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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 Slash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
18.01.2021
80
203.013
28
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127 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.08.2020 2.219
 
Zweiter Akt - Zweiundzwanzigste Szene: Beziehungen


Es war Taehyung gerade reichlich egal, dass Yoongi ihn halb trug. Auch störte es ihn wenig, dass ihn drei Personen bis zur Haustür gebracht hatten und er aussah wie eine Schnapsleiche. Solange er nicht selbst laufen musste oder zumindest etwas Unterstützung dabei bekam, konnte es aussehen wie es wollte. Etwas schade war es schon, dass Jimin und Hoseok nicht mit reingekommen waren. Hätte er die beiden doch eigentlich gerne noch um sich gehabt nur leider war er zu erschlagen von dem Tag, um wirklich noch etwas mit der Gesellschaft anfangen zu können. Zwar machten seine Beine langsam wieder mit, aber nachdem er im vierten Stock angelangt war und Yoongi den Schlüssel reichte hatten diese es sich auch wieder anders überlegt. Seine Arme machten gleich mal mit, waren nicht einmal in der Lage die Tür aufzusperren, weswegen Yoongi dies übernahm. Auf den war immerhin Verlass. Sowohl was Kommentare betraf, aber eben auch dessen kühle Hilfsbereitschaft. Er machte kein riesen Tamtam, tat einfach was notwendig war und passte auf die auf, die er mochte.

Grinsend ließ Taehyung sich in seine WG schieben und verstand einmal mehr nicht warum Jimin so schwer von KP war. Warum sah der Blonde nicht, dass Yoongi die bessere Wahl war? Weil er nicht mit leeren, aber wohlklingenden Wörtern um sich schmiss und andere einlullte, um sie anschließend zu belügen und betrügen? Musste wohl so sein, ein anderer Grund für Jimins Zurückhaltung fiel ihm nicht ein.

Das Grinsen fiel ihm fast aus dem Gesicht als er sich zur Küche drehte. Das konnte doch nicht wahr sein! Dieses Dreckschwein! Nicht nur, dass der Typ permanent meckerte als gäbe es kein Morgen mehr, zum wiederholten Male hatte er die Küche eingesaut. Und wir sprechen hier nicht von etwas dreckigem Geschirr auf dem Tisch. Eher von Soße an den Schränken, Eingebranntem auf dem Herd und Pilzkulturen auf Tellern in der Spüle. Taehyung war sich sicher zu wissen welcher seiner Mitbewohner das zu verantworten hatte. Nur einer kochte hier, alle anderen, inklusive ihm, aßen kalt oder in der Mensa.

Yoongi zog sichtlich angewidert die Nase kraus. „Lecker…“, kommentierte er das Gesehene. Taehyung konnte ihm nur zustimmen, mit aller gebotener Ironie. Ein Schauer rollte ihm über den Rücken, als er schnell noch ein Foto machte, um sich beim Vermieter zu beschweren. Vielleicht hatten sie so endlich die Chance den Kerl loszuwerden.

„Das willst du dir aber nicht ins Zimmer hängen?“, richtete sich Yoongis Sarkasmus nun gegen ihn. Taehyung ignorierte es jedoch, schickte lieber das Bild mit einigen erklärenden Worten ab.

„Klar doch, ich sammle Stillleben von Bakterien- und Keimherden.“, murmelte er vor sich hin und trottete in sein Zimmer. Er wollte das nicht mehr sehen und auch nicht mehr riechen. Zu spät bemerkte er, dass Yoongi nicht gegangen war, sondern ihm folgte, die Tür von innen schloss und ihn durchdringend anfunkelte. Taehyungs graue Zellen begannen langsam wieder zu arbeiten, irgendetwas hatte er doch vergessen oder verdrängt. Das wohl sehr erfolgreich, ihm fiel einfach nicht ein was Yoongi von ihm wollen könnte.

„Nein, ich zeige dir die Sammlung heute nicht, du durftest gestern schon gucken.“, bestimmte er verwundert, immer noch mit seinen Erinnerungen kämpfend. Da war doch was, er war sich ganz sicher. Das flaue Gefühl im Magen sagte das Gleiche.

