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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
41
Alle Kapitel
165 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
28.12.2020 1.877
 
Dritter Akt - Zweite Szene: Verwirrung


„Jimin?“ Wurde er überrascht begrüßt und konnte nur verwirrt zurück blinzeln.

„Y-Yoongi?“, stammelte er, konnte nicht ganz begreifen was er sah. Der Ältere stand in der geöffneten Wohnungstür und blickte ihm ebenso überrascht entgegen wie Jimin sich gerade fühlte. Er war doch zu Hoseok gegangen. Was machte Yoongi hier?

Blinzelnd sah er sich um, stellte fest, dass er nicht vor Hoseoks Tür stand und wollte sich schon taumelnd abwenden als sich eine Hand sachte um seinen Arm schloss und ihn zurück hielt. Den Blick starr auf die fremden Finger gelegt folgte er dem Zug am Arm einfach, der ihn ins Innere der Wohnung beförderte.

„Jimin?“ Erst das leichte Rütteln an seiner Schulter ließ ihn wieder aufblicken und auf Yoongis besorgte Augen treffen. Eine Hand legte sich an seine Wange, hielt seinen Kopf an Ort und Stelle, damit der andere ihn mustern konnte.

„Warum hast du nicht gelogen?“, brach es heiser aus Jimin heraus, so leise, dass Jimin nicht wusste ob Yoongi es überhaupt gehört hat.

„Was ist passiert?“, fragte Yoongi langsam, betonte jedes Wort mit einem leichten Beben in der Stimme.

„Ich war bei Tae…“, brachte Jimin gerade so über die Lippen, bevor seine Stimme nicht mehr wollte. Mehr als ein dünnes Flüstern war sie eh nicht gewesen und versagte nun ganz. Yoongi blickte ihn noch immer besorgt an, kaute auf der Lippe und schien nicht zu wissen was er tun sollte. Dann drehte er sich einfach um, zog Jimin vorsichtig hinter sich her in die Küche und drückte ihn dort auf einen der Stühle. Im nächsten Moment hielt der Blonde auch schon ein Glas Wasser in den Händen und Yoongi kniete sich neben ihn.

„Trink was, du siehst aus, als ob du gleich umkippst“, bat er leise und Jimin nickte nur. Verstand zwar nicht ganz, setzte aber dennoch das Glas an die Lippen und nahm einige Schlucke. Kaum berührte das Wasser seine ausgedörrte Zunge bemerkte er seinen Durst und trank das Glas mit gierigen Schlucken aus. Das Dröhnen in seinen Ohren wurde erträglicher, dafür setzte wieder dieses Zittern ein. Oder nahm er es nur wieder bewusst wahr?

„Wie lange warst du bei Tae?“, wollte Yoongi wissen und Jimin konnte es nicht sagen, hatte kein Zeitgefühl mehr.

„Weiß nicht… nicht lange… zu lange…“, murmelte er, sah Yoongi ins Gesicht und schloss für zwei Sekunden die Augen, um sich zu sammeln.

„Nur kurz, ich wollte wissen was er wusste…“, erklärte er mühevoll, in der Hoffnung Yoongi das zu sagen was dieser wissen wollte. Da der Ältere erleichtert die Luft ausblies, hatte er wohl richtig geraten.

„Willst du was essen? Oder dich ausruhen? Du siehst echt fertig aus“, ging es auch schon weiter und Jimin war einfach nur überfordert. Er spürte, dass es ihm nicht gut ging, nur wusste er nicht wie er das ändern könnte. Lediglich ein leises Wimmern verließ seine Lippen und Yoongis Hand fuhr ihm sanft durch die Haare.

Er spürte den Blick auf sich, traute sich aber nicht ihn zu erwidern. Etwas in ihm sagte ihm, dass er eigentlich zu Hoseok gehen wollte, aber der weitaus lautere Teil wollte hier bleiben und im nächsten Moment schwemmte die Erschöpfung alle Gedanken fort und ließ ihn ausgebrannt zurück.

„Ich mach dir schnell was und du schaust mal, ob du was essen magst“, entschied Yoongi für ihn, Jimin brummte nur. Legte derweil den schweren Kopf auf dem Küchentisch ab und beobachtete, aus halb geschlossenen Augen, wie Yoongi durch die Küche wirbelte. Schneller als erwartet kam der Ältere mit einem dampfenden Teller zu ihm und nötigte ihm ab sich wieder richtig hinzusetzen. Mehr aus Erziehung als aus Hunger, welchen er gerade eh nicht spürte, nahm er den ersten Bissen, kaute, schluckte, nahm den zweiten. Mit jedem weiteren spürte er wie er sich besser fühlte. Er konnte nicht sagen, ob es schmeckte, aber es half, dennoch schaffte er nicht einmal die Hälfte, bis ihn die Konzentration verließ und Yoongi ihm mit besorgten Blicken erlaubte es nicht weiter versuchen zu müssen.

