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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
01.03.2021
86
217.194
29
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23.11.2020 2.339
 
Zweiter Akt – Fünfunddreißigste Szene: Rückkehr


Am nächsten Morgen fühlte sich Taehyung zwar erholter, aber nicht schlauer. Dazu kam noch, dass sich weder Jimin noch Yoongi gemeldet hatten und er noch immer nicht sicher sagen konnte, dass sein Plan wirklich aufgegangen war. So wie Jungkook ausgesehen hatte, war es hoch wahrscheinlich, aber er hätte doch sehr gerne die Bestätigung.

Unruhig stand er daher unter dem Baum in Sichtweite zu Yoongis Haustür und beobachtete diese mit wachsender Neugierde. Dann öffnete sie sich endlich und Yoongi trat ins Freie, sah sich nicht um, sondern trottete direkt los in Richtung Uni. Mit wenigen schnellen Schritten war Taehyung neben ihm, zog ihm den Kopfhörer aus dem Ohr und wurde verwirrt und leicht wütend angefunkelt.

„Ach du bist's“, meinte Yoongi dann nur abwinkend und ging einfach weiter.

„Bitte? Was soll das denn heißen?“, fauchte er getroffen zurück. Es war nicht höflich andere zu ignorieren. Bei einem Taehyung galt das besonders! Wenn er schon andere mit seiner Gegenwart beglückte sollten diese es wenigstens zu schätzen wissen.

„Ich bin gerade erst aufgestanden. Lass das Koffein wirken, bevor du irgendwas von mir willst“, gab Yoongi gleichmütig zurück und Taehyung schnaubte genervt. Leider wusste er, dass er auch mit allem Nerven hier nicht weiter kam, solange Yoongis Gehirn noch nicht hochgefahren war nahm der seine Attacken nicht einmal wahr.

„Was ist mit Jimin?“, stellte er also gleich die Frage, die ihn brennend interessierte und mit der er sogar eine Reaktion von Yoongi erhielt. Dieser versteifte sich binnen Sekunden und blieb stehen, sah ihn aus zusammengekniffenen Augen an, sage aber nichts.

„Was weißt du?“, fauchte er zurück und Taehyung zuckte zusammen. Huch, was war denn da passiert?

„Hoseok hat heute Morgen das Training abgesagt und ich erreiche Jimin nicht. Da ihr euch vorgestern sehr gut verstanden habt, gehe ich davon aus, dass zwischen euch etwas passiert ist“, fasste er seine Überlegungen möglichst neutral zusammen. Er wollte Yoongi nicht mit einem überheblichen Tonfall reizen. Seine Erfahrung sagte ihm, dass das kontraproduktiv war.

„Er hat sich nicht bei dir gemeldet?“, fragte Yoongi argwöhnisch nach und Taehyung schüttelte ehrlich verblüfft den Kopf. Yoongis Augen brannten ihm fast Löcher in den Kopf, bevor er nickte und langsam weiter ging.

„Ich weiß nicht, ob… es…. Ach, scheiß drauf. Er hat wohl mit seinem Freund schlussgemacht und braucht etwas Abstand“, sprudelte es dann aus Yoongi heraus und Sorge schwang in seiner Stimme mit. Etwas was Taehyung erst nach etlichen Momenten wahrnahm, zu laut jubelte die Freude gerade in ihm und er wand schnell den Blick ab, wollte sein Lächeln verbergen. Also hatte er recht gehabt und gestern in die genau richtige Wunde gestochen. Konnte Yoongi bitte mal kurz verschwinden, er würde gerne einen Freudentanz aufführen.

„Gut für ihn“, schmunzelte Taehyung schließlich und kassierte einen mahnenden Blick von Yoongi.

„Spar's dir. Du kannst nicht beurteilen, ob es besser für ihn ist oder ob es ihm gerade schlechter geht als vorher, also wisch dir das Grinsen aus dem Gesicht.“ Yoongis Stimme wurde eine Spur schärfer und Taehyung wusste, dass er es ernst meinte, versuchte seine Mundwinkel unter Kontrolle zu bringen und schaffte es erst als er sich fest auf die Zunge biss.

„Ich weiß ja, aber ich bin zuversichtlich“, versuchte er den Älteren zu beschwichtigen, doch dieser durchschaute ihn und strafte ihn mit bösen Blicken.

