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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
41
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Dieses Kapitel
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30.11.2020 1.883
 
Zweiter Akt – Sechsunddreißigste Szene: Vernunft


Kaum in seinem Zimmer angekommen schubste er Seokjin auch schon zum Bett, bedeutete ihm sich zu setzen und machte es sich auf seinem Schoß gemütlich. Sachte strich er dem Älteren über die Wange, sah ihm in die Augen, bevor er sie schloss und sich vorlehnte. Ihre Lippen trafen sich warm und weich, bewegten sich sanft gegeneinander und Seokjin brummte zufrieden, ließ sich auf Taehyungs Berührung nur zu gerne ein und erwiderte den sachten Druck sofort. Taehyungs Arme legten sich um seinen Hals, während dieser sich gegen ihn lehnte, den Kopf etwas schief legte, um den Kuss besser genießen zu können. Ein feines Keuchen entfuhr dem Jüngeren als Seokjins Zunge über seine Lippen und kurz später, in seinen Mund glitt. Lange genossen sie die Zweisamkeit bevor sie sich wieder lösten und sich schweigend in die verhangenen Augen blickten.

„Du hast mich vermisst“, meinte Seokjin leise, mit einem Lachen in der Stimme.

„Und wie“, erwiderte Taehyung heißer, küsste ihn erneut, hielt ihn so von weiteren Worten ab bis sein erster Hunger nach Nähe und Zärtlichkeiten gestillt war. Seokjins Blick lag liebevoll auf ihm, seine Lippen bogen sich zu einem feinen Lächeln als er Taehyung die Haare aus der Stirn strich und sich wieder zu ihm lehnte, seine Lippen über die empfindliche Haut an Taehyungs Hals geistern ließ. Genießend schloss dieser die Augen, keuchte erschrocken auf als er mit einem schnellen Ruck auf das Bett gedrückt wurde und Seokjins Lippen fordernder wurden. Mal saugend mal beißend bearbeitete dieser seinen Hals, leckte immer wieder über die malträtierten Stellen. Taehyung bog sich im willig entgegen, genoss jede kleine Berührung, während sein Atem mit jeder flacher und schneller wurde.

Schwer atmend blickte er Seokjin in das zufrieden grinsende Gesicht, als dieser sich wieder von ihm löste und ihn anschaute, sich dabei soweit auf dem Armen abstützte, um Taehyungs Blick bequem erwidern zu können.

„Immer noch so sensibel“, lachte er leise, strich dabei über Taehyungs gerötete Wange. Dieser drückte die Beine leicht zusammen, als ihm seine aufkommende Erregung bewusst wurde, welche Seokjin längst bemerkt hatte.

„Was lässt du mich auch immer solange warten“, erwiderte Taehyung. Wollte beleidigt klingen, hörte aber selbst, dass er verzweifelt, fast bettelnd rüber kam und Seokjins Lächeln wurde breiter, eine Spur zufriedener.

„Hast du eine Antwort für mich“, wollte er dann unvermittelt mit ernster Stimme wissen und verkrampfte über Taehyung. Dieser blinzelte irritiert, musste sich erst sortieren, bevor er wusste was der andere meinte.

„Mit Jungkook ist Schluss. Ich habe die Beziehung noch am gleichen Tage beendet“, brachte er schnell hervor, etwas zu schnell wohl. Seokjins Augenbraue wanderte nach oben und seine Stirn zog sich in nachdenkliche Falten. Wortlos presste er die Lippen zusammen und Taehyung wurde unruhig.

„Ich meins ernst. Er wollte sich den Tag noch mit mir treffen und da habe ich gesagt, dass ich das alles nicht mehr will, er mir nicht geben will was ich haben möchte und ich daher keinen Sinn mehr in der Beziehung sehe“, fügte er an und hoffte Seokjin mit einigen Details überzeugen zu können. Dessen Stirn glättete sich tatsächlich, dennoch blieb der nachdenkliche Ausdruck in seinen Augen.

Noch immer stumm setzte er sich auf, half Taehyung in eine ebenfalls sitzende Position und grübelte.
„Er wollte sich treffen?“

„Ja.“

„Warum hast du nicht um ein Gespräch gebeten?“

„Wollte ich für den nächsten Tag machen…. Nein warte, lass mich erklären. Mir ging es den Tag, gelinde gesagt, scheiße. Ich weiß nicht welcher der Drinks es war, aber ich hatte noch nie einen so üblen Kater. Hätte Kookie nicht genervt hätte ich ihn auf den nächsten Tag vertröstet, um auf der Höhe zu sein, aber so habe ich es eben gleich durchgezogen.“

Wirklich glücklich sah Seokjin nicht aus, wenigstens zeigte sich ein verstehender Ausdruck auf seinem Gesicht als Taehyung von seinem Kater erzählte.

