The King of ember and smoke

von Leselotus
GeschichteRomanze, Fantasy / P16
11.07.2019
14.07.2019
2
4515
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Der Wecker klingelte und ging Kacey damit zum wiederholten Male auf die Nerven. Sie brummte und griff nach ihrem Wurfkissen, als er verstummte. Müde hob sie ihren Kopf aus dem Kissenberg und sah zu ihrem Bruder, der den Wecker schon für den nächsten Tag stellte. "Es ist schon fast 8 Uhr Kacey, du solltest aufstehen." Sie brummte und zog sich die Decke über den Kopf. "Wieso stehen wir so früh auf, wenn wir eigentlich nichts zu tun haben?" Mit einem Ruck war ihre Decke weg und sie maulte. Ein böser Blick zu ihrem Bruder und als Antwort ein Lachen von ihm. "Wir stehen früh auf, damit wir den Tag nutzen können. Wir haben außerdem versprochen bei dem Sammeln für kleine Magier zu helfen, also steh schon auf." Stimmt, dass hatte sie vergessen. Seufzend stand sie auf und ging zum Fenster, um die Aussicht wie üblich zu begutachten, während ihr Bruder das Frühstück machen ging.

Sie liebte das Königreich, in dem sie lebte. Anthrea, ein Königreich voller Magie – buchstäblich. Das Königreich schwebte, ebenso wie andere vier Reiche, in dem Himmel, über der Erde. Zum Teil deswegen, gab es auf Anthrea keine wirklichen Landschaften, keine Gebirge oder Meere. Jedes der 5 Königreiche bestand lediglich aus einer großen Stadt. Aber dafür hatten sie die schönste Sicht auf die Wolkenberge, zu jeder Uhrzeit, selbst bei Sonnenuntergang, wenn die Wolken sich pink färbten, waren sie es, die es als erstes sahen. Landschaften gab es nur in der menschlichen Welt.

In Anthrea wohnten Magier, Wesen und andere nicht-menschliche Gruppen, die es zu einem der schönsten Orte überhaupt machten. Das Königreich war eine von 5 schwebenden Inseln, von ihnen war sie aber die Größte. Von der menschlichen Welt konnte man unsere Inseln nicht sehen, vor ihnen war eine Art Schutzschild, die wie eine optische Illusion wirkte und dafür sorgte, dass unsere Welten geheim blieben. Die einzigen Menschen, die unsere Welt sehen konnten, waren sehr kleine Kinder oder Menschen mit einem Gespür für Magie. Von diesen Menschen gab es allerdings nicht viele und seit einiger Zeit wurde auch Jagd auf sie gemacht. Bei dem Gedanken entwich ihr ein Seufzen und ihr Blick wanderte über die verschiedenen Fassaden der Häuser bis hin zum Marktplatz. Die kleinen Stände und Menschen weckten Erinnerungen in ihr und füllten sie mit warmer Vorfreude. Dort würde am Mittag das Sammeln für kleine Magier stattfinden und es war jedes Jahr eine wundervolle Aktion. Kleine Magier war ein Waisenhaus und sammelte jedes Jahr Bücher und andere Utensilien zum Erlernen von Magie. Die Kinder selbst halfen dabei immer mit und hatten auch die Chance von den großen Illusionisten und Magiern die Geschichten zuhören. Kacey selbst hörte ihnen immer gerne zu und träumte davon, auch mal ein Abenteuer zu erleben, von dem sie den Kindern erzählen konnte. Aber wie so vieles im Leben, würde auch dies ein Traum bleiben. Ihre liebste Geschichte war die von einer sehr alten Frau. Als Kacey fünf Jahre alt war, erzählte ihr die Frau, wie sie ihren Mann kennenlernte. Sie hieß Elenor. Elenor war auf der Erde und suchte nach einem Buch von ihrer liebsten menschlichen Autorin. Leider kannte sie sich nicht aus und schnell wurde sie von Jägern entdeckt. Sie versuchte zu flüchten, wurde jedoch von ihnen angeschossen. Da kam ihr Mann ins Spiel. Er sah, wie sie nach einem Versteck suchte, sie war damals erst 20 Jahre alt, und er zog sie in seinen kleinen Bücherladen. Die Jäger liefen an dem Laden vorbei und sie warf ihren Mann mit den Büchern aus seinem Laden ab, weil sie solche Angst vor ihm hatte. Nachdem er sie beruhigen konnte, erklärte er ihr, dass er aus dem Nachbar Königreich käme und so kam wohl eines zum anderen. Für euch mag es unspektakulär klingen, aber ich fand es toll. Sie fand einen Gleichgesinnten, an einem Ort, an dem man am wenigsten damit rechnet. Sie bekamen sogar ein Kind zusammen und bis zu dem viel zu frühen Tod von ihr, war sie Kaceys beste Freundin gewesen. Kacey mied Erinnerungen an sie, geschweige denn, ihren Namen auszusprechen. Casimir hatte sie danach mal gefragt, aber sie wollte ihm nie antworten. Es war ihr größtes Geheimnis.

