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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
41
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Dieses Kapitel
1 Review
 
11.01.2021 2.031
 
Dritter Akt - Vierte Szene: Erinnerungen


Am nächsten Morgen durfte Jimin nach langen Diskussionen und vielen Bestätigungen, sich zu schonen, zurück in seine eigene Wohnung. Dort wollte er  schnell seine Unterlagen holen und sich direkt auf den Weg zur Vorlesung machen. Er hatte bereits eine Woche Stoff verpasst, wenn das noch mehr wurde bekam er Probleme mit dem Nachholen. Dennoch stockte er als sein Blick in den Spiegel fiel und er den Anblick nicht mehr aushielt. Kurzentschlossen schwänzte er eine weitere Veranstaltung, um dies zu ändern.

Als er dann endlich in der Uni ankam begrüßte ihn Hoseoks erleichtertes Grinsen und ein Schwall Worte. Wollte sein Freund doch endlich wissen was los gewesen war und Jimin schaffte es nur mit Mühe ihn auf das Thema Lernstoff zu bringen, welchem er sich schließlich genauso hingebungsvoll widmete. Jimin war klar, dass Hoseok sehr bald wieder nachhaken würde, zu groß war einfach dessen Sorge und Jimin fand, dass er durchaus ein Recht darauf hatte mehr zu erfahren. Immerhin hielt er stets seine Schulter hin, wenn Jimin eine zum Ausheulen brauchte, da durfte er auch den Grund erfahren, aber noch nicht jetzt. Noch hatte Jimin es nicht für sich sortiert und vorher würde er sich keine Löcher in den Bauch fragen lassen.

Erledigt fuhr sich Jimin durch seine nun schwarzen Haare, erntete besorgte Blicke von Hoseok und lächelte diesem aufmunternd zu.
„Mir geht’s gut. Ich habe nur Panik, dass ich zu viel verpasst habe“, beschwichtigte er seinen Hyung und dieser nickte mit einem zweifelnden Blick.

„Sicher, dass es dir gut geht? Du bist noch mitten in der Trennung.“

„Davon lass ich mich nicht fertig machen, das hat Jungkook nicht verdient“, gab er sich kämpferisch und wollte lieber schnell das Thema wechseln, das Eis wurde ihm zu dünn.

„Wie findest du's eigentlich?“, lenkte er das Interesse seines Gegenübers schnell mit der Hand auf seine Haare und zog ihn weiter Richtung Mensa. Hoseok hatte sich die neue Farbe lange und ausgiebig angesehen, doch gesagt hatte er bisher nichts.

„Steht dir. Auch wenn's irgendwie der Klassiker ist, die Haare zu ändern, wenn man schlussgemacht hat“, kam es schließlich und Jimin sah ein, dass die Frage nicht besonders clever war, um sein Ziel zu erreichen. Dass es weniger an der Trennung als an Jungkook selbst lag würde er dem anderen später erzählen, dann wenn er ihm auch alles andere Berichten konnte.

Die Mensa war schon gut gefüllt und Jimin blickte prüfend über die Reihen, während sie warteten.
„Tae ist nicht hier“, versicherte eine Stimme neben ihm und ließ ihn zusammenzucken. Leicht erschrocken drehte er sich zu Yoongi und wollte schon abstreiten nach Taehyung gesucht zu haben als ihm aufging, dass es genauso war. Jungkook hier zu treffen war unwahrscheinlich, aber bei Taehyung lag die Möglichkeit sehr viel näher.

„Isst du mit uns?“, durchbrach Hoseok das betretene Schweigen und Yoongis kurzes Nicken ließ Jimins Herz höher schlagen.

„Du wolltest also nur zur Uni?“, raunte Yoongi ihm leise zu, während Hoseok sich die Menüs durchlas und leise mit sich selbst diskutierte was er denn wollte.

Jimin blinzelte ihn verwirrt an und erst als Yoongis Blick zu seinen Haaren wanderte, fiel ihm wieder ein was er meinte.
„Der Ansatz war schrecklich und ich hatte keinen Bock das nachzublondieren“, wich er aus, sah aber in Yoongis Augen, dass dieser ganz genau wusste, dass dies nicht die ganze Wahrheit war.

„Steht dir“, erwiderte Yoongi lediglich und Jimin seufzte leise. Er musste wirklich viele Gespräche führen und das mit Yoongi sollte er sich als erstes vornehmen.

„Hast du heute Abend Zeit?“

„Ich wollte noch Klavier üben, danach stehe ich dir zur freien Verfügung.“

Jimin schenkte dem Älteren ein zartes Lächeln, drückte schnell seine Finger, bevor die Schlange weiter nach vorne rückte und sie sich ihr Essen aussuchen konnten. Als sie es endlich von der Essensausgabe weg zu den Tischen geschafft hatten, sorgte Yoongi sehr geschickt für ein Tischgespräch welches keine Bezugspunkte zu Beziehungen, Trennungen oder gewissen Personen hatte. Dankbarkeit keimte in Jimin auf und er grübelte auf dem Weg zur nächsten Vorlesung wie er sich Yoongi gegenüber für seine Fürsorge erkenntlich zeigen konnte.


