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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
01.03.2021
86
217.194
29
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
30.09.2019 3.926
 
Erster Akt - Zwölfte Szene: Abschiedskuss


„Du hast selbst gesagt, du liebst meine Ideen. Also stell dich nicht so an“, tadelte Hoseok Jimin mit einem belehrenden Blick. Dieser zog nur die Stirn in Falten und überlegte, wann er so etwas jemals gesagt haben sollte. So betrunken konnte er gar nicht gewesen sein. Kopfschüttelnd betrachtete er den Älteren und stützte das Kinn dann wieder auf Hoseoks übergroßem Lieblingskuscheltier ab, welches er sich als Unterstützer gegen die übertriebenen Ideen seines Freundes geschnappt hatte. Im Schneidersitz hockte er auf dessen Bett und beobachtete Hoseok mit wachsender Verwunderung dabei, wie dieser im Zimmer auf und ab lief und Pläne schmiedete.

„Abgesehen davon, dass ich sowas nie gesagt habe, warum verkaufst du mich nicht einfach an einen Puff? Da kann ich mich Interessenten nicht entziehen und du kannst dir die Taschen voll machen“, erwiderte er ernst genug, um Hoseok kurz aus dem Konzept zu bringen. Duckte sich Sekunden später hinter das Kuscheltier in seinen Armen, als ein weiteres, nur kleineres Exemplar, geflogen kam. Hoseok hatte eindeutig zu viele von denen.

„Ich mache mir hier ernsthaft Gedanken und von dir kommt nur so ein Müll“, fauchte der Ältere aufgebracht und baute sich vor Jimin auf. Stemmte dabei die Fäuste in die Hüfte und blickte finster auf ihn herab.

„Ernsthaft nennst du das? Alle deine Vorschläge laufen darauf hinaus, dass ich flachgelegt werde. Schonmal darüber nachgedacht, dass ich lieber jemanden hätte der nicht nur Sex von mir will?“, erwiderte er ruhig und Hoseok sackte in sich zusammen, als hätte man ihm die Luft abgelassen.

„Du verstehst einfach alles was ich sage falsch!“, brummte er unzufrieden, dachte aber offensichtlich über Jimins Worte nach.
„Was würdest du dir denn Wünschen?“

„Hmh, wenn ich es mir aussuchen dürfte…“, grübelte Jimin vor sich hin und hatte die volle Aufmerksamkeit des Älteren, der es sich vor dem Bett gemütlich gemacht hatte und so zu ihm aufsah.
„Dann jemanden, der mir sein Lieblingskuscheltier zum Schmusen überlässt“, beendete er ruhig und ernst seinen Satz, schenkte Hoseok dabei einen so verträumten Blick, dass dieser etwas brauchte, bis er alles verstanden hatte. Leicht wich ihm die Farbe aus dem Gesicht und Jimin setzte noch einen drauf. Kaum das Hoseok sich soweit gefangen hatte, um aufstehen zu können, schmiss Jimin das Plüschtier neben sich und stürzte sich auf den Älteren. Diesem entwich ein erschrockener Schrei, als Jimin ihm fest die Arme um den Körper schlang und einen feuchten Kuss auf die Wange drückte.
„Hobi bitte… Ich liebe dich! Nimm mich endlich“, säuselte er seinem überrumpelten Hyung flehend ins Ohr und spürte, wie sich dieser in seinem Griff versteifte.

„Jiminshi!“, kreischte Hoseok, kaum dass er seine Stimme wiedergefunden hatte und machte sich energisch los. Stieß Jimin dabei von sich, wodurch dieser wuchtig gegen das Bett prallte. Es dauerte kurz bis beide die Situation begriffen.
„Oh nein Jimin, habe ich dir wehgetan?“, wollte Hoseok wissen, kaum dass er den dumpfen Schlag, den Jimins Auftreffen auf dem Bettgestell verursacht hatte, realisierte.
Dieser blickte ihn undefinierbar an und erhob abwehrend die Hand. Als sein Freund näher kommen wollte, griff mit der anderen nach dem Riesenstofftier und klammerte sich daran fest.
„Beschütz mich Paro, Hobi ist heute brutal unterwegs“, raunte er dem Stofftier zu, laut genug damit sein Besitzer es auch hören konnte.