Sie sah zu ihrem Bruder, wie er in der Küche den Tisch deckte und musste lächeln. Er war zwar nur ein Jahr älter als sie, hatte sich aber immer um sie gekümmert ohne sich auch nur einmal zu beklagen. Casimir sah ihr ähnlich. Oder sie sah ihm ähnlich, er war ja der Ältere. Kastanienbraune Haare, grüne leuchtende Augen. Das hatten sie beide. Sie hatten auch beide einen eher blassen Hautton und im Hochsommer hatte er Sommersprossen, die sie leider das ganze Jahr lang hatte. Er war ihre einzige Familie und auch wenn sie es ihm selten sagte, wusste er, dass sie ihn liebte.

Anstatt direkt in die Küche zu gehen, entschied sie sich fürs Badezimmer. Sie duschte sich schnell und zog sich etwas Neues an. Vor dem Spiegel trocknete sie sich ihre Haare und musterte sich. Der Spiegel war am Rand noch leicht beschlagen, aber ihr Gesicht konnte sie sehen. Blasse Haut, kastanienbraunes, schulterlanges Haar, Sommersprossen. Runde, grüne und helle Augen schauten zurück, in ihnen waren kleine blaue Sprenkel. Ihre Lippen waren voll und sie hatte einen leichten Schmollmund. Zeitgleich mochte und hasste sie ihren Mund. Wenn sie lächelte oder redete, empfand sie ihn schön, hatte sie aber einen gleichgültigen Gesichtsausdruck, dann sah sie aus wie ein kleines schmollendes Kind.

Brummend ging sie in die Küche und musste bei dem Anblick ihres Bruders in ihrer Schürze grinsen.

"Hey Cas'."

"Was ist?"

Sie grinste und ging zu ihm. "Die Milch brennt an."

Er fluchte leise und nahm sofort den Topf von der Herdplatte. "Tja.. es gibt vielleicht einen kleinen Nachgeschmack, aber im Großen und Ganzen sollte sie noch zu genießen sein."

Sie lachte auf und aß mit ihm zu Frühstück, direkt danach machten sie sich fertig, gingen zum Marktplatz und halfen den Kindern und Mitarbeitern von Kleinen Magiern. Der Marktplatz war ungefähr so groß wie ein Fußballfeld und überall standen kleine Stände aus Holz mit Tüchern als Planen. Passend zu den Häusern, waren auch die Planen in hellen Tönen wie blau oder mintgrün. Es gab allerlei Obst und Gemüsestände, Kleidungen und Tücher wurden auch verkauft. Vor allem gab es aber auch sehr viele Stände mit eher älteren Büchern, über Magie, bestimmte Formeln und über die zwei Welten. Es gab auch ein paar Bücher, die nur von der menschlichen Welt handelten, von denen hatte Casimir sogar welche. In der Mitte des Marktplatzes wurde für eine große Plane Platz gemacht, auf der schon die ersten Helfer und Mitarbeiter von dem Waisenhaus waren und die ersten Spenden annahmen. Sie und ihr Bruder gingen zu ihnen, meldeten sich an und verbrachten den Tag damit, die Spenden anzunehmen.