„Mir wäre es lieber, wenn die Initiative von dir gekommen wäre“, gestand er schließlich und Taehyung nickte seufzend.

„Ich war einfach zu fertig, um ihn abzuwimmeln. Was hätte ich denn machen sollen? Die Nacht noch mit ihm kuscheln, damit ich ihn am nächsten Tag selbst kontaktieren kann, um ihn abzuschießen?“ Viel zufriedener sah Seokjin nicht aus, aber er nickte immerhin. Ein kleiner Sieg, aber eben ein Sieg.

„Kann es nicht einfach egal sein, wer wen um ein Treffen gebeten hat? Das Ergebnis ist das Gleiche.“ Mit diesen Worten rutschte er näher an den Älteren heran, wanderte mit einer Hand in seine weichen Haare und lehnte seine Stirn gegen die Seokjins.

Ganz langsam und zaghaft legte sich ein Lächeln auf Seokjins Lippen, erreichte seine Augen und ließ sie weich und liebevoll werden, vertrieb die Anspannung und Sorge auch aus seiner Haltung und Taehyungs Herz konnte wieder freier schlagen.

„Tae…“, setzte er an und wurde grob von der aufkrachenden Tür unterbrochen.

Ihre Köpfe flogen zur Seite und fassungslos starrten beide Yoongi an, welcher mit eiskaltem Blick auf sie zu kam, Taehyung am Kragen packte und auf die Füße zog. Taehyung fühlte sich wie erstarrt, glaubte sich in einem Albtraum, als er die kalte Wut in den Augen seines Hyung sah. Er konnte nichts sagen, sich nicht rühren, nur unbeweglich in Yoongis Griff hängen, während der bebend um Worte rang.

„Was ist eigentlich falsch mit dir?“, zischte er voller Wut und Abscheu, ließ Taehyung nicht los, hielt ihn aber etwas weiter von sich entfernt. Ganz so, als könne er sich nicht entscheiden, ob er ihn nahe genug haben wolle, um ihn anspucken zu können oder weit genug weg, um ihn nicht berühren zu müssen.

„Lass den Scheiß, Yoongi“, fuhr Seokjin dazwischen, versuchte Yoongis Griff zu lösen, scheiterte aber. Yoongi nahm ihn nicht einmal wahr, behielt den Blick hart und stechend auf Taehyung gerichtet und diesem dämmerte was los sein könnte. Wie ein Kübel Eiswasser überkam ihn der Verdacht und sein Verstand suchte binnen Sekunden alle Gründe heraus, warum Yoongi es nicht wissen konnte.

„Antworte!“, brüllte Yoongi ihm ins Gesicht und Taehyung fand seine Stimme nicht. Die Verwirrung kämpfte in ihm mit der Angst einer Erkenntnis und ließ sein Denken nicht funktionieren.

Mit einem heftigen Ruck löste Yoongi seinen Griff, ließ Taehyung nach hinten taumeln, in Seokjins stützende Arme. Die Hände zu Fäusten geballt stand Yoongi vor den beiden, starte fahrig auf den Boden bevor er seinen Blick hob und auf Taehyung zu kam, Seokjins abwehrende Hand einfach beiseite schlagend.

„Was für ein scheiß Spiel hast du die ganze Zeit mit Jimin abgezogen?“, verlangte er zu wissen und seine Stimme zitterte von der Anstrengung nicht zu schreien. Taehyung schnappte erschrocken nach Luft, wusste nicht was er tun sollte. Das war doch nicht wahr. Yoongi konnte es nicht wissen! Doch woher sonst sollte die Frage kommen...

„Jimin?“, fragte Seokjins Stimme verwirrt hinter ihm. Eine Hand legte sich an Taehyungs Schulter, rüttelte ihn leicht, doch er brachte noch immer nicht mehr als einen entsetzten Blick zustande. Dieser reichte aber aus, um Yoongis Haltung von brennender Wut in Fassungslosigkeit umschwenken zu lassen.

„Ich weiß, dass du die ganze Zeit wusstest, dass Jungkook ihm fremdgeht!“, schoss er bemüht ruhig hinterher, den Blick weiter starr auf Taehyung gerichtet.

„Ich… ich…“, stammelte dieser, wusste einfach nicht wie er sich aus der Affäre ziehen könnte.

„Ja DU!“ Yoongis Augen blitzten, raubten Taehyung fast erneut den Atem.

