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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
12.04.2021
92
230.774
33
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29.06.2020 4.543
 
Zweiter Akt - Vierzehnte Szene: Die Sache mit dem Kaffee


Vorsichtig blinzelnd öffnete Taehyung die Augen, betrachtete verträumt die feinen Sonnenstrahlen, die neben ihm auf dem Lacken tanzten. Ihnen mit den Augen folgend landete er beim Fenster, dessen Vorhänge nur soweit aufgezogen waren, dass die Sonne ins Zimmer scheinen konnte, ihre Strahlen Taehyung aber nicht direkt trafen. Ein sanftes Lächeln stahl sich auf seine Lippen.

Suchend blickte er sich im Raum um, wie erwartet fand er Seokjin jedoch nicht. Wie auch die letzten Male erklangen dafür Geräusche aus der Küche und Taehyungs Lächeln wurde breiter. Er hatte nicht nur hervorragend geschlafen, gleich gab es auch noch lecker Frühstück, so konnte ein Tag doch wirklich anfangen.

Auf dem Weg zur Tür blieb er vorm Spiegel stehen, betrachtete sich flüchtig und fuhr sich resigniert durch die Haare. Zwar hatte er gut geschlafen, nur sah er leider nicht so aus. Die Haare noch zerzaust, die Sportkleidung von gestern zerknittert. Super, absolut großartig. Wie sollte er dem Älteren so unter die Augen treten? Um ins Bad zu kommen musste er an der Küche vorbei und das schaffte er nicht ungesehen, an seine Kleidung würde aber auch das nichts ändern.

Kopfschüttelnd verließ er schließlich das Schlafzimmer und trottete den Geräuschen und damit Seokjin entgegen.
„Morgen“, murmelte er leise als er diesen erreichte und drückte ihm einen leichten Kuss auf die Wange. Das Lächeln des Älteren vertiefte sich und wurde eine Spur wärmer.

„Guten Morgen. Hast du gut geschlafen?“

„Bei dir immer“, murmelte Taehyung abwesend und besah sich lieber was Seokjin da gerade vorbereitete. Sein Magen machte Freudensprünge, musste sich aber noch gedulden, sein Ego hatte gerade Vorrang und das wollte endlich etwas an seinem derangierten Äußeren tun.

„Du willst erstmal duschen gehen?“, fragte Seokjin auch schon wissend, hatte Taehyungs Blick in Richtung Bad und seine Unentschlossenheit bemerkt. Der Gefragte nickte bloß, drehte sich aber nicht um, um dorthin zu gehen, sondern lehnte sich lieber gegen den Älteren. Dieser drehte sich nun gänzlich zu ihm und zog ihn in seine Arme.

„Was ist los?“, hauchte er Taehyung leicht besorgt entgegen und strich ihm einige Haare aus der Stirn. Leicht grübelnd legte Taehyung den Kopf schief, sah ihm nachdenklich in die Augen und musste nun doch tatsächlich seinen Mut suchen. Das kannte er gar nicht von sich, der war doch sonst immer der erste der ihm auf der Zunge hockte und sich mitteilen wollte. Wo war der olle Verräter denn nun abgeblieben, lag der noch im Bett?

„Kann ich mir Klamotten von dir leihen?“, kam es dann unerwartet zögerlich über Taehyungs Lippen und Seokjins Stirn zog sich in Falten.
„Klar, aber… warum?“

Taehyung wusste was er meinte, immerhin hatte er die ersten Vorlesungen erst wesentlich später und damit ausreichend Zeit, um sich zuhause umzuziehen und Seokjin musste bald los. Auf der Unterlippe kauend überlegte er, was er sagen sollte und hatte sich damit längst verraten.

„Das wäre schon ziemlich dreist… und mies“, meinte Seokjin dann und ließ ihn los, drehte sich aber nicht wieder um. Taehyung zog ertappt den Kopf zwischen die Schultern und rieb sich verlegen den Nacken. Was war nur mit ihm los? So verunsichert war er doch sonst nie. Also schallt er sich selbst einen Idioten, streckte das Kreuz durch und sah Seokjin fest in die Augen.

