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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
10.05.2021
96
239.968
34
Alle Kapitel
151 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
06.01.2020 3.385
 
Erster Akt - Sechsundzwanzigste Szene: Widerwille


Vorwort:

An dieser Stelle möchte ich eine Trigger-Warnung aussprechen: Wer mit sexueller Gewalt nicht umgehen kann oder dies nicht lesen möchte, sollte dieses Kapitel überspringen.

Allen die nicht weggeklickt haben, viel Spaß beim Lesen.





Ausgepowert und müde lag Jimin auf seinem Bett. Starrte Löcher in die Luft, während er versuchte aus seinen eigenen Gefühlen schlau zu werden. Nichts war mehr gut, alles war schrecklich und er war mittendrin, konnte sich nicht retten oder auch nur klar benennen was genau in ihm los war.

Beim Training heute hatte er alles gegeben, seinen ganzen Frust, die Verzweiflung und Verwirrung einfließen lassen und hatte versucht so Klarheit zu finden. Es hatte ihm viel Lob seines Trainers eingebracht, aber wirklich besser fühlte er sich nicht. War nun nur zu müde zum Denken und den rasenden Gedanken die Stirn zu bieten.

Noch immer spürte er Yoongis Arme, die sich so kurz, aber fest um ihn geschlungen hatten. Ihn für nicht mal eine Sekunde an ihn pressten und der Wunsch brannte in ihm, wieder dort zu sein. Eine dumpfe Leere breitete sich in seinem Herzen aus, als er die Erkenntnis zuließ. Lange hatte er versucht sie zu leugnen, sie mit Argumenten zu verscheuchen, doch es half nichts. Er genoss jede von Yoongis Berührungen, jeden seiner Blicke, selbst wenn er nur im gleichen Raum war.

Er war nervös und aufgeregt gewesen als er ihn gestern in der Mensa gesehen hatte. Auch wenn er fast am anderen Ende des Raumes saß und sie sich die Rücken zudrehten, hatte es ihn glücklich gemacht und trieb ihn nun zur Verzweiflung.

Immer wieder waren ihm in den letzten Tagen Taehyungs Worte in den Sinn gekommen. Dass dies alles passierte, da er nicht glücklich mit Jungkook sei, dass er einen Ausweg suchte. Auch Hoseoks Eindruck eines Hilfeschreis wurde mit jedem Tag ein wenig weniger abwegig.

'Bist du mit Jungkook glücklich oder wärst du es gerne?'

Er wollte es. War bereit dafür zu kämpfen, hatte es nie infrage gestellt. Bis Taehyung die Frage für ihn stellte. Aussprach, was er nie zu denken gewagt hatte und eine Lawine der Gefühle in ihm auslöste.

Hatte etwas in ihm nur darauf gewartet, dass jemand kam der ihn interessierte, um zu beginnen sich von Jungkook zu lösen?

Was sagte das über ihn aus? Wenn Jungkook nicht gut für ihn war, warum brauchte es dann erst einen anderen, bis er es bemerkte? Müsste er es nicht auch so merken? Müsste seine Seele nicht auch ohne Yoongi schreien, wenn sie Schmerzen hatte?

Langsam die Luft auspustend drehte er sich auf den Rücken, starrte unfokussiert an die Decke und stellte sich Jungkooks Gesicht vor. Die warmen Augen, das sanfte Lächeln…
Wimmernd kniff er die Augen zu. Irgendetwas stimmte an dem Bild nicht, war falsch und quälend. Es war nicht sein schlechtes Gewissen, glaubte er zumindest, sondern das Gefühl welches Jungkooks Züge ihn ihm auslösten. Etwas fehlte, als habe er das Wichtigste im Gesicht seines Freundes vergessen.

Ein lautes Klopfen an der Tür ließ ihn hochschrecken. Verwirrt blickte er die Tür an. Er erwartete keinen Besuch und wollte eigentlich auch niemanden sehen. Dennoch stand er auf und öffnete.

Jungkook stand vor ihm, lächelte aber nicht wie sonst sein warmes, liebevolles Lächeln, sondern wirkte gehetzt und angespannt. Ganz automatisch ließ Jimin ihn herein, beobachtete besorgt wie Jungkook verkrampft an ihm vorbeiging und sich mit einem leisen Zischen auf seinem Bürostuhl niederließ.

