Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
19.04.2021
93
232.491
33
Alle Kapitel
148 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.04.2020 3.561
 
Zweiter Akt - Zweite Szene: Spot On


Es war zum Verzweifeln. Anders konnte Taehyung die Situation nicht mehr beschreiben. Zum Verzweifeln, Schreien und Dinge gegen die Wand werfen, wenn man es genau nahm. Aber als Kurzform blieb zum Verzweifeln übrig.

Er hatte Gedanken gewälzt und hin und her überlegt, aber sein Magen hatte gewonnen. Haushoch ohne Gegenwehr seines Kopfes und mit nörgelnder Gegenwehr seines Herzens. Dem wurde aber kurzerhand der Mund verboten. Es stand zwei zu eins, das hatte auch sein Herz zu akzeptieren, immerhin lebte sie im demokratischen Taehyung.

Das, was Jungkook ihm gesagt hatte, passte irgendwie nicht zu dem, was er gesehen hatte. Irgendwo schon aber dann wieder auch nicht und das machte ihn fertig. Irgendetwas stimmte nicht. Es war ein Detail, eine winzige Kleinigkeit, die ihm nicht genau bekannt war, die man nur ihm Augenwinkel sah und die mit der Zeit Übelkeit in einem aufsteigen ließ, da man es nicht schaffte sie zu fassen. Er suchte und suchte nach dieser Kleinigkeit und fand sie einfach nicht. Nur war sie da, das wusste er ganz sicher.

Es war dieses unbekannte Detail, welches ihn seine Entscheidung bereuen ließ. Warum hatte er Ja gesagt? Weil er vor Freude übergesprudelt war, endlich die Worte zu hören, die er seit fast einem Monat hatte hören wollen? Schien so. Mit etwas Abstand zu der Situation und von Jungkook verstand er nicht mehr, warum er zugestimmt hatte. Verstand er nicht mehr, wie er sich so hatte freuen können. Jungkook so vertrauen können. Es machte ihn rasend. Dieses verdammte Detail, welches er nicht fand und ihn umtrieb. Ihn zwischen Vertrauen und Zweifel schwankend, untätig zurückließ.

Seit diesem Nachmittag hatte er Jungkook einmal kurz auf einen Kaffee gesehen, ansonsten hatte der keine Zeit gehabt und Taehyung war froh darüber gewesen. Er musste für sich klären, wie er mit seinem Wissen umgehen wollte, erst dann würde er nochmal mit Jungkook sprechen. Solange er dieses verteufelte Detail nicht ausgemacht hatte, würde der Jüngere ihn schlicht für verrückt halten und nicht verstehen was sein Problem war. Wie denn auch, wenn er es selbst nicht so recht konnte. Ja, da ist irgendwas, was dich unglaubwürdig macht. Was das ist, kann ich nicht sagen, aber es ist da, ganz sicher. Großartige Erklärung. Sein Platz in der Klapse wäre ihm sicher.

Entnervt stapfte er die Straße weiter entlang, immer der Ecke entgegen, an der er sich mit seinen Freunden treffen wollte. Heute würde er feiern gehen. Trinken, tanzen, Spaß haben. Das beste Mittel gegen Frust! Auch wenn es wieder den Konflikt in ihm auslöste, ob er sich freuen oder es bedauern sollte, dass Jungkook nicht mitkommen konnte. Er beschloss es zu ignorieren, seine neue Beziehung hatte schon so kompliziert begonnen und ihn in diesen wenigen Tagen so viele Nerven gekostet, dass er einfach mal abschalten wollte.

Weiter kam er mit Grübeln auch nicht, hatte er doch die Ecke erreicht und seine Freunde begrüßten ihn, manche lachend, andere grummelnd. Er schloss sich den Grummelnden an, als sie ihm erzählten, dass ihre Gemütslagen aus einem Gespräch stammten, in dem es um seine Zuverlässigkeit ging. Die Grummelnden waren pünktlich gewesen, die Lachenden hatten die 20 Tae-Minuten eingehalten und waren erst kurz vor dem Letzten der Runde eingetroffen. Dass sie schon eine feste Verspätungszeit nach ihm benannt hatten, fand er mehr als unhöflich, er machte das ja nicht mit Absicht! Aber ohne Schuhe war es ihm dann doch zu kühl gewesen, daher musste er nochmal zurück. Alles die Schuld seiner tollen Haare, die hatten einfach so gut ausgesehen, dass er alles andere vergessen hatte und nur noch los wollte, um allen dieses Meisterwerk zu zeigen. Schweren Herzen brummelte er eine Entschuldigung, seine Eltern hatten sich Mühe gegeben und ihm eingebläut, dass er sich zu entschuldigen hatte, wenn er schon zu spät kam und man konnte ihm nicht vorhalten auch in dieser Hinsicht unzuverlässig zu sein.

