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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 Slash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
18.01.2021
80
203.013
28
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
26.08.2019 1.854
 
Erster Akt - Siebte Szene: Erste Schritte


Suchend wanderte Jimin durch die Gänge des Musikbereichs. Gut vorbereitet und in Tanzsachen stand er hier nur wusste er leider nicht so recht weiter. Schaute sich die Raumnummern an und fragte sich, wer die wohl verteilt hatte. Nummer gab es kaum, dafür eine Menge Namen berühmter Musiker. Zwischendrin immer wieder eine Zahl. Was bei Jimin die Frage aufwarf, auf welchem Stockwerk Raum 25 wohl liegen sollte. Ihm blieb nichts anderes übrig, als den Gang solange abzulaufen, bis er die erste Raumnummer gefunden hatte und wusste, ob er sich näherte. Extrem nervig und zeitfressend.

Er suchte nun schon seit zehn Minuten und hatte erst zwei Stockwerke durch. Von fünf, wohlgemerkt. Leider fand er weder den Raum, noch einen Plan oder zumindest jemanden den er fragen konnte. Taehyung hatte ihm nur die Raumnummer gegeben. Schicksalsergeben griff Jimin zum Handy und wählte, wartete kurz, bis ein aufgebrachter Taehyung endlich abhob.

„So nicht mein Lieber! Erst zu spät dran sein und dann absagen ist inakzeptabel.“, sprudelte Taehyung auch schon los, bevor Jimin ganz begriffen hatte, dass der Anruf angenommen worden war.
„Wovon redest du?“, brachte Jimin verwirrt heraus und schritt weiter den Flur entlang, auf der Suche nach Raum 25.
„Du bist fünf Minuten zu spät! Wenn man absagt, dann vor dem Treffen und nicht erst jetzt.“, fauchte Taehyung ihn an und brachte Jimin zum Lachen. Das wiederum sorgte bei Taehyung für ein entrüstetes Schnauben und er holte schon Luft für eine Schimpftirade.
„Jetzt halt doch mal die Luft an. Ich will nicht absagen, ich finde nur den Raum nicht. Wo genau muss ich hin?“, grätschte Jimin dazwischen und kurz herrschte Stille. Scheinbar musste Taehyungs Gehirn erstmal die unerwarteten Informationen verarbeiten.
„Hab' ich dir keine Wegbeschreibung gegeben?“, fragte er dann leicht verwirrt nach.
„Nein, sonst wäre ich schon da.“, erwiderte Jimin kopfschüttelnd. Schien also ein bekanntes Problem zu sein, das Fremde hier die Räume nicht fanden.
„Vierter Stock. Wenn du an der Seite mit dem Klavier hochkommst, dritte Tür links.“, war es plötzlich eine andere Stimme, die die gewünschten Informationen gab. Ein leises Lachen schwang ihn ihr mit und Jimin glaubte sie einordnen zu können. Im Hintergrund konnte er Taehyung keifen hören, der hatte sein Handy wohl nicht ganz freiwillig abgegeben.
„Gut, bis gleich.“, beendete Jimin das Gespräch und machte sich auf zum Treppenhaus. Da hätte er wohl noch lange gesucht, ohne genaue Angaben ging hier scheinbar nichts. Zwei Minuten später stand er dann auch tatsächlich vor dem legendären Raum 25 und konnte schon von draußen Stimmen im Inneren streiten hören. Vorsichtig zog er die angelehnte Tür weiter auf und lugte hindurch.

„Jetzt hör auf zu stänkern, das war ein Versehen. Ich nehme das ernst.“, fauchte Taehyung gerade seinen Projektpartner an. Dieser lachte nur trocken.
„Klar. Wenn ich etwas ernst nehme schicke ich die Leute auch mit wagen Infos auf die Suche.“, erwiderte Yoongi sarkastisch und fing sich einen beleidigten Blick von dem Jüngeren.

„Wenn ihr euch noch etwas streiten wollt komme ich später wieder.“, machte Jimin auf sich aufmerksam. Grinsend registrierte er die erschrockenen Blicke der beiden anderen, als er ganz in den Raum trat und die Tür hinter sich schloss.
„Nein, las mich bloß nicht allein mit dem.“, forderte Taehyung direkt und ließ es sich auch diesmal nicht nehmen Jimin zur Begrüßung an sich zu drücken.
„So redest du über deinen Projektpartner?“, erwiderte Jimin nun wirklich lachend und nickte eben diesen kurz zu.
„Er ist selbst schuld. Erst macht er die Sache die ganze Zeit runter, will dann unbedingt bei der Planung dabei sein und behauptet zur Krönung auch noch, ich würde das hier nicht ernst nehmen!“, führte Taehyung seinen Unmut weiter aus und schickte noch ein paar entrüstete Blicke an Yoongi. Dieser erwiderte diese nur kühl, zuckte die Schultern, als Jimin ihn fragend musterte und ging zur Musikanlage. Sollte wohl so viel heißen wie, genug herumgetrödelt, fangen wir endlich an.

