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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
41
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04.01.2021 2.226
 
Dritter Akt - Dritte Szene: Fieber


So verstrich der Tag, Jimin verschlief ihn mehr oder weniger, schreckte nur hin und wieder auf und beruhigte sich schnell, wenn er Yoongi sah, welcher am Schreibtisch konzentriert am Rechner arbeitete. Nachts lag er neben ihm, hielt ihn im Arm und ließ sich bekuscheln gerade so, wie Jimin es brauchte. Benommen vom Fieber nahm Jimin nichts richtig wahr, gehorchte einfach nur den Anweisungen des Älteren und war ihm dankbar, dass er ihm das Denken ersparte.

Als Jimin das nächste Mal wach wurde schreckte er nicht aus einem schlimmen Traum hoch, dafür fand er sich allein im Raum vor. Yoongi war nirgends zu sehen. Sich die Augen reibend setzte er sich auf, blickte sich um und blieb an dem Teller mit Reisbällchen und der Flasche Wasser hängen, die auf dem Nachtisch standen. Schmunzelnd griff er danach und bemerkte den kleinen Zettel erst als er die Flasche wieder zurückstellte.

Ich bin in der Uni.
Wenn was ist, ruf mich an.
Ich bin bald zurück.

Yoongi


Ein Lächeln schlich sich auf Jimins Lippen und leise lachend ließ er sich ins Kissen fallen. Schob sich die Hände in die Haare als er seine Albernheit selbst peinlich fand und heil froh war, dass ihn gerade niemand sah. Warum ihn ein so banaler kleiner Brief so glücklich machen konnte wusste er nicht und es war ihm auch egal, dieses Gefühl tat seiner geschundenen Seele gut und nur das zählte. Sich mühsam wieder aufrappelnd legte er den kleinen Zettel behutsam zur Seite, glättete die Falten, welche er hineingedrückt hatte und griff nach dem Teller. Zwar hatte er keinen Appetit, aber Yoongi wäre sicher nicht erfreut, wenn er wiederkäme und Jimin hätte nichts gegessen. So nahm er Bissen um Bissen und überlegte was er noch tun sollte. Sein Handy wäre eine gute Option gewesen, doch er war nach dem Essen bereits wieder so müde, dass er es nicht mehr schaffte genug Konzentration aufzubringen, so rutschte er wieder tiefer, legte sich hin, angelte nach Yoongis Kopfkissen, um die Nase darin zu vergraben und schloss die Augen.


********



„Jimin.“ Wurde er leise gerufen, während ihm eine kühle Hand durchs Haar fuhr. Blinzelnd öffnete er die Lider mit dem starken Gefühl, dass gerade etwas nicht so war wie es sein sollte.

„Hobi? Was machst du hier?“, kam es brüchig zurück und Jimin verfluchte seine Stimme dafür, nach dem Schlafen andauernd so schrecklich zu klingen. Schnell rappelte er sich auf, was ihm einen besorgten Blick einbrachte, aber der zaghafte Versuch ihn wieder in die Kissen zu drücken konnte ihn nicht stoppen. Erst als er saß sah er, dass auch Yoongi im Raum war, neben der Tür an der Wand lehnte und auch nicht sehr glücklich über Jimins Bewegungsdrang wirkte.

„Ich lasse euch mal allein. Falls ihr mich sucht, ich bin in der Küche“, meinte er als sich ihre Blicke lange genug getroffen hatten und drehte sich bereits zum Gehen, wand sich dann aber wieder um und blickte zu Hoseok.

„Willst du mitessen?“

Der Angesprochene blinzelte verwirrt, drehte sich dann zu Yoongi und schien nicht zu wissen was er sagen sollte.

„N-Nein danke, ich bin gleich noch verabredet“, kam es verdattert und Yoongi verließ mit einem Schulterzucken den Raum.