„Na komm“, meinte dieser, nachdem er den Teller weggestellt hatte, reichte Jimin die Hand und zog ihn wieder mit sich. Erneut fand sich Jimin in Yoongis Bett wieder. Lag, ehe er es richtig begreifen konnte und ließ sich ohne Murren Schuhe, Jacke und Hose von Yoongi ausziehen, bevor dieser sich neben ihn legte. Zwar hörte er, dass Yoongi ihn immer wieder etwas fragte, mit ihm sprach, doch weder drang der Sinn der Worte zu ihm durch, noch war er in der Lage zu antworten. Das Einzige, was er noch schaffte, war Yoongi müde ins Gesicht zu blinzeln als dieser ihn an sich zog und ihm einige Strähnen aus der Stirn strich.


********



Mit dem Gefühl von Furcht schreckte Jimin aus einem Traum auf. Er konnte die Bilder nicht benennen, nur das Gefühl gejagt zu werden war zurück geblieben und ließ sein Herz zittrig schlagen. Er konnte den Angstschweiß kühl im Nacken spüren und nur der vertraute Geruch, welcher sich in seine Nase stahl, schaffte es effektiv ihn davon zu überzeugen, dass hier nichts war vor dem er Angst haben musste.

Benommen blinzelnd öffnete er die Augen, lugte vorsichtig unter seinen Wimpern hervor und blies erleichtert die Luft aus als er Yoongis schlafendes Gesicht vor sich sah. Einatmend schloss er die Augen und sein Herz beruhigte sich. Als er die Lider schließlich wieder hob, war eine zittrige Ruhe in ihn eingekehrt und ließ zu, dass er sich etwas auf sein Gegenüber konzentrieren konnte. Noch immer konnte er nicht sagen wie er bei dem Älteren gelandet war. Nachdem er von Taehyung weg war hatten ihn seine Beine einfach fortgetragen. Sein Kopf wollte dorthin, wo er sich geborgen fühlte und seine Beine mussten es mit Yoongi übersetzt haben.

Trotz der tobenden Gefühle und der bleiernen Schwere auf seinem Herzen bogen sich seine Lippen zu einem schwachen Lächeln. Er war ein Trottel, aber das war ihm egal. Es hatte sich als richtig erwiesen herzukommen, so sicher und behütet, wie er sich gerade fühlte.

Sein Blick glitt Yoongis Gesichtszüge nach und langsam bemerkte er kleine Veränderungen zu gestern Abend, die er in der Erschöpfung zwar gesehen aber nicht mehr wahrgenommen hatte. Die dunklen Schatten unter den Augen waren gewichen und auch der Kiefer wirkte nun entspannt und nicht mehr ansatzweise so verkrampft wie noch am Abend, als Yoongi ihm besorgte Blicke zuwarf. Insgesamt sah Yoongis Gesicht kein bisschen besorgt mehr aus, sondern friedlich und ruhig. Jimins Blick glitt zu den rosa Lippen, die leicht geöffnet einladend glänzten und keinen schmalen Strich mehr bildeten wie vor wenigen Stunden.

Wie magisch angezogen reckte er den Kopf etwas nach vorne, näherte sich langsam Yoongis Gesicht, glitt mit seiner Nasenspitze sein Kinn entlang und legte schließlich seine Lippen federleicht auf die des Schlafenden. Er hielt die Berührung wenige Momente, schloss währenddessen die Augen und ließ alles in sich zur Ruhe kommen. Die Leere lag noch immer erdrückend auf ihm, klaffte an so vielen Stellen, doch in diesem Moment keimte Hoffnung in ihm, dass diese Löcher heilen würde. Langsam, aber stetig.

Die Augen noch geschlossen wich er schließlich zurück, löste seine Lippen und schreckte zusammen als er ein belustigtes Schnauben hörte.

„Über Schlafenden herfallen, also wirklich. Dabei siehst du so unschuldig aus.“

Mit weit aufgerissenen Augen starrte er Yoongi an, dessen Blick klar und wach auf ihm lag. Sein Herz schlug ihm erneut bis zum Hals, ließ das Blut laut in seinen Ohren rauschen, welches sich nicht gerade in seinen Wangen sammelte. Yoongis Blick war frech, etwas spitzbübisch und ein verschlagenes Grinsen zog sich über dessen Lippen als er sich zu ihm beugte.