Während Yoongi die Musik vorbereitete legte Jimin seine Tasche ab und musterte Taehyungs Outfit. Wie konnte man bitte auf den Gedanken kommen Taehyung nähme das hier nicht ernst? Er nahm es vielleicht etwas zu ernst. Stand er doch in voller Trainingsmontur vor Jimin.

„Na schön, wie dem auch sei, lass uns anfangen.“, versuchte Jimin den holprigen Start hinter sich zu lassen und endlich zu dem Teil zu kommen auf den er so gespannt war.
„Ich zeigt dir, der Reihe nach, was ich mir überlegt habe und dann schauen wir mal was euch gefällt und was du umsetzen kannst.“

„Warum euch? Der hat da kein Mitspracherecht.“, bestimmte Taehyung entschieden. Den Finger anklagend Richtung Yoongi ausgestreckt.

„Von mir aus, aber ich kann dir davon nur abraten. Eine kritische Meinung ist sicher hilfreich, du darfst dich in nichts verlieben, was sich nicht mit dem Gesang vereinbaren lässt.“
Yoongi hatte sich zwischenzeitlich auf einem der Stühle, von denen reichlich an der Seite aufgetürmt waren, niedergelassen und nickte nun bestätigend. Zwei gegen einen, da sah auch Taehyung ein, dass er sich wohl besser fügen sollte.

Taehyung gesellte sich ergeben zu Yoongi und machte Jimin damit ausreichend Platz zum Vorführen. Jimin machte sich warm, brachte sich in Stellung und nickte Yoongi zu, welcher die Musik anstellte. Auf dem Weg hier her hatte er sich bereits entschieden drei seiner Versionen vorzustellen. Von sehr leicht bis mittel war das Spektrum seiner Meinung nach, alles Grade die Taehyung durchaus erreichen konnte.

Die erste Version war langsam und getragen, passte sich der dunklen rauchigen Stimme an, mit der Taehyung den Text vortrug und würde wunderbar in einer spärlich beleuchteten, verrauchten Bar im Stile der 60er Jahre aussehen. Das zumindest war das Konzept, welches Jimin dabei vorschwebte. Die beiden anderen Versionen waren etwas schneller und komplexer in ihren Bewegungen. Waren aber auch darauf ausgelegt Melodie und Text zu unterstreichen und ihnen entsprechend Ausdruck zu verleihen.

Seine beiden Beobachter blieben stumm bis Jimin mit allen Vorschlägen durch war. Yoongi startete nur immer wieder das Lied neu, wenn Jimin ihm ein Zeichen gab. Als er durch war, kehrte Stille ein. Yoongi und Taehyung schauten sich nachdenklich an und Jimin griff nach seiner Wasserflasche.

„Was meint ihr?“, wollte er dann wissen, als keiner der Beiden den Anschein machte, sich äußern zu wollen.

„Gib‘s auf Tae, das wird nichts.“, ergriff Yoongi das Wort und Taehyung nickte nur traurig. Jimin musterte die beiden überrascht. So schlecht konnten seine Ideen doch nicht gewesen sein, dass die es nach dem ersten Betrachten für hoffnungslos hielten.

„Wo liegt das Problem?“

„Das sah viel zu schön aus! Das bekomme ich nie so hin.“, brach es fast verzweifelt aus Taehyung heraus. Jimin brauchte kurz, um die Worte zu verstehen und lachte verwirrt auf.

„Die Flinte wird nicht ins Korn geworfen, bevor du es nicht versucht hast. Mehr als blamieren kannst du dich nicht und dann haben nur Yoongi und ich es gesehen.“ Ein Gedanke der Taehyung so gar nicht zu gefallen schien. Yoongis süffisantes Grinsen könnte damit zu tun haben.

„Können wir Yoongi auch rausschmeißen?“, fragte Taehyung scheinheilig nach und ergriff Jimins ausgestreckte Hand, wurde im nächsten Moment von Stuhl auf die Füße gezogen.

„Deine Entscheidung. Wir brauchen konstruktive Meinungen, wenn er das nicht kann, dann raus mit ihm.“, versprach Jimin und erntete ein kapitulierendes Schnauben von Taehyung. Jimin schenkte Yoongi noch ein kurzes Grinsen, welches dieser mit einem zustimmenden Brummen bejahte und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Taehyung.

„Und jetzt sag mir einfach aus dem Bauch heraus, ob dir eine der Versionen gefallen hat oder nicht.“

„Die zweite… Großteils.“, antwortete Taehyung ehrlich und Jimin nickte verstehend.