Hoseok drehte sich bereits wieder zu Jimin, welcher etwas zur Seite gerutscht war, um ihm Platz zu machen. Ehe sie sich versahen hatte sich Hoseok mit aufs Bett gesetzt, die Beine zum Schneidersitz verschränkt und blickte Jimin prüfend an, welcher sich verlegen durchs Haar fuhr. Langsam dämmerte ihm wie furchtbar er aussehen musste, mit seinen strubbeligen, seit mehreren Tagen nicht gewaschenen Haaren und den zerknitterten Sachen.

„Du hast mir echt Angst gemacht. Ich dachte du gehst spazieren und bist auf einmal tagelang verschwunden“, sprudelte es dann auch schon aus Hoseok heraus und die leichte Panik in seiner Stimme versetzte Jimin einen Stich.

„Tut mir leid, ich bin momentan nicht ganz zurechnungsfähig…“, bemühte er sich eine Erklärung zu finden und grübelte nebenbei selbst darüber nach was genau eigentlich passiert war.

„Das merke ich. Kannst dich wirklich freuen, dass ich so schlau war Yoongi zu fragen, ob der dich gesehen hat“, machte Hoseok weiter, zog den Blonden dabei an sich und nahm den Worten so die Schärfe.

„Also raus mit der Sprache, was zum Teufel ist passiert?“

„Wenn ich das wüste…“, setzte Jimin an, griff nach der Wasserflasche und trank einige Schlucke damit seine Stimme nicht mehr ganz so rau klang.
„Ich war bei Tae, habe ihn zur Rede gestellt und dann wollte ich zurück zu dir und bin hier gelandet.“
Mit einem Schulterzucken beendete er seinen Bericht. Was Taehyung ihm gesagt hatte wollte er noch nicht durchdenken oder nur wiederholen, das verbarg er noch hinter einer dicken Mauer aus Schweigen, die er erst einreißen würde, wenn er körperlich wieder hergestellt wäre.

„Und Yoongi hat dich gleich dabehalten“, stellte Hoseok zufrieden nickend fest und zwinkerte Jimin neckend zu, was diesem die Röte in die Wangen trieb. Sein Freund interpretierte offenbar viel zu viel in die Situation hinein.

„Wenn er kreidebleich und verwirrt vor deiner Tür gestanden hätte, hättest du ihn auch nicht wieder gehen lassen“, kam es trocken von der Tür, doch Yoongis Blick strafte seinen Ton Lüge. Sorge tanzte darin als er mit einer frischen Flasche und dem Thermometer in Händen aufs Bett zuhielt und sich neben Hoseok quetschte. Jimin drehte ihm folgsam das Ohr hin und ließ die Messung klaglos über sich ergehen. In den letzten Stunden hatte Yoongi dies bei jeder Gelegenheit gemacht und mit Zuversicht den Verlauf seines Fiebers überwacht. Es sank, langsam, aber stetig. Auch diesmal nickte er zufrieden, strich Jimin flüchtig über die Wange und ließ Hoseok einen Blick aufs Display werfen.

„Ist 38 gut oder schlecht?“, wand er sich verunsichert an Yoongi.

„Leichtes Fieber, aber es wird besser“, informierte dieser und erhob sich wieder. „Ich wollte auch nicht länger stören.“ Damit verschwand Yoongi wieder aus dem Raum. Als er die Tür dabei öffnete wehte der Geruch des Essens aus der Küche zu ihnen herein und das erste Mal seit Tagen spürte Jimin seinen Magen wieder knurren. Ihm ging es besser, auch wenn Hoseoks Blick eher so aussah als wolle dieser ihn ins Krankenhaus bringen.

„Wie fühlst du dich?“, fragte er vorsichtig und der Unterton in seiner Stimme machte Jimin wachsam.

„Wesentlich besser als gestern. Ich glaube, mir hat einfach nur jede menge Schlaf gefehlt“, berichtete Jimin wahrheitsgemäß. Ihm ging es deutlich besser, er fühlte sich nicht mehr so erhitzt und benebelt und die Müdigkeit war auch noch nicht über ihn hergefallen und das, obwohl er länger als fünf Minuten wach war.

