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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
19.04.2021
93
232.491
33
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Dieses Kapitel
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20.01.2020 2.156
 
Erster Akt - Achtundzwanzigste Szene: Eine Nacht zu dritt


„Tae, jetzt mach mal, oder sollen Jimin und ich schon vorgehen?“, brummte Seokjin leicht genervt. Stand dabei in der Tür des Badezimmers und blickte den Jüngeren streng durch den Spiegel an. Jimin saß auf dem Rand der Badewanne und ließ seinen Blick zwischen den beiden anderen schweifen, blieb dann an Taehyung hängen, welcher sich konzentriert betrachtete.

„Nein und nein! Ich brauche eben meine Zeit“, maulte dieser unzufrieden. Nur womit wusste keiner. Wohl noch nicht einmal Taehyung selbst, so unschlüssig wie er immer wieder den Blick über sich selbst gleiten ließ.

„Wofür denn? Du siehst toll aus!“, entfuhr es Seokjin verzweifelt. Noch einen Blick auf Taehyung werfend verließ er das Bad, hatte wohl beschlossen hier nichts gewinnen zu können. Mit einem schnellen Blick zu Taehyung erhob sich auch Jimin, ihm wurde langsam langweilig.

„Du hast fünf Minuten, dann schnappe ich mir Seokjin und verschwinde mit ihm in die Nacht“, raunte er dem Größeren anrüchig ins Ohr und verabschiedete sich mit einem frechen Klaps auf dessen Hintern aus dem Bad.

Jin stand in der Küche, versuchte sich mit einem Glas Wasser zu beruhigen und die Hoffnung schwand etwas aus seinem Blick als er sah, dass Jimin allein aus dem Bad kam.
Ein schweres Seufzen entkam ihm und sein Blick flog wieder zur Badezimmertür.
„Sonst braucht er auch nie so lange“, murmelte Seokjin, kaum dass Jimin neben ihn getreten war.

„Er wirkt beleidigt. Hat ihm einer was getan?“, äußerte Jimin, was ihm schon seit seiner Ankunft hier durch den Kopf wanderte. Nur gegenüber Taehyung hatte er es nicht ansprechen mögen, der sah aus als würde er an die Decke gehen, wenn er darüber konkreter nachdenken würde.

„Muss wohl an Yoongis Absage liegen. Niederlagen verkraftet Tae nicht gut“, erklärte Seokjin schief lächelnd und ließ sich von Jimin zur Garderobe ziehen.

Schnell versteckte Jimin seinen überraschten Blick und die sacht roten Wangen, indem er sich abwand und in seine Schuhe schlüpfte. Er würde ganz sicher keinem der beiden sagen, dass er der Grund für diese Absage war, das wirkte ungesund so wie Taehyung sich verhielt.
Etwas skeptisch beobachtete Seokjin sein Tun, machte es ihm aber nach, kaum dass Jimins Blicke ihn dazu aufforderten.

„Du willst ohne Tae abhauen?“, kam es spöttisch von Seokjin, während dieser sich noch die Schuhe zuband.

„Ich habe ihm fünf Minuten gegeben. Wenn er dann nicht kommt müssen wir konsequent sein und gehen, sonst wird das nichts mehr mit der Erziehung“, erklärte Jimin frech und ein empörtes Schnauben schallte aus Richtung Bad zu ihnen herüber.

„Bitte? Ich bin tadellos erzogen, bei auch zweien mache ich mir da eher Gedanken!“, schimpfte Taehyung im Näherkommen und zog sich ebenfalls Schuhe an. Schaffte es dabei mit geübter Leichtigkeit beiden abwechselnd böse Blicke zuzuwerfen.

„Und die fünf Minuten sind noch nicht um“, empörte er sich dann noch an Jimin gerichtet, erntete dafür ein mildes Lächeln.

„Wir sind ja auch noch nicht weg“, erwiderte der und hielt die Tür auf. Nicht dass Taehyung nochmal in den Spiegel schaute und wieder an seinem Antlitz kleben blieb. Seokjin schien ähnliches zu denken und schob Taehyung bestimmt aus der Tür.

