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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
10.05.2021
96
239.968
34
Alle Kapitel
151 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
23.12.2019 2.298
 
Erster Akt - Vierundzwanzigste Szene: Bitte kein Horror!


Unschlüssig stand Jimin vor dem Wohnhaus und wusste einfach nicht wo er klingeln sollte. Taehyung hatte ihm zwar die Nummer der WG gegeben, in der er lebte, aber auf dem Klingelschild standen Namen. Kopfschüttelnd wählte der Blonde also Taehyungs Nummer und rief ihn an.

„Was gibt’s?“, meldete sich dieser, offensichtlich kauend. Wollten sie nicht zusammen essen? Zumindest hatte Taehyung Jimin verboten vorher etwas zu essen, weil er für reichlich sorgen würde.

„Bei welcher Klingel muss ich klingeln?“, fragte Jimin direkt ohne Begrüßung. Wenn ihm ins Ohr geschmatzt wurde brauchte er auch nicht höflich zu sein. Nicht dass Taehyung sich noch peinlich berührt fühlte, so indirekt auf seine Unhöflichkeit aufmerksam gemacht worden zu sein.

„Ich hatte dir die Nummer doch gegeben…“, grübelte Taehyung und Jimin entkam ein belustigtes Schnauben.

„Hier stehen aber Namen und keine Nummern.“

„Echt? Bist du dir sicher am richtigen Haus zu sein?

„Ich stehe da wo Yoongi dich gestern reingeschleift hat. Also gehe ich stark davon aus“, erklärte Jimin schmunzelnd. Im Hintergrund konnte er Schritte hören, hoffte dass Taehyung ihm öffnen würde, doch nichts geschah.

„Seltsam… warte mal kurz“, meinte Taehyung noch, dann erklangen hallende Schritte. Was hatte der Größere bloß vor? Jimin fragte lieber nicht nach, Taehyung würde schon wissen was er tat. Hoffte er zumindest.

Keine Minute später öffnete sich die Haustür und ein grinsender Taehyung stand vor ihm, nahm das Telefon vom Ohr und steckte es weg. Jimin sah ihn einfach nur fassungslos an. Hätte er ihm nicht sagen können, dass er zu ihm runter kam? Schnell ließ auch er das Handy sinken und erwiderte Taehyungs Umarmung. Dann drehte dieser sich zu den Klingeln und stutzte.

„Tatsache, da stehen Namen. Seltsam, im Hausflur stehen nur Nummern“, kommentierte er das Ganze und zog den Blonden hinter sich her ins Treppenhaus.

„Das hast du nicht gewusst?“, wunderte sich dieser lachend, fühlte sich ein wenig veralbert.

„Es mag seltsam klingen, aber ich klingle eher selten bei mir.“

Auch wieder wahr. Wozu klingeln, wenn man einen Schlüssel hatte. Kopfschüttelnd folgte er Taehyung die Stufen hinauf, musterte ihn kurz und stellte erst jetzt fest, dass dieser sich bereits gemütlich angezogen hatte. Ein weites T-Shirt, Jogginghose, die Haare noch nass vom Duschen, bereit für einen gemütlichen Filmabend.

„Warum hast du nicht einfach mit dem Summer geöffnet, anstatt runterzukommen?“

„Wollte sehen, ob du Mist laberst“, kam es prompt und Jimin schob beleidigt die Unterlippe vor. Was sollte das denn heißen?

Taehyung entfuhr ein Lachen als er es sah.
„Ich hatte eigentlich erwartet, dass du vor dem Nebengebäude stehst. Den Blick hätte ich dann schon gerne gesehen“, erklärte er schnell, besserte Jimins Laune aber nicht wirklich. Dieser schnaubte und bedeutete ihm schneller zu machen und endlich die Wohnungstür zu öffnen. Jimin konnte nicht leugnen neugierig zu sein wie der andere wohnte. Immerhin war dieser schon einige Male bei ihm gewesen, aber Taehyungs Wohnung kannte er noch nicht.

„Nimm deine Griffel da weg, das ist nicht für dich!“, fauchte Taehyung, kaum dass sie die Wohnung betreten hatten. Jimin bliebt verwirrt an der Tür stehen und blickte Taehyung hinterher, welcher direkt in die offene Küche stürmte und einen jungen Mann vom Küchentisch vertrieb. Schnell zog er sich die Schuhe aus und folgte seinem Gastgeber.

