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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
22.02.2021
85
214.742
28
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21.09.2020 1.658
 
Zweiter Akt - Sechsundzwanzigste Szene: Widerwille


Beim Abwaschen grübelte er nach einer guten Begründung für sein Verhalten, dann klingelte es und er hatte andere Sorgen. Seufzend trocknete er sich die Hände ab und ging zur Tür, wartete bis Jungkook aus dem Treppenhaus trat und begrüßte ihn sanft lächelnd. Er hielt sich nicht mit langen Begrüßungen auf, küsste ihn Flüchtig und zog ihn dann hinter sich her in sein Zimmer.

„Was hast du denn mit mir vor?“, kam es lachend vom Jüngeren und Taehyung verdrehte die Augen, ohne dass dieser es sah. Wenn er nur dessen Tonlage hörte könnte er sich direkt übergeben.

„Wirst du gleich sehen“, erwiderte er nur und ging im Kopf nochmal durch was er sich zurechtgelegt hatte. Er ließ Jungkook mitten im Zimmer stehen, ging zu den Fenstern und zog den Vorhang wieder vor. Die Sonne schien hell auf den Stoff und tauchte den Raum in ein schummrig warmes Licht. Verschmitzt grinsend drehte sich Taehyung wieder zu seinem Freund um welcher ihn abwartend musterte. Leicht schluckend spannte Taehyung seine Muskeln an und lief los, sprang im richtigen Moment ab und schlang im nächsten Arme und Beine um den Jüngeren. Dieser war zu überrascht, schaffte es kurz ihn zu halten, kippte mit dem Oberkörper nach hinten und ließ ein schmerzerfülltes Stöhnen hören. Sofort löste Taehyung seinen Klammergriff, stellte die Beine wieder auf den Boden und entlastete Jungkook von seinem Gewicht. Dieser ging mit einem leidenden Stöhnen in die Hocke, eine Hand auf den Rücken gepresst.

Taehyung stand überrascht vor ihm, so hatte er sich das nicht gedacht. Eigentlich wollte er, dass Jungkook mit ihm auf dem Arm umfiel und er sich als Verletzter betüdeln lassen konnte und Jungkook ein schlechtes Gewissen bekam, sofern der Jüngere so etwas überhaupt besaß. Aber dass nun Jungkook mit der leidenden Miene hier herumhockte passte ihm nicht so recht in den Kram.

Ein Wimmern riss ihn aus seinen Gedanken und mit reichlich Verzögerung ließ er sich auf dem Boden vor seinem Freund nieder. Legte ihm überfordert eine Hand auf die Schulter und blickte ihn prüfend an.

„Das wollte ich nicht. Wo tuts weh?“, stammelte er, nicht wissend wie er sich am besten Verhalten sollte. Nur dass er das Lachen in seiner Kehle herunterschlucken musste war ihm klar, der Rest eher weniger.

„Mein Rücken… du hast mir was verrenkt…“, keuchte Jungkook und stellte sich mit Taehyungs Hilfe wieder gerade hin. Kniff dabei die Lippen fest zusammen, um nicht zu fluchen und Taehyung tat es ihm nach, wenn auch aus anderen Gründen.

Im Schneckentempo verfrachtete er den Jüngeren auf sein Bett, betrachtete ihn kurz und drehte sich dann zum Fenster, zog die Vorhänge wieder auf und sah nach, ob Jungkook wirklich so leidend aussah wie er dachte. Leider ja und Taehyung wusste noch immer nicht was er machen sollte.

„Kann ich dir irgendwie helfen?“, fragte er leise, während er sich neben dem Bett niederließ und Jungkook dabei beobachtete wie dieser sich vorsichtig ausstreckte und die Augen zusammenkniff.

„Hast du Ahnung von Orthopädie?“, kam es verkrampft zurück, wenn auch mit einem sarkastischen Lachen in der Stimme.

„Nein, leider nicht.“ Taehyung kratzte sich am Kopf, während er Jungkook nicht aus den Augen ließ. „Soll ich dich einfach nochmal anspringen, vielleicht hilft‘s ja?“, bot er schließlich an und Jungkook entfuhr ein kurzes Lachen.