„Weißt du was ich glaube?“

„Tae!“, fuhr ihm Yoongi drohend dazwischen, doch Taehyung erhob schnell abwehrend die Hände und schaffte es wirklich Yoongi mit einem ehrlichen Lächeln zu besänftigen.

„Sobald er wieder auftaucht, geht sein erster Weg direkt zu dir. Wetten?“

Fest, fast schmerzhaft, schlossen sich Yoongis Finger um Taehyungs Arm, wirbelten ihn zu sich herum und mit einem Schritt war Yoongi ihm plötzlich ganz nah.
„Hör endlich auf Scheiße zu reden. Es gibt tausend bessere Möglichkeiten die Jimin hat, wenn er wieder auftaucht. Warum sollte er also zu mir kommen?“ Die Stimme gefährlich leise und ruhig ließ der kalte Blick Taehyung schwer schlucken. Das erste Mal konnte Yoongi ihn nicht täuschen und seine Gefühle hinter seiner kühlen Maske verstecken. Er hatte Angst und zwar große.

„Ich bin fest davon überzeugt und ich will dir auch keine falsche Hoffnung machen“, erwiderte er so ruhig er konnte, auch wenn seine Beine zuckten und er am liebsten hüpfen wollte.

„Such dir ein anderes Thema!“ Auch wenn Yoongis Stimme streng klang, war es eine Bitte und Taehyung nickte einlenkend. Er hatte offensichtlich alles aus Yoongi herausbekommen, was dieser wusste, unnötig quälen wollte er seinen Hyung auch nicht. Er hatte gerade viel zu gute Laune, alles entwickelte sich bestens, da brauchte er sich nicht dadurch aufzumuntern anderen auf die Nerven zu gehen.


********



Die Tage verstrichen, Jimin meldete sich einfach nicht und machte Taehyung zunehmend unruhiger. Nicht einmal seine Nachrichten las der Blonde und auch Yoongi schien nichts Genaueres zu wissen, wurde nur zunehmend bissiger bei dem Thema und verbot es Taehyung schließlich, ihrer Freundschaft willen.

Dafür, dass Jimin nicht schrieb, erhielt Taehyung dennoch viele Nachrichten. Jungkook versuchte mit schmeichelnden Worten seine Gunst zurückzuerlangen, war bereits zweimal bei ihm gewesen, um Dinge von sich abzuholen. Taehyung musste es ihm lassen, selbst er hatte vergessen, dass der Kram noch bei ihm war und dass Jungkook nur nach jedem Vorwand suchte, um ihn zu sehen war offensichtlich. Wer holte denn sonst uralte Zeitschriften ab, die sie aus einer Laune und Langeweile heraus gekauft hatten, um sich über die Artikel lustig zu machen?

Auch Namjoon meldete sich regelmäßig, erinnerte ihn immer wieder an das Versprechen, welches er ihm abgerungen hatte, machte aber ein Geheimnis daraus wohin er ihn mitnehmen wollte und traf damit leider wieder genau ins Schwarze bei Taehyung. Er hasste Geheimnisse genau deshalb, weil man ihn so gut damit bekommen konnte. Über Nachrichten war es einfach seine Neugierde unbemerkt zu lassen, aber bei jeder Nachricht des anderen kribbelte es ihm in den Fingern nachzufragen und mehr zu erfahren.

Gerade aber konnte er sich mit keinem der beiden auseinandersetzen, er musste Hände und Füße koordinieren und seine Stimme zeitgleich möglichst schön klingen lassen. Dass ihm das nicht zu hundert Prozent gelang, konnte er an Yoongis Gesicht ablesen.

„Noch haben wir Zeit“, ließ er den Älteren gar nicht erst zu Wort kommen, hatte zu große Angst, dass dieser bereits entschieden hatte Taehyung nicht tanzen zu lassen.

„Ich weiß, ich mache mir nur Sorgen“, gestand Yoongi freiheraus und drehte sein Handy dabei in den Finger, während sein Blick nachdenklich über Taehyung wanderte. Diesen Blick bekam er schon seit sie den Probenraum betreten hatten. Da Jimin nicht da war und Hoseok keine Zeit hatte waren sie auf sich gestellt, hatten sich heute getroffen, um einen Schlachtplan zu besprechen.

„Von Jimin hast du noch nichts gehört?“ War es über Taehyungs Lippen, bevor er darüber nachdachte. Yoongis wütendes Zischen machte ihn zusätzlich auf seinen Fehler aufmerksam.

