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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
19.04.2021
93
232.491
33
Alle Kapitel
148 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
23.03.2020 2.386
 
Erster Akt – Siebenunddreißigste Szene: Lügen?


„Warum sagst du sowas? Warum lügst du mich an?“

Etwas anderes konnte es nicht sein. Woher wollte Yoongi so eine Information haben? Woher konnte er es wissen? Das konnte er nicht! Nur, warum sagte er dann so etwas?

Warum sagte er jetzt nichts mehr? Blickte ihm nur traurig und voller Schmerz in die Augen. Sagte aber kein Wort, während über Jimin eisige Wellen zusammen brachen und ihm klar machten, dass das hier doch ein Fehler gewesen war. Wenn Yoongi so etwas behauptete, ohne sich zu erklären, war alles falsch, was er von dem Älteren gedacht hatte. Die warme Freundlichkeit, trotz der er doch immer schonungslos ehrlich seine Meinung kund tat und kein Blatt vor den Mund nahm. Die Aufrichtigkeit, mit der er Jimin stets begegnet war. Nichts fand er gerade bei dem anderen, da war nur Schweigen und die kalte Angst, die seine Gedanken lähmte.

Hatte Yoongi es nur ausgenutzt? Es genutzt, dass er sich durch die Trennung schwach fühlte und nach Nähe suchte? Für was? Ein schnelles Abenteuern, welches er möglichst grausam beenden konnte?

„Yoongi!“, schrie er den Älteren an, doch dieser zuckte nicht einmal mit der Wimper.
„Woher willst du das wissen? Sag es mir!“, forderte Jimin, doch noch immer blieb der andere stumm, machte keine Anstalten sich zu erklären.

Tränen sammelten sich in Jimins Augen als er verstand. Er wusste nicht was Yoongi hier für ein Spiel spielte, wollte es gar nicht wissen, nur das es grausam war realisierte er und er wollte weg, einfach nur noch weg. Unbeholfen schlug er die Decke beiseite, würdigte Yoongi keines Blickes mehr, während er sich anzog.

Auf dem Weg zur Tür drehte er sich dennoch um, wollte nicht glauben, dass seine dunkelsten Ängste wahr waren und endlich regte sich Yoongi, hob träge den Kopf und sah ihn genauso verzweifelt an wie Jimin sich gerade fühlte. Dennoch blieb er stumm und Jimin wusste, dass er es akzeptieren musste. Mit hängendem Kopf drehte er sich wieder zur Tür, wollte endlich gehen, da hörte er die Schritte hinter sich, spürte Yoongis festen Griff an seinem Handgelenk.

„Lass mich los…“, verlangte der Blonde mit tränenerstickter Stimme. Yoongi hörte nicht auf ihn, zog ihn einfach nur an sich, drückte Jimins tränennasses Gesicht an seine Brust und diesen durchzuckte der Wunsch sich gegen den anderen sinken zu lassen.

Mit einem Ruck machte er sich los, schubste Yoongi von sich und hasste ihn dafür, dass er noch immer kein Wort verlor.
„Sag mir, woher du das wissen willst oder las mich in Ruhe!“, brüllte er mit viel zu hoher Stimme, schaffte es gerade so, sie nicht kippen zu lassen.

Yoongi schloss gequält die Augen und blickte Jimin dann mit einer Intensität an, dass diesem klar wurde, die folgenden Worte würden weit mehr wehtun als die bisherigen.
„Weil Tae noch vor wenigen Wochen mit ihm zusammen war.“

Jimin entkam ein ersticktes Keuchen und seine Beine drohten wegzuknicken. Taumelnd hielt er sich am Schrank fest, hielt Yoongi mit einem Handzeig auf Abstand als dieser zu ihm eilen wollte.

„Aber Tae ist doch mit Seokjin zusammen“, stieß Jimin verwirrt aus. Das passte doch alles nicht. Es ergab keinen Sinn!

„Jetzt. Aber zu der Zeit, als er dich das erste Mal mitgebracht hat, war er mit einem anderen Kerl zusammen. Kookie, der der sich nie zeigen wollte“, erklärte Yoongi bemüht ruhig. Jimin wurde es zu viel. Wenn Yoongi es wusste, warum sagte er es ihm erst jetzt? Warum nicht früher? Woher konnte er überhaupt sicher sein, wenn er diesen Freund von Taehyung nicht gesehen haben will? Woher wollte Yoongi wissen, dass Taehyungs Kookie, sein Kookie war?

