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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
12.04.2021
92
230.774
33
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146 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
13.04.2020 2.112
 
Zweiter Akt - Dritte Szene: Latte Macchiato


Lustlos lehnte Taehyung am Tresen und wartete darauf, dass der Kaffeevollautomat neben ihm fertig mit spülen war und er ihn neu bestücken konnte. Als der Anruf mit der Bitte heute auszuhelfen kam, hatte sich Taehyung noch gefreut. Ein wenig extra Geld konnte er immer gebrauchen und etwas zu tun zu haben kam ihm gerade recht. Nur leider war nichts zu tun. Na ja, fast nichts und für dieses fast waren sie zu viele. Was verwunderlich war. Es war Samstag, das Wetter herrlich und ihr Kuchen erste Klasse. Für gewöhnlich war der Laden um diese Zeit voll, nur heute nicht. Sein Chef störte sich nicht daran, sowas kam vor. Manchmal verhielten sich die Gäste eben azyklisch, solange das nicht gehäuft auftrat kein Grund zur Sorge.

Nur ein Grund für Frust bei Taehyung. Er hatte nicht viel zu tun, stand nur hinterm Tresen und war am Putzen, nicht gerade seine Lieblingsaufgabe. Aus lauter Verzweiflung hatte er bereits Jimin angeschrieben und wartete auf eine Reaktion, die aber nicht kam. War ja klar gewesen, der lag wahrscheinlich noch verkatert mit seinem Fang der Nacht im Bett und musste erstmal klar bekommen wo oben und unten war. Warum hatte er dem Blonden auch geschrieben, dass sie sich so früh treffen sollten, er hätte es wissen müssen. Aber nun war es zu spät. Ein 'Falls du noch deinen Rausch ausschlafen musst, treffen wir uns dann und dann' würde er ganz sicher nicht hinterherschicken. Da durfte sich Jimin schon melden.

Er bezweifelte eh, dass der Kleinere auftauchen würde, Kater hin oder her. Gestern im Club mochte es die Stimmung der Umgebung gewesen sein, aber jetzt so im Tageslicht, hatte Jimin nicht den Eindruck auf ihn gemacht großes Interesse an ihm zu haben. Sein Versuch ihn anzugraben war doch eher dürftig gewesen und war abgebrochen, sobald Taehyung scheinbar unerwartet reagiert hatte. Anders konnte er den plötzlichen Gesinnungswechsel des Kleineren kaum interpretieren. Lediglich eine alternative Interpretationsmöglichkeit blieb da noch und die verursachte ihm schlechte Laune.

Jungkook hatte gelogen.

Zwischen Jimin und Jungkook lief etwas, was weit über einseitige Bewunderung hinausging. Nichts anderes ließ ihn Jimins Hintergrundbild vermuten. Jungkooks Blick auf diesem Bild war voller Faszination und zärtlicher Liebe gewesen. Kein Blick den man einem Schulfreund oder dem Sohn von Freunden der Eltern einfach so zuwarf. Eine Restchance blieb, dass er im Halbdunkeln und unter Alkoholeinfluss das Bild nicht richtig wahrgenommen hatte und sich etwas einbildete, aber wirklich glauben konnte er es nicht.

Es war zum Schreien und Jungkook nicht zu erreichen. Wie gerne hätte er den Jüngeren darauf angesprochen, aber nichts war. Nur eine kurze Nachricht, dass er heute keine Zeit hatte und sich bei Taehyung so schnell er konnte melden würde. Elender Streber.

Seine andere Ablenkung vom Herumstehen und nichts Tun ließ sich auch nicht blicken. Er hatte ein Treffen hier im Café in gut zehn Minuten angesetzt, aber von einem Blondschopf fehlte jede Spur. Noch einmal ließ er seinen Blick prüfend über die Gäste gleiten, fand Jimin aber nicht und wunderte sich nicht weiter. Er hatte keine Antwort erhalten, warum sollte der Kleinere also hier auftauchen. Schade, er hätte sich so gerne noch etwas mit ihm unterhalten.

