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Eine Liebe in vier Akten

von Pingulina
GeschichteDrama, Freundschaft / P18 / MaleSlash
Jimin Jungkook Kim Seokjin Suga V
15.07.2019
07.06.2021
100
250.815
36
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
23.09.2019 3.009
 
Erster Akt - Elfte Szene: Muskelkater


„Hey, ich muss wirklich los“, quengelte Jimin unwillig, erhielt nur ein Brummen zur Antwort und wurde wieder zurück auf seinen alten Platz gezogen. Weiche Lippen legten sich auf seine und raubten ihm erneut den Willen sich loszumachen. So ging das seit gut zwanzig Minuten. Jungkook sah es so gar nicht ein seinen Freund gehen zu lassen, wollte ihn lieber auf seinem Schoß behalten und ihn weiter küssen.

„Ist das nicht mein Text?“, wisperte er leise an Jimins Ohr, während er dieses entlang küsste und Jimin eine Gänsehaut verpasste. Diesmal war es Jimin der als Antwort brummte und sich nicht lösen wollte. Wie unfair es aber auch war, wenn Jungkook seine Schwachpunkte ausnutzte. Nicht einmal die Erinnerung an die viel zu kurzen Treffen, die sie meistens erlebten, ließen ihn aus seiner Benommenheit auftauchen. Jungkook hatte ihn voll und ganz im Griff und das nutzte er. Küsste sich Jimins Kinn entlang, über die Wange, sah ihm liebevoll in die Augen und versiegelte seine Lippen dann erneut. Jimin schloss genießend die Augen, lehnte sich wieder gegen den Größeren und öffnete einladend die Lippen.

Leicht außer Atem löste Jungkook sich schließlich und streichelte Jimin zärtlich die gerötete Wange, während er ihn traurig anblickte.
„Du musst los“, raunte er betrübt und Jimin nickte. Fühlte sich genauso unwillig wie sein Freund und lächelte ihn tapfer an. Jungkook erwiderte das Lächeln leicht gequält und gestattete es diesmal, dass Jimin von seinem Schoß rutschte und seine Tasche packte. Er erhob sich ebenfalls und richtete seine Haare, welche Jimin versehentlich durcheinander gebracht hatte.

„Komm mal her“, meinte er dann zu dem Älteren und dieser trat unwillig einen Schritt zurück. Er wollte dieses Spiel nicht von vorne beginnen, so schön es auch war, es erneut beenden zu müssen war zu schmerzhaft. Jungkook ließ sich davon aber nicht beeindrucken, kam die paar Schritte auf ihn zu und glitt mit seinen Fingern zielstrebig durch Jimins Haare. Der Kleinere ließ es überrumpelt zu. Mit einem sanften Lächeln und einer Hand an Jimins Wange betrachtete Jungkook ihn noch einmal wohlwollend und nickte dann.
„Perfekt“, meinte er in Gedanken und zauberte ein sachtes Lächeln auf Jimins Lippen.

Mit einem Blick auf die Uhr war Jimins Freude aber auch schon wieder vorbei. Er war extrem spät dran und das, obwohl er noch in den Supermarkt musste. Das konnte er dann wohl knicken, toll…

Jungkook schien seine Gedanken gelesen zu haben, griff in seine Taschen, welche er sich gerade umgehängt hatte und reichte Jimin eine Flasche Eistee.
„Hoffe mal, die reicht für dein Training.“ Ehrlich zerknirscht klang seine Stimme, wusste er doch, dass Jimin noch einkaufen wollte und es nun nicht mehr schaffte. Dankbar nahm Jimin die Flasche entgegen und verstaute sie in seiner Tasche, zog seinen Freund dann noch einmal an sich.

„Danke“, hauchte er und küsste Jungkook zum Abschied. Dieser Lächelte erleichtert zurück.
„Viel Spaß beim Tanzen. Ich schreibe dir nachher“, versprach er und öffnete die Tür, während Jimin nickte. Zusammen verließen sie das Zimmer und das Wohnheim, trennten sich an der Tür und Jimin nahm die Beine in die Hand, joggend erreichte er den Treffpunkt mit Taehyung und durfte feststellen, dass die Eile nicht notgetan hatte, der andere war noch nicht da.

Geschlagenen fünf Minuten stand er herum und malte sich in der Zeit aus, wie schön er noch mit Jungkook hätte schmusen können. Warum hatte er Taehyung bloß versprochen ihm den Weg zu zeigen? Yoongi schien keine Probleme zu haben den genannten Raum allein zu finden. Warum stellte sich Taehyung also so an?