„Schade. Dann kannst du mir zum Ersatz erklären mit wem du beim Mittagessen geschmust hast.“, kam es leicht traurig zurück. Wie ein Blitz durchzuckte Taehyung die Erinnerung. Seine kleine Aktion, um Yoongi loszuwerden. Natürlich! Wie dumm war er denn bitte? Sehr dumm wohl, wenn er wirklich dachte, Yoongi so abzuwimmeln würde diesen nicht misstrauisch machen.

„Du Stalker! Ist das nicht verboten?“, empörte er sich prompt. Leugnen nutzte nichts, dafür kannte er Yoongi zu gut. Der hatte sie gesehen und würde nicht locker lassen, bis er wusste was er wissen wollte. Also war die beste Verteidigung der Angriff.

„Nicht solange ich dir nichts stehle oder dich körperlich attackiere.“, erklärte Yoongi gelangweilt und machte es sich auf Taehyungs Bürostuhl gemütlich. Er wollte offensichtlich noch etwas bleiben. Taehyungs Wunsch nach Gesellschaft hatte sich schneller verkrümelt als Jimin und Hoseok es vor der Tür getan hatten.

„Und nun raus mit der Sprache, wer war das und warum durfte er dir so auf die Pelle rücken?“, lenkte Yoongi die Aufmerksamkeit wieder auf das eigentliche Thema. Taehyungs Versuch zur Ablenkung war grandios gescheitert, was dieser grummelnd zur Kenntnis nahm und sich auf sein Bett plumpsen ließ.

Wie sollte er das Yoongi jetzt geschickt verkaufen? Der hatte sie beobachtet, hatte gesehen, dass sie zu vertraut miteinander umgegangen waren, als dass sie nur Freunde sein konnten. Er wollte Yoongi aber auch nicht beichten, was wirklich los war. Auch wenn der nun endlich seinen lang gehegten Wunsch, Jungkook mal zu Gesicht zu bekommen, erfüllt bekommen hatte.

„Das war ein alter Schulfreund. Er studiert jetzt auch hier und wollte sich mal wieder mit mir treffen.“, erklärte er leichthin, einer fixen Idee folgend. Warum nicht einfach Jungkook seine Story klauen? Wenn der ihn damit meinte veraschen zu können, wollte er doch mal testen wie weit er damit bei jemanden wie Yoongi kam.

„Aha, meine alten Schulfreunde kennen auch keine Berührungsängste und sitzen am liebsten bei mir auf dem Schoß.“, machte Yoongi klar, dass er kein Wort glaubte. Taehyung schenkte ihm einen leicht gequälten Blick.

„Ich wusste nicht, dass er auf mich steht und wollte ihn in der Mensa nicht bloßstellen, in dem ich einen Aufstand mache.“, gestand Taehyung gespielt geknickt. Tat einfach mal so als habe er ein schlechtes Gewissen, auch wenn er mittlerweile bezweifelte, dass sein Gewissen jemals wieder aus dem Streik zurückkehren würde.

Yoongis Blick blieb unbeeindruckt. In schönster 'verarsch wen anders' Manier zog er die Augenbraue hoch.

„Was denn? Du kannst dich nicht wehren auf Jimin scharf zu sein und er sich nicht dagegen auf mich. Mehr als ihm viel Glück an der Uni wünschen und ihm sagen, dass mein Terminplan echt voll ist und ich einen Freund habe kann ich da nicht machen.“

„Hast du seine Nummer?“

„Ja, aber er meine nicht.“, meinte Taehyung frech grinsend und Yoongis Blick wurde etwas milder. Langsam schaffte er es tatsächlich Jungkooks Story so umzubauen, dass sie glaubhaft wurde. Ein Wunder, damit hatte er wirklich nicht gerechnet.

„Von einer gescheiterten Beziehung in die Nächste und dann taucht auch noch ein Verehrer auf. Das klingt etwas viel auf einmal für meinen Geschmack.“, fasste Yoongi zusammen und musterte Taehyung leicht besorgt. Dieser bekam große Augen als er den Blick sah, den bekam er wirklich selten. Sofort fiel die Reue über ihn her. Sa schaffte er es, dass sich sein bester Freund Sorgen um ihn machte, weil er ihn schamlos anlog…

Sich innerlich zur Räson rufend setzte er an, um erneut das Thema zu wechseln, nur dieses Mal ein wenig geschickter als bei seinem Ersten allzu plumpen Versuch.
„Wo wir gerade bei Mensa sind. Morgen wollte sich Seokjin mit mir zum Mittag treffen, komm doch dazu. Oder willst du ihn nicht mehr unter die Lupe nehmen?“, bot er Yoongi ein Leckerchen an, dieser zog jedoch nur die Augenbraue skeptisch nach oben und suchte in aller Ruhe den Hacken an der Sache.

