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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
19.04.2021
93
232.491
33
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Dieses Kapitel
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24.02.2020 2.824
 
Erster Akt – Dreiunddreißigste Szene: Entscheidung


Der nächste Morgen kam quälend langsam, obwohl die Nacht schon halb vorbei war, als Jimin nachhause ging und sich ins Bett legte. Er fand einfach keine Ruhe, sein Herz schlug ängstlich in seiner Brust und die Nervosität ließ seine Finger zittern. Kaum ein Auge tat er zu, war mehr damit beschäftigt dem Wecker zuzusehen, wie die Zeit langsam und stetig verrann.

Kurz nach sechs schlug Jimin genervt die Decke zurück, dies hier hatte keinen Sinn. Er konnte einfach nicht schlafen, viel zu unruhig war alles in ihm, es schrie nach Bewegung und die würde er seinem Körper geben. Eilig sprang er auf, schmiss sich lockere Sachen über, machte sich frisch und verließ sein Zimmer Richtung Küche. Nach einem schnellen Frühstück eilte er weiter, aus dem Wohnheim zu den Tanzsälen. Dank der frühen Stunde hatte er die Qual der Wahl, suchte sich irgendeinen Raum aus, schmiss seine Tasche in die Ecke, startete die Musik und machte sich warm.

Gewissenhaft ging er die Stücke durch, welche er mit Hoseok in den letzten Wochen so intensiv geübt hatte. Sie hatten noch gut zwei Wochen bis zur Aufführung und die Schritte saßen, nur kleine Details galt es noch zu verbessern und Jimin war mit Feuereifer dabei.

Der Schweiß stand ihm auf der Stirn, als er eine kleine Pause einlegte, rollte in kleinen Tropfen über seine Schläfen hinab und versickerte im Kragen seines T-Shirts. Sein Blick flog zur Uhr und brummend stellte er fest, dass es noch immer fast zwei Stunden waren. Gefrustet die Luft ausblasend, ließ er sich aus dem Schneidersitz nach hinten fallen, streckte sich aus und nahm mit geschlossenen Augen einige tiefe Atemzüge. Das Kribbeln in seinem Magen wurde von Minute zu Minute schlimmer, er brauchte reichlich Willenskraft, um sich auf das zu fokussieren, weswegen er hier war.

Schließlich setzte er sich wieder auf, fuhr sich durch die Haare und machte weiter. Ging Schritt für Schritt durch und auch, wenn er sich verbesserte wurde seine innere Unruhe nur stärker. Seine Konzentration ging irgendwann gänzlich verloren, das war der Zeitpunkt als Jimin seine Sachen schnappte und zu den Duschen ging. Mit noch nassen Haaren verließ er schließlich den Sportbereich und schlenderte bemüht ruhig zum Musikkomplex. Es war gerade einmal neun Uhr und sehr ruhig auf dem Unigelände. Die meisten schliefen wohl noch, erschöpft vom Feiern oder langen Lernen. Das Wetter passte dazu, grau und trüb hing feiner Frühlingsnebel in der Luft, machte alles Klamm, was sich in ihm bewegte und Jimin bekam eine Gänsehaut von den kühlen Tropfen.

Fröstelnd lief er weiter, betrat eilig das Gebäude und orientierte sich. Yoongi hatte ihm gesagt, wo sie sich trafen, doch kurz glaubte Jimin die Wegbeschreibung vergessen zu haben. Warum mussten die Räume hier auch so seltsam angeordnet sein?

Tief durchatmend fand er die Erinnerung wieder und machte sich auf den Weg, brauchte, im zweiten Stock angekommen, nicht mehr suchen, nur noch den zarten Klängen eines Klaviers zu folgen. Jimin war sich sicher, dass Yoongi spielte, dieses Lied kannte keiner außer dem Rothaarigen. An der angelehnten Tür angekommen holte er nochmal tief Luft, fühlte sich erinnert an ihr letztes Treffen nach einer durchzechten Nacht. Nur dass er diesmal eine andere Art von Angst im Magen hatte, eine freudig nervöse, die ihn in den Raum ziehen wollte und nicht davon weg.

