Open up your eyes (Fate/Defragment AT Sidestory)

von Erenya
KurzgeschichteDrama / P12
OC (Own Character) Waver Velvet
12.07.2019
12.07.2019
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Ihr Haus mit dem kleinen Garten, dessen Eingang ein weißer, verzierter Torbogen war, war zur Festung der roten Fraktion geworden. Oder viel mehr was von ihr übrig geblieben war. Assassin war verloren, Caster zu den schwarzen übergelaufen. Und ebenso zweifelte sie an der Treue von Lancer, der in seinem Anfall dummer Königlichkeit den Feind zu seiner Mätresse ernannt hatte. Noch dazu war sein Master einer der obrigen Riege, die sich von ihr nichts sagen ließ. Zwar hatte der ein oder andere Umstand dafür gesorgt, dass Harway nun eine Lebensschuld bei ihr zu verbüssen hatte, doch er gehörte bei weiten nicht zu jenen Menschen die so etwas zu schätzen wussten. Der Krieg war unter diesen Umständen schon verloren und doch konnte Aurelia nicht aufgeben. Was hatte sie denn noch zu verlieren? Einen Wunsch? Ihr Leben? Den heiligen Gral? Lächerlich. In diesem Krieg ging es doch schon lange nicht mehr um dieses albernen, vergoldete Gefäß, welches sich mit dem Blut der Kämpfenden füllte. Und doch gab es da noch eine Person... ein Magier. Jung, unerfahren und formbar. Sollte sie nicht überleben, würde sie ihre Rache, ohne dass er es merkte, in seine Hände legen.
„Aurelia, du hast Saber nach mir geschickt. Ist alles in Ordnung?“
Sie lächelte verstohlen hinter ihrer Maske, und doch warmherzig wie das etwas demente Großmütterchen, das sie allen vorspielte.
„Waver, mein Junge. Komm doch rein. Lass uns reden.“
„Willst du über die gefangene Einzbern in deinem Keller reden? Wir sollten sie gehen lassen. Die Einzberns haben nichts mit diesem Krieg zu tun. Genauso wenig hatte es der Nekroma-“
Er hielt inne, als Aurelia ihn scharf ansah und sich von ihrem Platz erhob. Er war ein kluger Junge. Und doch noch so naiv. Aurelia hatte es ihm seit ihrer ersten Begegnung angesehen. Er strebte nach Anerkennung, wollte beweisen, was für ein Magier er war. Dass auch jemand aus der dritten Generation zu etwas in der Lage war. Einen Wunsch würde er nicht mehr benötigen, wenn er den Gral gewann, denn dann hatte er bereits was wollte. Und doch, so wie der Junge momentan war, würde er nicht bestehen. Er verurteilte ihre Taten. Das hatte sie bemerkt, als seine Freundin Erenya den Nekromanten aus ihren Fängen befreit hatte. Was für eine Ironie, dass diese Frau allein dafür von den Toten wieder auferstanden war und sich nun bester Gesundheit erfreute. Und ihr Lancer hatte das auch noch geheim gehalten. Noch einmal durfte sie solche Fehler nicht zulassen.
„Es ist Zeit, dass du eine Lektion von mir lernst, junger Waver. Ich weiß nicht, ob du es vielleicht nicht verstanden hast, aber, du solltest dich in deinem Leben niemals auf andere verlassen.“
Bitternis lag in ihrer Stimme. Sie hatte diesen Moment so lange herausgezögert, doch nun musste sie die Maske fallen lassen. Um ihre letzte Klinge zu schmieden.