Ein Gutes hatte seine Verspätung aber, sie mussten am Club angekommen nicht warten. Kamen gleich hinein und konnten sich direkt auf den Weg zur Bar machen. Einer von ihnen angelte eine der Karten und sie überflogen sie flüchtig, seltsames Angebot war das Fazit. Alles klang irgendwie komisch, nichts unter dem er sich wirklich etwas vorstellen konnte. Einstimmig wurde als Getränk des Abends Cola-Rum bestimmt, da wussten sie was sie hatten. Dann ging es auf Erkundungstour.

Schließlich endeten sie, mit den Getränken bewaffnet, auf der Balustrade im ersten Stock, welche sich ringförmig um die Haupttanzfläche zog und eine hervorragende Aussicht auf diese bot. Die meisten von ihnen nutzten den Ausblick, um nach Beute Ausschau zu halten. Noch so ein Punkt der Taehyung plötzlich wieder störte. Da er nun vergeben war, brauchte er das nicht mehr. Seit das mit Jungkook begonnen hatte, schaute er sich zwar eh nicht mehr um, aber heute störte es ihn. Warum verstand er nicht, wohl weil er langsam den Verstand verlor. Entnervt die Luft ausblasend ließ er seinen Blick eine weitere Runde über die Tanzenden gleiten, merkte aber schnell, dass er immer wieder bei den gleichen Personen hängen blieb. War natürlich reiner Zufall, dass die alle Blond waren.

Aber auch das ging ihm nicht aus dem Kopf. Der blonde Gartenzwerg, der sich zu viele Hoffnungen machte. Hatte er sich in den letzten Tagen doch immer wieder dabei erwischt, wie er nach ihm Ausschau hielt. Er hatte sogar einen weiteren Erkundungsspaziergang zum Sportbereich unternommen, immerhin hatte er sich beim letzten Mal die Schilder nicht angeschaut. Gesehen hatte er ihn nicht und was würde es ihm auch bringen. Wäre es nicht ein Vertrauensbruch Jungkook gegenüber, wenn er den Blonden aushorchte?

Seine Freunde waren einfach die Besten, merkten ohne viele Worte, dass er schlechte Laune hatte und ließen ihn in Ruhe vor sich hin brodeln, versorgten ihn nur immer wieder mit alkoholischem Nachschub. So hatte das zu sein, wenn er reden wollte schnappte er sich schon einen von denen und kaute ihm ein Ohr ab, aber er wollte nicht reden. Er ließ lieber seinen Blick über die Menschen unter sich gleiten. Die tanzten immerhin und der Gartenzwerg war in einem Tanzsaal gewesen, so unwahrscheinlich war es nun nicht. Der Schluck Cola-Rum kam ihm fast wieder hoch, als er den Typen tatsächlich in der Menschenmenge ausmachte.

Aber Hallo! Wer war denn da auf Baggertour der extra nuttigen Art?

Na gut, er hatte sich nur zu seinem Tanzpartner vorgebeugt und ihm etwas ins Ohr geflüstert. Bei dem Lärm die einzige Möglichkeit sich zu verständigen. Dabei sah er aber aus wie ein Flittchen, ein teures Flittchen, aber ein Flittchen. Die Arme um den anderen Kerl geschlungen rieb er sich an ihm, als gäbe es kein Morgen mehr. So sehr konnte er ja nicht auf Jungkook stehen oder er hatte dessen Abfuhr wirklich sehr schlecht aufgenommen und brauchte nun Bestätigung, dass er nicht ganz so hässlich war, wie Taehyung ihn fand.

Zu Taehyungs Freude schien dem Opfer des Gartenzwergs dessen Annäherung so gar nicht zu gefallen. Schneller als der gucken konnte löste sich die Umarmung und der Blonde wurde zur Bar gezogen, dort auf einem der Barhocker geparkt und allein gelassen. Wie schnell Taehyungs Laune sich doch bessern konnte war schon erstaunlich. Auf einmal war ihm ehrlich nach Lachen zumute. Dass seine Eltern ihm beigebracht hatten, dass Schadenfreude gemein war, ignorierte er einfach mal. Er hatte seit Tagen schlechte Laune, da würde man doch nochmal Lachen dürfen.