„Seit wann so freigiebig mit deinen Freunden?“

„Bitte? Das liegt nicht an mir! Mein Ex hatte einfach keinen Bock auf dich.“, empörte sich Taehyung direkt und hätte sich fast verplappert. Erst in aller letzter Sekunde hatte er das Wort Freund gegen das Wörtchen Ex austauschen können und sich vor weiteren bohrenden Fragen in die falsche Richtung bewahrt.

„Gut, dass du den los bist. Beziehungen mit Menschen, die einen von ihrem Freundeskreis isolieren wollen, enden sollten gut.“, sinnierte Yoongi ernst und blickte Taehyung prüfend an. Dieser zuckte leicht unter dem stechenden Blick zusammen. Immerhin hatte Jungkook nie etwas dagegen gehabt, wenn Taehyung sich mit Yoongi oder anderen Freunden traf, nur mitkommen hatte er nie gewollt. Wollte wohl verhindern, dass ihn allzu viele Leute als Freund von ihm oder einem anderen wiedererkannten. Ergab auch Sinn, sowas erschwerte das Fremdgehen beträchtlich.

„Tae? Was verschweigst du mir?“, hakte Yoongi sofort nach. Taehyung blickte überrascht zu ihm, konnte die Frage kurz nicht einsortieren, bis ihm klar wurde, dass sein eigenes Gesicht ihn verraten hatte. Blöde Gesichtszüge aber auch, dass selbst die einem in den Rücken fallen konnten. Auf nichts war mehr Verlass!

„Nur, dass er mich nie versucht hat zu isolieren, er hatte nur kein Interesse an meinem Leben. Zumindest wollte er sich nicht einbringen.“, erklärte er schließlich träge und musste bei dieser Erkenntnis einen Kloß im Hals hinunterschlucken. Es zu wissen und es auszusprechen waren zwei unterschiedliche Dinge und eines tat mehr weh als das andere.

„Auch dann ist es gut, dass ihr euch getrennt habt.“, befand Yoongi und Taehyung musste aufpassen nicht bitter zu lachen.
Es wäre gut, wenn sie sich getrennt hätten.
Aber soweit war er noch nicht in seinem Plan. Leider. Was stellten Jimin und Yoongi sich auch so an!

Nachdenklich nickend befand Taehyung, dass nun lange genug in seinem Gefühlsleben herumgestochert wurde. Wie Yoongi eben bereits sagte, es war gut, wenn er diese Beziehung beendete und dafür musste Yoongi nun mal zuerst Jimin rumbekommen.

„Genug von mir, was ist mit dir? Bist du dir immer noch sicher dich von Jimin fernhalten zu wollen?“, machte er es plump und direkt. Yoongi schmunzelte nur wissend, ein undefinierbares Blitzen in den Augen.

„Die Spannung zwischen euch war heute nicht zu übersehen.“, merkte er an und schenkte Yoongi ein wissendes Lächeln. Er war sich sicher, dass die beiden wild angefangen hätten zu knutschen, wenn er sie nur zehn Minuten in den Abstellraum hätte sperren dürfen. Möglicherweise hätten auch fünf Minuten gereicht. Aber Taehyung durfte ja nicht, musste ja tanzen, singen und sich vor einer weiteren Person zum Deppen machen.

„Das war nur meine schlechte Laune, weil du mich heute vor unserem halben Semester blamiert hast.“, winkte Yoongi ab und Taehyung seufzte genervt. Warum weigerte sich Yoongi so strikt über Jimin zu sprechen? Lieber funkelte dieser ihn gefährlich an und machte Taehyung langsam nervös.