Ohne sich noch einmal umzudrehen riss Jimin die Tür auf und rannte los, knallte auf seinem Weg die Wohnungstür laut zu und rannte einfach nur noch.


********



„Das ist aber ein früher Abend“, begrüßte Hoseok ihn munter, als dieser die Tür öffnete.
„Jimin!“, rief er im nächsten Moment aus, als er den Blonden sah. Zog ihn an sich und verfrachtete ihn auf sein Bett, drückte ihm überfordert Paro in die Arme und Jimin vergrub sein Gesicht im weichen Stoff des Kuscheltiers.

Er spürte nur am Rande wie Hoseoks Arme sich um ihn legten, dieser ihm immer wieder den Rücken streichelte und ihn versuchte zu beruhigen. Doch es dauerte lange bis sich der Sturm in Jimin legte, ihn in stiller Melancholie zurückließ. Zu verwirrt, um irgendetwas zu verstehen, was in den letzten Stunden passiert war.

„Jimin?“, fragte Hoseok vorsichtig. Die Angst in seiner Stimme tat Jimin weh, dennoch schaffte er es einfach nicht den Älteren anzusehen oder gar zu lächeln.

„Was ist passiert?“, drängte Hoseok weiter, als er merkte, dass Jimin reagierte. Diesem entkam ein verzweifeltes Kichern, bevor er den Blick hob und Hoseok flehend ansah.

„Ich weiß es nicht…ich weiß es einfach nicht…“, wimmerte er erstickt und wischte sich die trocknenden Tränen von den Wangen.

Dann begann er langsam und stockend von den letzten Tagen zu erzählen. Hoseok hing gebannt an seinen Lippen, hielt seine Hand und streichelte sie immer wieder, wenn Jimins Stimme brach und er nicht weiter erzählen wollte. Er begann bei dem Abend im Club, berichtete von seinem Treffen mit Yoongi, dem Entschluss, den er fasste. Schluckte schwer als er Hoseok von der Trennung berichtete und fand sich in dessen Armen wieder, wurde liebevoll gedrückt und er genoss diese kurze Pause, fühlte sich danach ein wenig besser, auch wenn der schlimmste Teil noch kommen sollte.

Überrascht stellte Jimin fest wie wenig er über die letzten Tage bei seinen Eltern erzählen konnte, hatte er doch nicht viel mehr getan als herumgesessen und sich schlecht gefühlt und dann kam er auch schon beim heutigen Tag an und seine Stimme begann wieder zu zittern, erstarb schließlich ganz. Es war noch zu frisch, er konnte einfach nicht darüber reden, nicht einmal nachdenken.

„Soll ich Yoongi vermöbeln?“, bot Hoseok hochmotiviert, mit finsterem Blick an und Jimin überlegte kurz, schüttelte dann den Kopf. Er wollte nicht noch mehr Unruhe, mehr Aufregung, davon hatte er gerade mehr als genug.

„Das bringt nichts. Es ist… er ist… verdammt, warum bloß wollte ich nicht mehr vernünftig sein?“, fragte Jimin sich selbst und vergrub das Gesicht in den Händen. Hoseok wartete unruhig bis er ihn wieder ansah, die Fragen standen dem Älteren ins Gesicht geschrieben, dennoch blieb er stumm.

„Ich musste es ja überstürzen und mit ihm schlafen… ich bin selber schuld“, erklärte er dann monoton und Hoseoks Augen wurden groß.

Verwirrt blinzelte dieser und schien mit sich zu ringen. „Schlafen im Sinne von…?“, begann Hoseok traute sich dann aber doch nicht den Satz zu vollenden, hatte sichtlich zu viel Angst Jimin wehzutun.

„Ich rede von Sex. Ich habe mit ihm gevögelt“, bestätigte Jimin und Hoseok sprang auf.

„Das ist nicht sein Ernst! Nimmt dich und lässt dich fallen wie eine heiße Kartoffel? Ich mach den Kerl kalt!“, fauchte er wütend und wollte sich schon zur Tür drehen als Jimin ihm ein Stofftier an den Hinterkopf warf.

„Hiergeblieben!“, befahl er streng und Hoseok gehorchte sichtlich irritiert.

„Warum nicht?“, beschwerte er sich dennoch, während Jimin den schweren Kopf auf Paro ablegte und ihn nachdenklich musterte.

