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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 Slash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
18.01.2021
80
203.013
28
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
19.08.2019 1.973
 
Erster Akt - Sechste Szene: Funkelnde Augen


Das erneute Piepen seines Handys ließ Jimin vom Bett hochfahren. Stimmt, da war ja noch was. Wenn er den Tag schon nicht mit Jungkook verbringen konnte, wollte er wenigstens Taehyungs Meinung einholen. Immerhin war sein Freund wegen dessen Nachricht gegangen. Dafür konnte Taehyung zwar nichts, aber nun hier allein zu liegen und zu schmollen machte auch keinen Sinn.

In der neuen Nachricht fragte der unwissende Störenfried, ob er bei Jimin vorbeikommen könne und wo genau dieser wohne. Schnell schrieb ihm Jimin in welchem Wohnheim sein Zimmer lag und welche Nummer es hatte. Die Antwort kam nur Sekunden später und ließ ihn hektisch werden.

>> Praktisch, da bin ich gerade :) <<
>> Muss nur noch dein Zimmer finden, kann aber nicht weit sein :P <<

Schnell suchte Jimin seine, auf dem Boden verstreute, Kleidung zusammen und zog sich wieder an. Vor Jungkook halbnackt herumzulaufen machte ihm wenig aus. Bei Taehyung sah das aber ganz anders aus. Eilig öffnete er noch das Fenster und stürzte ins Bad, um seine Haare wieder so weit zu richten, dass man nicht sofort sah, dass er vor weniger als einer Stunde hart gegen die Tür gevögelt wurde. Das Bett wieder zu machen schaffte er nicht mehr, es hatte bereits geklopft.

Noch einmal tief durchatmend öffnete Jimin, viel zu nervös, die Tür und fand sich direkt in einer festen Umarmung seines Besuchs wieder. Ein verwirrtes Lachen kam ihm über die Lippen, als Taehyung ihn etwas anhob und einen Schritt weiter hinten wieder absetzte.

„Weißt du eigentlich, wie lange ich auf deine Nachricht gewartet habe?“, fuhr ihn Taehyung mit einer niedlichen Mischung aus Vorwurf und Verzweiflung an und versuchte Dramatik zu erzeugen, wo keine war.

„Maximal drei Tage.“, konterte Jimin gelassen und trat beiseite, um den Größeren eintreten zu lassen.

„Falsch! 76 Stunden! Die wohl längsten 76 Stunden meines Lebens, wohlgemerkt.“, jammerte Taehyung munter weiter. Als er von Jimin aber weder ein reumütiges Gesicht noch Mitleid bekam, schaute er sich lieber schnell in dem kleinen Raum um. Sein Blick schien kurz am Bett hängezubleiben, bevor er zu Jimin glitt und diesen musterte.

„Wirklich niedlich. Besser als mein WG-Zimmer.“, stellte Taehyung zufrieden fest und zog sich die Schuhe aus. Dann lief er ein paar Schritte in den Raum und blickte sich erneut um, suchte wohl nach verborgenen Dingen, die er vom Eingang aus nicht hatte sehen können. Da konnte er lange suchen, Jimin hatte so etwas nicht. Generell war es hier sehr schlicht eingerichtet. Kein unnötiger Krimskrams, der herumlag und Staub ansetzte.

„Mach's dir bequem. Möchtest du was trinken?“, kehrte Jimin den höflichen Gastgeber nach außen und lief zu seinem kleinen Kühlschrank, der im Regal integriert war. Viel hatte er nicht, aber Wasser und Eistee konnte er bieten. Da Taehyung auf seinen fragenden Blick nur mit den Schultern zuckte, warf Jimin ihm eine beliebige Flasche hin, welche Taehyung geschickt fing und sich erstmal einen großen Schluck gönnte.

„Danke, das tut gut. Es wird auch jeden Tag heißer.“, seufzte er dann erfrischt und lächelte Jimin dankbar an. Dieser grinste zurück und ließ sich auf seinem Bürostuhl nieder, da sich sein Gast bereits auf sein Bett hatte fallen lassen.

„Bevor du dir zu viel versprichst…“, setzte Jimin an, kam aber nicht weiter, da Taehyung mit ernstem Blick die Hand erhob und ihn stoppte.

„Wir kennen uns noch nicht so gut, aber egal wer mir schlechte Nachrichten überbringt sollte immer Schokolade bereithalten, sonst kann es schnell hässlich werden.“, erklärte Taehyung mit einer Stimme, die deutlich machte, dass er meinte was er sagte. Jimin blickte ihn kurz verwirrt an, griff dann kommentarlos in seine Schreibtischschublade und förderte eine halbe Tafel Schokolade zutage. Taehyung nickte zufrieden und bedeutete Jimin weiterzusprechen. Dieser schüttelte leicht den Kopf. Worauf hatte er sich da nur eingelassen? Taehyung war schon eine Nummer für sich.