„So meine ich das nicht. Aber ich brauche meinen Trainer“, versuchte er klarzustellen und Yoongi zu zeigen, dass er sein Verbot durchaus ernst nahm.

Dieser funkelte ihn noch durchdringend an, bevor sein Blick auf das Display wanderte und seine Augen dunkler wurden. Mit dem folgenden Kopfschütteln hatte Taehyung zwar gerechnet, gefallen tat es ihm aber dennoch nicht.

„Wir können uns nicht darauf verlassen, dass er rechtzeitig wieder auftaucht…“, setzte Yoongi an und fixierte Taehyung mit einem undeutbaren Blick.
„Nimm's mir nicht übel, aber freunde dich bitte schonmal mit dem Gedanken an, im Stehen zu singen.“

Taehyung lag eine Erwiderung bereits auf der Zunge, doch diesmal war seine Vernunft schneller, fegte sie hinfort und ließ ihn mit zusammengepressten Lippen nicken.
„So schlecht?“, wollte er dann dennoch wissen. Er selbst war der Meinung große Fortschritte gemacht zu haben.

„Wäre es keine Prüfungsleistung, wäre es gut genug. Aber dein Gesang schwächelt an den wichtigen Stellen und ganz rund sieht es immer noch nicht aus.“

Yoongis Worte waren Lob und Kritik zugleich und dennoch niederschmetternd. Taehyung sah in den Augen des Älteren, dass er seine Fortschritte durchaus sah, aber es ihm einfach nicht reichte.

„Ich hätte mich also vor der Choreo beim Singen schlechter anstellen müssen, damit du dein Okay gibst“, fasste er sarkastisch zusammen und zauberte Yoongi ein bitteres Lächeln auf die Lippen.

„So sieht es aus. Aber wie du selbst schon sagtest, noch bleibt Zeit. Lass uns einen Tag vor der Prüfung die finale Entscheidung treffen“, schlug Yoongi dann eben so ernst vor und Taehyung machte ein paar freudige Hüpfer auf ihn zu, zog ihn schnell in seine Arme, bevor Yoongi sich dagegen wehren konnte.

„Du alter Softie“, quietschend ließ er ihn wieder los und Yoongi blies empört die Luft aus.

„Ich stehe bloß zu meinem Wort. Wenn du den Gesang hinbekommst kannst du rumhampeln so viel du willst.“ Die zart roten Wangen zerstörten das Bild, des abgeklärten jungen Mannes, was Taehyung aber nur erneut erheiterte.

„Übertreib es aber nicht wieder mit dem Üben, nicht das du bei der Prüfung komplett K.O. bist“, mahnte Yoongi dann noch schnell, als er Taehyungs Begeisterung sah und dieser kratzte sich ertappt den Nacken. Sein Plan, Tag und Nacht zu üben, war damit wohl gestorben, was sicher auch besser für ihn und seine Mitmenschen war.

„Yoongi?“, setzte er vorsichtig an, als dieser schon wieder auf sein Handy schaute.

„Hmm?“, kam es zurück und Taehyung war sich sicher, dass der Ältere nicht die Nachricht bekommen hatte, auf die er so sehnlich zu warten schien.

„Hast du was von Jimin gehört?“

Yoongis Gesichtszüge wurden hart, die Lippen presste er zusammen, sah aber nicht auf.

„Ich will nicht wissen was, nur ob. Bei mir meldet er sich nicht und ich mache mir Sorgen“, erklärte er schnell und konnte selbst hören wie seine Stimme leicht zitterte. Seine Sorge war von Tag zu Tag stärker geworden und Yoongis Blick gab ihr einen erneuten Schub.

„Nein, habe ich nicht“, meinte dieser kopfschüttelnd und klang dabei besorgt und auch ein wenig verletzt. Er schaute Taehyung noch immer nicht an, starrte nur weiter auf sein Smartphone und Taehyung verstand.

Mit behäbigen Schritten trabte er zu seinen Sachen, trank einige Schlucke und schaute dann selbst nach, ob er Nachrichten hatte. Ein genervtes Stöhnen entfuhr ihm, als er sah, dass Jungkook schon wieder irgendetwas abholen wollte. Unwillig schrieb er zurück und zuckte heftig zusammen als ihm warmer Atem in den Nacken schlug.

„Warum schreibst du mit deinem Ex?“, wollte Yoongi auch direkt wissen und fing geschickt das Handy auf, welches Taehyung aus der Hand glitt.