Leise und vorsichtig öffnete er die Tür, lächelte Yoongi an als dieser den Blick hob und schloss sie behutsam bevor er sich zu dem Älteren drehte.

„Du bist zu früh“, begrüßte Yoongi ihn tadelnd, doch seine Augen straften seine Worte Lüge. Jimin konnte das feine Glitzern trotz der Distanz zwischen ihnen gut erkennen und sein Herz machte einen Hüpfer.
„Ich wollte nicht riskieren zu spät zu kommen“, antwortete er schmunzelnd und ging gemütlich auf Yoongi zu. Neben der Klavierbank blieb er stehen, erwiderte Yoongis Blick bevor er sich zu ihm beugte und ihn drückte. Ein Schauer fuhr durch seinen Körper als er Yoongis Wärme spürte.

„Du kannst ruhig noch üben, ich würde dir gerne zuhören“, bat Jimin schließlich als Yoongi sich nicht rührte, nicht zu wissen schien was er sagen sollte, obwohl sein Blick verriet, dass ihm tausend Worte auf der Zunge lagen. Stumm nickte der Ältere, legte die Finger wieder auf die Tasten und schlug die ersten Töne an, während sein Blick sich kurz mit Jimins verhakte. Dann drehte Yoongi den Kopf wieder nach vorne, blickte unfokussiert auf die Noten und Jimin war klar, dass er sie auswendig kannte. Um nicht zu stören, setzte sich Jimin auf einen der Stühle seitlich des Klaviers und beobachtete Yoongi gebannt. Diesen störte es nicht weiter einen Zuhörer, ja einen Beobachter zu haben. Die Noten flossen durch seine Finger, erfüllten den Raum mit ruhigen Melodien, die ihre Kraft aus der Klarheit der Musik zogen.

Jimin schielte auf die Uhr, noch gut dreißig Minuten hatte er zu warten, erst dann war er mit Yoongi verabredet gewesen, doch seine Ungeduld hatte es nicht zugelassen, dass er so lange im Tanzsaal blieb. Hatte ihn hier hergezogen und war nun hochzufrieden. Jimin war es auch, Yoongi beim Klavierspielen zuzuhören war wesentlich besser, als sich Nervös im Trainingsraum herumzudrücken.

Mit jeder Note, die der Ältere spielte, zuckte es in Jimins Beinen, sie wollten sich bewegen, wollten tanzen, die schöne Musik auf ihre eigene Weise ausdrücken. Verstohlen betrachtete er Yoongis Gesicht, ruhig und konzentriert blickte er noch immer auf die Noten und schien nichts um sich herum wahrzunehmen. Noch einmal überlegte Jimin, stand dann leise auf, ließ seine Tasche auf dem Stuhl liegen und ging langsam in die Mitte des Raumes. Viel Platz war hier nicht, das Klavier nahm den meisten Raum ein und außer einiger Reihen Stühle davor war wohl nicht mehr geplant gewesen. Da die Stühle aber bereits bei Seite geräumt waren, hatte Jimin ausreichend Platz, schloss die Augen und begann sich von den sanften Klängen führen zu lassen.

Das nervöse Ziehen in seinem Magen nahm ab, je natürlicher die Bewegungen durch seinen Körper flossen. Erst verhalten, dann immer selbstsicherer tanzte er durch den kleinen Raum, achtete darauf keinen der Stühle anzustoßen, um sich und Yoongi nicht zu unterbrechen.

Sein Körper bemerkte vor seinem Verstand, dass das Lied wechselte, zum wiederholten Male gewechselt war und er dieses Stück auswendig kannte. Jede Note, jede Pause war ihm in Fleisch und Blut übergegangen und die Schritte kamen ganz automatisch, nicht mehr austestend und unzusammenhängend, sondern geplant und strukturiert. Ein Lächeln legte sich auf Jimins Lippen, während sein Herz vor Freude zitterte. Er liebte dieses Lied und es dazu zu tanzen.

Als die letzte Note verstummte, drehte er sich mit leuchtenden Augen zu Yoongi, welcher nicht länger das Notenblatt anstarrte, sondern ihn. Mit federnden Schritten hielt er auf den Älteren zu als dieser sich erhob und auf ihn zukam.