Artig arbeitete er die Bestellungen ab, die seine Kollegen ihm durchgaben, wenn er schon neben der Kaffeemaschine stand konnte er sich auch um die Heißgetränke kümmern. Das machte zwar sonst jeder selbst, aber wenn sie schonmal den Luxus von unterbeschäftigten Mitarbeitern hatten, konnte man den ja auch nutzen. So hatte Taehyung wenigstens auch hin und wieder etwas zu tun und vergaß mal kurz die Uhr. Aber leider wirklich nur kurz. Die angegebene Zeit war längst vorbei und Jimin hatte sich noch immer nicht gemeldet oder blicken lassen, eigentlich war das deutlich, aber Taehyung wollte nicht so schnell aufgeben.

Flugs zückte er sein Handy und tippte: >Wo bleibst du?<
Während er auf eine Antwort wartete ließ er seinen Blick wieder über die Gäste gleiten und sah einen nach seinem Handy greifen und schreiben. Etwas verwirrt schaute er genauer hin und traute seinen Augen nicht.

Frechheit!
So nicht Kleiner!
Erst wild und sexy daherkommen und nun einen auf süßes Schmusehäschen machen! Wo kommen wir den dahin? Entscheide dich gefälligst.

In dem zu großen Pullover versank Jimin fast und versteckte seine schmale Silhouette perfekt. Sein zweites Merkmal, die blondierten Haare, hatte er unter einer Mütze geparkt und dazu noch eine Brille auf der Nase. Das war unfair. Wie sollte Taehyung ihn denn da erkennen können.

Taehyungs Handy klingelte und die ausgemachte Person schaute sich verdattert um. Auch wenn er wusste, was auf dem Display zusehen sein würde schaute er nach.

> Ich warte seit 30 Minuten, wo bleibst du? <
> Oh… hab dich gar nicht erkannt, upsi. Bin gleich da <3 <, schrieb er schnell zurück und machte sich auf den Weg zur Kuchentheke. Da er mal wieder seine zwanzig Minuten, Jimin sollte nicht so übertreiben, eingehalten hatte, musste Entschädigung her. Mit einem breiten Grinsen ging er zu seiner Verabredung herüber und der sah ihn an, als hätte er ein Brett vorm Kopf gehabt. Schön zu wissen, dass er ihn auch übersehen hatte.

„Sorry, ich hatte nicht mit einem so niedlichen Tarnlook gerechnet“, erklärte Taehyung ehrlich und konnte es sich nicht verkneifen den Kleineren zu umarmen. Zum einen, weil er einfach so knuddelig aussah, zum anderen, weil er wirklich froh war nun etwas Beschäftigung zu bekommen.

„Tarnlook?“, kam es verwirrt zurück und machte Taehyung klar, dass Jimin wohl öfters so rumlief. Gut zu wissen, wohl einer der Gründe warum er ihn in den letzten Tagen nicht gesehen hatte. Er hatte nach dem falschen Kleidungsstil Ausschau gehalten.
„Nach deinem Outfit gestern hatte ich bei dir mit einem anderen Stil gerechnet.“

„Möchtest du noch einen?“ Taehyungs geübtes Auge hatte natürlich sofort das leere Glas erspäht und beschlossen das ein neuer Latte hermusste. Der passte immerhin hervorragend zum Kuchen. Jimin nickte noch formhalber und der Größere war wieder hinter dem Tresen verschwunden, machte ihnen Getränke und sagte seinem Chef nebenbei, dass er kurz Pause machte.

Zurück bei seinem Gast ließ er es sich nicht nehmen erst ein Stück des Kuchens zu probieren, bevor er sich überlegte, was er denn nun alles von Jimin wissen wollte. Da war so vieles, aber er wollte auch nicht mit der Tür ins Haus fallen, dann würde er sicher rein gar nichts erfahren. Also immer schön sachte und freundlich bleiben.