Dieser blickte ihn verwirrt an und blies erleichtert die Luft aus, als er Jimins Lachen sah.
„Lass das! Das ist nicht lustig“, wollte er den Jüngeren maßregeln, dieser verzog aber nur beleidigt die Lippen.
„Das musst du gerade sagen. Erst brichst du mir das Herz, dann fast noch den Rücken und ich darf mir keine Hilfe holen. Ein toller Freund bis du!“

„Jimin…“, jammerte Hoseok gequält. Dieser wusste, wie sehr er es hasste, wenn Jimin mit diesen Spielchen nicht aufhörte, sondern munter weitermachte und so tat, als wolle er etwas von Hoseok. Diesem lag zu viel an dem Jüngeren als dass er es hätte ertragen können ihm wirklich das Herz zu brechen, weil er dessen Gefühle nicht erwiderte.

„Wenn du es wirklich wieder gutmachen willst, dann versuch nicht mich zu verkuppeln, wenn wir feiern gehen“, forderte Jimin noch immer beleidigt und eine Erkenntnis blitzte in Hoseoks Augen auf.
„Du wirst auch immer raffinierter“, flüsterte er anerkennend, bevor er nickte und Jimin damit ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen zauberte.

„Gut, dann können wir ja nochmal… Jimin!“, fauchte Hoseok nun wieder genervt. Der Angesprochene ignorierte ihn aber gekonnt, sein Handy war gerade spannender, wurde ihm nur leider unhöflicherweise entrissen.

„Hey, gib das zurück!“, motzte nun Jimin und sprang auf die Füße, hatte aber keine Chance, Hoseok hatte den Arm nach oben ausgestreckt und Jimin konnte sich sein Telefon nun von unten anschauen.

„Ich rede mit dir und du ignorierst mich einfach. Was haben deine Eltern bei deiner Erziehung eigentlich falsch gemacht?“, meckerte der Ältere ungerührt weiter, mit einem überlegenen Blick. Nur, weil er etwas größer als Jimin war, musste er sich noch lange nicht so viel darauf einbilden. Hoseok hatte nicht genug Zeit, um zu reagieren, als er das heimtückische Funkeln in Jimins Augen sah, da lagen die Hände des Jüngeren auch schon auf seinen Seiten, fuhren unter sein Oberteil, glitten sie warme Haut einmal hinauf und packten dann fest zu. Ein ersticktes Keuchen entfuhr Hoseok, als Jimin begann ihn zu kitzeln. Er schaffte es noch ganze fünf Sekunden den Arm oben zu halten, als er auch diesen zur Abwehr der Attacke sinken lassen musste und Jimin ihm das Handy wieder abnehmen konnte. Frech wie er war verstaute er es aber nicht, sondern drehte Hoseok den Rücken zu und lass erstmal wer da was von ihm wollte.

„Yoongi ist also 'nur' ein Freund von Tae“, raunte Hoseok dem Blonden ins Ohr. Hatte er sich doch direkt hinter diesen gestellt und lass über dessen Schulter mit.
„Von nur habe ich nichts gesagt, du musst mir wirklich besser zuhören“, erwiderte Jimin gedankenversunken und scrollte durch die Nachricht.
„Aha… und ihr schreibt 'nur' wegen des Projekts?“, fragte Hoseok misstrauisch weiter. Jimins Kopfschütteln ließ ihn die Stirn in Falten ziehen, damit hatte er wohl nicht gerechnet.
„Wir haben uns letztens ein wenig über unsere Studiengänge unterhalten und ich habe ihn aus Spaß gefragt, ob er mir nicht auch mal ein Lied komponieren könnte. Die Idee hat ihn nicht losgelassen und er hat mir gestern einige Einfälle geschickt“, erklärte Jimin weiter, während er Yoongi antwortete. Kaum war die Nachricht abgeschickt, blickte er wieder zu dem Älteren auf und seufzte schwer. Na super. Er hatte die bohrenden Fragen rund um Taehyung durch welche nach Yoongi ersetzt, das hatte er ja großartig hinbekommen.
Demonstrativ blickte er auf sein nacktes Handgelenk, dann zu Hoseok und meinte mit gespielter Eile in der Stimme: „Ach schon so spät, ich muss dann mal los. Schreib mir, wann wir uns nachher treffen wollen und wo es hingehen soll.“