„Das sah wunderschön aus“, wisperte Yoongi verlegen. Überrascht nahm Jimin den feinen Rotschimmer auf den Wangen seines Gegenübers wahr und sein Herz machte wieder einen Hüpfer, schien alles beachtenswert zu finden, was Yoongi tat.

„Das Lied ist wunderschön“, gab Jimin noch immer euphorisch zurück und Yoongi wollte schon bescheiden abwinken, doch Jimin ließ ihn nicht. Schnappte sich seine Hand hielt sie kurz fest, bis er das sachte Beben wahrnahm und Yoongi losließ.
„Keine Widerrede, das Lied ist schön!“, bestimmte er dennoch mit fester Stimme und Yoongi lächelte ergeben.
„Na, wenn du meinst.“

Stumm sahen sie sich einige Momente in die Augen. In beiden tobten die Worte, rangen um das Recht als erste ausgesprochen zu werden.

„A-aber es hat noch immer keinen Text“, warf Yoongi schließlich ein und Jimin war klar, dass er etwas anderes hatte sagen wollen.
„Es hat reichlich Texte“, korrigierte Jimin ihn und Yoongi kniff verlegen die Lippen zusammen.
Musste wohl an den letzten Text denken, welchen er Jimin geschickt hatte. Es war eine Liebeserklärung an den Tanz gewesen, voller Gefühl und Hingabe. Jimin waren fast die Tränen gekommen als er ihn las und ein weiteres Gespräch welcher der finale Text sein sollte war eigentlich überflüssig. Dennoch standen sie nun hier, hatten gestern Abend ausgemacht heute nochmal die Köpfe zusammenzustecken und zu beratschlagen welcher Text der aussichtsreichste war.

„Zu viele!“, bestätigte Yoongi mit rauer Stimme und blickte Jimin tief in die Augen. Jimins Magen kribbelte, zog ihn näher an Yoongi heran bis sie nur noch wenige handbreit voneinander entfernt standen. Sich tief in die Augen blickend kehrte wieder Stille ein.

Wie in Zeitlupe hob Yoongi die Hand, legte sie an Jimins Wange und dieser schmiegte sich sacht dagegen. Er konnte sehen wie Yoongi schwer schluckte, nach Worten suchte, aber genauso erfolglos blieb wie Jimin selbst. Jimins Hände wanderten an Yoongis Oberarme, legten sich darauf und strichen behutsam über den dünnen Stoff. Yoongi blies zittrig den Atem aus, lehnte sich langsam vor und ließ den Daumen über Jimins Unterlippe gleiten.

Jimin wusste was passieren würde, wollte es sehnlichst und konnte dennoch nicht. Sein Lächeln wurde tiefer, verstehend, die Augen weich, als er eine Hand weiterwandern ließ, bis sie sich auf die auf seiner Wange legte. Der Ältere blinzelte verwirrt als Jimin sie festhielt, das Gesicht drehte und ihm einen leichten Kuss auf die Handinnenfläche legte. Dann wand Jimin den Blick wieder zu Yoongis Augen und wusste, seine Entscheidung war gefallen, endlich.

Auch seine andere Hand nahm Jimin von Yoongis Arm legte sie an dessen Wange und drückte seine Stirn gegen die des Rothaarigen, schloss für einige Sekunden die Augen und atmete tief ein. Sog den feinherben Duft Yoongis in sich auf und blickte ihm wieder in die Augen.

„Ich muss wohl dringend etwas klären gehen“, wisperte er liebevoll. Ein Ruck ging durch Yoongi, dennoch bewegte er sich nicht, nur ein feines Zittern verriet seine Anspannung. Der Blick des Älteren lag weiterhin gefühlvoll auf ihm und zauberte ihm ein warmes Gefühl voller Geborgenheit in den Magen.

„Ich melde mich danach bei dir“, versprach Jimin und wünschte, es wäre schon so weit. Nur mit Widerwillen schaffte er es sich von Yoongi zu lösen, seine Hand loszulassen. Bevor er jedoch gänzlich von ihm zurücktrat, lehnte er sich noch einmal vor, hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und schenkte ihm ein warmes Lächeln.

