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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
41
Alle Kapitel
165 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
05.08.2019 2.064
 
Erster Akt - Vierte Szene: Das Klavier


Ohne Umschweife hatte Taehyung Jimin am Arm gepackt und aus dem Café gezogen. Die Aufregung war ihm anzusehen und Jimin ließ ihm den Spaß, als er so tat, als wüsste Jimin nicht wohin sie mussten. Wo der Musikbereich der Uni sich befand, war ihm klar, erst im Gebäude war er auf Taehyung angewiesen. Dort ließ dieser seinen Arm wieder los und sie schlenderten nebeneinander die leeren Gänge entlang. Hin und wieder hörte man jemanden üben oder Musik aus irgendeiner Richtung schallen, aber viel war nicht los. Was an einem sonnigen Samstag auch nicht verwunderlich war. Selbst die fleißigsten Studenten würden ihre Übungsstunde heute ins Freie verlegen.

In einem der Flure blieb Taehyung vor einer scheinbar zufällig ausgewählten Tür stehen und blickte Jimin auffordernd an. Winkte ihn etwas näher zu sich, als dieser ebenfalls stehen blieb und ihn abwartend betrachtete.

„Willst du etwas zum Lachen haben?“, fragte der Größere verschwörerisch und Jimin hob interessiert eine Augenbraue.

„Brauchst nur leise sein und die Show genießen“, erklärte ihm Taehyung, mit dem Grinsen eines Kindes, das gleich einen Keks aus Mamas Vorrat klauen wird. Jimin nickte zustimmend und wollte auch einen Keks haben, der Kuchen reichte eindeutig nicht aus.

Geräuschlos öffnete Taehyung die Tür einen Spalt, spähte hindurch und zog sie dann ganz auf. Auf leisen Sohlen betrat er den Raum, winkte Jimin hinter sich her und bedeutete ihm dann an der Tür zu warten. In dem Raum lief ein junger Mann auf und ab, die Hände in den Hosentaschen vergraben schien er ganz in die Musik, die aus seinen Kopfhörern drang, vertieft zu sein. Er hatte den Kopf leicht gesenkt, betrachtete beim Laufen seine Schuhe. Sein Gesicht wurde zum Teil von seinen rotbraun gefärbten Haaren verdeckt, wirkte aber sehr fein geschnitten. Jimin bedauerte es etwas, dass er es nicht sehen konnte, er wüsste zu gerne, wie der Laufende aussah.

Taehyung hatte sich derweilen weiter in den Raum geschlichen und war hinter dem Mann angekommen, doch anstatt auf sich aufmerksam zu machen lief er lieber hinter dem anderen her. Nach zwei Runden wurde ihm das zu langweilig und er begann Faxen zu machen, brachte Jimin damit immer wieder zum Lachen. Irgendwann schien das auch der dritten Person, trotz der Musik, aufzufallen, denn er hob den Blick vom Boden zu Jimin und zuckte leicht zusammen, als er ihn sah. Eine konkrete Reaktion auf Jimin blieb jedoch aus, da Taehyung ihm in diesem Moment die Hände an die Hüfte legte, der junge Mann mit einem spitzen Schrei einen kleinen Satz nach vorne machte und sich mit wehenden Haaren umdrehte. Sein Angreifer lachte sich derweil bereits kaputt und bekam eine Kopfnuss verpasst.

„Warum habe ich mich bloß auf eine Zusammenarbeit mit dir eingelassen?“, fragte er Taehyung leicht genervt. Schüttelte dabei den Kopf über dieses kindische Verhalten, wartete ab, bis sich der Jüngere endlich wieder beruhigt hatte und nahm die Kopfhörer ab.

„Weil du mich magst und weißt, dass ich gut bin, Hyung“, gluckste Taehyung zur Antwort und fiel dem Älteren zur Begrüßung um den Hals. Taehyung hatte dabei so viel Schwung drauf, dass sie sich zu Jimin drehten und dieser noch kurz den missfallend verzogenen Mund das Älteren sehen konnte.

„Rechtfertigt nicht, dass du mich am Samstag um die Uhrzeit herbestellst, mich warten lässt und dann auch noch erschreckst“, befand der Umarmte und machte sich schließlich los, als Taehyung ihn nicht wieder gehen lassen wollte. Dann drehte er sich ganz zu Jimin und musterte ihn mit einem unglücklichen Ausdruck in den Augen. Ein Schauer rollte über Jimins Körper bei diesem Blick. Die Augen seines Gegenübers hatten so viel Ausdruck, dass sie ihn schier erschlugen, wirkten dabei aber auch seltsam desinteressiert.

„Ich halte das für keine gute Idee“, kommentierte er dann Jimins Anblick und drehte sich wieder zu Taehyung.

Bitte? Er sah ihn an, sprach nicht mal mit ihm und tat dann so als wäre er gar nicht da? Höflichkeit schien nicht gerade die Stärke von Taehyungs Hyung zu sein. Jimin fühlte sich seltsam beleidigt, obwohl er sonst auf die Meinung von Fremden wenig Wert legte.