„Woher soll ich das denn wissen?“, fauchte Taehyungs Mitbewohner zurück, rückte aber einen Schritt vom Tisch ab. Auf diesem standen einige Tüten und zwei Pizzakartons, die dieser eben noch inspiziert hatte.

„Wenn du es nicht selbst bestellt hast, ist es nicht für dich. Wir wohnen hier zu viert, dass sollte klar sein“, konterte Taehyung gleichbleibend streng und drückte Jimin die Tüten in die Hand während er selbst nach den Schachteln griff.

„Du kannst ruhig etwas abgeben.“

„Würde ich, wenn du deinen Dreck wegmachen würdest! Da du das aber nie tust, sieh zu wie du satt wirst!“

Beleidigt sah ihnen der Kerl nach als Taehyung Jimin zu seinem Zimmer dirigierte.
„Aber sei wenigstens leise mit dem da. Ich habe echt keinen Bock dir wieder die ganze Nacht beim Ficken zuzuhören!“, brüllte er ihnen noch nach, als sie schon halb im Zimmer verschwunden waren. Taehyung drehte sich mit einem bösen Lächeln nochmal zurück und ließ einen vielsagenden Blick über sein Gegenüber gleiten.

„Freu dich lieber, dass ich dich ein wenig teilhaben lasse. Näher kommst du echtem Sex sonst nämlich nicht.“ Damit drehte er sich um und schloss die Tür hinter sich. Zuckte auf Jimins fragenden Blick hin nur die Schultern.

„Der Kerl ist die reine Pest. Nur am rumpöbeln und motzen. Wir sind hier alle genervt. Ich habe es lange genug mit nett und freundlich versucht, anders versteht er es einfach nicht“, erklärte er resigniert und lud seine Fracht auf seinem Schreibtisch ab.

„Aha… ist ja spannend… und ich hatte so gehofft wir können es schön wild treibe“, erwiderte Jimin seufzend, wieder einmal froh sein eigenes kleines Reich zu haben, auch wenn die Küche auch bei ihm nicht sicher war.

„Mach hier keine Angebote, die du nicht halten willst“, grinste Taehyung ihm frech entgegen, wackelte anzüglich mit den Augenbrauen und bekam einen leichten Schlag vor die Brust.

„Schön hast du‘s“, wechselte er schnell das Thema und sah sich um. Wirklich viel zu sehen gab es nicht. Bett, Schrank, Schreibtisch, eine niedrige Kommode mit Fernseher und einigen Bildern und Büchern. Die Bilder waren süß, zeigten Taehyung mit Freunden und Familie, auf einem hatte er den Arm um Yoongi gelegt und dieser grinste etwas gequält in die Kamera. Jimins Herz machte einen Hüpfer bei diesem Anblick und schnell drehte er sich wieder zu Taehyung um.

„Soll ich was zum Essen beisteuern?“, bot er schließlich an, als Taehyung ein kleines Buffet aus Pizza und Kuchen auf seinem Schreibtisch aufbaute. Er hatte noch im Ohr, dass der andere sein Geld durch Jobben verdienen musste und daher unnötige Kosten scheute.

„Passt schon. Den Kuchen habe ich kostenlos bekommen, waren die Reste von heute, die sich nicht bis morgen halten und die Pizza ist nicht so wild“, lehnte Taehyung grinsend ab. Es passte Jimin zwar nicht ganz, aber schließlich nickte er, nahm sich vor Taehyung bei nächster Gelegenheit einzuladen, um sich zu revanchieren.

Keine fünf Minuten später saßen sie auf Taehyungs Bett, hatten sich einen Film ausgesucht und vertilgten die Pizza. Jimin hatte heute den halben Tag im Tanzsaal verbracht und war dementsprechend hungrig, wodurch Taehyung sich beeilen musste, um etwas von der ersten Pizza abzubekommen.

Tadelnd blickte er den Blonden an als er die Zweite holte und diese erstmal in ausreichender Entfernung zu Jimins gierigen Griffeln verwahrte.

„Was denn?“, quengelte dieser, als Taehyung sich einfach nicht dazu durchringen konnte den Karton näher an Jimin heran kommen zu lassen.

„Du futterst mir ja alles weg“, kommentierte dieser, mit einem prüfenden Blick auf die Pizza.

