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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
12.04.2021
92
230.774
33
Alle Kapitel
146 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
30.03.2020 3.433
 
Hallo und Willkommen im Zweiten Akt,

bevor es losgeht ein kurzer Hinweis, um Verwirrung vorzubeugen. Wie dem aufmerksamen Leser aufgefallen sein mag heißt dieses Kapitel gleich dem ersten Kapitel des Ersten Akts, der Grund ist nicht mangelnde Kreativität, zumindest behaupte ich das jetzt mal ganz dreist, sondern, dass das hier Zeitlich parallel zum Ersten Akt spielt. Gedacht ist, dass ihr beim Lesen hin und wieder in den Ersten Akt reinschaut.

Genug erklärt, viel Spaß beim Lesen!




Zweiter Akt - Erste Szene: Der Spiegel


Gemütlich schlenderte Taehyung über das Außengelände der Uni, genoss die warme Sonne im Gesicht und vertrieb sich die freie Zeit. Seine Vorlesungen waren für heute zu Ende und in etwas weniger als einer Stunde war er verabredet, würde den Tag gemütlich ausklingen lassen. Ihm gefiel wie alles gerade lief. Sein Studium war anspruchsvoll, machte ihm aber immensen Spaß, er kam in seinen Kursen gut zurecht und auch sein Privatleben entwickelte sich prächtig. Er hatte sich an der Uni eingelebt, Freunde gefunden, Lieblingsorte entdeckt und war gerade dabei eine Beziehung einzugehen, dazu noch das herrliche Wetter. Wenn man davon absah, dass er dauerpleite war und dringend Jobben gehen musste, um sich mehr als Wasser zum Leben zu leisten, war doch eigentlich alles ganz wunderbar.

Nur dass er gerade warten musste störte ihn, trotz des warmen Wetters. Er hasste es zu warten, war einer der Ungeduldigen, der immer alles sofort wollte oder gar nicht. Seine Eltern hatten lange gebraucht, bis sie ihm begreiflich machen konnten, dass Warten sich auszahlen kann. Leider nur kann und da er keine Garantie hatte, dass es sich lohnte, viel es ihn nach wie vor schwer zu warten und geduldig zu sein.

Heute war es sein Kopf, der ihm sagte, dass es sich lohnen würde. Er war verabredet mit einem jungen Mann, der gute Chancen hatte sein fester Freund zu werden. Er sah gut aus, war interessant, hatte Humor und eindeutig eine Schwäche für Taehyung, von anderen Qualitäten ganz abgesehen. Da nahm selbst er es in Kauf zu warten. Warten für den guten Zweck, sozusagen.

Die Zeit nutzte er nun, um sich den Campus etwas genauer anzusehen. Es war erschreckend, wie wenig er sich hier doch auskannte, er war im zweiten Semester und kannte nur einige wenige Ecken des Geländes. Zugegeben, der Campus war riesig, fast schon eine kleine Stadt für sich, aber trotzdem, er kannte nicht mal alle wichtigen Orte. Nur seinen Fachbereich, die Verwaltung, Mensa, einige Cafés und sein Wohnheim, alles andere war ihm fremd. So wanderte er umher und versuchte den Überblick zu behalten, wo er gerade war und wie er wieder zurückkommen würde. Dabei merkte er schnell, dass seine Bedenken übertrieben waren. Es war fast lächerlich, wie simpel die Wegfindung hier war. Mittig war ein zentraler Platz, von diesem führten sternförmig Wege zu den einzelnen Bereichen des Geländes. Er müsste also immer nur wieder zu dem Platz zurück und von da aus zu seinem Hauptgebäude, wenn er das nicht mehr erkennen würde, hätte er auch nicht verdient sich je wieder zurechtzufinden.

Etwas stolz auf sich die komplizierte Logik entschlüsselt zu haben, hielt er auf eine Reihe flacher Gebäude, mit wellenförmigen Dächern zu. Einfach mal schauen welcher Fachbereich so viel Fläche beanspruchte. Alle anderen gaben sich doch auch mit mehreren Stockwerken zufrieden. War dies hier der Fachbereich für Studenten mit Höhenangst?