********



Nach einem langen Tag in der Uni und einem leichten Training schloss Jimin die Tür zu seiner Wohnung auf und blieb unschlüssig in dieser stehen. Er hatte keine konkrete Zeit mit Yoongi ausgemacht, nur, dass dieser zu ihm kommen würde und nun wusste er nicht wie er sich beschäftigen sollte. Zum Lernen war er zu müde, zum Fernsehen zu aufgekratzt und er hatte Angst vor seinen Gedanken. So klar ihm war, dass er viel zu durchdenken hatte, so klar war ihm auch, dass er dabei nicht allein sein wollte. Die Gefahr in trübe, dunkle, selbstzerstörerische Gedanken abgleiten zu können hing wie ein Damoklesschwert über ihm und ließ seinen Blick durch den Raum huschen.

Seine Sachen in die Ecke pfeffernd warf er sich selbst aufs Bett und legte die Hände übers Gesicht. Was dachte er da wieder? Er war erwachsen und hatte Angst vorm Alleinsein. Das war doch albern.

Sich innerlich selbst rügend drehte er sich auf den Bauch, vergrub die Nase im Kissen und zuckte heftig zusammen als Jungkooks Aftershave ihm in die Nase stieg. Sofort hockte er auf den Knien, starrte das Kissen so entgeistert an als hätte es ihn gebissen und zog ihm den Bezug ab. Auch Decke und Matratze mussten dran glauben und mit schnellen Schritten war er im Bad, sammelte die Handtücher zusammen und blickte nochmal prüfend durch den kleinen Raum, ehe er beladen in die Waschküche verschwand.

Es war meditativ erst der Waschmaschine und schließlich dem Trockner beim Arbeiten zu lauschen. Nebenbei summte Jimin Melodien vor sich hin und ging gemütlich die Schritte durch, die er vorhin bereits ausgiebig geübt hatte. Das leise Piepen des Trockners beendete seine ungeplante Übungsstunde und mit den flauschigen Stoffen im Arm erklomm er die Treppen zurück zu seiner Etage. Als er in den Flur einbog konnte er eine Person im Gang stehen sehen. Den Rücken gegen die Wand gelehnt tippte sie auf dem Handy, blickte auf als Jimin sich näherte und steckte das Gerät weg.

„Sorry, habe ganz die Zeit vergessen“, beeilte Jimin sich zu sagen als er bei Yoongi ankam, der ihn skeptisch musterte.

„So sehr mit Wäsche kuscheln beschäftigt gewesen?“, erwiderte dieser neckend, nahm ihm aber besagte Wäsche ab, damit Jimin aufschließen konnte.

„Mehr oder weniger. Wartest du schon lange?“, gab Jimin mit rosa Wangen zurück und nahm seine Sachen entgegen, während Yoongi aus seinen Schuhen schlüpfte und seine Tasche ablegte.

„Etwas, ich hab' dich angerufen, aber du bist ja vorsichtshalber nicht rangegangen.“
Jimin blinzelte ihn verwirrt an, warf die Wäsche aufs Bett und griff in seine Tasche. War sein Handy aus oder warum hatte er es nicht gehört? Schnell stellte er jedoch fest, dass das Problem schlicht darin bestand, dass er es gar nicht dabei hatte. Das kleine schwarze Gerät lag auf seinem Schreibtisch und die Nachrichtenleuchte blinkte munter vor sich hin.

„Ups“, entkam es Jimin als er sah, dass Yoongi seinem Blick gefolgt war. Dieser schüttelte nur mit einem tadelnden Blick den Kopf, konnte damit das Zucken seiner Mundwinkel nicht verbergen. Schnell machte sich der Jüngere daran das Bett wieder zu beziehen und die Handtücher zurück ins Bad zu räumen, während Yoongi sich sein Zimmer genauer besah.

Er fand den Älteren vor seinem Regal stehend und die Bücher betrachtend vor als er schließlich fertig war. Mit ruhigen Schritten gesellte er sich zu ihm, sagte aber nichts, um ihn nicht zu stören. Selbst glitt sein Blick ebenfalls über die Rücken der Bücher, immer wieder musste er Schmunzeln bei den Erinnerungen an die Geschichten, die sich dahinter verbargen. Bis seine Augen ein bestimmtes Buch erreichten und sich sein Herz verkrampfte. Ganz automatisch schoss seine Hand vor, griff nach dem Buch, zog es heraus und seine Augen suchten bereits nach einem weiteren. Eine Reihe höher fand er es, zog auch dieses heraus und schüttelte es, bis etwas zischen den Seiten hinausglitt und zu Boden segelte. Während er das Buch wieder zurück stellte, bückte sich Yoongi bereits, welcher ihn bisher nur schweigend beobachtet hatte und hob das Bild auf. Stumm reichte er es Jimin, hatte es sich flüchtig angesehen und dieser steckte es zwischen die Seiten des Buches in seiner Hand. Ohne Yoongi anzusehen, glitt sein Blick nochmals über das Regal und ein dicker Klos bildete sich in seinem Hals. Schnell wand er das Gesicht ab, konnte aber nicht verhindern, dass ein Schluchzen über seine Lippen drang.

