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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
10.05.2021
96
239.968
34
Alle Kapitel
151 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
13.01.2020 1.572
 
Erster Akt - Siebenundzwanzigste Szene: Bittere Gedanken


Hoseoks Riesenstofftier Paro war stets eine Stütze gewesen, wenn Jimin traurig war und sein bester Freund ihn aufmuntern musste. Flauschig und genügsam hatte es sich knuddeln lassen und war einfach da gewesen, mit seiner ruhigen Stetigkeit. Doch diesmal wollte es nicht helfen, egal wie fest Jimin sich in seinen weichen Stoff krallte und wie viel Mühe Hoseok sich gab. Das dumpfe Gefühl in seinem Herzen wich einfach nicht. Blieb da wie ein drückender Nebel, der ihn zu verschlingen drohte und den selbst Hoseok nur in Schach halten, nicht aber vertreiben konnte.

Dabei gab sich sein Hyung wirklich Mühe, wich nicht von seiner Seite und versuchte alles, um Jimin ein Lächeln abzuringen. Was diesen dazu brachte sich noch schlechter zu fühlen und hin und wieder eines seiner fake Lächeln auszupacken, um Hoseok für seine Mühe zu belohnen. Auch wenn dieser es jedes Mal durchschaute, sah er Jimins Bemühen und blieb am Ball, machte einfach weiter und Jimin war ihm dankbar. Denn trotz der Schuldgefühle, Hoseok so eine Last zu sein, blieb er in dessen Nähe. Er brauchte gerade seinen besten Freund, jemand der ihm permanent klarmachte, dass alles nicht so düster war, wie es ihm einige seiner Gedanken vorgaukelten.

Während Hoseok ihm einen Auftritt seines Lieblingstänzers zeigte und sich eifrig über die Schritte ausließ, sie analysierte und Jimin zu begeistern versuchte, hing dieser seinen Gedanken nach. Sein Freund würde es ihm nicht krumm nehmen, das wusste er. Es war nicht nett ihn zu ignorieren, aber Hoseoks fröhliche Stimme, die mit so viel Leidenschaft sprach, tat einfach gut, machte es Jimin ein wenig leichter mit seinen Gedanken klarzukommen, in denen er einfach nicht die Antwort auf die Frage, was überhaupt mit ihm los war, fand.

Sein letztes Treffen mit Jungkook vor wenigen Tagen saß ihm noch in den Knochen, auch wenn sich der Jüngere aufrichtig entschuldigt hatte. Immer wieder hatte er dies wiederholt und sich bei Jimin gemeldet, ihn gefragt, ob es ihm gut ging und aus seinem Alltag berichtet, etwas was Jimin so liebte. Dennoch blieb ein schaler Nachgeschmack bei jeder dieser Nachrichten, auf die er nur spärlich antwortete. Die Unbeschwertheit war dahin. Dazu kamen noch andere Gedanken. Solche die sich um dunkelrote Haare und ein Klavier drehten und einen Chat, in den er seit über einer Woche nicht mehr geschrieben hatte und der ihn wie magisch anzog. Er hatte nichts getippt, nichts gesendet, las nur immer wieder die alten Nachrichten, in denen so wenig stand. Dennoch schlug sein Herz jedes Mal schneller und fühlte sich nicht mehr ganz so taub an.

„Hobi?“, brummte er in Paros Fell. Rau und heiser vom langen Schweigen und offensichtlich zu leise. Der Angesprochene sah ihn nicht an, blickte weiter auf den Bildschirm, redete und fuchtelte dabei mit den Händen. Ein kurzes Lächeln huschte über Jimins Lippen bevor er sich räusperte und das Video stoppte. Ein verwirrter Blick traf ihn bevor er fragend angeschaut wurde.

„Das Date wird nicht stattfinden.“

„Warum?“, kam es prompt und Hoseok biss sich auf die Zunge. Ein entschuldigender Ausdruck legte sich auf dessen Züge und Jimin wehrte ab bevor Hoseok loslegen konnte.

„Es geht nicht… ich erkläre es dir später mal…“, erwiderte Jimin brüchig und wunderte sich über sich selbst. Eigentlich wollte er Hoseok den Grund nennen, sagen, dass Jungkook nicht wollte. Es dem Jüngeren zu anstrengend war zu viert unterwegs zu sein und sich nichts von seiner Beziehung anmerken zu lassen. Doch die Worte wollten nicht über seine Zunge. Sie klangen schon in seinem Kopf so hohl und leer, dass sie einfach nicht in seinen Mund wollten.

Wieder traf ihn ein Blick voller Sorge, gefolgt von einem Nicken.
„Bist du deshalb so deprimiert?“ Hoseok klang besorgt, fast ängstlich, als würde diese Frage alles noch schlimmer machen.

Ein freudloses Lachen kam über Jimins Lippen, ließ Hoseok die Augenbrauen zusammenziehen.
„Nein… nicht nur… ich weiß es nicht“, gestand er schließlich. Zwang sich zu einem tapferen Lächeln und ließ die Sorgenfalten auf Hoseoks Stirn tiefer werden.

„Willst du hier bleiben?“, bot der Ältere gehetzt an als Jimin das Plüschtier ordentlich zurück auf dessen Bett setzte und sich erhob. Hoseok sprang mit auf und wirkte fast so als wolle er Jimin festhalten.

Kurz, aber ehrlich legte sich ein Lächeln auf Jimins Lippen als er Hoseok ansah und ihn flüchtig an sich zog.
„Nein. Aber danke für das Angebot.“
Er drückte ihn auf Armlänge von sich und konnte sehen, dass Hoseok mit dem Protest kämpfte und nicht entscheiden konnte, ob er Jimin seine Ruhe lassen oder ihn dabehalten sollte.
„Ich bin so froh, dass ich dich habe, aber ich muss los“, entschied Jimin mit fester Stimme, auch wenn dies die Sorgen seines Hyungs nicht zerstreute, nickte dieser.