Mit bebenden Fingern griff er nach seiner Tasche, warf Yoongi immer wieder verstohlene Blicke zu, traute sich aber nicht ihn dessen Augen zu schauen, zu groß war die Angst dann nicht mehr gehen zu können. Er hatte die Tür fast erreicht als sich Arme um seine Taille schlangen, Yoongi offensichtlich seine Starre gelöst hatte und ihn zurückhielt. Federleicht legten sich Lippen auf seinen Hals.
„Ich warte darauf“, raunte Yoongi ihm ins Ohr bevor er ihn wieder freigab und Jimin den Raum auf wackligen Beinen verlassen konnte.


********



Kaum das Gebäude verlassen schlug Jimin einen Weg ein, den er seit dem Beginn seines Studiums nur einmal gegangen war. Dennoch fand er ihn ohne jedes Zögern, hatte ihn in Gedanken immer wieder genommen und sich verboten es in Wirklichkeit zu tun.

An dem sterilen Mietshaus angekommen huschte er hinter einem der Mieter, der gerade ging, ins Treppenhaus und hörte seinem eigenen Herzen dabei zu wie es von Stufe zu Stufe lauter schlug. Den Fahrstuhl zu nehmen hätten seine flatternden Nerven nicht ausgehalten, sie trieben seine Beine an und nur Minuten später stand er vor einer helllasierten Tür und klingelte mit geschlossenen Augen.

Noch einmal tief Luft holend öffnete er sie wieder als er Schritte hörte. Sein Herz wusste nicht, ob es doppelt so schnell oder lieber gar nicht mehr schlagen sollte als die Tür vor seiner Nase sich langsam öffnete und Jungkook zum Vorschein kam. Verwirrt blickte ihn der Jüngere an, brauchte etwas bis er sein Lächeln fand.

„Komm rein“, bat er mit rauer Stimme und erst da fiel Jimin auf, dass der andere noch Schlafkleidung trug. Es war fast mittags und Jungkook kam gerade aus dem Bett? Wie lange hatte er gestern gelernt? Jimin betrachtete ihn besorgt. Er wollte den Jüngeren nicht direkt nach dem Aufstehen überrumpeln, aber eigentlich war es auch egal. Es gab keinen guten Zeitpunkt, um so etwas zu besprechen. Also besser jetzt als später, es würde nur schlimmer werden.

„Möchtest du auch einen?“, fragte Jungkook, während er sich eine Tasse Kaffee eingoss und sich zu Jimin umdrehte, welcher ihm in die Küche gefolgt war. Er nickte und sah sich neugierig um. Seit er das letzte Mal hier gewesen war hatte sich viel verändert, er erkannte den Raum kaum wieder. Was aber auch daran liegen konnte, dass er ihn nie richtig eingerichtet gesehen hatte, nur mit halb aufgebauten Möbeln und ohne all den Kram, den man in einer Küche so herumstehen hatte.

Jungkook kam auf ihm zu, hielt ihm eine Tasse entgegen und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn.

„Was ist los? Du siehst so besorgt aus“, wollte er schließlich wissen als Jimin noch immer stumm blieb. Die Worte schienen sich vor dem Blonden zu verstecken, wollten nicht gesagt werden und ließen ihn hilflos zurück.

Noch immer stumm setzte er sich zu Jungkook an den Küchentisch, nahm einen kleinen Schluck seines Kaffees und blickte ihn dann fest in die Augen.
„Du weißt, warum ich da bin“, stellte Jimin leise fest, sah es in Jungkooks Augen. Dieser hatte ihn gebeten nicht herzukommen, wollte nicht das sie auffliegen und Jimin hatte sich daran gehalten. Bis jetzt und Jungkook war klar, dass er ihn nicht einfach nur sehen wollte. Auch dem Jüngeren mussten die Veränderungen in ihrer Beziehung klar sein, Jimin hatte ihn schon einmal darauf angesprochen und so schnell verging es nicht.