Sofort war er bei ihm, strich ihm vorsichtig mit der Hand über den Kopf und betrachtete ihn besorgt.
„Was ist los Kookie?“, kam es leise, fast ein wenig panisch. Das kannte er von dem Jüngeren nicht, wenn er sein Lächeln nicht trug, war etwas nicht in Ordnung.

„Ich habe mir nur den Rücken verzogen. Kein Grund zur Sorge“, brachte Jungkook etwas gepresst über die Lippen, verzog sie zu einem tapferen Lächeln als er Jimins Blick sah. Die Arme nach ihm ausstreckend, bedeutete er Jimin vor ihn zu treten, damit er ihn sacht an sich ziehen konnte. Ein Ruck ging durch Jungkook und sofort bereute Jimin es der Aufforderung gefolgt zu sein. Mit Tränen in den Augenwinkeln streckte Jungkook den Rücken wieder durch und ein leises Stöhnen entfuhr ihm.

„Solange ich gerade bleibe ist alles gut“, erklärte er selbstironisch und sah Jimin entschuldigend an.

Dieser nickte nachdenklich und strich Jungkook weiter über den Kopf.
„Ich habe noch Wärmepflaster da“, fiel es ihm dann wieder ein und er drehte sich zum Bad.
Ein leises Keuchen hinter ihm verriet, dass Jungkook aufgestanden war. Kaum wieder bei dem Jüngeren, hatte dieser auch schon sein T-Shirt hochgezogen und drehte ihm den Rücken hin.

„Wie hast du das geschafft?“, wollte Jimin wissen, während er die Pflaster auf die angegebenen Stellen klebte. Jungkook zuckte leicht zusammen, biss auf seine Lippen und Jimin bemühte sich ihm nicht noch mehr wehzutun.

„Ich bin auf die grandiose… Autsch… Idee gekommen, meine Marmorskulptur allein verrücken zu können“, erklärte er, während er sich setzte. Fuhr sich kopfschüttelnd durchs Haar und grinste Jimin frech an.
„Fürs Protokoll, ich kann es nicht“, stellte er dann noch fest und schloss kurz die Augen, seufzte entspannt.

„Wie lange wirken die?“
„Sechs bis acht Stunden. Wenn die Schmerzen dann wiederkommen musst du zum Arzt“, erklärte Jimin streng als er das schelmische Funkeln in Jungkooks Augen sah. Als dieser auf diese Anweisung hin unwillig den Mund verzog, wusste Jimin die Gedanken seines Freundes richtig erraten zu haben.

Damit sich der Jüngere nicht weiter verrenkte ließ sich Jimin vor ihm auf dem Boden nieder, legte seine Hände auf Jungkooks Knie und bettete seinen Kopf darauf.
„Hilft's?“, fragte er nach einiger Zeit nach. Jungkooks Gesicht wirkte entspannter und auch seine ganze Körperhaltung zeigten die Wirkung, aber Jimin wusste einfach nicht was er sagen sollte, blieb daher lieber bei diesem Thema.

„Hmh…“, brummte Jungkook zufrieden, fing Jimins Blick ein und jagte ihm einen Schauer über den Rücken.
„… aber weißt du was mir gerade noch mehr helfen würde?“, machte er mit leiser, tiefer Stimme weiter. Fuhr dabei mit dem Daumen über Jimins volle Lippen und verlor sich einen Moment in deren Anblick. Jimins Augen wurden derweil groß, das war doch nicht Jungkooks ernst! Er konnte vor Schmerzen kaum sitzen und dachte daran?

„Spinnst du? Was ist mit deinem Rücken?“, erwiderte Jimin leicht entsetzt. Jungkooks Blick blieb aber unverändert verklärt, der Griff um Jimins Kiefer wurde fester, hielt ihn an Ort und Stelle als er zurückschrecken wollte.

„Komm schon. Ein wenig Entspannung würde meinem Rücken guttun“, säuselte er verführerisch und Jimin musste schwer schlucken. Unsicher beobachtete er wie Jungkooks freie Hand zu dessen Gürtel wanderte und ihn erstaunlich geübt öffnete.