Sie und ihr Bruder räumten gerade die letzte Kiste in die Kutsche als die Heimleiterin Jeanette zu ihnen kam. "Casimir, Kacey wir haben als Danke ein kleines Geschenk für euch". Lächelnd hielt sie Casimir ein Buch hin. Es sah schon alt und deutlich zerfleddert aus, der Titel war kaum noch zu lesen, aber es schien sich um eine Art Tagebuch zu handeln. Casimir nahm es natürlich an und blätterte sofort neugierig darin herum, er war die Leseratte schlecht hin und Jeanette wusste es. "Danke euch zwei, dass ihr dieses Jahr wieder geholfen habt. Wir vermissen euch sehr im Heim", sie schmunzelte und fügte noch frech hinzu, "auch wenn unser Heim ohne Kacey viel seltener in Brand steht." Kacey schmollte.

Kacey war ein Feuerzüngler. Feuerzüngler sind Magier mit Begabungen für Feuer – wie der Name ja schon sagt. Mit bestimmten Bewegungen und Formeln ist es ihnen möglich Feuer zu erschaffen und zu nutzen, wie sie es brauchen. Begabte Feuerzüngler konnten das alles auch ohne Formeln oder Bewegungen. Ihre Magie war dann schon so tief mit der Seele verbunden, dass sie ihre Kraft einfach nutzen konnten, wenn sie sie brauchten. Kacey hatte zwar viel geübt und damit auch das ein oder andere Feuer versehentlich gelegt, aber sie konnte es nie ohne ihre Formeln schaffen und ebendieses frustrierte sie mehr, als sie je zugeben würde.

Ihr Bruder Casimir hingegen war ein Meister der Illusionen. Mit den Gedanken alleine, konnte er Illusionen erschaffen, die selbst Späher nicht durchschauen konnten. Schon als Kleinkind war er gut darin und über die Jahre hatte er es perfektioniert. In unserem Königreich war er auch deshalb einigermaßen bekannt und hatte einen guten Ruf bei der Königsfamilie. Illusionsmeister gab es nicht allzu oft und gute erst recht nicht. Zumindest nicht in Anthrea. Wenn dringend welche gebraucht wurden, wurden welche aus einem der Nachbarkönigreiche geschickt.

Casimir war schon längst in das Buch vertieft und bekam die Welt um sich herum nicht mehr mit, also verabschiedete Jeanette sich bei Kacey und fuhr dann mit den anderen aus dem Heim und den Spenden fort. Sanft stupste sie Casimir an. "Hey Cas, wir sollten wieder nach Hause, es ist schon spät. Du kannst doch zuhause weiter lesen." "In dem Buch wird über ein Amulette der Schatten geschrieben.. Ich weiß nicht, aber ich hab das Gefühl, dass das hier.. na ja.. echt ist. Es ist handgeschrieben und die Art wie es geschrieben ist..." "Casimir.. es ist ein Fantasybuch.. ausgedacht.. interpretier da nicht zu viel rein.." Er sah ihr in die Augen und in diesen war leicht zu erkennen, wie sehr er an die Echtheit der Geschichte zu glauben schien. Kacey entwich ein Seufzer und ein Schmunzeln stahl sich auf ihre Lippen.

Sie wusste, dass sie Casimir nicht von dem Buch losbekommen würde und zog ihn somit mit in ein Café, wo sie ihn direkt ansah. Na dann erzähl mir von dem Buch. So wie ich dich kenne, hast du es schon zur Hälfte durch.

Er lächelte schief. Na gut.. aber erst bestellen wir uns Getränke und Kuchen.

Sie lächelte und nickte sanft. "Geht klar, Boss."

Wenige Minuten später hatten sie den Kuchen und eine heiße Schokolade. Kacey wartete darauf, dass ihr Bruder anfing zu reden, aber er kümmerte sich lieber um sein Stück Torte, bis sie ihm gegen sein Bein trat. "Au! Ist ja gut.. ich erzähle ja schon.." Er rieb sich kurz sein Bein. "Also.. in dem Buch steht, dass es eine Organisation gibt.. Anthreas Organisation. Sie leben unter uns, geheim und beobachten uns." Sein Gesichtsausdruck war bei dem Gedanken ernst, sie wusste, dass er den Gedanken ablehnte beobachtet zu werden. "Laut dem Buch heißt es, dass diese Organisation von einer Königsfamilie angeführt wird, einer Familie, die viel mächtiger und stärker ist, als die, die uns präsentiert", fuhr er fort, "diese Familie bewahrt ein Amulette.. es ist.. so stark an Magie, dass es einem einen Wunsch erfüllen kann, wenn man die richtige Formel benutzt.."