Taehyung machte sich den Abend über einen Spaß daraus den Beleidigten zu spielen, schaffte es im genau richtigen Maß hin und wieder einzulenken, damit Jimin und Seokjin am Ball blieben und ihn etwas hofierten. Auch wenn es absolut albern war wie sie sich verhielten, die beiden Kavaliere mit ihrer persönlichen Prinzessin auf der Erbse, hatten alle reichlich Spaß und selbst Jimin schaffte es seine düsteren Gedanken einige Stunden zu vergessen. Er hatte Spaß am Tanzen und Trinken und freute sich über jedes Lächeln, welches er Taehyung abringen konnte.

Er und Seokjin verfolgten dabei gänzlich unterschiedliche Strategien. Ging Jimin mit lieben Blicken und freundlichen Aufmerksamkeiten vor, war Seokjin direkter. Schnappte sich Taehyung immer wieder für leidenschaftliche Küsse oder raunte ihm leise Dinge ins Ohr, von denen Jimin gar nicht wissen wollte was es war, Taehyungs Blick reichte ihm vollkommen. Zwischendrin zwinkerte der Ältere Jimin immer wieder frech zu, spornte ihn an wieder miteinzusteigen, wenn die zwei Turteltauben ihn etwas an den Rand gedrängt hatten.

Als sich der Club langsam wieder leerte und auch bei ihnen sich die Müdigkeit breitmachte, war es Taehyung, welcher auf seinem Weg zur Toilette die Gläser mitnahm und den anderen beiden auftrug an der Tür auf ihn zu warten.

Der Abend war kühl im Vergleich zu den wärmer werdenden Tagen und eine leichte Gänsehaut zog sich über Jimins Arme. Schützend schlang er sie um sich, blickte auf zu dem sternenklaren Himmel und ließ sich vom Wind die Haare zerzausen. Die frische Luft ließ ihn den Alkohol deutlicher spüren und eine bleierne Müdigkeit schlich sich zu der Kälte in seinen Gliedern, ließ ihn leicht Zittern.

„Alles okay?“, fragte Seokjin neben ihm. Trat auf ihn zu und legte ihm locker die Arme um die Hüfte, zog ihn etwas näher und schirmte den Wind ab. Ein erleichtertes Seufzen entkam Jimins Lippen, ehe er nickte.

„Ich bin nur müde und mir ist kalt.“

„Besser?“ Seokjin zog ihn enger an sich und Jimin schmiegte sich, nach Wärme lechzend, näher an den Älteren.

„Hmh“, brummte er zufrieden. Den Kopf gegen Seokjins Brust sinken lassend schloss er die Augen und genoss einfach nur die ungezwungene Nähe.

„Es war wirklich schön heute“, setzte Jimin schließlich wieder an, nachdem kurz Stille eingetreten war.

„Nachdem Taehyung sich wieder eingekriegt hatte schon“, meinte Seokjin grinsend und steckte Jimin damit an, zauberte auch ihm ein feines Lächeln auf die Lippen.

„Ohne ihn wäre es nicht so lustig gewesen“, gab Jimin zu bedenken und Seokjin nickte lachend. Funkelte ihn Verheißungsvoll an und beide wusste, dass sie sich einig waren.

„Da seid ihr, ich such euch schon“, erklang Taehyungs unzufriedene Stimme, kurz bevor er sich zwischen sie drängte. Sich bei Jimin einhakend marschierte er einfach los, zog den Blonden mit und ließ Seokjin stehen. Es dauerte einen Moment, bis sie die Situation begriffen, dann war Seokjin mit einigen langen Schritten wieder auf ihrer Höhe, angelte nach Taehyungs freier Hand und ließ sich nicht anmerken, ob der Auftritt seines Freundes ihn störte. Stumm grinste er vor sich hin, schaute hin und wieder zu den beiden Jüngeren und dirigierte sie sicher durch die nächtlichen Straßen. Jimin ließ sich einfach mitziehen, die Müdigkeit in ihm wurde immer schlimmer, auch wenn ihm jetzt seine Wärmequelle fehlte. Halb schlafend folgte er einfach nur noch und war froh, als Taehyung ihn auf das gemütliche Sofa drückte und ihm mit den Schuhen half. Seokjin stand keine Minute später mit Decke und Kissen vor ihm und packte ihn gut ein. Kaum lag Jimins Kopf auf dem Kissen, fiel er auch schon in einen tiefen traumlosen Schlaf.