„Dass ich dreist bin, ist für dich doch nichts Neues mehr“, erwiderte er keck, lehnte sich dabei vor, um Seokjin einen Kuss auf die Lippen zu drücken und wand sich ab. Nach einem kurzen Abstecher ins Schlafzimmer landete er endlich unter der Dusche und stand in Rekordzeit angezogen wieder in der Küche. Dort war der Ältere gerade fertig mit dem Frühstück und betrachtete ihn wohlwollend.

„Ich muss schon sagen, dreist steht dir“, nickte er Taehyung zu und zog ihn an sich. Der Jüngere hatte keine Zeit zu reagieren, da wurden seine Lippen auch schon von einem hungrigen Kuss verschlossen. Er keuchte erschrocken auf als Seokjins Lippen sich immer leidenschaftlicher gegen seine bewegten, sich schließlich die Zunge des Älteren in seinen Mund stahl und ihn ganz benommen machte. Nicht ganz wissend was gerade passierte schloss Taehyung einfach die Augen und ließ sich in den Kuss fallen, erwiderte ihn mit all der Leidenschaft und dem Hunger, der sich die letzte Zeit über in ihm aufgestaut hatte.

Seokjins Hände wanderten über seinen Rücken, schlüpften unter das weite T-Shirt und glitten über die weiche Haut. Taehyung wurde ein wenig schwindlig, haltsuchend presste er sich enger an den Älteren, während dieser ihm zunehmend den Atem raubte. Angetan keuchte er auf, als eine der frechen Hände sich auf seinen Hintern legte, sich in die Gesäßtasche schob und ihn näher an ihren Besitzer presste.

„Wir… sollten essen“, hauchte ihm Seokjin entgegen, als er sich wieder von ihm löste. Die Hand auf seinem Rücken verschwand, die in der Hosentasche noch nicht. Tief und eindringlich blickte ihm der Ältere in die Augen, schickte Schauer über Taehyungs Rücken und dieser nickte automatisch. Dann verschwand auch die zweite Hand und Seokjin schob ihn sanft von sich.

Sie aßen stumm und kaum waren die Teller leer musste Taehyung auch schon los. Mit einem kurzen Kuss wollte er sich verabschieden, doch wieder konnten sie sich nicht so recht lösen. Brauchten viel länger als gewöhnlich und in Taehyungs Magen blieb ein zartes Kribbeln zurück als er die Treppen des Wohnhauses hinuntereilte.

Tief in Gedanken, über das gerade Erlebte versunken lief Taehyung auf die kleine Rasenfläche, mitten auf dem Campus, zu und rannte Jungkook dabei fast um. Dieser stoppte ihn mit seinem ausgestreckten Arm und einem belustigten Schnauben.

„So früh schon am Grübeln?“, kam es munter von dem Jüngeren und Taehyung nickte einfach nur, war noch zu sehr mit seinen Gedanken beschäftigt, um zu antworten. Jungkook schüttelte lachend den Kopf, griff unerwartet nach Taehyungs Kragen, zog ihn daran zu sich und küsste ihn sanft zur Begrüßung.

Während er ein freundliches Lächeln aufsetzte, ärgerte er sich ein wenig, dass nun Seokjins Kuss überdeckt worden war. Damit ihm der Jüngere seinen Unmut nicht ansah, legte er schnell noch den Kopf schief und schickte einen müden Blick hinterher. Sollte Jungkook halt denken er sei gerade erst aufgestanden, das würde ihn wohl am einfachsten weiterbringen.

„Was hast du auch zu so unmenschlichen Zeiten nur Zeit für mich? Da musst du dich nicht wundern, wenn ich mich in Gedanken nach meiner Decke sehne“, maulte er und Jungkooks Lächeln wurde breiter.

„In einer halben Stunde gehen die Vorlesungen los. Beschwerst du dich bei deinen Professoren auch über die Uhrzeit?“, konterte Jungkook und hakte sich bei ihm ein. Zog ihn anfangs mit sich, bis Taehyung seinen Widerstand aufgab und seine Beine freiwillig bewegte.

„Brauche ich nicht, die kommen nicht auf die Idee zu dieser Zeit schon Vorlesungen abzuhalten!“, stellte er klar und durfte sich dafür auslachen lassen. Nur, weil das knallhart gelogen war und er in den frühen Vorlesungen gedanklich seine Professoren in die Wüste wünschte, brauchte Jungkook noch lange nicht lachen!

