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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 Slash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
18.01.2021
80
203.013
28
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Dieses Kapitel
1 Review
 
17.08.2020 3.189
 
Zweiter Akt - Einundzwanzigste Szene: Atemlos


Es fühlte sich fast so an als wohne er bereits bei Seokjin, so oft wie er dort war. Den Älteren schien es nicht zu stören und auch Taehyung gefiel es, was nicht nur daran lag, dass die Wohnung wunderschön war. Zwar war dieses Detail nicht zu verachten, aber es war eben auch nicht mehr als ein Detail. Was ihm viel mehr gefiel, war die Vertrautheit zwischen ihnen beiden, das war genau das, was Taehyung die ganze Zeit gesucht hatte. Er glaubte immer Abenteuer und Aufregung zu brauchen, doch dem war nicht so. Diese ruhige Beständigkeit die Seokjin in sein Leben brachte machte ihn glücklich, ließ ihn sich fühlen als würde nichts mehr fehlen.

Fehlen tat wohl auch nichts, nur war etwas zu viel da und dieses Etwas hieß Jeon Jungkook und wollte Aufmerksamkeit. Sein ach so toller Freund hatte sich wirklich berappelt und wohl seinen Fehler vom Sonntag eingesehen, als er seinen angeblich kranken Freund allein hatte nachhause gehen lassen. Seitdem zeigte er sich von seiner fürsorglichen Seite, wenn auch nur in Textform. Aber immerhin…
Er fragte regelmäßig nach wie es ihm ging, ob er etwas brauchte. Heute wollte er sich auch noch zum Mittagessen mit ihm treffen und Taehyung überlegte schon, ob er wegen Übelkeit absagen sollte. Entschied sich dann aber dagegen, da musste er nun mal durch, half ja alles nichts.

Mit lahmen Ausreden versuchte er Yoongi abzuwimmeln als dieser ihn Richtung Mensa zog. Doch der hatte den Braten längst gerochen und traktierte ihn mit eindeutigen Blicken. Ließ sich nicht vom Schleimen und auch nicht von Beleidigungen vertreiben, was Taehyung dazu trieb zu seinem härtesten Mittel zu greifen. Resigniert seufzend blickte er seinen Hyung an, tat kurz so als wolle er seinen Widerstand aufgeben, bis Yoongi die Deckung fallen ließ. Dann schlug er zu. Schnell und unerwartet schlang er die Arme um den Älteren zog ihn mit einem lauten Seufzen an sich, kippte ihn nach hinten und beugte sich über ihn.

„Oh Yoongi mein Herz…“, rief er freudig aus, darauf bedacht, dass auch der schwerhörigste Depp in der Nähe ihn bemerken würde und drückte dem überrumpelten Yoongi einen kleinen Kuss auf die Lippen. Von einigen Damen konnte er überraschte, entsetzte und teils auch begeisterte Geräusche hören, während Yoongi ihn nur fassungslos anstarrte.

Anders als erwartet rastete dieser aber nicht aus, presste nur die Lippen zusammen und machte sich los, verbeugte sich dann sogar vor ihrem Publikum und grinste in die verwirrten Gesichter.
„Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und lassen sie sich ihr Essen schmecken.“, merkte er noch an und zog Taehyung um die nächste Ecke. Kein gutes Zeichen, irgendwie wollte der mit seinem Hyung gerade nicht allein sein.

„Gut ich hab’s verstanden, du möchtest meine Gesellschaft heute nicht. Fein. Lass ich dich eben allein.“, erklärte Yoongi ruhig und gelassen. Taehyung wartete nur auf das 'Aber' welches da noch kommen musste.

„Ich erwarte, dass wir uns nach dem letzten Kurs treffen und zusammen zum Training gehen, solltest du nicht auftauchen gehe ich Superkleber kaufen…“, meinte er noch immer vollkommen ruhig und Taehyung nickte artig. Ging er eben Hand in Hand mit Yoongi zum Training, es gab schlimmeres. Er würde es schon schaffen Jimin und Yoongi wieder miteinander allein zu lassen, da durfte er heute mal passen.