„Freust du dich so sehr mich zu sehen?“, kam es unerwartet belustigt von der Seite und Jimin drehte sich schwungvoll zu der Stimme um. Leicht funkelte er Taehyung an, während er das freche Grinsen imitierte.

„Klar doch. Immerhin bin ich heute wieder dein Trainer und du bist zu spät. Für mich wird das Lustig… für Yoongi wohl auch“, konterte er munter, hakte sich bei Taehyung, nach einem vielsagenden Blick, ein und marschierte los. Sie waren schon spät dran, wenn sie sich beeilten konnten sie es dennoch rechtzeitig schaffen und genau das war Jimins Ziel.
Taehyung zischte schmerzhaft auf, als Jimin einen schnellen Schritt anschlug, protestierte aber nicht weiter.

„So schlimm der Muskelkater?“, ging Jimin auf Taehyungs zusammengekniffenen Lippen ein, dieser nickte stumm, brauchte etwas, bis er seine Stimme wiederfand.

„Du hast Muskeln in meinem Körper gefunden, von denen ich bisher nicht wusste, dass ich sie besitze.“

„Gern geschehen“, feixte Jimin leise.

„Ich weiß noch nicht, ob ich dir dafür dankbar bin oder dich hasse“, gestand Taehyung ehrlich und ohne jeden Spott in der Stimme. Jimin wurde langsam klar, dass es Taehyung wohl schlechter ging, als er dachte. Nachdenklich verlangsamte er seinen Schritt und musterte Taehyung von der Seite.
„Spaß beiseite. Wie schlimm ist es?“

„Das geht schon“, kam es zögerlich zurück und auf Jimins Stirn bildeten sich erste Falten, als er Taehyung weiter betrachtete. Dieser klang noch immer ungewohnt ernst und konzentriert, so als müsse er sich stark zusammenreißen. Nicht gut, das war gar nicht gut.

„Wenn du warmgemacht bist und es nicht besser wird, musst du das sagen. Die Muskeln zu stark zu belasten bringt nichts, das führt nur zu Verletzungen“, forderte Jimin streng und Taehyung nickte. Sah ihn dann vorsichtig von der Seite an und schien erleichtert, als ihm klar wurde, dass Jimin das vollkommen ernst meinte und ihn nicht mit Schmerzen Trainieren lassen würde.

Kurz drückte er Jimins Arm näher an sich, legte ihm den Kopf auf die Schulter und brachte ihre Schritte dadurch aus den Takt. Mehr stolpernd als gehend bewältigten sie die nächsten Meter, bis Taehyung die Schmuseattacke beendete und sich wieder aufrichtete.
„Du sagst das Yoongi?“, fragte er noch vorsichtig nach und atmete erleichtert auf, als Jimin nickte.

„Du kannst ihm aber auch vorsorglich einen Kaffee mitbringen. So als Bestechung vorneweg“, schlug Jimin gutgelaunt vor und Taehyung ließ ein tiefes Seufzen hören.
„Eure Bestellung vom letzten Mal hat schon ein großes Loch in meinen Geldbeutel gerissen, das kann ich mir nicht jedes Mal leisten.“
Jimin nickte verstehend, immerhin hatten hier nicht alle so viel Glück Unterstützung von ihren Eltern zu bekommen.

„Musst du alles selbst finanzieren?“, fragte er neugierig nach und Taehyung nickte mit einem traurigen Lächeln.

„Meine Eltern haben einen kleinen Bauernhof, sie konnten mir eine gute Schule ermöglichen, aber für die Uni fehlt ihnen das Geld. Ich habe einen Kredit aufgenommen und jobbe in dem Café für alles, was ich sonst so brauche.“ So liebevoll wie Taehyung gerade klang, schien er seinen Eltern sehr dankbar zu sein, was sie für ihn getan hatten und Jimin bekam direkt ein schlechtes Gewissen. Da hatte es Taehyung schon schwer und er zog ihm auch noch gedankenlos das Geld aus der Tasche. Wieder wurde sein Arm gedrückt und als er zu Taehyung blickte, grinste dieser ihn munter an, schien seine Gedanken gelesen zu haben und wollte ihn beruhigen.

„Das mit dem Kaffee muss dir nicht leidtun, ich hatte es ja angeboten. Wenn ich gewusst hätte, dass dein Lieblingskaffee so ein ausgefallenes Zeug ist, hätte ich mir das wohl zweimal überlegt.“
Auch wenn es lieb gemeint war, half es nicht wirklich, Jimins Gewissen wurde gleich eine Spur schlechter. Immerhin hatte er nicht seinen Lieblingskaffee gefordert, sondern einen von dem er wusste, dass er teuer war.

