Crossing Borders

GeschichteAngst / P18 Slash
Felipe Nasr Jean-Éric Vergne Jolyon Palmer
11.07.2019
16.11.2019
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Kommentar: Hallo Ihr Lieben!
Also gut, ihr habt mich sowas von überredet...
Ich werde versuchen, diese Story online zu bekommen. Ein paar Kapitel habe ich zumindest schon zusammen und den Prolog reiche ich an dieser Stelle auch nach. Wie regelmäßig die Updates kommen, kann ich noch nicht sagen, aber ich werde mich bemühen, hier nicht zu sehr ins Stocken zu geraten.

Disclaimer: Der Inhalt dieser Geschichte ist frei erfunden und entspringt lediglich meinen eigenen Gedanken. Ich kenne keine der hier beschriebenen Personen, verdiene kein Geld damit und möchte auch keinem zu nahetreten.





Eine entsetzliche Lüge

Prolog


Budapest, Ungarn
27. Juli 2014


Mit einem Mal wich das Grinsen aus seinem Gesicht. Alles, was er gesagt hatte, alles, was er von ihm gedacht und geglaubt hatte…
Plötzlich begriff er, dass nichts davon wirklich stimmte, dass etwas ganz anderes dahinterstecken musste und dass er unrecht hatte. Er hätte das nicht von sich geben sollen. Er war mit alledem viel zu weitgegangen und er hatte es vollkommen übertrieben.
Aber es war längst zu spät, um noch irgendetwas zurückzunehmen. Die Worte waren schon längst ausgesprochen. Nicht nur die, die er ihm eben gerade an den Kopf geworfen hatte, sondern auch alle davor. Und nicht nur unter vier Augen, sondern vor all den anderen Fahrern.
Wieso war ihm nicht längst aufgefallen, dass da etwas nicht stimmte? Ganz offensichtlich war das, was er über ihn gehört hatte, überhaupt nicht wahr, aber es war zu spät.

Und jetzt hatte er das auch noch mit angehört, ihn in so einer Situation vollkommen überrascht und er war wie erstarrt. Das hatte er einfach nicht gewusst. Dass das hinter all dem Gerede steckte… Wenn er das gewusst hätte, wäre er doch niemals darauf eingestiegen. Und nun konnte er nicht anders, als den Brasilianer anzustarren.
Dass diesem dabei gar nicht wohl war, war eigentlich gar nicht zu übersehen. Dass er zwischen Wut und Panik schwankte, ebenso wenig. Das hatte sicher niemand wissen sollen und er schon einmal gar nicht. Er war hier in etwas reingeplatzt, was ihn überhaupt nichts anging und dennoch… Langsam stieg die Bedeutung dessen, was er gehört hatte erst zu ihm durch.
„Was machst du hier?“, wurde er da aber schon gefragt. Er war sich nicht sicher, ob das Panik, Verunsicherung oder auch ein bisschen Wut in der Stimme des Jüngeren war. Aber er konnte sich natürlich denken, dass er nicht gewollt hatte, dass ausgerechnet er das mitbekam. Er konnte sich denken, was ihm in diesem Moment durch den Kopf schießen musste.

Aber auf ihn konnte er gar nicht so sehr achten. Viel mehr starrte er auf den anderen Fahrer. Er fuhr nicht einmal in ihrer Rennserie. Er war NASCAR-Fahrer und von ihm hatte er diesen ganzen Schwachsinn ja erst gehört. Und nun… Nun kam er hier zufällig vorbei und hörte, wie er diese abscheulichen… Wie konnte er nur? Wie hatte er das nur machen können?
„Ups… du hast uns erwischt…“, grinste der Ältere noch dümmlich. „Hast du etwa alles gehört? Das wäre jetzt aber sehr ungünstig für mich. Dann müsste ich nämlich versuchen dir zu erklären, dass das gar nicht so ist, wie es den Anschein hat…“
Er konnte nur abfällig schnauben. War das sein verdammter Ernst? Hielt er das für ein Spiel? Für Spaß? Das war es ganz und gar nicht. Wusste er denn nicht, was er damit anrichtete? Er konnte in diesem Moment einfach nicht anders, als seinem Impuls nachzugeben, mit der bereits geballten Faust auszuholen und dem NASCAR-Piloten einen gezielten Schlag genau zwischen die Augen zu verpassen.