„Na komm, ich gebe dir einen Kaffee aus. Wie klingt das?“, versuchte Jungkook den Älteren bessere Laune zu verpassen. Dessen Augen blitzten finster auf und ein feines Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus.

„Kaffee ist ein guter Anfang, aber das reicht noch lange nicht“, säuselte Taehyung verheißungsvoll und Jungkook blieb sofort stehen. Mit hoch interessierter Miene drehte er sich zu Taehyung, dieser meinte ein verlangendes Glitzern in den Augen des Jüngeren zu sehen und zog die Augenbraue hoch.

„Halt dir die Abende frei. Ich muss die Termine mit meinen Projektpartnern noch etwas schieben, aber ich habe keine Lust mehr jede Nacht allein zu verbringen.“
Jungkooks Grinsen wurde eine Spur breiter und etwas verruchter. Die Hintergedanken, die dieser hatte, brauchte Taehyung nicht zu hören, um sie zu kennen. Dass er andere hatte, würde Jungkook noch früh genug erfahren.

Mit einem lieben Lächeln zog nun Taehyung leicht am Arm des Jüngeren, um ihn näher an den Kaffeestand heranzubekommen. Dass er noch einen Gratiskaffee bekommen sollte hatte er nicht vergessen. Jungkook zog ihn aber noch schnell an sich, küsste ihn verlangend, bevor er gestattete, dass Taehyung seinem Kaffee näher kam.

„Was willst du haben?“, fragte Jungkook, während sie in der Schlange warteten.

„Schwarzer Kaffee mit Milch und Zitrone und einen nur mit Milch“, antwortete Taehyung leicht abgelenkt. Er war noch damit beschäftigt die ausladenden Sortimentsschilder des kleinen Standes zu lesen. Ohne hinzusehen wusste er, dass Jungkook ihm einen fragenden Blick zuwarf, tat aber weiterhin so, als hätte er diesen nicht bemerkt.

Kaum hatte er seine Getränke erhalten, zögerte er nicht länger. Er hatte heute bereits genug Zeit verschwendet, er hatte noch wichtigere Termine. So scheuchte er Jungkook viel zu früh zu dessen Vorlesung und machte sich selbst auf den Weg. Den Kaffee in der Hand, sein Ziel fest vor Augen.


********



Voller Elan klopfte er gegen die Tür vor seiner Nase, nur leider sehr erfolglos. Obwohl er sich sicher war, dass der Bewohner anwesend war, rührte sich nichts auf der anderen Seite des Holzes. Einer fixen Idee folgend begann er im Rhythmus seines Liedes zu klopfen, Jimin sollte ruhig wissen, wer hier Einlass forderte. Dass er dem Blonden so auch gleich klarmachte, dass aufmachen die einzige Option war, war ein praktischer Nebeneffekt. Denn Taehyung stellte gerade fest, dass der Song auch als Trommelstück gut funktionierte.

Bevor er seinem neuen Hobby jedoch weiter frönen konnte, wurde die Tür auch schon geöffnet. Grinsend schlang er die Arme um den halb Verschlafenen und bemerkte fast zu spät, dass er heißen Kaffee in den Händen hielt.

„Guten Morgen Jimini. Hier für dich“, begrüßte er Jimin munter und drückte ihm den Zitronenkaffee in die Hand. Dieser brummte nur und verschwand Richtung Bett, Taehyung quittierte dies mit einem belustigten Grinsen und zog sich die Schuhe aus. Gesellte sich anschließen zu dem Blonden auf dessen Bett und betrachtete kurz die Vorhänge, die in der frischen Morgenluft wehten.

„Bist du immer so ein Morgenmuffel?“, brach es dann auch schon aus ihm raus. Er konnte nicht anders, kaum sah er den Blonden, war seine gute Laune und seine Unbeschwertheit wieder da und wollte spielen. Jimin wollte wohl noch nicht spielen, lieber erstmal etwas trinken und das tat der auch, sehr langsam und ausgiebig, was Taehyung schier verrückt machte. Konnte der sich bitte beeilen? Nicht dass er es eilig gehabt hätte, aber ihm beim Trinken zugucken befriedigte sein inneres Spielkind gerade gar nicht.