Mit schnellen Schritten machte er sich aus dem Staub, wollte weg sein, bevor Hoseok die neuen Informationen verarbeitet hatte und mit entsprechenden Fragen nerven konnte. Auf dem Weg nachhause holte er sich noch ein Eis und schlenderte den Weg gemütlich entlang, ignorierte dabei sein Handy, welches mit permanentem Vibrieren auf die eingehenden Nachrichten aufmerksam machte. Er kannte Hoseok zu gut, der schrieb keine langen Nachrichten, dafür aber umso mehr.

Erst als das Eis gegessen und er sein Zimmer erreicht hatte, blickte er wieder auf seine Nachrichten und staunte nicht schlecht. Hoseok war wirklich fleißig gewesen, fast fünfzig Nachrichten mit immer der gleichen Frage nur unterschiedlichen Formulierungen. Er konnte sich das Gesicht seines Hyungs gut vorstellen als ihm dieses Meisterwerk im Nerven in den Sinn gekommen sein musste. Schmunzelnd scrollte er durch die Nachrichten und beschloss sich dumm zu stellen, fragte nach was genau Hoseok meine und wusste genau, wie dieser sich nun aufregen würde.

Einige Nachrichten von Taehyung waren auch dabei, dem schien es wieder besser zu gehen. Auch wenn Jimin ihn immer wieder daran erinnern musste sich zu schonen und nach jeder Ermahnung eine reuige Antwort kam, die klarmachte, dass Taehyung sich nicht daran hielt. Kopfschüttelnd über so viel Unvernunft schrieb er ihm eine ungefähre Zeit, die er am Tag üben könne, ohne sich weiter zu schaden und hoffte, dass sie so bald wieder Trainieren konnten. Er hatte wirklich Blut geleckt bei diesem Projekt, die Arbeit mit Taehyung und Yoongi machte ihm großen Spaß und er wartete schon fast sehnsüchtig darauf, dass sie weitermachen konnten. Taehyungs Verhalten konnte er zwar verstehen und fand er im gewissen Maße sogar gut, aber dass dieser so ihr nächstes Treffen hinauszögerte nervte ihn schon.

Nur an einer Front herrschte wie viel zu oft Stille. Jungkook hatte sich am Anfang der Woche in eine Lerngruppenbeziehungspause verabschiedet. Zumindest nannte Jimin es immer so, wenn der andere sich wegen Lerngruppen, Prüfungen oder Projekten nicht melden konnte. Ihre Beziehung lief Großteils über Nachrichten, welche sonst täglich kamen, aber zu diesen Zeiten wurde ihr spärlicher Kontakt noch karger. Zumindest eine Gute-Nacht-Nachricht würde er sich wünschen, leider konnte er nur zu gut nachvollziehen, dass man selbst dazu nicht mehr in der Lage war, wenn man von früh bis spät geistig eingespannt war und sich voll konzentrieren musste. Mit einem Seufzen auf den Lippen ließ er sich aufs Bett fallen und legte den Arm über die Augen. Genoss die Ruhe und Dunkelheit, welche ihn so umgab und versuchte seine Gedanken zu sortieren. Er hatte noch ein wenig Zeit bis Hoseok mit ihm losziehen wollte und die sollte er nutzen, viel Arbeit lag noch auf seinem Schreibtisch, vom Ignorieren wurde die nicht weniger.

Also raffte er sich wieder auf und mit einer schwungvollen Drehung auf dem Weg zum Schreibtisch änderte er den Kurs und lief geradewegs zur Tür. Nicht weil er gnadenlos faul war, es hatte geklopft.

Ein grinsender Jungkook stand auf der anderen Seite des ausgeblichenen Holzes und Jimins Stimmung hob sich augenblicklich. Schnell trat er beiseite und ließ den Jüngeren eintreten, fand sich sekundenspäter in dessen Armen wieder, während dieser mit dem Fuß lässig die Tür zu kickte. Ein liebevolles Lächeln erschien auf Jungkooks Lippen als er Jimin musterte, bevor er ihn zärtlich küsste.