„Klar, diesmal auf den Rücken und zack bin ich wie neu. Ne, besser nicht“, schickte er schnell hinterher und drehte sich auf die Seite. Seine Gesichtszüge entspannten sich etwas und er blies langsam den Atem aus, schloss kurz die Augen und blickte Taehyung wieder an.

„Ich nehme an, du hattest etwas anderes vor“, brachte er schließlich mit einem vielsagenden Grinsen über die Lippen. Taehyung nickte bestätigend.

„Ja, aber das könne wir jetzt wohl vergessen.“ Wie sollte Jungkook ihn auch bemuttern, wenn der nicht mal gerade stehen konnte? Keine Chance also für Taehyungs eigentlichen Pläne.

Ein schmerzvolles Zischen entfuhr Jungkook als Taehyungs Handy sich zu Wort meldete und er erschrocken zusammenzuckte.
„Ändere deinen Klingelton endlich, das ist ja Folter“, beschwerte er sich auch sofort, während Taehyung nachsah, wem er danken musste.

>> Guten Morgen mein Böhnchen. Hast du es dir wegen heute Abend anders überlegt? << Taehyung verdrehte nur die Augen. Für den Stuss hatte Namjoon nicht einmal eine Antwort verdient. Jungkook wurde jedoch sofort aufmerksam und musterte den Älteren interessiert.

„Was ist los?“

Taehyung blickte ihn nachdenklich an. Na wenn er schon fragte, dann war er selbst schuld, was war er auch so neugierig.

„Mein Projektpartner hat geschrieben, ich soll meinen Hintern in die Übung schwingen oder er reist ihn mir auf.“

Jungkooks Blick verfinsterte sich, er presste die Lippen aufeinander und verkrampfte kurz.
„Schöne Grüße, ich reiße ihm den Kopf ab, wenn er Hand an dich legt“, erwiderte er schließlich und Taehyung entfuhr ein Lachen. Warum glaubte er Jungkook nur nicht?

„Richte ich ihm aus… scheint nur wirklich wichtig zu sein“, grübelte er leise und blickte konzentriert aufs Handy.

„Warum machst du dann blau?“

„Weil ich das nicht wissen konnte und eigentlich gerade mit anderen Dingen beschäftigt sein wollte“, meinte er frech und zwinkerte Jungkook verschwörerisch zu. Dieser lachte auf, zuckte heftig zusammen und wimmerte leise. Taehyung versteckte sein zufriedenes Grinsen schnell, indem er den Blick abwandte. Das hier war doch besser als er gedacht hatte, wenn Jungkook so weitermachte durfte er doch noch etwas bleiben.

„Sehr guter Grund, nur leider schlechte Durchführung“, stimmte Jungkook ihm schließlich doch noch zu und setzte sich umständlich auf.
„Aber so wie`s nun mal ist geh ich besser nachhause und lege mich hin und du setzt dich zur Strafe in die Übung“, bestimmte er ungewohnt streng und erhob sich vorsichtig vom Bett. Taehyung grummelte unwillig. Weder wollte er in die Übung noch aufhören Jungkook zu piesacken. Nur leider hatte der es auf die Beine geschafft und sah ihn auffordernd an. Also fügte sich Taehyung, griff nach seiner Tasche, verstaute sein Handy sorgsam und öffnete Jungkook die Tür. Mit dem Tempo und der Eleganz eines altersschwachen Greises ging Jungkook neben ihm her und als Taehyung an das Treppenhaus dachte, schlich sich wieder ein breites Grinsen auf seine Lippen. Jetzt würde Jungkook mal merken was er Jimin so antat, wenn er ihn ohne jede Rücksicht vögelte, es gab also doch noch Gerechtigkeit für solche Kerle.

Vor dem Haus trennten sich ihre Wege, Jungkook schlürfte in Richtung seiner Wohnung und Taehyung Richtung Uni. Unmotiviert legte er den Weg zurück und überlegte was er sonst so anstellen könnte. Zwar könnte er zurück zur Wohnung, aber eigentlich war die Übung wirklich gut und auch wichtig.