„Ich habe den halben Tag getanzt und durfte ja vorher nichts essen“, erklärte Jimin mit einem Bettelblick und zack hatte er den Karton auf dem Schoss. Sein Lachen hinter einem Stück Pizza versteckend, versuchte er sich nicht anmerken zu lassen wie zufrieden er gerade war. Taehyung merkte es auch so und schnaubte entrüstet.

„Also wirklich. Du bist ganz schön schamlos…“

„Nein! Hungrig“, korrigierte Jimin. Das war ein gewaltiger Unterschied. Er war am Verhungern, da war das schonmal erlaubt.

So zog der Film dahin. Die Pizza verschwand in den leeren Mägen der beiden und der Kuchen kurze Zeit später auch. Satt und zufrieden lagen sie mehr als sie saßen auf Taehyungs Bett und suchten sich den zweiten Film aus. Taehyung plädierte hingebungsvoll für einen Horrorstreifen, Jimin hielt vehement dagegen. Ein weiterer Bettelblick brachte ihm den Sieg und einen Taehyung um den Hals. Der schien Ambitionen zu haben ihn aufzufressen, fand ihn offensichtlich einfach viel zu niedlich für diese Welt. Jimin sollte es recht sein, Hauptsache er musste keinen Horrorfilm schauen.
Sie landeten bei einer Zombie-Komödie, freigegeben ab sechs Jahren, damit konnten beide leben.

„Willst du heute hier bleiben? Dann können wir den noch komplett schauen“, bot Taehyung schließlich an, als sie die ersten zwanzig Minuten restlos überzeugt hatten. Jimin überlegte kurz, nickte dann. Seine Vorlesungen morgen begannen erst später, warum also nicht. Der Größere stand direkt auf, kramte zielstrebig in seinem Kleiderschrank und warf Jimin bequeme Klamotten zu, während dieser den Film stoppte.

Die Pause nutzend, ließ Jimin sich das Bad zeigen, machte sich etwas frisch und zog sich um.
„Das hier ist kein Stundenhotel“ Wurde ihm entgegen gepammpt, kaum dass er das Bad wieder verließ. Der Kerl von vorhin stand mit unverändert schlechter Laune vor ihm, verschränkte die Arme vor der Brust und wollte wohl bedrohlich aussehen. Jimin kam aber nicht drumherum ihn für erbärmlich zu halten. Sie kannten sich nicht, hatten kein Wort gewechselt und er hatte nichts getan was den anderen hätte gegen ihn aufbringen können und dennoch wurde er angepflaumt. Etwas was von mangelndem Selbstwertgefühl zeugte. Eigentlich tat ihm der Typ leid, aber seine Unhöflichkeit ließ es einfach nicht zu, dass Jimin sich zu einer Antwort herabließ. Mit einem nichtssagenden Blick ging er einfach an ihm vorbei und gesellte sich wieder zu Taehyung.

„War was?“

„Dein Lieblingsnachbar hat mir mitgeteilt, dass das hier kein Stundenhotel ist.“

„Schön wärs, dann könnte der Sicherheitsdienst ihn endlich rausschmeißen…“, brummte Taehyung vor sich hin, während er den Film wieder startete.

„Was ist eigentlich mit deinem Hals passiert?“, fragte Jimin irgendwann als Taehyung sich weiter nach vorne lehnte und blaue Male sichtbar wurden. Schnell schob sich eine Hand darüber und ein verlegener Blick traf Jimin, bevor sich ein zufriedenes Lächeln auf Taehyungs Lippen stahl.

„Seokjin musste da was klarstellen“, erwiderte er augenzwinkernd und Jimin brauchte einen Moment bis er begriff was Taehyung meinte. Ups, daran hatte er gar nicht mehr gedacht, die zwei hatten sie ja beim Knutschen gestört. Und schon schoss ihm das Blut in die Wangen. Gut, dass Taehyung gerade mit seinem Handy beschäftigt war, sonst hätte der sich wohl wieder auf den Blonden geschmissen.

„Trottel…“, murmelte Taehyung vor sich hin und begann zu tippen. Jimin zog fragend die Augenbraue hoch, wurde aber ignoriert.

„Weiß Seokjin, dass du ihn so nennst?“, testete er sich vor und hatte prompt die Aufmerksamkeit des Größeren, wenn auch nicht lange.

„Das ist er nicht, das ist ein Kumpel von mir und der… ist nun mal gerade ein Trottel…“, fügte er grübelnd hinzu, warf Jimin einen prüfenden Blick zu.