„So war es nicht… es war… komplizierter… irgendwie verstörend…“, fügte Jimin dann noch hinzu und Hoseoks Blick wurde wieder besorgt.

„Okay, mal langsam. Wenn er dich nach dem Sex nicht rausgeschmissen hat, was hat er dann angestellt?“

„Behauptet, dass Jungkook mich betrogen hätte“, berichtete Jimin frei von jedem Gefühl. Diese Worte fühlten sich so falsch an, dass seine Stimme ihnen einfach keines zuordnen konnte.

„Wie kommt er den darauf?“, wollte Hoseok sofort wissen und Reue legte sich auf seine Züge als Jimin leise schluchzte und mit den Schultern zuckte.

„Er hat ein Foto von ihm gesehen und meinte dann, das sei der Kerl mit dem Tae was hatte bevor er mit Seokjin zusammen kam“, fasste er Yoongis Erklärung zusammen und zweifelte noch immer an dessen Worten. Es ergab einfach keinen Sinn. Es waren doch zu viele Zufälle, abgesehen davon, dass Jungkook ihm so etwas nie antun würde. Hoseok blickte ihn nachdenklich an, presste dabei die Lippen aufeinander und Jimin wollte gar nicht wissen was diesem gerade durch den Kopf geisterte.

„D-darf ich das Bild auch mal sehen?“, fragte Hoseok vorsichtig und Jimin nickte einfach. Warum auch nicht, Hoseok war sein bester Freund und das Bild war harmlos. Dennoch gefiel Jimin der Ausdruck in Hoseoks Augen so gar nicht als dieser Jungkook betrachtete und Jimin legte ihm die Hand auf den Mund, ehe er etwas sagen konnte.

„Gib mir eine Pause. Bitte Hobi“, flehte er den Älteren an und dieser nickte widerstrebend.

„Wollen wir einen Film schauen?“, gab er schließlich nach, krabbelte neben Jimin aufs Bett und griff nach der Fernbedienung.


********



Es lief schon der zweite Film, die Nudeln vom Bringdienst waren längst gegessen und Paro schmiegte sich noch immer wärmend an den Blonden als dieser beschloss das Schweigen zu brechen. Er hielt es nicht mehr aus, traute sich aber nicht direkt auf das eigentliche Thema zu kommen, wollte lieber erstmal Hoseoks Stimmung austesten.

„Wie war denn deine Clubtour? So gut wie man sie nach so einer Wartezeit erwartet?“

Hoseok schnaubte belustigt und zwinkerte ihm frech zu.
„Nein, leider nicht. Sie war eine Katastrophe, wenn ich ehrlich bin.“ Jimin zog interessiert die Augenbraue hoch und forderte Hoseok auf weiterzusprechen.

„Mein Kumpel RM hat seinen kleinen Bruder mitgebracht und der ist, nett ausgedrückt, nicht ganz mein Fall in Sachen Charakter.“

„Und ehrlich ausgedrückt?“, wollte Jimin wissen und Hoseok betrachtete ihn einige Sekunden stumm.

„Ein absoluter Widerling. Er hat etwas mit RM über seinen Freund gescherzt und das war das ekelhafteste, was ich seit langem gehört habe. Der Typ redet über seinen eigenen Freund wie über eine Sexpuppe.“ Hoseoks Stimme schwankte vor Ekel, während dieser sich beim Sprechen leicht schüttelte. Jimin wusste nicht so recht, ob er mehr hören wollte, doch der andere redete bereits weiter, ohne Jimin zu fragen.

„Da vielen Sprüche wie, ‚Jederzeit ficken zu können, nur für ein paar leere Liebesschwüre, ist echt praktisch‘ oder ‚Ich liebe es seinen kleinen engen Arsch zu nehmen, bis er nicht mehr sitzen kann‘. Das ging nur so. Irgendwann hat ihm dann irgendwas die Laune verhagelt und wir haben den Club gewechselt. Danach hat er die Fresse gehalten und ist mit einem blonden Kerl auf die Toilette verschwunden.“ Tief durchatmend beendete Hoseok seinen Bericht und Jimin fühlte leichte Übelkeit in sich aufkommen. Hoseok hatte recht, so etwas war widerlich. Jemanden Liebe vorzulügen, um ihn benutzten zu können war der wohl schlimmste Vertrauensmissbrauch, den er sich vorstellen konnte.

Hoseok sah noch einmal zu Jimin, griff dann nach seinem Handy und suchte etwas. Angst stieg in dem Blonden auf, was kam jetzt? Wollte er es wissen?