********



Müde blinzelnd öffnete Jimin langsam wieder die Augen. Im schummrigen Licht musste er sich erst orientieren und setzte sich dann stöhnend auf. Eine Hand strich ihm über den Kopf, als sich sein Blick langsam fokussierte, sah er Seokjin vor sich hocken und ihn prüfend ansehen.

„Morgen…“, murmelte Jimin mit rauer Stimme und stützte den schmerzenden Kopf mit den Händen ab. Er hatte gar nicht mitbekommen wie viel er getrunken hatte, sein Kater allerdings hatte wohl sehr genau buchgeführt, der Rächte sich gerade für jedes Glas.

„Morgen“, kam es leise und freundlich von Seokjin, Jimin schenkte ihm einen dankbaren Blick für seine Rücksicht. Stumm deutete dieser auf den Couchtisch neben sich, dort lagen bereits Schmerztabletten und ein Glas Wasser bereit. Überfordert musterte Jimin beides und war sich nicht sicher, ob er schon so koordiniert handeln konnte, um die Tablette runterzubekommen.

„Mach langsam, ich mache so lange Frühstück.“ Damit ließ Seokjin ihn allein, verzog sich auf leisen Sohlen in die Küche und Jimin atmete erleichtert aus. Taehyung hatte wirklich Glück mit dem Älteren, der sah nicht nur gut aus, sondern war auch noch lieb und aufmerksam, keine schlechten Grundvoraussetzungen. Langsam richtete er sich ganz auf, streckte sich behutsam und befand, dass er das mit der Tablette nun doch mal versuchen wollte und hatte Erfolg. Gierig trank er das Glas Wasser komplett leer und rappelte sich dann auf. Mit trägen Schritten verzog er sich ins Bad, machte sich frisch und zog sich um, dennoch fühlte er sich zerschlagen als er es wieder verließ und wusste, dass er auch genau so aussah.

Seokjin war in der Zwischenzeit fleißig gewesen und ein kleines Frühstück stand auf den Tisch, neben Kaffee und einigen frischen Früchten. Der Ältere winkte ihn zu sich und Jimin ließ sich auf dem gezeigten Stuhl nieder, wanderte dann mit dem Blick über den Tisch und stutzte.

„Was ist mit Tae?“ Es standen nur zwei Teller und zwei Tassen da.

„Der schläft noch, seine Portion steht in der Küche“, erklärte Seokjin mit einem verschlagenen Funkeln in den Augen und Jimin beschloss auch hier nicht weiter nachfragen zu wollen.
Stumm aßen sie vor sich hin, während Jimins Lebensgeister sich langsam wieder regten, obwohl die pochenden Schmerzen hinter seiner Stirn präsent blieben.

„Wie kannst du dir eigentlich so eine Wohnung leisten?“, schoss es aus ihm heraus, bevor seine Höflichkeit die Worte aufhalten konnten. Sofort lief ihm das Blut in die Wangen, doch Seokjin lachte nur auf und nickte ihm verstehend zu.

„Die Wohnung gehört einem Verwandten. Der arbeitet aktuell im Ausland und ich kann hier wohnen, muss auf alles achtgeben und darf nichts kaputtmachen und meine Unkosten trage ich selbst“, erklärte er freimütig und Jimin nickte. Klang logisch. Wie sonst konnte sich ein Student eine solche Wohnung leisten. Die war riesig und ging im Grunde über zwei Etagen, auch wenn die zweite fast nicht existent war, da im Wohnzimmer einfach die Decke der Etage fehlte und sich gut vier Meter in die Höhe erstreckte. Auch die anderen Räume, die er gesehen hatte, waren groß und luxuriös ausgestattet. Allein das Bad war so groß wie sein ganzes Zimmer und die Küche war ein Traum. Wenn man Taehyung Glauben schenken durfte, genau richtig für Seokjin, der leidenschaftlich und gut kochte. Soweit Jimin das gerade beurteilen konnte stimmte es, das Frühstück war zumindest hervorragend.