Da sein Glas eh gerade leer war, beschloss er sich den Blonden mal aus der Nähe anzusehen. Der saß da so allein und verzweifelt und wenn er es nicht tat würde sich wohl nie einer erbarmen und ihn ansprechen. Taehyung würde es auf jeden Fall nicht, tat es nur, weil der Kerl seinen Jungkook abgeschleckt hatte.
An der Bar angekommen ließ er sich auf dem Hocker neben seinem Ziel nieder und hatte direkt dessen Aufmerksamkeit, auch wenn dieser es versuchte zu verbergen. Wollte wohl nicht so billig wirken, wie er es tat. Der Versuch war löblich, die Umsetzung jedoch miserabel, das sollte er noch üben. Grübelnd nahm Taehyung die Getränkekarte zur Hand und überflog noch einmal die seltsame Auswahl. Nein, das klang immer noch nicht plausibler für ihn.

„Weist du was ein Trobble Mojito sein soll?“, richtete er schließlich das Wort an den Blonden. Wenn das einer wusste dann doch sicher so eine Prinzessin. Die brauchte aber scheinbar erstmal etwas, um ihr Gehirn in Gang zu bekommen. Was hatte er denn erwartet? Eine witzige schlagfertige Antwort? Eher nicht und er wurde auch nicht enttäuscht.

„Absolut keine Ahnung. Bestell es doch einfach, dann weißt du es“, kam es zurück, leider mit einer angenehmeren Stimme, als Taehyung erwartet hatte. Er hatte vermutet der Typ würde nasaler und irgendwie kratzig klingen, auf jeden Fall unangenehm und nicht so freundlich melodisch wie er es tat. Gleich mal ein Minuspunkt mehr auf seiner Liste. Sich nicht an das zu halten, was Taehyung erwartete, gehörte sich nicht. Sein Blick wanderte dabei zum Barkeeper, welcher gut belagert wurde.

„Ich habe irgendwie wenig Lust mich da reinzustürzen, um einen Drink zu bestellen, der eventuell scheiße ist“, beschloss er dann und merkte, dass Blondie nichts anderes erwartet hatte. Wie denn auch, bei der tollen Präsenz, die der Gartenzwerg mit der schönen Stimme zu haben glaubte. Da konnte Taehyung ja nicht einfach so gehen, ohne ihn nach seiner Nummer gefragt zu haben. Er musste sich ein Augenrollen verkneifen. Auch, wenn der Blonde nichts weiter machte, als dazusitzen und ihm zu antworten war er genervt.

„Und du hast auch keine Lust auf Gruppenkuscheln an der Alkoholquelle?“ Aus reinem Masochismus stellte er diese Frage. Er hatte immerhin gesehen, dass der andere Kerl, mit dem er getanzt hatte, anstand und dem Kleineren sicher etwas mitbrachte. Warum er auf einmal Interesse daran hatte sich mit dem Blonden zu unterhalten konnte Taehyung selbst nicht ganz sagen. Es war wohl das Unerwartete, was ihn reizte. Der Kleinere war freundlich, aber nicht aufdringlich, schmiss sich ihm nicht direkt an den Hals oder agierte arrogant, wie er es erwartet hatte. Es war merkwürdig, passte nicht zu seiner Vorstellung und Taehyung wollte wissen, was die Wahrheit war.

„Gruppenkuscheln klingt zwar nicht schlecht, aber die sind mir schon etwas zu betrunken“, kam es überraschend schlagfertig zurück und überrumpelte Taehyung erneut. Gut, jetzt war er wirklich interessiert.

„Ach du kuschelst gern, wie süß. Ich bin übrigens Taehyung und du?“, wagte er einen neuen Vorstoß. Er wollte hier nicht nur rumplänkeln, sondern dem Kleineren doch etwas auf den Zahn fühlen. Entgegen Jungkooks Behauptung, er sei komplett naiv, konnte er in Jimins Augen einen Funken Vorsicht aufglimmen sehen. Der schien zu überlegen, ob er auf das Gespräch eingehen sollte oder nicht.