„Also, wie gesagt, erwarte nicht zu viel. Ich habe die letzten Tage viel rumprobiert und komme einfach nicht weiter, weil ich nicht einschätzen, kann was zu dir passt.“, begann Jimin erneut und wurde diesmal nicht unterbrochen. Sah aber wie sich Taehyungs Augen erst skeptisch verengten und sich dann hoffnungsvoll funkelnd weiteten. Bisher schien er das also nicht als schlechte Nachricht aufzunehmen.

„Wir sollten uns in den nächsten Tagen treffen, damit ich dir zeigen kann was ich entwickelt habe und du das mal testest, dann sehen wir weiter. Das Problem ist nur, ich habe keinen Raum. Das Zimmer hier ist zu klein und die Tanzsäle sind alle ausgebucht.“, berichtete Jimin weiter und Taehyung nickte verstehend.

„Ginge es auch in einem der Musikräume, wenn er groß genug ist?“

„Ja, das sollte gehen, aber die darf ich nicht buchen. Ist ja nicht mein Fachbereich.“

Taehyung funkelte ihn verstehend an und nickte erneut. Wenn es nur das war, schien sein Blick zu sagen und Jimin war erleichtert, dass Taehyung kein Drama machte, da er ihm keine fertige Choreografie präsentieren konnte.

„Wir können auch direkt gucken gehen, ob einer der Räume frei ist.“, kam es voller Tatendrang von Taehyung und Jimin musste sich ein leicht gequältes Lächeln verkneifen. Eigentlich wäre er liebend gern darauf eingegangen, doch leider war Jungkook etwas zu grob mit ihm umgesprungen. Länger laufen oder gar tanzen wollte er da heute lieber vermeiden.

„Keine Lust. Stundenlang rumsuchen, um dann doch keinen Raum zu finden ist mir heute zu viel. Buch einen und sag mir dann Bescheid.“, versuchte Jimin möglichst gleichgültig abzuwiegeln, aber Taehyungs neugieriger Blick lag bereits wieder auf ihm.

„Etwas zu wild mit deinem Freund gewesen, was?“, fragte dieser auch direkt frech zurück und traf den Nagel damit auf den Kopf, was Jimin die Röte in die Wangen trieb.

„Wie kommst du darauf?“, versuchte sich Jimin scheinheilig aus der Affäre zu ziehen, hatte aber keine Chance mehr.

„Ich erkenne ein zerwühltes Bett, wenn ich es sehe und der Raumduft spricht auch Bände.“, führte Taehyung ruhig aus und schenkte Jimin einen leicht tadelnden Blick. Dieser wurde noch eine Spur röter und rieb sich verlegen den Nacken. Voll erwischt. Na toll.

„Warum fragst du überhaupt, ob ich Zeit habe und treibst es dann mit deinem Freund, dass du nicht mehr laufen kannst?“, kam Taehyung nun auch noch direkt auf den Punkt. Machte es für Jimin nicht gerade besser, schien das aber auch nicht zu wollen. Leicht genervt klang seine Stimme und auch sein Blick verriet, dass es ihm wohl lieber gewesen wäre jetzt nicht hier zu sein.

„Das hat sich überschnitten.“, stammelte Jimin, noch immer höchst verlegen, vor sich hin.

Taehyung zog nur skeptisch die Augenbraue hoch und stand auf, kam auf Jimin zu und faste ihn unters Kinn, um ihm wieder ins Gesicht schauen zu können.
„Gut, ich habe zwei Stunden gebraucht, um dir zu antworten, aber der Zufall ist doch nun sehr groß. Ist dein Freund spontan zum Ficken vorbeigekommen oder wie darf ich das verstehen?“

Leicht gequält blickte Jimin ihn an und zuckte nur mit den Schultern. Dass Taehyung sehr gut im Raten war stand damit fest, er musste es nicht auch noch aussprechen.

„Echt spontan der Gute.“, grummelte Taehyung. Ihm passte es wohl gar nicht, dass er sich nicht sofort ansehen konnte was Jimin sich ausgedacht hatte. Nachdenklich fuhr er mit dem Daumen Jimins Kinnlinie nach und packte ihn dann unerwartet am Arm, zog ihn mit einem Ruck von seinem Stuhl. Überrumpelt landete Jimin in Taehyungs Armen, da er nicht direkt sein Gleichgewicht fand. Diesen schien es rein gar nicht zu stören, dass sich der Kleinere an ihn klammerte und einen Moment brauchte, bis er wieder allein stehen konnte. Fast konnte man ihm unterstellen, es genauso geplant zu haben.

„Wenn schon nicht tanzen, dann wenigstens Kuchen!“, bestimmte Taehyung mit einem Mal wieder munter und gelöst. Von der ernsten Stimmung war nichts mehr übrig und Jimin blieb ein wenig verwundert zurück. Wie konnte sein Gegenüber nur so schnell zwischen den Stimmungen wechseln.