„Erst überfällst du mich und nun bist du sprachlos? Das musst du aber noch üben“, raunte ihm der Ältere zu, während er Jimin auf den Rücken drückte, sich nun selbst über ihn beugte und Jimin zufrieden in die, noch immer weit aufgerissenen, Augen schaute. Ihre Nasenspitzen berührten sich als Yoongi sich zu ihm beugte, seine Stirn gegen die des Blonden drückte und entspannt seufzte.

„Geht‘s dir besser?“, wechselte er dann so abrupt das Thema, dass Jimin wirklich einige Sekunden nicht wusste, wovon der andere sprach.

„Ja“, kam es heiser und kratzig über Jimins Lippen, so hoch und piepsig, dass Yoongi nur die Stirn verwirrt runzelte.

„Wenn das ein 'Ja' sein sollte war das ein sehr klares Nein.“

Jimin rieb sich verwirrt über den Hals und drückte Yoongi leicht von sich, um sich aufzusetzen und zu räuspern. Was sich als schlechte Idee herausstellte. Ging es ihm eben noch verhältnismäßig gut, drehte sein Kreislauf, ob der schnellen Bewegung, nun durch. Schwindel packte ihn und mit einem Wimmern krallte er die Finger in die weiche Decke, lehnte sich gegen Yoongi als dieser den Arm um ihn legte und ihm behutsam über die Stirn strich.

„Du bist ganz warm“, stellte er mit Sorge in der Stimme fest und Jimin wusste was er meinte. Hitzewellen brandeten durch seinen Körper, erreichten hin und wieder seinen Verstand und machten ihm das Denken schwer. Er fühlte sich schrecklich, matt und ausgelaugt und das, obwohl er gerade erst aufgewacht war. Yoongi hielt ihm ein Glas Wasser vor die Nase, welches er dankend nahm und mit langsamen Schlucken leer trank, es half, aber wirklich besser fühlte er sich nicht. Etwas was der Ältere ebenfalls bemerkte und ihn wieder in die Kissen drückte, selbst aber aus dem Bett verschwand und Jimin unzufrieden zurückließ. Wenn er sich schon schlecht fühlte wollte er dabei wenigstens mit Yoongi kuscheln können. Doch der Ältere war gnadenlos, ließ ihn allein und legte sich auch nicht wieder zu ihm als er ins Zimmer zurückkam. Hielt ihm lieber etwas Kaltes ans Ohr und verbot ihm den Kopf zu bewegen. Grummelnd tat Jimin was von ihm verlangt wurde und drehte den anklagenden Blick erst wieder zu dem Rothaarigen als dieser sich wieder aufgerichtet hatte.

Yoongi schaute mit besorgter Miene auf das Gerät in seiner Hand und dann zu Jimin.

„38,5. Nicht gut. Das ist ganz klar Fieber.“

Jimin blickte ihn verständnislos an. Fieber? Wo sollte er das denn her haben?

„Kann nicht sein“, versuchte er einzuwenden wurde aber mit einem abfälligen Blick bedacht, bevor sich Yoongi auf die Bettkante setzte und ihn daran hinderte sich aufzusetzen. Dann hielt er ihm die Anzeige des Fieberthermometers vor die Nase und ließ ihn die Zahl selbst lesen. Dennoch glaubte Jimin nicht was er sah, auch wenn sein ganzer Körper es eindeutig bestätigte.

Das Display verschwand aus seinem Gesichtsfeld und Yoongi strich ihm zärtlich die Haare aus der Stirn. Rutschte dabei etwas näher an Jimin heran und dieser entspannte sich als er die Hand zaghaft auf Yoongis Knie legen konnte. Der Körperkontakt tat gut, beruhigte ihn und langsam sah er ein, dass er wohl Fieber hatte.

Eine Erkenntnis, um die er nicht herumkam, das machte Yoongi mehr als klar. Dieser ließ ihn kaum aus dem Bett, mehr als ins Bad durfte er nicht, bekam Essen und Getränke gebracht und mahnende Worte, wenn er sich zu lange aufsetzte. Etwas, was aber kaum nötig war. Jimin war noch nicht lange wach, da war er auch schon wieder so erschöpft, dass er sich freiwillig hinlegte und die Augen schloss.







Hallöchen,

da dies das letzte Kapitel für dieses Jahr ist, wünsche ich euch an dieser Stelle einen guten Rutsch und ein schönes neues Jahr. Passt auf euch auf und bis nächsten Montag :)

LG
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