„Jimin.“ War die knappe Antwort. Höflich aber zurückhaltend. Irgendwie seltsam. Seine Gedanken verbarg Taehyung weiter hinter einem aufmerksamen Lächeln, was auch nur halb gelogen war. Er war interessiert, nur zum Lächeln war ihm gerade nicht zumute. Er konnte Jimin ansehen, dass dieser versuchen wollte ihn wieder loszuwerden und sein Kampfgeist war geweckt. So schnell nicht, Kleiner!

„Du studierst auch hier an der Uni, oder? Ich glaub ich habe dich da schonmal gesehen“, machte er munter weiter und versuchte etwas Vertrautheit zwischen ihnen herzustellen, um Jimin seine Skepsis zu nehmen. Die Masche klappte, der misstrauische Zug um Jimins Lippen verschwand und er schien zu überlegen.

„Ja, aber erst im zweiten Semester. In welchem Fachbereich bist du denn?“ Ehrlich neugierig klangen die Worte und Taehyung war am Ziel. Gut, mit der Basis konnte er arbeiten. Mal schauen was er so alles erfahren konnte.

„Musik, im zweiten Semester. Du bist im Sportbereich, oder? Ich glaube ich habe dich bei den Turnhallen gesehen.“ Mit extra gerunzelter Stirn schaute er knapp an dem Blonden vorbei. Wollte klarmachen, dass er gerade ganz angestrengt nachdachte und den Namen seines Gegenübers nicht schon vorher gekannt hatte.

„Mehr oder weniger, ich studiere Tanz“, kam die absolut neue Info und wieder musste Taehyung mit sich kämpfen nicht die Augen zu rollen. Gut, dass er die Rolle des netten Menschen so gut beherrschte, Jimin schien nicht zu merken, wie sehr ihn ihre Unterhaltung ankotzte. Er spürte den prüfenden Blick des Kleineren auf sich, war sich sicher, dass dieser sich gerade fragte, ob er ihn dort schonmal hatte herumlaufen sehen.

Das hier wurde ihm zu dumm, er brauchte Bewegung. Gut, dass Jimin sich gerade als Tänzer geoutet hatte und sie praktischerweise neben der Tanzfläche saßen. Bessere Umstände, um sich Bewegung zu verschaffen, konnte es nicht geben und nebenbei konnte er austesten wie weit er bei Blondie gehen konnte. Kurz schaute er zur Tanzfläche, dann zurück zu Jimin, welcher ihn fragend musterte. Also bitte, wie konnte ihm nicht klar sein was Taehyung sich gerade dachte? Offensichtlicher ging es ja wohl nicht.

„Hättest du Lust mir eine kleine Kostprobe von deinem Können zu geben?“, schneller als der Kleinere sich versah, oder nein sagen konnte, war Taehyung auf den Beinen und hatte nach Jimins Hand gegriffen.

„Aber nicht lange, ich bin mit einem Freund hier, der müsste gleich mit den Getränken wiederkommen“, zierte sich dieser minimal, folgte aber artig. Schien ihm ja wirklich große Sorge zu bereiten seinen Kumpel allein an der Bar zu lassen, solche Freunde brauchte man.

„Wie du wünscht.“

Nicht weit vom Rand der Tanzfläche entfernt hatten die anderen Besucher sie bereits umschlossen und drängten sie dichter aneinander, dennoch hielt Jimin Abstand. Betrachtete lieber Taehyung ausgiebig, während er sich selbst elegant und flüssig zur Musik bewegte. Taehyung musste neidlos anerkennen, dass der Kleinere tanzen konnte. Es sah schön aus, leicht und mühelos. So wie er es auch gern könnte. Taehyung war bewusst, dass er da nicht mithalten konnte, er tanzte rein zum Spaß, je bekloppter, umso besser, nichts im Vergleich zu Jimin. Das schien dieser ähnlich zu sehen, als er schließlich, den mühsam gehaltenen Abstand überbrückte und ihm die Arme um den Hals legte. Schön zu wissen, dass Taehyung sich doch nicht getäuscht hatte, billig und willig, wie vermutet. Eigentlich sollte er genau jetzt gehen.

