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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
28.06.2021
103
265.184
41
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
29.07.2019 1.865
 
Erster Akt - Dritte Szene: Latte Macchiato


Der Morgen begann viel zu früh und viel zu hell. Hatte Jimin doch am Abend vergessen die dünnen Vorhänge vorzuziehen, die die Morgensonnen wenigstens etwas aussperrten. Leicht verkatert drehte er sich um, versuchte sich unter dem Kissen zu verstecken, was aber nichts half. Die Sonne war zu hell, seine Kehle zu trocken. Grummelnd griff er nach seiner Wasserflasche auf dem Nachttisch, stieß sie um und hörte, wie sie unter das Bett rollte.

Toll, jetzt war er wach. Müde schwang er die Beine aus dem Bett und sah nach der Flaschen. Diese lag an der Wand unter dem Bett. Viel zu weit weg, um an sie heranzukommen. So schleppte Jimin sich ins Bad und trank einige Schlucke aus dem Wasserhahn. Spritzte sich anschließend etwas Wasser ins Gesicht und stand kurz danach unter der kühlen Dusche, da das frische Nass einfach zu wohltuend war.

Geduscht und wesentlich munterer verließ er das Bad und öffnete erstmal das Fenster, um frische Luft hereinzulassen. Tief durchatmend ließ er sich, nur in ein Handtuch gehüllt, auf seinem Bett nieder. Lehnte sich entspannt zurück und griff nach seinem Handy. Desinteressiert klickte er sich durch die Nachrichten des letzten Abends, einige Lerngruppen waren dabei die Termine verschoben und das Highlight war wie immer Hoseok, als er zuhause angekommen war und Jimin in hunderten Nachrichten eine gute Nacht und süße Träume wünschte.

Bei einer der letzten Nachrichten blieb er hängen, der Name sagte ihm nichts. Er las ihn nochmal und dann klingelte es endlich, der Typ aus dem Club, den er versehentlich angebaggert hatte und der dafür Hilfe einforderte. Er hatte ihm geschrieben. Wie bereits angedroht, Zeit und Ort, um einen Kaffee zu trinken. Und zwar schon in einer Stunde! Jimin fuhr hoch, als ihm die Zeit bewusstwurde. Wenn er sich nicht sputete würde er gnadenlos zu spät kommen.

Schneller als üblich war er angezogen, nichts aufwendiges, fühlte er sich doch noch immer etwas zerschlagen von der letzten Nacht. Eine Jeans und ein übergroßer Pullover, dessen Ärmel er bequem über die Hände ziehen konnte. Dazu setzte er seine Brille auf, seine Augen waren noch zu gereizt von der Nacht für Kontaktlinsen. Über die frisch geföhnten Haare kam eine Mütze, die ihm einige Haare ins Gesicht fallen ließ und mit der er sich irgendwie niedlich fühlte. Er neigte eh dazu, sich besonders niedlich anzuziehen, wenn er sich nicht wohl oder unsicher fühlte und gerade traf beides zu. Vom Alkohol fühlte er sich noch angeschlagen und Taehyung schüchterte ihn ein wenig ein.

Für mehr Grübeleien hatte er keine Zeit mehr, das genannte Café lag auf der anderen Seite des Campus, er musste los. Erst als er mit schnellen Schritten seinem Ziel entgegenstrebte, fiel ihm auf, dass die ganze Eile nicht Not tat. Er hätte einfach schreiben können, dass er später oder auch gar nicht kam.

Warum hatte er das nicht gemacht?

Weil er neugierig war.

Schon seit gestern Abend wollte er unbedingt wissen, was Taehyung von ihm wollte. Ein Café schien ihm der beste Ort um es herauszufinden, öffentlich, viele Leute, er konnte schnell verschwinden, wenn es ihm zu bunt wurde.

Sein Ziel war ein nettes kleines Café, wie es sie zuhauf auf dem Gelände gab. Er war bereits einmal hier gewesen, als er sich mit Hoseok durch alle Cafés auf dem Campus getestet hatte. Leider war es so weit weg, dass es sich einfach nicht gelohnt hatte extra herzukommen. Der Kuchen war zwar gut, aber auch keine solche Offenbarung, dass er den Weg gelohnt hätte.

Er sah sich suchend im Inneren um, konnte Taehyung aber nirgends sehen. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass dieser noch zehn Minuten hatte. So suchte sich Jimin einen der gemütlichen Tische aus und bestellte sich einen Latte Macchiato und wartete. Aber selbst als sein Glas fast leer war saß er noch allein am Tisch. Das Kinn auf die Hand gestützt beobachtet er gelangweilt die Tür. Es waren nicht viele Leute hereingekommen und keiner von denen war Taehyung gewesen, auch unter denen die schon saßen war er nicht zusehen. Jimin hatte sie genau gemustert, er wartete immerhin schon eine halbe Stunde.