Erst als Jimin ihm anerkennend zunicke und damit seine Leistung würdigte, sich seinen Lieblingskaffee gemerkt zu haben, wurde Taehyung etwas ruhiger.
„Wenn ich so penetrant aus dem Schlaf gerissen werde schon“, bequemte sich Jimin dann endlich mal zum Sprechen. Klang dabei noch etwas verschlafen und Taehyung wäre ihm am Liebsten direkt wieder um den Hals gefallen. Er hatte wirklich eine Leidenschaft dafür entwickelt den Blonden zu knuddeln.

„Dann kann ich also von Glück reden, dass du mich hereingelassen hast“, meinte er, in dem Versuch seine wirren Gedanken zu zügeln und von übergriffigem Verhalten abzuhalten.

„Mehr oder weniger, hätte ich nicht gewusst, dass du es bist hätte ich meine Kopfhörer geschnappt und dich klopfen lassen.“
Wenigstens wurde sein Einfall ein wenig gewürdigt, das war doch schonmal was. Etwas Lob für sein angeschlagenes Ego eben, was Taehyung zufrieden grinsen ließ, während er in Gedanken schon dabei war das folgende Gespräch zu planen, um ja alles zu bedenken was er ansprechen wollte.

„Was verschafft mir die frühe Ehre?“, wollte Jimin schließlich wissen und Taehyungs Zunge war einmal mehr schneller als sein Verstand.

„Ich wollte sehen, wie du verschlafen aussiehst“, sprudelte es aus ihm heraus. Jimins Gesicht war herrlich, so absolut fassungslos und leicht geschockt. Damit hatte der Blonde nicht gerechnet. Taehyung auch nicht, wenn er ehrlich war.

„Und ich muss sagen ich bin schockiert! In der Werbung wird ja immer gezeigt, dass die Menschen toll aussehen, wenn sie gerade aufwachen, wir wissen alle, dass das eine eiskalte Lüge ist und nun beweist du mir das Gegenteil, das ist nicht in Ordnung“, machte er auch direkt weiter, ließ Jimin keine Zeit, um einzuhaken. Schenkte ihm dann noch einen überzeugten Blick und in Jimin schien der Glaube an seinen Verstand zu bröckeln.

„Taeeeee…“ War das Erste, was Jimin gequält über die Lippen brachte, bevor er kurz das Gesicht in den Händen vergrub. Danach widmete er sich lieber wieder seinem Kaffee anstatt seinem Besuch, was dieser sehr unhöflich fand. Das war doch eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Er selbst hatte heute Morgen wie eine lebende Leiche ausgesehen und Jimin sah einfach nur knuffig und ein klein wenig sexy aus. Noch so etwas was er sich zeigen lassen sollte, lag sicher wieder nur am Blick, den wollte er unbedingt lernen.

„Was denn? Ist doch so“, brummelte Taehyung noch vor sich hin, besann sich dann aber. Nippte nochmal an seinem Kaffee und versuchte seine Gedanken nun endgültig in geordnete Bahnen zu bekommen.

„Warum bist du wirklich hier?“, versuchte Jimin es erneut, setzte sich währenddessen in den Schneidersitz und blickte seinen Besuch prüfend an. Dieser musste schlucken, nun kam der unangenehme Teil.

„Um mich zu entschuldigen“, brachte er überraschend leise heraus. Wie er es doch hasste sich entschuldigen zu müssen, dass seine Stimme nun aber auch nicht mitmachen wollte, war etwas zu viel des Guten. „Das gestern war durchaus ernst gemeint, dass ich mal einen Denkzettel für mein Zuspätkommen brauche. Du machst dir die ganze Mühe, nimmst dir die Zeit und ich schaffe es nicht mal pünktlich anzutanzen“, führte er weiter aus, versuchte dabei reumütig zu klingen und schien Erfolg zu haben, Jimin sah auf jeden Fall überzeugt aus. Sehr gut! Dass er das ganze hier nur für den guten Zweck, Jungkook weh zu tun, machte, konnte er dem Blonden ja später irgendwann noch beichten, eventuell…

„Das ist schön, dass du es einsiehst, aber was ändert es an deinem Verhalten?“, stieg Jimin auf das Thema ein und Taehyung kam in Erklärungsnot. Da ihm absolut keine gute Lüge einfiel begnügte er sich mit seinem niedlichsten Blick, der half immer. Garnierte das Ganze noch mit einem verzweifelten Schulterzucken, als er leise murmelte: „Ich mache das nicht mit Absicht.“
Diese Beteuerung rang Jimin nur ein trockenes Lachen ab.