„Hallo mein Engel“, begrüßte er den Älteren und strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht, kaum dass sie sich wieder gelöst hatten. Jimin war damit nicht sonderlich zufrieden, lehnte sich gleich wieder etwas vor und fing die weichen Lippen erneut ein. Ein Lachen grollte in Jungkooks Kehle, als er sich zufrieden auf den Kuss einließ.

„Ich traue mich kaum zu fragen, wie ich zu dieser Ehre komme“, murmelte Jimin gegen die Lippen seines Freundes, fand sowohl die Frage, die ihm im Kopf herumwanderte, als auch den Gedanken sich von Jungkook zu entfernen, nicht erstrebenswert. Dieser lachte leise und drückte Jimin mit sanfter Gewalt etwas von sich, konnte ihm so in die Augen schauen, ohne ihn loslassen zu müssen.

„Ich wollte dich entführen“, gestand Jungkook frei heraus und funkelte Jimin frech an. Diesem spukte kurz das Bild im Kopf herum, dass Jungkook ihn gleich einfach über die Schulter werfen würde und sonst wohin mitnehmen wollte. Dieser Gedanken gefiel ihm wesentlich besser, als jener den Jüngeren loslassen zu müssen. Interessiert hob er die Augenbraue und forderte Jungkook stumm auf sich zu erklären.

„Meine Arbeit im Kurs für moderne Kunst wurde ausgezeichnet. Es gab einen kleinen Wettbewerb, bei dem der gesamte Jahrgang mitgemacht hat, ich habe es auf den zweiten Platz geschafft“, erklärte Jungkook sichtlich zufrieden und Jimin ließ einen anerkennenden Pfiff hören. Er wusste, dass Jungkook ein begnadeter Künstler war, seine Bilder wurden bei den uniinternen Ausstellungen gerne gezeigt und erhielten viel Zuspruch. Dass er nun, trotz der zahlreichen Konkurrenz unter den Siegern war, machte Jimin mindestens genauso stolz wie den Jüngeren selbst.

„Und deshalb willst du mich entführen? Eine seltsame Reaktion für einen zweiten Platz“, stichelte Jimin liebevoll und ein Blitzen zog durch Jungkooks Augen. Seine Arme zogen den Älteren wieder näher und er hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.

„Es gab einen kleinen Preis für den Sieg. Eine Reise für zwei übers Wochenende aufs Land. Da das Thema Freundschaft war wurde mir nahegelegt meinen besten Freund einzupacken und etwas zu entspannen“, erwiderte Jungkook mit einem bedeutungsschweren Blick. Jimin brauchte einen Moment, um alles zu verstehen, mit einem spitzen Schrei schlang er die Arme um Jungkooks Hals presste ihn an sich, löste sich kurz, um ihn zu küssten und drückte ihn erneut an sich. Der Jüngere ließ es lachend über sich ergehen.

„Ich nehme das mal als, ja, du möchtest mit“, stellte Jungkook schmunzelnd fest und machte sich los von dem hibbelnden Blonden.
Dieser nickte aufgeregt, während er ein wenig auf und ab hüpfte, nicht wissend, wohin mit sich vor Freude. Da hatte er seinen Freund für die Woche schon abgeschrieben und dann stand er plötzlich vor der Tür und lud ihn auf ein gemeinsames Wochenende ein. Keine fünf Minuten brauchte er, um seine Sachen zusammenzusuchen und schneller als er schauen konnte gesellte sich seine eigene Reisetasche zu Jungkooks. Vor lauter Überraschung über dessen Besuch hatte er das kleine schwarze Ding gar nicht in dessen Hand wahrgenommen.

Jungkook blickte kurz auf die Uhr und griff nach Jimins Hand. „Wir müssen los, der Zug geht in einer halben Stunde“, meinte er dann leicht panisch und zog den Blonden zur Tür. Dessen Augen wurden groß, als er die Zeit hörte.
„Gut das wir im Laufschritt nur 25 Minuten bis dahin brauchen“, erwiderte er sarkastisch und nicht minder gehetzt, entließ Jungkooks Finger, schulterte seine Tasche und rannte los, den Jüngeren neben sich.