Leicht genervt nahm er sein Handy zur Hand und wollte sich beschweren, sitzengelassen zu werden, als es leise piepste und den Erhalt einer Nachricht verkündete. Fiel Taehyung erst jetzt ein ihm abzusagen oder ihn über seine Verspätung zu informieren?

>> Wo bleibst du? << stand dort. Jimin blickte sich verwirrt um. Wo er blieb? Er wartete seit einer kleinen Ewigkeit.
>> Ich warte seit 30 Minuten. Wo bleibst du? << schrieb er zurück und wartete gespannt auf die Antwort.
>> Oh… hab dich gar nicht erkannt, Upsi. Bin gleich da <3 << Wie, nicht erkannt? Saß der irgendwo und beobachtete den Laden?

Nein, er saß nicht irgendwo, er lief rum und kam nun endlich zu Jimin. Dieser hätte sich am liebsten mit der Hand vor die Stirn geschlagen, als einer der Kellner mit einem breiten Grinsen und zwei Stücken Kuchen auf ihn zukam. Er hatte sich alle Gäste genau angesehen, aber nicht die Kellner.

„Sorry, ich hatte nicht mit einem so niedlichen Tarnlook gerechnet“, begrüßte Taehyung ihn, stellte die Teller ab und zog Jimin in eine unerwartete Umarmung.

Dieser schaute in verdattert an. „Tarnlook?“, fragte er verwirrt nach. Das waren doch seine normalen Klamotten.

„Nach deinem Outfit gestern hatte ich bei dir mit einem anderen Stil gerechnet“, erklärte Taehyung abwinkend und besah sich Jimins leeres Glas. „Möchtest du noch einen?“, fragte er mehr formhalber, er hatte bereits nach dem Glas gegriffen und war dabei sich zu erheben, als Jimin nickte. Schnell verschwand er hinter dem Tresen und machte zwei Kaffee für sie fertig, gab Jimin damit Zeit sich wieder etwas zu sammeln. Irgendwie überforderte ihn der Kerl permanent. Kopfschüttelnd richtete er seine Aufmerksamkeit lieber auf den Kuchen. Kuchen zum Frühstück? Wenn nicht als Student wann dann, beschloss er und wartete artig auf seinen Kaffee.

Mit einem breiten Grinsen stellte Taehyung diesen vor ihm ab und setzte sich ihm gegenüber hin. Griff nach seiner Gabel und genehmigte sich erstmal einen Bissen Kuchen, bevor er Jimin eingehend musterte.

„Ist das eine Dekobrille?“, wollte er dann wissen und überrumpelte Jimin damit erneut.

„Nein“, erwiderte er nur kopfschüttelnd und reicht Taehyung die Brille, als er auffordernd seine Hand danach ausstreckte.

„Hm, ich sehe ganz schön verschwommen. Steht mir die?“, fragte Taehyung mit Jimins Brille auf der Nase. Dieser legte den Kopf leicht schief und betrachtete den anderen eingehend.

„Nein, sie passt nicht zu deiner Gesichtsform“, beschloss er schließlich und Taehyung reichte ihm die Brille ein wenig niedergeschlagen zurück.

„Schade. Ich hatte gehofft, ich sehe dann genauso süß aus wie du“, erklärte Taehyung unzufrieden mit sich und der Erkenntnis, dass er dafür wohl mehr brauchte als eine Brille.

„Süß wird bei dir wohl schwer. Du gehst eher Richtung Model, mit deinen markanten Gesichtszügen“, befand Jimin und betrachtete ihn nochmal eingehend. Nein, süß war nun wirklich nicht das erste, was ihm zu seinem Gegenüber einfiel. Zwar war sein Lächeln durchaus niedlich, aber zum Knuddeln süß war er einfach nicht, dafür wirkte er zu cool und abgeklärt.

„Oh, danke, mehr davon bitte“, sprang Taehyung direkt auf das Kompliment an und verputzte, Bewunderung heischend, einen weiteren Bissen von seinem Kuchen. Jimin nahm leicht beschämt einen Schluck Kaffee und griff dann ebenfalls zur Gabel.

Stille trat ein, da Jimin nicht auf Taehyungs Aufforderung reagierte und dieser über irgendetwas nachzugrübeln schien.

