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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
10.05.2021
96
239.968
34
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Dieses Kapitel
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11.11.2019 2.471
 
Erster Akt - Achtzehnte Szene: Katerstimmung


Vom Schweiß durchnässt klebte sein Hemd an seiner Haut, die Haare in der Stirn und es störte ihn nicht. Ein leises, flehendes Keuchen verließ seine Lippen als er den Kopf zur Seite fallen ließ, während die forschenden Hände über ihn wanderten. Nur schemenhaft nahm er die Gestalt über sich wahr, wusste dennoch, wie sich weiche Lippen seinem Hals näherten und diesen mit federleichten Küssen bedeckten, ihm eine Gänsehaut auf die schweißnasse Haut zauberten.

Erschrocken und erregt zugleich biss Jimin die Zähne zusammen, als die forschen Hände seinen Schritt erreichten, seine stolze Beule massierten und langsam, quälend langsam, den Reißverschluss öffneten. Ein scharfer Schmerz an seinem Hals ließ ihn die Augen erschrocken aufreißen, nach Luft schnappen und sich doch nach mehr sehnen.

„Yoongi…“, kam es atemlos über Jimins Lippen und Kälte packte ihn. Er versuchte die weit aufgerissenen Augen noch ein wenig weiter aufzubekommen, scheiterte und konnte sich doch nicht zurechtfinden.

Panik kochte in ihm hoch, lähmte ihn für eine grauenhafte Sekunde, bevor alle seine Muskeln ansprangen und ihn in eine sitzende Position beförderten. Fassungslos blickte er auf das Fußende seines Bettes. Sein Atem ging noch immer viel zu schnell, einzelne Schweißperlen liefen ihm über die Schläfe, während sein Herz für einen Marathon schlug. Laut rauschte ihm das Blut in den Ohren, machte ihn taub und schirmte ihn von der Außenwelt ab. Nur ganz langsam sickerte die Realität zu ihm durch, verblasste der Traum und machte Jimin klar wie viel Wunsch in ihm mitschwang. Die Hitze, die noch immer in ihm brannte, war unerträglich, seine Hose viel zu eng, die Fassungslosigkeit erdrückend.

Vollkommen aufgelöst blickte er sich in seinem kleinen Zimmer um. Alles war wie immer, so normal, dass es beinahe grotesk wirkte, im Vergleich zu den Gefühlen, die in Jimin gerade tobten. Er zwang sich zum Fenster zu sehen, mit den Augen den sanft im Luftzug wehenden Vorhang zu beobachten, bis sein Herz sich beruhigte und er wieder klarer denken konnte.

Ohne dass er es wirklich merkte, hatte er auf einmal sein Handy in der Hand, tippte Worte, ohne sie zu lesen und die Nachricht war versendet. Mit einem entsetzten Schrei glitt ihm das schwarze Gerät aus den zittrigen Fingern und wieder war die Panik da, ließ seinen Magen verkrampfen.

>> Ich will dich immer noch <<

Der Chat war an Yoongi gerichtet und Jimins Kopf war leer. Er verstand nicht was er da gerade tat, was ihn dazu trieb sich so zu verhalten. Wie eine dicke Spinne fegte er das Handy angewidert vom Bett. Hörte, wie es unter seinem Schreibtisch landete und sprang auf. Seine wackligen Beine konnten dieser unerwarteten Belastung kaum standhalten, ließen ihn fast zu Boden gehen, nur der pure Wille und nackte Verzweiflung hielten ihn aufrecht.

Mit den Tränen kämpfend machte er sich auf den Weg ins Bad. Den Schweiß abwaschen und diesen verfluchten Ständer loswerden, der ihm das Laufen schwer machte und ihn penetrant an seine Fehler erinnerte. Er verstand es nicht, nicht die Gedanken, nicht das Verlangen, rein gar nichts verstand er mehr.

Doch bis zum Bad sollte er es nicht schaffen. Wie zur Strafe klopfte es und Jimin sank das Herz. Er kannte dieses Klopfen, tanzten doch immer die Schmetterlinge in seinem Magen, wenn er es hörte, nur heute verkrochen sie sich in der hintersten Ecke und hatten Angst vor dem was kommen mochte.

Kurz schloss Jimin die Augen, atmete tief durch, fuhr sich mit der Hand durchs Haar und dirigierte seine Schritte zur Tür. Das liebevolle Lächeln des Jüngeren war wie ein Faustschlag für ihn, ließ ihn schwer schlucken. Verwirrt trat er einen Schritt zurück, spürte Jungkooks prüfenden Blick brennend heiß auf sich und ein Schauer überrollte ihn.