Warm und vorsichtig legte sich Yoongis Hand auf seine Schulter, strich zart darüber, gab Jimin etwas Halt und die Ruhe, die er brauchte, um sich wieder zu fangen.

„Es ist lächerlich, aber… das sind die einzigen Sachen, die ich von Jungkook hier habe“, erklärte er schließlich leise, drehte sich dabei wieder zu Yoongi.
„Das Buch hat er mir mal geschenkt und das Foto ist von unserem Abschluss.“ Beides hielt er Yoongi hin, welcher es ihm abnahm und unbesehen auf den Schreibtisch legte, sich lieber wieder zu Jimin drehte.
„Er hatte es wirklich raus nie etwas hier zulassen, ich hab's nicht mal gemerkt… ich bin so ein Trottel…“, seine Stimme wurde immer rauer als sich neue Tränen in seinen Augen sammelten. Schmerz, aber auch Scham tobten in ihm, brüllten ihn an, wie er nur so blind hatte sein könne, es war doch so offensichtlich gewesen.

„Du bist kein Trottel“, kam es ruhig und sachlich von Yoongi. Jimin gab nur einen verächtlichen Laut von sich und sah ihm skeptisch in die ehrlichen Augen.
„Du bist mutig, denn du hast vertraut“, fügte Yoongi hinzu und die Überzeugung in seiner Stimme machten es Jimin unmöglich zu widersprechen.

„Möglich…“, hauchte er, glaubte es zwar nicht aber zum Abstreiten fehlte ihm die Kraft. Yoongi zog ihn stumm an sich, strich ihm behutsam durchs Haar und gab dem Jüngeren die Zeit, die er brauchte. In Yoongis Armen fühlte es sich gleich leichter an. Alles was geschehen war, war zwar noch immer schlimm aber nicht so als gäbe es keine besseren Zeiten mehr.

„Danke Yoongi“, brummte Jimin mit geschlossenen Augen gegen dessen Schulter, wusste nicht besser in Worte zu fassen was er gerade für den andern empfand. Dieser lachte nur leise, kraulte sacht seinen Nacken und drückte ihn etwas von sich.

„Gib dir Zeit, es wird dauern, aber wenn du es nicht verleugnest wird es besser.“ Leises Bedauern schwang in Yoongis Worten mit und Jimin glaubte die ungesagten Worte zu verstehen. Es würde nicht nur für ihn schwer werden, für Yoongi bedeutete es auch eine harte Probe zu werden.

„Du weißt, dass du für mich mehr bist als ein Freund“, sprach dieser dann auch schon die Worte aus von denen Jimin nicht wusste, ob er schon mit ihnen umgehen konnte. Er nickte stumm und sah ihm ängstlich in die Augen, die Bitte, dass Yoongi nicht weitersprechen möge lag darin, doch dieser strich ihm zart über die Wange und holte erneut Luft.

„Ich will dich nicht bedrängen. Solange du das, was geschehen ist, nicht verarbeitet hast, hat das eh keinen Sinn. Aber ich möchte für dich da sein, das wird nicht einfach für mich… deshalb habe ich eine Bitte an dich.“ Die sanfte, feste Stimme nahm Jimin ganz langsam das Zittern in der Brust, ließ eine zarte Zuversicht in ihm wachsen und Yoongi neugierig anblicken als dieser von einer Bitte sprach.

„Sei einfach ehrlich zu mir. Ich weiß, das kann wehtun, aber lieber höre ich von dir, dass du mich nicht so magst wie ich dich oder gar einen anderen. Das ist aber immer noch tausendmal besser als Gefühle vorgespielt zu bekommen.“

„Willst du das wirklich?“ Mehr als ein leises Flüstern brachte Jimin nicht zustande. Ihm war klar, dass er Yoongi mochte, sehr, mehr als einen Freund und doch tobte die Angst in ihm, dass dies allein daher kam, da er ihm Halt in der aktuellen Ungewissheit gab und sich seine Gefühle grundlegend änderten, wenn es sich langsam besserte. Er wollte Yoongi nicht verlieren, besonders nicht jetzt, aber die Vorstellung dabei zu zusehen, wie dieser seinetwegen litt war noch schwerer zu ertragen.

Yoongi sagte nichts, lächelte ihn nur warm an und zog ihn an sich, strich mit seiner Nase über Jimins Hals und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. „Du bist es wert.“
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