„Du hast es gewusst! Immerhin warst du anfangs noch mit ihm zusammen, hattest die ganze Zeit Kontakt zu ihm. Du hast Jimin den liebevollen Freund vorgespielt, der nur sein Bestes will und sagst ihm etwas so wichtiges nicht!“ Yoongis gesamte Haltung brach. Von der Wut war nichts mehr zu sehen, die drohende Körperhaltung sackte in sich zusammen als seine Stimme brüchiger wurde und sich erste Tränen in seinen Augenwinkeln sammelten. Tief atmete er ein, fixierte Taehyung dann erneut und hinter den Tränen leuchtete erneut die Wut, durchtränkt von Schmerz auf, schnürte Taehyung wieder die Kehlte brutal zu. Der Jüngere merkte nicht wie die Hand auf seiner Schulter kraftlos von dieser rutschte und Seokjin einen Schritt zurück trat. Seine volle Aufmerksamkeit lag auf dem jungen Mann vor sich, der seine Enttäuschung über ihn nicht mehr verbergen konnte.

„Jetzt mach das Maul auf! Sonst redest du auch wie ein Wasserfall“, brüllte Yoongi ihn an, seine Stimme überschlug sich und ließ den Knoten um Taehyungs Kehle platzen.

„So ist das nicht, nicht ganz jedenfalls“, setzte er an, stockte als er Yoongis herablassendes Lachen hörte.

„Wie ist es dann? Erklär es mir Tae, ich will es wirklich gerne verstehen.“

„Es… ich… Es hat sich so ergeben, ich hatte das nicht so geplant… ich wollte Jungkook treffen und dafür sorgen, dass Jimin ihn verlässt“, stammelte er mühsam, hatte Probleme gleichmäßig zu atmen. Mit den Augen folgte er der Träne, die über Yoongis Wange rollte, fühlte sich wie geschlagen von diesem kleinen Wassertropfen und konnte doch nichts tun.

„Was laberst du für eine Scheiße? Der einfachste Weg, dieses Ziel zu erreichen, wäre gewesen, ehrlich zu ihm zu sein!“

„Aber… aber, Jungkook hätte es wenig gestört, wenn Jimin wegen seinem Betrug schlussgemacht hätte. So trifft es ihn tiefer und macht hoffentlich das Gleiche mit seinem Selbstwertgefühl wie mit dem derer die er sonst so verarscht.“ Die Erklärung klang in seinen eigenen Ohren hohl und unendlich dumm und auch Yoongi schien ihm da nur zustimmen zu können, schnaubte er bei seinen Worten doch nur abfällig.

„Und deshalb tust du Jimin das an? Spielst ihm eine Freundschaft vor, um ihm das Messer in den Rücken zu rammen? Du bist echt gestört.“ Yoongi drehte ihm mit einem Schritt den Rücken zu, fuhr sich mit den Händen übers Gesicht und schob sie dann in die Haare.

„Ich dachte echt er hätte das Schlimmste hinter sich als er vor meiner Tür stand“, kam es bitter über Yoongis Lippen und Taehyung horchte auf.

„Er ist zurück?“

„Ja, seit heute Morgen und jetzt weiß er, dass Jungkook ihn hintergangen hat und auch, dass du ihn hintergangen hast.“

Taehyungs Augen wurden groß und ein erschrockener Laut entwich Seokjin, welcher sie sonst stumm beobachtete.

„Du hast es ihm gesagt?“, fragte er ungläubig nach. Das konnte Yoongi doch nicht gebracht habe!

„Natürlich! Denkst du ich behalte es für mich, wenn ein falsches Spiel mit ihm getrieben wird?“ Yoongi blickte ihn an als würde er vor einem Fremden stehen, den er noch nie zuvor gesehen hatte und den er nie wieder sehen wollte.

„Ich hatte echt gehofft, dass du irgendeine total verdrehten, aberwitzigen aber doch glaubhaften und guten Grund für das alles hast.“ Der Schmerz in Yoongis Stimme war echt und Taehyung hätte alles gegeben, um ihm diese Antwort geben zu können, dieses kurze Zögern in Yoongis Worten nutzen zu könne, um seinen Schmerz zu lindern, doch er konnte nicht. Er hatte die Wahrheit gesagt und war sie auch dumm, so war sie alles, was er hatte.

Yoongis Lippen öffneten sich zum Sprechen, schlossen sich wieder, ohne dass sie ein Wort verloren hatten und mit einem letzten enttäuschten Blick drehte er sich zur Tür, zog diese schwungvoll auf und ließ sie laut hinter sich zuschlagen.

Zittrig sog Taehyung den Atem ein, hatte gar nicht gemerkt wie er diesen immer wieder angehalten hatte. Seine Beine gaben unter ihm nach und er sackte auf dem Boden zusammen, stützte sich mit den Händen ab und schloss für einige Sekunden die Augen. Nach einigen tiefen Atemzügen richtete er den Oberkörper wieder auf und erhob sich schwerfällig wieder. Langsam drehte er sich um und traf auf Seokjins Blick.
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