Keuchend und schnaubend ließen sie sich gerade noch rechtzeitig auf ihren Sitzen nieder, gefolgt von den verwirrten Blicken der anderen Reisenden, während der Zug sich gemächlich in Bewegung setzte. Sie tauschten ein zufriedenes Grinsen, während sie es sich gemütlich machten und Jungkook Jimin eine kleine Broschüre reichte, die erklärte, wohin es überhaupt gehen sollte. Leise unterhielten sie sich, scherzten und vertrieben sich die Stunden der Fahrt so gut sie konnten. Zwischendurch musste Jimin noch seine Verabredung mit Hoseok absagen und dessen Antworten waren eindeutig und sehr Yoongi lastig. Ihn von dieser Idee wieder wegzubekommen würde schwer werden, aber darum würde er sich später kümmern. Jetzt wollte er sich ganz auf seinen Kurzurlaub mit seinem Freund konzentrieren.


********



Gut ausgeruht erwachte Jimin am nächsten Morgen und schmiegte sich enger an Jungkook, welcher noch selig schlief. Das Bett war etwas schmal für zwei Personen, doch das störte ihn nicht, wer brauchte schon Platz, wenn man sich eh so dicht es ging, an seinen Freund kuscheln wollte? Dieses Zimmer war eindeutig nicht auf ein Paar ausgelegt, mit seinen getrennt stehenden Einzelbetten. Ein Umstand, den die beiden grinsend zur Kenntnis genommen hatten, als sie gestern todmüde die Herberge erreicht hatten. Ohne Umschweife hatten sie ihre Sachen auf das eine und sich selbst auf das andere Bett geworfen und waren eingeschlafen, ohne sich umziehen zu können.

Seufzend setzte Jimin sich schließlich auf, strich Jungkook eine Strähne aus dem Gesicht und beschloss erstmal duschen zu gehen. Kaum hatte er das Bad wieder verlassen, blinzelte ihm der Jüngere verschlafen entgegen und fuhr sich mit der Hand durchs Haar.

„Mich einfach alleine lassen, Frechheit!“, begrüßte er Jimin gähnend und dieser lächelte nur milde.
„Du sahst so friedlich aus, da wollte ich dich nicht stören“, erwiderte Jimin entschuldigend und zog Jungkook schwungvoll vom Bett, drückte ihn einen Kuss auf die Lippen und trat einen Schritt zurück, um den Anblick eines überrumpelten Jungkooks zu genießen. Ein freches Grinsen huschte über seine Lippen, verschwand, kaum dass ihn Jungkooks missmutiger Blick traf und wurde durch eine gespielte Engelsmiene ersetzt.
„Das traust du dich nur, weil ich noch halb am Schlafen bin“, grummelte Jungkook. Stahl sich auf dem Weg ins Bad einen weiteren Kuss und Sekunden später hallte das Rauschen der Dusche zu Jimin ins Zimmer. Dieser schmunzelte zufrieden und trat ans Fenster, zog die Vorhänge beiseite und betrachtete die Aussicht, die sie gestern im Dunkeln nicht mehr hatten in Augenschein nehmen können.

Der Weg den steilen Bergweg hinauf hatte sich eindeutig gelohnt, der Ausblick war der Hammer. Ihr kleines Hotel war direkt am Hang gelegen und bot einen weiten Blick über die Landschaft bis hinunter ins Tal. Der Wald, welcher den Berg bewuchs, hing noch voller Nebelschwaden, in denen sich die Strahlen der Morgensonne brachen und ein einmaliges Lichtspiel zauberten.

„Toller Ausblick“, raunte Jungkook ihm fasziniert ins Ohr, schlang die Arme um Jimins Taille und legte sein Kinn auf dessen Schulter ab.
„Und du wolltest am Bahnhof direkt wieder zurückfahren“, erinnerte Jimin ihn schmunzelnd, wusste dabei ganz genau, dass es nur Jungkooks Hunger geschuldet war. Daheim wusste er, wo er etwas zu essen bekam, Gerstenabend an dem düsteren, menschenleeren Bahnhof mitten im Nirgendwo sah das ganz anders aus. Kaum hatten sie einen Stand mit Fleischspießen entdeckt, hatte sich Jungkooks Laune gebessert und auch der Wunsch umzukehren verflüchtigte sich.