„Ich weiß, du hast momentan genug Sorgen, nur…“, stammelnd brach Hoseok ab und hatte den besorgten Blick Jimins auf sich. In diesem rasten die Gedanken, versuchten zu erfassen was ihm sein Unterbewusstsein mitteilen wollte. Wie ein kalter Schreck kam die Erkenntnis über ihn, als er sie zu fassen bekam und an die Oberfläche zerrte.

„Die Aufführung… in zwei Tagen beginnen die finalen Proben. Ich muss wissen, ob du fit bist oder der Nachrücker ran muss, bei einer Hauptrolle kann ich das nicht im letzten Moment entscheiden.“

Hoseoks Blick bat um Verzeihung, während Jimin seinen Zeitplan durchging und nachrechnete den wievielten sie eigentliche hatten.

„Wenn ich zu den Proben fit bin, reicht das? Zeitlich meine ich, die Schritte kann ich“, fragte er nach und Hoseok nickte zögernd.

„Zeitlich schon, nur… du wirkst echt angeschlagen… Das ist eine Menge Druck“, gab er zu bedenken und ein bitteres Lächeln schlich sich auf Jimins Lippen.

„Ich weiß, aber ich glaube, das ist die Sorte Druck, die mir momentan guttut. Raus aus meinen Gedanken und einem vorgegebenen Plan folgen“, erklärte er ruhig, meinte jedes Wort so und sah Hoseok fest in die Augen. Dieser entspannte die verkrampften Schultern und seine Mimik wurde gelöster. Er kannte Jimin und wusste, dass sich dieser einschätzen konnte.

„Gut. Dann ruh dich aus und bei den Proben sehen wir weiter“, beschloss er und blickte auf die Uhr. Sein Blick flog wieder zu Jimin und dieser konnte förmlich sehen, dass die Gedanken hinter seiner Stirn rasten, während er versuchte zu entscheiden welche Frage er in den verbleibenden Minuten am besten stellen sollte.

„Hau schon ab, sobald ich wieder fit bin stehe ich dir Rede und Antwort“, beschloss Jimin sich selbst noch etwas Schonfrist zu geben. Ehe er sich nicht eigene Gedanken über alles gemacht hatte, hätte das hier eh keinen Sinn und so ersparte er es Hoseok sich abhetzen zu müssen. Dieser nickte, auch wenn der Unwille in seinen Augen glänzte, drückte Jimin fest an sich und sprang schließlich vom Bett.

„Und grüß Areum von mir“, rief Jimin ihm noch grinsend hinterher als der Ältere schon an der Tür stand und ihm zum Abschied zuwinkte.

„Mach ich.“


********



Sich gemütlich streckend schwang Jimin die Beine über die Bettkante, stellte die Füße auf den kühlen Boden und verlagerte sein Gewicht langsam und gemächlich bis er sich zutraute aufzustehen. Prüfend blieb er noch vor dem Bett stehen, doch als sein Kreislauf keine Anzeichen machte ihn im Stich zu lassen tat er einige vorsichtige Schritte. Da auch dies ohne Probleme funktionierte wurde er mutiger, schnappte sich die Jogginghose, welche Yoongi ihm geliehen hatte, zog sie über und ging zu dem Rothaarigen in die Küche.

Yoongis tadelnder Blick traf ihn, kaum dass er den Raum betreten hatte, stören ließ Jimin sich davon aber nicht. Er genoss es zu sehr sich wieder ohne Schwindel und wankende Böden bewegen zu können und lehnte sich neben Yoongi an die Arbeitsplatte.

„Was wird das?“, wollte dieser schließlich wissen, als Jimin nichts weiter tat, als ihm interessiert beim Kochen zuzusehen.

„Etwas Bewegung für den Kreislauf, das soll bei Fieber wahre Wunder wirken“, entgegnete Jimin locker, klaute sich damit Yoongis Lieblingsargument, wenn es in den letzten Stunden darum ging Jimin im Bett zu halten.

„Übertreib es aber nicht“, gab Yoongi unzufrieden zurück und blickte besorgt zwischen dem Herd und dem Blonden hin und her.

„Hatte ich nicht vor. Wie lange brauchst du noch? Ich würde gerne duschen gehen“, erwiderte Jimin munter, blickte Yoongi dabei aber verstehend in die Augen und konnte die Sorge etwas aus seinen Zügen vertreiben, auch wenn ein leiser Hauch von dieser zurückblieb.

