I never act on Stage

von Banditox3
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Frank Iero Gerard Way
12.07.2019
12.07.2019
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I never act on stage



Frank war so müde, dass es sich beinahe so anfühlte, als wäre er auf Droge.

Obwohl er seit Stunden versuchte einzuschlafen, schlich sich immer wieder dieser winzige, bedeutungslose Satz, den Gerard Way während des Interviews an jenem Tag gesagt hatte, in seinen Kopf und hinderten ihn daran ins Land der Träume abzudriften.

„Ich schauspielere nie auf der Bühne“

Prinzipiell keine Aussage, die besonders schlafraubend wäre, wäre sie nicht auf die Bühnenküsse zwischen ihm und Gerard bezogen gewesen.

Als Gerard ihn zum ersten Mal auf der Bühne geküsst hatte, hatte er Frank nach der Show erklärt, dass er unbedingt ein Statement damit setzen wollte.

Er wollte demonstrieren, dass auch Männer, das Recht dazu haben, Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit auszutauschen, ohne anschließend dafür verurteilt zu werden.

Seiner Meinung nach, war es überaus unfair, dass Frauen sich gegenseitig befummeln durften, ohne in eine Schublade gesteckt zu werden, während Männer direkt schwul waren, sobald sie einander berührten.

Das Problem an der ganzen Sache war, dass Frank tatsächlich Herzklopfen bekam, wenn Gerard seine Lippen  einen Wimpernschlag lang auf seine presste.

Dabei waren die Küsse nicht mal besonders schön. Meistens war Gerard ziemlich verschwitzt und die Berührung war viel mehr ein mechanischer  Mund-an-Mund Druck, als ein Kuss.

Trotzdem hatte Frank das Gefühl, dass er mittlerweile  nur noch für diese fünf Sekunden in denen es geschah,  lebte.

Und er wusste nicht mal warum.

Klar, er war schon immer von Gerard fasziniert gewesen. Allerdings hatte er nie darüber nachgedacht, verliebt in ihn zu sein.

Oder überhaupt in irgendeinen Mann.

Er war sich nicht sicher, ob es daran lag, dass er seit dem vierzehnten Lebensjahr mit seiner Freundin Jamia liiert war und sich dementsprechend auch nicht anderweitig umgeschaut hatte, oder ob es  eben nur Gerard  war, der dieses Herzklopfen bei ihm auslösen konnte.

Im Grunde genommen, war das auch ziemlich egal, denn Fakt war, dass dieses warme, kribbelnde Gefühl nun Mal da war und nicht mal eben so wieder verschwinden würde.

Das konnte er fast  mit Gewissheit sagen, denn er hatte schon alles  Mögliche versucht.

Er hatte sich besonders viel Mühe gegeben, das Sexleben mit Jamia aufregender zu gestalten und die Beziehung im Allgemeinen spannender zu machen. Sogar Fallschirm springen waren sie gewesen, weil Frank  mal gelesen hatte, dass ein gemeinsamer Adrenalinkick, die Verbindung zueinander inniger machte.

Einmal war er in eine Schwulenbar gegangen, um mit einem Kerl zu flirten, aber niemand hatte sein Interesse geweckt.

Und er hatte sich, während der Tourpause zwei Monate nicht bei Gerard gemeldet, was tatsächlich funktioniert hatte, bis er wieder vor ihm stand.

*

Frustriert beschloss Frank, dass es vermutlich keinen Sinn ergab, im Bett herumzuliegen und über diesen dämlichen Satz zu philosophieren.

So würde er nie einschlafen.

 Statt sich weiter im Bett herumzuwälzen, stand er auf und marschierte durch das, seiner Meinung nach viel zu noble Hotelzimmer.

Nach einer Weile kam ihm der Gedanke, sich an der Minibar zu bedienen, da Alkohol ja bewiesenermaßen müder machte. Vielleicht würde sein blödes Gehirn mal zumindest eine Zeit lang seine Klappe halten.

Er entschied sich für Vier Zentiliter Vodka und Zweihundert Milliliter Orangensaft.  Die Preisliste, welche am winzigen Kühlschrank klebte, verriet ihm, das er dafür beim auschecken sieben Euro fünfzig zahlen durfte.

Ein Schnäppchen, dachte Frank kopfschüttelnd, ehe er sich ein Glas von dem Tablett nahm um die beiden Flüssigkeiten miteinander zu vermengen.

Als er einen Schluck davon nahm musste er von dem bitteren, ekelhaften Geschmack würgen.

Vokda war schon immer eine Spirituose gewesen, die er äußerst ungern trank, weil sie, seines Befindens nach,  schmeckte wie Putzmittel, aber wenn es half, Gerard einen Wimpernschlag lang zu vergessen, nahm er das lächelnd in Kauf.

Gott, er klang wie ein dreizehn Jähriges, verliebtes Mädchen.