„Und danach darfst du mir dann erklären was du gleich getrieben haben wirst.“, flötete Yoongi mit einem Mal honigsüß und verabschiedete sich sogar mit einem kleinen Luftküsschen. Taehyung stand entgeistert im Flur und starrte seinem Hyung hinterher, ignorierte dabei die Blickte, die ihm von seinen Kommilitonen zugeworfen wurde. Der Tag war gerade reichlich seltsam geworden.

Mechanisch drehte er sich um und stapfte zurück in Richtung Mensa. Zwar hatte er noch immer keine rechte Lust auf das Treffen mit seinem verräterischen Freund, aber seltsamer als das eben konnte es auch nicht mehr werden. Wurde es auch nicht, obwohl Jungkook sich reichlich Mühe gab. Auch, wenn Mühe relativ war. Er nötigte Taehyung zur Hühnersuppe, trug sein Tablett und passte auf, dass er seinen Tee auch brav austrank, er sollte sich ja nicht überanstrengen und schnell wieder auf die Beine kommen. Eigentlich alles sehr lieb und aufmerksam, wenn da nicht die Augen des Jüngeren gewesen wären. Die vorgegaukelten Gefühle spiegelten sich dort nicht wider, nichts von der Sorge, der Zuneigung, dem Interesse zeigte sich dort und es machte Taehyung zunehmend traurig. Wie hatte er sich nur so täuschen können? Seine ganze Überschwänglichkeit, die ihn seit dem Aufstehen begleitet war wie weggeblasen, fasst überlegte er schon das Training mit Jimin heute abzusagen, so unmotiviert fühlte er sich.

Mit etwas Mühe hatte er seine Finger vom Handy gelassen und Jimin nicht um eine Verschiebung gebeten. Trottete nun Schicksalsergeben neben Yoongi her, ignorierte die prüfenden Blicke, die auf ihm lagen und hoffte einfach, dass der Anblick des Blonden ihn wieder etwas glücklicher machen würde.

„Warte.“, riss Yoongi ihn aus seinen Gedanken. Verwundert blinzelte Taehyung den Älteren an und musste sich orientieren, wo sie gerade waren. Irgendwo im Tanzbereich, genauer konnte er es nicht ausmachen, dafür war er zu blind neben Yoongi hergetrottet.

„Wegen dem, was am Wochenende passiert ist, will ich heute kein Wort hören. Keine Fragen, keine Andeutungen oder dumme Sprüche.“, meinte Yoongi dann harsch, nachdem er näher an den Jüngeren herangetreten war. Dieser blinzelte leicht überfordert. Ihm wurde wirklich der Mund verboten und das während seiner wöchentlichen Folterstunde? War das noch menschenrechtskonform? Nicht mal ein bisschen Sticheln? Yoongis Blick sagte ganz klar nein und Taehyungs Vernunft machte mit Schildern und Trillerpfeifen darauf aufmerksam, dass das eine echt gute Idee war. Seine Folterknechte nicht zu reizen konnte nur gut für ihn sein. Also nickte er ergeben und überlegte was er sonst so von sich geben konnte, ohne dass Yoongi es auf sich und seinen blonden Fummelkameraden bezog.

Nach einem weiteren strengen Blick seitens Yoongi zog dieser ihn weiter, tiefer in die Gänge von denen Taehyung nicht mehr wusste wohin sie führten. Noch unmotivierter als zuvor schlich er hinter Yoongi her und stoppte neben ihm als der vor einer Tür anhielt und sie leise öffnete. Er schien unsicher, ob er richtig war und spähte durch den Spalt, runzelte dann die Stirn und Taehyung lehnte sich über seine Schulter, um selbst einen Blick in den Raum zu werfen.