„Was ist?“, hakte Taehyung nach, hatte wohl Jimins Unbehagen bemerkt.
„Das ist nicht mein Lieblingskaffee gewesen, eher einer, den man gerade noch so trinken kann, vor lauter Extras“, gestand der Kleinere peinlich berührt und hielt Taehyung die Tür auf, als sie den Sportbereich erreichten.

Taehyung ließ ein gequältes Stöhnen hören und warf kurz die Hände in die Luft, bevor er resigniert die Luft ausstieß.
„Tja, das hatte ich auch verdient… Aber was ist dann dein Lieblingskaffee?“, wollte er wissen und Jimin überlegte, ob er wirklich antworten sollte.

„Mit viel Milch und einem Spritzer Zitrone“, kam es dann leise als Antwort und Taehyung nickte erst gleichmütig, bevor er sein Gesicht leicht angewidert verzog und Jimin musterte. Dieser zuckte nur mit den Schultern. Was sollte er denn machen? Er wusste, dass die Kombination seltsam war, aber er stand nun mal drauf.

„Du überraschst mich immer wieder. Ich hatte dich wirklich für einen Zuckerjunkie gehalten“, akzeptierte Taehyung das Gehört, war wohl der Meinung, dass jeder essen und trinken sollte, was ihm schmeckte.

„Nein nicht wirklich, ich stehe mehr auf sauer und scharf, süß mag ich nur in Maßen“, erklärte Jimin und griff nach Taehyungs Arm als dieser geradeaus laufen wollte, obwohl sie in den Gang nach links abbiegen mussten. Etwas überrumpelt nahm dieser die Richtungsänderung zur Kenntnis und sah sich neugierig um.

„Du warst hier noch nicht?“, stellte Jimin mehr fest, als dass er fragte und war überrascht, als Taehyung den Kopf schüttelte.

„Doch, aber das erste Mal vor ein paar Wochen. Da habe ich den Versuch gestartet mich ein wenig besser mit dem Campus vertraut zu machen.“

„Und wie weit bist du bei dem Versuch gekommen?“

„Nicht sehr weit, habe an dem Tag noch Dinge entdeckt, die ich nicht wissen wollte und beschlossen, dass zu viel Neugierde nicht gut ist.“

Jimin hätte gern nachgefragt, was genau der andere entdeckt hatte, aber Taehyungs Stimme ließ ihn erahnen, dass es etwas Schmerzhaftes war. Mit einem Seitenblick versuchte er abzuschätzen, ob er fragen sollte oder nicht. Taehyung hatte den Blick zu Boden gerichtet und wirkte gedankenversunken, ganz anders als sonst und daher schwieg Jimin. Wenn Taehyung darüber reden wollte würde er zuhören, aber er fand nicht, dass es ihm zustand zu fragen, dafür kannten sie sich nicht gut genug.

Das Training verlief wie befürchtet. Taehyung hatte auch nach dem Aufwärmen noch Schmerzen und nicht einmal Yoongi widersprach, als Jimin beschloss es heute ruhig angehen zu lassen. Zwar hatte der Ältere bereits auf sie gewartet und war über die Verzögerung alles andere als glücklich, aber auch er sah, dass Taehyung immer wieder zusammenzuckte, wenn er bestimmte Bewegungen ausführte und überließ es Jimin zu entscheiden, wie weit der andere gehen konnte. So schafften sie nicht viel, gingen wieder und wieder die Schrittfolge durch, aber im Schneckentempo und Jimin verzichtete darauf auf Körperspannung zu achten. Recht schnell gab er Taehyung die Anweisung nur so weit zu gehen, wie es schmerzfrei ging und dieser folgte nur zu gern. Schon nach der Hälfte der Zeit brach Jimin das Ganze ab, es hatte so keinen Zweck. Dafür nahm er sich ausgiebig Zeit Taehyung Entspannungsübungen zu zeigen und ihm zu erklären, wie er überlastete Muskeln schonen und beruhigen konnte. Er trug ihm eine ganze Liste von Dingen auf die Taehyung in den nächsten Tagen durchführen sollte, um sich zu erholen und machte mit ihm aus, dass sie vor dem nächsten Treffen erst Telefonieren würden. Es brachte nichts weiterzumachen, wenn Taehyung noch nicht wieder fit war.

Je weiter die Stunde voranschritt, umso betrübter wurde Taehyung. Der Sonnenschein, welcher er sonst war, war erloschen, hatte sich hinter einer grauen Regenwolke verkrochen. Besorgte Blicke flogen zwischen Jimin und Yoongi durch den Raum, auch der Ältere schien Taehyung noch nicht so erlebt zu haben. Doch als Jimin mit Gesten fragte, ob er kurz verschwinden sollte, schüttelte Yoongi nur den Kopf.