„Du siehst echt heiß aus“, raunte Jungkook ihm ins Ohr als er ihn zur Begrüßung an sich zog. Vollkommen überrumpelt war Jimin schutzlos der heißen Woge der Lust ausgeliefert, die Jungkooks tiefe Tonlage in ihm auslöste. Wieder glitten seine Gedanken ab, zwischen die Laken, zu dingen an die er nicht denken sollte.

„Ich war gestern feiner…“, hauchte Jimin atemlos, krallte sich leicht in das T-Shirt seines Freundes.

„Da kann ich ja froh sein, dass du allein im Bett gelandet bist. Du siehst selbst verschlafen noch zum Niederknien aus“, erwiderte Jungkook lasziv und legte ihm eine Hand ans Kinn, zog Jimins Gesicht zu sich um ihn zu Küssen. Bei Jimin brannten die Sicherungen durch, er konnte, wollte sich nicht mehr wehren. Es war Jungkook und damit war es in Ordnung.

Ohne zu zögern erwiderte er den Kuss, drängte seine Zunge zwischen die weichen Lippen und ließ den Jüngeren überrascht aufkeuchen. Fordernd zog er an Jungkooks Oberteil, taumelte mit ihm zusammen Richtung Bett. Der Jüngere brauchte einen Moment, um zu begreifen was der Blonde vorhatte, dann breitete sich ein lüsternes Grinsen auf seinen Lippen aus.

„Du hast mich wohl die Nacht über vermisst“, meinte er zufrieden. Jimins Magen verkrampfte, als ihm der Gedanke, dass er nicht Jungkook vermisst hatte, durch den Kopf flog. So schnell er konnte verdrängte er den unerwünschten Plagegeist, beschlagnahmte erneut Jungkooks Lippen und ließ sich nach hinten aufs Bett fallen, zog den Jüngeren mit sich.

Jungkooks Hände waren genau das was er gerade wollte, fordernd, wild und ein wenig grob. Jimin liebte es mit seinem Freund zu kuscheln und Zärtlichkeiten auszutauschen, nur heute wollte er das alles nicht. Er wollte diesen Rausch der Lust, den er gestern Abend gefühlt hatte, er wollte darin versinken und an nichts anderes mehr denken. Stöhnend und keuchend wand er sich unter Jungkook, während dieser ihn immer wieder aufs Bett drückte, wenn er sich ihm entgegenbog, nach mehr verlangte. Die Lippen seines Freundes wanderten über seine Wange zu seinem Hals, während eine Hand Jimins Hemd aufknöpfte. Ungeduldig wie der Blonde war, kümmerte er sich selbst um seine Hose, konnte die Enge nicht mehr ertragen, strampelte sie schnell von den Beinen, bevor er sich an Jungkooks Schritt zu schaffen machte.

„Was ist denn da passiert?“, fragte Jungkook dunkelt gegen Jimins Hals, glitt mit seiner Zunge eine Linie entlang und Jimin zog scharf die Luft ein, als die Stelle zu brennen begann. Aus Reflex legte er die Hand auf die schmerzende Haut und spürte die raue Oberfläche eines Kratzers unter seinen Fingerspitzen. War er das gewesen?

Ein erstickter Schrei löste sich aus seiner Kehle, ließ ihn alles vergessen, als Jungkooks Hand sich forsch um sein Glied legte und es hart pumpte.
„Kookie... jaahaa“, keuchte Jimin, tastete benommen neben sich auf dem Nachtisch und drückte sich etwas Gleitgel auf die Hand. Jungkooks lächelnde Lippen auf seiner Brust spürend, glitten seine Finger zu dessen Glied, stolz und hart reckte es sich dem Blonden entgegen und wurde willig gestreichelt.

„Jiminshi, hast du es… heute so… eilig.“ War es nun Jungkook der keuchend sein Tun kommentierte. Jimin antwortete ihm nicht, drückte ihn nur etwas von sich und drehte sich auf den Bauch, reckte dem Jüngeren dann auffordernd den Hintern entgegen. Eine viel zu lange Sekunde dauerte es, bis Jungkook endlich in ihn eindrang, nur viel zu langsam und zaghaft.

„Mach schneller“, forderte Jimin gequält, konnte es kaum noch aushalten und biss zufrieden ins Kissen, als er die Härte seines Freundes mit einem Mal ganz in sich spürte. Stürmisch und hart war der Rhythmus und machte Jimin ganz trunken vor Lust.