Er hörte Musik, die er nicht kannte und ein ihm ebenfalls unbekannter junger Mann tanzte dazu. Und wie der tanzte. Es war Taehyung gerade egal wer das war. Das wollte er auch können! Es sah so elegant und gleichzeitig kraftvoll aus, mühelos und leicht und dennoch komplex. Er war hin und weg. Stünde Yoongi nicht mitten im Weg hätte er den Kerl wahrscheinlich längst um Nachhilfe gebeten. Jimin würde Augen machen, wenn er bei der nächsten Stunde auf einmal so etwas hinlegte.

Aber anstatt Jimin machte er lieber selbst große Augen, denn der begnadete Tänzer ging gerade einige Schritte zur Seite, nahm seinem Lieblingsblonden die Wasserflasche ab, sprach einige Worte mit ihm und scheuchte ihn in die Mitte des Raumes. Von dem er nun auch mehr zu sehen bekam, Yoongi hatte die Tür wortlos aufgestoßen. So konnte er ungestört Jimin dabei beobachten, wie dieser die Schritte ebenfalls durchging, nicht ganz so perfekt wie der Typ eben, aber ähnlich und auch das würde Taehyung reichen. Er wollte nicht gleich übertreiben. Heute Level Jimin, morgen Level 'der Kerl eben'! Ganz hibbelig stand er hinter seinem Hyung, der Jimin ebenfalls stumm beobachtete und konnte seine Augen nicht von ihm lösen, während sein Kopf Bilder malte wie gut das wohl aussähe, wenn er es selbst versuchte.

Als Jimin sich grinsend zu dem anderen Tänzer drehte, kam von den stillen Beobachtern, ganz unabgesprochen, ein bewunderndes Klatschen. Mit einem leisen Lachen registrierte Taehyung, wie Jimin etwas zusammenzuckte und dann verlegen auf sie zukam.

„Ist mir egal wie viel ich dafür leiden muss, nur mach, dass ich hinterher auch so aussehe.“, verlangte Taehyung während er Jimin an sich zog. Und er meinte was er sagte. Aller Muskelkater der Welt wäre es ihm wert, wenn er auf der Bühne so aussehen würde.

„Sag das besser nicht zu laut.“, versuchte Jimin ihn zu bremsen, nur leider erfolglos. Wenn Taehyung sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, zog er es durch. Sonst wären sie auch nicht hier! Etwas verwirrt aber voller Überzeugung funkelte er Jimin an und dieser sah leicht verzweifelt aus, ganz so als würde Taehyung die Situation nicht recht verstehen.

„Zu spät! Ich habe das gehört und so wird's auch gemacht.“, kam es zufrieden von dem anderen Tänzer. Schön dass zumindest sie sich einig waren, wenn Jimin schon meinte querschießen zu müssen.

„Wenn du einen guten Rat willst: Lauf!“, raunte Jimin ihm zu und seine Stimme ließ ihn nun doch aus seinen Fantasien auftauchen. Warum klang der Kleine so besorgt? Ein lauter Knall hinter ihnen weckte Taehyung endgültig aus seiner Begeisterung und Yoongis zufriedener Blick, als dieser sich an die gerade geschlossene Tür lehnte, machte abschließend klar, Taehyung war gerade dabei sich sein eigenes Grab zu schaufeln.

„Zu spät.“, untermalte Jimin seine Erkenntnis auf beängstigende Weise und tätschelte ihm die Schulter. Das war gar nicht gut.

„Wenn ich vorstellen darf, das ist Hoseok. Ein Freund von mir und Tanztrainer. Er wird uns ab jetzt unterstützen.“, ging Jimin nahtlos zu den Formalien über. Taehyung musterte Hoseok eingehend und ihm ging ein Licht auf, das war doch der Typ mit dem Jimin im Club war als sie sich kennenlernten. „Hobi, das sind Taehyung und Yoongi, von denen ich dir erzählt hatte.“