„Wenn ich den Eindruck hätte, wäre ich längst ausgestiegen“, erwiderte Jimin heiter und wuschelte Taehyung freundschaftlich durch die Haare. Zeigte Taehyung damit, dass er mit der Tour durchkam und so machte der munter weiter.

„Ich nehme das Training wirklich ernst, aber ich bin scheinbar chronisch unfähig pünktlich zu kommen“, pflichtete Taehyung bei, was diesmal sogar stimmte. Das Training war ihm wichtig und dass Jimin ihn Trainierte auch.

„Chronisch unfähig pünktlich zu sein. Wurde das schon medizinisch beschrieben?“ Jimin schüttelte lachend den Kopf und wurde dann wieder ernster, auch wenn seine Augen freundlich und verständnisvoll blieben.

„Wenn ich weiß, dass du zwar zu spät kommst, aber voll motiviert auftauchst, kann ich damit arbeiten. Also keine Bange, dass ich aussteige. Immerhin kommt Yoongi immer pünktlich, mit dem kann ich mir dann ja die Wartezeit vertreiben.“ Damit wollte er wohl Taehyung etwas die Angst nehmen, weckte aber nur dessen Neugierde. Aber hallo, was hatte er den da verpasst? Yoongi klang gestern doch noch ganz anders. Taehyungs Augenbraue schoss bei diesen Worten in die Höhe und Jimin wurde ein wenig rot. Deutlicher hätte sich der Blonde nicht verraten können. Sofort begannen die Gedanken in Taehyungs Kopf zu kreisen und neue Pläne zu bilden, als Jimins Stimme ihn unterbrach.

„Nein so meine ich das nicht… ich meine nur, er ist dann halt schon da und… ich…“, stammelte er, mit jedem Wort verlegener werdend.

Aber sicher doch! Und die gesunde Gesichtsfarbe kam nur daher, dass Jimin gestern vergessen hatte das Rouge abzuwaschen. Wenn wollte der Blonde eigentlich gerade mehr verarschen, Taehyung oder doch sich selbst?

„Für 'nur' bist du aber ziemlich rot geworden“, versuchte Taehyung ihn aus der Reserve zu locken und hatte mittleren Erfolg.

Jimin rieb sich ertappt über die verräterische Röte. „Gute Durchblutung“, gab er von sich und versuchte sich hinter seinem Kaffee zu verstecken. Was nichts brachte. Taehyung war fertig mit denken und hatte sich sein weiteres Vorgehen bereits zurechtgelegt.

„Du stehst auf Yoongi.“ Die Tatsache knallte er ihm im neutralen Ton um die Ohren, mit einer Selbstverständlichkeit, mit der Jimin nicht gerechnet hatte. An seinem Kaffee nippend beobachtete er die abwehrende Reaktion des Blonden und musste sich das Lachen verkneifen.

„Ich hab' einen Freund“, wollte Jimin abwiegeln, doch nicht einmal seine eigene Stimme klang vollends überzeugt.

Ja, du hast einen Freund und der würde gerade mich ficken, wenn ich ihn lassen würde, schoss es Taehyung bitter durch den Kopf.

Wut krampfte sich in seinem Magen zusammen und schwer musste er schlucken, um Jimin diese Worte nicht ins Gesicht zu knallen.
„Na und? Das ändert nichts daran, dass du auf ihn stehst.“

„Aber…“, setzte Jimin zum Protest an, Taehyung wurde es jedoch zu bunt. Der Blonde sollte es einsehen, das war besser für sie alle, Jungkook eingeschlossen. Mit einer schnellen Handbewegung ließ er Jimin verstummen und blickte ihn streng an.

„Nichts aber. Du kannst es leugnen aber nicht ändern.“

Stumm erwiderte Taehyung Jimins leicht verzweifelten Blick. Er konnte dem Blonden dabei zusehen, wie dieser mit der Wahrheit rang und sie Häppchenweise zuzulassen schien. Abwartend befasste Taehyung sich mit seinem Becher. Das konnte hier noch dauern, aber er hatte Zeit.