„Sorry Tae, aber das geht so nicht. Leg mal die Hände an meine Hüfte, ich zeig die wie man richtig tanzt.“ Mit einem versucht frechen Grinsen wollte der Kleinere seine Absichten tarnen, was aber nicht funktionierte. Leute mit Babyface sollten nicht versuchen frech oder verrucht zu gucken, das sah einfach nur albern aus, entschied Taehyung, ging dennoch darauf ein. Tatsächlich besserte sich seine Laune von Sekunde zu Sekunde, auch wenn er langsam ein schlechtes Gewissen bekam. Jimin war wohl doch wie Jungkook ihn beschrieben hatte, konnte es auf den ersten Metern nur gut verbergen. Wie lange er wohl brauchen würde, um den Gartenzwerg ins Bett zu bekommen? Etwas was er nicht ausprobieren wollte, aber lange konnte es sicher nicht dauern, so wie dieser sich gerade an ihn drängte.

Er folgte artig den Anweisungen des Kleineren und zählte innerlich die Lieder, die er es durchziehen musste, bis er aufhören konnte, ohne unglaubwürdig zu erscheinen. Nach dem zweiten reichte es ihm, die prüfenden Blicke auf sich, diese besserwisserischen Kommandos, auch seine Selbstbeherrschung hatte Grenzen. Mit einem schnellen Ruck setzte er dem ein Ende. Jimin dichter an sich zu ziehen, war das Leichteste, was er gerade machen konnte, von Gegenwehr fehlte jede Spur.

„Ich bin einfach zu schlecht darin, aber danke für den Versuch“, raunte er Jimin ins Ohr und kämpfte mit seiner Wut. Erst grub der Jungkook an wie blöd, dann den Typen, der ihm was zu Trinken holte und nun machte er munter bei Taehyung weiter. Solche Menschen verstand er nicht. Warum waren ihnen andere so egal? Sich immer an den Nächstbesten heranzuschmeißen war doch echt das Letzte und der Kleinere lächelte dabei auch noch. Einfach nur widerlich.

„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, wenn du weiter übst wird das schon.“ Die wohl schlechteste Idee die Taehyung seit langem gehört hatte. Wenn Jimin tanzen konnte, wollte er es nicht können, schon allein aus Prinzip. Aber er war hier noch nicht ganz fertig. Wie weit konnte er noch gehen? Er wollte es wissen.

„Stimmt, aber ich find‘s so gerade viel schöner“, wisperte Taehyung mit seiner besten Schlafzimmerstimme, der noch keiner entkommen konnte. Er zog den schmalen Körper vor sich etwas fester an sich und konnte den Schauer, der Jimin durchfuhr, deutlich spüren.

Wie weit?

Gezielt ließ er seine Haare in die Stirn fallen, um seinen zweifelnden Blick zu verbergen, als er sich langsam, aber unaufhörlich mit den Lippen Jimins Hals näherte. Innerlich betete er dafür zurückgestoßen zu werden. Er wollte aus irgendeinem Grund nicht, dass der Eindruck des willigen Miststücks stimmte.

Das Unerwartete geschah und Jimin stoppte ihn, legte ihm eine Hand auf die Brust, hielt ihn zurück.

„Ich halte das für keine gute Idee.“ Ernster und auch etwas entschuldigend klang Jimin, als hätte er einen Fehler bemerkt und wollte diesen nun berichtigen. Taehyung hob den Blick wieder, begegnete Jimins, fesselte diesen und fühlte sich selbst gefangen. Ganz langsam beugte er sich zu dem Kleineren hinunter, bis sich ihre Nasen fast berührten. Er nahm die Spannung zwischen ihnen nicht bewusst war, merkte nicht wie sie sein Handeln bestimmte.

„Sehr schade“, raunte Taehyung seltsam heiser und überbrückte die letzten Millimeter. Konnte sich erst im aller letzten Moment zurückhalten und legte seine Lippen knapp neben Jimins Mundwinkel auf die weiche Haut. Löste sich dann wieder und sah dem überrumpelten Jimin dabei zu wie er versuchte die Situation zu verstehen. Dann sah er Panik in den dunklen Augen des Blonden aufblitzen, der wollte weg und das schnell.

„Ich sollte wieder zu meinem Kumpel gehen, der wartet sicher schon“, kam es auch prompt und Jimin versuchte ihn mit sanfter Gewalt von sich zu schieben. Er ließ Jimin nicht, hielt ihn weiter an der Taille umfasst. War verwirrt von sich selbst und tat einfach das, was ihm als Erstes in den Sinn kam.

„Du willst mich einfach so sitzen lassen?“, fragte er frech, versuchte zu verstehen was mit ihm selbst los war und freute sich über Jimins etwas entspannteren Gesichtsausdruck, als er weder Wut noch Verlangen in seiner Stimme zeigte. Was machte der Kleinere nur mit ihm? Viel zu viel auf einmal. Vielleicht ja genau das Gleiche, was er mit Jungkook machte, weswegen dieser nicht von ihm loskam.