„Na los Tae, hoch mit dem Hintern“, meint Yoongi dann gewohnt ruppig und drehte sich zur Anlage. Taehyung blickte ihn unglücklich an, folgte aber ohne zu murren. Jimins Blick glitt besorgt von Yoongi über Taehyung und zurück zu Yoongi. Das war keine gute Idee, der Größere brauchte Ruhe und keinen Drill.

Er wollte gerade Einspruch einlegen, als das leise Brummen der Anlage erstarb, da Yoongi sie ausschaltete und Taehyungs Tasche ergriff, mit dieser zu dem Jüngeren ging.
„Was sagst du zu Nudelsuppe und dann ab ins Bett?“, fragte er unerwartet freundlich und wuschelte dem nickenden Taehyung freundschaftlich durchs Haar. Schenkte Jimin ein verschmitztes Grinsen und drehte sich um, um seine eigene Tasche zu holen. Jimin schmunzelte leicht, als er begriff und hakte sich erneut bei Taehyung ein, sobald sie alle abmarschbereit waren und dieser lehnte sich müde gegen ihn.

„Wenn es dir nicht gut geht, musst du das ehrlich sagen, so bringt das Training nichts“, raunte Jimin Taehyung leise zu während sie den Raum verließen und sah Yoongi stumm nicken.
„Ich hatte gehofft, das Training bringt mich auf andere Gedanken. Wenn der Muskelkater nicht gewesen wäre, hätte es auch geklappt“, erwiderte Taehyung leicht pampig und brachte die beiden anderen zum Lachen.

„Der ist bis zum nächsten Mal weg, das andere Problem vielleicht ja auch“, kommentierte Jimin liebevoll und Taehyung schaute ihn hoffnungsvoll an.

„Das wäre schön…“ Sachte ließ er seinen Arm, unter den Jimin sich gehakt hatte, locker hängen. Glitt dadurch mit seiner Hand Jimins Arm entlang, drückte zum Schluss kurz Jimins Finger und vergrub die Hand dann in seiner Hosentasche, während sie Yoongi folgten.

Wieder war es der Ältere, der das Restaurant aussuchte und sie fügten sich. Liefen ihm schweigend nach und waren alle froh, als sie endlich saßen und sich Gedanken über die Bestellung machen konnten. Eine bedrückende Stille hatte sich zwischen ihnen ausgebreitet, auch wenn Jimin und Yoongi immer wieder versuchten ein Gespräch in Gang zu bringen, Taehyung beteiligte sich nicht, nickte lediglich, wenn er angesprochen wurde. Schließlich beendete Taehyungs Handy die unangenehme Situation und brachte Taehyungs Lächeln zurück, auch wenn nicht ganz so strahlend wie zuvor.
Voller Elan sprang er von seinem Stuhl, bereute es keine Sekunde später und richtete sich tapfer wieder auf.

„Es tut mir sehr leid, aber ich muss wohl los“, murmelte er noch im Umdrehen, winkte den beiden anderen noch zu, schaute von seinem Handy aber nicht mehr auf. Leicht humpelnd verließ er das kleine Lokal, gefolgt von den verwunderten Blicken seiner beiden Begleiter.

„Was war denn das?“, fragte Jimin verdattert und blickte hilfesuchend zu Yoongi, welcher nur grinsend den Kopf schüttelte.
„Wohl eine bessere Verabredung als wir beide mit Nudelsuppe“, meinte er locker und sah die Kellnerin kommen, damit sie endlich bestellen konnten.
„Das geht?“, kommentierte Jimin nachdenklich und brachte Yoongi erneut zum Lachen.
„In Taes Welt ist alles möglich.“

Dann war die Kellnerin auch schon da und sie orderten jeder das gewünschte Gericht. Kurz trat Stille ein, bevor Jimin den Älteren nachdenklich musterte und dieser fragend den Kopf schief legte.
„Muss man sich um Tae Sorgen machen? Heute war er seltsam drauf.“