„Das tust du öfters und hinterher musst du dann einsehen, dass es doch eine war“, gab Taehyung grinsend zurück und erwiderte den Blick seines Hyung herausfordernd. Stille trat ein, in der die Beiden sich ein Blickduell lieferten. Jimin stand währenddessen noch immer neben der Tür und wusste nicht, was er tun sollte. Das Verhalten des Fremden ließ in ihm den Wunsch aufkommen wieder zu gehen, aber Taehyungs Enthusiasmus veranlasste ihn bleiben zu wollen.

Seufzend lehnte er sich gegen die Wand und musterte das Schauspiel vor sich stumm, bis es ihm zu Bunt wurde.
„Jetzt entscheidet euch mal. Entweder wir versuchen es oder ich gehe. Euch beim Anstarren zu beobachten ist auf Dauer nicht sehr spannend“, versuchte er etwas Leben in die Unterhaltung zu bringen. Mit mäßigem Erfolg, Taehyung grinste ihn siegessicher an, der andere schnaubte nur genervt und drehte sich weg.

„Genau Yoongi, es geht hier doch nur um einen Versuch, du musst ja nicht gleich deinen Erstgeborenen verkaufen“, pflichtete Taehyung Jimin bei und erhielt ebenfalls ein genervtes Schnauben. Die schien es heute im Sonderangebot zu geben.

„Ist ja schon gut. Aber wehe du verhaust den Gesang nur, weil du rumhampeln musst, dann mache ich dich kalt“, warnte Yoongi den Jüngeren mit einem strengen Blick, bekam zur Antwort aber nur ein Luftküsschen zugeworfen. Jimin schüttelte kichernd den Kopf, die Zwei waren echt goldig.

„Ach übrigens, bevor ich es vergesse und die Höflichkeit hier noch Selbstmord begeht, Jimin das ist Yoongi. Yoongi das ist Jimin, er studiert Tanz und wird das sicher hinbekommen“, holte Taehyung die lange überfällige Begrüßung nach. Die beiden Benannten nickten sich kurz zu und Yoongi machte sich weiter an der Musikanlage im hinteren Teil des Raumes zu schaffen.

„Gut… Jimin… dann hör es dir an und lass dir was Grandioses einfallen.“ Yoongis Stimme machte klar, dass ihm das alles rein gar nicht gefiel. Besonders wie er seinen Namen betonte, gab Jimin das Gefühl die aller schlechteste Wahl zu sein. Ein Blick zu Taehyung machte ihm aber klar, dass Yoongi wohl genau das beabsichtigt hatte, denn dieser verdrehte nur die Augen und streckte dem Älteren die Zunge raus. Dann zog er Jimin mit sich zu einem kleinen Sofa und setzte sich.

Yoongi blickte noch einmal flüchtig zu ihnen, ob er auch die volle Aufmerksamkeit hatte und drückte dann auf Play. Die ersten sanften Töne eines Klaviers erklangen, leiteten das Lied ruhig und harmonisch ein. Dann setzte Taehyungs tiefe, fast rauchige Stimme ein und harmonierte perfekt zu dem Klang des Klaviers. Das Lied war ruhig und etwas getragen, hatte viel von einer Soulnummer und dann wieder auch nicht. Es nahm Jimin vollkommen gefangen, wie es ruhig dahinfloss und ihn immer weiter in die Tiefen des clever geschriebenen Textes zog.

Als die letzten Töne verklungen waren, konnte er den abwartenden Blick von Yoongi auf sich spüren. Nachdenklich schaute er auf und traf direkt auf Yoongis durchdringende Augen. „Kann ich es nochmal hören?“, frage er ruhig und das Lied begann von vorn.

Dieses Mal achtete er mehr auf die Melodie, den Rhythmus und die Wirkung, die es auf ihn hatte. Wie er sich schon gedacht hatte, war es etwas Elegantes, etwas geheimnisvoll und ein wenig traurig. In seinem Kopf formten sich erste Ideen, wie man das auf der Bühne ausdrücken könnte. Dann war die Musik wieder vorbei.

Tief in Gedanken lehnte er sich zurück und starrte an die Decke, ging wieder und wieder durch was ihm durch den Kopf geschossen war. Taehyung schien das zu lange zu dauern, dieser umfasste schließlich neugierig seinen Arm und wollte wieder Aufmerksamkeit. Jimin ließ sich davon aber nicht stören und betrachtete lieber weiter die Decke.

„Nun sag schon, was denkst du? Da kannst du was machen, oder?“, sprudelte es schließlich aus Taehyung heraus, während er energisch an Jimins Arm zog und rüttelte. Dieser ließ seine Schulter locker hängen, um das Gezerre nicht durch seinen ganzen Körper wandern zu lassen.

„Das Lied ist wirklich schön und man kann da sicher eine Menge mit machen, um es auf der Bühne umzusetzen, aber…“, grübelte Jimin vor sich hin, brach dann doch noch ab, als ihm seine eigenen Gedanken klar wurden.

„Aber was?“, verlangte Taehyung sofort zu wissen.

Gut, war er selbst schuld, wenn er Jimin keine Zeit gab eine nette Formulierung zu finden. Musste er eben mit der ungeschönten Wahrheit leben.