„Ist das eine Dekobrille?“ War das Erste, was ihm einfiel und dennoch die Frage, die ihm gerade am meisten auf der Zunge brannte. Jimin sah durch die Brille einfach viel zu niedlich aus, er wollte auch.

„Nein“, kam es zurück und Taehyung glaubte ihm nicht ganz. Wer kaufte sich den so eine süße Brille? Brillen zum Gucken sahen doch immer furchtbar aus. Auffordernd streckte er Jimin die Hand entgegen und dieser reichte ihm brav die Lesehilfe. Kaum auf der eigenen Nase musste er einige Male blinzeln und hatte Mühe scharf zu sehen.

„Hm, ich sehe ganzschön verschwommen. Steht mir die?“ In den Spiegel brauchte er nicht schauen, da sähe er sich eh nicht richtig. War wohl auch besser so, Jimins Blick ließ auf keine positive Antwort dieser Frage hoffen.

„Nein, sie passt nicht zu deiner Gesichtsform“, fand Jimin problemlos die richtigen Worte, um seine Brille zurückzubekommen.

„Schade. Ich hatte gehofft, ich sehe dann genauso süß aus wie du“, maulte er etwas. Lag alles an Jimins Brille, diesem gemeinem Teil, welches sich nun ganz unschuldig an Jimins Gesicht schmiegte und toll aussah.

„Süß wird bei dir wohl schwer. Du gehst eher Richtung Model, mit deinen markanten Gesichtszügen“, resümierte Jimin und Taehyung wurde hellhörig. War das nur eine ehrliche Meinung oder wollte Jimin doch mehr erreichen? Die Miene des Kleineren schien lediglich nachdenklich. Er meinte es entweder ernst oder er war ein echt verdammt guter Schauspieler.

„Oh, danke, mehr davon bitte“, sprang er direkt auf den Zug auf und stopfte sich im nächsten Moment selbst das Maul, mit Kuchen wohlgemerkt. Das Thema wurde heikel, sein Kopf wollte Sätze loswerden, für die es noch zu früh war. Also lieber schnell etwas essen, damit er nicht noch das Falsche sagte.
Zufrieden betrachtete er Jimin dabei wie er seine zart rosa Wangen hinter dem Kaffee verbergen wollte und schließlich selbst aß, wohl auch in dem Versuch sich selbst zum Schweigen zu bringen.

„Sag mal Jimin, hast du einen Freund?“, konnte Taehyung dann doch nicht mehr an sich halten. Soviel zu, nicht mit der Tür ins Haus fallen. Es war ja nicht die Tür, es war gleich die ganze Wand. Jimin nahm es gelassen, nickte nur und aß weiter. Keine Frage, die ihn verunsicherte, er schien sich sogar darüber zu freuen. Warum nur? Wollte er angeben oder einfach nur klarmachen, dass er nichts von Taehyung wollte? Gut, wenn das so ist dann mal weiter. Was bist du noch bereit auszuplaudern, Kleiner?

„Wie lange seit ihr schon zusammen?“

„Seit ein paar Jahren“, kam es nicht mehr ganz so entspannt über Jimins Lippen. Weil es gelogen war? Taehyungs Magen krampfte sich zusammen, er spürte, wie er Jimin anstarrte. Nicht gut, er sollte aufpassen, es driftete gerade in eine gefährliche Richtung ab.

„Der Typ deines Handyhintergrunds?“, wollte Taehyung nun die Bestätigung, die er eigentlich nicht brauchte, aber etwas in Jimins Verhalten machte ihn Nachdenklich. Wenn die beiden offiziell ein Paar waren, warum wurde Jimin dann unsicher, wenn er darüber sprach?

„Ja. Wobei soll ich dir denn nun eigentlich helfen? Ich platze gleich vor Spannung“, versuchte Jimin das Thema zu wechseln. Eine gute Idee wie Taehyung fand. Er hatte erstmal genug zum drüber nachdenken bekommen, also ran an das was wirklich wichtig war.