„Oder wie würdest du einen Kerl nennen, der weiß, dass er betrogen wird und lieber seinem Freund hinterherrennt als Schluss zu machen?“ Noch immer lag der prüfende Blick auf Jimin und dieser wurde etwas blass. Füllte sich unangenehm an Jungkook und sich erinnert, auch wenn es bei ihm nicht zum äußersten gekommen war.

„Wenn sie sich lieben, können sie das durchaus schaffen“, antwortete er leise, mit unsicherer Stimme. Angst krampfte sich um sein Herz und es war seine ehrliche Hoffnung, dass Jungkook es genauso sehen würde.

„Würde der Kerl ihn lieben, würde er es nicht immer wieder tun… mit wechselnden Partnern“, wehrte Taehyung ab und Jimin konnte ihm nur recht geben. Das war dann kein Ausrutscher mehr, das war ausgewachsener Betrug.

„Und was rätst du ihm jetzt?“, fragte er vorsichtig nach. Fühlte sich selbst nicht in der Position einen Ratschlag auszusprechen, zu schuldig fühlte er sich gerade in dieser Geschichte der Böse, der Betrüger zu sein.

„Gar nichts“, fauchte Taehyung genervt, ließ Jimin erschrocken zusammenfahren.

„Er hat nicht nach meiner Meinung oder einem Rat gefragt, sondern ob ich Zeit habe. Leider darf ich mit ihm nicht über dieses Thema reden“, erklärte er direkt sein Verhalten und blies resigniert die Luft aus. Das musste schwer sein, einem Menschen, den man mochte, dabei zuzusehen wie er in einer toxischen Beziehung steckte und es nicht wahrhaben wollte. Ein neuer Stich durchzog Jimin, hatte Taehyung nicht mal so etwas ähnliches zu ihm gesagt? Nicht das seine Beziehung toxisch sei, aber dass sie ihm nicht guttue, etwas in ihm ausbrechen wolle…

Taehyung tippte weiter auf seinem Handy herum, tippte, löschte und tippte erneut, schien nicht so recht zu wissen, was er schreiben sollte und Jimin konnte nicht helfen. Kurz versuchte er noch dem Film zu folgen, doch die Gedanken wirbelten wieder in seinem Kopf. Er vermisste Jungkook, wollte sich am liebten an ihn kuscheln und die Nacht wieder in seinen Armen verbringen. Aber das ging wie so oft nicht, Jungkook war nicht da.

Seufzend ließ er sich zur Seite kippen, landete auf dem Kopfkissen und schloss die Augen, um die Bilder seines Freundes zu vertreiben. So sehr er ihn auch liebte, gerade tat die Sehnsucht schrecklich weh.

„Bist du müde? Sollen wir schlafen?“, fragte Taehyung nach, kaum dass er das Handy hatte sinken lassen.

„Stört Seokjin das nicht?“, schoss es Jimin durch den Kopf. Der fand es sicher nicht so toll, was sie da ihm Club angestellt hatten, so wie Taehyungs Nacken aussah.

„Solange ich nicht mit dir knutsche, ist alles in Ordnung“, grinste dieser augenzwinkernd und schaltete den Fernseher aus.

„Ihr habt das besprochen?“, wunderte sich Jimin. Fand die Frage direkt danach wieder dumm. Natürlich hatte sie das, wenn es Seokjin störte musste er es Taehyung sagen. Wie sollte es denn sonst zwischen den zweien funktionieren?

„Klar… aber weißt du was? Er hat mich nicht gebeten nicht wild mit dir zu vögeln“, grinste er anzüglich und nickte dabei in Richtung Tür. Jimin musste lachen, der Gedanke hatte was. Taehyung machte es sich bereits neben ihm gemütlich und reichte ihm die Decke, wünschte Jimin noch eine gute Nacht und löschte das Licht. Müde streckte sich Jimin noch einmal und schloss mit Jungkooks Bild vor Augen die Lider, vermisste seinen Freund so sehnsüchtig, dass er glaubte sein Aftershave zu riechen, als er die Nase im Kissen vergrub und einschlief.







Hallöchen ihr Lieben,

heute mal etwas früher als sonst, da ich mich bald auf den Weg mache zu meiner Familie, um gemütlich Weihnachten zu feiern.

Ich wünsche euch allen ein frohes Fest und besinnliche Tage. Genießt die Zeit und fühlt euch gedrückt.
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