„Das ist doch nicht dein Ernst“, brachte Jimin abwehrend über die Lippen und Jungkooks Blick wurde wieder klarer. Eine unerwartete Härte mischte sich in das weiche Braun und Jimin glaubte einen Funken Wut darin aufglimmen zu sehen. Jungkooks Hand öffnete davon unbeirrt weiter dessen Hose, die andere zog Jimins Gesicht ein wenig näher.

„Als du es letztens nötig hattest, habe ich es dir doch auch besorgt. Wo ist das Problem?“, fauchte Jungkook gereizt. Das schlechte Gewissen brach wie eine Flutwelle über Jimin herein. Wäre es nur seine eigene Geilheit gewesen, hätte seine Stimme wohl nicht versagt. Aber die Erinnerung daran, dass dies allein von Yoongis Lippen und Händen ausgelöst worden war, seinem Fehltritt mit einem anderen, ließ ihn die Augen niederschlagen. Jungkook hatte recht, was stellte er sich so an? Wenn er sich von dem Jüngeren holte was er haben wollte, hatte er es diesem auch zu geben, wenn der es verlangte, das war nur fair.

Dennoch sträubte er sich etwas. Jungkook wusste wie ungern er das hier tat, verlangte es sonst nie von ihm, aus Rücksicht. Nur heute würde er sich wohl nicht drücken können.

Jungkook zog sein Gesicht bereits wieder näher an seinen Schritt und als Jimin den Blick hob, sah er das seine andere Hand bereits sein Glied streichelte. Schwer schluckend kniete er sich richtig hin, legte seine Finger um Jungkooks Penis und entlockte ihm ein erleichtertes Seufzen. Mit der anderen Hand stützte er sich auf Jungkooks Oberschenkel ab, krallte die Finger in den festen Stoff der Jeans, um wenigstens das Gefühl von Halt zu haben.

Er blickte nicht auf, schaffte es nicht Jungkook in diesem Moment in die Augen zu sehen. Alles in ihm schrie, dass er nicht wollte, es lassen sollte, wenn es sich für ihn nicht richtig anfühlte. Kurz schloss er die Lider, hatte wieder Yoongis Lächeln vor sich, welches ihm die Tränen in die Augen trieb. Die Schuldgefühle waren wieder da, ließen sein Herz stolpern und seinen Magen verkrampfen.

Die sanften Finger in seinem Haar gaben ihm den Rest, wie sie ihn beruhigend streichelten. Seine Hand glitt bereits behutsam an dem steifen Schaft auf und ab, entlockte Jungkook immer wieder feine Seufzer, die Jimin durch das Rauschen in seinen Ohren kaum hörte.

„Jiminshi… bitte…“, wimmerte Jungkook erstickt.

Schwer schluckend öffnete Jimin die Lippen, tastete sich langsam mit der Zunge über Jungkooks Spitze und kniff die Augen zusammen. Jungkook durchzog ein Ruck, ein erst schmerzhaftes, dann erregtes Stöhnen entkam ihm und die Finger in Jimins Haaren krallten sich fest.

„Verdammt, ja! Mach weiter“, raunte der Jüngere und Jimin folgte. Glitt mit seiner Zunge von der Spitze ausgehend die gesamte Länge hinab und dann wieder hinauf. Versuchte seine Atmung dabei ruhig zu halten und die Nervosität und den Widerwillen niederzukämpfen. So schlimm war es doch gar nicht, es war immerhin Jungkook. Sein Freund, der Mensch, den er liebte…

Schließlich legte Jimin die Lippen an Jungkooks Spitze, küsste sie ein paar Mal und sog austesten an ihr. Jungkook entfuhr ein lautes Stöhnen und zustimmendes Brummen, dennoch fühlte es sich für Jimin nicht besser an. Tief durch die Nase ausatmend ließ er Jungkooks Glied weiter in seinen Mund gleiten, tastete sich ganz langsam vor und trieb Jungkook damit in den Wahnsinn. Dieser stöhnte und keuchte, mal erregt, mal gequält. Immer wieder verkrampfte sich dessen Hand in seinen Haaren, versuchten aber nicht Jimins Bewegungen zu steuern.

Leicht zitternd nahm Jimin ihn so weit in sich auf wie er konnte, drückte mit seiner Zunge gegen den pulsierenden Schaft und Jungkooks Stöhnen wurde rauchiger. Erste Tränen sammelten sich in Jimins Augen und er glitt mit seinen Lippen wieder zurück, entließ das heiße Glied schließlich ganz und wischte sich über den Mund.

