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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
19.04.2021
93
232.491
33
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Dieses Kapitel
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27.04.2020 2.476
 
Zweiter Akt - Fünfte Szene: Hinter der Tür


Süß, knuffig, mieses Timing. Aka Jimin. Seit ihrem Treffen am Samstag wartete Taehyung sehnlichst auf eine Nachricht von dem Kleineren und diese kam ausgerechnet dann, wenn Jungkook sich angekündigt hatte. Auch auf den hatte er Tagelang gewartet und das, obwohl er warten noch immer hasste. Er fand es selbst witzig, dass er das Warten auf Jimin als weit weniger schlimm, wenn auch anstrengender, empfand als das auf Jungkook. Was wohl an den unterschiedlichen Gefühlen zu den beiden lag. Bei Jimin war er aufgeregt und neugierig, bei Jungkook eher verunsichert und verwirrt. Wenn alles gut lief konnte er beides heute ändern. Wenn es richtig mies lief auch…

Es war zum Schreien. So ein Gefühlschaos wie in den letzten Tagen hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht durchstehen müssen. Er war wirklich erleichtert gewesen, als Jungkook ihm gestern schrieb, dass er heute frei hatte und den Tag mit ihm verbringen wollte. Zwar wusste Taehyung noch nicht ganz genau was er mit dem Jüngeren anstellen wollte, aber er würde die Situation mit Jimin aufklären. Irgendwie.

Bevor er dem Blonden antworten konnte schrillte die Klingel durch die WG und Taehyung sprang auf. Er hatte gerade den Flur erreicht, da keifte einer seiner Mitbewohner schon durch die Gegend, dass er ganz sicher nicht aufmachen gehen würde und Besuch unerwünscht sei. Zum Glück würde der Kerl am Ende des Semesters ausziehen, er wäre wohl sonst leider spurlos verschwunden. Auch wenn die anderen beiden Mitbewohner von Taehyung nur zum Schlafen herkamen, hatten auch die bereits genug von dem Meckerhansel und waren durchaus bereit tatkräftig mitzuhelfen, um für Ruhe zu sorgen.

Mit einem breiten Grinsen öffnete Taehyung die Tür und zog Jungkook in die Wohnung. Dieser stolperte überrumpelt einen Schritt voran und lachte erschrocken auf.
„Du hast mich wohl vermisst, was?“, fragte er, während er sich die Schuhe auszog und direkt im Anschluss von Taehyung in sein Zimmer gezogen wurde. Der hatte keine Lust, dass sein meckernder Mitbewohner noch im Flur auftauchte und für schlechte Stimmung sorgte. Davon hatte Taehyung bereits mehr als genug, auf die anderer konnte er verzichten.

Nur Sekunden nach dem sich die Tür geschlossen hatte, schlang Jungkook seinen Arm um Taehyungs Hüfte, drehte ihn zu sich und drückte ihm einen liebevollen Kuss auf die Lippen.
„Hi“, murmelte Taehyung etwas verlegen, kaum dass sich ihre Lippen wieder trennten.
„Hi“, erwiderte Jungkook ebenso leise und küsste ihn erneut. Bewegte seine Lippen zärtlich gegen Taehyungs und zog ihn näher an sich. Dieser ließ ein genießendes Seufzen hören und schlang die Arme um Jungkooks Schultern. Taumelnd beförderte Jungkook sie zum Bett, ließ sich darauf nieder und zog Taehyung auf seinen Schoß, beschlagnahmte seine Lippen erneut, kaum dass er saß.

Schließlich löste sich Taehyung mit sanfter Gewalt von den fordernden Lippen und wurde mit einem unzufriedenen Blick bedacht.
„Guckt nicht so. Wenn wir so weitermachen verbringen wir den ganzen Tag nur im Bett“, meinte Taehyung streng und verkniff sich ein Augenrollen, als er das Glitzern in Jungkooks Augen sah.

„Und das ist schlecht, weil?“, fragte der frech zurück und versuchte erneut Taehyung Lippen einzufangen. Erfolglos, so einfach ließ sich der Ältere nicht einlullen.

„Das war okay, solange das hier noch eine Affäre war. Mit meinem Freund will ich aber mehr machen als nur ficken. Rausgehen und Spaß haben, das Wetter ist herrlich“, führte Taehyung weiter aus und das Glitzern in Jungkooks Augen wurde eine Spur verschlagener.