„Was soll das heißen? Was meinst du damit? Wir sind doch eine Fraktion. Da können wir doch gar nicht anders als uns auf die anderen Master zu verlassen.“
„Du bist zu naiv und gutherzig, Waver. Berserkers Master wartet nur auf den Moment, an dem er uns in den Rücken fallen kann. Seine Taten haben diesen Krieg ungewollt ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt, auch wenn kein Normalsterblicher seine Zeichen zu deuten weiß. Und Lancers Master hat seinen Servant nicht richtig unter Kontrolle. Ozymandias paarungswillige Libido könnte uns noch das Genick brechen.“
Von Skamandrios, wollte sie gar nicht erst anfangen. Er hatte in seinem Diener nur seine Schwester gesehen und sie über alle Handlungen und Wege bestimmen lassen. Und Cassandra von Troja hatte dies geschickt zu nutzen gewusst und aus einer einfachen Puppe des aktuellen Rulers, eine wahre Gefahr gemacht.
„Glaub mir, ich war einst wie du so vertrauenswürdig. Ich dachte sie würden ihn beschützen... Aber, ich habe mich geirrt. Es war naiv zu glauben, dass ihnen sein Leben wichtiger ist als das eigene.“
Sie konnte es deutlich sehen, die Verwirrung in Wavers Augen. Doch sie ließ sich nicht beirren. Er musste diese Geschichte, ihre Geschichte erfahren. Sie ging zu einer Kommode, spürte bei jedem Schritt, wie die Zeit an ihren alten Knochen nagte. Zu lange hatte sie sich selbst am Leben erhalten. Mit all ihren Wissen, ihren Mixturen und den Opfern, die wie Pflastersteine ihren Weg bildeten.
Sie öffnete die oberste Schublade der rostbraunen Eichenkommode und holte ein Bild hervor. Darauf war ein junger Mann zu sehen, mit einem charmanten Lächeln und einem Blick der unendliche Liebe versprach. Eine Strähne seines Haares, hing gelockt über die Stirn. Noch zu gut erinnerte sie sich an den Tag, an dem dieses Bild gemacht wurde. Diese Strähne hatte sich einfach nicht bändigen lassen. Am Ende hatte er aufgegeben und gemeint er würde diesen Look modern machen.
„Junger Waver... es wird Zeit, dass du die Augen aufmachst. Dies ist ein heiliger Gralkrieg. Opfer, selbst wenn es Unschuldige sind, können wir nicht verhindern. Und die Einzberns sind nicht so unschuldig wie du denkst. Wenn du die Dinge von meinem Stand aus sehen würdest, wärst du auch bereit diese Opfer zu bringen.“
„Aber Aurelia-“, setzte Waver an, hielt aber erneut inne. Dieses Mal lag es aber nicht an Aurelias schneidenden Blick, sondern an dem Bild, dass sie ihm zeigte.
„Wach aus deinem Fantasieland auf. Du musst erwachsen werden um zu wissen, dass du tun musst, was getan werden muss.“
Waver haderte, doch er fasste schließlich seinen ganzen Mut zusammen. Zu lange kämpfte er nun schon an Aurelias Seite und wollte nun wissen, wer sie war. Was sie erlebt hatte und warum sie in diesem Krieg kämpfte.
„Wer ist das? Und was ist passiert?“
Er konnte es sehen. Wie diese Frau, die sonst immer so souverän, wenn auch gebrechlich, wirkt, in sich zusammen sank.

**~~**


„Mommy, bist du nicht einsam wenn Daddy nicht da ist?“
Aurelia lächelte ihre kleine Prinzessin an, während sie vor dem Spiegel saßen und sie ihr kleine niedliche Pflechtzöpfe machte. Natürlich hätte sie sich lieber gewünscht, abends neben ihrem Mann einzuschlafen, aber was er tat, war durch und durch ehrvoll. Seine Familie war schon seit Jahren mit den Einzberns verbündet. Ihren da in einem Gralkrieg zu helfen, war eine reine Formsache. Noch dazu hatte Airis ihr versprochen, dass ihr Mann sicher zurück kommen würde. Sie konnte also unbesorgt lächeln.
„Wieso sollte ich einsam sein, ich hab doch dich noch, mein Engelchen.“
Sie beugte sich zu ihrer kleinen Prinzessin vor und küsste sanft den gezackten Scheitel ihres Blonden Haares. Die Haarfarbe hatte sie eindeutig von ihrem Vater, doch die Augen, hatte sie vererbt. Ihre Prinzessin war das perfekte Ergebnis ihrer innigen Liebe.
„Was wenn Papi sich verletzt? Wer macht sein Aua heile?“
„Papas Freunde, die Einzberns. Sie sind zu Heilmagie in der Lage. Und solle Papa sich verletzten, werden sie ihn retten.“
Sie spürte, wie ihre Kleine sich an sie lehnte. Es war deutlich, dass sie Ihren Vater vermisste und doch war sie so tapfer, dass sie nicht klagte und ihre Sorgen eher durch die Sorgen um ihre Mutter.