Bevor er die Gebäude erreichte weckte etwas anderes seine Aufmerksamkeit oder besser jemand anderes. Ein hochgewachsener junger Mann, der lässigen Schrittes auf den Eingang einer der Flachbauten zuhielt. War das Jungkook? Konnte nicht sein, der hatte doch noch Vorlesung. Neugierig wie Taehyung nun mal war, folgte er der Person, er schaute sich ja immerhin nur um, konnte er ja nichts dafür, wenn der in die gleiche Richtung ging, in die er auch wollte.

Kaum hatte er das Gebäude betreten, hätte er sein Ziel auch schon fast aus den Augen verloren, aber eben nur fast. Leise und unauffällig folgte er, fühlte sich ein wenig wie ein Spion auf geheimer Mission und musste sich innerlich Ohrfeigen. Er hatte wohl zu lange in der Sonne gestanden, seine kindische Ader gab gerade ihren großen Auftritt für den Tag und ging ihm langsam selbst auf die Nerven. Was machte er hier eigentlich? Umschauen und seinen Campus erforschen sicher nicht, die Schilder am Eingang, die auswiesen, was das hier für Gebäude waren, hatte er keines Blickes gewürdigt. Nein, er verfolgte fremden Menschen wie ein Stalker und fühlte sich auch noch gut dabei. Eigentlich ziemlich krank. Gut, dass er Musik studierte, da ließ sich sicher ein guter Song draus machen.

Er verlangsamte seine Schritte, hoffte fast den jungen Mann aus den Augen zu verlieren, sodass seine Neugierde Ruhe geben würde und er wieder zum Eingang gehen konnte. Leider hatte er Pech, im nächsten Gang stand die Person, schaute durch eine angelehnte Tür in irgendeinen Raum, aus dem Musik in den Gang hallte. Taehyung blieb unschlüssig an der Ecke stehen, er war noch nicht bemerkt worden. Was auch immer in dem Raum war, schien spannender zu sein als der öde Gang. Das gab ihm Zeit für eine genauere Betrachtung. Ja, dass da vorne war Jungkook. Gerade als Taehyung sich bemerkbar machen wollte, verschwand der Jüngere in dem ach so spannenden Raum.

Taehyung fühlte sich kurz persönlich beleidigt, da hob er die Hand zum Winken und Jungkook verschwand, eine Frechheit aber auch. Jetzt wollte er auch wissen, was ihn diesem blöden Raum war, den der andere so fasziniert gemustert hatte. Schnell lief er zu der Stelle an der Jungkook gerade noch gestanden hatte und spähte nun selbst durch die Tür. Konnte aber nicht viel erkennen, sah wie ein Tanzsaal aus, mit einer meterlangen Spiegelfront. Er wollte die Tür komplett öffnen und ebenfalls eintreten, gefror jedoch mitten in der Bewegung.

Dadurch, dass er sich etwas vorgelehnt hatte, konnte er Jungkook im Spiegel erkennen und nicht nur ihn. Da war noch eine zweite Person, welche sich an Jungkook klammerte und ihn die Zunge in den Hals schob.

Ein Schauer des Ekels überrollte Taehyung. Was war das denn für ein Flittchen? Mit den blondierten Haaren und der schmalen Taille wirkte der Kerl wie das Vorzeigemiststück, welches mit seinem Schmollmund alles von anderen bekam und diese fallen ließ, sobald sie keinen Nutzen mehr für ihn hatten. Einfach nur billig und widerlich.

Warum ließ sich Jungkook auf sowas ein? War er blind? Der sah nicht mal gut aus, mit seinen viel zu runden Wangen und zu kurzen Beinen. Es brodelte in ihm, sein Temperament schrie ihn an in den Raum zu gehen und die Beiden zur Rede zu stellen, doch ein leises Stimmchen sagte ihm, dass er das nicht tun sollte. Seltsamerweise war es eben dieses Stimmchen, dass den Kampf in ihm gewann, dafür sorgte, dass er sich von der Tür entfernte und hinter die nächste Ecke zurückzog.