Ein leises Piepen von Jimins Handy brachte dem Gerät einen wütenden Blick seitens Taehyung ein. Das sollte nicht stören, Jimin war doch gerade so schön dabei einzusehen, dass er Yoongi besser fand als Jungkook. Da war eine Unterbrechung das Letzte was Taehyung gebrauchen konnte.
Doch Jimins Reaktion fiel anders als erwartet aus. Nicht nur, dass seine Finger sacht zitterten, als er nach dem Telefon griff, auch seine ganze Haltung verkrampfte sich, als er las.

Beunruhigt zogen sich Taehyungs Augenbrauen zusammen, doch Jimin entspannte sich nicht wieder. Ließ nur das Handy auf die Decke fallen und starrte es weiterhin mit gesenktem Kopf an.

„Jimin?“ Taehyungs Stimme war ruhig mit einer Spur von Angst durchzogen. Irgendetwas stimmte gerade gar nicht. Dass Jimin nicht auf ihn reagierte machte es nur noch schlimmer. Was war los?

„Jimin? Was ist?“ Wieder keine Reaktion. Erst als sich die ersten Tränen über Jimins Wangen Richtung Decke vorarbeiteten, löste sich Taehyung aus seiner Starre. Ohne weiter nachzudenken entwand er Jimins Findern den Pappbecher, welchen diese fast verzweifelt umklammert hielten, stellte ihn auf den Nachtisch und zog den Blonden an sich.

Erst geschah nichts, dann klammerte sich Jimin an ihn, krallte die Finger in sein Shirt und presste das Gesicht gegen seine Brust. Der schmale Rücken wurde vom Schluchzen erschüttert und Taehyung fühlte sich so hilflos wie lange nicht mehr. Er hatte keine Ahnung was Jimin gerade erfahren hatte, aber es musste schlimm sein, wenn der Blonde so zusammenbrach.

Eine kleine Ewigkeit saß er so da, unschlüssig was er tun konnte. Schlang schließlich nur die Arme fester um den Kleineren, gab ihm den Halt, den er zu brauchen schien und strich ihm über den bebenden Rücken. Mehr konnte er nicht tun, außer zu warten und wieder einmal wurde ihm klar, wie sehr er Warten hasste.

Langsam versiegten die Tränen, welche sein Oberteil durchtränkten. Jimin wurde ruhiger, sich von Taehyung lösen wollte er aber dennoch nicht. Schien sich lieber noch etwas an Taehyungs Brust vor der Welt verstecken zu wollen. Das Herz des Älteren schlug besorgt schneller, setzte an, um der Panik Tür und Tor zu öffnen, doch er beherrschte sich. Zaghaft fuhr er Jimin durchs Haar, erhielt aber keine Reaktion.

„Jiminshi“, hauchte er leise und besorgt. Endlich, Jimin reagierte. Die Muskeln des Blonden spannten sich etwas an, drückte ihn sanft von sich und er rieb sich übers Gesicht. Dann blickte er vorsichtig zu dem Größeren und fast sofort zeichnete sich ein schlechtes Gewissen auf seinen Zügen ab.

„Was ist los?“, wollte Taehyung nun endlich wissen. Er war sich sicher, dass die Wahrheit nicht so schlimm sein konnte wie die Dinge, die sich sein Kopf ausgemalt hatte. Er wollte raus aus diesem Gruselkabinett seiner Gedanken, Jimin sollte ihn endlich davon erlösen.

„N-nichts ernstes…“, kam es stockend und unsicher von Jimin.

„So siehst du nicht aus“, kommentierte Taehyung noch immer besorgt. Er wollte wissen was passiert war und keine halbgaren Lügen, die ihn beruhigen sollten. Jimin fing sich immer mehr, lachte sogar kurz auf, auch wenn es gequält klang und wischte sich erstmal die restlichen Tränen von den Wangen, bevor er Taehyungs Blick etwas fester erwiderte.