„Freut mich. Dann mal genug geschmust, das könnt ihr nachher noch. Ich will endlich sehen, was ihr bisher geschafft habt.“, erwiderte Hoseok freundlich, aber bestimmt. Schwer schluckend folgte Taehyung der Aufforderung und legte seine Sachen ab, um sich warmzumachen. Allmählich kroch die Nervosität in ihm hoch. Auch wenn er Hoseok bewundernswert fand, der Typ machte ihm langsam, aber sicher Angst. Er wollte sich auf keinen Fall vor ihm blamieren, wusste aber, dass er kaum drumherum kommen würde. Jimins Darbietung hatte dem andern nicht vollauf gefallen, wie sollte er da mit seinem mickrigen Können Eindruck schinden? Yoongi war ihm auch keine Hilfe, der hatte sich wieder zur Musikanlage verzogen und versuchte krampfhaft nicht zu auffällig zu Jimin hinüber zu schielen. Das musste der Ältere eindeutig noch üben, besonders wenn Taehyung ein Verbot für dumme Sprüche hatte.

In Gedanken noch halb bei Yoongi und Jimin machte er sich schließlich bereit Hoseok zu zeigen was er bisher gelernt hatte. Der strenge, prüfende Blick schoss ihm direkt in den Magen und erzeugte in ihm eine innere Unruhe, die er so nicht von sich kannte. Sein Kopf fühlte sich seltsam leer an und die ersten Schritte stolperte er mehr als dass er tanzte, immer mit dem unguten Gefühl den nächsten Schritt vergessen zu haben. Dementsprechend erbärmlich fiel seine Vorführung aus und ihm war nach Heulen zumute. Das niemand etwas sagte, weder lachte noch tadelte, war mit das Schlimmste. Wenn niemand mehr etwas zu meckern hatte, hatten es die Menschen, bei diesem Niveau, schlicht aufgegeben und sahen keinen Sinn darin noch Energie zu verschwenden.

„Na los Tae, gleich nochmal. Sonst bist du doch auch nie schüchtern, wenn du Publikum hast.“, riss ihn Yoongi aus seiner Litanei, bevor er gänzlich darin versinken konnte. Auch, wenn es herablassen klang, wusste Taehyung genau wie es gemeint war und sein Kampfgeist arbeitete sich durch seine Scham nach oben und übernahm endlich das Steuer.

„Halt die Klappe und drück deine Knöpfe.“, zischte Taehyung lediglich und zeigte was er konnte. Er merkte selbst, dass es nicht perfekt war, aber dennoch das Beste was er bisher zustande gebracht hatte. Entsprechend stolz strahlte er Jimin nach dem zweiten Durchgang der Choreo an. Nur zu Hoseok traute er sich gerade nicht zu schauen, der schüchterte ihn zu sehr ein und sein Kampfgeist war heute scheinbar launisch, nicht dass der wieder auf Tauchstation ging.

„Sitzt besser als beim letzten Mal.“, bestätigte Jimin seinen Eindruck, bevor er sich Hoseok zuwandte.
„Also Meister der Details, ich weiß du hast eine Tonne an Punkten, bedenke aber bitte worum es hier im Kern geht.“
Als Taehyung das hörte, musste er schwer schlucken. Er wusste ja, dass er nicht perfekt war, aber das klang eher als wäre er gerade so passabel gewesen.

„Tu ich, deshalb habe ich auch noch nichts gesagt.“

Hoseok ließ sich Zeit, wartete geduldig bis die Nervosität wieder in Taehyungs Magen hochstieg und ihn hibbelig werden ließ.
„Habt ihr es schonmal mit Gesang versucht?“

„Bisher nicht. Ich wollte erstmal, dass die Schritte sitzen, damit er seinen Fokus auf die Atmung legen kann.“, war es Jimin der antwortete. Der konnte nicht wissen, dass das nicht ganz der Wahrheit entsprach. Wie auch? Taehyung hatte niemanden von seinen kläglichen Versuchen erzählt. Zu viel Angst hatte er, dass Yoongi es erfahren könnte und der das Ganze direkt abblasen würde. Egal wie niedlich der Jimin auch fand und wie gerne er das Training als Vorwand nahm ihn zu sehen.