„Sag mal Jimin, hast du einen Freund?“, platzte er dann unvermittelt heraus. Jimin nickte gelassen und aß entspannt weiter seinen Kuchen. Die Frage störte ihn nicht wirklich, eigentlich war er froh, dass sie so die Fronten klären konnten.

„Wie lange seit ihr schon zusammen?“, fragte Taehyung munter weiter, das Thema schien ihn zu interessieren. Die Gabel war neben dem nun unbeachteten Stück Kuchen abgelegt worden und wurde eiskalt ignoriert. In Taehyungs Augen glitzerte etwas Seltsames, was Jimin nicht ganz deuten konnte. War das Traurigkeit, Unglaube, Argwohn?

„Seit ein paar Jahren“, antwortete Jimin bemüht ruhig. Nun wurde ihm das Thema doch unangenehm, Taehyungs Verhalten war merkwürdig.

„Der Typ deines Handyhintergrunds?“, ging das Verhör auch schon weiter.

Jimin wurde es zu bunt und er beschloss dem Ganzen ein Ende zu setzen. „Ja. Wobei soll ich dir denn nun eigentlich helfen? Ich platze gleich vor Spannung.“ Eher vor Anspannung, Taehyungs Augen machten ihm langsam Angst. Sein engelsgleiches Gesicht wirkte friedlich und entspannt, als würden sie nur plaudern, aber in seinen Augen schien ein Sturm zu toben, unter einer Decke aus erzwungener Ruhe.

„Ach stimmt, das habe ich dir ja noch gar nicht verraten“, stieg Taehyung auch gleich auf den Themenwechsel ein und Jimin entspannte sich wieder etwas.

„Also Jiminshi, du als Tänzer kannst mir doch sicher helfen eine kleine Choreografie für ein Lied zu entwickeln.“ Die Zuversicht in Taehyungs Stimme war unüberhörbar und machte Jimin klar, dass er nicht gefragt wurde, ihm wurde befohlen. Er hatte das zu schaffen und es nicht nur zu versuchen. Gut, dass sein Interesse bereits geweckt war. Noch gehörte es nicht zum Stundenplan selbst Choreografien zu entwickeln, aber er hatte es bereits einige Male in der Tanzschule gemacht. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, das kam immer ganz darauf an, ob er einen Zugang zu dem entsprechenden Lied fand, aber versuchen wollte er es auf jeden Fall.

„Erzähl mir mehr“, forderte er Taehyung daher auf und schob sich gespannt eine weitere Gabel voll Kuchen in den Mund.

„Es ist für eine Prüfungsleistung. Ich habe mit einem Kommilitonen ein Lied geschrieben, das ist der eine Teil, die Präsentation der andere. Er spielt Klavier, ich singe und möchte das Ganze mit einer kleinen Schrittfolge abrunden, nur starr am Mikro kleben ist zu langweilig“, führte er weiter aus und in Jimin begann es direkt zu arbeiten. Das klang doch machbar, besonders wenn Taehyung dabei noch singen wollte, brauchte es nichts Aufwendiges zu werden, je nach Lied eher etwas Elegantes.

„Ich muss den Song hören, dann kann ich dir sagen, ob ich da weiterhelfen kann“, grübelte Jimin schon tief in Gedanken, was für ein Stiel zu Taehyung passen würde.

„Hast du jetzt noch Zeit oder bist du verabredet?“, gab Taehyung fragend zurück und Jimin grinste ihn frech an.

„Ich habe eigentlich ein heißes Date. Aber mein Schreibtisch ist es schon gewohnt, dass ich ihn versetze“, scherzte er und Taehyung sprang auf.

„Wunderbar. Pass bitte auf meinen Kuchen auf, ich bin gleich wieder da.“ Und weg war er. Jimin verputzte in der Zwischenzeit den Rest seines eigenen Stücks, dann stand Taehyung auch schon wieder vor ihm. Nicht mehr im Kellnerdress, sondern in normalen Sachen und grinste ihn überschwänglich an.

„Wir müssen uns noch kurz gedulden, dann können wir rüber ins Studio und uns den Song anhören“, erklärte er zufrieden mit sich und der Welt und machte sich über seinen Kuchen her. Jimin betrachtete ihn mit einem sanften Lächeln. Gut, Taehyung konnte doch verdammt süß sein. Dafür brauchte er aber keine Brille, sondern einfach nur etwas Euphorie und Torte.

„Du kannst jetzt einfach Feierabend machen?“, fragte er dennoch nach, immerhin schien Taehyung am Arbeiten gewesen zu sein, als er kam.

„Es ist ja nicht viel los und ich war eh nur aushilfsmäßig da“, winkte Taehyung ab, leerte seinen Kaffee und sprang förmlich von seinem Stuhl auf.
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