Jungkook hinter ihm brummte nur, drehte Jimin zu sich um und blickte ihm tief in die Augen.
„War ja nicht ernst gemeint“, grummelte er, lehnte sich leicht vor, um Jimins Lippen erneut einzufangen. Lang und tief küssten sie sich, genossen die Ruhe und Zweisamkeit des Morgens.

Schließlich schafften sie es sich zu lösen und machten sich auf die Suche nach dem Besitzer der Herberge. Sie sollten ihm Bescheid geben, wenn sie wach waren, dann würde es Frühstück geben. Schwer war es nicht den alten Mann zu finden. Wie gestern bei ihrer Ankunft saß er vor dem Eingang auf einem kleinen Hocker und rauchte eine Zigarette nach der anderen, schaute dabei ins Tal und wirkte rundum zufrieden.

Ausgiebig ließen sie sich das Essen schmecken, es war nichts Besonderes aber sehr gut zubereitet, sodass sie sich schon kurz nach dem Aufbrechen auf die mitgegebenen Lunchboxen zum Mittag freuten. Unschlüssig standen sie vorm Eingang und beratschlagten, ob sie sich den kleinen Ort anschauen oder die Wälder den Hang hinauf erkunden sollten. Die Logik siegte und sie beschlossen das erst bergauf die bessere Lösung war und so folgten sie dem kleinen Schotterpfad zwischen die Bäume. Der Besitzer der Herberge zeigte sich nicht als sonderlich gesprächig, dennoch hatte er mehrmals betont, wie schön die Natur hier war und dass sie sich diese unbedingt ansehen mussten.

Kaum außer Sichtweite ergriff Jungkook Jimins Hand und zog ihn zu sich, es war nicht leicht nebeneinander auf dem schmalen Weg zu wandern. Beide nahmen diese Strapaze aber gerne auf sich, wollten sie doch die rare Zeit, in der sie einander hatten, so gut es ging genießen.

Mitten im Wald tat sich eine kleine Lichtung auf, welche sie zum Rasten nutzten. Im Schein der Sonne saßen sie dicht beieinander und ließen sich das mitgebrachte Essen schmecken. Kopfschüttelnd überließ Jimin Jungkooks seine Reste, als er den hungrigen Blick des Jüngeren sah. Strich ihm grinsend durchs Haar, während der sich über die letzten Krümel hermachte und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Dieser grinste ihn zufrieden an, als alles verputzt war und zog ihn auf seinen Schoß.

„Das hat gutgetan“, meinte er grinsend und schenkte Jimin einen tiefen Blick. In diesem schwang ein noch ungestillter Hunger, eine Hand schob sich in Jimins Nacken und zog ihn näher, bis sich ihre Lippen berührten. Zärtlich bewegten sie sich gegeneinander, wurden fordernder, wilder. Leise keuchte Jimin in den Kuss als Jungkooks Hand unter sein T-Shirt glitt und seinen Rücken hinauf wanderte. Er wollte sich lösen wurde aber nicht gelassen, eine freche Zunge stahl sich in seinen Mund und zog seine volle Aufmerksamkeit auf sich. Erst als die Finger auf seinen Rücken Anstalten machten ihm das Oberteil auszuziehen, stoppte Jimin den Kuss und sah Jungkook atemlos und mit leicht verklärtem Blick in die Augen.

„Nicht hier“, hauchte er, fand seine Stimme nicht so recht wieder. Jungkook blickte ihn unglücklich an, zog ihn zu einem erneuten Kuss zu sich, sah dann aber ein, dass Jimin es ernst meinte. Langsam ließ er seine Finger über Jimins Wange gleiten und grinste ihn an. „Auch gut, dann lass uns weiter gehen, ich will die Aussicht von weiter oben sehen.“

Gesagt, getan und die beiden packten zusammen und machten sich wieder auf den Weg. Der Plan mit der Aussicht ging leider nicht auf, der Wald war einfach zu dicht und der Weg schlängelte sich so ungünstig, dass sie die Baumgrenze nicht erreichten und keine freie Sicht erhielten. Etwas schade, dafür war das Lichterspiel unter dem Blätterdach des Waldes ebenso schön wie das der Morgensonne im Nebel und verzauberte beide immer wieder. Sie schafften es fast nicht mehr rechtzeitig umzukehren und erreichten im letzten Dämmerlicht die Herberge.