„Nur eine Absage von meinem Freund… mal wieder… mit der Zeit wird das belastend.“

Noch immer nicht ganz überzeugt nickte Taehyung. Dann sickerte die Information ganz zu ihm durch und ihm wurde klar, dass er nicht ganz unschuldig daran war. Immerhin hatte Jungkook höchst wahrscheinlich abgesagt, da Taehyung seine Zeit verlangt hatte. Er wollte damit erreichen, dass Jimin und Jungkook sich weniger sahen und Yoongi bessere Chancen hatte, aber dass es Jimin so verletzen würde hatte er nicht gedacht. Das wollte er nicht. Nachdenklich kaute er auf seiner Unterlippe herum, überlegte wie er das Beste daraus machen konnte. Zwar widerstrebte es ihm Jimin weiter wehzutun, aber die Gelegenheit war gerade günstig und ohne Tränen würde es so oder so nicht gehen.

„Es tut mir leid, aber das muss ich jetzt rauslassen. Irgendwas mit deinem Freund läuft doch gewaltig schief. Ihr seht euch nur hier und da mal, du redest kaum über ihn, er hat nie Zeit für dich und jetzt so ein Zusammenbruch, wenn er absagt. Du kommst mir nicht wie der wehleidige Typ vor…“, von Zweifeln gepackt unterbrach er sich. Jimin zuckte immer wieder wie unter Schmerzen zusammen und machte ihm das Sprechen schwer.

Schwer schluckend raffte er seine Courage zusammen und machte weiter. Er hatte es begonnen, nun musste er es auch durchziehen.
„Ich will dir nicht weh tun, aber dein Freund behandelt dich scheiße!“, setzte er noch nach und überlegte kurz. Doch Jimins Anblick brachte ihn zum Verstummen. Seine Botschaft war angekommen, alles Weitere wäre unnötige Grausamkeit gewesen.

„Das kannst du nicht beurteilen“, verteidigte Jimin sich mit schwacher Stimme. Versuchte er sich damit selbst zu überzeugen? Bei Taehyung klappte es auf jeden Fall nicht.
„Stimmt. Aber das ist, wie es von außen scheint.“ Wieder zuckte der Blonde zusammen, ließ den Kopf betroffen hängen und machte sich klein. Taehyungs Herz zog sich zusammen, kurz kämpfte er mit seiner Stimme bevor sie ihm wieder das Sprechen erlaubt, klang dennoch gefasst und ruhig.

„Sind wir mal ehrlich. Dass sich dein Freund Zeit für dich nimm, ist ja wohl das Mindeste. Das ist es doch, was man in seiner Beziehung will. Zeit miteinander verbringen, den anderen bei sich haben so viel es geht, weil man sich dort wohl füllt. Wenn man sich nur noch zum Ficken trifft und sich sonst ignoriert ist das keine echte Liebe, das ist Bedürfnisbefriedigung!“ Mit jedem Wort kochte die Wut heißer in ihm. Der kleine Funke, der schon den ganzen Morgen über in seinem Magen wohnte, flammte auf und wuchs unaufhaltsam, als wolle er Taehyung in einem brüllenden Inferno verschlingen. Mit sich selbst überfordert schlang er die Arme um Jimin, drückte ihn beschützend an sich und schützte sich doch bloß selbst. Hielt er sich so doch davon ab etwas sehr, sehr dummes zu tun. Kurz vergrub er die Nase in den weichen blonden Haaren, sog den beruhigenden Duft des Kleineren ein.

Mit aller Beherrschung, die er hatte, ließ er seine Stimme weich und einfühlsam klingen, auch wenn er lieber geschrien hätte. Es hätte ihn verraten und das durfte er nicht.
„Du hast was Besseres verdient“, brachte er leise über die Lippen und drückte sie leicht auf Jimins Schopf, während seine Finger dessen Arm auf und ab geisterten. Erleichtert spürte er, wie Jimin sich gegen ihn legte, ihm genug Vertrauen schenkte, um ihn nicht von sich zu stoßen.

„Jungkook ist perfekt, nur die Umstände machen es schwer. Er kann nichts dafür…“, murmelte Jimin vor sich hin und in Taehyung loderte die Wut wieder auf. Schwer schluckend konzentrierte er sich ganz darauf Jimin weiter behutsam zu streicheln, bis das Gefühl schwächer wurde.

„Schwer zu glauben… erzähl mir doch mal ein bisschen was über euch. Wie gestaltet sich eure Beziehung seid ihr angefangen habt zu studieren?“ Eigentlich wollte er es nicht hören und dann doch wieder. Er war wohl wirklich unter die Masochisten gegangen, aber er wollte verstehen, warum Jimin so sehr an dem Arsch hing. Warum es ihn so fertig machte, wenn dieser keine Zeit für ihn hatte.

Jimins Bericht brachte nicht die erhoffte Erleuchtung, hörte sich eher wie ein Armutszeugnis an und bestätigte Taehyung in seinen Beobachtungen Jungkook betreffend. Gab man dem Jüngeren, was er wollte, spielte er den guten Freund, tat man es nicht, ging er auf Distanz und ließ seinen Freund daran zweifeln, ob er sich auch genug Mühe gab. Jimin war tief in dieser Spirale drin, viel zu tief, um sie selbst zu erkennen. Es war für den Blonden zur Normalität geworden, wie Atmen oder Schlafen, nichts was er hinterfragen würde. Überrascht stellte Taehyung fest wie weh ihm Jimins Worte selbst taten. Obwohl er die Ereignisse nicht selbst erlebt hatte, hörte er doch den Schmerz in Jimins Stimme und konnte spüren, wie dieser sich jedes Mal verkrampfte. Immer wenn dies geschah, drückte er den Blonden beschützend an sich, wollte allen Schmerz von ihm fern halten. Kleine Lichtblicke waren die raren schönen Momente von denen Jimin berichtete. Sie ließen Taehyungs Hand über den Rücken des anderen fahren und auch Jimin entspannt sich in diesen Augenblicken etwas, bevor die schmerzvolle Anspannung all der Enttäuschung zurückkehrte von der Jimin ihm erzählte.

Irgendwann war Jimin still und in Taehyung tobte die Frage, was er hier eigentlich tat. Das einzig Richtige wäre Jimin zu sagen, wer Jungkook wirklich war und ihn aus diesem grausamen Spiel zu erlösen. Alles hier und jetzt zu beenden. Aber er tat es nicht. Warum war ihm nicht ganz klar, aber er zeigte Jimin keines von den Fotos von sich und Jungkook auf denen sie sich küssten, zeigte ihm keine der Nachrichten, die den Jüngeren verraten würden.

„Jungkook kann vielleicht nichts für diese Situation, aber du gehst daran kaputt“, brachte er stattdessen über die Lippen. Jimin schüttelte nur heftig mit dem Kopf, wollte wohl lieber weiter die Augen vor dem Offensichtlichem verschließen.

„Jimin, sei realistisch. Was die Eltern deines Freundes abziehen ist das Letzte, aber es kann doch auch nicht in seinem Interesse sein dich verzweifeln zu sehen.“

„Ich kann ihm deshalb doch nicht einfach den Rücken kehren. Er kann nichts dafür. Das hat er nicht verdient.“

„Deshalb zerbrichst du lieber?“, fast hysterisch stellte Taehyung diese Frage, konnte es nicht glauben und nur mit Mühe ruhig bleiben. Wie gerne er Jimin einfach bei den Schultern gepackt, geschüttelt und angeschrien hätte, bis er aufwachte und sich der Realität stellte. Nur war es dafür noch zu früh, er würde wohl nur das Gegenteil erreichen und Jimin würde ihm den Rücken kehren, sich weiter in seine Illusionen flüchten und sich vor der Erkenntnis verstecken.

Jimin sah ihn nicht an, schüttelte nur immer wieder den Kopf und krampfte die Hände in die Decke. Wirkte so verloren und zerschlagen wie ein ausgesetzter Welpe und Taehyung durfte ihn nicht mitnehmen. Noch einmal atmete dieser tief durch, kämpfte den Impuls nieder Jimin die grausame Wahrheit ins Gesicht zu brüllen. Beherrscht schloss er die Augen und sammelte sich. Er wusste, dass er gehen musste.

„Ich werde gehen, wenn du was brauchst sag Bescheid“, verabschiedete er sich, schaffte es die Worte warm und herzlich klingen zu lassen. Langsam erhob er sich, den Blick auf Jimin gerichtet, welchen dieser nicht erwiderte. Mit einem stummen Seufzen griff er nach seinem Kaffeebecher und verließ das Zimmer.
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