„Tut mir leid, aber das ist wohl das Beste“, versuchte sich Jimin aus der Affäre zu ziehen und schaute sich demonstrativ nach der Bar um.

„Finde ich nicht. Erst machst du dich an mich ran und jetzt willst du einfach abhauen? Ich finde, ich habe eine Entschädigung verdient!“, beschloss Taehyung leicht beleidigt, mit aufgeblasenen Wangen. Er brauchte einfach mehr Zeit. Jimin war eindeutig nicht so einfach zu durchschauen, wie er gedacht hatte, aber er hatte sein Interesse geweckt. So schnell würde der Kleinere ihn nicht wieder loswerden.

„Was denn für eine Entschädigung?“ Leise kichernd nahm Jimin ihn wohl gerade nicht sonderlich ernst. Gut so, da kam er weiter als mit Misstrauen. Wohin genau er wollte, wusste er zwar nicht, aber erstmal Jimins Nummer bekommen, alles andere würde er sich dann überlegen. Nur allzu plump wollte er nicht danach fragen. Nachdenklich legte er den Kopf schief und grübelte. Moment mal, er hatte einen Tänzer vor sich und er hatte doch noch ein Tanzproblem in der Hinterhand, wie passend. So hatte er auch einen hervorragenden Vorwand Jimin wiedersehen zu wollen, ohne ihn ins Bett schleifen zu müssen und sollte ihm der Kleinere zu blöd werden, hatte er auch das perfekte Mittel ihn wieder loszuwerden. Yoongi konnte alles und jeden vertreiben, wenn es ihn nur genug nervte.

„Ich könnte deine Hilfe gebrauchen!“, verkündete er freudestrahlend, von seiner eigenen Genialität begeistert.

„Wobei denn?“ Zwar sprach Vorsicht aus Jimins Stimme, aber Taehyung sah auch die Faszination in seinen Augen. Er hatte den Blonden am Haken, da war er sich sicher.

„Erzähl ich dir morgen, ohne Gedrängel und dröhnende Bässe. In Ruhe bei einem Kaffee.“ Alles weitere auf morgen zu verschieben war doch die Idee, dann hatte er auch genug Zeit sich zu überlegen, was genau er von Jimin wollte. Für ein weiterführendes Gespräch war ein ruhiges Café deutlich besser geeignet als der laute Club.

Auf eine Antworte musste Taehyung etwas warten, Jimin schien noch nachzudenken.
„Wann und wo?“, meinte Jimin dann leicht resigniert. Also wirklich! Jetzt klingt der auch noch so, als sei es eine Strafe sich mit Taehyung zu treffen. Er sollte den Gartenzwerg mal mit zu seinen Eltern nehmen, der brauchte eindeutig noch ein paar Manieren mehr.

„Gib mir deine Nummer dann schreib ich‘s dir“, beschloss Taehyung gutgelaunt durch die Aussicht endlich aus dieser Situation herauszukommen. Kurz beobachtete er Jimin wie dieser sein Handy entsperrte, dann nahm er es ihm auch schon ab und tippte seine Nummer ein. Eigentlich wollte er sich nur schnell selbst anrufen, stockte aber bei dem Hintergrundbild des Handys. Jimin und Jungkook in Schuluniform, sie sahen sich einfach nur an, lächelten dabei ganz zart. Aber die Blicke sagten so viel, dass Taehyung kurz den Eindruck hatte die dröhnenden Boxen, die Menschen um sie herum, die Welt selbst hätte aufgehört Geräusche von sich zu geben. Nur ein naiver Verehrer, der ein 'Nein' nicht akzeptierte also…

Er konnte hinterher nicht mehr sagen, wie er es geschafft hatte sich vom Anblick des Bildes loszureißen, sein Vorhaben auszuführen und sich von Jimin zu verabschieden, ohne dass dieser etwas merkte. Irgendwie hatte er es geschafft, war zurück zu seinen Freunden gegangen und hatte sich nicht mehr umgedreht. Eine halbe Stunde hatte er es noch im Club ausgehalten, dann konnte er nicht mehr, musste raus, an die frische Luft. Wollte nicht mehr im gleichen Raum wie Jimin sein, auch wenn ihm da schon klar war, dass er den Kleineren wieder treffen würde.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast