Nuka ~ Bis zuletzt

GeschichteAbenteuer, Tragödie / P16
Kovu Nuka OC (Own Character) Scar Vitani Zira
12.07.2019
09.01.2020
16
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Manchmal hat jemand kein leichtes Leben, von Geburt an ist das Leben unfair und der Tod wird nicht besser.
Nukas Geburt sollte ein großartiger Tag im Geweihten Land sein. Eine Hoffnung auf neues Leben nach dem Tode Mufasas und eine Hoffnung für seine Eltern.
Doch er war… enttäuschend, zumindest was Scars Vorstellungen betraf.
Resigniert sah er auf das dürre, gräuliche Bündel zwischen Ziras Pfoten hinab und verkniff sich mühsam ein Seufzen. Ja, er hatte einen Sohn, dass war schon mal gut. Aber warum war dieser nur so klein, schmächtig, dünn und… schwach? Simba war viel größer gewesen.
Grollend schüttelte er den Kopf und ließ sich zu Boden fallen, direkt neben seine Gefährtin. Er liebte Zira, von ganzem Herzen und er würde alles für sie tun.
Warum dachte er ausgerechnet jetzt an seinen toten Neffen?
“Ist er nicht süß?”, gurrte Zira und rieb schnurrend ihre Schnauze an das kleine Junge. Nun, zumindest sie war glücklich.
“Natürlich, er ist sehr süß “, stimmte Scar ihr zu, er wusste, wenn er auch nur den Hauch einer Kritik an dem Kleinen vor bringen würde, würde Zira ihm das Fell über die Ohren ziehen. Aber etwas musste in seiner Stimme gelegen haben, denn ihre rotbraunen Augen hefteten sich plötzlich auf ihn und ihre Nase kräuselte sich bedrohlich.
“Was?”, schnarrte sie und zog den Kleinen noch enger an ihre Brust. Etwas in Erklärungsnot schluckte Scar erstmal und blickte aus der kleinen Höhle am Fuße des Felsens, in die sich Zira nach der Geburt zurückgezogen hatte. Genau wie damals, vor so langer Zeit.
“Ist es wegen Aziza und Jasiri?”, fragte Zira sanfter und bot Scar damit die perfekte Flucht aus dieser unangenehmen Situation. Ja, die Schwestern, seine erstgeborenen Töchter. Sie waren zur selben Zeit wie Simba geboren worden und niemals hatte Scar geglaubt, glücklicher sein zu können.
Aziza war perfekt gewesen, groß für ihr Alter und stark, ihr Aussehen eine perfekte Kopie Scars, nur ihre Augenzeichnung, die hatte sie von Zira geerbt. Außerdem war sie ein reines Papakind gewesen, immer wollte sie bei ihm sein und was hatte er getan? Er hatte sie zurückgewiesen. Damals hatte er planen müssen, den Tod des Königs, und da hatte seine Tochter halt zurückstecken müssen. Heute bereute Scar es, nicht mehr Zeit mit seinen Töchtern verbracht zu haben. Aziza hatte er wenigstens etwas gekannt, aber was war mit Jasiri? Sie hatte ausgesehen wie ihre Mutter, nur ohne das Loch im Ohr und sie hatte ihre Mutter vergöttert. Nur das wusste er über sie.
Stumm nickte Scar und Zira leckte ihm tröstend über die Schnauze.
“Mir fehlen sie auch. Aber nichts kann sie mehr zurückbringen. Ihre Spuren haben sich am Fluss verloren, sie sind ertrunken. Ich wünschte auch, dass es anders wäre.”
Scar nickte noch einmal und Zira gab auf. Wenn er in dieser Stimmung war, konnte ihn nichts aufheitern.
“Ich… geh ein wenig raus”, murmelte Scar und erhob sich. Mit gesenktem Kopf verließ er die Höhle und kickte draußen einen abgenagten Knochen zur Seite. Es war bereits dunkel und die Wärme des Tages schwand immer mehr.
Prüfend glitt der Blick des Königs über die Umgebung. Verdorrtes Gras, ein paar Gazellen trieben sich in der Nähe herum. Nein, er war sich nicht sicher, ob dieser kleine Kerl zum König taugte. Vielleicht… beim nächsten Wurf, ja, da würde er vielleicht seinen Erben bekommen. Bis dahin würde er einfach ein Auge auf Mheetu, Sarafinas Sohn haben. Der Fast-Teenager war der einzige, der ihn im Moment gefährlich werden könnte.

Mürrisch sah Zira ihrem Gefährten nach, wie er die Höhle verließ und wandte sich dann wieder ihrem kleinen Sohn zu. Sein Fell war eine gräuliche Version von Scars rotbraun… als hätte man ihrer beiden Farben in einen Topf geworfen und gemischt.
Er hatte dieselbe geschwungene Augenzeichnung wie Scar und seine Schnurrhaare waren etwas geknickt. Zira konnte es kaum erwarten, dass der Kleine bald seine Augen öffnen und zeigen würde, welche Farbe er vererbt bekommen hatte.
Natürlich hatte sie gespürt, dass Scar enttäuscht war. Aziza und Jasiri waren damals ein Glücksgriff im Genpool gewesen. Bis heute fühlte Zira ein tiefes Loch in ihrem Herzen, wo die beiden immer einen Platz haben würden. Es war so unfair, warum, warum hatte es ihre perfekten Töchter erwischt? Das Leben war nicht fair.
“Ich werde dich immer beschützen, Nuka”, wisperte Zira leise und legte den Kopf schützend über ihren Sohn.
Sie wusste, was der Name bedeutete, aber das war ihr egal. Er schien einfach perfekt für ihren Sohn zu sein.
Der kleine schmatzte leise und kuschelte sich enger in das weiche Fell seiner Mutter.
Versonnen dachte diese an den Tag zurück, an dem sie Scar getroffen hatte. Sie beide waren noch Junge gewesen und als Scar Zira im Fluss hatte treiben sehen, war er beherzt ins Wasser gesprungen, um sie zu retten. Na ja, nein, er war eher ins seichte Wasser gewatet und hatte sie ans Ufer gezogen. Damals war noch Ahadi König gewesen und auf Drängen seiner Königin Uru hatte er die kleine Zira in sein Rudel gelassen.
Warum Zira überhaupt in diesem Fluss gewesen war? Nun, sie war beim Spielen mit ihrem älteren Bruder in den Fluss gefallen. Sie hatte es geschafft, aber Nunka… Nein, seine Leiche hatte man weiter flussabwärts gefunden.
Vielleicht wollte sie ihren Sohn, ihren ersten Sohn, deshalb auch Nuka nennen. Es klang wie Nunka, nur… anders.
Aber er hatte keine Ähnlichkeit mit ihm. Seufzend schloss Zira die Augen und versuchte nicht mehr an jene zu denken, die sie verloren hatte.

“Sarabi?”, fragte Sarafina vorsichtig und schlich mit kleinen Schritten auf ihre beste Freundin zu. Die ehemalige Königin lag am Wasserloch, die Vorderpfoten baumelten ins Wasser und sie hatte den Blick abgewandt.
Sarafina war eine überaus hübsche Löwin, ihr Fell schimmerte cremefarben, beinahe weiß, und die türkisen Augen schienen immer vor Lebensfreude zu leuchten. Doch seit Scar an der Macht war, lag meistens Angst in ihrem Blick. Anfangs, da hatten die Löwinnen gehofft, dass Zira ihnen helfen, Scar etwas bremsen würde. Doch die ersten Tage hatte sie nur verzweifelt nach ihren Töchtern gesucht, was ihr niemand zum Vorwurf machte. Es folgte die Depression und dann die Trächtigkeit. Und von diesem Augenblick an zählte für Zira nur noch das ungeborene Junge, was Scar tat  kümmerte sie einfach zu wenig.
Hinter Sarafina her tappte Mheetu, ihr Sohn. Ihre Tochter Nala war alt genug, um auf sich selbst acht zu geben. Aber Mheetu? Ihm wuchs schon ein Büschel schokobrauner Mähne am Kopf und langsam könnte Scar in ihm einen Rivalen sehen. Und wenn Scar nicht mal vor Mord an seinem eigenen Bruder zurück schreckte, da würde er doch auch nicht vor einem Löwenkind halt machen .
Als Sarabi ihre Stimme hörte, fuhr sie erschrocken zusammen und wischte sich mit der Pfote über die Schnauze.
“Was… was ist denn, Fina?”, fragte sie und ihre Stimme klang tränenerstickt.
Tunlichst vermied sie es, ihre Freundin anzusehen. Seit dem Tod ihres Gefährten und ihres Sohnes hatte Sarabi vor niemanden mehr geweint. In dieser Zeit musste sie stark sein, für das Rudel.