„Klingt gut, aber der Tag ist doch noch jung“, raunte der, schob seine Hand in Taehyungs Nacken und dirigierte dessen Kopf zu sich, ehe dieser sich wehren konnte. Der folgende Kuss war rau, fordernd und fegte Taehyungs Kopf leer. Dazu noch die vorwitzigen Finger, die seine Wirbelsäule entlang tanzten und ihm wohlige Schauer über den Körper jagten. Jungkook war doch wirklich ein Mistkerl, wusste er einfach viel zu genau, was er tun musste, um von Taehyung zu bekommen, was er wollte.

Dieser gab seinen Widerstand auf und schmiegte sich an den Jüngeren, erwiderte den Kuss nun genauso verlangend und krallte sich in sein T-Shirt. Ein leises Keuchen entkam ihm, als Jungkooks Hand seinen Rücken hinunter zu seinem Hintern wanderte und ihn zu kneten begann. Brachte Taehyung so dazu sein Becken fordernd auf Jungkooks Schoß kreisen zu lassen und entlockte auch ihm damit ein erstes Keuchen. Immer leidenschaftlicher wurden ihre Küsse, Berührungen, fordernder die Hände.

Mit einem unerwarteten Ruck landete Taehyung auf dem Rücken, Jungkook über ihm. Zeit zum Begreifen der Situation hatte er jedoch nicht, Jungkooks Lippen waren wieder da und raubten ihm den Atem, machten ihm das Denken schwer und ließen seine Handlungen automatisch ablaufen.
Keck schlichen sich Taehyungs Finger zu Jungkooks Schritt und begannen diesen ungeniert zu streicheln. Stöhnend löste sich der Jüngere von seinen Lippen und blickte ihn aus verklärten Augen an.
„Ich steh drauf, wenn du so lüstern bist“, raunte er Taehyung entgegen und versiegelte dessen Lippen erneut. Entließ sie aber schnell wieder als Taehyungs Tun ihm ein neues erregtes Stöhnen abverlangte.
„Und ich steh drauf, wenn du auf mich stehst“, gab Taehyung verrucht zurück und funkelte Jungkook sinnlich an. Jungkook schenkte ihm ein wissendes Grinsen und legte seine Lippen auf Taehyungs Hals, verwöhnte diesen und erntete dafür ein zufriedenes Schnurren.

Taehyungs vorwitzige Hand wanderte zurück in Jungkooks Nacken und tastete sich über die weiche Haut den Rücken hinunter. Sehr weit kam er aber nicht, das Klingeln seines Handys ließ sie erschrocken hochfahren. Etwas verwirrt schaute sich Jungkook nach dem Geräusch um, ihm schien nicht klar zu sein, was es war. Was wohl an Taehyungs reichlich eigenen Vorlieben für Klingeltöne liegen mochte. Dieser schubste den verwirrten Jungkook etwas von sich und ging zum Schreibtisch, um das schrille Kreischen des Bohrers auszustellen. Wenn er sich Jungkooks verdatterten Blick so ansah viel ihm gleich wieder ein, warum er sich so über diese grässlichen Klingeltöne gefreut hatte. Leicht vergnügt nahm er den Anruf an und erntete eine Begrüßung mit bestem Sarkasmus und einen fassungslosen Blick von Jungkook. Er schenkte dem Jüngeren nur einen frechen Blick und konzentrierte sich dann auf das Gespräch. Eher das Zuhören, einen sonderlich großen Redeanteil hatte er nicht. Außer ja, nein und aha hatte er wenig zu melden und konnte sich nicht einmal richtig verabschieden, da sein höflicher Anrufer einfach auflegte.

Grübelnd blickte er zu Jungkook, welcher nun lässig auf seinem Bett saß und ihn auffordernd betrachtete. Einfach alles an seiner Haltung machte klar, dass er erwartete, dass Taehyung sich direkt wieder zu ihm gesellen solle und sie da weiter machen würden, wo sie unterbrochen wurden. Es war diese Haltung die Taehyung seine Wahl treffen ließ. Noch wusste er nicht, ob er sie bitter bereuen würde, aber bald würde er es wissen.

„Es tut mir leid Kookie, ich muss los“, meinte er verdrossen und lächelte den Jüngeren schuldbewusst an. Diesem entgleisten für den Bruchteil einer Sekunde die Gesichtszüge, ganz so als könne er es nicht fassen abgelehnt zu werden. Es ging so schnell, dass sich Taehyung hinterher nicht sicher war was er genau gesehen hatte. Dennoch blieb wieder so ein ungutes Gefühl in seiner Magengegend zurück, gesellte sich dort zu den anderen und machte Taehyung das Leben noch etwas schwerer als es eh schon war.