In seinem Kopf herrschte ein wilder Wirbel aus Lust und Schmerz, durchzogen von Bildern. Jungkooks erregtes Gesicht, Yoongis feuriger Blick. Dazu noch das Gefühl weicher Lippen auf seinen und geschickten Händen auf seiner Haut, von denen er nicht mehr wusste wem sie gehörten. Bei jedem Stoß, der sich tief in ihn bohrte, blitzte ein Gesicht vor seinen Augen auf, immer öfter war es umrahmt von dunkelroten, fast braunen Haaren und ließ ihn nur fester ins Kissen beißen. Bei all der Erregung, die ihn gefangen hielt, schaffte es ein ganz kleines bisschen Restvernunft ihn dazu zu bringen sich selbst zu knebeln.

Heiß und tief spürte er den Höhepunkt des Jüngeren in sich und ergab sich selbst seinem brennenden Verlangen. Unkontrolliert zitternd lag er unter Jungkook, ließ sich widerstandslos auf den Rücken drehen und war nicht in der Lage dem stürmischen Kuss, der ihm den Atem raubte, etwas entgegenzusetzten. Jungkook liebkoste bereits seinen Hals, als sich seine Sinne wieder etwas klärten und er langsam wieder ins hier und jetzt zurückkam. Mit aller Selbstbeherrschung, die er hatte, verdrängte er den Gedanken an dunkelrote Haare und zog Jungkooks Gesicht zu sich, blickte ihm schwer atmend ins Gesicht, bevor er ihn sanft küsste.

Fasziniert musterten ihn Jungkooks Augen, schickten Schauer über seinen Körper. Der Jüngere brauchte die Frage nicht aussprechen, die ihm auf den Lippen brannte. Jimin nickte stumm und spreizte leicht die Beine. Jungkook legte sich eines über die Schulter und brachte den Blonden erneut zum Stöhnen. Sich mit der Hand den Mund zuhaltend drückte Jimin den Rücken durch, drängte sich so dichter an Jungkook und dieser wurde unaufhaltsam schneller. Mit unerbittlicher Härte trieb er sich in den Kleineren, schaffte es nicht die Augen von dem Liegenden zunehmen und fesselte Jimins Blick.

Erschöpft lagen sie da, Jungkook halb auf ihm, verträumt durch die blonden Haare streichend. Jimin starte fast apathisch an die Decke, musste Fantasie und Realität auseinandersortieren und glaubte fast zu scheitern. Sein Herz hämmerte ängstlich in seiner Brust, voller Furcht Jungkook könnte den unregelmäßigen Takt hören und die richtigen Schlüsse ziehen. Nur ganz langsam beruhigte sich alles in Jimin, die sanften Finger seines Freundes, die ihn zärtlich streichelten, rückten seine Gedanken wieder dahin wo sie hingehörten. Ließen ihn ganz langsam wieder klar denken und die Verwirrung vergessen. Jungkook war hier und auf nichts anderes wollte er sich gerade konzentrieren.

„Ich dachte, du bist zum Frühstück bei deinen Eltern eingeladen?“, hauchte er schließlich mit rauer Stimme. Seine Kehle war trocken, doch sich bewegen, um an die Wasserflasche auf seinem Nachtisch zu gelangen wollte er nicht.

„Meine Mutter wollte lieber einen Brunch machen und daher brauch ich erst später antanzen“, antwortete Jungkook mit einem schelmischen glitzern in den Augen. „Ich werde mich nachher bei ihr dafür bedanken“, raunte er Jimin dann noch verrucht ins Ohr und trieb ihm eine sanfte Röte auf die Wangen.

„Tu das…“, wisperte er verlegen zurück und wurde sanft geküsst. Nachdenklich und ein wenig aufgeregt blickte Jungkook ihn an als sie sich wieder lösten. Fragend zog Jimin die Augenbraue hoch, wartete aber geduldig, bis Jungkook das Wort ergriff.

„Weist du… meine Eltern fragen mich immer wieder, ob ich nicht Interesse an jemanden haben… eine Beziehung will…“, begann er langsam, schien sich genau zu überlegen welche Worte er nutzen wollte. Jimins Magen verkrampfte sich etwas. Bei diesen Fragen dachten die beiden sicher an ein nettes Mädchen und nicht an ihn. Jungkooks Blick blieb aber aufgeregt, beinahe zuversichtlich, machte Jimin neugierig.

„Sie sind der Meinung, dass mir eine liebevolle Beziehung guttun würde…“, berichtete er weiter und nun wurde auch Jimin unruhig, das klang schon mehr nach ihm.

„Ich bearbeite sie schon eine geraume Weile, versuche sie immer wieder mit dem Gedanken anzufreunden, dass der Mensch das wichtigste ist, nicht das Geschlecht…“

Jimins Augen wurden von Wort zu Wort größer, sein Herz stolperte etwas in seiner Brust vor Aufregung.
„Du meinst…?“, fragte er, vor Nervosität ganz heiser.