Vor dem Raum wartete er gut fünf Minuten, dann öffneten sich die Türen und die ersten Studenten eilten an ihm vorbei zu den Toiletten und Verkaufsautomaten, um sich für den zweiten Teil der Übung zu rüsten. Taehyung wartete bis sich der Strom gelegt hatte und betrat dann den Raum, sah sich kurz um bis er Yoongi in einer der letzten Reihen ausmachen konnte und hielt auf ihn zu. Der Rothaarige war voll und ganz auf sein Handy fokussiert und nahm ihn gar nicht wahr. Wie auch, hatte er doch Kopfhörer in den Ohren. Jetzt nur noch einen, den anderen hatte Taehyung sich ungefragt geschnappt und hörte sich an, was Yoongi so mitriss. Ein gefühlvolles Klavierstück ohne Text erklang in seinem Ohr und Yoongis Kopf ruckte zu ihm, ein finsterer Blick traf ihn, den Taehyung aber nur lächelnd begegnete.

„Was ist das für ein Lied?“, wollte er ungeniert wissen. Ignorierte, dass die Musik erstarb, kaum dass Yoongi sich von dem Schreck erholt hatte und ihm der Kopfhörer wieder abgenommen wurde.

„Das geht dich nichts an“, fauchte der Ältere nur leise und verstaute sein Handy wieder in seiner Tasche.

„Aha, nicht ganz rein zufällig was für einen blonden Tänzer… Oder?“, erwiderte Taehyung honigsüß. Leider hatte Yoongi bereits sein Pokerface aufgesetzt und durchleuchtete ihn lieber mit Blicken.

„Du bist ja doch hier, was ist mit deinem Ex? Nicht aufgetaucht?“, startete er den Gegenangriff und Taehyung fiel ein, dass er ganz vergessen hatte sich eine Ausrede einfallen zu lassen.

Tief seufzend versuchte er sich irgendetwas zusammenzubasteln, was sein Verhalten halbwegs erklären würde.
„Doch ist er und er war schnell wieder weg.“

„Was wollte er?“, ging das Verhör munter weiter. Taehyung kaute auf der Unterlippen herum, hoffte, dass Yoongi es für ihn vorteilhaft fehldeuten würde.

„Angeblich was abholen, was noch irgendwo bei mir rumläge“, meinte Taehyung ausweichend. Einfach nur die 'Er hatte noch seine Lieblingssocken bei mir' Karte konnte er nicht ausspielen, das war ihm klar, hier war mehr Drama gefragt.

„Und was wollte er wirklich?“

„Mich zurück.“ Das klang doch gut. Und war auch noch ein schöner Pusch für das eigene Ego, nur musste Taehyung es schaffen schön verlegen auszusehen, so als wäre es ihm unangenehm.
Yoongi fragte nicht weiter, zog nur auffordernd die Augenbraue hoch, hatte wohl keine Lust mehr sich zu wiederholen.

„Ich ihn aber nicht. Das habe ich ihm auch gesagt“, erwiderte Taehyung vehement und blickte Yoongi ernst an, doch dieser schien nicht überzeugt.

„Das hat er einfach so akzeptiert?“ Nein, der war eindeutig noch nicht überzeugt, aber Taehyung kam da schon ein Gedanke und er musste sich das siegessichere Grinsen verkneifen.

„Die Worte nicht. Das hier hat ihn dann aber überzeugt“, erwiderte er ruhig und drehte Yoongi den Rücken zu, zog dabei den Kragen seines Hemdes herunter und legte die Flecken von Seokjin frei. Ein zustimmendes Brummen erklang von hinten und als er sich wieder zu seinem Hyung drehte, nickte dieser.

„Da war er sicher nicht begeistert.“

„Nein“, meinte Taehyung vergnügt und Yoongi schnaubte belustigt.

„Du bist unmöglich“, befand Yoongi und blickte dann nach vorne. Die Pause neigte sich dem Ende, der Referent machte sich bereits bereit zum Fortfahren und die Studenten sammelten sich wieder in dem Hörsaal.

„Was habe ich verpasst?“

„Wir haben die Aufgabe vom letzten Mal besprochen. Jetzt gibt es eine Neue. Du kommst also gerade richtig“, meinte Yoongi grinsend und Taehyung stöhnte schwer. Toll, er kam genau dann, wenn es Arbeit gab, hatte er ein Glück.
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