Als er Schritte auf dem Gang hörte, die sich von ihm entfernten, riskierte er einen letzten Blick. Sah Jungkook und den Zwerg, Seite an Seite den Gang entlang gehen, bemerkte, dass Jungkook brav die Tasche der kleinen Prinzessin trug. Konnte man von dem Gartenzwerg auch nicht erwarten sich selbst die manikürten Hände schmutzig zu machen. Nicht dass die schwere Tasche noch einen Nagel abbricht.

Schnell tauchte er wieder in den Gang ab und lehnte sich gegen die Wand. Was bitte war gerade mit ihm los? Sein ganzes Verhalten passte nicht zu ihm. Okay er war auch noch nie so eifersüchtig gewesen, Jungkook hatte als Erster wirklich das Interesse an einer Beziehung in ihm geweckt, aber trotzdem. Seine Logik sagte ihm, dass er viel zu wenig wusste, um Schlüsse zu ziehen. Er hatte gesehen, wie der Blonde sich an Jungkook herangeschmissen hatte und beide sich küssten. Ging das von dem Blonden aus? Ging es von Jungkook aus? Was genau hatte das alles zu bedeuten? Hatte er gerade einen kleinen Schlaganfall erlitten und das alles war gar nicht passiert?

Raus hier! Ab an die frische Luft! Hier drin wurde er nur verrückt.

Wieder unter freiem Himmel beschloss er kurzerhand zum Treffpunkt für sein Date mit Jungkook zugehen. Egal was er dachte, sich ausmalte oder einbildete Jungkook würde es klären können. Er musste es nur schaffen sich nicht in der Zwischenzeit zu viele Mordpläne, für kleine blonde Gartenzwerge einfallen zu lassen. Immerhin bestand noch die geringe Möglichkeit, dass der Blonde nichts dafür konnte oder es anders war, als es aussah. Allerdings hatte in Taehyung längst die Variante gesiegt, dass der Typ sich Jungkook an den Hals geschmissen hatte und der einfach nur keinen Bock auf Streit gehabt hatte und deshalb stillhielt. Das würde zu dem Jüngeren passen, der wollte seine Ruhe und keinen Zickenkrieg. Eine Eigenschaft die Taehyung sehr mochte, nur gerade jetzt nicht, da hätte er sich doch gewünscht, dass Jungkook diesen Typen in seine Schranken wies.

Als er am Treffpunkt ankam, legte er sich auf eine nahegelegene Wiese in den Schatten einiger Bäume, die Sonne schien ihm ja nicht gutzutun und sobald Jungkook da war, wollte er einen klaren Kopf haben. Je länger er so dalag und sich alles durch den Kopf gehen ließ, desto klarer wurden seine Gedanken wieder und die Wut klang langsam ab, machte Platz für nagende Zweifel. Was, wenn Jungkook ihn einfach nur verarschte? Er und der Blonde was am Laufen hatte und es lustig fanden mit Taehyung dumme Spiele zu spielen?

Dass das absurd war, war Taehyung klar, aber ein leises dumpfes Zwicken ließ dieser Gedanke zurück. Er hoffte nur, dass Jungkook endlich auftauchen würde und das Ganze aufklärte, bevor sein übereifriges Hirn noch kreativer wurde. Er neigte leider dazu in alles viel zu viel hinein zu interpretieren, sich Dinge auszumalen, die zu unwahrscheinlich waren, um jemals zu passieren. Mitunter fiel es ihm schwer zwischen seinen Übertreibungen und dem was realistisch war zu unterscheiden und so hatte er sich angewöhnt seine Gedanken für sich zu behalten und nur das zu glauben, was er bewiesen vor der Nase hatte. Leider hieß das in diesem Fall warten. Und warten hasste er.

Grübelnd lag er da bis sich ein Schatten über ihn legte und seine Aufmerksamkeit einfing. Jungkook lächelte ihn liebevoll an und setzte sich zu ihm.

„Na du. Ich dachte kurz, du hättest mich versetzt“, begrüßte er den Liegenden, deutete auf den eigentlichen Treffpunkt und rang Taehyung ein kleines, verlegenes Lächeln ab. Streckte ihm eine Hand hin, zog ihn in seine Arme und gab ihm einen kurzen Kuss zur Begrüßung, bevor er ihn auf die Füße zog.