„Das links ist RM, in der Mitte sein Bruder Jungkook…“ Damit reichte er das Smartphone an Jimin und dieser glaubte zu fallen. Das konnte nicht sein. Sein Kookie grinste ihm da aus der Mitte des Bildes entgegen. Schwer atmend versuchte er zu verstehen was Hoseok ihm gerade offengelegt hatte.

Diese miesen Sprüche hatten nicht irgendwem gegolten, sondern ihm. Während er sich schlecht gefühlt hatte, war Jungkook mit einem anderen aufs Klo verschwunden. Stimmte dann auch die Geschichte mit Taehyung? Er hatte keine Zweifel, dass Hoseok ihm die Wahrheit sagte, sein Hyung würde ihn nicht anlügen, besonders nicht bei Themen wie diesem.

Mit einem großen Loch im Herzen starrte er auf das Bild, bis das Display schwarz wurde. Er war einer Lüge aufgesessen und sie war größer gewesen als er sich hatte vorstellen können.

„Es tut mir leid Jiminshi… so unendlich leid“, entschuldigte sich Hoseok bei ihm, für Taten, die er nicht begangen hatte, für die er nichts konnte.

Jimin konnte gar nichts dazu sagen, fühlte sich einfach nur leer und verraten, wusste nicht, wem er noch trauen konnte.




+ Ende Erster Akt +






Hallo ihr Lieben,

ja ihr seht richtig, der erste Akt ist beendet. Aber keine Bange am nächsten Montag geht es direkt mit dem Zweiten weiter, also packt die Mistgabeln (erstmal) wieder weg und die Mordpläne bitte auch, ich habe das hier noch nicht fertig geschrieben!

Aber da hier so eine gute Gelegenheit ist, möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken die so fleißig mitlesen, favorisieren und empfehlen. Ein ganz besonders großes Danke geht an jeden der hier schon oder auch immer wieder ein Review dagelassen hat. Ich muss zugeben, die haben mich teilweise echt bei der Stange gehalten. Besonders beim zweiten Akt hatte ich zwischendurch Strecken, an denen ich ernsthaft überlegt habe, dieses Projekt abzubrechen, wenn ich alles richtig gemacht habe merkt man es dem Text nicht an, aber zeitweise habe ich mich mehr mit diesen Gedanken beschäftigt, als mit denen wie ich die geplante Storyline umsetzten kann. An diesen Stellen hat es sehr geholfen direkt zu sehen wie Leser mitfiebern und sich die Zeit nehmen mir ein paar Worte dazulassen. Ich bin selbst eine miese Reviewschreiberin und versuche das aktuell zu ändern, denn ich kann nur sagen: Vielen Dank für jeden einzelnen Review und seien sie noch so kurz, sie helfen ungemein!

Die Geschichte ist noch nicht fertig geschrieben, aber ich denke den Großteil habe ich bereits geschafft, auch wenn das alles viel kürzer geplant war. Bei den ersten Überlegungen hatte der erste Akt etwas zwischen 18 und 20 Kapiteln, jetzt hat er ein paar mehr, ich hoffe es gefällt und ist nicht zu überladen geworden, ich selbst bin der Meinung, das brauchte die Story um sich zu entwickeln. Eure Meinung dazu ist sehr willkommen, nicht dass ich mich total verrenne.

Der zweite Akt ist ebenfalls fertig und am dritten und vierten schreibe ich gerade munter vor mich hin, hier wage ich es nicht abzuschätzen wie viel das wird, da vertu ich mich bloß. Es ist für mich erschreckend schwer zu beurteilen, ob ein Stichpunkt aus meiner Planung nun einen Absatz oder zwei Kapitel braucht, um richtig umgesetzt zu werden und seine Wirkung zu entfalten. Ich weiß nicht, ob das zwingend schlecht ist, für dieses Projekt macht es die Arbeit auf jeden Fall nicht leichter, aber man soll sich ja selbst Herausforderungen stellen, nicht wahr?

Nun gut, genug des Gelabers. Da ich mir sowas immer gerne durchlese durftet ihr euch nun auch daran erfreuen.

Ich verbleibe mit der Hoffnung, dass euch der erste Akt gefallen hat und ihr auch bei den weiteren dabei bleibt.

Über eure Meinung würde ich mich sehr freuen.

Passt auf euch auf und bis zum nächsten Mal.
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