Ein unschönes Knacken war zu hören. Dann ein heftiges Fluchen und die Stimme des Jüngeren.
„Jolyon!“ Er schnappte erschrocken nach Luft, als er zu spät reagierte, um ihn noch davon abzuhalten. Er hatte ja auch nicht damit rechnen können, dass er das vorhaben könnte. Aber in diesem Moment hatte sich so viel Wut in ihm aufgestaut. Am liebsten würde er sofort nachsetzen und diesem Kerl noch eine verpassen!
Was bildete der sich nur ein und dann fing er auch noch an zu jammern. Er war wohl der letzte, der jetzt anfangen durfte zu jammern!
„Au! Sag mal spinnst du? Du kannst mir doch nicht einfach eine reinhauen! Was soll das denn? Oh man… meine Nase! Sieh dir nur an, was du angerichtet hast!“, zeterte er und er konnte wirklich nicht fassen, dass er das tat. Dazu hatte er wirklich kein recht. Er wollte ausholen und…
„Jolyon, es reicht!“, ging der Brasilianer tatsächlich dazwischen. Wie konnte er seinen Landsmann denn noch verteidigen, nach allem, was er ihm offenbar angetan hatte? Das wollte ihm gerade wirklich nicht in den Kopf.

„Es reicht? Findest du wirklich, dass es reicht?“, fragte er seinen ehemaligen Teamkollegen also entsetzt. Zugegeben, er müsste das nicht tun. Sie hatten sich zuletzt wirklich nicht mehr besonders gut verstanden. Ganz im Gegenteil.
Aber das war offenbar alles nur dadurch gekommen, dass er Dinge über den Jüngeren geglaubt hatte, die so nicht richtig waren, dass er provoziert hatte, wo er lieber Verständnis hätte haben sollen und…
Gott, er konnte es immer noch nicht fassen! Sowas war einfach nur ekelhaft und furchtbar und… grausam! Wie konnte jemand nur so sein? Und er hatte es zugelassen, dass so eine Person ihn auf eine gewisse Art und Weise beeinflusste. Das war wirklich kein gutes Gefühl… Er fühlte sich so schuldig und hintergangen und… Er hatte einfach keine Worte dafür!

„Nein…“, kam die Antwort auf seine Frage mit einiger Verzögerung. „Aber es ändert leider nichts mehr und ich will nicht…“ Er brach ab und richtete den Blick zu Boden. Es schien eine Menge zu geben, worüber der Jüngere entweder nicht sprechen konnte oder nicht sprechen wollte und nach den Dingen, die er eben erfahren hatte, wunderte ihn das auch gar nicht mehr. Es war unvorstellbar…
Doch wieder fing dieser Idiot an zu lachen. Er hatte ihm gerade eine reingehauen und dieser Mistkerl fing einfach an zu lachen. Es war unglaublich. Wie konnte man ihm da nicht noch eine verpassen? Aber er würde sich daran halten, wenn es denn unbedingt sein musste.
„Oh man, jetzt beschützt dich schon dein eigener Feind. Das ist echt brillant, nicht wahr?“, amüsierte er sich auf Kosten des Jüngeren. Was für ein Widerling! Wie konnte er da nur so ruhig bleiben. Wieso ertrug er das einfach?
Wenn sie aneinandergeraten waren, dann war der Brasilianer doch auch nicht auf den Mund gefallen. Dann konterte er ihn einfach aus. Wieso konnte er das bei diesem Typen nicht auch machen? Wieso wehrte er sich nicht einfach? Das konnte er nicht glauben!