„Sorry habe die Zeit vergessen.“

„Nicht schlimm. Wartest du schon lange auf mich?“, fragte Jungkook, während er ihre Schritte in Richtung der Gartenanlagen lenkte. Dort steuerten sie auf einen, mit Zierwein überwachsenen, Pavillon zu.

„Nur etwas. Das Wetter ist so herrlich, da bin ich wohl ein wenig ins Träumen geraten“, erklärte Taehyung seine Verspätung. Er hasste es zu warten, aber genauso hasste er es warten zu lassen, auch wenn das seine Verabredungen leider viel zu off mussten. Er war leider zu zerstreut und musste meistens noch ein oder zweimal zurück, um etwas zu holen.

„Hast du von mir geträumt?“ Auf Jungkooks Lippen erschien ein freches Grinsen, während er sich setzte und Taehyung auf seinen Schoß zog. Entspannt legte er seinem Gegenüber die Arme um die Taille und blickte ihn fragend in die Augen.
Taehyung nickte aber nicht wie erwartet, sondern sah Jungkook nachdenklich an. Überlegte, wie er das Thema am besten anschneiden könnte.

„Schon, aber nicht ganz so wie du es gerne hättest“, druckste Taehyung herum. Der Schatten der Bäume hatte ihn eindeutig nicht genug vor der Sonne geschützt, warum war er unsicher? Er hatte nichts falsch gemacht. Er wollte nur Antworten, auf die er ein Recht hatte. Immerhin hatte Jungkook ihn, ohne zu zögern, geküsst, da durfte er auch erfahren, wo diese Lippen vorher gewesen waren.

Der Jüngere zog leicht besorgt die Augenbraue hoch. Taehyung sammelte sich und kramte seine Persönlichkeit wieder hervor, die gerade Verstecken mit ihm spielte.

„Ich habe dich eben mit dem blonden Typen im Tanzsaal knutschen sehen“, kam es sachlicher als erwartet. Sich das Gesehene wieder und wieder durch den Kopf gehen zu lassen hatte den Satz von allen unnötigen Emotionen befreit. Irgendwie seltsam, sonst hätte er einen großen Aufstand gemacht, eigentlich schon vorhin als er die Zwei gesehen hatte. Warum dann nicht spätestens jetzt? Weil ihm das mit Jungkook ernst war und er es nicht für ein dummes Missverständnis aufs Spiel setzen wollte? Fühlte es sich so an Erwachsen zu sein und sich entsprechend zu verhalten oder war das einfach nur seine Art erwachsen mit so etwas umzugehen?

Prüfend blickte er in Jungkooks Gesicht, während dieser seine Worte genau abzuwägen schien. Was dauerte da so lange? Die Wahrheit brauchte keine Vorlaufzeit und war genau das, was Taehyung hören wollte. Schließlich ließ der Jüngere ein frustriertes Schnauben hören und lächelte Taehyung entschuldigend an.

„Oh man, das ist etwas schwer zu erklären…“, versuchte er Taehyung davon zu überzeugen nichts weiter wissen zu wollen. Klappte nicht. Der Ältere schaute ihn nun richtig neugierig an, das konnte ja spannend werden. Außerdem, wer ließ sich bitte mit ‚Das ist schwer zu erklären‘ abwimmeln, dahinter verbargen sich ja bekanntlich die besten Storys.

„Das war Jimin, wir kennen uns noch aus der Schule. Er steht total auf mich und ich habe ihm vorhin gesagt, dass er endlich aufhören soll sich Hoffnungen zu machen. Er hat einen letzten Versuch eingefordert und mich geküsst, hat danach aber eingesehen, dass es zwecklos für ihn ist“, erklärte Jungkook weiter und fuhr sich leicht genervt durchs Haar, ein zarter Rotschimmer hatte sich auf seinen Wangen ausgebreitet.

Aha, klang ja sehr spannend.

Und jetzt bitte noch mal so, dass es auch jemand glauben konnte der nicht gerade mit 180 km/h gegen eine Mauer geknallt war. Freundlicherweise konnte Jungkook diese Aufforderung aus Taehyungs Blick entnehmen.