„Ach stimmt, das habe ich dir ja noch gar nicht verraten“, stimmte er der neuen Richtung des Gesprächs zu und lächelte Jimin aufgeregt an, was diesen dazu brachte sich wieder etwas zu entspannen.

Mit einem leicht herausfordernden Blick fixierte er Jimin und überlegte kurz, wie er es am besten erklären konnte. „Also Jiminshi, du als Tänzer kannst mir doch sicher helfen eine kleine Choreografie für ein Lied zu entwickeln.“ Er klang etwas zuversichtlicher, als er selbst erwartet hatte. Seine eigene Idee fand er noch immer genial und mit professioneller Unterstützung würde er Yoongis Protest endlich zum Verstummen bekommen. Er merkte gar nicht richtig, wie erwartend sein Blick geworden war, sein Lächeln zeigte nichts als Überzeugung.

„Erzähl mir mehr“, ging Jimin artig auf seine Aufforderung ein und verputzte ganz nebenbei den Kuchen.

„Es ist für eine Prüfungsleistung. Ich habe mit einem Kommilitonen ein Lied geschrieben, das ist der eine Teil, die Präsentation der andere. Er spielt Klavier, ich singe und möchte das Ganze mit einer kleinen Schrittfolge abrunden, nur starr am Mikro kleben ist zu langweilig“, erklärte Taehyung und beobachtete hochzufrieden wie es in Jimin zu arbeiten begann. Der dezente Glanz in Jimins Augen machte ihn ganz hibbelig, sah nach Begeisterung und einer ersten Idee aus.

„Ich muss den Song hören, dann kann ich dir sagen, ob ich da weiterhelfen kann“, grübelte Jimin schon tief in Gedanken.

„Hast du jetzt noch Zeit oder bist du verabredet?“, fragte Taehyung und wollte gleich Nägel mit Köpfen machen. Er war zurzeit so wankelmütig, was sein Gegenüber anging, dass er seine positive Stimmung nutzen wollte, solange er sie hatte. Sie kannten sich offiziell seit nicht mal 12 Stunden und der Kleinere löste schon eine solche Verwirrung in ihm aus, das konnte ja eine heitere Bekanntschaft werden.

„Ich habe eigentlich ein heißes Date. Aber mein Schreibtisch ist es schon gewohnt, dass ich ihn versetze“, scherzte Jimin als Antwort und nichts hielt Taehyung mehr auf seinem Stuhl.

„Wunderbar. Pass bitte auf meinen Kuchen auf, ich bin gleich wieder da“, meinte Taehyung noch auf dem Weg hinter den Tresen und zückte sein Telefon. Zwar musste er es sehr lange klingeln lassen und wurde mit einer Morddrohung begrüßt, aber das konnte seiner guten Laune keinen Abbruch tun. Ohne darauf einzugehen orderte er seinen Projektpartner in den Probenraum und steuerte seinen Chef an. Dieser hatte, wie erwartet, wenig dagegen, dass er für heute Feierabend machte. Noch ein kurzer Schlenker in die Umkleide und dann ging es zurück zu Jimin, welcher vor einem leeren Teller saß und auf ihn wartete, wenigstens hatte er wie verlangt auf Taehyungs Stück aufgepasst. Der Junge schien Potenzial zu haben, beschloss Taehyung als er sich wieder setzte.

„Wir müssen uns noch kurz gedulden, dann können wir rüber ins Studio und uns den Song anhören“, informierte er Jimin noch schnell und vertilgte seinen Kuchen in fachgerechten drei Bissen.

„Du kannst jetzt einfach Feierabend machen?“

„Es ist ja nicht viel los und ich war eh nur aushilfsmäßig da“, winkte Taehyung ab, leerte seinen Kaffee und sprang förmlich von seinem Stuhl auf. Genug geredet sie hatten eine Mission zu erfüllen: Den grummeligen Yoongi-Drachen besiegen!
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