„Nein. Er ist ehrgeizig und dass er heute nicht liefern konnte stört ihn. Ihm liegt eine Menge an dem Projekt, da kann das schonmal passieren. Beim nächsten Mal haben wir unser nervendes Energiebündel wieder, versprochen“, erklärte Yoongi abwinkend und Jimin spürte, dass da noch etwas war. Yoongi kannte Taehyung besser und wusste, wie es in dessen Privatleben aussah, aber das ging Jimin nichts an, er würde ganz sicher nicht Yoongi über Dinge ausfragen die Taehyung ihm nicht sagen wollte. Also nickte er nur und überlegte über welches Thema sie sprechen konnten, ohne direkt wieder auf dem abgerauschten Dritten der Runde zu sprechen zu kommen. Yoongi half ihm aus, begann ein lockeres Gespräch über Musik und schnell unterhielten sie sich über ihre Hauptfächer, fachsimpelten über die Professoren und das Unileben. Nebenbei verputzten sie die Suppe und mussten überrascht feststellen, dass die Teller längst leer waren und sie wohl aufbrechen sollten. Vor dem Restaurant verabschiedeten sie sich und Jimin genoss einige Momente die frische kühle Abendluft. Bevor er schweren Herzens sein Handy herausholte, wählte, es sich ans Ohr hielt und wartete.

„Jiminshi!“ Erklang eine gehetzte Stimme, kaum dass es einmal geklingelt hatte.
„Hi Hobi. Du hattest befohlen, dass ich dich anrufe“, begrüßte Jimin den anderen und schlenderte gemütlich weiter.
„Was heißt denn hier befohlen?“, echauffierte Hoseok sich direkt und brachte Jimin zum Lachen.
„'Wenn ich dir mit dem Raum helfe, erwarte ich danach einen Bericht, wie es gelaufen ist!' Klingt ziemlich nach einem Befehlt“, wiederholte Jimin die Worte seines Hyungs, als dieser ihm Hilfe zusagte.
„Das ist jetzt aber arg interpretiert!“, beschloss dieser und schnaubte leicht beleidigt.
„Aber da du nun schon anrufst, wie ist es gelaufen? Triffst du dich auch noch privat mit Tae? Nur beim Training wird da nichts draus!“, sprudelte Hoseok auch schon los und sah Jimins Kopfschütteln zum Glück nicht.
„Soweit ich weiß Datet Taehyung aktuell jemanden, da wäre es schon komisch, wenn er sich auch mit mir trifft und …“
„WAS?!“, unterbrach ihn Hoseok aufgebracht.
„Der stand doch so auf dich, wie konnte das passieren?“
Telefonieren konnte wirklich vorteilhaft sein. Das zufriedene Grinsen auf Jimins Gesicht sah Hoseok nicht, genauso wenig wie er wusste, dass der bedauernde Tonfall nur gespielt war.
„Tja, ich bin halt nicht ganz so begehrenswert wie du dir wünscht.“
„Tu nicht so, das hast du doch so eingefädelt!“, kam es prompt zurück und Jimin konnte sein Lachen nicht mehr unterdrücken.
„Was du mir immer alles Unterstellst…“, kicherte er vergnügt. Wie er es doch liebte Hoseok bei diesem Thema auflaufen zu lassen. Was bildete sich sein Freund auch ein, besser über Jimins Liebesleben Bescheid zu wissen als dieser selbst.
„Jiminshi das ändern wir noch, glaub mir. Aber erzähl mir, wie das Training war“, beendete Hoseok diese Diskussion, war sich noch immer nicht bewusst, dass er hier gegen Windmühlen kämpfte und würde es wohl auch noch eine geraume Weile ignorieren.
Jimin ging nur zu gern auf den Themenwechsel ein.
„Nicht sehr gut. Taehyung hat es bei den letzten Übungen übertrieben und ich vermute, er hat auch alleine noch geübt. Wir mussten abbrechen, da er zu starken Muskelkater hatte“, berichtete Jimin artig und hörte ein nachdenkliches Brummen.
„Du hast ihm klar gemacht, dass falscher Eifer nichts bringt?“
„Klar. Habe ihm Ruhe und Entspannung verordnen und ihm gesagt, dass wir nur weiter machen, wenn es ihm besser geht.“
„Gut so…“, Hoseok fiel sofort in seine Rolle als Trainer. Überlegte sicher gerade angestrengt, was man sonst noch tun könne, um Taehyung zu helfen, kam aber zu dem Schluss, dass hier nur Zeit und Ruhe halfen.
„Brauchst du den Raum trotzdem wöchentlich?“, fragte er immer noch leicht abwesend.
„Ja, denke schon.“
„Gut, ich muss dann auch aufhören“, kam es plötzlich fahrig von Hoseok und ein breites Grinsen schlich sich auf Jimins Lippen. Diese Art des Konzentrationsverlustes kannte er nur zu gut.
„Klar, macht euch noch einen schönen Abend und bleibt sauber“, flötete er und legte bereits auf, während Hoseok sich noch über seinen frechen Kommentar beschwerte.
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