Er sah zu ihr und sie wusste, was in seinem Kopf vorging. Eine Familie. Ja, alleine haben sie bisher alles geschafft. Aber an jedem Geburtstag, jedem Fest, sogar an jedem Feiertag vermissten sie es beide, in einer Familie zu sein. Casimir hatte es am schwersten. Er war es, der sich seit Kindertagen um sie kümmern musste. Oft hatte sie sein Gesicht gesehen, wenn eine Familie an ihnen vorbei lief. Viel zu oft war sein Gesicht von Trauer und Sehnsucht gezeichnet. Zu gern hätte sie ihm diese Schmerzen abgenommen, aber so sehr sie es auch versuchte, dazu war sie nicht in der Lage.

"Und du denkst, dass das alles wahr ist? Ich meine.. klingt es nicht ein wenig zu.. naja.. aufregend?" Sie sah ihn an und versuchte ihn aufmunternd anzusehen.

Er dachte eine Weile darüber nach, schüttelte aber den Kopf. "Nein. Ich denke, dass da was dran ist. So, wie es geschrieben ist.. kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass es nicht wahr ist." Er sah sie ernst an und schien zu realisieren, was ihr im Kopf vorging. "Kacey.. ich weiß, dass du daran zweifelst.. ich weiß auch, dass du solchen Geschichten schwer glauben kannst, aber dem ein wenig auf den Grund zu gehen, kann ja nicht schaden und wer weiß, vielleicht ist es das Abenteuer, auf dass du seit Jahren auf der Suche bist." Er gab ihr damit zu denken und sie seufzte leise. "Komm, lass uns nach Hause gehen, der Tag war echt anstrengend." Er nickte zustimmend und bezahlte für beide. Seinen Kakao ließ er halb gefüllt stehen.

Während sich beide auf den gepflasterten Straßen, die nur spärlich beleuchtet waren, auf den Weg nach Hause machten, überlegte ihr Bruder laut, was er zum Abendessen machen könnte.

Vielleicht war es Einbildung und lag an dem ganzen Gerede über eine Geheimorganisation, aber während die Geschwister durch eine engere Straße gingen, war sich Kacey sicher, noch ein weiteres Paar Schritte zuhören, etwas weiter hinter ihnen. Sie blieb stehen und horchte genauer hin. Casimir und auch der dritte blieben mit kurzer Verzögerung stehen. Nachdenklich sah sie ihren Bruder an. "Casimir.. ich glaube, dass uns jemand nachläuft.." Langsam ging sie weiter. Casimir tat es ihr gleich, schwieg nun allerdings, um selbst auf Schritte zu hören. Und tatsächlich nickte er nach einigen Minuten. "Du hast recht", murmelte er leise. Er gab ihr das Zeichen und beide fingen an zu laufen. Ein Blick über die Schulter zeigte ihr, dass es nicht nur ein Verfolger war, sondern drei insgesamt. Sie fluchte leise und wich gerade so noch einer Laterne aus. Bevor sie es schafften, um die nächste Ecke zulaufen, tauchten vor ihnen noch drei weitere Männer auf und schnitten ihnen den Weg ab. Beide blieben schnaufend vor den Männern stehen, nun komplett eingekesselt. Die Männer waren in weißen Tüchern verhüllt, ihre Gesichter von einer Maske verdeckt. Kacey wäre bereit, ihr Feuer zu nutzen, wenn es sein musste und auch Casimir schien bereit zu sein, zu kämpfen. Einer der Männer, der größte und unheimlichste von ihnen trat nach vorne. "Es tut mir sehr leid, aber ihr zwei kommt mit uns." Bevor einer der beiden etwas erwidern konnte, hob der Mann seine Hand und den Geschwistern wurde schwarz vor Augen. Sie beide verloren ihr Bewusstsein.