“Ich habe mir Sorgen um dich gemacht”, erwiderte Sarafina leise. Mheetu war weniger feinfühlig, er rannte einfach vor und warf sich der hellen, kräftigen Löwin auf den Rücken. Neugierig starrte er Sarabi ins Gesicht und sah dann zu seiner Mutter.
“Mama, warum hat Tante Sarabi denn geweint?”, fragte er unverfroren und seine türkisen Augen wurden ebenfalls traurig.
“Genau das wollte ich sie gerade selbst fragen, Schatz. Aber, lauf doch mal ganz schnell zum Felsen, und geh zu Nala. Sobald du Scar siehst, musst du aber ganz schnell weg laufen, ja?”, summte Sarafina bemüht fröhlich. Sie wollte ihrem Sohn eine gute Kindheit schenken… so gut es eben ging.
Begeistert, auch endlich mal alleine etwas machen zu dürfen, nickte Mheetu und krabbelte von Sarabis Rücken, nur um dann so schnell ihn seine noch recht kurzen Beine trugen zum Felsen zu sprinten.
Besorgt sah Sarafina ihm nach.
“Das hättest du nicht tun müssen, Fina. Es ist nur… Ziras Junge  ist das erste, das nach Simbas Tod geboren wurde. Nala war schon da, Mheetu war bereits ein paar Tage alt und, na ja, Aziza und Jasiri waren zu dem Zeitpunkt noch vermisst… es tut einfach weh. Immer muss ich an ihn denken, wie er zwischen meinen Pfoten gelegen hat, wie er es gehasst hat geputzt zu werden. Glaub mir, ich würde jede Dummheit die er anstellt lächelnd und nickend mit ansehen, könnte ich ihn nur wieder haben. Ihn noch einmal sehen, den Klang seiner Stimme hören, sein Lächeln… es war schon schlimm, Mufasa zu verlieren, aber das hätte ich verkraften können. Aber nicht, Simba zu verlieren. Er war doch noch so jung!”
Leise schluchzte Sarabi auf und Sarafina legte sich dicht neben sie, legte eine Pfote über ihren Rücken und schleckte ihr tröstend über die Wange.
“Ich weiß, dass es weh tut. Und es ist nicht fair. Nichts ist hier fair. Scar, die Hyänen, die Trockenheit…. aber irgendwann wird alles wieder besser und das Rudel vertraut auf dich! Zira ist ja jetzt wieder Vollzeitmami.”
Sarafina klang erstaunlich sarkastisch für ihre sonst so freundliche Art und Sarabi warf ihr einen scharfen Blick zu.
“Lass sie doch. Ich würde an ihrer Stelle nicht anders handeln. Und wer weiß? Vielleicht nimmt sie ihre Pflichten nun eher Ernst, immerhin muss das Futter auch für ihr Junges reichen. Und die Hyänen könnten ihm auch gefährlich werden.”
Sarafina schwieg dazu lieber. Sie kannten Zira, seit sie klein waren und… nun ja, seit Scar sie wie einen begossenen Pudel aus dem Fluss gefischt hatte, vergötterte Zira ihn. Scar hatte die Aufmerksamkeit (die einzige, die er ja auch wirklich je bekommen hatte), immer sehr genossen und im Teenageralter war das ganze in eine sehr… obsessive Art der Liebe umgeschlagen.
Es gab eine kurze Zeit, da hatte jeder geglaubt, dass alles gut werden würde, dass Scar seinem Bruder nicht mehr die Stellung als König neidete. Es war die Zeit, als Aziza und Jasiri da gewesen waren. Zira war eine glückliche Mutter gewesen, stolz auf ihre beiden und Scar hatte gelächelt, nun, zumindest die Mundwinkel gehoben, wenn Aziza um ihn herum gesprungen war. Und was hatte das ganze wacklige Gebilde zum Einstürzen gebracht?
Dieser dämliche Fluss! Zira war jagen gewesen und Scar Gott weiß wo, Mufasa hatte den beiden Mädchen erlaubt, spielen zu gehen. Nichts ungewöhnliches… bis sie Abends nicht heimgekehrt waren. Das gesamte Rudel hatte gesucht, doch die Spur der beiden verlor sich an den reißenden Fluten des großen Flusses. Vielleicht hatte Scar seinem Bruder die Schuld am Tod der beiden gegeben. Seit jenem Tag hatte er so wenig wie möglich mit Mufasa gesprochen, noch weniger als sowieso schon und immer wieder diese hasserfüllten Blicke, die Scar ihm zugeworfen hatte, wenn er glaubte, niemand würde es sehen.
Aber… irgendwann wurde doch immer alles besser, oder?
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