„Halt bloß dein Maul!“, schleuderte er dem NASCAR-Fahrer also entgegen. Was bildete der sich da nur ein? Der sollte bloß still sein! Doch wieder wurde er von seinem ehemaligen Teamkollegen daran gehindert, ihn sich vorzunehmen. Was war nur mit ihm los? Er konnte ihm doch nicht erzählen, dass er nach alldem nicht das Bedürfnis hatte, ihm kräftig eine zu verpassen!
Er riss sich also von dem Jüngeren los. Er musste schließlich irgendwo hin mit seiner Wut, also packte er sich den Älteren am Kragen, zog ihn ganz dicht zu sich und sah ihm direkt in die Augen. Wenn der Brasilianer sich nicht traute… Gut, dann gab es womöglich einen Grund dafür, aber er selbst ließ sich gewiss von niemandem einschüchtern. Erstrecht nicht von so einem Oberidioten, der ihn auch noch verarscht hatte!
„Sieh bloß zu, dass du mir nicht wieder unter die Augen kommst! Das nächste Mal halte ich mich nicht zurück!“, drohte er ihm also noch, bevor er ihn mit aller Kraft von sich stieß. Dabei kam der NASCAR-Fahrer noch einmal ins Stolpern und landete sehr unsanft auf dem Boden. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen hatte er aber verstanden, dass er seine Worte ernst gemeint hatte. Er verzog wütend das Gesicht, ehe er sich aufrappelte.

„Das wird dir noch leidtun, Palmer!“, zischte er noch, bevor er aber tatsächlich verschwand. Am liebsten hätte er ihm dafür auch wieder einen Schlag verpasst, aber er wusste, dass ihn dann wieder jemand davon abhalten würde. Aber wieso? Wieso sollte man so einem Großkotz denn nicht das geben, worum er ja so vehement bettelte?
Er wandte sich zu dem Jüngeren, konnte ihn nur fassungslos anstarren. Was war mit ihm los? Wie konnte er da so stehen? Mit eingesunkenen Schultern, den Blick gesenkt… Das war doch nicht er… So hatte er ihm noch nie gegenübergestanden. So kannte er ihn gar nicht. Aber es hing mit dem zusammen, was er da eben erfahren hatte, so viel war ja klar.
Er beobachtete, wie sein ehemaliger Teamkollege auf seiner Unterlippe herumbiss, wie er die Arme fest um seinen Oberkörper schlang und einen Schritt nach hinten machte, als wollte er am liebsten vor ihm davonlaufen. Es war wohl an ihm, das eiserne Schweigen zu brechen, aber wie sollte er das anstellen? Das musste ja alles erstmal sacken…

Er versuchte also seine Gedanken zu ordnen. Er musste mit ihm sprechen. Nach allem was er erfahren hatte, mussten sie einfach darüber reden, auch, wenn der Jüngere das wahrscheinlich nicht wollte. Aber er wollte. Er wollte das zumindest verstehen.
„Es tut mir leid“, sagte er also nach einer Weile. Er wusste einfach nicht, was er sonst sagen sollte. Aber es tat ihm schrecklich leid. Alles, was zwischen ihnen passiert war und er fragte sich unweigerlich, ob es anders gelaufen wäre, wenn er früher gewusst hätte, wie die Wahrheit aussah. „Wenn ich gewusst hätte, dass er…“ Nein, er sollte das vielleicht lieber nicht aussprechen. Er war zwar nicht unbedingt für sein Taktgefühl bekannt, aber er musste auch nicht unsensibel werden. „Verdammt, ich hatte echt keine Ahnung, was er da für einen Mist erzählt, aber… Ich weiß, ich hätte ihm nicht so einfach glauben sollen.“
Das machte es wahrscheinlich auch nicht besser. Der Brasilianer musste sich trotzdem schrecklich fühlen. Was hatten sie einander zuletzt auch alles gesagt? Am liebsten würde er noch einmal ganz von vorne anfangen, aber das war jetzt wohl kaum mehr möglich. Er wusste nicht, was er machen sollte. Er kam sich echt bescheuert vor gerade…

Als der Brasilianer immer noch in seiner Position verharrte, seufzte er innerlich. Dass ihm das gerade alles ein bisschen viel war, konnte er sich natürlich auch denken. Vielleicht…
„Felipe, ich…“ Er war echt nicht so gut mit Worten, aber… „Sollen wir vielleicht mal in Ruhe einfach reden? Ich meine, jetzt wo ich das weiß? Ich glaube, es wäre nicht richtig, wenn wir uns aus dem Weg gehen und so tun, als wäre das gerade nicht passiert.“
Er konnte sehen, dass sein ehemaliger Teamkollege sich verspannte, dass er das im Grunde nicht wollte, aber vermutlich war ihm auch klar, dass er ihn damit nicht so ohne weiteres stehen lassen konnte. Dafür schien er einfach zu gut erzogen zu sein. Oder sowas in der Art.