„Weil er andauernd was abholen will“, fauchte Taehyung zurück. Wenn hier einer Leute erschreckte dann war er das! Und was las Yoongi da so interessiert?

„Anderer Leute Nachrichten lesen gehört sich nicht!“, empörte er sich auch sogleich und holte sich sein Eigentum zurück. Yoongi versuchte erst gar nicht ihn daran zu hindern, grinste nur verschlagen als Taehyung wieder auf das Display schaute. Jungkooks Profilbild war auf Vollansicht gezogen worden und grinste Taehyung schleimig entgegen. Angewidert verkleinerte er es wieder und funkelte Yoongi an.

„Was denn? Wenn du immer noch Kontakt mit dem Vogel hast will ich wenigstens mal ein Gesicht zu dem Namen haben“, erklärte Yoongi ohne den Hauch von Reue in der Stimme.

„Hätte nicht gedacht, dass du auf sowas stehst. Sieht nach Babyface aus“, machte er auch noch weiter, Taehyung verdrehte die Augen.

„Er ist ein Gott im Bett, da macht er sein Babyface wieder wett“, konterte der angriffslustig und Yoongi verzog leicht den Mund. Hatte er Taehyung doch irgendwann mal gebeten ihm nichts aus seinem Intimleben zu erzählen, da dieser doch sehr gerne ins Detail ging.

„Gut danke, das wollte ich gar nicht so genau wissen.“

„Dann spionier nicht in anderer Leute Handy rum.“

„Ihr habt vor Monaten schlussgemacht und er holt immer noch Sachen ab? Darf ich mir da etwa keine Sorgen machen?“ Da hatte Yoongi allerdings einen guten Punkt getroffen. Fragte sich nur, was er mit dem Bild wollte. Jungkook auf dem Campus abpassen und zurechtweisen, damit er Taehyung in Ruhe ließ? Zuzutrauen wäre es Yoongi, aber nicht ohne Taehyungs Einverständnis, hoffte dieser zumindest.

„Er will etwas abholen, ich habe nicht gesagt, dass er das auch darf.“

„Dann sperr seine Nummer.“

„Ja Mama, mach ich. Darf ich danach noch schaukeln gehen?“

Yoongi verdrehte nur die Augen, sah ihn dann aber wieder unerwartet ernst an.

„Ich meins ernst, sperr den Kerl. Eure Beziehung war echt ungesund und wenn er dich so belagert geht das mit Seokjin auch noch schief. Tu dir selbst den Gefallen und mach dich los von Jungkook.“

Mehr als ein Nicken brachte Taehyung nicht zustande. Was hatten denn alle? Er machte sich doch gerade los von ihm, hatte vor wenigen Tagen schlussgemacht und glättete nun die Wogen. Gut, das wussten weder Seokjin noch Yoongi. Der eine würde es aber hoffentlich morgen erfahren und dem anderen konnte er schlecht den tatsächlichen zeitlichen Ablauf verraten, aber er war doch dabei, konnte Yoongi das nicht einfach akzeptieren?

Er wollte echt nicht mehr über das Thema Jungkook reden und so beendete er ihr Treffen so schnell er konnte, schob seine Arbeit im Café vor und machte sich aus dem Staub. Dass er viel zu früh auf der besagten Arbeit aufschlug, musste er Yoongi nicht erzählen und dass er sich über einen lilahaarigen Gast nicht mehr ganz so ärgerte wie sonst, würde er überhaupt niemanden erzählen.

Müde und erschöpft fiel er abends in sein Bett, hatte es geschafft Jungkook davon zu überzeugen, seine Socken bei sich selbst zu suchen und war von diesem unbehelligt geblieben. Als sein Wecker am nächsten Morgen klingelte war er so aufgeregt wie lange nicht mehr. Seokjin hatte nicht genau gesagt wann er zurückkam, nur, dass er sich melden würde und genau darauf wartete Taehyung voller Ungeduld. Versuchte diese aber vor allen und besonders sich selbst zu verbergen, wollte er sich doch nicht eingestehen, wie viel Macht der Ältere bereits über ihn hatte.

Er war gerade mit dem Frühstück fertig und wollte am Schreibtisch noch etwas fleißig sein, als es an der Tür läutete und er neugierig nachschauen ging wer da am frühen Vormittag zu Besuch kam.

Seokjins warmes Lächeln begrüßte ihn, ließ sein Herz höher schlagen und schon lag er in dessen Armen, drückte sich an ihn und zog ihn aufgeregt in die Wohnung.
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