„Ruf an sobald was ist oder komm vorbei“, ermahnte er noch fahrig, während Jimin seine Sachen zusammensuchte.
Dieser schüttelte leicht den Kopf bei diesen Worten und drehte sich wieder zu seinem besten Freund.
„Das mach ich doch eh, lange wirst du mich nicht von Paro fernhalten.“ Damit umarmte er Hoseok und tätschelte dem Stofftier den Kopf, bevor er sich aus dem Staub machte.

Im Treppenhaus hielt er kurz inne, lehnte sich gegen die Wand und atmete tief durch. Kaum war er nicht mehr bei Hoseok schienen die grauen Nebelschleier um ihn wieder dichter zu werden und ihn zu erdrücken. Nahmen ihm den Atem und Jimin musste sich erst wieder darauf einstellen, dass sie mit voller Härte zurück waren.

Mit geschlossenen Augen sog er die Luft konzentriert ein, stieß sie wieder aus. Wiederholte es einige Male bis es ihm besser ging und er sich wieder auf den Weg machte.
Auf der Straße warf er einen Blick auf sein Handy, ignorierte die Nachricht von Jungkook und las lieber die von Taehyung.

>> Willst du morgen mit feiern gehen? Du siehst so bedrückt aus, das müssen wir ändern! <<

Ob das eine gute Idee war? Schlechte Laune und Alkohol? Er stellte ja schon Dummheiten an, wenn es ihm gut ging. Auf der Unterlippe kauend ging er langsam weiter. Wenn Hoseok seine Laune nicht gehoben bekam wie sollte Taehyung es schaffen? Er kannte ihn weniger gut als sein bester Freund. Aber vielleicht war es genau das, was er brauchte?

>> Kommt Seokjin mit? <<

>> Ohne den darf ich nicht feiern gehen. Bin noch auf Bewährung… <<

>> Kann der auch aufpassen, dass ich nicht wieder Mist baue? << Es war albern und peinlich, aber er brauchte ja offensichtlich Aufsicht. Die Idee mit Taehyung feiern zu gehen gefiel ihm von Sekunde zu Sekunde besser, nur wie beim letzten Mal enden sollte es nicht.

>> Er nickt ganz eifrig. Also bist du dabei????? <<

Jimin war sich sicher, dass hier ausschließlich ein Ja akzeptiert werden würde und so willigte er ein. Taehyung schrieb ihm noch wann und wo sie sich treffen sollten und bot an, dass sie bei Seokjin schlafen konnten, dann lief Jimin nicht Gefahr auf dem Heimweg etwas anzustellen. Er konnte sich Taehyungs Blick bei diesen Worten bildlich vorstellen und stimmte einfach mal zu, schon allein, damit sich der Größere darüber aufregen konnte, Seokjin nicht direkt hinter der Wohnungstür vernaschen zu können.

Mit etwas besserer Laune erreichte er sein Zimmer, schmiss seine Tasche in die Ecke und überlegte was er tun sollte. Auf Lernen hatte er wenig Lust und Hunger hatte er auch, aber es war noch zu früh zum Essen und zu viel zu tun zum Faulenzen. Sein Handy riss erneut seine Aufmerksamkeit an sich, als es sacht vibrierte. In Erwartung einer weiteren Nachricht von Taehyung sah er nach und ließ es fast fallen, als er sah, wer ihm schrieb.

>> Bist du am Samstag dabei? << Eine ganz unschuldige kleine Frage, dennoch löste sie ihn Jimin Schwindel aus und sein Herz stolpern. Schwer schluckend sah er die Buchstaben an und wusste nicht was er denken sollte. Was sollte das heißen? Worauf wollte Yoongi hinaus?
>> Tae versucht mich gerade dazu zu überreden/erpressen, am Samstag mit ihm und Seokjin auszugehen…<< Schob dieser auch schon eine Erklärung hinterher und ein aufgeregtes Kribbeln breitete sich in Jimins Magen aus.

>> Ich hatte ihm eben zugesagt. <<

>> Gut. Dann komme ich nicht mit. Macht euch einen schönen Abend... <<

Geschockt starrte Jimin auf das Display. Das warme Kribbeln in seinem Magen hatte sich durch einen kalten Schreck ersetzt. Was hatte er falsch gemacht?

>> Musst du nicht. Ich kann auch absagen, wenn du mich nicht dabei haben willst. << bot er sofort an und seine Sicht verschwamm etwas.

Yoongi hasste ihn.

Ein Gedanke, der wehtat und das taube Gefühl in seinem Herzen wurde wieder stärker, schien den Muskel lähmen zu wollen und Jimin entwich ein leises Wimmern.

>> Passt schon. Tae hat mit dir sicher mehr Spaß als mit mir und wir beide mit Musik und Alkohol unter einem Dach ist wohl ein zu großes Risiko… leider<<

Erleichtert blies Jimin die Luft aus und fuhr sich über die Augen. Seine Finger schwebten über den Buchstaben, doch er wusste nicht was er schreiben sollte. Die Erleichterung, dass Yoongi ihn wohl doch nicht hasste war gerade zu groß, er wollte nicht wieder einen Fehler machen und den anderen verletzen. So atmete er nochmal tief durch und schaltete das Handy schließlich wieder aus. Setzte sich artig an seinen Schreibtisch und versuchte das warme Gefühl durch Lernen zu überdecken und nicht weiter darüber nachzudenken.
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