„Ach komm, das war doch lustig. Wo willst du dich denn da blamiert haben?“, konterte Taehyung gespielt ungläubig, tat so als gäbe es rein gar nichts was verwunderlich gewesen wäre. Zwar war ihm klar, dass seine Aktion Yoongi hochgradig peinlich war, aber immerhin hatte er den Älteren auch loswerden wollen. Also kein Grund für ein schlechtes Gewissen, welches sich ja eh noch im Exil befand.

Yoongis wütendes Schnauben löste einen Geisterblitz in Taehyung aus. Damit das was zwischen seinem Hyung und dem Blonden wurde, musste er sie zusammen an einen Tisch bekommen und miteinander reden lassen. Je unerwarteter, umso besser, dann hatte Yoongi keine Zeit abzuhauen. Und das mit dem Tisch nahm er einfach mal wortwörtlich, es bot sich gerade so schön an. Nun musste er nur noch seine letzte schauspielerische Leistung des Tages glaubwürdig hinbekommen, ohne dabei anzufangen zufrieden zu grinsen. Danach könnte er den Älteren endlich hinausschmeißen, ins Bett gehen und mit etwas Glück nette Träume von Seokjin haben.

„Spar dir die Todesblicke, ich wollte dich nur etwas hochnehmen. Ich weiß schon was du meinst.“, wiegelte er ab bevor Yoongi mit neuen Spitzen auf ihn einprügeln konnte. Lächelte dabei reumütig zu dem Älteren hinüber und dieser zog interessiert die Augenbraue hoch, ließ ihn nicht aus den Augen.

Mit einer kleinen Handbewegung bedeutete er Taehyung fortzufahren und dieser wurde auf seine erste Belastungsprobe gestellt. Das hatte Yoongi ihm schonmal abgekauft und jetzt bloß nicht grinsen, sonst war alles dahin!

„Ich gelobe feierlich es nicht wieder zu machen.“, machte er theatralisch weiter, legte sich eine Hand aufs Herz und Yoongi verdrehte die Augen.

„Klingt sehr glaubwürdig. Ich kenne dich! Du änderst den Ort, dann ist es nicht mehr das Gleiche und du hast deinen Schwur umgangen.“, kommentierte der nur müde. Taehyung presste die Lippen zusammen. Mist verdammter, konnte Yoongi Gedanken lesen? 'Dann leg Jimin flach, nicht nur fast, sondern richtig und erspar mir das Theater!' Brüllte Taehyung in seinem Kopf sicherheitshalber, falls dem so seien sollte. War es wohl nicht… Yoongi regte sich nicht, funkelte ihn nur überlegen an. Also weiter im Text er wollte ins Bett.

„Spielverderber…“, konnte er sich aber nicht verkneifen zu brummen und seufzte dann tief.
„Gut, Alternative: Du kommst mich Übermorgen zur Uni abholen und wir frühstücken hier noch schön zusammen.“, bot er dann ergeben an und schenkte Yoongi einen Bettelblick, doch bitte einfach nur zu nicken und mitzuspielen.

„Warum nicht morgen?“, kam es zurück und wieder wanderte Yoongis Augenbraue skeptisch nach oben. Taehyung sah ihm stumm in die Augen, griff nach seinem Handy, öffnete seine Bilder und hielt es Yoongi vor die Nase.

„Das muss erst desinfiziert werden, bevor wir da irgendwas anderes tun können, als eine Lebensmittelvergiftung zu bekommen.“

Leicht zurückzuckend verzog Yoongi den Mund angewidert, hatte das Biotop in Taehyungs Küche wohl vergessen und nickte anschließen.

„Du solltest sowas wirklich lassen, sonst ruinierst du deine Finanzen noch total beim Entschuldigen.“

„Aus Schaden wird man klug und was das angeht hatte ich schon immer eine lange Leitung.“, winkte Taehyung ab und erhob sich schwerfällig, um Yoongi zur Tür zu bringen. Er winkte ihm noch nach, während der Ältere im Treppenhaus verschwand und trabte zurück in sein Zimmer. Kurz später hörte er Geklapper und Gefluche aus der Küche, der Vermieter hatte das kleine Schweinchen also bereits informiert. Gut so, das Desinfektionsmittel sollte so lange wie möglich einwirken können, bevor Taehyung sich traute in dieser Küche wieder etwas zu essen.
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