„Kookie…“, setzte er brüchig an, kam aber nicht weiter. Jungkooks Hände hatten sich um sein Gesicht gelegt, es angehoben, um ihn anschauen zu können. Ein Blick voller Lust und Verlangen traf ihn, ließ ihn schwer schlucken.

„Jimin bitte, ich halt das nicht aus“, raunte dieser, vor Erregung zitternd. Dabei aber so bittend und verzweifelt, dass Jimin ganz automatisch nickte.

Es dauert nicht ewig, du schaffst das. Du tust es für Jungkook. Sagte er sich immer wieder während er seine Arbeit erneut aufnahm. Auch wenn sein Magen sich verkrampfte glitt Jungkooks Glied wieder in seinen Mund, hinein und hinaus im stetigen Wechsel. Sich konzentrierend umspielte Jimin es so gut er konnte mit der Zunge und wurde mit rauchigen Lauten der Lust belohnt, die ihn hoffen ließen, dass es bald vorbei war. Er zog das Tempo soweit an wie er konnte, doch für Jungkook war das nicht schnell genug. Immer unruhiger wurde der Jüngere, schaffte es nicht mehr seine Hand zu kontrollieren und drückte Jimin tiefer. Ein ersticktes Schnauben entfuhr ihm, als sich Jungkook ganz in ihm versenkte.
Ein lautes Stöhnen war Jungkooks Reaktion und er verlor die Beherrschung. Schmerzhaft krallten sich die Finger des Jüngeren in den blonden Schopf und schlugen einen schnellen Rhythmus an.

Jimin versuchte sich zu wehren, Widerstand zu leisten, doch erfolglos. Jungkook bestimmte das Tempo und Jimin konnte nur hilflos folgen. Sich auf seine Atmung konzentrieren und bemüht darum die aufkommende Übelkeit niederzukämpfen, versuchte er sich anzupassen. Tränen flossen über seine Wangen als Jungkook nochmals schneller wurde, unkontrolliert unter ihm zuckte und atemlos keuchte. Die Hoffnung keimte in Jimin, dass es gleich so weit war.

Ein letztes Mal wurde er tief nach Unten gedrückt und Jungkook erreichte seinen Orgasmus. Kam in seinem Mund und Jimin musste würgen.

Die Finger in seinem Haar lockerten ihren Griff keine Sekunde zu früh. Schon war er auf den Beinen. Sich eine Hand vor den Mund pressend, rannte er ins Bad und erbrach sich Sekunden später. Krämpfe schüttelten ihn, jagten Tränen über sein Gesicht und nur mit viel Willenskraft schaffte Jimin es schließlich seine Atmung wieder zu kontrollieren.

Kreidebleich und zitternd rappelte er sich vom Boden wieder hoch. Stützte sich am Waschecken ab und sah sich selbst in die verschleierten Augen. Tief durchatmend spülte er seinen Mund aus und wusch sich anschließend das Gesicht. Noch immer bebend stand vor der Tür und schaffte es nur zögerlich sie zu öffnen.

Kaum hatte er das Zimmer betreten, sprang Jungkook auf, zuckte schmerzhaft zusammen, kam aber dennoch ungelenk auf ihn zu.
„Gehts?“ Schon schlangen sich die Arme des Größeren um ihn, zogen ihn beschützend an sich und Jimin verkrampfte. Nichts an dieser Umarmung tat ihm gut. Sie beruhigte ihn nicht, gab ihm weder Geborgenheit noch Wärme, er wollte einfach nur weg. Dennoch blieb er stehen, ließ sich den Rücken streicheln, doch sein Zittern wurde nicht besser.

„Es tut mir leid, das wollte ich nicht“, hauchte Jungkook erstickt und Tränen rannen ihm über die Wangen. Er wirkte fassungslos über sich selbst und doch meinte Jimin ein zufriedenes Glitzern in den schreckgeweiteten Augen seines Freundes zu sehen. Sofort krampfte sich sein Magen wieder zusammen und seine Beine wurden weich. Taumelnd machte er sich los und ließ sich aufs Bett sinken.