Vielleicht, dachte Frank, half es, wenn er Gerard bat, ihn einfach nicht mehr zu berühren.

Denn wenn das so weiterging, müsste er entweder aus der Band aussteigen und mit Jamia in die Wallachei ziehen, oder er müsste Gerard seine Gefühle gestehen.

Und beides wollte er  um jeden Preis vermeiden.

Mit einem verzogenen Gesicht, trank er den letzten Schluck seines abartigen Gesöffs, in der Hoffnung, dass der Alkohol seine Wirkung entfaltete.

Dummerweise war er als Rockstar praktisch Vollzeittrinker, wenn er auf Tour war  und dementsprechend nüchtern.

Während er sich eine Flasche Rotwein öffnete – die sieben Euro fünfzig sollten sich schließlich lohnen, jetzt wollte er sich auch betrinken- überlegte er sich, wie er dem Sänger erklären wollte, dass er keine Lust mehr auf das Schwulentheater hatte.

Das er hin und wieder eine Latte  bekam, wenn er Abends im Bett lag und versehentlich an Gerard dachte, würde er mit Sicherheit nicht erwähnen.

Soviel war klar.

Was er jetzt brauchte war eine plausible Erklärung, ohne dass Gerard einen Verdacht schöpfte, denn das letzte, was Frank wollte, das die Freundschaft einen bitteren Nachgeschmack bekam und sie sich voneinander entfernten.

Es dauerte  knapp eine viertel Stunde, bis die Flasche leer war.

Frank starrte auf die  protzige Retro-Uhr, die in dem ansonsten edlen Hotelzimmer irgendwie Fehl am Platz wirkte, um feststellen zu müssen, dass es mittlerweile schon viertel nach zwei in der Nacht war.

Obwohl Gerard mit Sicherheit schlief, beschloss Frank, welcher mittlerweile gut angetrunken war, die Sache zu klären.

Jetzt.

Denn nüchtern würde er das wahrscheinlich nicht übers Herz bringen, in die perfekten grünen Augen von Gerard zu schauen und ihm irgendeinen Scheiß an den Kopf zu knallen.

Außerdem  war es ziemlich schwer, Gerard mal alleine zu erwischen. Meistens hing zumindest einer der  Bandkollegen – meistens sein Bruder Mikey – mit ihm rum und auf Publikum hatte Frank keine Lust.

*

Möglichst leise schlich Frank sich auf den schmalen, spärlich beleuchteten Flur.

An der Wand hingen irgendwelche hässlichen Portraits, wahrscheinlich von den ehemaligen Hotelbesitzern oder so, jedenfalls kam ihm keines der Gesichter bekannt vor.

Gerard schlief sechs Zimmer weiter.

Er klopfte.

Nicht besonders laut, aus der  Angst heraus, Mikey, Ray oder Bob könnten davon wachwerden, aber kräftig genug um den Sänger zu wecken.

Besagter öffnete auch nach einigen Sekunden bereits die Tür.

„Was gibt’s?“ nuschelte Gerard verschlafen.

„Wir müssen uns unterhalten.“ Meinte Frank ernst und schob sich an seinen Bandkollegen vorbei.

Das Zimmer war komplett identisch zu dem Raum, welcher Frank zugewiesen worden war.

Die Wände waren hell gestrichen, dass Bett war viel zu groß für eine Person und auf einem Lowboard prangte ein riesiger Flachbildfernseher.

Ein wenig orientierungslos standen die Beiden inmitten des großen Raumes und schauten einander an.

„Worum geht’s?“ fragte Gerard, ehe er sich auf die Bettkante setzte.

„Um die Bühnenküsse. Ich finde das scheiße.“

Frank beschloss stehen zu bleiben. Schließlich wollte er kein Kaffeekränzchen halten, sondern etwas aus dem Weg schaffen.

„Was daran?“

„ Ich finde, als Musiker sollte man irgendwo authentisch bleiben. Irgendwie spielen wir allen was vor, oder?“ fing Frank an, ehe er eine Sekunde Pause machte um eine Reaktion seines Gegenübers abzuwarten. Gerard starrte ihn allerdings nur wortlos an.

„Mich nervt das mittlerweile übertrieben. Ständig dieses rumgemache und wenn uns einer fragt, ob wir was am laufen hätten, weichst du der Antwort irgendwie geschickt aus.

Ich habe das Gefühl, dir gefällt das Aufmerksamkeit dadurch zu bekommen.“ Fuhr Frank fort.