„Mit etwas Glück und Fingerspitzengefühl könnten wir das hier endlich öffentlich machen. Wir müssten uns nicht mehr verstecken“, platzte es voller Zuversicht aus Jungkook heraus und seine unruhige Freude übertrug sich auf Jimin. Sprachlos stand diesem der Mund leicht offen, konnte er es doch nicht fassen, dass einer seiner sehnlichsten Wünsche vielleicht zum Greifen nahe war. Seit Jahren wollte er nichts sehnlicher als eine normale Beziehung. Mit feuchten Augen zog er Jungkooks Gesicht zu sich, küsste ihn kurz, um ihn dann erneut in die funkelnden Augen zu schauen, ein breites Grinsen zog sich über das Gesicht des Jüngeren.

„Jetzt habe ich dich sprachlos gemacht, ich nehme das mal als positive Reaktion“, lachte er leise und Jimin nickte bestimmt, fand noch immer keine Worte. Er wollte nichts lieber als seine Freude in die Welt hinausschreien, aber gleichzeitig hatte er Angst, dass das alles zu schön klang, um wahr zu sein. So blieb er stumm und vergrub sein Gesicht lieber in Jungkooks Halsbeuge.

Viel zu schnell verging die schöne Zeit, der Morgen schritt voran und Jungkook musste sich schweren Herzens auf den Weg machen. Mehrfach hielt Jimin ihn zurück, zog ihn wieder an sich und mit jedem Mal stieg der Unwille in Jungkook, wurde das Bedürfnis stärker zu bleiben. Schließlich siegte das Verantwortungsgefühl des Jüngeren und er verließ seinen Freund nach einem letzten langen Kuss und einem liebevollen Lächeln. Jimin blieb allein zurück, mit sich und seinen Gedanken, die nun nichts mehr hatten, was sie vom Kreisen abhielten.

Die Sonne schien friedlich ins Zimmer, malte Muster auf den Boden und Jimin hätte an liebsten geheult. Was war bloß los mit ihm? Wie konnte er das alles zulassen? Es war nicht das erste Mal, dass er feiern war, sich betrank, aber mit einem anderen Rumgemacht hatte er nie und er hätte die Chance gehabt, sehr oft sogar. Das mit Taehyung konnte er sich ja noch als Spaß erklären. Wäre Hoseok schwul, wäre der wohl längst in einer Schnapslaune fällig gewesen. Aber Yoongi?

Nein. Das war etwas ganz anderes. Mit Taehyung hatte er schmusen wollen, ein wenig Nähe und Geborgenheit genießen, mit Yoongi wollte er Sex haben. Heiß, wild, verlangend. Genau das was sie begonnen hatten. Genau das was er sich von Jungkook geholt hatte, mit dem Gesicht des Falschen vor dem inneren Auge.

Fassungslos schüttelte er den Kopf, griff nach der Wasserflasche auf seinem Nachtisch und schaffte es kaum sie zu öffnen. Einiges des kühlen Nass schwappte aus der Flasche, als seine zittrigen Finger es nicht schafften die Flasche sicher an seine Lippen zu führen.

Er hatte Yoongi gestern Abend so sehr gewollt. Alles von ihm und etwas ganz tief in ihm wollte ihn noch immer, hatte seine Finger die verdammte Nachricht tippen lassen…

Wie konnte das bloß passieren? Wie konnte er das zulassen? Er war derjenige mit dem Freund, der seit Jahren in einer Beziehung war und verhindert wurde der Seitensprung nur von Yoongi. Er hatte gestern Abend keinen einzigen Gedanken an Jungkook verschwendet und hasste sich dafür. Sein Freund liebte ihn und er tat so etwas. Wie sollte er ihm das erklären? Erst knutschte er mit einem Typen und mit einem anderen hatte er fast Sex? Wie sollte Jungkook ihm das verzeihen? Sie musste einander vertrauen können, anders konnte ihre Beziehung nicht funktionieren. Er hatte es ihm noch nicht einmal gesagt, war lieber über ihn hergefallen.

Jimins Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als er an seinen Freund dachte. Wie konnte er ihm das antun? Ja, es war schwierig, aber so etwas war nicht gerechtfertigt. Jungkook vertraute ihm und er hatte es missbraucht. Über sein eigenes Verhalten erschüttert schleppte sich Jimin in die Dusche, hoffte mit dem heißen Wasser seine Fehler abwaschen zu können und hinterher zu wissen was er tun sollte.
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