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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
01.03.2021
86
217.194
29
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
21.10.2019 2.028
 
Erster Akt - Fünfzehnte Szene: Unverhoffte Treffen


Die Woche zog sich endlos lang. Fühlte sich trüb und taub an, obwohl die Sonne schien und die Natur in voller Blüte stand. Immer wieder spielte Jimin mit dem Gedanken sein Training mit Taehyung und Yoongi abzusagen, riss sich jedoch immer wieder zusammen und löschte die bereits getippte Ausrede wieder. Taehyung meldete sich regelmäßig, zeigte sich besorgt und wollte ihn aufmuntern, lieb gemeint, aber Jimin war es zu viel. Es tat schrecklich weh, als ihm klar wurde, dass sich jeder seiner Freunde und Bekannten in dieser Woche öfter bei ihm gemeldet hatte als sein fester Freund. Nur ihn wollte er wirklich sehen und auf genau ihn musste er verzichten.

Mit viel Mühe hielt er die heitere Fassade aufrecht, lächelte Hoseok stets an, wenn dieser mit ihm sprach. Er kannte seinen besten Freund und wusste, dass dieser ihm nicht mehr von der Seite gewichen wäre, hätte er gewusst wie schlecht es ihm ging und genau das wollte Jimin gerade jetzt nicht zulassen. Nicht, weil er Hoseoks Nähe und Aufmerksamkeit nicht mochte, sondern weil dieser Pläne fürs Wochenende hatte, auf die er sich seit Monaten freute. Seine Großmutter hatte Geburtstag und die gesamte Familie eingeladen, Jimin hatte Hoseok wochenlang bearbeitet, dass er seine Freundin dahin mitnehmen sollen und sie endlich seine Familie kennenlernen konnte. Nach endlosen Diskussion hatte Hoseok eingesehen, dass die Gelegenheit ideal war und Jimin wollte es ihm nun nicht mehr versauen. Hoseok hätte die Reise sofort für ihn abgesagt und das hätte seinem eh schon angeschlagenen Gewissen nur weiter geschadet. Er würde die Tage schon klarkommen, auch ohne seinen besten Freund in der Nähe.

Wie er mit Taehyung und auch Yoongi umgehen sollte wusste er nicht so recht. Es war ihm unangenehm vor Taehyung zusammengebrochen zu sein und dessen Worte über Yoongi hatten auch seine Einstellung zu dem Älteren schwierig gemacht. Dass er sich heute mit eben diesem allein treffen würde machte es nicht besser. Viele Gedanken kreisten seit Taehyungs Besuch um den Älteren, zustimmen konnte er dessen Hypothese, er würde auf Yoongi stehen, nicht. Er war fasziniert von ihm und mochte ihn, aber mehr war da nicht.

Die meisten Gedanken an das Treffen hatte er versucht zu verdrängen, die Zeit zum Lernen oder Schlafen zu nutzen und nicht über haltlose Behauptungen nachzudenken. Als Yoongi ihn anschrieb und fragte, ob sie sich auch schon am Samstag treffen könnten kam es ihm gelegen. Er hatte den Tag für Jungkook freigehalten, da dieser gemeint hatte eventuell Zeit zu haben und so schlug er zwei Fliegen mit einer Klappe. Er musste diesen Tag nicht allein mit seinen bedrückenden Gedanken verbringen und er hätte die nächste Begegnung mit Yoongi schneller hinter sich, könnte sich endlich selbst davon überzeugen, dass er nicht auf ihn stand und Nachts wieder besser schlafen.

Leider funktionierte seine Verdrängung etwas zu gut und plötzlich musste er sich beeilen, hatte kaum noch Zeit seine Jogginghose gegen etwas Anständiges zu tauschen, da stürzte er schon aus der Tür und Richtung Treppenhaus. Wenigstens hatte er sich vorher eingeprägt, wo Yoongi wohnte und musste nun nicht noch die richtige Straße suchen, konnte sich ganz darauf konzentrieren keine Passanten umzurennen. Gerade noch pünktlich stand er vor der Tür des Mietshauses und suchte die Klingel mit der angegebenen WG-Nummer. Es dauerte unerwartet lange, bis der Summer erklang und er die Tür aufdrücken konnte, im dritten Stock musste er kurz die Tür suchen und ein missmutiger, schlecht rasierter Kerl öffnete ihm.

„Was willst du?“, blaffte er, kaum dass er Jimin zu Gesicht bekam. Dieser blinzelte überrumpelt und hatte dann keine Zeit mehr zum Antworten, sein Gegenüber wurde bereits zur Seite geschoben.
„Geh ins Bett und schlaf deinen Rausch aus“, befahl Yoongis Stimme barsch, während er den anderen von der Tür wegdrückte und sein Profil zum Vorschein kam. Jimin beobachtete das Schauspiel stumm und blickte dem Fremden nach als er denn Gang entlang schlürfte und in einem der Zimmer verschwand.