Irgendwann nahm der Jüngere aber all seinen Mut zusammen und blickte ihm doch noch direkt in die Augen. Er sah ihm an, dass er nun direkt auf Konfrontation gehen wollte. Vermutlich fühlte er sich in die Ecke gedrängt und sah nun keinen anderen Weg mehr, als die Flucht nach vorne. Was immer nun kommen würde, er beschloss bereits, es ihm nachzusehen.
„Das kommt dir doch gelegen, oder nicht?“, stieß der Brasilianer schließlich aus. Halb wütend, halb verzweifelt. „Alles was du jetzt weißt…“ Seine Stimme wurde schwächer und brach. Er schaffte es einfach nicht, den Effekt zu erzielen, den er erzielen wollte, das war ihm bewusst.
Er beschloss also, ihn verständnislos anzusehen und erklärte dann: „Gar nichts kommt mir gelegen. Felipe, was dieser Arsch dir angetan hat…“ Er hatte gar keine Worte dafür. Das machte selbst ihn sprachlos und das wollte ja schon was heißen. Er konnte für gewöhnlich zu allem irgendetwas sagen. „Ganz ehrlich… Ich finde das so schäbig. Das geht einfach gar nicht! Wie erträgst du das nur?“

Sein ehemaliger Teamkollege hob den Kopf, blickte ihn mit feuchten Augen an und zuckte dann mit den Schultern.
„Ich weiß es nicht…“ Es klang alles andere als kraftvoll. Er sah müde und erledigt aus. Er fragte sich wirklich, wie lange der Jüngere das womöglich schon mit sich herumtrug, aber alles, was er dem Gespräch entnommen hatte war: Damals, in Rio de Janeiro. Das konnte sonst wann gewesen sein. Aber er ging davon aus, dass es schon eine Weile zurückliegen musste. Solange, wie er das schon erzählt bekam und so fertig, wie der Brasilianer einfach aussah…
Er konnte ihn unmöglich alleine lassen. Er konnte ihn hier so nicht stehen lassen. Das wäre unverantwortlich. Er war vollkommen durch den Wind. Das wäre nicht richtig.

„Komm. Lass uns zum Hotel fahren“, meinte er also. Das war besser, als länger hier zu stehen, wo jeder Zeit vielleicht noch andere Fahrer oder Verantwortliche auftauchen konnten und wenn er bedachte, dass der Jüngere gerade ziemlich fertig aussah und sie heute diese heftige Auseinandersetzung miteinander hatten, wollte er so lieber nicht mit ihm gesehen werden.
Am Ende hieß es noch, dass er schuld daran war, dass er ihm irgendetwas angetan hatte. Das wollte er nun wirklich nicht riskieren.
Sein ehemaliger Teamkollege konnte nur schwach nicken. Zumindest eine Zustimmung, aber vielleicht ergab er sich auch nur seinem Schicksal. Was sollte er denn auch machen? Er musste zugeben, dass er selbst in seinem Leben noch nie so viel Mitgefühl für jemanden empfunden hatte. Zumindest nicht für einen seiner Fahrerkollegen. Und dann ausgerechnet für ihn…
Wenn ihm das am Anfang der Saison oder im vergangenen Jahr jemand gesagt hätte… Vermutlich hätte er geschnaubt und denjenigen für verrückt oder betrunken erklärt.

Aber er hatte sich getäuscht. Er hatte sich in einfach allem getäuscht.
Er hatte den wahren Feind nicht eine Sekunde gekannt, offensichtlich den Falschen geglaubt und jemandem gehöriges Unrecht getan. Wie konnte er nur?
Und nun wollte er gerne wissen, was da hinter steckte, wie dieser Schwachkopf dazu gekommen war, seinem ehemaligen Teamkollegen so etwas anzutun.
Er wollte wissen, wie das damals in Rio hatte passieren können und wieso dieser Kerl ihn damit bis heute belästigte, wieso er ihn nicht in Ruhe ließ und wieso er so versessen darauf war, anderen Fahrern solche Lügen zu erzählen.
Dahinter musste doch mehr stecken, als er bis hierhin wusste…

Er wollte wissen, wieso er und Felipe nie die Chance bekommen hatten, einander mit freundlichen Worten und dem nötigen Respekt zu begegnen.
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