„… es wird nicht so leicht etwas zu entwickeln, was du umsetzen kannst“, beendete er den Satz und die Finger an seinem Arm verschwanden. Taehyung schnappte beleidigt nach Luft, während von Yoongi ein belustigtes Schnauben zu hören war.

„Sehr gut! Tae, hör auf ihn. Du bist einfach zu schlecht dafür. Wir sollten das lassen“, stieß Yoongi auch gleich in die frisch geschlagene Wunde in Taehyungs Ego. Ihm schien das Vorhaben 'Tanzschritte' wirklich nicht zu gefallen.

„So hat er das doch gar nicht gemeint!“, motzte der Angesprochene zurück und sah Jimin nun leicht flehend und dazu noch fordernd an.

„Naja, schon. Die Prüfungen sind sicher bald und ich habe bisher nur Choreografien entworfen, bei denen der Tänzer nicht singen musste. Bei dem Stück muss man aber sehr drauf achten, dass dir nicht die Luft ausgeht. Dazu ist dein Rhythmusgefühl zwar beim Singen da aber beim Tanzen nur bedingt. Was ich damit sagen will ist, möglich ist es, erwarte aber nicht zu viel. Weit weg vom Mikrofonständer wirst du nicht kommen“, fasste Jimin seine Gedanken in Worte und verpasste Taehyung damit einen gehörigen Dämpfer. Dieser schien sich bereits in die Idee verliebt zu haben eine große Tanznummer aufs Paket zu legen.

Wenigstens Yoongis Laune schien sich gebessert zu haben. Ob es daran lag, dass Taehyung in seine Schranken verwiesen worden war, oder daran, dass Jimin seine Bedenken verstand und berücksichtigte war nicht zu erkennen.

„Kannst du mir das Lied geben, dann kann ich mir in Ruhe Gedanken machen und etwas rumprobieren?“, machte Jimin auch direkt klar, dass er das Ganze nicht für aussichtslos hielt. Er wollte aber vermeiden, dass Taehyung sonst was erwartete, besser mehr bieten als erwartet, als andersherum. Im Zweifel wäre es wohl immer noch besser es ganz zu lassen, um den Gesang nicht zu gefährden.

Über Taehyungs Gesicht glitt ein zufriedenes Grinsen, als er Jimin um den Hals fiel und seinen Blick zu Yoongi richtete.

„Meister der Dateien, hier bis du gefragt“, befahl er mehr als dass er bat. Yoongi hob nur skeptisch eine Augenbraue.

„Ich weiß ja nicht…“, begann dieser, kam aber nicht weit.

„Wie, 'Du weißt ja nicht'? Das ist unser gemeinsames Projekt, also kann ich mitbestimmen, wer die Datei bekommt. Jetzt sei nicht immer so paranoid, als würde uns jemand den Song klauen wollen!“, fauchte Taehyung den Älteren direkt an. Sie schienen dieses Thema schon öfters gehabt zu haben, denn Yoongis Miene wurde sofort hart, sein Blick ernst.

„Ich bin nicht paranoid nur vorsichtig. Ich gebe meine Werke halt nicht gerne an Wildfremde“, erwiderte Yoongi betont ruhig und starrte Taehyung dabei fast nieder.

„Aber Jimin ist doch kein Wildfremder!“, entgegnete Taehyung und kassierte dafür nicht nur von Yoongi einen skeptischen Blick. Er kannte Jimin immerhin nicht einmal vierundzwanzig Stunden, ihn da nicht als Wildfremden zu bezeichnen war wirklich naiv.

„Ach echt? Das glaubt nicht mal er dir. Wie lange kennst du ihn denn schon?“, fragte Yoongi mit einem verschlagenen Grinsen nach, hatte er an Jimins Blick doch alles gesehen, was er wissen musste. Taehyung wollte direkt zu einer Antwort ansetzen, verschluckte sich dann aber an seinen eigenen Worten und musste husten.

Seit gestern Abend. Habe ihn im Club angegraben und etwas mit ihm getanzt, bis er mich hat abblitzen lassen, war nun auch wirklich nicht die vertrauenerweckendste Erklärung die Taehyung hätte abgeben können.

„Nicht sehr lang. Aber ich würde euch wirklich gerne helfen, nur ohne die Musik geht da nichts“, bereinigte Jimin schließlich die Situation. Er hatte wirklich keine Lust Yoongi eine jahrelange Freundschaft mit Taehyung vorzulügen, auch wenn dieser ihn gerade etwas sauer anstarrte. Yoongi hingegen nickte zufrieden, hatte er doch den richtigen Riecher gehabt.

„Ich kann dir ein Instrumental geben, mehr nicht. Das sollte für dich reichen. Wenn nicht ist das Ganze halt gestorben“, gab sich Yoongi kompromissbereit und Taehyung setzte direkt an, um einen Einwand vorzutragen. Jimin war schneller, er nickte einfach nur und hielt Taehyung damit von weiteren Streitereien ab. Dieser lehnte sich endlich etwas entspannter zurück, als er sah, wie Yoongi zufrieden nickte und er somit zumindest einen Teil seines Willens bekommen hatte.
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