe ich hinter dir. Ich verstehe zwar nicht warum er das getan hat, aber ich vertraue dir, wenn du mit ihm befreundet bleiben willst.“ Das Wort 'Vertrauen' war über Jimins Lippen geschlüpft, bevor er es zurückhalten konnte und jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Nach all dem Vertrauen welches er gegeben und welches missbraucht worden war, war er sich nicht mehr sicher dieses Wort ernst meinen zu können. Yoongi sah seine Zweifel, runzelte die Stirn, wollte schon nachfragen, doch Jimin schüttelte nur den Kopf. Darüber wollte er nicht sprechen, es würde nichts bringen. Es war ihm egal, ob er Yoongi wirklich vertraute oder nicht, er wollte es und wenn nicht heute dann irgendwann. Dann wenn dieses Wort wieder seine volle Bedeutung für ihn entfaltet hatte.

Yoongis Blick blieb prüfend und ein Gedanke schoss durch Jimins Kopf, einer der seine gerade gesagten Worte lächerlich machen wollte. Sie in seinen Gedanken bereits verspottete und ihn selbst einen Narren nannte.

„Warum hast du mir das mit Tae und Jungkook nicht früher gesagt?“, entkam es ihm monoton. Als wäre ein dicker Vorhang heruntergekommen, war er auf einmal weit entfernt von seinen Gefühlen, fühlte sich von ihnen befreit und doch alleingelassen.

Yoongi entwich ein bitteres Schnauben. „Ich habe es dir gesagt, sobald ich es wusste.“

Verwirrt blinzelte Jimin, zuckte leicht zusammen als sich Yoongis Finger auf seine Wange legten und die Haut sanft streichelten.

„Es ist mir klar geworden, als ich das Bild von dir und Jungkook gesehen habe. Du hast ihn uns nie vorgestellt und wie schon gesagt Taehyung hat das auch nie getan. Ich habe ihn nie live gesehen, nur auf Bildern, aber er hatte bei beiden den gleichen Blick, das gleiche aufgesetzte Lächeln, welches irgendwie überheblich wirkt.“ Yoongi stoppte mitten im Sprechen, atmete tief durch und musste sich erstmal wieder sammeln. Jimin merkte, dass er dabei war sich in Rage zu reden und dies nicht vor ihm tun wollte. Währenddessen überlegte er fieberhaft, ob das stimmen konnte. Hatte er Yoongi nie ein anderes Bild gezeigt? Als Yoongi nach Jungkooks Identität an diesem Tag fragte, war das kein Thema gewesen, da war Jimin sich sicher gewesen, dass es das erste Bild war, aber nun? Er wollte sicher gehen. Hatte Jungkook ihn nie abgeholt, wenn Yoongi dabei war, oder zumindest in Sichtweite? Ein kleiner Funke Misstrauen blieb, doch seine Vernunft sagte ihm, dass Yoongi die Wahrheit sagte. Jungkook hatte immerhin gut aufgepasst nicht mit ihm in der Öffentlichkeit erkannt zu werden, dass Yoongi sie da gesehen haben könnte war sehr unwahrscheinlich.

„Warum glaubst du mir die Sache mit Jungkook überhaupt?“, kam schließlich die Gegenfrage und Jimin musste trocken auflachen.

„Weill mir mehrere Personen, unterschiedliche Geschichten erzählt haben, die alle zueinander passen und nur den Schluss zulassen, dass Jungkook mich betrogen hat.“

„Unterschiedliche Personen?“

„Erst du, dann Hoseok und schließlich Taehyung. Danach war ich bedient und mir leider auch sicher.“

Yoongis Blick war voller Fragen, doch Jimin konnte und wollte nicht mehr. Der Schmerz der Erkenntnis brannte bereits wieder in seinem Herzen und all die Löcher machten sich scherzhaft bemerkbar. Er rückte näher an den Älteren heran, drückte sein Gesicht gegen dessen Brust, vergrub die Nase in seinem Oberteil und spürte kurz später, wie Yoongi ergeben seufzte und die Finger durch sein Haar gleiten ließ. Sie lagen lange so da, begannen bereits wegzudösen, bis Yoongi beschloss, dass es unter der Bettdecke gemütlicher war. Schnell machten es sich gemütlich, kuschelten sich aneinander und schliefen schließlich in friedlicher Stille ein.
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