„Oder geht das auch nicht? Laufen ging ja bis eben halbwegs.“, mit dieser Frage trieb er Jimin wieder das Blut in die Wangen. Der war sich ziemlich sicher, dass es pure Absicht gewesen war, so wie Taehyung jetzt auch noch unschuldig lächelte.

„Geht schon. Könnten wir jetzt bitte das Thema wechseln?“, versuchte Jimin sich aus dieser peinlichen Situation zu befreien.

„Nein.“, wie hübsch man doch mit einem einzigen Wort die Hoffnungen eines Menschen zerstören konnte schien Taehyung bestens zu wissen. Denn er schaffte es spielen und das gequälte Lächeln kehrte auf Jimins Lippen zurück, während er in seine Schuhe schlüpfte.

„Mich würde immer noch interessieren, warum dein Freund hier so schnell auftaucht und jetzt schon wieder weg ist.“, hakte er ungeniert weiter nach. Wartete geduldig, bis Jimin abmarschbereit war und hielt ihm galant die Tür auf, als sie das Zimmer verließen.

„Das ist meistens so. Sein Zeitplan ist sehr eng und er nutzt jede freie Minute um mich zusehen. Da wird aus einem Date schon mal ein spontaner Besuch.“, erklärte Jimin leise und musste leicht die Zähne zusammenbeißen, als ihm die Enttäuschung über jede Absage eines geplanten Treffens in den Sinn kam. Zwar war es jedes Mal ein riesiges Glücksgefühl, wenn Jungkook, so wie heute, plötzlich da war, aber dennoch tat jede Absage weh.

„Klingt ja nicht gerade toll und dir gefällt das?“, kommentiert Taehyung das Gehörte. Seine Stimme machte klar, dass er so eine Beziehung wohl nicht führen würde.

„Das verstehst du nicht.“, versuchte Jimin das Thema fallen zu lassen, hatte aber erneut kein Glück. Scheinbar hatte er Taehyungs Interesse geweckt.

„Dann erklär es mir.“, forderte dieser, während sie langsam die Treppen hinunterstiegen. Wenigstens sagte er nichts über Jimins ungelenken Schritte auf den Stufen, was es zumindest etwas besser machte.

„Er muss geheim halten, dass er schwul ist, seine Eltern würden ihm sonst alle Unterstützung streichen. Ich weiß, das klingt wie eine blöde Ausrede, aber das war schon in der Schule so. Wir halten es schon seit Beginn an geheim. Anders geht es aktuell nicht. Nicht solange er finanziell nicht unabhängig ist.“, versuchte Jimin es zu erklären. Scheiterte jedoch. Taehyungs Blick zeigte keinerlei Verständnis.

„Ach komm, das ist so abgedroschen.“, schnaubte dieser ehrlich genervt.

„Das muss geheim bleiben, weil die Welt uns nicht versteht, ist die wohl älteste Masche sich nicht festlegen zu müssen, die es gibt.“, regte sich Taehyung weiter auf, als sie das Wohnheim durch einen der Nebeneingänge verließen.

„Ich sagte doch, du verstehst das nicht.“, meinte Jimin nur abwehrend. Wie sollte Taehyung es auch verstehen, er kannte Jungkook nicht, kannte seine Eltern nicht. Hatte nicht erlebt, wie es sein konnten, wie sie sich verhielten.

„Wie auch, du hast seine Eltern nie erlebt…“, murmelte Jimin vor sich hin, die Gedanken an einem der schwärzesten Tage seiner Vergangenheit gefangen. Ja, Jungkooks Eltern konnten unglaublich liebenswert sein und sie konnte unendlich kalt sein. Sie waren dazu in der Lage ihren eigenen Sohn aus der Familie zu werfen und alles was sie noch mit ihm verbanden zu entsorgen und vernichten, ihn gänzlich aus ihrem Leben zu streichen. Wie sollte er Jungkook verübeln, dass er Angst hatte, dass das Gleiche mit ihm geschah, wenn seine Eltern erfuhren das auch er schwul war?

„Stimmt.“, bestätigte Taehyung seltsam monoton und machte Jimin klar, dass er lauter gesprochen hatte als erwartet. Legte Jimin dann einen Arm um die Schultern und zog ihn näher zu sich, ließ die Hand anschließend an die Hüfte des Kleineren gleiten und beschleunigte leicht seinen Schritt. Zog ihn so etwas mit sich als sie sich dem Café endlich näherten.

„Aber jetzt lass uns Kuchen essen und du erzählst mir was du dir hast einfallen lassen.“, lenkte er endlich ein und Jimin entfuhr ein erleichterter Seufzer. Kuchen klang gerade wunderbar.





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Halli Hallo,

noch jemand da draußen der gerade Lust auf ein Stück Kuchen hat? Ja? Na dann, immer fleißig zugreifen, der Kaffee steht links daneben.

An dieser Stelle mal wieder ein ganz liebes Dankeschön fürs Lesen, die Favos, Empfehlungen und die Kommentare :)

Macht euch eine schöne Woche und bis zum nächsten Mal.
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