Schwer schluckend nickte Jungkook, umklammerte seine Tasse fester und wand den Blick ab. Gab Jimin damit die Freiheit seinen Mut zusammenzunehmen und endlich die Worte zu finden welche sich so eifrig vor ihm zu verstecken versuchten. Seine Tasse auf den Küchentisch stellend erhob sich der Blonde, ging auf den Jüngeren zu und kniete sich vor ihn, konnte ihm so wieder in die Augen schauen.

„Kookie… es tut mir leid… aber… ich kann einfach nicht mehr. Du bist mir unendlich wichtig, nur halte ich das alles nicht mehr aus…“, brachte Jimin stockend über die Lippen, beobachtete wie sich Tränen in Jungkooks Augen sammelten und stumm über dessen Wangen rollten, während er Jimin zuhörte.

„Jiminshi… bitte tu das nicht“, wimmerte der Jüngere erstickt. In Jimins Kehle bildete sich ein Kloß, wollte sie genauso zuschnüren wie sein Herz es gerade tat während auch seine Augen langsam feucht wurden. Er wusste, dass das hier schmerzhaft werden würde, doch so schlimm hatte er es sich nicht vorgestellt. Sein Leben schien zu zerbrechen, ihm verloren zu gehen und ließ ihn im leeren Raum zurück. Er hatte panische Angst zu fallen, nur konnte er einfach nicht mehr zurück. Nicht dorthin wo Jungkook stand und ihm die Hand reichte, es ging einfach nicht mehr.

„Ich kann nicht… du weißt, dass ich das nicht kann… Es tut mir leid.“ Jimin versuchte seine Stimme fest klingen zu lassen und scheiterte kläglich. Ein ängstliches Wimmern, mehr nicht, drang über seine Lippen, während sich seine Hände in seine eigene Hose krallten, um sich davon abzuhalten Jungkook bebende Finger zu ergreifen.

Der Jüngere hatte die Lippen zu einem geraden Strich zusammengepresst und schluckte schwer. Hielt den Kopf gesenkt, wich Jimins flehenden Blick aus während er sich die Tränen von den Wangen wischte. Dann hob er den Kopf wieder, sah Jimin in die Augen, voller Wärme und Liebe und dieser glaubte zu ersticken. Was tat er hier?

„Du hast recht“, wisperte Jungkook, rutschte vom Stuhl, schob diesen dabei etwas nach hinten, um sich vor Jimin zu knien. Legte ihm die Hände sanft an die Wangen und lächelte ihn schüchtern, mit schmerzverklärten Augen an.

„Ich kann nur ahnen wie sich unsere Beziehung für dich anfühlen muss, ich… hatte gehofft wir finden eine Lösung bevor es so kommt…“, machte er leise weiter, lehnte sich zu Jimin und küsste ihn hauchzart. Eine kurze Erinnerung ihres ersten Kusses flackerte in Jimin auf. Damals in der Umkleide, nach dem Sportunterricht in der Unterstufe, als Jungkook ihn am Arm zurückhielt, ihn für einige Sekunden küsste und dann mit roten Wangen verschwand, Jimin mit Schmetterlingen im Magen zurückließ und all das hier begann.

„Jimin… ich liebe dich von ganzem Herzen und… will einfach nur, dass es dir gut geht, du glücklich bist… Wenn du das nicht mit mir sein kannst, dann sei es ohne mich.“ Jungkooks Stimme wurde mit jedem Wort fester, sicherer, blieb dabei aber warm und einfühlsam. Jimin fühlte sich mit jeder Silbe schrecklicher.

„Was auch immer passiert, du kannst immer zu mir kommen… Ich werde dich aber nicht länger aufhalten, wenn du das Gefühl hast gehen zu müssen.“ Damit ließ er Jimins Gesicht los, lächelte ihn noch einmal gequält an, bevor er den Kopf wieder hängen ließ und ihren Blickkontakt brach. Auch in Jimin brach etwas, etwas von dem er nicht wusste, dass es da gewesen war.

„Es tut mir leid“, hauchte Jimin mit der Selbstbeherrschung ringend, strich Jungkook mit zitternden Finger noch ein letztes Mal über die Wange und verließ fast fluchtartig die Wohnung. Doch es half nichts, selbst unter freiem Himmel fühlte er sich wie gefangen und wollte nur noch Weg, so weit wie möglich.
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