„Was hat dir nicht gefallen?“

„Der Zwischenpart. Der war mir zu langsam, zu undramatisch, da müsste mehr Theatralik rein.“

„Also das was im Dritten war?“, mischte sich Yoongi in die Diskussion ein.

„So in etwa, aber nicht ganz. Ich kann das nicht richtig beschreiben…“, erklärte Taehyung, mit den Händen gestikulierend.

„Ich werde mir da nochmal Gedanken machen. Heute muss die Choreo ja noch nicht perfekt sein, ist ja erst das erste Treffen.“, versuchte Jimin Taehyung wieder zu beruhigen. Das zufriedene Nicken des Größeren machte ihn zuversichtlich.

„Gut, dann können wir ja schonmal den Anfang üben. Es kommt ja nicht nur darauf an was dir gefällt, sondern was du umsetzen kannst. Also los. Yoongi, Musik bitte!“

Diese erste Trainingsstunde verlief erfolgreicher, als Jimin erwartet hatte. Was wohl auch daran lag, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass Taehyung einen solchen Feuereifer an den Tag legen würde. Anfangs sah es eher schlecht aus. Taehyung war ungeübt in Sachen Tanz, machte es aber mit seiner Motivation wieder wett und am Ende hatte Jimin einen guten Eindruck davon, was er Taehyung zutrauen konnte. Die Choreografie würde er wohl nochmal umstellen, aber das war in Ordnung. War es bei den ersten Versionen doch eher um die Richtung als um ein perfektes Endprodukt gegangen.

Yoongis Anwesenheit erwies sich als echter Glücksfall. Nicht nur, dass sie dank ihm jemanden hatten, der sich um die Musik kümmerte. Er und Jimin hatten sehr schnell raus sich nonverbal abzustimmen, wann das Lied an welcher Stelle zu sein hatte. Er hatte auch eine sehr angenehme Art Kritik zu äußern, sachlich und wertfrei. Genau die richtige Mischung die Taehyung auch nach dem zwanzigsten Tadel nicht an die Decke gehen ließ.

Erschöpft aber glücklich ließ sich Taehyung auf dem Boden nieder, fiel auf den Rücken und streckte alle viere von sich. Lachend setzte Jimin sich dazu und leerte seine Flasche mit wenigen großen Schlucken.

„Von wegen, das wird nichts!“, rief Taehyung triumphierend in Yoongis Richtung und streckte die geballte Faust, als Zeichen des Triumphs, in die Luft.

Der Angesprochen lachte auf, bevor er antwortete: „Du warst doch selbst überzeugt, dass es nichts wird.“

„Nur weil du mich beeinflusst hast.“

„Wenn du dich so leicht beeinflussen lässt hast du dringendere Probleme als Tanzschritte.“

Mit einem Ruck saß Taehyung wieder aufrecht und funkelte Yoongi böse an. Der abrupte Stimmungswechsel verwirrte Jimin etwas.
„Nicht streiten. Es ist doch bis eben ganz gut gelaufen.“, versuchte Jimin die Wogen zu glätten, bevor ein Sturm aufzog. Hatte aber nur mäßigen Erfolg, die beiden funkelten sich weiter an und ignorierten ihn.

Sollten sie halt, wenn sie Spaß daran hatten. Mit einem Blick auf die Uhr sprang er munter auf und schnappte sich seine Tasche.
„Ich muss los. Tae, schreibe mir, wenn dein Muskelkater weg ist und wir die nächste Stunde machen könne. Bitte mit Wegbeschreibung.“

„Muskelkater?“, fragte Taehyung leicht geschockt nach. Er hatte wohl nicht daran gedacht, dass ungewohnte Belastungen von Muskeln meistens mit einer kleinen Rache selbiger einhergingen. Jimin lächelte ihm nur mitleidig zu, Yoongi konnte sich eine geräuschvollere Version nicht verkneifen, fing sich dafür wieder einen wütenden Blick von Taehyung.

„Warum willst du schon los? Verabredet?“, löcherte er auch schon weiter, als ihm wohl auch der Rest des Satzes aufgefallen war.

„Ich treffe mich noch mit einem Freund.“, antwortete Jimin artig und verzog leicht den Mund, als er an sein Treffen mit Hoseok dachte. Er hatte das Verhör seines Freundes bis heute hinauszögern können, aber nun war er fällig. Hoseok hatte schon die ganze Zeit darauf gebrannt endlich zu erfahren, wie es mit Taehyung weitergegangen war und ihn extra fürs Ausfragen zum Essen eingeladen. Da Jimin wusste, dass er eh nicht darum herum kam, hatte er zugesagt.
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