„Guck nicht so, ich habe doch gesagt das ist schwer zu erklären. Seine und meine Eltern sind befreundet und da er ziemlich naiv ist haben sie mich gebeten auf ihn aufzupassen. Er sieht das jedes Mal als Beweis, dass ich was von ihm will. Was soll ich denn machen? Ihn allein hierlassen, damit sich irgendwer über ihn her macht?“

Gut, das war durchaus ein Argument. Leider keines was den Älteren zufrieden stellte. Er verschränkte skeptisch die Arme vor der Brust. So nicht Jungkook, lass dir etwas Besseres einfallen.

„Nur, weil der Kleine naiv und dumm ist, lässt du dir also die Zunge in den Hals schieben? Ist das nicht reichlich übertrieben? Wenn du auf ihn aufpassen willst fein, aber das hat doch seine Grenzen.“ Na endlich durfte sein Temperament mal etwas frische Luft schnappen, wenn auch nur mit Leine und Maulkorb. Es war viel zu schön hier zum Herumschreien und Anfauchen, aber immerhin wurde sein Ton von Wort zu Wort schärfer. Selbst der große, starke Jungkook, mit seinem breiten Kreuz und den trainierten Armen, zuckte immer wieder leicht zusammen. Gut so, einen Taehyung sollte man auch nicht wütend machen.

„Das hat sich alles so entwickelt… ach, ich weiß auch nicht...“ Jungkook kratze sich verlegen am Kopf. Wie konnte es bitte normal werden einen Freund mit Zungenschlag zu begrüßen, nur weil der scharf auf einen war? Nein Jungkook, auch da musst du bitte nochmal nachbessern.

„Tut mir leid Kookie, aber das ist Schwachsinn. Du kannst mit deinen Freunden tun und lassen was du willst, aber solange du mit mir am Rummachen bist, erwarte ich Exklusivrechte auf deine Lippen und deinen restlichen Körper!“ Er würde sicher nicht teilen, wo kamen sie den dahin.

Jungkook sah ihn nachdenklich in die Augen, schien über etwas zu brüten und ganz langsam schlich sich wieder die zarte Röte in sein Gesicht. Seine Hände an Taehyung Taille begannen nervös zu zittern und krallten sich dadurch sachte in den Stoff seines Oberteils. Fragend ließ Taehyung den Kopf zur Seite kippen, legte seine Hände an Jungkooks Wangen und drehte sein Gesicht wieder so, dass er ihm in die Augen schauen konnte.

„Weist du… ich könnte das Ganze mit Jimin am besten klarstellen, wenn…“, stockend brach Jungkook ab, wurde noch etwas röter.

„Ich ihm von dir erzählen könnte, wenn das hier offiziell wäre…“ Es war mehr eine Frage, ein Bitte, als eine Aussage. Geflüstert, um sicherzugehen, dass es nur die Person hörte, für die diese Worte bestimmt waren. Abwartend sah er den Älteren an, schien so gerne eine Antwort hören zu wollen, traute sich aber nicht erneut zu fragen.

Taehyung war gerade innerlich zerrissen. Die Geschichte klang nicht wirklich realistisch, aber wenn er bedachte was er schon so alles von Freunden und Verwandten gehört hatte und auch selbst erleben musste, konnte es vielleicht stimmen.

Warum suchte sich der Jüngere ausgerechnet diesen blöden Zeitpunkt für diese Frage aus? Der Ort war perfekt, das Wetter war perfekt, Jungkook war perfekt, nur die Einleitung, die war scheiße. Sollte er darüber hinwegsehen? In einer Beziehung ging es immerhin um Vertrauen und diese würde mit einer Vertrauensprüfung beginnen. Glaubte er Jungkook oder nicht? Sein Bauch, sein Herz und sein Gehirn wetteiferten gerade um die vorherrschende Meinung. Schossen so viele Gedanken und Gefühle ein wie sie konnten und überforderten Taehyung komplett. Er wollte seit Wochen nichts anderes, als das mit Jungkook endlich offiziell werden zu lassen, ihn nicht mehr als Zeitvertreib, sondern als seinen Freund ansehen zu können. Warum sollten dann fünf Minuten alles zerstören? Immerhin kannte er Jungkook, wusste dass er ihm vertrauen konnte und was wäre schon passiert, wenn er das heute nicht gesehen hätte? Er hätte es nicht gewusst und sich nicht so viele Gedanken gemacht. Jungkook hätte das geklärt und damit hätte sich die Sache erledigt. Es stimmte schon, dass es Vorteile hatte gewisse Dinge nicht zu wissen, das ersparte graue Haare.