„Das ist nicht dein Ernst“, erwiderte Jungkook um Fassung ringend. Er hatte wohl mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass Taehyung plötzlich einen Termin reinbekam und keine Zeit mehr für ihn hatte. Dazu noch wo sie gerade mitten dabei waren und Jungkook nun ein kleines Problem hatte.

„Doch leider. Es ist für die Prüfungsleistung. Da gab es Probleme mit dem Prof., wenn wir uns nicht gleich darum kümmern fallen wir wohl durch…“, erklärte Taehyung weiter und hatte bereits begonnen seine Sachen zusammenzusuchen. Hinter sich hörte er ein frustriertes Schnauben.

„Der würde euch einfach so durchfallen lassen?“, fragte Jungkook leicht verzweifelt nach. Taehyung konnte hören, wie er vom Bett aufstand und auf ihn zukam. Als er sich umdrehte stand Jungkook vor ihm und blickte ihn fast flehend in die Augen.

„Ohne mit der Wimper zu zucken. Der Kerl ist brillant, aber menschlich gesehen das Letzte. Sorry Kookie, wir hohlen das nach“, antwortete Taehyung fahrig, war mehr mit seiner Tasche als mit Jungkook beschäftigt. Er sah ihm nicht in die Augen, wollte die Bitte darin nicht sehen, er musste los und Jungkook auch und zwar jetzt sofort. Bestimmt griff er nach Jungkooks Arm und zog diesen wieder in den Flur, ließ ihn dort los, um sich die Schuhe anzuziehen. Mit einem resignierten Seufzen schien Jungkook sein Schicksal zu dulden, tat es Taehyung gleich und schlüpfte in seine Schuhe.

„Na gut, was sein muss, muss sein. Sag mir Bescheid, wie es gelaufen ist“, akzeptierte er seine Niederlage und zog Taehyung für einen Abschiedskuss an sich heran, bevor dieser nickte und die Wohnungstür öffnete.

Bereits im Treppenhaus trennten sich ihre Wege. Jungkook ging die Treppe hinunter, Taehyung eilte sie wieder hinauf zum vierten Stock, da er etwas vergessen hatte. Kaum dass Jungkook außer Sichtweite war, hielt Taehyung jedoch an und drehte erneut um, lief leise die Stufen hinab, darauf bedacht, dass Jungkook nichts mitbekam. Auf der letzten Stufe konnte er noch sehen, dass sein Freund gerade das Gebäude verließ und sein Handy in der Hand hielt. Ein flaues Gefühl machte sich in seinem Magen breit, als er dem Jüngeren folgte. Auf der Straße schlug Jungkook den kürzesten Weg Richtung Campus ein und Taehyung hinterher. So unauffällig wie möglich folgte er Jungkook über die Plätze und Wege und schließlich in eines der Wohnheime. Zwar war er noch nie in Jungkooks Wohnung gewesen, aber er war sich sicher, dass diese nicht auf dem Gelände der Uni war, dennoch glaubte er zu wissen, wohin der andere wollte. Das Ziehen im Magen wurde immer schlimmer, mit jedem Schritt, den er tat. Wie betäubt lief er seinem Freund hinterher und fühlte sich schlecht. Er hatte einen Freund instrumentalisiert, damit er seinen Freund anlügen und ausspionieren konnte. In ihrer Beziehung stimmte etwas ganz und gar nicht und das ging nicht nur von Jungkook aus.

Dieser stieg zielstrebig die Treppe ins erste Geschoss hinauf und bog in den linken Gang. Am oberen Ende der Treppe machte Taehyung erstmal eine Pause und versuchte seine Gedanken zu sortieren. Musste aber feststellen, das Stille in ihm herrschte. Da war nichts, keine Neugierde, keine Nervosität, kein Schuldgefühl. Rein gar nichts.

Vorsichtig lugte er um die Ecke und sah Jungkook in dem Gang, weiter weg von ihm, stehen. Die Tür vor ihm wurde geöffnet und Sekunden später war er in dem Zimmer verschwunden. Schwer schluckend tat Taehyung warum er hergekommen war und trat in den Gang, schritt ihn weiter und musste feststellen, dass er nicht genau wusste, durch welche Tür Jungkook verschwunden war. Als er ungefähr an der Stelle des Ganges war, an der der Jüngere gewartet haben musste, wurde er langsamer. Sicherheitshalber blickte er sich prüfen um, stellte erleichtert fest, dass er allein war und begann an den Türen, die infrage kamen, zu lauschen. Bei der Vierten schien er Glück zu haben, ein dumpfer Schlag gegen die Tür war zu hören, ganz so als sei jemand dagegen gedrückt worden.

Fast andächtig legte Taehyung die zitternden Finger an das Holz und sah sich erneut um. Immer noch niemand im Gang, gut so. Das Rauschen in seinen Ohren machte ihn für den Moment taub, er hätte Schritte hinter sich nicht gehört. Kurz schloss er die Augen und versuchte sich zu beruhigen, noch wusste er gar nichts. Doch er wollte es wissen, so sehr es auch wehtun würde, er wollte es wissen. Nach einem weiteren prüfenden Blick, den Gang entlang, presste er sein Ohr an die Tür und versuchte mitzubekommen was dort geschah.

Ganz leise konnte er Stimmen wahrnehmen, was sie sagten, konnte er nicht verstehen. Dann wurde es still, zumindest drang nichts zu ihm auf den Flur. Nervös wartete er. Sekunden schienen zu Stunden zu werden und die Frage, was genau er hier trieb, wurde immer lauter in ihm. Eine Erschütterung der Tür ließ ihn aus seinen Gedanken hochschrecken und jagte ihm einen eisigen Schauer über den Rücken. Eine Mischung aus Angst und Panik machte sich in ihm breit und er wollte sich schon von der Tür entfernen, doch diese öffnete sich nicht. Langsam stieg Übelkeit ihn ihm auf. Er durfte einfach nicht recht haben…

Das dumpfe Keuchen einer hellen Stimme ließ sein Blut gefrieren. Er kannte Jimin noch nicht sehr lange, aber er erkannte seine Stimme selbst durch die Tür, oder bildete es sich zumindest ein. Gedämpfte Stimmen dann ein weiteres, diesmal tieferes Stöhnen. Er hatte keinen Zweifel mehr, das war Jungkook…

Als die Tür begann fast rhythmisch an seiner Wange zu vibrieren, setzte er seine tauben Beine mit aller Willenskraft in Bewegung. Den Gang weiter hinunter bis zur nächsten Abzweigung. Dort sackte er in sich zusammen, lehnte den Rücken gegen die Wand und starrte ins Nichts. Eine einsame Träne rollte ihm über die Wange. Ihm war nicht klar gewesen wie sehr er sich in Jungkook verliebt hatte. Er hatte dem Jüngeren vertraut, warum sollte er auch nicht. Jungkook bekam alles von ihm was er wollte und dennoch betrog er ihn. Die Kälte in seinem Herzen schien ihn ersticken zu wollen, ergriff auch von seinem rebellierenden Magen besitzt und machte alles taub.

Eine Ewigkeit schien er schon in diesem kleinen Seitengang zu hocken, neben einem Getränkeautomaten und einer zurückgelassenen Zimmerpflanze. Genau wusste er es nicht, sein Zeitgefühl war verschwunden, hatte ihn genauso im Stich gelassen wie Jungkook.

Jungkook…

Auch wenn ein Teil von ihm schon erwartet hatte, dass es genauso war, wie es sich herausgestellt hatte, schmerzte es unheimlich. Sein Freund hatte ihm eiskalt ins Gesicht gelogen und ihn sogar direkt danach gefragt, ob sie nicht zusammen sein wollen. Dabei rannte er bei der erst besten Gelegenheit, die sich ihm bot, zu seinem angeblich nervenden Verehrer, von dem er nichts wollte und fickte ihn gegen die Tür. Wut kochte in Taehyung hoch, vertrieb die Kälte und die Übelkeit in seinem Magen flammte wieder auf. Recht hatte sein Magen, Jungkooks Verhalten war einzig und allein zum Kotzen.

Er dachte nicht weiter nach, schnappte sein Handy und schrieb Jimin an. Alles in ihm schrie plötzlich danach Jungkook von ihm wegzubekommen. Jungkook hatte es nicht verdient zu bekommen, was er haben wollte und sollte Jimin wirklich so liebenswert sein, wie er den Anschein erweckte, hatte der es nicht verdient so behandelt zu werden.

Lange musste er warten bis etwas geschah und das war leider keine Antwort des Blonden. Dafür aber wesentlich besser. Eine Tür öffnete sich und als Taehyung vorsichtig um die Ecke lugte konnte er Jungkook den Gang entlang gehen sehen. Nicht mehr so schnell wie auf dem Hinweg, dafür aber wieder mit dem Handy in der Hand. Musste wohl zu Date Nummer drei. Wer der arme Schlucker war, würde Taehyung sich an einem anderen Tag ansehen, für heute hatte er genug.

Fast zumindest. In einem Akt reinen Masochismus schrieb er Jimin erneut an, da dieser sich noch immer nicht gemeldet hatte. Er wollte ihn sehen.
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