„Sorry, hier geht es manchmal zu wie im Kindergarten… komm rein“, wand sich Yoongi ihm zu, kaum dass ein lautes Knallen das Schließen einer Zimmertür verkündete.
Der Jüngere nickte und lächelte Yoongi freundlich an während er eintrat und die Schuhe von den Füßen zog. Stumm folgte er Yoongi in dessen Zimmer und schaute sich etwas neidisch um. So viel Platz hätte er auch gerne. Der Raum war fast doppelt so groß wie sein eigener und Yoongi wusste ihn zu nutzen. Ein großer Schreibtisch nahm fast die ganze Wand ein, auf dem reichlich Equipment lag, welches er wohl für seine Musik brauchte, lediglich ein Keyboard fand daneben noch Platz. Der Rest des Zimmers war eher schlicht und zweckmäßig eingerichtet, ein Bett, Schrank und ein großes Sofa mit Fernseher davor, alles so gestellt, dass man ohne Probleme an den Schreibtisch kam.
Yoongi ging direkt auf eben diesen zu während er Jimin mit einem Handzeig auf das Sofa verfrachtete.

„Ich habe noch etwas an der Melodie weiter gearbeitet, hör es dir mal an“, platzte es dann unerwartet enthusiastisch aus Yoongi heraus und mit einer Bewegung der Maus leuchtete einer der beiden Bildschirme auf. Einen Klick später erklangen schon die ersten Töne und rissen Jimin mit. Konzentriert lauschend lehnte er sich zurück und ließ die Komposition auf sich wirken. Blickte schließlich nachdenklich zu seinem Gastgeber, sah deutlich, dass Yoongi sich um einen neutralen Blick bemühte es aber nicht ganz schaffte. Begeisterung schwang in den Augen des Älteren mit und Jimin tat es fast ein wenig leid diese bremsen zu müssen.

„Wenn du den Refrain wieder zurückänderst kann ich deine Begeisterung teilen“, meinte er grinsend, sah dass Yoongi nicht begeistert war, funkelte ihn aber überzeugt an. Yoongi zog die Stirn in nachdenkliche Falten und grübelte etwas über den Vorschlag.

„Warum? Was daran ist besser als in der angepassten Version?“, fragte er schließlich, als er an Jimins Forderung wohl nichts finden konnte.

„Weil ich den schon als Ohrwurm habe und es mir bitter aufstößt, wenn er fehlt“, erklärte Jimin mit einem leicht verträumten Unterton, merkte erst jetzt, wie sehr er sich in diesen kurzen Part bereits verliebt hatte. Yoongi legte nachdenklich den Kopf schief und drehte sich wieder zu seinem Computer, klickte konzentriert vor sich hin und nickte immer wieder.

„So?“, fragte er und das Lied begann erneut. Jimins Augen begannen zu leuchten, zwar gab es einen kleinen Bruch in der Melodie, wenn der Refrain einsetzte, aber es gefiel ihm, sehr sogar. Begeistert nickte er, als das Lied endete und auch Yoongi war angesteckt, überarbeitete die Stelle und nickte Jimin zu als er das Lied erneut startete. Nun zeigte sich auch in Yoongis Augen ein zufriedener Ausdruck, er stellte das Lied auf Dauerschleife, nahm seinen Block zur Hand und gesellte sich zu Jimin aufs Sofa.

„Wenn wir das haben, hilf mir beim Text“, verlangte er und Jimin lehnte sich zu ihm, um mit auf den Block schauen zu können. Kurz überflog er den Text, stellte fest, dass es nicht mehr der Gleiche war, den Yoongi ihm bereits gezeigt hatte, konnte die Unterschiede aber nicht klar benennen.

Zeile für Zeile gingen sie es durch, änderten hin und her und auch wieder zurück. Sie Diskutierten lebhaft und heftig, mit ganzem Körpereinsatz, wenn der eine aufsprang und mit großen Gesten seiner Meinung Ausdruck verlieh. Wirklich voran kamen sie nur leider nicht, Jimin hatte keine Erfahrung mit dem Schreiben von Texten und Yoongi ließ sich wenig hineinreden, blieb lieber seiner Meinung treu. Trotz des mangelnden Erfolgs hatten sie Spaß, steigerten sich immer mehr hinein und versuchten sich im Endeffekt einfach nur noch an Dramatik zu überbieten, um den Inhalt ging es schon lange nicht mehr.

„Gut, du hast mich überzeugt. Wenn der Bekannte des Nachbarn deiner Oma, deiner Cousine das vor vier Jahren beim Plausch am Gartenzaun so gesagt hat, muss es einfach wahr sein. Wie kann ich mich dann dagegen wehren“, gab Yoongi schließlich klein bei, auch wenn sie beide nicht mehr wussten, worum es nun genau ging. Jimin nickte einfach mal zufrieden und grinste ihn siegreich an.

„Schön, dass du endlich zur Einsicht gekommen bist. Dann sind wir wohl für heute fertig“, beschloss er überschwänglich und machte noch eine kleine Pirouette. Er musste die überschüssige Energie loswerden, die sich in ihm angesammelt hatte. Yoongi lachte auf bei diesem Anblick und stand ebenfalls auf, sortierte die Zettel, welche er nebenbei beschriftet hatte und legte alles ordentlich zurück auf den Schreibtisch.