„Ver-verlang das bitte nie wieder von mir“, brachte Jimin schwach über die Lippen. Er hätte sich selbst Ohrfeigen können, so viele Gefühle und Gedanken tobten gerade in ihm und lediglich das brachte er über die Lippen. Er war ein Idiot.

„Nein… Nie wieder!“, versprach Jungkook sofort, blickte ihn besorgt an und wusste nicht was er mit sich anfangen sollte. Er sah aus als wolle er Jimin wieder an sich ziehen, doch sein panischer Blick zum Bett machte deutlich, dass er ihn dort nicht erreichen konnte, sein Rücken es nicht zuließ.

Auch wenn Jimin es nicht zugeben würde, war genau das der Grund warum er die Beine anzog und es sich im Schneidersitz dort gemütlich machte. Jungkook schenkte ihm noch einen weiteren flehenden Blick, ließ sich dann aber wieder auf dem Bürostuhl nieder.

„Jimin, es… es tut mir leid… ich…“, begann er von neuem, schien nicht zu wissen wie er seine Gefühle in Worte fassen konnte. Jimin hob nur abwehrend die Hand. Er wollte es nicht hören, nicht darüber sprechen, es einfach nur vergessen. Sie waren zusammen, sie hatten es ausprobiert, es war schiefgegangen. Das und nichts anderes würde er sich versuchen einzureden…

„Lass es… bitte…“, setzte er dem Thema stockend ein Ende, doch Jungkooks Blick verriet seine Gedanken. Stille trat ein in der Jungkook auf seiner Unterlippe herumkaute und Jimin sich einfach nur leer fühlte. Mit neuen Tränen kämpfend überlegte er was sie nun tun sollten. Er wollte Jungkook nicht wegschicken, hatte Angst, dass es auf ewig zwischen ihnen stehen würde, wenn der Jüngere jetzt ging.

„Warum…“, setzte Jimin stockend an, Jungkooks Blick lag gebannt auf ihm.
„Warum erzählst du mir nicht ein bisschen davon, wie es mit der Skulptur sonst so läuft?“, schlug Jimin leise vor. Der Widerwille stand Jungkook ins Gesicht geschrieben, aber Jimin wollte wirklich nicht darüber sprechen was gerade passiert war. Lieber der Stimme seines Freundes lauschen, wenn dieser begeistert von seinen Kunstprojekten berichtete. Vielleicht würde dann ja auch endlich das Zittern aufhören und sein Herz nicht mehr so ängstlich schlagen.

Es klappte nicht, lediglich Jungkook wurde ruhiger und Jimin schaffte es besser Entspannung vorzutäuschen, doch innerlich war er noch genauso aufgewühlt wie zuvor. Fast krampfhaft versuchte er Jungkooks Worten zu folgen, sich in ihnen zu verlieren wie er es schon so oft getan hatte. Immer wieder schweiften seine Gedanken ab, er wollte zu Hoseok, sich einfach nur bei ihm verkriechen. Zusammen Musik hören und gar nichts tun. Nicht reden, nicht denken müssen.

„Kookie?“, brach er schließlich sein Schweigen, die Stimme ein wenig rau. Sofort lag der interessierte Blick seines Freundes auf ihm und ein feines Lächeln zog sich über dessen Lippen. Es erreichte Jimins Herz nicht, ließ ihn nur schwer Schlucken, bei dieser Erkenntnis.

„Hoseok hat gefragt, ob er dich endlich mal kennenlernen kann. Er hat uns zu einem Doppeldate mit seiner Freundin eingeladen“, machte Jimin unsicher weiter. Wollte schon fast abbrechen als er Jungkooks Blick sah, riss sich dann aber zusammen. Es war nichts dabei diese Bitte zu äußern, es gab also keinen Grund sich so schlecht zu fühlen wie er es gerade tat.

„Jimin… bitte…“, kam es Jungkook gequält über die Lippen. Die Hände ineinander verkrallt, die Stirn in Falten gezogen, glitzerte Schmerz in seinen Augen. Jimin wusste woran er dachte, doch er wollte nicht so leicht aufgeben. Da der Vorschlag schon im Raum stand wollte er ihn auch verteidigen.