„Tae?“, wand sich Jimin plötzlich direkt an Taehyung. Dass dem Blonden sein ertappter Blick aber auch nicht entgehen konnte. Also wirklich! Etwas weniger Aufmerksamkeit bitte, wenn Taehyung hier wichtige Dinge zu verheimlichen hatte. Dass er nun auch noch rot anlief und sich damit endgültig selbst verriet, half auch nicht. Scheiß gute Durchblutung!

„Ich hab‘s ausprobiert und es war nicht gerade gut.“, gab er ergeben zu und betete einfach nur, dass Yoongi das nicht gehört hatte.

„Na und? So schlimm ist das doch nicht, daran können wir arbeiten.“, warf Jimin ein und verstand offensichtlich den Ernst der Lage nicht. Zog er damit doch nur Yoongis Aufmerksamkeit auf die Situation und Taehyung ahnte schlimmes.

„Hör auch ihn. Ich klebe dich erst an den Stuhl, wenn du es einen Tag vor der Prüfung immer noch nicht kannst.“, kam es überraschend von seinem Lieblingshyung. Zwar war er etwas beleidigt über dessen desinteressierten Ton - etwas mehr Anteilnahme bitte, Taehyung hatte gerade eine Lebenskrise! - aber der Inhalt stimmte ihn zuversichtlich. Immerhin wusste er, dass auf Yoongis Wort Verlass war.

„Hier stehen ja interessante Drohungen im Raum.“, mischte sich unerwartet Hoseok ein. Ergriff er da gerade seine Partei? Das gab doch gleich nochmal fünf Sympathiepunkte. Der strenge Blick an Yoongi ebenfalls.

Yoongi ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Immerhin war er es ja nicht, der hier sein Können unter Beweis stellen musste, da war es ja auch leicht locker und abgeklärt zu bleiben. Taehyung hatte das dringende Bedürfnis die beiden Tänzer zu bitten die Choreo auch seinem Hyung beizubringen, nur leider war da wieder dieses warnende Stimmchen in seinem Hinterkopf, welches ihm zubrüllte, dass das die dümmste Idee war, die er seit langem hatte.

„Es geht immerhin um eine Prüfung in Musik und nicht in Tanzen. Wenn Taehyung dabei tanzen möchte, soll er das tun, wenn er aber das eigentliche Stück damit ruiniert habe ich etwas dagegen. Das hat nichts mit Drohungen zu tun, wir haben einfach zu lange an dem Stück gearbeitet, um es für einen nicht geforderten Teil zu gefährden.“

„Du bist also nicht hier, um zu sabotieren?“, versicherte sich Hoseok und Taehyung entkam ein gefrustetes Lachen. Das wäre zu einfach und damit so gar nicht Yoongis Stil.

„Schön wärs. Dann könnte ich ihn rausschmeißen. Aber nein, der olle Piesepampel ist leider wirklich hilfreich.“, seufzte er schwer und entlockte Yoongi ein leises Lachen.

„Ich habe dich auch lieb, Tae.“, feixte dieser und sah die anderen dann abwartend an.

„Gut dann steht der Fahrplan für heute fest. Tanzen mit Gesang und das machen wir so lange bis es sitzt!“, bestimmte Hoseok heiter. Das klang auch nur solange gut bis Taehyung Jimins Blick sah. Sorge und auch Mitleid schwangen darin mit und machten deutlich, dass das nicht lustig werden würde.

Dachte Taehyung bisher, Jimins Training sei hart und fordernd, stand nun fest, der Blonde hatte den Kuschelkurs mit ihm gemacht und er war nicht einmal böse darüber. Das, was Hoseok hier abzog, grenzte hart an Körperverletzung und sein eigener Ehrgeiz machte da auch noch fröhlich mit. Er ließ sich durch jeden Tadel und jede Korrektur nur noch mehr anspornen, die Schritte mit seiner Stimme in Harmonie zu bringen. Merkte die kleinen Verbesserungen und wollte mehr. Die Zeichen der Erschöpfung ignorierend trieb sich Taehyung selbst an. Fast nervte es ihn schon, wenn Jimin versuchte Hoseok zu bremsen, auch wenn die Bestätigungen seiner Leistungen des Blonden gut taten, aber er wollte keine Schonung, er wollte es gut machen, verdammt gut. So gut, dass Yoongi ihn nur sprachlos anstarren würde und nie mehr auf die Idee käme ihn irgendwo festkleben zu wollen!