Einen Tag an der frischen Luft, Berg auf Berg ab zuwandern, waren bei nicht gewohnt, fielen vollkommen erschöpft ins Bett und verschliefen am nächsten Morgen. Panisch rüttelte Jungkook den Blonden wach und zeigte hektisch auf die Uhr, Sekunden später hüpfte Jimin durchs Zimmer. Suchte seine Sachen, zog sich an und wechselte sich mit Jungkook im Bad ab, was mehr Zeit kostete, als es sparte, aber das Adrenalin in seinem Blut ließ ihn nicht richtig denken. Der Zug fuhr hier nur selten, heute gab es gerade einmal eine Verbindung und die kam viel zu bald. Mit höchster Eile machten sie sich fertig, beteten, dass sie alles eingepackt hatten und hätten den Besitzer der Herberge abknutschen können, als er ihnen zum Abschied ihr Frühstück reisefertig verpackt in die Hände drückte.

Nach einem spurt zum Bahnhof, hechteten sie gerade noch rechtzeitig in den Zug und erreichten schnaubend ihre Sitze. Es brauchte mehrere Minuten, bis sie wieder zu Atem gekommen waren, das Frühstück rührte erstmal keiner an, ihr Stresspegel musste sich erst wieder einkriegen, bevor der Magen sich traute sich zu melden.

Die Fahrt verlief wesentlich ruhiger, als sie begonnen hatte. Der Zug tuckerte dahin, nahm erst richtig Fahrt auf, als er die bergige Gegend verließ. Sie unterhielten sich munter, machten Scherze über ihr eigene Panik am Morgen und Jimin überließ Jungkook seine halbe Ration, als dieser wieder den Dackelblick auspackte. Grinsend lehnte er sich im Sitz zurück, schaute der Landschaft beim Vorbeiziehen zu, während er sich unauffällig Jungkooks Finger schnappte und dessen Worten lauschte. Jimin mochte es Jungkook zuzuhören, wenn er über sein Studium und seine Kunst sprach, die Leidenschaft, mit der er beim Thema war, steckte ihn jedes Mal an. Trieb ihn selbst dazu immer besser werden zu wollen, neues auszuprobieren und über sich hinauszuwachsen.

„Was ist das für eine Melodie, die du immer summst?“, fragte Jungkook irgendwann. Er hatte eine kleine Pause im Erzählen eingelegt, musste erstmal etwas trinken und schaute seinen Freund nun neugierig an.
Jimin blinzelte irritiert zurück. Es brauchte etwas, bis er begriff, was Jungkook meinte und eine ganz zarte Röte schlich sich auf seine Wangen.
„Ähm…“, setzte er an und fragte sich, warum er verlegen wurde. „Ein Stück, dass ein Freund gerade komponiert, ich habe wohl einen Ohrwurm“, versuchte er das ganze abzutun, sah aber an dem Blitzen in Jungkooks Augen, dass ihm das nicht gelang. Kurz legte Jungkook den Kopf schief, schien dann aber beschlossen zu haben Jimin glauben zu wollen und blickte aus dem Fenster, bevor er wieder zu erzählen begann.

Nach Stunden erreichten sie ihr Ziel, der Zug hatte sich zwischenzeitlich gut gefüllt und sie standen im dichten Gedränge vor der Tür, darauf wartend auf den Bahnsteig treten zu können. Dann öffneten sich endlich die Türen und der Strom aus Menschen ergoss sich aus dem Wagon. In dem Gedränge verlor Jimin seinen Freund aus den Augen, blieb einige Schritte von der Tür entfernt stehen und blickte sich suchend um, fand Jungkook aber nicht. Auch als der Zug wieder abgefahren war und er fast allein am Bahnsteig stand, blieb der Jüngere verschwunden. Verwirrt griff er zu seinem Handy, wollte ihn anrufen und las die Nachricht, die er erhalten hatte.

>> Ich habe dich im Gedränge verloren. Bin nachhause gegangen. War ein schönes Wochenende mit dir, liebe dich <3 <<
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