„Ich weiß ja, dass du vorsichtig sein musst, dass wir vorsichtig sein müssen. Es geht aber nur um einen Abend zu viert. Essen, Kino, vielleicht noch etwas trinken. Du musst mit mir keins auf Pärchen machen. Hoseoks Freundin denkt wir sind nur Freunde. Dagegen kann niemand etwas sagen, dir auch nichts draus drehen, was deine Eltern misstrauisch machen könnte“, führte er hoffnungsvoll aus. Doch Jungkooks Blick wurde nur noch verzweifelter.

„Das geht nicht“, wiegelte er ab. Ohne Erklärung, ohne Gegenvorschlag. Leise Wut machte sich in Jimin breit. Sah Jungkook nicht wie wichtig ihm das war? Könnte er nicht etwas mehr Kompromissbereitschaft zeigen?

„Warum nicht? Es wird ein Abend unter Freunden. Wo ist das Problem?“, setzte Jimin lauter werdend nach. Endlich verschwand das flaue Gefühl im Magen, wurde von der aufkommenden Wut verdrängt. Die Beine vom Bett schwingend stand er schließlich auf und stellte sich vor Jungkook, um ihm besser in die Augen schauen zu können.

„Wo das Problem ist?“, fauchte Jungkook zurück. Seine Stimme brach fast, als sich ein Schluchzer in seiner Kehle emporarbeitete.

„Weißt du eigentlich, wie sehr ich mir sowas wünsche? Dich einfach zu schnappen und auf ein Date zu entführen. Einfach mal zusammen ins Kino zu gehen oder ins Schwimmbad“, machte er weiter. Legte Jimin dabei die Hände auf die Schultern und schaute ihn verzweifelt an. Jimin blieben die Worte im Halse stecken, als er diesen Blick sah.

„Ich kann einfach nicht. Ich kann nicht mit dir unterwegs sein und so tun als wäre da nichts. Nur eine Freundschaft! Jedes Mal, wenn wir auch nur kurz unterwegs sind, treibt mich das an den Rand meiner Selbstbeherrschung. Ich will dich küssen verdammt, berühren, deine Hand halten“, schrie er schon fast und Tränen lösten sich aus seinen Augen, rollten ihm über die Wangen und erstickten Jimins Wut.

„Ich will doch das Gleiche wie du…“, hauchte er mit brechender Stimme, zog Jimin an sich, auch wenn er sich vor Schmerzen verkrampfte.

„Es zerreißt mir das Herz, wenn ich darüber nachdenke, für wen ich mich entscheiden soll… dich oder meine Familie…“, flüsterte er Jimin ins Ohr, vergrub sein Gesicht an dessen Schulter und ließ seinen Tränen freien Lauf. Ganz von allein fanden Jimins Hände ihren Weg auf Jungkooks Rücken, streichelten ihn sacht, versuchten ihm den Halt zu geben, den er so dringend zu brauchen schien.

„Ich weiß, dass mein Verhalten selbstsüchtig ist. Dich zu zwingen mit einer geheimen Beziehung zu leben ist unfair, aber ich kann einfach nicht anders. Ich liebe meine Eltern und ich liebe dich genauso, wenn nicht mehr… Ich kann keinen von euch aufgeben…“ Jungkooks Stimme versagte endgültig, während er sich so fest er konnte an Jimin presste. Auch diesem standen Tränen in den Augen und sein Herz blutete.

Er hatte einfach nicht nachgedacht bevor er geredet hatte, bevor er Hoseok zugesagt hatte es zu versuchen. Schon da hätte er die Idee abwehren müssen, er hatte es nicht getan und die Last an Jungkook weitergegeben, nur weil er gerade durch seine eigene Dummheit mit sich selbst überfordert war.

Es war einfach alles so unfair. Alles was mit ihnen passierte, was die Umstände ihnen antaten. Sie brachten Jungkook zum Weinen und Jimin zum Verzweifeln.

Beruhigend strichen Jimins Hände über den bebenden Rücken. Versuchten ihn zu überzeugen, dass er da war, ihn nicht verlassen würde. Es dauerte lange bis Jungkook seine Fassung wiederfand und er brach beinahe erneut zusammen, als sein Wecker ihm sagte, dass er losmusste. Widerwillig machte er sich von Jimin los, küsste ihn zärtlich zum Abschied und verschwand durch die Tür.
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