„Geh ruhig, etwas dauert es noch“, kam es langsam, nach einem prüfenden Blick in Pfanne und Töpfe zurück und Jimin nickte, drehte sich aber im Weggehen nochmal zu Yoongi um.

„Kann ich mir was von dir leihen?“ Er wusste, dass der Ältere nicken würde, aber ohne fragen mochte er sich nicht einfach an dessen Sachen vergreifen.

Nur Minuten später hatte er sich im Bad eingeschlossen und betrachtete unglücklich sein Spiegelbild. Er sah weitaus schlimmer aus als er befürchtet hatte. Nicht nur waren seine Haare ein einziges Chaos mit einem breiten schwarzen Ansatz, sein Gesicht wirkte ungesund blass, fast gräulich und alles andere als anziehen. Seufzend fuhr er mit der Hand darüber, wand sich ab und entledigte sich lieber der durchgeschwitzten Sachen.

Die Dusche half keine Wunder, sorgte dennoch für eine Verbesserung. Bewegung und warmes Wasser hatten ihm wieder Farbe ins Gesicht gezaubert, auch wenn man seine Schwäche noch deutlich sah, wirkte er frischer als zuvor. Nur seine Haare sahen noch immer nicht gut aus. Sauber und nass hingen sie ihm in die Stirn und der Ansatz störte nun noch mehr als zuvor. Jimin mochte das Blond, nur auf das Färben hatte er wenig Lust und dieses Mal müsste er es allein tun. Denn es war eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sich Jungkook gerne Zeit genommen hatte, um ihm zu helfen.

Je länger er darüber nachdachte, umso klarer wurde ihm, dass Jungkook der einzige Grund für die blonden Haare war. Er hatte Jimin zum Beginn des Studiums überredet sich die Haare zu bleichen und anfangs hatte er sich damit gar nicht gefallen, lediglich Jungkooks Komplimente und ständige Zusprache hatten seine Meinung langsam geändert. Mochte er die Farbe an sich überhaupt oder war es nur eine weitere Manipulation von Jungkook gewesen?

„Jimin?“, kam es durch die Tür und ein leises Klopfen folgte.

Kurz schloss der Gerufene die Augen, drehte sich vom Spiegel weg und schloss die Tür auf. Yoongi stand mit seinem besorgten Blick vor ihm und Jimin wünschte sich einige Sekunden nichts mehr als diesen verschwinden zu lassen.

„Sorry, habe die Zeit vergessen.“

„Schon gut, ich dachte nur dir sei wieder schwindlig geworden“, meinte Yoongi locker, konnte aber nicht verbergen, dass er das wahre Ausmaß seiner Sorge damit nur überspielen wollte. Ohne lange nachzudenken streckte Jimin die Arme nach ihm aus, drückte sich an ihn und vergrub das Gesicht in Yoongis Halsbeuge. Behutsam strichen dessen Hände über seinen Rücken, eine schlich sich in sein Haar, fuhr hindurch und ein melancholisches Lächeln legte sich auf Jimins Lippen.

„Doch Schwindel?“, wollte Yoongi wissen als sich der Jüngere nicht regte. Dieser Schnaubte aufgrund der Ironie zwischen der Frage und seinen Gedanken. Ja, es war eine Menge Schwindel im Spiel.

„Nicht der den du meinst“, gab er leise zurück und richtete sich auf, lächelte Yoongi tapfer entgegen und zog ihn in die Küche.
„Nur meine Gedanken. Kaum geht das Fieber runter drehen die wieder durch.“

„Kann ich verstehen, es ist ja auch viel passiert.“

Jimin nickte stumm, er war noch immer nicht dazu bereit über das zu sprechen was geschehen war, auch nicht mit Yoongi. So aßen sie in Stille und verbrachten auch den restlichen Abend, ohne ein Wort zu wechseln. Erst als sie es sich in Yoongis Bett gemütlich machten, wünschten sie sich eine gute Nacht.
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