Seine Atmung wurde immer krampfhafter, beruhigte sich kaum noch, wenn er eine kurze Atempause bekam. Als die Musik aussetzte ließ sich Taehyung einfach auf den Boden sinken, alles drehte sich um ihn und bunte Lichtpunkte tanzten vor seinen Augen. Seine Umwelt nah er nur noch gedämpft war, dafür wurde ihm nun endlich eines klar, er hatte es übertrieben. Sein Herz pumpte angestrengt, seine Lunge krampfte sich schmerzhaft zusammen, in dem Versuch ausreichend Sauerstoff aufzunehmen.
Ganz automatisch griff er nach der Flasche, welche ihm vor die Nase gehalten wurde. Trank einige Schlucke, bevor seine Lunge erneut ihr Recht forderte.

Quälend langsam wurde es besser, der Druck auf seiner Brust verringerte sich. Da sein Ehrgeiz und Tatendrang verschwunden waren, merkte Taehyung langsam die Erschöpfung in seine Glieder kriechen. Müde lehnte er sich gegen Jimin, versuchte im Takt seiner streichelnden Hand auf seinem Rücken zu atmen, um sich endgültig zu beruhigen.

„Warum sagst du denn nichts, wenn es zu viel wird?“ Hoseoks besorgtes Gesicht tauchte vor seinen Augen auf. Antworten konnte er nicht, sein Kopf war einfach noch nicht wieder in der Lage, um sich aufs Sprechen zu konzentrieren. Der war noch mit wichtigeren Dingen, wie der Sauerstoffversorgung, beschäftigt.

„Er war ziemlich fasziniert von dir, da vergisst er gerne mal, dass er Grenzen hat.“, verpetzte ihn Yoongi auch schon, nutzte seine momentane Situation damit schamlos aus. Aber was sollte Taehyung auch machen, recht hatte der Ältere, also nickte er einfach nur.

„Ich habe nicht mehr viel Zeit, um das auf die Reihe zu bekommen.“, brachte Taehyung müde heraus. Er wollte so gerne am Tag der Prüfung genauso elegant aussehen wie Hoseok vorhin, war das denn so schlimm?

„Ist das normal?“, fragte Hoseok an Jimin gerichtet, hatte wohl eingesehen, dass von Taehyung keine allzu informativen Antworten zu erwarten waren.

Taehyung spürte wie dieser mit den Schultern zuckte. Woher sollte Jimin das auch wissen? So gut kannten sie sich noch nicht. Das würde noch ein oder zwei Wochen dauern, wenn es nach Taehyung ging.

„Wenn er sich was in den Kopf gesetzt hat schon, das geht auch wieder vorbei.“, erklärte Yoongi ruhig, während er Taehyung die leere Flasche abnahm.

„Na los Tae, du gehörst ins Bett.“, meinte er dann ungewohnt weich zu ihm und Yoongis Hand schob sich in sein Blickfeld. Etwas überfordert ergriff er sie einfach und ließ sich auf die Füße ziehen. Fand sein Gleichgewicht jedoch nicht und sackte in vier hilfsbereite Arme. Hoseok und Jimin waren so freundlich gewesen ihm etwas auszuhelfen und blickten ihn nun besorgt an.

„Schaffst du das allein oder brauchst du Hilfe?“, fragte Jimin.

„Wenn ihr Zeit habt, wäre Hilfe wirklich gut.“, meinte Yoongi dann und Taehyung konnte ihm nur zustimmen. Er konnte gerade nur eins auf einmal, gehen oder sein Gleichgewicht halten.
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