„Lange genug diskutiert haben wir ja auch“, meinte er dann und kam auf Jimin zu, wuschelte ihm durchs Haar und lächelte ihn zufrieden an. Ein Schauer kroch dem Blonden über den Rücken, als ihre Blicke sich trafen. Einen ganz kurzen Moment hatte er den Eindruck, dass Yoongi sich verkrampfte, dann war dessen Hand auch schon verschwunden und er wand sich wieder ab.

„Wie kommts eigentlich, dass du heute doch Zeit hast? Ich dachte, du bist so dicht verplant“, wechselte er unvermittelt das Thema, gab Jimin keine Zeit sich darauf vorzubereiten. Dieser freute sich gerade nur darüber, dass Yoongi ihn nicht ansah, nicht mitbekam, dass er die Zähne zusammenbiss und die Tränen niederkämpfte.

„Mir wurde abgesagt“, fasste Jimin das ganze Drama in knappen Worten zusammen, er wollte nicht mehr darüber reden als notwendig. Yoongi schaute ihn nachdenklich an, nickte dann aber nur und drehte sich wieder zu seinem Computer.

„Kommst du dann heute Abend mit? Taehyung heult mir schon die ganzen letzten Tage die Ohren voll, dass er dich einfach nicht überredet bekommt.“

„Und jetzt versuchst du ihm dabei zu helfen“, lachte Jimin auf. Der Gedanken war niedlich, wie Taehyung unzufrieden quengelnd an Yoongis Jackenzipfel zerrte und ihn zur Beihilfe aufrief.

„Er macht mich noch wahnsinnig und wenn du Zeit und Lust hast, wäre ich dir äußerst dankbar, wenn du mitkommen würdest“, erklärte Yoongi und garnierte es mit einem leidenden Blick, schien wirklich nicht mehr weiterzuwissen mit Taehyung.

„Der hat momentan aber auch Hummeln im Hintern…“, murmelte Jimin kopfschüttelnd vor sich hin und versuchte sich zu erinnern, wohin es nochmal gehen sollte, Taehyung hatte es ihm oft genug geschrieben, nur gemerkt hatte er es sich nicht.

„Eher im Herzen. Der Kerl ist frisch verknallt und zwar so richtig“, grummelte Yoongi und hatte Jimins volle Aufmerksamkeit.

„Eifersüchtig?“, schoss es aus ihm heraus und sein Magen zog sich etwas zusammen.

Yoongi schnaubte nur belustigt und sah ihn tadelnd an. „Genervt. Er ist noch zerstreuter als sonst und dazu auch noch total überschwänglich. Ich steh nicht so drauf, wenn er mir mitten auf der Straße um den Hals fällt und laut rumschreit wie toll doch der Tag ist.“

Jimin blinzelte ihn verwirrt an, glaubte an einen Witz doch Yoongis Miene blieb ernst.
„Also hat es mit diesem Seokjin geklappt?“

„Er will ihn heute Abend zumindest mitbringen“, meinte Yoongi dann resigniert und wurde blass. Mit schreckgeweiteten Augen sah er Jimin an und meinte mit ernster Stimme: „Wenn dir etwas an mir liegt komm bitte mit, ich will den beiden nicht beim Rummachen auf der Tanzfläche zusehen müssen.“

Es brauchte etwas, bis Jimin den Sinn der Worte verstand und lachend nickte. Wie könnte er da nein sagen? Es ging hier ja offenbar um Leben und Tod.
„Ja, ich komme mit und jetzt krieg dich wieder ein. In so einem Club kann man sich auch wunderbar absetzen, wenn die Pärchen anfangen sich abzuschlecken“, stichelte Jimin heiter und erntete einen tadelnden Blick von Yoongi.

„Du hast offensichtlich noch nie erlebt, wie sich ein verliebter Taehyung unter Alkohol verhält“, erwiderte Yoongi ernst und fesselte Jimins Blick. Dieser schluckte schwer riss den Blick los und ließ die Augen suchend durch den Raum wandern, er wollte hier raus, irgendwas war seltsam und er wollte nicht wissen was passierte, wenn er länger lieb.

„Ist ja gut, es ist ein ernstes Problem. Ich komme als dein Bodyguard mit“, stellte er gespielt ernst fest und griff nach seiner Tasche. Yoongi sah aber noch nicht ganz zufrieden aus, er legte den Kopf nachdenklich schief und ließ den Jüngeren nicht aus den Augen.

„Gib mir deine Adresse. Ich hole dich ab! Nicht dass du einfach nicht auftauchst“, meinte er dann und Jimin sah ihn etwas fassungslos, ob dieser Unterstellung, an. Kopfschüttelnd gab er schließlich nach, schrieb Yoongi seine Adresse auf und verabschiedete sich dann von ihm, auch wenn er Taehyung hatte meiden wollen, war er nun doch neugierig auf das Treffen.
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