**~~**


Ihre Augen lagen wie gebannt auf dem Leib ihrer Tochter. Er war kalt, zu spät um mit heilender Magie noch etwas zu machen. Ebenso galt es für ihren Mann, der ihren Engel in den Armen hielt. Schützend und doch vollkommen uneffektiv.
„Es tut mir so leid, dass das passiert ist, Aurelia“, setzte Airis an. „Ich konnte nicht zulassen dn Krieg zu verlieren. Es tut mir leid,m dass ich mein Versprechen dir gegenüber nicht halten konnte. Aber, du solltest wissen, dass Richard sich der Gefahr zu sterben bewusst war und-“
Weiter kam Airis nicht. Sie spürte nur noch einen stechenden Schmerz in ihrer Wange und sah geschockt in die hasserfüllten Augen Aurelias.
„Kein weiteres Wort, Airis Einzbern. Du hast nicht nur meinen Mann auf dem Gewissen. Und glaube mir, uns beiden war die Gefahr bewusst. Aber deine Sturrheit hat mich ebenso meine Tochter gekostet.“
„Das tut mir auch wirklich leid, Aurelia. Wenn ich-“
„Sei ruhig, du kannst es nicht wieder gut machen. Oder können die Einzberns seit neustem die Toten wieder zum leben Erwecken? Ich will meine Familie zurück, keinen Ersatz, keinen kurzlebigen Homonculus.“
Aurelia hielt sich nicht mehr zurück und ließ ihrer Wut freien Lauf. Airis hatte noch Glück. Denn obwohl Aurelia ihr alle Wut in Worten entgegenschleuderte, beherrschte Aurelia sich. Sonst wäre sie ihr in einem Anflug niederster Triebe an die Gurgel gegangen und hätte das beendet, was dieser Yakuza nicht geschafft hatte.
„Aurelia, ich kann verstehen, dass du wütend bist. Doch sei dir gewiss, dass die Einzberns Buße für deinen Verlust leisten werden.“
„Das werdet ihr, Airis Einzbern. Ihr werdet Buße leisten.“

**~~**


Aurelia biss sich verbittert auf die Unterlippe. Jedes Mal durchzog es ihr Herz mit unerträglichen Schmerzen, wenn sie nur daran dachte, was die Einzberns ihr angetan hatten. Und sie konnte in Wavers Blicken sehen, dass ihre Geschichte ihn nicht kalt ließ.
„Das haben dir die Einzberns angetan? Aber... ihr wart doch Verbündete. Dein Mann hatte doch versprochen Airis Einzbern im Gralkrieg zu beschützen.“
„Ein sehr einseitiger Deal, junger Waver. Denn scheinbar sahen sich die Einzberns in ihren dummen Stolz und Wunsch zum Sieg, nicht darin verpflichtet das Leben meines Mannes und meiner Tochter als schützenswert zu sehen. Und dabei sind diese Homonculi nichts weiter als Puppen. Abbilder einer Verstorbenen die einst diese Gralkriege eingeleitet haben. Aber diese Geschichte ist dir sicher bekannt“, erklärte Aurelia und wandte sich von Waver ab. Das Bild legte sie wieder in die Kommode, strich sanft über das Antlitz ihres Liebsten, mit dem stummen Versprechen, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis die Einzberns ihre Schuld beglichen hatten.
„Aber ist es da fair, Irisviel Einzbern einzusperren, obwohl sie nichts dafür kann?“
„War es fair meine Tochter hinein zu sehen? Öffne deine Augen, Waver. In dieser Welt geht es nur Auge um Auge und Zahn um Zahn. Du willst doch Anerkannt werden, von den Magiern. Dann musst du bereit sein dafür alles zu tun. Es ist naiv zu glauben, dass ein Sieg dich hier weiterbringt und dein Wunsch ist eben nur das. Ein mit Magie erfüllter Wunsch. Willst du, als Magier der dritten Generation allen beweisen, dass auch du in der Lage bist großes zu leisten, musst du Erwachsen werden und der Wahrheit ins Gesicht sehen.“
Sie wusste, dass sie sich gerade zu einer bösen Hexe machte. Intrigen, Mord, Blut, all das hatte sie bis zu diesem Moment am Leben erhalten. Die Zerstörung der Einzberns, war ihr Ziel. Und sie würde den jungen Waver zu der Waffe machen, die sie brauchte. Gehegt mit Liebe, Respekt und der Erfüllung seines Wunsches, ganz ohne Magie.