„Willst du mich gerade fragen, ob ich mit dir gehen will?“, fragte Taehyung schließlich stichelnd nach. Genoss Jungkooks immer nervöser werdenden Anblick. Dieser grinste nun ebenfalls.

„Genau das will ich wissen. Willst du mit mir zusammen sein?“, schaffte er es nun doch die Frage ordentlich zu stellen. So war das schon viel besser. Zwar fehlte der Strauß Rosen und das Streichorchester, aber das durfte Jungkook auch noch nachholen.

„Nur wenn du mir versprichst keine anderen Typen mehr zu küssen“, meinte Taehyung streng, wurde aber sofort enger an den Jüngeren gezogen.

„Nichts lieber als das.“ Mit diesen Worten versiegelte er Taehyungs Lippen, holte sich den Kuss, den sich beide schon die ganze Zeit wünschten. Zog den Älteren so dich wie möglich an sich heran und vertiefte den Kuss. Beide genossen die Zärtlichkeiten, den leidenschaftlichen Kuss und den Moment zusammen. Wollten sich gar nicht mehr voneinander trennen und vergaßen ganz die Zeit.

Erst ein kühler Luftzug, der Taehyung eine Gänsehaut auf die Arme zauberte, erinnerte sie daran, dass die Sonne untergegangen war und sie seit Stunden nichts anderes taten, als hier zu sitzen und sich zu küssen. Mit etwas steifen Gliedern erhoben sie sich, wollten die Finger aber nicht voneinander lassen, wurden jedoch von einem nervigen Klingeln gestört. Jungkooks Handy, dieses blöde Mistding, dauernd brauchte es Aufmerksamkeit, wenn sich Jungkook gerade mit Taehyung beschäftigte. Der Ältere hatte auch reichlich Mordpläne für dieses blöde Teil entwickelt, lange würde es nicht mehr dauern bis er den ersten ausprobieren würde.

Ein entschuldigendes Lächeln erschien auf Jungkooks Lippen, als er sich das blöde Teil ans Ohr hielt und ein paar Schritte auf Abstand ging. Taehyung interessierte es nicht sonderlich, wer da störte, Jungkook sollte ihn abwimmeln und gut, er hatte noch Pläne mit seinem Freund heute Abend.

Mit reichlich geknickter Miene kam Jungkook wieder zu ihm. Eigentlich brauchte der gar nichts sagen, dass die Nacht gelaufen war, sah man sofort.

„Ich muss nachhause, mein Bruder mach wieder ärger“, berichtete er kurz. In Taehyung stieg ein Schrei empor, dass Jungkooks Bruder endlich sein Leben in den Griff bekommen und sie nicht dauernd nerven sollte. Leider wusste er, dass dieser gerade dabei war genau das zu tun, leider war er vorher soweit vom Weg abgekommen, dass es ziemlich schwer war wieder alles zu richten. Es war ätzend, dass Jungkook deswegen so oft spontan wegmusste, aber auch eine der Eigenschaften die Taehyung so an ihm mochte. Er machte zwar immer auf cool und sexy, hatte aber auch ein großes Herz und viel Liebe für seine Familie.

„Ich mach dem auch bald ärger, das kannst du ihm gerne ausrichten“, erwiderte Taehyung schmollend. Nur weil er wusste, dass er keine Chance hatte, brauchte er das ja noch lange nicht gut zu finden.

„Ich werde mal schauen, ob ich‘s einfließen lassen kann… Es tut mir leid Tae. Ich wäre lieber bei dir geblieben“, flüsterte Jungkook dem Älteren entschuldigend ins Ohr und brach so seinen Widerstand. Sein Freund wusste einfach zu gut, wie er Taehyung besänftigen konnte. Dieser sagte nichts weiter, drückte dem Jüngeren noch einen langen Kuss auf die Lippen und bedeutete ihm dann zu verschwinden, bevor er es sich anders überlegen konnte.
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