„Da hast du wirklich Glück“, murmelte Jimin gedankenverloren vor sich hin und dachte an die Miete, die er für seine paar Quadratmeter im Monat zahlte.

„Da hast du recht“, stimmte Seokjin ihm zu und Jimin konnte hören, dass dieser es genauso empfand und es nicht als selbstverständlich ansah hier sein zu können, nur weil seinem Verwandten diese Wohnung gehörte.

„Geht’s dir etwas besser?“

„Na ja, die Kopfschmerzen sind hartnäckig…“

Seokjin nickte, blickte ihn aber weiter nachdenklich an. Jimin hatte das Gefühl, dass dem Älteren eine Frage auf der Zunge lag und zog fragend die Augenbrauen hoch.

„Tae meinte, dass es dir in letzter Zeit nicht gut ginge. Deshalb wollte er auch unbedingt mit dir feiern gehen, um dich auf andere Gedanken zu bringen“, erklärte Seokjin sichtlich unbehaglich. Schien mittendrin zu bemerken, dass er es besser nicht gesagt hätte. In Jimins Magen machte sich eine warme Freude breit, auch wenn es ihm nicht gefiel, dass ein weiterer Mensch sich Sorgen um ihn machte. Es tat unendlich gut zu wissen, dass Taehyung ihm helfen wollte. Fast unmerklich schlich sich ein Lächeln auf Jimins Lippen, erreichte seine Augen und ließ sie warm leuchten, Seokjin entspannte sich etwas.

„Nicht wirklich. Ich weiß einfach nicht was mit mir los ist. Ich baue in letzter Zeit nur noch Mist und verstehe nicht warum“, gab Jimin wage zu, wollte Seokjin nicht die Ohren vollheulen und sich nicht aufdrängen.

„Klingt schlimm.“

„So fühlt es sich auch an…“

Stille trat ein, während beide stumm vor sich hin kauten. Immer wieder schlichen sich Jimins Gedanken zu Jungkook, jedes Mal zog sich sein Herz schmerzhaft zusammen. Eigentlich war die Lösung des Rätsels doch ganz einfach, nur würde sie wohl wehtun und Jimin fühlte sich dafür nicht bereit. Dennoch zog er sein Handy aus der Tasche und schrieb Jungkook an.

„Musst du los?“, durchbrach Seokjin die Stille als Jimin sich erhob.

Dieser nickte, während er nach seinem Teller und der Tasse griff und beides in die Küche brachte.
„Ja, ich muss was klären“, brummte er verkrampft. Sein Kopf wollte noch nicht so recht wie er wollte und piesackte ihn mit Schmerzen.

Tief einatmend lehnte er sich gegen die Arbeitsfläche und drückte sich die Finger auf die Schläfen, in der Hoffnung die Schmerzen so etwas zu mildern.
„Soll ich dich fahren?“, bot Seokjin an, der ihm gefolgt war und ihn besorgt betrachtete.
„Ginge das? Das wäre super“, willigte Jimin ein und musste sich selbst von einem begeisterten Nicken abhalten. Den schmerzenden Kopf auch noch zu schütteln hielt er für keine gute Idee. Seokjin grinste nur und ging zur Tür, um sich Schuhe anzuziehen, während Jimin seine Sachen holte und sich zu ihm gesellte.

„Sag Tae bitte, dass ich mich später bei ihm melde. Nicht dass er beleidigt ist, weil ich einfach abhaue.“
Seokjin schaute ihn verwirrt an, nickte dann aber zustimmend.
„Guter Gedanke. Ohne dich wird es schwerer die Diva zu beruhigen.“
„Zur Not ruf mich an, dann komm ich nochmal vorbei.“
„Vorsicht. Wir reden über Tae. Die Wahrscheinlichkeit ist gar nicht so klein.“
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