„ Ich verstehe nicht, wo plötzlich dein Problem liegt…. Und weshalb kannst du mir das nicht morgen beim Frühstück sagen?! “ Antworte Gerard und zog dabei eine Augenbraue in die Höhe, ehe er die Arme vor der Brust verschränkte. „Es geht doch eben darum, sich nicht in eine Schublade stecken zu lassen, oder? Einfach das zu tun, was man möchte.“

Frank zögerte eine Sekunde, ehe er sprach: „ Ich möchte dich aber nicht Küssen. Nicht für irgendwelche Frerard-Fans, die sich anschließend irgendeinen Scheiß zusammenfantasieren und Geschichten darüber schreiben, weil die kein eigenes Liebesleben haben.“

Seine Stimme zitterte ein wenig, was nicht zuletzt daran lag, dass der Satz schwerer über die Lippen zu bringen war, als erwartet.

„Okay, wenn es dich stört, dann lassen wir das eben.“ Meinte Gerard gelangweilt.

„Gut.“ Antwortete Frank, in einem Tonfall, der ihn selbst an ein trotziges Kind erinnerte, dem man soeben Hausarrest erteilt hatte. „Und sag doch bitte einfach das nächste Mal, wenn du in nem Interview angesprochen wirst, das du ein Statement setzen wolltest, statt mit so blöden Aussagen um die Ecke zu kommen.“

„Was genau meinst du?“ fragte sein Gegenüber und musterte ihn mit einem abschätzigen Blick.

„Sag nicht sowas wie, ich schauspielere nicht auf der Bühne, erkläre es den Fans lieber so, wie du es mir erklärt hast, okay? Das war eine gute Idee, zu demonstrieren, dass Männer das auch dürfen sollten, aber deshalb müssen wir doch jetzt nicht die nächsten zwanzig Jahre so weiter machen. .“

„Das war keine Ausrede.“ Sagte Gerard mit einer heiseren, kratzigen Stimme. Seine Stimme war immer etwas rau, wenn er gerade aufgewacht war.

„Dann hör halt auf immer beim Interview so Halbwahrheiten von dir zu geben…. Ich hasse das. Ich hasse es jedes verdammte Mal, wenn du so einen blöden Kack erzählst.“

„ Ich erzähl doch garkeinen Scheiß.“

„Doch machst du...?! Du tust so, als ob wir eine verdammte Affäre hätten oder so. Was soll Jamia denken, wenn sie die Interviews sieht?? Ich bin wochenlang mit dir unterwegs und sehe sie in der Zeit gar nicht… “ Frank merkte gar nicht, dass er mittlerweile beinahe Schrie.

„Wenn das Jamia stört, dann sag das doch….“

„MICH stört das…. Du machst mich einfach verrückt, Mann…“ Rutschte es Frank raus, ehe er verärgert die Augen zusammenkniff. Das hätte er besser nicht sagen sollen.

Gerard erhob sich mit einer raschen Bewegung von der Bettkante, ehe er Frank sanft nach hinten stieß und ihn gegen die Wand drückte.

„Du bist richtig dumm Frank. Richtig richtig dumm…. “ flüsterte er und legte seine Lippen vorsichtig auf Franks. Beinahe schüchtern, als hätten sie es nicht schon zwanzig Mal gemacht. Frank brauchte einen Augenblick um zu realisieren, was dort eben geschah, ehe er den Kuss erwiderte.

Obwohl es nur einige Sekunden waren, fühlte es sich an als würde Franks Welt stehen bleiben. Es war zwar nicht der erste Kuss, den sie miteinander teilten, aber der erste, der so wahnsinnig liebevoll war. Sein Herz fühlte sich an, als müsste es jeden Augenblick zerspringen.

Gerard strich ihm mit seinen Kühlen Fingern über die Wange, ehe er  sich sanft von ihm löste.

„Ich…  gehe der Frage doch nicht aus dem Weg weil ich irgendwelchen Emo Girls  was vorspielen will. Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte. Ich versuche dir doch die ganze Zeit zu sagen, hey, ich glaube da ist mehr.

Damals, als ich dich das erste Mal geküsst habe, hab ich das nicht gemacht um irgendwas zu vermitteln, sondern… weil… ich war betrunken und wollte es eben. Aber das konnte ich dir ja schlecht erklären.“

Gerard kicherte nervös, ehe er sich eine dunkle Haarsrähne hinters Ohr schob, beinahe so als wüsste er mit seinen Händen nichts anzufangen.

Frank brauchte eine Weile um zu realisieren was Gerard dort von sich gab. Langfristig hatte er keinen blassen Schimmer, was er mit dieser Information anfangen sollte und tausende Fragen hingen, wie ein dichter schwerer Nebel, in seinem Kopf.

Einen Moment lang, dachte er an Jamia. Er hatte etwas angezettelt, was entgegen seiner Erwartung zu einem noch größeren Gefühlschaos führen würde, als jemals erahnt.

Aber heute hatte er keinen Nerv mehr, darüber nachzudenken.

Ein wenig überfordert lächelten sie sich an, ehe Frank den Abstand zwischen ihnen verringerte, um ihn ein zweites Mal zu küssen.